Interview mit Tim von Rad-Sabbatical

In unserer Rubrik „Gäste & Kollegen“ stellen wir zukünftig andere Reiseblogger vor, die uns inspiriert haben mit ihrer Art des Reisens und die auch andere Schwerpunkte und Prioritäten setzen auf ihren Reisen.

Tim von Rad-Sabbatical (externer Link) macht dabei den Anfang. Tim hat sich für mehrere Monate aus dem Berufsleben ausgeklinkt und ist per Reiserad durch Europa gefahren. Wie es dazu kam und wie die Dinge gelaufen sind, erfährst du aus dem folgenden Interview:

 

Tim, bitte stelle dich unseren Lesern mit einigen Worten kurz vor

Hallo Annett und Raimund, vielen Dank an dieser Stelle für die Möglichkeit, mich hier euren Lesern vorzustellen.

Mein Name ist Tim und ich bin leidenschaftlicher Radreisender, Camper und Hobbykoch. Sobald die ersten Sonnenstrahlen am Horizont sichtbar werden, zieht es mich auf das Fahrrad. Sowohl für nahe Touren in der Umgebung oder aber in ferne Regionen.

Vor Kurzem habe ich mir ein Sabbatical genommen, um meinen Traum einer längeren Radreise zu verwirklichen und so durfte ich die Freiheit genießen, neun Monate mit Rad und Zelt durch die Welt zu fahren.

Wie kommt man als Banker zum Thema Radreisen?

Das Fahrrad begleitet mich bereits seit meiner Kindheit und vor einigen Jahren wurde meine Leidenschaft bei einem relativ einfachem Urlaub mit dem Fahrrad entfacht. Damals ging es noch um den Bodensee, bis daraufhin jedes Jahr neue Urlaube mit meinen Freunden folgten. Auf dem Donauradweg von Passau über Wien bis nach Budapest oder über die Alpen nach Venedig. Es waren einfach tolle Erlebnisse und so folgen mittlerweile jedes Jahr mehrere Touren, kürzer oder auch gerne länger.

Welche Besonderheiten sind mit einem Sabbatical verbunden?

Das Tolle an einem Sabbatical ist, dass es einem tatsächlich die Möglichkeit gibt, frei über seine Zeit zu verfügen, aber auch, um seine eigenen Prioritäten festzulegen. Hätte ich das Sabbatical nicht gemacht, wäre ich wahrscheinlich immer noch im selben Beruf hängen geblieben wie vorher. Ich brauchte wohl etwas Abstand zu den Dingen, um letztendlich loslassen zu können und zu realisieren, was mir tatsächlich wichtig ist. Zeit mit meiner Familie zu verbringen oder für die eigenen Ziele zu arbeiten.

Ich wollte immer weniger in die alten Strukturen zurückkehren. Als ich ganz allein im Wald in Bulgarien unterwegs war, dachte ich mir: Wenn du das hier schaffst, dann wird’s ja wohl was Leichtes sein, eine neue Arbeit zu finden, die dich glücklicher macht – und habe nach drei Monaten gekündigt. Mein Chef war natürlich enttäuscht, aber ich habe ein Freiheitsgefühl gespürt, dass ich bisher nicht kannte.

Wie ist Deine große Radreise insgesamt gelaufen und was hat Dich beeindruckt?

Viele schöne Erinnerungen haben natürlich mit den Menschen zu tun, die ich auf der Reise getroffen habe. So ist mir die Hilfsbereitschaft des Besitzers eines Imbisses in Serbien immer noch im Gedächtnis geblieben. Ich hatte dort gerade etwas zu essen bestellt und fragte beiläufig, ob er eine Unterkunft in der Nähe kennt, in der ich die Nacht verbringen könnte. Das alles gestaltete sich schwierig, da wir aufgrund der unterschiedlichen Sprachen nicht wirklich miteinander sprechen konnten und die Kommunikation daher mit Händen und Füßen stattfand. Doch er verstand mein Bedürfnis nach einer Unterkunft, schloss sofort seinen Imbiss und begleitete mich bis zu einer Pension.

Eine andere schöne Erinnerung ist an einer Bushaltestelle in Moldawien. Hier machte ich gerade eine kurze Pause und kochte etwas zu essen, als eine Frau, die sich mir als Maria vorstellte, sich zu mir gesellte. Für sie muss es einen eigenartigen Eindruck gemacht haben, wie ich dort mit meinem Gaskocher saß und im Freien etwas kochte. Sie verschwand relativ schnell nach unserem Gespräch, nur um mir kurzerhand Käse, Brot, Gurken und Eier vorbeizubringen, um mich zu stärken. Wir unterhielten uns noch lange über die Verwandten, die sie in Frankfurt am Main hat.
Das waren nur wenige der vielen genialen Momente, an die ich zurückdenke.

