Tipps für Radreisen in Argentinien

In diesem Artikel verraten wir unsere Tipps für Radreisen in Argentinien. Wir sind insgesamt 11 Monate mit Zelt und Kocher durch Argentinien geradelt und haben dieses große Land und seine Beonderheiten aus Sicht eines Reiseradlers erlebt.
Unsere Tipps für Radreisen in Argentinien

Anreise und Grenzabwicklung

Du kannst per Flug oder auf dem Landweg über eines der Nachbarländer (Chile, Bolivien, Paraguay, Brasilien oder Uruguay) einreisen.

Für die An- und Abreise per Flug kommt wahrscheinlich nur Buenos Aires in Betracht, weil andere Flughäfen eher die Inlandsflüge bedienen und für Interkontinentalflüge sehr teuer wären.

Dein Fahrrad musst du dann, wie üblich, in einen Karton oder etwas gleichwertiges verpacken und als Sportgepäck gegen Aufpreis anmelden.

Unsere Tipps und Erfahrungen auf Flugreisen mit dem Fahrrad im Gepäck haben wir in einem separaten Artikel detailliert beschrieben:
Fahrrad im Flugzeug mitnehmen.

Die Einreiseformalitäten sind insgesamt einfach und schnell erledigt. Du erhälst 90 Tage Aufenthaltserlaubnis und benötigst kein Visum. Das trifft auch auf die Nachbarstaaten von Argentinien zu. So erfolgen Ein- und Ausreise auf dem Landweg an allen Grenzübergängen ohne bürokratische Hürden.

Auf Lebensmittelkontrollen musst du allerdings vorbereitet sein bei der Einreise nach Argentinien und der Ausreise in die Nachbarländer. Die Einfuhr vieler pflanzlicher und tierischer Produkte ist nicht erlaubt und die Einhaltung dieser Vorschriften wird auch kontrolliert.

Verständigung

Mit Englisch kommst du nicht sehr weit in Argentinien. Hier wird spanisch gesprochen. Folglich solltest du ein kleines Grundwissen in Spanisch drauf haben. Das ist vor allem in den Lebensmittelläden nützlich, wenn die Waren nicht mit Preisen ausgezeichnet sind.

In einigen Regionen triffst du aber auch auf die deutsche Sprache. Die vielen Einwanderer aus Deutschland haben regelrecht deutsche Siedlungen gebildet.

Internet, Telefonie, Stromversorgung

Freies WiFi findet sich an fast allen Tarnkstellen. Das ist einfacher und schneller, als die Suche nach einem Kaffee, Mac Donald oder sonst einer Einrichtung, die für freies WiFi bekannt ist.

Es gibt häufiger Stromausfall und auch das Internet hat immer wieder Aussetzer.

Prepaid-SIM-Karten für Telefonate sind erschwinglich, aber der Vergleich zwischen den Anbietern wird durch verwirrende Angebote mit virtuellen Rabatten erschwert. Telefonate sind in Argentinien ungewöhnlich teuer. Da ist die Telefoinie über eine WiFi-Verbindung (Skype, WhatsApp) deutlich sinnvoller.

Der Anbieter Claro bietet einen Plan für ganz Südamerika an. Das ist interessant, wenn du nicht nur Radreisen in Argentinien geplant hast.

Die Netzabdeckung weist noch sehr große Lücken auf. Ab der Stadtgrenze findest du in vielen Regionen kein Netz mehr.

Bargeldbeschaffung

Die Bargeldbeschaffung am Geldautomaten ist ein einziges Abenteuer. Viele Geldautomaten funktionieren nicht, spucken kein Geld aus oder akzeptieren deine Kreditkarte nicht. Daneben ist der Maximalbetrag pro Transaktion mit 3000 Peso extrem niedrig, die Gebühren allerdings mit 8 – 10 % extrem hoch.

Am besten bringst du deine Reisekasse in Euro oder US-Dollar mit ins Land und tauschst die Bedarfsmenge in der Wechselstube in Peso um. Halte dabei aber immer die galoppierende Inflation in Argentinien im Auge und informiere dich vor dem Umtausch über die aktuellen Wechselkurse. Das gilt vor allem für einen Umtausch auf der Straße. Es ist auch viel Falschgeld im Umlauf.

Lebensmittelbeschaffung

In den dichter besiedelten Gebieten ist die Versorgung kein Problem. Es gibt einige Supermarktketten und unzählig viele Kleinläden für Brot, Obst, Gemüse, Milchprodukte, Fleisch, usw. Du findest Haferflocken, Polenta und die anderen üblichen leichtgewichtigen Grundnahrungsmittel für deine Radreisen in Argentinien. Die argentinische Küche ist darüber hinaus eine schmackhafte Alternative zum eigenen Kocher.

