Die Stadt Buenos Aires in Argentinien

Wir haben Buenos Aires im Rahmen unserer großen Radreise besichtigt und erlebt. Dabei sind uns mit Sicherheit einige Sehenswürdigkeiten durch die Lappen gegangen. Dafür haben wir aber Blickwinkel gefunden, die sich einem erst eröffnen, wenn man per Fahrrad durch diese Stadt fährt.

Die Hauptstadt Buenos Aires

Buenos Aires ist die Hauptstadt von Argentinien. Sie liegt am Rio de la Plata an der Ostküste von Südamerika und zählt um die 3 Mio. Einwohner im Stadtkerngebiet. Bezieht man das gesamte Ballungsgebiet mit ein, sind es 15 Mio. Menschen. Tagsüber tummeln sich zudem noch wesentlich mehr Menschen im Zentrum: Arbeitnehmer, Schüler, Studenten und Touristen.

Erkundet man diese Stadt per Fahrrad, dann muss man sich auf eine nicht enden wollende Steinwüste einstellen.

GPS-Koordinaten: -34.6039,-58.3816

Unser erster Eindruck

Je größer eine Metropole, desto höher sind ja in der Regel die Erwartungen bei den anstehenden Besichtigungen. Doch in Buenos Aires gibt es nicht viele Objekte, die man als wahre Sehenswürdigkeit im klassischen Sinne einordnen würde. Es sind vielmehr die krassen Gegensätze, die einen hier in den Bann ziehen.

Vieles erlebt oder entdeckt man dabei eher zufällig auf dem Weg durch die Stadt. Die ausgefallene Architektur und so manche Kathedrale verstecken sich oft in den endlosen Häuserschluchten, ebenso wie die wenigen kleinen, tatsächlich liebevoll gestalteten Privathäuschen. So findet man ungewöhnlich scharfe Kontraste im Stadtbild.

Das Stadtbild

Betrachtet man Buenos Aires auf einem detaillierten Stadtplan, dann fällt einem sofort das gleichmäßige Straßenraster ins Auge. Die gesamte Stadt ist im Wesentlichen nach dieser gleichmäßigen Struktur gewachsen.

Dabei ist es nicht auf Anhieb erkennbar, wo genau sich das ursprüngliche Stadtzentrum befindet. Tatsächlich ist aber der Plaza de la Mayo der Ursprung der Stadtentwicklung.

Die Bausubstanz

Die Bebauung ist sehr dicht und kompakt. Oft reihen sich im Innenhof eines Häuserblocks mehrere Einliegerwohnungen aneinander. Es wirkt alles sehr verschachtelt. Beton und funktionale Architektur bestimmt im Wesentlichen das Stadtbild. Es gibt wenig Farbe an den Fassaden und alles wirkt sehr trist.

Im Zentrum steigt die Anzahl der Stockwerke und natürlich gibt es auch ein „Bankenviertel“ mit Wolkenkratzern. Aber dazwischen entdeckt man eben auch immer wieder mal ein historisches Gebäude aus vergangenen Zeiten oder kleine, hübsche Häuschen.

Die Straßen

Der Straßenbelag ist sehr rustikal in ganz Buenos Aires. Man findet noch sehr viel Kopfsteinpflaster, auch auf den Hauptstraßen. Ansonsten wechselt der Belag immer zwischen Asphalt und Betonplatten.

Die meisten Straßen weisen dabei tiefe Risse, Bruchwerk und andere tückische Hindernisse auf. Es kann auch schon einmal ein Gullideckel fehlen. Alles sehr gefährlich, vor allem, wenn man per Fahrrad in der Stadt unterwegs ist.

Der Verkehr

Weil die meisten Straßen sehr schmal ausgelegt sind, findet man zum größten Teil Einbahnstraßen im Zentrum von Buenos Aires. Ein gutes Navigationsprogramm kommt damit aber gut klar und leitet einen sicher durch das endlose Straßenraster.

Für Radfahrer gibt es tatsächlich erstaunlich viele Straßen mit einem Radweg. Es gibt sogar Fahrbahnmarkierungen für den Zweiradverkehr an den kleinen Kreuzungen. Gibt es keinen Radweg, wird es für Radler gefährlich. Vor allem die Busse und Taxis schneiden gerne und zwingen Radler zu gefährlichen Bremsmanövern. Wir machten es dann so wie die Einheimischen: Wir fuhren am linken Straßenrand, nicht am rechten.

