Die Packliste für Radreisen und Fahrradtouren

Um es gleich vorweg zu sagen: „die“ perfekte Packliste für Radreisen und Fahrradtouren gibt es nicht. Dafür sind deine Touren viel zu individuell.

Folglich macht es wenig Sinn, an dieser Stelle alle möglichen Ausrüstungsgegenstände aufzuzählen. Es erscheint uns viel sinnvoller, dir stattdessen einen Leitfaden an die Hand zu geben, mit dem du dir deine ganz spezielle Packliste leicht selber zusammenstellen kannst.

Dieser Beitrag ist als „Werbung“ zu betrachten, weil wir hier Marken, Produkte und Firmen erwähnen/empfehlen, auch wenn wir dies unentgeltlich tun.

 

Grundüberlegungen für eine Packliste für Radreisen und Fahrradtouren

Wenn du mit dem Fahrrad auf Tour gehst, ist der Stauraum für Gepäck stark begrenzt. Daraus resultiert: Ausrüstung mit kleinem Packmaß ist vorteilhafter und es gehört nur „die“ Ausrüstung ins Gepäck, auf die du absolut nicht verzichten kannst. Was das konkret bedeutet, erläutern wir weiter unten.

Doch auch das Gewicht spielt eine entscheidende Rolle. Du musst jedes Kilogramm Ausrüstung den lieben Tag lang auf dem Fahrrad mit dir herumschleppen. Besonders hart trifft dich das bei Anstiegen. Daraus folgt: leichte Ausrüstung ist besser als schwere.

Fazit: Die Ausrüstung muß leichtgewichtig und platzsparend sein und du beschränkst dich am besten auf das Allernötigste.

Wie du deine Packliste für Radreisen und Fahrradtouren erstellst

Gehe in Gedanken deinen üblichen Tagesablauf auf deiner Reise durch. Notiere dir alle Dinge, die du dafür brauchst. Betrachte in diesem Rahmen auch die Wartung und alle Reparaturen am Fahrrad, das Thema Wäsche waschen, deine Reiseelektronik samt Stromversorgung, dein Trinkwasser-Management, Schlafen, Kochen, Essen, Kleidung, deine Kameraausrüstung und all die anderen Situationen, die du auf deiner Reise erwartest.

Was du auf Radreisen und Fahrradtouren alles brauchst

Ganz grob betrachtet, entscheiden deine persönliche Reiseart, das Reiseziel und das Klima am Reiseziel über den Umfang deiner Packliste für Radreisen und Fahrradtouren.

Die Reiseart:

Wenn du auf deinen Radreisen zeltest, kannst du sehr viel Geld sparen. Gleichzeitig erweitert es deine Packliste jedoch sofort um eine ganz Reihe von Gegenständen: Zelt, Schlafmatte, Schlafsack, unter Umständen Moskitonetz, Stirnlampe oder Laterne, Faltschüssel, Wasserbeutel, usw.

Das gleiche gilt für die Campingküche. Selber kochen ist preiswerter als die Gastronomie vor Ort (Ausnahme: einige asiatische Länder), aber dann stehen Kocher, Brennstoff, Geschirr, Gewürze und Kochbesteck sofort auf deiner Packliste.

Das Reiseziel:

Je exotischer das Reiseland, desto stärker musst du die Besonderheiten des Landes in deiner Packliste berücksichtigen. Infrastruktur, Bevölkerungsdichte, Wasserqualität, Landschaftsprofil, kulturelle Restrikionen, Einreisevorschriften, … all das nimmt Einfluß auf deine Packliste.

Hierzu einige Beispiele:

  • Fährst du in den Iran, kannst du als Mann deine kurzen Hosen daheim lassen, als Frau benötigst du aber dagegen mindestens ein Kopftuch.
  • Für die Einreise nach Chile musst du den Kaufnachweis für dein mitgebrachtes Fahrrad vorweisen können
  • Für den Aufenthalt in Usbekistan ist Codein-haltige Arznei verboten. Das betrifft die Zusammenstellung deiner Reiseapotheke.
  • In ganz Zentralasien ist die Mitnahme eines Wasserfilters absolute Pflicht, wenn du dir nicht ständig den Magen verderben willst.
  • Für zivilisationsarme Regionen benötigst du große XXL-Flaschenhalter am Fahrrad, um genügend Trinkwasser für mehrere Tage transportieren zu können.

Wenn dein Reiseziel feststeht, solltest du dich folglich über die landesspezifischen Besonderheiten informieren und deine Packliste in dieser Hinsicht anpassen.

Eine der ersten Adressen ist hier sicher die Website vom Auswärtigen Amt. Es ist eine seriöse, verlässliche Quelle bezüglich Reisewarnungen, Einreisebestimmungen, Zollbestimmungen und anderer Themen. Darüber hinaus solltest du in den Reiseblogs im Internet nach aktuellen Erfahrungsberichten zum betreffenden Reiseziel suchen. Die Betonung liegt dabei vor allem auf „aktuell“.

Insbesondere zu den Einreisebestimmungen ist höchste Sorgfalt bei der Recherche angebracht, um Ärger bei der Einreise zu vermeiden.

