Tipps für Radreisen in Usbekistan

Diese Tipps für Radreisen in Usbekistan beruhen auf unseren Erfahrungen in diesem Land im Rahmen unserer Radreise durch Asien. Dabei sind wir, von Turkmenistan kommend, über Buchara, Samarqand, Tashkent, Shahrisabz und Boysun geradelt und haben das Land Richtung Tadschikistan wieder verlassen.

Unsere Tipps für Radreisen in Usbekistan:

Anreise und Grenzabwicklung

Die Anreise ist auf dem Landweg oder per Flugzeug möglich. Und für die Mitnahme deines Fahrrades im Flugzeug musst du es in einen Karton oder ähnliches packen.

Unsere Tipps hierzu: Fahrrad im Flugzeug mitnehmen.

Wie für die meisten asiatischen Länder benötigst du ein Visum.

Die Grenzkontrollen sind so scharf, wie in kaum einem anderen Land. Wir mussten sämtliche Packtaschen nach dem Röntgen ausräumen und zu vielen Gegenständen unserer Ausrüstung Fragen beantworten.

Der Besitz und die Ein- und Ausfuhr von Codein ist strengstens verboten und wird mit Gefängnis gestraft. Es ist sehr, sehr ratsam, deine Reiseapotheke im Vorfeld daraufhin zu prüfen. Die Grenzbeamten lesen sich sämtliche Packungsbeilagen mitgeführter Medikamente durch. Und wehe, sie finden etwas! Sie stellen auch dein Fahrrad auf den Kopf und suchen alle Öffnungen ab, in denen du etwas verstecken könntest.

Die Grenzbeamten treten allesamt stets sehr autoritär und unfreundlich auf. Das soll den Reisenden vor der Staatsobrigkeit einschüchtern und macht wirklich keinen Spaß.

Verständigung

Neben der Landessprache wird lediglich Russisch gesprochen. Auch die kyrillische Schrift ist ein Hemmnis in der Verständigung. In den Städten findest du nur sehr selten jemanden, der Englisch spricht.

Darüber hinaus ist die Hilfsbereitschaft der Usbeken auch nicht gerade berauschend. Und gemäß der asiatischen Mentalität wirst du eher falsch informiert, als das sie sagen: ich weiß es nicht. Erfahrungsgemäß sind 4 von 5 Wegbeschreibungen falsch.

Internet, Telefonie, Stromversorgung

Immer wieder fällt der Strom aus und die meisten Steckdosen sind völlig ausgeleiert, sodaß dir der Stecker schon von selbst entgegen fällt.

Auch das Internet ist nicht besonders stabil, sondern fällt immer wieder aus. WiFi findest du in den Hotels und der Gastronomie. Je kleiner die Städte, desto schwieriger ist die Suche nach WiFi.

Bargeldbeschaffung

Die usbekische Währung verfällt inflationär. Somit benötigst du Unmengen von Geldscheinen zum Bezahlen. Am besten transportierst du dein Bargeld in Plastiktüten.

Auch bei der Geldbeschaffung gibt es bürokratische Hürden. Es ist nicht möglich, Geld per Kreditkarte an einem ATM zu beschaffen. Und der gängige Umtausch von US-$ oder Euro in usbekische Som setzt voraus, dass du dieses Bargeld bei der Einreise auch in der Deklarationserklärung angegeben hast. Zusätzlich wollen sie in Bank oder Wechselestube die lückenlose Registrierungshistorie sehen. Sonst wird der Umtausch verweigert.

Allerdings ist der Umtausch in Landeswährung Som bei der Bank deutlich ungünstiger als auf dem Schwarzmarkt. Daher bietet sich sowieso der Umtausch auf dem Schwarzmarkt an: Auf der Straße fragst du dich hierfür einfach durch und landest in kürzester Zeit bei einer Person, die den Umtausch ohne große Fragen mitmacht. Da solltest du allerdings die aktuellen Kuse kennen, sonst wird du schnell betrogen.

Lebensmittelbeschaffung

In den Städten gibt es kleine Läden und Märkte. Auf den Märkten musst du die Preise kennen und entsprechend handeln, sonst zahlst du in der Regel zu viel.

