Tipps für Radreisen in Argentinien – Dein Fahrrad Urlaub

In diesem Artikel verraten wir unsere Tipps für Radreisen in Argentinien. Wir sind insgesamt 11 Monate mit Fahrrad, Zelt und Kocher durch Argentinien geradelt und haben dieses große Land und seine Besonderheiten aus Sicht eines Reiseradlers erlebt.

Unsere Tipps für Radreisen in Argentinien:

 

* Dieser Beitrag enthält Werbelinks.

Anreise und Grenzabwicklung

Für die An- und Abreise per Flug kommt wahrscheinlich nur Buenos Aires in Betracht, weil andere Flughäfen eher die Inlandsflüge bedienen und für Interkontinentalflüge sehr teuer wären.

Dein Fahrrad musst du dann, wie üblich, in einen Karton oder etwas Gleichwertiges verpacken und als Sportgepäck gegen Aufpreis anmelden.

Die Einreiseformalitäten sind insgesamt einfach und schnell erledigt. Du erhältst 90 Tage Aufenthaltserlaubnis und benötigst kein Visum. Das trifft auch auf die Nachbarstaaten von Argentinien zu. So erfolgen Ein- und Ausreise auf dem Landweg an allen Grenzübergängen ohne bürokratische Hürden.

Im Hinblick auf die Corona-Pandemie sind allerdings Einschränkungen bei den Einreisebestimmungen nicht auszuschließen. In diesem Zusamammenhang sind auch verschärfte Grenzkontrollen denkbar. Hierzu solltest du dich zeitnah vor Reisestart über den aktuellen Stand informieren.

Auf Lebensmittelkontrollen musst du allerdings vorbereitet sein bei der Einreise nach Argentinien und der Ausreise in die Nachbarländer. Die Einfuhr vieler pflanzlicher und tierischer Produkte ist nicht erlaubt und die Einhaltung dieser Vorschriften wird auch kontrolliert.

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Lesetipp: Fahrrad im Flugzeug mitnehmen

 

Verständigung

Mit Englisch kommst du nicht sehr weit in Argentinien. Hier wird spanisch gesprochen. Folglich solltest du ein kleines Grundwissen in Spanisch drauf haben. Das ist vor allem in den Lebensmittelläden nützlich, wenn die Waren nicht mit Preisen ausgezeichnet sind.

In einigen Regionen triffst du aber auch auf die deutsche Sprache. Die vielen Einwanderer aus Deutschland haben regelrecht deutsche Siedlungen gebildet.

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Internet, Telefonie, Stromversorgung

Freies WiFi findet sich an fast allen Tankstellen. Das ist einfacher und schneller, als die Suche nach einem Kaffee, Mac Donald oder sonst einer Einrichtung, die für freies WiFi bekannt ist.

Es gibt häufiger Stromausfall und auch das Internet hat immer wieder Aussetzer.

Prepaid-SIM-Karten für Telefonate sind erschwinglich, aber der Vergleich zwischen den Anbietern wird durch verwirrende Angebote mit virtuellen Rabatten erschwert. Telefonate sind in Argentinien ungewöhnlich teuer. Da ist die Telefonie über eine WiFi-Verbindung (Skype, WhatsApp) deutlich sinnvoller.

Der Anbieter Claro bietet einen Plan für ganz Südamerika an. Das ist interessant, wenn du nicht nur Radreisen in Argentinien geplant hast.

Die Netzabdeckung weist noch sehr große Lücken auf. Ab der Stadtgrenze findest du in vielen Regionen kein Netz mehr.

Bargeldbeschaffung

Die Bargeldbeschaffung am Geldautomaten ist ein einziges Abenteuer. Viele Geldautomaten funktionieren nicht, spucken kein Geld aus oder akzeptieren deine Kreditkarte nicht. Daneben ist der Maximalbetrag pro Transaktion mit 3000 Peso extrem niedrig, die Gebühren allerdings mit 8 – 10 % extrem hoch.

Am besten bringst du deine Reisekasse in Euro oder US-Dollar mit ins Land und tauschst die Bedarfsmenge in der Wechselstube in Peso um. Halte dabei aber immer die galoppierende Inflation in Argentinien im Auge und informiere dich vor dem Umtausch über die aktuellen Wechselkurse. Das gilt vor allem für einen Umtausch auf der Straße. Es ist auch viel Falschgeld im Umlauf.