Das Klima am Reiseziel:

Mit Einschränkung entscheidet das Klima vor Ort über den Umfang deiner Kleidung: Regenschutz ist eigentlich immer fester Bestandteil der Packliste, aber eine lange Unterhose und der 200er Faserpelz und die Wintersocken sind tatsächlich nicht immer von Nöten. Kleidung kann sehr viel Platz in den Packtaschen blockieren. Daher empfehlen sich hier das Zwiebelprinzip und die Mehrfachverwendung.

Das Zwiebelprinzip: Mehrere Kleidungsstücke miteinander kombinieren ist besser, als für jede Temperatur ein separates Kleidungsstück mitzuführen. So bist du flexibel genug, sparst aber Gewicht im Gepäck.

Die Mehrfachverwendung: Eine Schlafanzughose beispielsweise kannst du im Bedarfsfall auch tagsüber als lange Unterhose verwenden. So sparst du dir die Mitnahme von 2 langen Hosen.

Beherzigst du diese beiden Prinzipien, kommst du tatsächlich mit relativ wenig Kleidung aus.

Der Gesundheitsschutz im Reiseland:

Tropische Krankheiten, gefährliche Tiere und Pflanzen, starke Sonnenstrahlung, extreme Höhenlagen, … all das nimmt ebenfalls Einfluß auf deine Packliste: Du benötigst unter Umständen Wasserfilter, Moskitonetz, spezielle Arznei, Gletscherbrille, oder andere Dinge.

Insbesondere den Schutz vor Reiseziel-spezifischen Krankheiten und spezielle Arznei solltest du auf Basis einer konkreten Beratung durch deinen Arzt oder sogar einen Tropenmediziner abklären. Dort erfährst du auch, welche Reiseimpfungen du dir vor Reiseantritt verabreichen lassen solltest.

Überlegungen vor dem Ausrüstungskauf

Gewichts- und Volumenreduzierung zählen in der Outdoorindustrie zu den wichtigsten Zielen bei der Entwicklung neuer Produkte. So kommen immer leichtere, kompaktere Lösungen auf den Markt, die oft auch deutlich teurer sind, als ältere Modelle.

Aber du willst bestimmt nicht immer wieder dein gesamtes Equipment erneuen, nur weil die neuen Modelle ein paar Gramm weniger wiegen und ein etwas geringeres Packmaß mitbringen, als deine altgediente Ausstattung.

Hier musst du also Prioritäten setzen und möglicherweise mit Kompromissen leben.

Wenn du dir natürlich erstmalig Ausrüstung zulegst, hast du die freie Wahl. Aber auch dann wirst du entscheiden müssen zwischen preiswerten Produkten und den leichteren, kompakteren und wahrscheinlich teureren Varianten.

Wenn du dir sicher bist, dass du deine Ausrüstung in Zukunft sehr intensiv nutzen wirst, lohnt es sich auch, beherzt tiefer in die Tasche zu greifen beim Kauf.

Der Gebrauchtmarkt ist in diesem Zusammenhang übrigens eine gute Alternative zu den vielen Ausrüstungsshops. Nicht wenige Konsumenten verkaufen nahezu neuwertige Ausrüstung, nachdem sie sie lediglich für einen Trip im Einsatz hatten.

Betrachte das gesamte Produktspektrum der Outdoorausrüster aber immer mit einem kritischen Auge. Vieles, was da mittlerweile in den Regalen steht, brauchst du gar nicht. Da werden mit edlem Design und den Werbeversprechnungen unechte Bedürfnisse geweckt.

Die Haltbarkeit deiner Ausrüstung

Auch die Haltbarkeit nimmt starken Einfluss auf den Preis. Da solltest du aber auf keinen Fall an der falschen Stelle sparen. Billigprodukte geben schnell den Geist auf und mit der Wiederbeschaffung gibst du am Ende deutlich mehr Geld aus. Abgesehen davon ist eine Wiederbeschaffung im Ausland nicht immer möglich. Dort kommt dich ein hochwertiger Ersatz meist teurer zu stehen, sobald es sich um Importartikel handelt.

Ersatzteilbedarf für deine Ausrüstung

Mag deine Ausrüstung noch so hochwertig und von hoher Haltbarkeit sein, so lohnt sich dennoch ein Blick auf den Ersatzteilbedarf. Viele größere Aussrüstungsgegenstände haben ein paar wenige Verschleißteile, die in aller Regel als erstes den Dienst versagen. Dazu zählen z.B. die Dichtungen und Filter in einem Benzinkocher oder der Reißverschlußschieber an Zelt und Schlafsack.

Sobald deine Packliste steht, solltest du sie im Hinblick auf Verschleißteile scannen und dir vor Antritt deiner Reise die besonders wichtigen Ersatzteile beschaffen. Das gilt insbesondere für längere Radreisen. Denn im Ausland ist die Beschaffung meist schwierig und nervig.