Trinkwasserbeschaffung

Im ganzen Land ist das Wasser nicht zum Trinken geeignet. Versuchst du es doch, wirst du bitter betsraft: es dreht dir den Magen um und setzt dich für 3 Tage außer Gefecht. Du musst das Wasser immer und überall abkochen oder filtern.

Unsere Tipps zum Wasserfilter für Reisen.

Alternativ kannst du Trinkwasser in Plastikflaschen kaufen oder gehst auf die Suche nach Trinkwasser-Spendern in öffentlichen Gebäuden. Auf Anfrage kannst du dort oft deine Flaschen auffüllen.

Bikeshops und Service

In größeren Städten gibt es nur wenige, schlecht sortierte Bikeshops oder Fahrrad-Abteilungen innerhalb eines Sportgeschäftes. Die verfügbare Ware beschränkt sich auf die alte russische Technik. Moderne Komponenten findest nur lediglich in der Hauptstadt Taschkent und dort auch nur mit starken Einschränkungen.

Am besten bringst du deine Ersatzteile und dein Werkzeug schon bei der Einreise mit, dann bist du autark.

Ich selber fand in Taschkent über den privaten Second-Hand-Markt im Internet eine Shimano-Hinterradnabe für eine anstehende Reparatur. Es kostete mich 4 Tage Zeit und der Fund war seltenes Glück.

Straßen

Viele Straßen in Usbekistan sind in fürchterlichem Zustand. Es gibt riesige Schlaglöcher und Risse in der Fahrbahn. Immer wieder wechseln sich Asphalt und Schotter oder Sand ab.

Ein Ausweichen ist vor allem auf den vielbefahreren Straßen oft nicht möglich, weil der Verkehr dich sonst über den Haufen fährt.

Verkehr

Besonders auffällig: in Usbekistan fahren hauptsächlich Daewoo Minibusse und Modelle von Chevrolet, beides in Usbekistan hergestellt. Importierte Fahrzeuge sind wegen der Zölle unbezahlbar.

Die meisten Fahrzeuge sind weiß lackiert. Angeblich erleichtert das bei Verfolgung durch die Polizei das Untertauchen.

Die Hupen sind unerträglich laut. Und viele Usbeken grüßen dich im Vorbeifahren per Hupe. Da ist tatsächlich Gehörschutz angebracht.

Besonders gefährlich ist der städtische Busverkehr. Die Kleinbusse fahren immer einen heißen Reifen und scheren sehr oft direkt vor dir ein und treten voll in die Bremsen, um Fahrgäste zusteigen zu lassen. Dabei sind den Fahrern Radler wie du völlig egal. Das zwingt dich nicht selten zu einer Vollbremsung. Einige Male sind wir beide nur knapp einem Auffahrunfall entkommen bei diesen Manövern.

Orientierung

Mit Offlinekarte und GPS sind Orientierung und Navigation kein Problem.

Unsere Tipps hierzu:
Fahrrad Navigation und GPS Logger per Handy – offline und kostenlos.

Radeln

Außerhalb der größeren Städte ist das Radeln angenehm. Auf vielen Straßen über Land hält sich der Verkehr in Grenzen. Doch nicht jeder Autofahrer hält Seitenabstand. Das kann belasten beim Fahren.

Trampen

In kaum einem anderen Reiseland ist Trampen so schwierig wie in Usbekistan. Die Fahrer befürchten Ärger mit der Polizei. Und sie wollen in der Regel Geld.

Aber es ist nicht hoffnungslos, denn einige Fahrer nehmen dich tatsächlich mit und schmieren bei Bedarf die Polizei-Kontrollen.

Unsere Tipps zum Trampen auf Radreisen.

Zelten und alternative Übernachtungsplätze

In den Sommermonaten ist es mit 40 – 45 °C viel zu heiß für die Übernachtung im Zelt. Wir haben stets einen luftigen Schlafplatz angestrebt: Auf fast jedem Grundstück steht neben dem Haus oder im Garten eine überdachte Sitzempore aus Holz, die sowohl für die Einnahme der Mahlzeiten und für den Empfang von Gästen als auch zum Dösen und Schlafen genutzt wird.

Auf solchen Sitzemporen konnten wir, natürlich mit Erlaubnis, mit unserem Hüttenschlafsack nächtigen. Das war deutlich angenehmer als ein Zelt und wir hatten somit einen relativ sicheren Platz für die Fahrräder und die Packtaschen.

