Der Plan für unsere große Radreise

Der Plan für eine große Radreise um die Welt schwirrte schon viele Jahre in unseren Köpfen herum. Hatten wir doch fast jährlich für mehrere Wochen eine Reiseradtour in den europäischen Ländern unternommen und immer von den exotischeren Ländern geträumt.

Doch für einen drei- bis vierwöchigen Jahresurlaub erschienen uns Aufwand und Kosten für Radreisen in ferne Ländern zu hoch. Das wollten wir uns aufheben für die Zukunft. Dabei war der Leitgedanke, möglichst viele Länder zu einer einzigen, großen Reiseroute aneinanderzureihen. Wir hatten allerdings nie über den Starttermin nachgedacht, sondern dieses Mammut-Vorhaben lediglich auf unsere „Bucket-List“ gesetzt.

Im Laufe der Jahre wuchs dann kontinuierlich die Befürchtung, dass wir ein solches Vorhaben vielleicht aus irgendwelchen Gründen später nicht mehr realisieren können. Man wird schließlich nicht jünger und mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Erkrankungen oder gar Gebrechen.

Aus diesem Bewusstsein wuchs die Idee, nicht bis zum Eintritt ins Rentenalter zu warten, sondern das Vorhaben zu realisieren, solange wir uns noch fit genug fühlen. Dafür wollten wir auch eine längere Unterbrechung unserer Erwerbstätigkeit in Kauf nehmen.

Natürlich fand auch unser familiäres Umfeld Berücksichtigung bei unseren Überlegungen zum Startzeitpunkt. So war es nicht einfach, ein passendes Zeitfenster zu finden, in dem wir sowohl für die Eltern als auch für den Nachwuchs entbehrlich sein würden.

Doch im Juli 2015 war es endlich so weit. Eine Radreise über mehrere Jahre durch mehrere Kontinente hatte begonnen. Der Plan im Detail:

Der Plan für die Reiseroute:

Von Deutschland wollten wir starten und über Balkan, Kaukasus und Zentralasien bis nach Südostasien radeln und von dort über Australien und Neuseeland Richtung Südamerika weiter reisen. Möglichst wenige Flüge sollte unsere Route enthalten. Das schont die Reisekasse und unsere Nerven.

So fuhren wir in Deutschland von unserer Haustür aus los und radelten über Österreich, Slowenien, Kroatien, Bosnien, Montenegro, Albanien, Kosovo, Mazedonien und Griechenland Richtung Asien. Weiter ging es über Türkei, Georgien, Armenien, Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan, Kirgistan, per Flug nach Indien, dann durch Nepal, Thailand, Laos, Kambodscha, Malaysia und Indonesien. Von Indonesien  ging es per Flug nach Australien, dann weiter nach Neuseeland und wieder zurück nach Australien.

Von dort ging es weiter nach Südamerika, wo wir Argentinien, Brasilien, Paraguay, Chile, Bolivien, Peru, Ecuador und Kolumbien auf dem Plan hatten bzw. haben.

Die Umstände haben uns letztendlich mehr Flüge aufgezwungen, als wir eingangs geplant hatten. Doch das erhöhte auch den Abenteuer-Faktor und bescherte uns so manches spannendes Erlebnis.

Insgesamt hatten wir den Plan im Hinblick auf die Streckenführung von Anfang an sehr grob gehalten, um uns nicht den Spielraum für spontane Empfehlungen der Einheimischen oder aufgezwungene Änderungen zu verbauen. So blieben wir flexibel. Diese Herangehensweise hat sich auch bisher bewährt.

Beispielsweise haben wir Georgien und Armenien nachträglich in die Route mit aufgenommen, weil es in Trabzon in der Türkei unmöglich war, ohne Referenznummer ein Visum für den Iran zu beantragen. In der georgischen Stadt Batumi war die Visa-Beschaffung dann ohne Referenznummer möglich.

Ebenso sah der Plan ursprünglich vor, von Kirgistan über China nach Vietnam zu fahren. Weil die Visa-Beschaffung für China unterwegs in Zentralasien in 2016 jedoch unmöglich war, haben wir unsere Route auch hier geändert und stattdessen Indien, Nepal und Myanmar integriert.

Und auch Myanmar mussten wir kurze Zeit später wieder aus unserem Plan streichen, weil die für eine Einreise per Fahrrad erforderlichen MTT-Permits mittlerweile extrem teuer geworden sind (wir sollten 350 US-$ bezahlen) und keine Weiterreise nach Thailand erlaubten (die Ausreise sollte über die selbe Grenze erfolgen; in unserem Fall also zurück nach Indien).

Aber auch innerhalb der Reiseländer ergaben sich bisher so einige Änderungen:

Der ungewöhnlich nass-kalte argentinische Winter bewog uns zu einer mehrmonatigen Reisepause in der Stadt Resistencia in der Provinz Chaco, wo wir dann auch viel aufgeschobene Arbeit an unserem Blog abarbeiten konnten.

Kurze Zeit später änderten wir unsere geplante Route auf der Carretera Austral im chilenischen Teil Patagoniens, weil uns die Einheimischen eine viel interessantere Streckenführung ans Herz legten.

Je länger wir auf Radreise sind, desto größer werden die Spielräume, die wir für spontane Änderungen zulassen. Um so schwieriger fällt uns daher auch die Antwort auf die Frage: „Und wo geht die Reise weiter?“

Innerhalb der einzelnen Länder verläuft unsere Reiseroute entlang vieler Sehenswürdigkeiten oder durch herausragende Landschaften. Die geplanten Fahrstrecken in km haben wir durch Kürzung bei Bedarf immer auf die Klimadaten der Länder abgeglichen, um Wetterextreme möglichst zu umgehen (der Pamir-Highway im Winter oder Malaysia in der Regenzeit: das wäre schlecht für eine Radreise mit Zeltübernachtung).