Lebensmittelbeschaffung

In den dichter besiedelten Gebieten ist die Versorgung kein Problem. Es gibt einige Supermarktketten und unzählig viele Kleinläden für Brot, Obst, Gemüse, Milchprodukte, Fleisch, usw. Du findest Haferflocken, Polenta und die anderen üblichen leichtgewichtigen Grundnahrungsmittel für deine Radreisen in Argentinien. Die argentinische Küche ist darüber hinaus eine schmackhafte Alternative zum eigenen Kocher.

Im südlichen Patagonien oder in den anderen endlosen Steppen (La Pampa, Chaco) sieht das völlig anders aus. Dort findest du über mehrere hundert km keine Ansiedlungen oder Tankstellen, wo du deine Vorräte auffüllen kannst. Berücksichtige das bei deinen Einkäufen in den wenigen Städten. Das betrifft auch den Brennstoff für deinen Kocher. Spiritus gibt es übrigens in unterschiedlichen Qualitäten. Nehme zum Kochen den Alcohol Ispirto mit 96°.

Campingküche auf Radreisen Verpflegung auf Radreisen – Sporternährung & Campingküche Lebensmittel frisch halten auf Radreisen

 

Trinkwasserbeschaffung

Das Wasser aus den Leitungen ist nicht überall in Argentinien für den Genuss geeignet. Am besten fragst du die Einheimischen immer vor dem Zapfen. Du kannst zur Sicherheit auch einen Wasserfilter mitnehmen auf deine Radreisen in Argentinien. Das ist auf Dauer preiswerter als der Kauf von Trinkwasser in Plastikflaschen.

Der perfekte Wasserfilter für Radreisen Wasserbehälter auch Radreisen – Unsere Tipps

 

Bikeshops und Service

Der Radsport ist weit verbreitet und es gibt in jeder Stadt neben vielen einfachen Fahrrad-Reparatur-Werkstätten auch gut sortierte Bikeshops. Allerdings zahlst du astronomische Preise für fast alle importierten Komponenten. Und es gibt ungewöhnlich große Preisunterschiede zwischen den Läden in einer Stadt. Also solltest du die Preise vergleichen, bevor du kaufst.

Straßen und Verkehr

Insgesamt sind die befestigten Straßen sehr rustikal: Risse, Schlaglöcher, tiefe Abgründe, fehlende Gullideckel ohne Absicherung, … alles ist möglich. Am schlimmsten fährt sich das grobe Bruchsteinplaster, das im ganzen Land weit verbreitet ist.

Viele Straßen haben keinen brauchbaren Seitenstreifen für Radler und die Fahrbahn ist viel zu eng. So genießt du als Radfahrer oft keinen sicheren Seitenabstand, denn der motorisierte Verkehr bremst gewöhnlich nicht für Radfahrer. Sie hupen dich von der Straße und fahren dich tatsächlich über den Haufen, wenn du die Fahrbahn nicht verlässt. Oft fehlen sinnvolle Nebenstrecken und so bist du an diese Straße gebunden.

Auch die Abgaskonzentration ist für Radler viel zu hoch, weil viele alte Fahrzeuge mit schlecht eingestellten Motoren unterwegs sind. Und laut ist der Verkehr ebenfalls: wegen der vielen defekten Schalldämpfer. Argentinien ist übrigens auch eine Poser-Hochburg.

Orientierung

Die Ausschilderung der Straßen ist zwar lesbar, aber die Anordnung der Ortsnamen auf den Schildern manchmal etwas ungeschickt gelöst. Doch per GPS und Offline-Karte im Handy ist die Orientierung kein Problem mehr. In der weiten patagonischen Steppe ist das Offline-Kartenmaterial von OpenStreetMap allerdings noch sehr mager.

In den Städten dominiert ein rechtwinkeliges Straßenraster. Das erleichtert den Einheimischen die Beschreibung, wenn du sie nach dem Weg fragst.

Lesetipp: Navigation und GPS Logger per Handy – offline und kostenlos

 

Geländeprofil

Je nachdem, in welcher Region oder Provinz du radelst, wirst du mit mehr oder weniger hügeligem Panorama konfrontiert. Misiones ist beispielsweise sehr hügelig, weite Teile in Patagonien sind dagegen flach wie ein Salzsee. Hier kämpfst du dann nicht mit Höhenmetern, sondern gegen einen gnadenlosen Wind.

Radeln

Die Straßen fordern deine volle Aufmerksamkeit. Entweder wegen der Bauschäden oder wegen dem fehlenden Seitenstreifen auf vielen Highways. Nebenstrecken sind deutlich angenehmer zu fahren. Im Zentrum von Buenos Aires gibt es sogar Radwege und sehr deutlich markierte Kreuzungsübergänge für Radler. Die Bruchstein- Pflasterstraßen wirst du hassen. Sie fahren sich schlimmer als Kopfsteinpflaster.