Im südlichen Patagonien oder in den anderen endlosen Steppen (La Pampa, Chaco) sieht das völlig anders aus. Dort findest du über mehrere hundert km keine Ansiedlungen oder Tankstellen, wo du deine Vorräte auffüllen kannst. Berücksichtige das bei deinen Einkäufen in den wenigen Städten. Das betrifft auch den Brennstoff für deinen Kocher. Spiritus gibt es übrigens in unterschiedlichen Qualitäten. Nehme zum Kochen den Alcohol Ispirto mit 96°.

Trinkwasserbeschaffung

Das Wasser aus den Leitungen ist nicht überall in Argentinien für den Genuss geeignet. Am besten fragst du die Einheimischen immer vor dem Zapfen. Du kannst zur Sicherheit auch einen Wasserfilter mitnehmen auf deine Radreisen in Argentinien. Das ist auf Dauer preiswerter als der Kauf von Trinkwasser in Plastikflaschen.

Unser Tipp für den Reise-Wasserfilter:

Outdoor-Wasserfilter für Radreisen und Backpacking.

Ähnlich wie die Lebensmittelversorgung ist auch die Beschaffung von Trinkwasser in den großen Steppen und im südlichen Patagonien auf den Überlandstrecken sehr schwierig bis unmöglich. Im Notfall hälst du einen der wenigen Autofahrer an. Sie helfen gerne mit Wasser aus.

Bikeshops und Service

Der Radsport ist weit verbreitet und es gibt in jeder Stadt neben vielen einfachen Fahrrad-Reparatur-Werkstätten auch gut sortierte Bikeshops. Importierte Komponenten sind allerdings relativ teuer und es gibt zum Teil extreme Preisunterschiede für ein und dieselben Teile. Da lohnt der Preisvergleich.

Straßen und Verkehr

Es gibt Asphaltstraßen, aber auch noch sehr viel Schotter- und Lehmpisten und insbesondere sehr rustikale Bruchsteinpisten. Insgesamt sind die befestigten Straßen sehr rustikal: Risse, Schlaglöcher, tiefe Abgründe, fehlende Gullideckel ohne Absicherung, … alles ist möglich.

Viele Straßen haben keinen brauchbaren Seitenstreifen für Radler und die Fahrbahn ist viel zu eng. So genießt du als Radfahrer oft keinen sicheren Seitenabstand, denn der motorisierte Verkehr bremst gewöhnlich nicht für Radfahrer. Sie hupen dich von der Straße und fahren dich tatsächlich über den Haufen, wenn du die Fahrbahn nicht verlässt. Diese Straßen ersetzten die Autobahnen und so brettern die LKWs und Busse mit Tempo 100 bis 130 km/h an dir mit Tuchfühlung vorbei. Das ist tatsächlich extrem gefährlich.

Oft fehlen sinnvolle Nebenstrecken und so bist du an diese Straße gebunden.

Ein großer Anteil der motorisierten Fahrzeuge sind alt und pfeifen auf dem letzten Loch. Für Radler bedeutet das hohe Abgaskonzentration und viel Lärm wegen defekter Schalldämpfer. Argentinien ist auch eine Poser-Hochburg.

Orientierung

Die Ausschilderung der Straßen ist zwar lesbar, aber die Anordnung der Ortsnamen auf den Schildern manchmal etwas ungeschickt gelöst. Doch per GPS und Offline-Karte im Handy ist die Orientierung kein Problem mehr. In der weiten patagonischen Steppe ist das Offline-Kartenmaterial von OpenStreetMap allerdings noch sehr mager. Unsere Tipps zur kostenlosen Offline Fahrrad Navigation per Handy haben wir hier näher beschrieben:

Fahrrad Navigation und GPS Logger per Handy – offline und kostenlos.

In den Städten dominiert ein rechtwinkeliges Straßenraster. Das erleichtert den Einheimischen die Beschreibung, wenn du sie nach dem Weg fragst.

Geländeprofil

Je nachdem, in welcher Region oder Provinz du radelst, wirst du mit mehr oder weniger hügeligem Panorama konfrontiert. Misiones ist beispielsweise sehr hügelig, weite Teile in Patagonien sind dagegen flach wie ein Salzsee. Hier kämpfst du dann nicht mit Höhenmetern, sondern gegen einen gnadenlosen Wind.