Als Beispiel führen wir hier einmal unseren Ersatzteile-Umfang auf:

  • Schieber für alle Zelt-Reißverschlüsse (1 Satz)
  • Schieber für die Schlafsack-Reißverschlüsse (1 Satz pro Schlafsack)
  • Zeltstangen-Ersatz-Segment und Reparaturhülse
  • Clips-Verschlüsse für die Ortlieb-Packtaschen (Nach unserer Erfahrung ermüdet der Kunststoff nach 3 Jahren Dauerbewitterung und dann brechen die Federarme ab)
  • Knopfzellen für Bike-Computer und Wecker
  • Schlauchschellen (ermöglichen stabile Reparaturen an Rad und Gepäckträgern und nehmen wesentlich stärkere Kräfte auf als Kabelbinder)
  • SeamGrip zum Abdichten kleiner Lecks (angebrochene Tuben halten nicht lange)
  • SilNet zum Abdichten silikonbeschichteter Gewebe, z.B. Außenzelt (angebrochene Tuben halten nicht lange)
  • Eine Ader eines alten Brems- oder Schaltzuges zum Reinigen der Brennerdüse unseres Benzinkochers (falls der filigrane Original-Reinigung-Pin einmal abbricht)
  • Reparaturmaterial für unsere luftführenden Schlafmatten, um Löcher (durch Dornen oder sonstige spitze Fremdkörper) wieder abdichten zu können
  • eine Rolle Isolier-Klebeband (achte hierbei auf gute Qualität)

Den Ersatzteile-Umfang für Fahrräder haben wir in einem separaten Artikel sehr ausführlich beschrieben:

Fahrradersatzteile für Radreise und Fahrradtour

Was du zu Hause lassen solltest

Dieser Aspekt ist wohl für die Allermeisten der schwierigste. Du bist geneigt, viele nützliche Dinge mitzunehmen, wirst aber am Ende deiner Tour feststellen, dass du manches nur selten oder gar nicht benutzt hast.

Um so wenig wie möglich umsonst mitzuschleppen, solltest du dir also sehr konsequent vor der Tour für jeden einzelnen Gegenstand auf deiner Packliste die Frage stellen: brauche ich das wirklich?

Besonders hilfreich sind zusätzlich folgende Ansätze:

  • Suche in deiner Packliste nach Dingen, die für mehrere Zwecke verwendet werden können und streiche die Dinge, die dadurch überflüssig werden. Mit dem 10er Maulschlüssel aus deinem Fahrrad Werkzeug kannst du beispielsweise auch deine Bierflaschen öffnen. Da braucht es nicht zusätzlich noch einen Flaschenöffner.
  • Selten benutzte Gegenstände könntest du zu Hause lassen und stattdessen unterwegs als Leihgabe besorgen. Und wenn das nicht möglich ist: wie groß sind die Entbehrungen dann tatsächlich?
  • Beim Campingkocher reicht vielleicht auch ein Topf anstelle von 2 Töpfen und einer Pfanne.
  • Übertrage diese Beispiele auch auf andere Dinge, wo du noch abspecken kannst.

Zur Not kannst du später während deiner Radreise auch überflüssige Dinge in die Heimat zurückschicken. Wir haben in einem separaten Artikel detailliert beschrieben, was du im Ausland beim Paketversand beachten musst.

Packtaschen und Packsäcke

Natürlich lassen sich am Fahrrad insgesamt 4 Packtaschen und eine ganze Reihe von Packsäcken befestigen. Doch diese „Behälter“ sind ja nur Mittel zum Zweck und haben ein nicht unwesentliches Eigengewicht, je nachdem, für welche Materialvariante du dich beim Kauf entscheidest.

Bei den Packtaschen kannst du bei manchen Herstellern zwischen verschiedenen Materialien wählen. Die leichtere Variante kommt natürlich gleich wieder mit einem Aufpreis daher. Auch bei den Packsäcken brauchst du nicht die robuste, schwere Ausführung für Motoradfahrer.

Wenn dein Gepäckvolumen so gering ist, dass du lediglich die beiden hinteren Packtaschen benötigst,. bedenke: ein zusätzlicher Satz Vorderrad-Packtaschen erhöht die Fahrstabilität beim Radeln merklich. Aus dieser Sicht sind 4 Packtaschen dann doch komfortabler.

Eine sinnvolle Alternative zu den Packtaschen ist sicher auch das Bikepacking. Hierbei verteilst du dein Gepäck im Wesentlichen an Lenker und Sattelstütze sowie in die Freiräume im Fahrradrahmen. Es kommt aber nur in Frage, wenn du minimales Gepäck hast.

Fazit zu deiner Packliste für Radreisen und Fahrradtouren

Du merkst, deine ganz persönliche Packliste wird in vielen Punkten ein ausgeklügelter Kompromiss zwischen „so wenig wie möglich“ und „soviel wie nötig“. Weniger Gewicht kann dich dabei mehr Geld kosten oder größere Entbehrungen mit sich bringen.

Doch zunächst sind dein Reiseziel und deine individuelle Reiseart maßgeblich für den Umfang deiner Packliste.

Am Ende ist am wichtigsten, dass du dich mit dem Equipment auf deinen Reisen noch wohlfühlst. Bei allem Mimimalismus darf der Spaß am Reisen nicht leiden.

 

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