Die dornigen Pflanzen sind häufiger die Ursache für einen Plattfuß, wenn du keinen ausreichenden Pannenschutz im Mantel hast.

Trampen

Es gibt ein paar gute Gründe, auf einer Radreise durch Argentinien aufs Trampen zurückzugreifen:

Die endlose Weite ohne Zivilisation (z.B. in Patagonien), der fehlende Randstreifen und der gefährliche Verkehr oder der unbezwingbare Gegenwind im Süden von Patagonien. Mit Trampen bist du flexibler, als mit den öffentlichen Bussen im Fernverkehr. An manchen Tagen läuft es zwar überhaupt nicht, aber insgesamt verlief das Trampen bei uns dann doch erfolgreich, sogar über weite Strecken mit mehreren 100 km. Die großen Pickups sind dabei die beste Wahl: 2 Fahrräder samt Gepäck waren nie ein Problem.

Lesetipp: Trampen auf Radreisen

 

Zelten und alternative Übernachtungsplätze

Es gibt ein paar gefährliche Ecken in Argentinien, daher ist das Zelten nicht überall die beste Lösung. Wir haben häufiger auf die privaten Übernachtungsnetzwerke Warmshowers oder Couchsurfing zurückgegriffen.

Eine interessante Alternative ist in vielen kleineren Städten die freiwillige Feuerwehr (Bomberos Voluntarios). Auf Anfrage erlauben sie einem Reiseradler häufig eine Übernachtung. Dort hast du auch gleich einen sicheren Stellplatz für dein Fahrrad.

Toilettenpapier wandert in den Mülleimer, nicht ins Abwassersystem. Und die sanitären Anlagen sind im gesamten Land oft abenteuerlich: Vieles funktioniert nicht erwartungsgemäß und ist lediglich notdürftig repariert.

Wenn du allerdings zeltest, solltest du den Erdboden vorher sehr intensiv auf dornige Pflanzen absuchen. Insbesondere die selbstaufblasbaren Schlafmatten (z.B. von Thermarest) mögen das nicht gerne und quittieren es unter Umständen mit einem Loch in der Matte. Ist uns 3 mal passiert. Unsere Tipps zu den Outdoor Schlafmatten und deren Reparatur findest du in diesem Artikel.

Deine Zeltplatzsuche – was du beachten solltest Preiswerte Unterkünfte auf Reisen

 

Sicherheit auf Radreisen in Argentinien

In den größeren Städten und insbesondere in der Hauptstadt Buenos Aires gibt es gefährliche Ecken. Hier solltest du nicht bei Nacht herumradeln und schon gar nicht dein Fahrrad abstellen. Selbst ein gutes Schloss ist keine Sicherheit mehr, denn per Akku-Winkelschleifer ist dein Fahrrad hier innerhalb von 10 Sekunden weg. Das schärfen dir die Einheimischen immer wieder ein.

Wir erlebten allerdings keine gefährliche Situation in all den Monaten, auch nicht in der Hauptstadt. Der Verkehr ist in unseren Augen eine weitaus größere Gefahr auf Radreisen in Argentinien.

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Gefährliche Tiere

Es gibt viele wilde Hunde und auch privat halten sich viele zur Sicherheit Wachhunde. Aus beiden Gruppen stechen immer wieder ein paar sehr aggressive Exemplare hervor, die dir unangenehm zusetzen können. Wenn du sofort anhältst, drehen die meisten dieser Plagegeister ab. Einen Stock am Lenker in Griffbereitschaft zu haben, schadet auch nicht.

Vor diesem Hintergrund sind auch die Impfungen gegen Tetanus und Tollwut sehr zu empfehlen (siehe unten).

Weniger gefährlich, aber dafür lästig sind die Tabanos (Pferdefliegen) in den feuchteren Zonen der Anden. Sie können sehr nervig werden, weil sie dir hemmungslos ins Gesicht fliegen.

Gesundheitsgefahren

Für Radreisen in Argentinien solltest du auf jeden Fall im Vorfeld einen Tropenmediziner konsultieren. Er klärt dich über die erforderlichen Impfungen und weitere Maßnahmen zum Schutz deiner Gesundheit auf.

Je nach Region benötigst du Schutz gegen Gelbfieber, Dengue, Malaria und andere gefährliche Krankheiten.

Es leben auch einige sehr giftige Schlangen und Spinnen in Argentinien. Sei achtsam, wenn du befestigte Wege verlässt und frage die Einheimischen hiernach, bevor du in der Wildnis dein Zelt aufbaust.

