Los Alerces Nationalpark in Argentinien

Der Los Alerces Nationalpark ist einer der vielen Nationalparks in Patagonien im südlichen Argentinien. Er ist eher unbekannt und auch relativ klein. Trotzdem lohnt sich der Abstecher, wenn man auf der RN40 durch die Provinz Chubud fährt.

Wir haben ihn im Rahmen unserer Radreise durch Südamerika besichtigt und waren begeistert.
Unser Bericht:

Die Lage des Nationalparks

Folgt man der bekannten RN40 ab Bariloche Richtung Süden, dann gabelt sich hinter Epuyen der Weg: im Osten verläuft die RN40 bis Esquel weiter, im Westen verläuft eine Parallelroute durch die Anden: die RP71.

Sie schlängelt sich an den Seen entlang durch die Berge. Das gesamte Gebiet ist ab der Stadt Cholila im Norden und Futalaufquen im Süden als Parc Nacional Los Alerces ausgeschrieben.

Die Straßen im Los Alerces Nationalpark

Durchweg besteht die Straße durch den Park über die 80 km aus Schotter, lediglich einmal im Süden für insgesamt 13 km unterbrochen (Asphalt und Sand/Lehmbelag). Für den motorisierten Verkehr ist die gesamte Strecke einfach zu befahren. Für Reiseradler mit Gepäck am Fahrrad allerdings eine echte Herausforderung:

Die Strecke enthält 1450 Höhenmeter und der Schotterbelag fährt sich sehr mühsam. Die Fahrräder werden ständig durchgeschüttelt wie auf einem schlecht verlegten Kopfsteinpflaster. Dazu gibt es oft dieses unangenehme Waschbrettprofil und an einigen Stellen losen Kies, in dem das Vorderrad immer wieder mal Richtung Böschung abdriftet. Besonders tückisch sind die steilen Abfahrten, weil immer wieder völlig unberechenbar irgendwelche „Minen“ auf dem Weg liegen.

Es gibt kaum Verkehr (ca. 5 Autos pro Stunde). Aber jedes Fahrzeug erzeugt diese gewaltigen Staubwolken, die einem Radler das Atmen für einige Augenblicke unmöglich machen. Wir hatten deshalb immer unser Buff-Halstuch als Atemschutz griffbereit.

Dreimal ist Furten angesagt, weil ein Bach den Weg quert. Sie lassen dem Radler die Wahl: entweder Schuhe aus und durchs Wasser waten oder über die größeren Steine springen.

Kurz vor Villa Futalaufquen im Süden endet der Schotter und auch der Nationalpark.

Unser Video über die Schotterpiste auf Youtube:    Clip

Die Landschaft im Nationalpark

Eine malerische Berglandschaft begleitet einen entlang der gesamten Strecke. Dabei führt die Straße meist mehr oder weniger dicht an einigen Seen entlang: von Nord nach Süd: Lago Rivadavia, Lago Verde, Lago Menéndez, Lago Futalaufquen (das Wasser ist tatsächlich türkis oder grün gefärbt).

Landschaftlich durchweg ein Highlight und unserer Meinung nach noch ein Stück schöner als die bekannte Sieben Seen Route im Norden von Bariloche.

Südlich von Villa Futalaufquen verlässt man allmählich die Bergwelt Richtung Trevelin oder Esquel. Dabei passiert man die Laguna Terraplen, eine ausgedehnte Sumpflandschaft, in der unter anderem auch Flamingos leben. Dieses Gebiet gehört zwar nicht mehr zum Nationalpark Los Alerces, ist aber dennoch von besonderem Reiz.

Die Wasserfälle im Nationalpark

Immer wieder hört man kleinere Wasserfälle an den Felswänden nahe der Straße in die Tiefe stürzen. Allesamt führen sie sehr sauberes Trinkwasser. Das ist vor allem für Reiseradler von Wert, erspart es einem doch die Mitnahme schwerer Wasservorräte am ohnehin schwer bepackten Fahrrad.
Ein Wasserfall ist allerdings ein echtes Highlight:

Auf der Höhe vom Lago Futalaufquen im Süden des Parks führt ein 100 m kurzer Trittpfad hinauf zur Cascada Irigoyen. Hier stürzt das Wasser mit viel Getöse ca. 15 m in die Tiefe. Beeindruckend ist dabei vor allem die Nähe der beiden Aussichts-Plattformen zum Wasserfall. Man wird garantiert nass durch den intensiven Sprühnebel in der Luft. Sehr eindrucksvoll.

Unser Video zum Wasserfall auf Youtube:    Clip

Weitere Highlights im Nationalpark

Am Lago Menendez werden Bootsfahrten zu zwei weiteren Sehenswürdigkeiten angeboten:

  • Alerzal Milenario (ein Wald mit einigen der ältesten Bäume der Welt)
  • Laguna del Glaciar Torrecillas.

Im Süden am Lago Amutui Quimei lässt sich das Wasserkraftwerk Complejo Hidroelectrico bestaunen.

Die Zeltplätze im Nationalpark

Neben einigen kommerziellen Campingplätzen und den festen Unterkünften gibt es auch ein paar kostenlose Zeltplätze entlang der Strecke:

  • Puerto Canero am Lago Rivadavia
  • Playa El Frances am Lago Futalaufquen
  • Punta Mattos am Lago Futalaufquen
  • Quebrada Del Leon am Lago Futalaufquen (war 2018 gesperrt)
  • Coihue Viejo am Lago Futalaufquen
  • Cascada Irigoyen am Lago Futalaufquen
  • La Usina am Lago Futalaufquen
  • Las Rocas am Lago Futalaufquen.

Die freien Campingplätze bieten allerdings keine sanitären Anlagen und kein Wasser, sondern lediglich kostenfreie Stellplätze, zum Teil mit Feuerstellen.

Die RN40/RP71 als Alternative zur Carretera Austral

Viele Touristen befahren die berühmte Carretera Austral (eine Panoramastraße auf der chilenischen Seite der Anden von Puerto Montt bis Villa O´Higgins) komplett, beginnend von Puerto Montt im Norden.

Alternativ bietet sich tatsächlich auf argentinischer Seite die RN40 über Bariloche und Epuyen samt der RP71 durch den Los Alerces Nationalpark an. Im Süden passiert man dann bei Futaleufu die chilenische Grenze und stößt nach ca. 90 km Strecke in Villa Santa Lucia auf die Carretera Austral.

Diese Alternative bietet ebenso wie die Carretera Austral eine sehenswerte Landschaft, erspart einem jedoch die Fahrerei über Osorno und Puerto Montt. Das hat seinen Reiz, wenn man sich Patagonien per Reiserad erarbeitet.

Des Weiteren erlebt man auf der Schotterpiste im Los Alerces Nationalpark jenes Abenteuer, das man in der nördlichen Hälfte der Carretera Austral vermisst. Denn dort ist die Carretera Austral mittlerweile weitgehend asphaltiert und hat für manchen Reiseradler somit an Abenteuer-Flair eingebüßt.

 

 

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