Natürlich gibt es auch Beschränkungen durch die Aufenthaltsbestimmungen einzelner Länder: China zum Beispiel erlaubt (zur Zeit) maximal 30 Tage Aufenthalt; das reicht kaum, um dieses riesige Land ausgiebig kennen zu lernen.

Der Plan für die Reisedauer:

Wir wollen uns Zeit lassen zum Erleben von Land und Kultur. Unser Tagespensum wird durchschnittlich bei 50 km pro Tag liegen (Erfahrungswert aus unseren bisherigen Radreisen). So benötigten wir bis Indonesien über 2 Jahre. Wir hoffen natürlich, dass wir noch lange durchhalten und nicht durch unabsehbare Ereignisse unterbrechen oder gar abbrechen müssen.

Die Fahrräder:

Hier sind wir kompromisslos: stabile Reiseräder mit Stahlrahmen, hochwertigen Komponenten und einfacher Technik gewährleisten lange Lebensdauer und gute Ersatzteilversorgung weltweit. Der nahezu gleiche Aufbau unserer beiden Fahrräder reduziert den mitzunehmenden Ersatzteil-Umfang und das Werkzeug auf ein Minimum. In dem Artikel Das perfekte Reiserad haben wir unter Anderem den Aufbau unserer Reiseräder detailliert beschrieben und berichten über unsere bisherigen Erfahrungen.

Der Plan für Unterkünfte und Verpflegung:

Wie gewohnt aus den vergangenen Jahren, reisen wir mit Zelt und Schlafsack. Das erhöht den Abenteuer-Faktor. Ob und wo wir alternative Unterkünfte aufsuchen werden, entscheiden wir  immer unterwegs spontan. In vielen buddhistischen Ländern zum Beispiel waren Übernachtungen auf dem Tempelgelände möglich, in Indonesien empfahlen uns die Locals die Räumlichkeiten der Verkehrspolizei und in Argentinien war die Freiwillige Feuerwehr (die Bomberos) oft eine gute Adresse.

In der tropischen Hitze in Äquatornähe suchten wir stets nur einen luftigen Unterstand für unser Moskitonetz, weil uns das Zelt viel zu heiß war. Und als feste Unterkünfte haben wir später die privaten Übernachtungsnetzwerke Warmshowers und Couchsurfing abgesucht, sobald es uns zu gefährlich war, per Zelt zu übernachten.

Jedes Reiseland ist in dieser Hinsicht Neuland für uns. In der Regel befragen wir in den ersten Tagen die Einheimischen und erhalten wertvolle Empfehlungen für geeignete Übernachtungsplätze.

Zum Kochen haben wir den geliebten (wenn auch relativ gewichtigen) Trangia-Spirituskocher mit, samt Erweiterung um den Optimus Nova Benzinbrenner. Sollte also Spiritus nicht erhältlich sein, oder wegen Kälte und Höhe nicht mehr genug Heizleistung liefern, dann steigen wir auf Benzin um. Damit ist Brennstoffmangel auch in abgelegenen Gegenden nahezu ausgeschlossen.

Andererseits reizte uns die asiatische Küche schon sehr. Da blieb unsere Zeltküche dann über viele Wochen kalt. Streetfood war in vielen asiatischen Ländern übrigens preiswerter als der Lebensmittel-Kauf in den Läden.

Der Plan zu Kommunikation und Elektronik:

Dieses Thema hat unerwartet viel Zeit in Anspruch genommen im Rahmen der Vorbereitung:

  • der Aufbau eines Smartphones samt Bluetooth-Mini-Tastatur zum mobilen Büro
  • die Auswahl der sozialen Netzwerke, über die wir Kontakt halten wollten (Twitter, Youtube, später auch Pinterest)
  • das Sicherheitskonzept (Backup, Passwortschutz, Notfall-Management)
  • der Internetzugang außerhalb Europas

… all das war auf unseren „kleinen“ Radreisen nie ein Thema. Da brauchten wir das alles nicht. Jetzt aber schon. Und nach 2 Jahren auf Reisen hatten sich so ziemlich alle Geräte verabschiedet und mussten ersetzt werden. Diesen Umstand haben wir dann auch genutzt, um für unsere Büro-Organisation vom Smartphone auf ein Netbook umzusteigen.

Dieses Thema wird uns auch weiterhin in Atem halten. Denn mittlerweile hat sich der Akku im Netbook verabschiedet und ein Betrieb ist nur noch mit Netzstrom möglich. Daneben erhöht die veraltete Hardware im Netbook mehr und mehr die Wartezeit beim Arbeiten; Videobearbeitung ist beispielsweise gar nicht möglich. So steht in absehbarer Zeit der Austausch gegen ein jüngeres Gerät an.

Der Plan und die Realität – ein Zwischenfazit

Für lange Zeit per Fahrrad zu reisen, ist nicht neu für uns. Denn 2014 waren wir für 7 Monate in Großbritannien und Irland unterwegs und hatten vieles schon getestet. Aber quer durch die Kontinente und mehrere Jahre Reisezeit, das ist noch mal eine Nummer größer.

Und wir wussten natürlich, dass Planung und Realität zwei verschiedene Dinge sind. Daher betrachteten wir unseren Plan immer nur als grobe Orientierung und ließen die Dinge auf uns zukommen.

Im Großen und Ganzen ist der Plan bisher auch tatsächlich Realität geworden: in den bisherigen 3,5 Jahren auf dieser Radreise haben wir über 30 Länder bereist und sind 32.000 km geradelt. Und wir sind noch lange nicht am Ende.

 

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