Das passende Moskitonetz finden – Ein Leitfaden Reiseimpfungen – ein Überblick

 

Das Klima in Argentinien

Im Süden Patagoniens herrscht ein unerbittlicher, heftiger Wind. Er ist beeindruckend und kann dir das Radfahren zur Hölle machen, wenn er aus der falschen Richtung bläst.

Aber nicht nur das Radeln wird bei diesem Wind extrem schwer bis unmöglich, sondern es besteht auch immer die Gefahr, dass dir Teile deiner Ausrüstung für immer davonfliegen.

Wir haben auf diese Weise fast unsere Faltschüssel verloren.

Weil uns dieser Wind so sehr beeindruckt und mitgenommen hat, haben wir ihn in einem separaten Artikel näher beschrieben:
Der Wind in Patagonien

Die gleiche Region ist für ihre Trockenheit bekannt. Es gibt dort keine Zivilisation, keine Flüsse und eben auch kein Trinkwasser. Das solltest du als Radler immer im Auge behalten.

In den kühleren Wintermonaten (Mai – August) herrscht in weiten Teilen des Landes eine unangenehm feuchte Kälte. Dadurch liegt die empfundene Temperatur um einige Grad niedriger es die Klimatabellen ausweisen. Zu jeder Jahreszeit kann es innerhalb von nur einem Tag einen Temperaturwechsel um 20 oder mehr Grad geben.

Lesetipp: Beste Reisezeit – alle Länder in der Übersicht

 

Kultur

Ganzjährig haben Läden und alle öffentlichen Einrichtungen über die Mittagszeit (von 12 oder 13 Uhr bis 17 Uhr) geschlossen. Das solltest du in deiner Tagesplanung berücksichtigen, wenn du Besorgungen geplant hast.

Und gewöhne dich an das Anstehen in einer Schlange am ATM, im Krankenhaus, im Laden und in vielen anderen Einrichtungen. Beschaffe dir also einen sicheren Stellplatz für dein Fahrrad, denn es wird oft länger dauern, als du geplant hast.

Das soziale Leben hat einen sehr hohen Stellenwert. Das kommt schon bei der Begrüßung zum Ausdruck: Der angedeutete Wangenkuss ist fast obligatorisch. Auch das regelmäßige Asado ist deutlich mehr als nur ein Grillen mit Familie oder Freunden.

Die Argentinier laufen immer und überall mit Thermoskanne und Calabaza in der Hand über die Straße: sie trinken ihren Mate, das Nationalgetränk.

Und es ist tatsächlich ein Kult, der sehr intensiv gepflegt wird. Du wirst als Reiseradler mit Sicherheit irgendwann zum Mate eingeladen. Dann ist es von Vorteil, wenn du weißt, was zu beachten ist. Wir haben die Mate-Kultur in diesem Artikel sehr detailliert beschrieben:

Die Mate-Kultur in Südamerika

Besonders gewöhnungsbedürftig ist die Art, mit baulichen Missständen oder verschlissenen Gerätschaften umzugehen:

Man arrangiert sich klaglos mit der Situation, ohne auch nur im entferntesten an eine Reparatur zu denken. Stattdessen wird mit viel Kreativität improvisiert.

Sehenswürdigkeiten

Viele Sehenswürdigkeiten erfordern eine für Radfahrer lange, mühsame Anfahrt über Stichstraßen. Das bringt die magere Infrastruktur in weiten Teilen von Argentinien mit sich. Doch mit einer bedachten Routenplanung kannst du das umgehen.

So bietet der Einzugsbereich der Anden im Westen des Landes sehr viele landschaftliche und kulturelle Highlights. Auch die Provinzen Salta und Jujuy im Norden sind in dieser Hinsicht sehr lohnende Ziele für Radreisen in Argentinien.

Schwierig wird es, wenn du die Iguazú Wasserfälle oder z.B. den Nationalpark Esteros del Iberá anfahren willst. Dann darfst du endlose Highways ohne gut fahrbaren Seitenstreifen durch eher trostlose Landschaft abradeln.

Unsere Artikel über die Sehenswürdigkeiten in Argentinien:

Sehenswürdigkeiten in Argentinien
Buenos Aires in Argentinien

 

Im Einklang mit den Jahreszeiten bereisten wir im Rahmen unserer zwei Jahre Aufenthalt in Südamerika alle Regionen Argentiniens. Hier unsere Reiseberichte:

Radreise Argentinien Nordost – Unser Reisebericht Radreise Argentinien Nordwest – Unser Reisebericht Radreise Argentinien West – Unser Reisebericht Radreise Argentinien Süd – Unser Reisebericht Radreise Argentinien Nord – Unser Reisebericht

 

 

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