Paketversand weltweit – ein Abenteuer

Der Paketversand innerhalb Deutschlands ist einfach und geht schnell über die Bühne.  Versendet man jedoch ins Ausland, insbesondere in ein Land außerhalb der EU, dann gelten andere Gesetze. Der Zoll des Empfängerlandes kommt ins Spiel. Und damit beginnt ein Spießrutenlauf durch die Formulare und landesspezifischen Regeln. Jedes Land hat besondere Bestimmungen. Also muss ein jedes Paket individuell auf das Empfängerland zugeschnitten werden. Was ist zu beachten?

Zollinhaltserklärung

Bei einem Versand in ein Land außerhalb der EU muss dem Paket eine Zollinhaltserklärung beiliegen. Es gibt dabei 2 Ausführungen, CN22 und CN23. Der Warenwert und die Vorgaben in den „Länderspezifischen Besonderheiten“ entscheiden, welches Formular verwendet werden soll. Man füllt es in englischer oder französischer Sprache aus und klebt es von außen sichtbar in einer transparenten Klebetasche versiegelt auf das Paket. Jeder Gegenstand muss dort mit Wert und Gewicht aufgeführt werden.

In Verbindung mit der CN23 bzw. CN22 erhält man auch eine Paketkarte CP71, die ebenfalls in der Klebetasche deponiert wird.

Einfuhr- und Zollvorschriften

Dies ist ein Verzeichnis, in dem für jedes Empfängerland die individuellen Regeln aufgeführt sind im Hinblick auf verbotene Gegenstände, bedingt zugelassene Gegenstände und die erforderlichen Begleitpapiere. Kritisch sind hierbei die individuelle Auslegung dieser Zeilen und die Suche nach der richtigen offiziellen Stelle, bei der man sich bei Bedarf eine Genehmigung einholen kann. Hat man Fragen zu bestimmten Gegenständen, dann findet sich keine Institution, die konkret Antworten geben kann.

Ist man auf seiner Reise durch mehrere Länder unterwegs, empfiehlt es sich auf jeden Fall, anhand dieser Auflistungen ein geeignetes Zielland herauszusuchen für den angedachten Paketversand. Die Vorschriften für benachbarte Länder unterscheiden sich oft gewaltig. Und manche Gegenstände sind in dem einen Land verboten und in einem anderen Land halt erlaubt.

Aber Achtung: die Unterlagen im Netz sind nicht immer auf dem neusten Stand: in 2017 stand auf der Website von DHL nur eine veraltete Version (Stand 2014) dieser Einfuhr- und Zollvorschriften zum Download zur Verfügung, obwohl es schon ein neue Version (2017) gab.

Länderspezifische Besonderheiten

In dieser Tabelle sind für jedes Land ergänzende Informationen aufgeführt. Ist Eilversand möglich? Gibt es eine Sendungs-Verfolgung? In welcher Sprache muss die CN22 /CN23 ausgefüllt werden? usw.

Handelsrechnungen

Ab einem Warenwert von 300 „Sonderziehungsrechten“ (das ist eine Rechnungseinheit für Transaktionen, die jährlich aktualisiert wird: Stand 2017: 377,22 €) muss eine Handelsrechnung dem Paket beigelegt werden. Es schadet auch nicht, wenn man bei Gegenständen mit geringerem Wert die Rechnung beifügt. Damit reduziert man das Risiko, dass der Zoll des Empfängerlandes einen höheren Warenwert ansetzt und daraus möglicherweise Zoll-Nachzahlungen abgeleitet werden.

Ausfuhranmeldung

Unter bestimmten Bedingungen ist auch noch eine Ausfuhranmeldung erforderlich. Aber das betrifft hauptsächlich den Versand von Waren für kommerzielle Zwecke.

Die Versandadresse

Das Adress-Format ist nicht für alle Länder gleich. Also muss man zunächst einmal abklären, welche Besonderheiten für das Zielland gelten. Auf der Website von DHL findet man unter „/Paket versenden/weltweit versenden/Paket international/Details für ihr Zielland/“ alle Landes-spezifischen Angaben, unter anderem auch das Adress-Format des Ziellandes.

Der deutsche Zoll

Es schadet auch nicht, wenn man sich auf der Website vom deutschen Zoll unter www.zoll.de über die „Einschränkungen bei grenzüberschreitendem Warenverkehr“ informiert. Dort sind die aktuell geltenden Einschränkungen für Länder, Personen und Waren aufgelistet.

Bei privaten Kleinsendungen nach Deutschland spielt zum Beispiel die Warenwert-Grenze von 45 € eine Rolle bei der Bemessung der Einfuhrabgaben. Darüber hinaus gibt es Mengenbegrenzungen für bestimmte Produkte, wie Kaffee, Alkohol oder Tabak.

Unsere Erfahrungen

Wir hatten uns ein Päckchen (Kleidung und Ersatzteile) und einen Brief (ein Akku-Pack für unsere Zzing-Ladegeräte) ohne Sendungsverfolgung und ohne Versicherung von Deutschland nach Indien senden lassen. Beides kam nie an.

Unser zweiter Versuch war erfolgreicher: ein Paket mit Versicherung und Sendungsverfolgung von Deutschland nach Thailand versendet, traf nach 10 Tagen dort ein. Aber es war sehr schwierig, hierfür Antworten auf unsere konkreten Fragen zu finden: gehört eine kleine Menge hausgemachtes Gebäck schon zu den genehmigungsbedürftigen Gegenständen und wo beantragt man eine Genehmigung? Zählt Caro-Kaffee schon zu Kaffeeprodukten? Wer kann einem das korrekte Adress-Format für Thailand bestätigen? Wie überträgt man die einzelnen Adress-Angaben in die vorgegebenen Eingabefelder in der Online-Versandmaske? (die haben nämlich das deutsche Adress-Format). Und wie erfolgt die Sendungsverfolgung ab der Landesgrenze? … Aber das Paket kam halt an und somit hatten wir wohl nichts falsch gemacht.

Danach wurden wir mutiger und organisierten den Versand eines im deutschen Internethandel erworbenen Gebraucht-Netbooks nach Thailand. Ich suchte das thailändische Zollamt in Bangkok auf und erfuhr dort, mit welchen Zollabgaben ich zu rechnen hätte. Tatsächlich mussten wir später keine Steuern zahlen, dafür war unser Paket diesmal aber 10 Tage länger unterwegs, weil der fest verbaute Akku im Netbook als Gefahrgut eingestuft wurde und Flugpost somit ausfiel. Der Versand per Schiff dauert dann halt länger. Offenbar stuft man das Gefahrenpotenzial von Batterien bei einem Transport auf dem Seeweg ganz anders ein!

Unser Fazit zum Paketversand weltweit

Wenn man die oben beschriebenen Punkte sorgfältig beachtet, ist alles nur halb so schlimm, wie es im ersten Augenblick scheint. Da bereitet einem manches Paket innerhalb der deutschen Landesgrenzen mehr Stress. So geschehen bei uns bei einer „Express“-Sendung von Velbert nach Chemnitz: statt am nächsten Werktag wurde das Paket erst nach 8 Tagen ausgeliefert und die Ware war beschädigt. Auf unsere Reklamation wurden nur die Versandkosten erstattet, der tatsächliche Schaden lag aber über 100 €.

Aber dennoch bleibt der Paketversand weltweit oft ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang.

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