Radeln

Die Straßen fordern deine volle Aufmerksamkeit. Entweder wegen der Bauschäden oder wegen dem fehlenden Seitenstreifen auf vielen Highways. Nebenstrecken sind deutlich angenehmer zu fahren. Im Zentrum von Buenos Aires gibt es sogar Radwege und sehr deutlich markierte Kreuzungsübergänge für Radler. Die Bruchstein- Pflasterstraßen wirst du hassen. Sie fahren sich schlimmer als Kopfsteinpflaster.

Die dornigen Pflanzen sind häufiger die Ursache für einen Plattfuß, wenn du keinen ausreichenden Pannenschutz im Mantel hast.

Trampen

Es gibt ein paar gute Gründe, auf einer Radreise durch Argentinien aufs Trampen zurück zu greifen:

die endlose Weite ohne Zivilisation (z.B. in Patagonien), der fehlende Randstreifen und der gefährliche Verkehr oder der unbezwingbare Gegenwind im Süden von Patagonien. Mit Trampen bist du flexibler, als mit den öffentlichen Bussen im Fernverkehr. An manchen Tagen läuft es zwar überhaupt nicht, aber insgesamt verlief das Trampen bei uns dann doch erfolgreich, sogar über weite Strecken mit mehreren 100 km. Die großen Pickups sind dabei die beste Wahl: 2 Fahrräder samt Gepäck waren nie ein Problem.

Unsere Tipps zum Trampen: Trampen auf Radreisen.

Zelten und alternative Übernachtungsplätze

Es gibt ein paar gefährliche Ecken in Argentinien, daher ist das Zelten nicht überall die beste Lösung. Wir haben häufiger auf die privaten Übernachtungsnetzwerke Warmshowers oder Couchurfing zurückgegriffen.

Eine interessante Alternative ist in vielen kleineren Städten die freiwillige Feuerwehr (Bomberos Voluntarios). Sie erlauben einem Reiseradler (und nur diesen) häufig eine Übernachtung, meist sogar in einem Schlafraum mit Bett. Aber du hast natürlich keinen Anspruch darauf. Daher kann es auch mal eine Absage geben.

Toilettenpapier wandert in den Mülleimer, nicht ins Abwassersystem. Und die sanitären Anlagen sind im gesamten Land oft abenteuerlich: vieles funktioniert nicht erwartungsgemäß und ist lediglich notdürftig repariert.

Wenn du allerdings zeltest, solltest du den Erdboden vorher sehr intensiv auf dornige Pflanzen absuchen. Insbesondere die selbstaufblasbaren Schlafmatten (z.B. von Thermarest) mögen das nicht gerne und quittieren es unter Umständen mit einem Loch in der Matte. Ist uns 3 mal passiert. Unsere Tipps zu den Outdoor Schlafmatten und deren Reparatur findest du in diesem Artikel.

Sicherheit auf Radreisen in Argentinien

In den größeren Städten und insbesondere in der Hauptstadt Buenos Aires gibt es gefährliche Ecken. Hier solltest du nicht bei Nacht herumradeln und schon gar nicht dein Fahrrad abstellen. Selbst ein gutes Schloss ist keine Sicherheit mehr, denn per Akku-Winkelschleifer ist dein Fahrrad hier innerhalb von 10 Sekunden weg. Das schärfen dir die Einheimischen immer wieder ein. Und es muss etwas dran sein, denn viele Einrichtungen des öffentlichen Lebens werden den ganzen Tag über schwer bewacht. Überall hängen Kameras, alle Fenster sind vergittert und die Grundstücksmauer wird mit Natodraht oder Elektrozaun gesichert.

Wir erlebten allerdings keine gefährliche Situation in all den Monaten, auch nicht in der Hauptstadt. Der Verkehr ist in unseren Augen eine weitaus größere Gefahr auf Radreisen in Argentinien.

Unsere Tipps Zur Absicherung von Fahrrädern gegen Diebstahl haben wir in einem separaten Artikel detailliert beschrieben:
Fahrrad Diebstahlschutz

Gefährliche Tiere

Es gibt viele wilde Hunde und auch privat halten sich viele zur Sicherheit Wachhunde. Aus beiden Gruppen stechen immer wieder ein paar sehr aggressive Exemplare hervor, die dir unangenehm zusetzen können. Wenn du sofort anhälst, drehen die meisten dieser Plagegeister ab. Einen Stock am Lenker in Griffbereitschaft zu haben, schadet auch nicht.

