Provence-Radreise

Unsere Provence-Radreise in 2011 war die erste Gepäck-Radreise in den heißen Süden Europas.  Diese Region hatten wir in all den Jahren zuvor immer gemieden, um der tropischen Hitze aus dem Weg zu gehen.

Doch die Schulferien in NRW begannen in diesem Jahr relativ spät im August und das versprach gemäßigteres Klima. Also fuhren wir in den Süden von Frankreich und starteten ab Nyons, nordöstlich von Orange, unsere Provence-Radreise. Würde uns die Hitze doch zu sehr zusetzen? Wie ist es uns ergangen? Unser Reisebericht über die Provence:

Gorges de la Nesque

Unser erstes Highlight in der Provence war die Gorges de la Nesque, eine 400 m tiefe, wunderschöne Schlucht. Die Abfahrt aus der Schlucht bis nach Venasque hat nur leichtes Gefälle und erlaubt eine angenehme Geschwindigkeit ohne ständig bremsen zu müssen. So bleibt viel Zeit zum Genießen der Landschaft während der Abfahrt.

Das erleben wir sehr selten, wenn wir mit 40 kg Gepäck auf dem Reiserad unterwegs sind. Denn in den meisten Fällen schiebt uns das Gepäck durch zu starkes Gefälle mit einer unglaublichen Beschleunigung talwärts und zwingt uns permanent zum Bremsen. Solche Abfahrten sind dann auch nicht ganz ungefährlich.

Die Gorges de la Nespue ist auch überhaupt nicht touristisch überlaufen. Es gibt kaum Verkehr und somit auch keine große Gefahr für Radfahrer und auch keine Lärmbelästigung. Das alles macht die Fahrt noch ein Stück entspannter.

Das Dorf Roussillion

In Roussillion (einem der schönsten Dörfer in Frankreich) besichtigten wir den Dorfkern und den Ockersteinbruch. Schon durch die abenteuerliche Bebauung auf einem kleinen Felsplateau und die Nähe der äußeren Häuser zum fast senkrechten Abgrund wirkt Roussillion spektakulär. Und durch die allgegenwärtige ockergefärbte Erde entfaltet sich im gesamten Dunstkreis des Dorfes ein unvergessliches Farbenspiel.

Die Besichtigung des Steinbruchs ist ein absolutes Pflichtprogramm. Diese beispiellose Farbintensität und die zum Teil bizarren Felsformationen sind atemberaubend.

Die Bergdörfer auf unserer Provence-Radreise

So manches Bergdorf lag auf unserer Radreise-Route durch die Provence. Und viel zu oft hatten wir uns bei der Routenplanung über die zu erwartenden Höhenmeter keine Gedanken gamacht. So war der Weg zu diesen Dörfern in der Regel steil und mühsam.

Doch es lohnte sich wirklich jedes Dorf. Sie sind allesamt steil in den Berg gebaut, teilweise auf Fels, mit verwinkelten Gassen und verschachtelten Häusern. Nur durch die so entstandene Enge gibt es Schatten und kühle Luft in den Gassen. In manchen Bergdörfern gab es auch Höhlen im Fels zu besichtigen. Solche Höhlen wurden ehemalig als wohltemperierte Behausung genutzt.

Tatsächlich sind all diese Bergdörfer einer der wesentlichen Gründe, weshalb sich eine Reise in die Provence lohnt. Die dichte Verschachtelung der einzlenen Häuser, die geschickte Nutzung der steilen Berghänge und die ausschließliche Verwendung von Naturstein aus der Region geben diesen Dörfern einen sehr außergewöhnlichen Flair.

Die Besichtigung dieser Dörfer ist immer eine Entdeckungsreise: keine Gasse gleicht der anderen, hinter jeder Ecke wartet eine neue Überraschung und manchmal wirkt die Bebauung wie ein großer Abenteuerspielplatz.

Ein ganz besonderes Erlebnis für die Sinne ist auch immer wieder der Dorf-Markt: Gewürzstände, Back- und Räucherwaren, unbekannte Musikinstrumente, Nützliches und Kreatives. Und immer spielt irgendwo ein Jazz-Ensemble oder ein Gitarren-Duo und der Klang begleitet Dich beim Schlendern durch die engen Gassen.

Pannen auf unserer Provence-Radreise

Wie üblich, gab es auch auf dieser Radreise wieder Verluste und Schäden, die repariert werden mussten: zum Beispiel ging eine Klemmschelle vom Lowrider verloren und musste provisorisch ersetzt werden.  Erstaunlicherweise hielt die Reepschnur-Lösung bis zum Ende der Radreise.

Mit Plattfüßen hatten wir dagegen weniger Probleme, als ursprüpnglich erwartet. Viele Pflanzen haben hier im Süden Europas schließlich gefährlich viele Dornen. Doch unsere Schwalbe Marathon Plus – Reifen haben uns das Gröbste wohl erfolgreich vom Hals gehalten.

Die Hitze auf unserer Provence-Radreise

Die spätsommerliche Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit machten uns doch noch ordentlich zu schaffen. Doch es gab hier deutliche regionale Unterschiede. So konnte auf der anderen Seite eines Gebirgszuges ein völlig anderes Klima herrschen.

Überwiegend hatten wir aber zuviel Hitze und vor allem eine zu hohe Luftfeuchtigkeit. Das machte das Fahrradfahren mit unserem schweren Gepäck zu einer großen Belastung. Wir halfen uns, wenn möglich, durch regelmäßiges Tränken des T-Shirts in kühlem Brunnenwasser. Das reichte dann in der Regel bis zum nächsten Dorf-Brunnen.  Wie gut, dass es hier in der Provence in jedem Dorf mindestens einen solchen Brunnen gibt.