Das kriminelle Potenzial in Buenos Aires

Buenos Aires ist ein gefährliches Pflaster. Vor allem im Zentrum kann man wohl schnell Opfer von Trickdiebstahl oder Überfällen werden. Nachts ist die Gefahr dabei besonders groß. Die Einheimischen hatten uns auch eindrücklich davon abgeraten, in der Dunkelheit per Fahrrad durch die Stadt zu fahren.

Viele Häuser haben hohe Gitterzäune an der Grundstücksgrenze und es gibt endlos viele Überwachungskameras. Die Türen werden stets abgeschlossen, auch von innen.

In der Regel benötigt man 3 Schlüssel auf dem Weg in die Wohnung: Zaun, Haus, Wohnung. Und immer wieder bekommt man die Empfehlung: „traue Niemandem hier in der Stadt!“

Wir haben alle Empfehlungen der Einheimischen beherzigt und waren sehr aufmerksam. Bestimmte Viertel haben wir gemieden und unsere Fahrräder nie aus den Augen gelassen. Und wir erlebten tatsächlich keine brenzligen Situationen.

Fazit: wenn man stets wachsam ist, auf seine Wertsachen achtet, wertvolle Gegenstände nicht offen präsentiert und nicht bei Nacht durch abgelegene Viertel läuft, dann hält sich die Gefahr in Grenzen.

Der Rio de la Plata

Der Rio de la Plata ist tatsächlich weniger ein Fluss als vielmehr der riesige Mündungstrichter der beiden Flüsse Parana und Rio Uruguay. Man kann vom Ufer aus weder das gegenüberliegende Ufer in Uruguay noch den Übergang vom Mündungstrichter ins offene Meer ausmachen.

Die beiden großen Friedhöfe in Buenos Aires

Die beiden Friedhöfe der Stadt „Cementerio de la Chacarita“ und „Cementerio de la Recoleta“ sind tatsächlich echte Highlights.

Cementerio de la Chacarita:

Dieser Friedhof erstreckt sich auf gut einen Quadratkilometer und besteht aus 23 Etagen. Direkt hinter dem Eingangsportal, einem Monumentalbau mit stämmigen Säulen, befinden sich derart viele Mausoleen, dass sie im Gesamtbild wie ein kleines Stadtviertel wirken. Dahinter befinden sich einfache Gräber, zum großen Teil mit einfachen Holzkreuzen und reichlich Blumenschmuck. Und unter der Erde erstrecken sich zwei weitere Ebenen: ein riesiges Gangsystem mit Schiebegräbern.

Cementerio de la Recoleta:

Dieser Friedhof ist kleiner und überschaubarer, doch nicht weniger interessant als der Cementerio de la Chacarita. Auch hier reihen sich die großen Mausoleen zu ganzen Straßenzügen aneinander und auch hier ruhen Persönlichkeiten, unter anderem auch Evita (Eva Duarte de Perón), die weltbekannte, ehemalige First Lady Argentiniens.

Die großen Plätze in Buenos Aires

Am Plaza de la Republika findet man den Obelisko. Das ist ein 67 m hohes Bauwerk, errichtet im Jahre 1936. Er ist nicht besonders schön, aber durch die schnurgeraden Straßenzüge schon aus mehreren km Entfernung zu erkennen. Das erleichtert einem die Orientierung im Zentrum. Eine dieser Straßen ist auch die Avenida 9 de Julio, angeblich die breiteste Straße der Welt. Und unweit vom Plaza findet man einen Tango Sidewalk.

Der Plaza de Mayo weiter im Süden ist das ursprüngliche Stadtzentrum von Buenos Aires. Hier befinden sich einige Monumentalgebäude mit Institutionen des politischen Lebens: der Cabildo (ein ehemaliger Regierungssitz), der Palacio Municipal (das Rathaus), die Casa Rosada (der rosafarbene Palast des Präsidenten) und die Catedral Metropolitana (der Sitz des Erzbischofs).

Übrigens: Papst Franziskus (der argentinische Jesuit Jorge Mario Bergoglio) war von 1998 bis 2001 hier als Erzbischof im Amt.

Leider war der gesamte Platz eine Großbaustelle (die Vorbereitungen für den G20-Gipfel im Herbst 2018). Und durch den dichten, gefährlichen Verkehr fehlte uns dann tatsächlich die Muße fürs Fotografieren.