Vor diesem Hintergrund sind auch die Impfunen gegen Tetanus und Tollwut sehr zu empfehlen. Mehr zum Thema Reiseimpfungen findest du in diesem Artikel:
Reiseimpfungen im Überblick

Weniger gefährlich, aber dafür lästig sind die Tabanos (Pferdefliegen) in den feuchteren Zonen der Anden. Sie können sehr nervig werden, weil sie dir hemmungslos ins Gesicht fliegen.

Gesundheitsgefahren

Für Radreisen in Argentinien solltest du auf jeden Fall im Vorfeld einen Tropenmediziner konsultieren. Er klärt dich über die erforderlichen Impfungen und weitere Maßnahmen zum Schutz deiner Gesundheit auf.

Je nach Region benötigst du Schutz gegen Gelbfieber, Dengue, Malaria und andere gefährliche Krankheiten.

Es leben auch einige sehr giftige Schlangen und Spinnen in Argentinien. Sei achtsam, wenn du befestigte Wege verlässt und frage die Einheimischen hiernach, bevor du in der Wildnis dein Zelt aufbaust.

Das Klima in Argentinien

Die Besonderheiten für Reiseradler in Kürze zusammengefasst:

Im Süden Patagoniens herrscht ein unerbittlicher, heftiger Wind. Er ist beeindruckend und kann dir das Radfahren zur Hölle machen, wenn er aus der falschen Richtung bläst. Wir haben ihm sogar einen separaten Artikel gewidmet:
Der Wind in Patagonien

Die gleiche Region ist für ihre Trockenheit bekannt. Es gibt dort keine Zivilisation, keine Flüsse und eben auch kein Trinkwasser. Das solltest du als Radler immer im Auge behalten.

In den kühleren Wintermonaten (Mai – August) herrscht in weiten Teilen des Landes eine unangenehm feuchte Kälte. Dadurch liegt die empfundene Temperatur um einige Grad niedriger es die Klimatabellen ausweisen. Zu jeder Jahreszeit kann es innerhalb von nur einem Tag einen Temperaturwechsel um 20 oder mehr Grad geben.

Kultur

Ganzjährig haben Läden und alle öffentlichen Einrichtungen über die Mittagszeit (von 12 oder 13 Uhr bis 17 Uhr) geschlossen. Das solltest du in deiner Tagesplanung berücksichtigen, wenn du Besorgungen geplant hast.

Und gewöhne dich an das Anstehen in einer Schlange am ATM, im Krankenhaus, im Laden und in vielen anderen Einrichtungen. Beschaffe dir also einen sicheren Stellplatz für dein Fahrrad, denn es wird oft länger dauern, als du geplant hast.

Das soziale Leben hat einen sehr hohen Stellenwert. Das kommt schon bei der Begrüßung zum Ausdruck: der angedeutete Wangenkuss ist fast obligatorisch. Auch das regelmäßige Asado ist deutlich mehr als nur ein Grillen mit Familie oder Freunden.

Die Argentinier laufen immer und überall mit Thermoskanne und Kalabaza in der Hand über die Straße: sie trinken ihren Mate, das Nationalgetränk. Und es ist tatsächlich ein Kult, der sehr intensiv gepflegt wird. Du wirst als Reiseradler mit Sicherheit irgendwann zum Mate eingeladen. Dann ist es von Vorteil, wenn du weißt, was zu beachten ist. Wir haben die Mate-Kultur in diesem Artikel sehr detailliert beschrieben:
Die Mate-Kultur in Südamerika.

Besonders gewöhnungsbedürftig ist die Art, mit baulichen Mißständen oder verschlissenen Gerätschaften umzugehen: man arrangiert sich klaglos mit der Situation, ohne auch nur im entferntesten an eine Reparatur zu denken. Statt dessen wird mit viel Kreativität improvisiert.

Sehenswürdigkeiten

Viele Sehenswürdigkeiten erfordern eine für Radfahrer lange, mühsame Anfahrt über Stichstraßen. Das bringt die magere Infrastruktur in weiten Teilen von Argentinien mit sich. Doch mit einer bedachten Routenplanung kannst du das umgehen.

So bietet der Einzugsbereich der Anden im Westen des Landes sehr viele landschaftliche und kulturelle Highlights. Auch die Provinzen Salta und Jujuy im Norden sind in dieser Hinsicht sehr lohnende Ziele für Radreisen in Argentinien.

Schwierig wird es, wenn du die Iguazú Wasserfälle oder z.B. den Nationalpark Esteros del Iberá anfahren willst. Dann darfst du endlose Highways ohne gut fahrbaren Seitenstreifen durch eher trostlose Landschaft abradeln.

Unsere Artikel über die Sehenswürdigkeiten in Argentinien:

 

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