Manches Cafe lässt aus der Markise in regelmäßigen Abständen auch einen erfrischenden Wassernebel austreten, um den Gästen den Aufenthalt in der brütenden Hitze erträglicher zu gestalten. Wir waren also nicht die einzigen, die mit der Hitze zu kämpfen hatten.

Tiere auf unserer Provence-Radreise

In der Provence gibt es Skorpione, Schlangen und Spinnen, die einem Menschen durch ihr Gift gefährlich werden können. Das bekamen wir in den ersten Tagen von den Einheimischen mit auf den Weg.

Deren Gift ist zwar nicht immer lebensbedrohlich, aber es kann immerhin schwere Schäden verursachen.

Folglich ist hier besondere Aufmerksamkeit gefordert, wenn du zeltest oder dich oft im Freien aufhälst:

Du solltest dich nachts am besten nur mit eingeschalteter Lampe im Vorzelt und ums Zelt herum bewegen

Kleidung und vor allem Schuhe solltest du zuerst ausschütteln vor dem Anziehen, um sicherzustellen, dass sie tatsächlich tierfrei sind

Steine solltest du nicht mit den Händen, sondern mit den Schuhen beiseite schieben oder umdrehen

Ebenso solltest du die Umgebung akribisch auf gefährliche Kriechtiere absuchen, bevor du dich auf einen solchen Stein oder in den Sand setzt

Du kannst die Einheimischen nach gefährlichen Tieren fragen, noch bevor du dein Zelt aufbaust. Die wissen am besten bescheid. Und als Erste-Hilfe-Maßnahme bietet sich eine Saugspritze an, die in den Apotheken vor Ort erhältlich ist und im Ernstfall einen Teil des Giftes aus der Biß- oder Stichwunde ziehen soll.

Wir bekamen allerdings keinen Skorpion und auch keine anderen gefährlichen Tiere zu sehen. Offen gestanden waren uns Heuschrecken und andere harmlose Tiere auch lieber.

Der Luberon – eine Wetterscheide

Über die Combe du Lumarin durchbrachen wir den Luberon, eine Gebirgskette mit 1200 m Höhe. Im Süden des Luberon war es dann deutlich kühler und somit angenehmer für unsere Radelei. Die Einheimischen bestätigten uns dann auch, dass der Luberon eine Wetterscheide darstellt: im Norden heiß und schwühl, im Süden kühl und angenehm.

Der Canyon du Verdon

Zwei weitere Attraktionen auf unserer Provence-Radreise waren der Canyon du Verdon und der See Lac de Sainte Croix. Der Canyon du Verdon ist eine tiefe Schlucht, die sich der Verdon im Laufe der Zeit in den Fels gegraben hat. Der Verdon mündet am Ende dieser Schlucht in den Lac de Sainte Croix.

Die Straße führt per Brücke am Übergang der Schlucht in den See über das Wasser, windet sich dahinter kontinuierlich in die Höhe bis auf ca. 700 m und bietet dabei zwischen den Felsen immer wieder einen atemberaubenden Blick auf den See, die Schlucht und den Verdon.

Hinter Castellane fuhren wir dann weiter am Lac de Castillon entlang, einem sagenhaft schönen Stausee mit türkis leuchtendem Wasser. Hier hielten sich die Höhenmeter ausnahmsweise mal in Grenzen und wir konnten völlig entspannt das Panorama genießen.

Clues de Barles, Lac de Serre Ponçon, Sisteron

Nördlich von Digne führte unsere Radreise durch die Felsenschlucht Clues de Barles, eine weitere Naturschönheit der Provence. Die Felswände stehen hier entlang des Flussess Bès sehr dicht beieinander und fallen fast senkrecht in die Tiefe. Neben dem Fluss windet sich die schmale Straße durch diese Enge hindurch und sorgt für ein außergewöhnliches Naturerlebnis. Mit etwas Glück findest du hier auch prähistorische Fossilien in den Felswänden.

Im weiteren Verlauf unserer Route passierten wir den Lac de Serre Ponçon. Hier wird die Durance zum größten künstlichen See Frankreichs aufgestaut. Der See schmiegt sich malerisch in die umgebende Berglandschaft und das Wasser ist türkis gefärbt. Dafür sorgen die vielen Gletscherbäche, die in die Durance entwässern.

In Sisteron an der Durance beeindruckten uns vor allem die gewaltig großen, markanten Felsrippen, die als Wahrzeichen sehr dominant das Stadtbild prägen. Sie lassen das Dorf samt der Brücke über die Durance aus „enges“ Tor erscheinen, weshalb dieses Dorf auch den Beinamen „Porte de la Provence“ (das Tor zur Provence) inne hat.

Nach ca. 3 Wochen Radreise durch diese wunderschöne Provence erreichen wir wieder unser Auto und verließen Frankreich Richtung Heimat. An diese Provence-Radreise durch spektakuläre Landschaft und urige Dörfer denken wir heute immer noch oft und gerne zurück.

Die Hitze war belastend, aber am Ende überwogen die vielen landschaftlichen Highlights und die französische Kultur. Natürlich sind Frühling und Herbst die günstigeren Jahreszeiten für eine Radreise durch die Provence, doch für uns war es gleichzeitig auch ein Test auf unsere Belastungsgrenze. Denn schließlich hatten wir auf unserer großen Radreise einige Wüsten mit ähnlichem Klima auf dem Programm stehen.

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