Gab es unterwegs auch Katastrophen oder Kuriositäten?

Natürlich hatte ich auch immer wieder Heimweh, auch wenn ich gleichzeitig dankbar dafür war, dieses Erlebnis in den Momenten erfahren zu dürfen. Besonders habe ich meine Familie und meine Freundin vermisst.

Dein Fahrrad: welche Technik favorisierst Du bei Schaltung, Bremse & Co?

Für die Tour über mehrere Monate habe ich mich für ein Fahrrad der Marke Tour Terrain begeistern lassen. Aus verschiedenen Quellen hatte diese Marke einen bleibenden Eindruck von Stabilität und Zuverlässigkeit hinterlassen. Wichtig war mir ein Stahlrahmen, der zur Not auch in einer einfachen Werkstatt repariert werden kann. Als Schaltung war bereits eine Pinion 1.9 montiert. Lediglich ein Kurbelarm war verschlissen und die Schaltung musste ich in den über 9.000 Kilometern kein einziges Mal justieren.

Welche Tipps gibst Du einem Radreise-Einsteiger mit auf den Weg?

Das Wichtigste ist, einfach zu fahren. Viele weitere Dinge ergeben sich unterwegs und das Wichtigste ist natürlich der Spaß am Fahren. Viel zu oft erlebe ich in Foren oder auf Facebook, dass sich Menschen zu sehr mit Details auseinandersetzen, während uns Radreisende doch die positiven Dinge vereinen – das Fahren in Freiheit und Natur und den Stress des Alltags hinter sich zu lassen.

Als Tipp für eine längere Reise kann ich den Lesern mitgeben, dass die Investition in einen guten (und dadurch etwas teureren) Sattel wahre Wunder am Fahrspaß ausmachen. Hier sollte definitiv nicht gespart werden.

Wie geht es weiter? Neue Ziele, weitere Reisen?

Reisetechnisch möchte ich voller Elan in das Jahr 2020 starten. Als Reiseziel hat es mir die Schweiz angetan. Eine genaue Route habe ich zwar noch nicht, allerdings bin ich mir sicher, dass aufgrund der tollen geografischen Eigenschaften einige schöne Touren möglich sind.

Darüber hinaus plane ich, mit einem neuen Buch den Menschen die Angst vor dem Schritt zu nehmen, sich ebenfalls eine Auszeit zu realisieren. In den Gesprächen mit Freunden und Bekannten kam immer wieder die Nachfrage, wie man ein Sabbatical organisiert und finanziert. Dabei ist mir aufgefallen, dass einige den Eindruck haben, es sei extrem kompliziert, in Deutschland eine Auszeit zu realisieren. Doch mit ein bisschen Know-how und Planung kann es jeder schaffen, der es wirklich möchte. Meine Skills aus der Finanzbranche möchte ich hier ganz bewusst mit dem Thema Sabbatical verbinden, um aufzuzeigen, dass jeder sich diesen Traum erfüllen kann.

Du hast im Anschluss an deine Reise das „Fahrrad Camping Kochbuch“ geschrieben. Erzähl uns darüber.

Die Idee kam mir während der Reise, als ich mich dabei erwischt hatte, dass ich mir immer wieder das gleiche Essen zubereitet habe. Wenn man, wie ich, nur mit Fahrrad, Zelt und Ausrüstung unterwegs war, muss man sich bezüglich des Gewichts und des Packmaßes deutlich einschränken. Im Internet konnte ich nur wenige Gerichte finden, die sich mit dieser Thematik beschäftigten und gleichzeitig lecker sind und schnell zuzubereiten waren. Da habe ich es kurzerhand selbst in die Hand genommen, mir Gedanken zu leckeren Gerichten gemacht und die Zubereitung ausprobiert. Ich muss sagen, es hat sich gelohnt. Denn nun konnte ich beides verbinden, das Erlebnis des Kochens, und das an Orten, die abseits lagen und mich beeindruckten. Mit dem Buch teile ich diese Möglichkeit mit allen Radreisenden, die es genauso mögen, autark und flexibel zu sein.

Das Buch findest du hier (externer Link zu Amazon).

Tim, vielen herzlichen Dank für dieses Interview und viel Erfolg auf Deinen zukünftigen Unternehmungen.

 

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