Am Plaza Marina Moreno befindet sich der argentinische Nationalkongress. Hier wirkt das Parlament Argentiniens. Unweit davon befindet sich der Palacio Barolo: Dieses Bürogebäude aus dem Jahre 1923 war mit seinen 100 m Höhe seinerzeit das höchste Gebäude Südamerikas. In dessen Spitze befindet sich ein Leuchtfeuer, das man bis Montevideo an der Küste von Uruguay sehen kann.

Die Parks in Buenos Aires

Es gibt sie tatsächlich, die Parks. Aber sie sind meist sehr klein und liegen versteckt zwischen den Häuserschluchten.

Lediglich im Stadtteil Palermo ist das anders: hier reihen sich ausgedehnte Parkanlagen nahtlos aneinander. Unter anderem findet man hier auch den Zoo (Ecopark), einen Japanischen Garten und den Botanischen Garten. Alle Anlagen sind sehr gepflegt und man findet viele Skulpturen oder Brunnen.

Inmitten der Parks steht auch das Planetario Galileo Galilei, in dessen Eingang man einige Tonnenschwere Meteoriten besichtigen kann.

Das Flussufer von Buenos Aires

Läuft man am Flussufer entlang weiter Richtung Süden, findet man den Dreimaster ARA Fragata Uruguay aus dem 20. Jh. und die markante Brücke „Puente de la Mujer“, dessen filigrane Konstruktion das gestreckte Bein einer Tango-Tänzerin andeutet.

Das Reservat Ecologica Costanera Sur ist ein kleines Naturparadies am Ufer des Rio de la Plata. Lediglich montags ist der Zugang verschlossen.

Auf gleicher Höhe findet man eine Reihe von Skulpturen am Ufer, die die populärsten Sportler aus Argentinien in Aktion zeigen. Unter anderem Sabatini, Vilas und Messi. Die Statue von Messi war allerdings schon mehrfach Opfer von Vandalismus.

Die Schwebefähre

Weiter im Süden der Stadt entdeckt man am Rio Riachuelo die gigantische Stahlkonstruktion der Schwebefähre „Transpordador del Riachuelo“, die von 1914 bis in die 60er Jahre betrieben wurde. Sie wurde restauriert und ist heute als Kultur-Denkmal geschützt.

La Boca und Barracas

Nur wenige hundert Meter weiter westlich findet man die Calle Caminito im Stadtviertel La Boca: bunte Häuser und viel Fassade für den Touristen in einem sonst ärmlichen, gefährlichen Umfeld. Ohne Frage einen Besuch wert, wenn auch so manches Angebot entlang der Gasse sehr inszeniert daher kommt. Das Geld der Touristen ist halt begehrt.

Westlich der Calle Caminito geht es weiter mit viel Mural Art: Die Fassaden-Malerei im Stadtviertel Barracas westlich von La Boca ist eine Fundgrube, ähnlich der Stadt Georgetown auf der Insel Penang in Malaysia.

Die alten Kirchen

Einige alte Kirchen findet man inmitten der engen Häuserschluchten von Buenos Aires:

Die Basilika Nuestra Senora de la Merced (im heutigen Bankenviertel) und die Kirche Parroquia San Pedro Gonzalez Telmo, beide aus dem 18. h., zählen zu den ältesten Kirchen der Stadt.

Die Brunnen in Buenos Aires

In der Stadt, in den Parks von Palermo und am Ufer des Rio de la Plata findet man auch so einige monumental große Springbrunnen. Sie alle sind ausnahmslos gut gelungen aber leider plätscherte nirgends das Wasser.

Die Skyline von Buenos Aires

Will man die Skyline der Metropole vom Wasser aus sehen, bietet sich die Parkanlage am Flussufer in Acassuso im Norden von Buenos Aires an. Von dort hat man freie Sicht auf die zugegebenermaßen weit entfernte Skyline der Stadt.

Übrigens ist der Bau eines Uferradweges geplant, der von Acassuso bis ins Zentrum von Buenos Aires führen soll. Das klingt großartig. Da sind wir mal gespannt, ob dieses Vorhaben tatsächlich Realität wird. Und wenn ja, dann wäre es für uns auf jeden Fall ein Grund, wiederzukommen.

 

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