An manchen Tagen wurden wir auch zur Übernachtung ins Haus eingeladen.

Ein besonders sensibles Thema in Usbekistan ist die Registrierung:

Spätestens alle drei Tage musst du dich registrieren lassen bei der Immigrationspolizei vor Ort. In der Regel übernimmt das die Hotelleitung. Bist du jedoch mit Zelt unterwegs, musst du das selber in die Hand nehmen. Auf diese Registrierung weisen dich auch die Einheimischen immer wieder hin.

Es kostet natürlich Geld (ca. 8 US-$) und es riecht nach einer verdeckten Devisenbeschaffung. Du bist verpflichtet, die Belege aufzubewahren und bei der Ausreise vorzulegen. Hast du dann größere Lücken, kann es Ärger geben.

Uns wollte man schon die Registrierung in einem Hostel verweigern, weil wir keine lückenlose Registrierungs-Historie nachweisen konnten. Alle leben in Angst vor dem Ärger mit den Behörden.

Tatsächlich hatten wir bis zur Ausreise lediglich 3 Registrierungen (auf 30 Tage Aufenthalt im Land) und argumentierten gegenüber den Grenzbeamten mit den fehlenden Hotels zwischen den Städten, wenn wir im Zelt übernachtet hatten. Es gab daraufhin einige Diskussionen und Stirnrunzeln, aber letztendlich akzeptierten die Beamten es dann doch und wir erhielten den Ausreisestempel in unsere Pässe. Allerdings kann der Umgang mit diesem Thema an jeder Grenzstation anders aussehen.

Sicherheit auf Radreisen in Usbekistan

Die intensive Durchdringung der Gesellschaft mit polizeilicher Aufsicht sowie der Islam als dominierende Religion begünstigen eine relativ große Sicherheit. Ein gläubiger Muslim würde sich durch Straftaten selber schwer belasten.

Grundsätzlich ist in den größeren Städten aber immer erhöhte Wachsamkeit oberstes Gebot. Und du solltest dein Fahrrad stets abschließen und dein Gepäck sichern, vor allem nachts und an den touristischen Orten.

Gesundheitsgefahren

Für Usbekistan werden Impfungen empfohlen. Kontaktiere hierzu rechtzeitig einen Tropenmediziner. Dort erfähst du auch, wie du dich gegen Krankheiten und Infektionen schützen kannst, gegen die es keine Impfungen gibt.

Unsere Tipps zu den Reise-Impfungen.

Daneben sind die üblichen Regeln der Hygiene zu beachten: Hände waschen, Fliegen vom Essen fernhalten, usw.

Klima

Im Sommer ist es mit 40 – 45 °C sehr heiß. Dazu gibt es sehr selten Wolken oder gar Regen. Andere Jahreszeiten wären natürlich angenehmer für Radreisen in Usbekistan. Doch wenn du nicht nur Usbekistan, sondern auch Tadschikistan in deine Reiseroute integriert hast und dort den Pamir-Highway fahren willst, bleibt dir keine andere Jahreszeit für deine Radreisen in Usbekistan.

Kultur

Die Bürokratie in Usbekistan ist rekordverdächtig. Du wirst sehr häufig auf deinen Radreisen in Usbekistan von der Polizei oder anderen offiziellen Vertretern kontrolliert und mußt deinen Reispass zeigen. Oft werden die Passdaten dann auch in handschriftliche Listen eingetragen. Das System ist vorsintflutlich, aber es durchdringt jede Ecke von Usbekistan.

Wie in vielen islamischen Ländern ist die Gastfreunschaft auch in Usbekistan überwältigend. Du wirst häufig eingeladen auf eine Mahlzeit, eine Pause im Schatten des eigenen Hauses oder sogar auf eine Übernachtung.

Sehenswürdigkeiten

Die Städte Buchara, Samarqand und Shahrisabz beherbergen eine unglaubliche Fülle an historischen Moscheen, Medressas und Prunkbauten aus vergangenen Zeiten. Selten fühlst du dich so intensiv im tiefsten Orient wie hier. Lediglich die Städte Kashan, Esfahan und Shiraz im Iran können da noch mithalten.

Landschaftlich ist vor allem die Gebirgslandschaft von Guzor bis hinter Boysun im Osten des Landes sehr interessant. Der Westen des Landes wird durch große Wüsten dominiert.

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