Dolomiten-Radreise: Reisebericht – per Fahrrad durch die Alpen

Eine Dolomiten-Radreise mit schwerem Gepäck am Fahrrad und über die alpinen Passstraßen, das war auch für uns neu, obwohl wir schon so viele Radreisen unternommen hatten.

Aber die Beschreibung der Dolomiten-Höhenstraße (Große Dolomitenstraße) hatte unser Interesse geweckt: Diese Panoramastraße versprach eine atemberaubende Bergkulisse und gemäßigte Steigungen.

Und so entschieden wir uns zu einer Dolomiten-Radreise in Südtirol. Doch würden wir alle Pässe schaffen? Würde das Wetter mitspielen? Und wie war das mit der Höhenanpassung?

Der Reisebericht über unsere Dolomiten-Radreise:

 

* Dieser Beitrag enthält Werbelinks.

 

Die Bergwelt der Dolomiten

Die Dolomiten sind seit 2009 UNESCO-Welterbe und stechen aus der Bergwelt der Alpen etwas hervor. Denn nirgendwo anders treten in den Alpen derart schroffe Felsen in Erscheinung wie hier in den Dolomiten.

Das Fels-Panorama ist tatsächlich genauso spektakulär wie Cerro Fitz Roy und Cerro Torre in Patagonien.

Wenn du mehr über die schroffen Berge in Patagonien und unsere Tipps zum Besichtigungsprogramm erfahren willst:

Der Los Glaciares National Park in Patagonien

Die Große Dolomitenstraße

Die Dolomitenstraße ist eine der schönsten Panoramastraßen in Europa. Sie existiert seit dem frühen 20. Jahrhundert und führt auf einer Länge von 109 km durch die atemberaubende Bergwelt der Dolomiten. Dabei verläuft die Strecke durch Österreich und Italien. Erweitert man die Streckenführung bis Toblach, kommen noch 35 km hinzu.

Betrachtet man lediglich die Steckenlänge in km, dann wirkt diese Ferienstraße außerordentlich kurz. Doch tatsächlich reiht sich auf dieser Touristenstraße ein Pass an den anderen:

  • Karerpass (1741 m)
  • Pordoijoch (2239 m)
  • Passo di Falzarego (1850 m)
  • Passo Tre Croci (1809 m).

Weil Passstraßen in der Regel mit vielen Serpentinen und Nadelkurven daher kommen und gewöhnlich nur mit sehr geringer Durchschnittsgeschwindigkeit befahren werden können, wird die Dolomitenstraße dann für die meisten Reisenden ein Mehrtages-Programm. Für uns Reiseradler bot sie Programm für einen dreiwöchigen Urlaub.

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Die Anreise

Wir wollten unsere Dolomiten-Radreise als Rundtour auslegen und wählten Nassreith als Start- und Endpunkt der Tour. So führte unsere Anreise zur eigentlichen Dolomitenstraße über Imst und Landeck Richtung Reschenpass (1508 m), unserem ersten Anstieg.

Am Reschensee bestaunten wir den im Wasser stehenden Kirchturm von Alt-Graun. Was heute als beliebtes Fotomotiv herhält, ist tatsächlich ein Mahnmal für ein rücksichtsloses Stauprojekt zu Zeiten des Faschismus, bei dem die Menschen in den Ortschaften Reschen und Alt-Graum rücksichtslos ihrer Lebensgrundlage beraubt wurden. Heute steht dieser Kirchturm unter Denkmalschutz und erinnert an dieses finstere Kapitel in der Geschichte Südtirols.

Hinter dem Reschensee führte unser Weg weiter über Meran und Bozen in das Eggental. Gleich hinter Bozen führt die Straße dabei durch zwei ziemlich neue Tunnel unter dem Bergmassiv hindurch: Karneid und Kampenn.

Wir hatten diese Tunnel-Passage zwar auf unserer Karte wahrgenommen, aber letztendlich völlig unterschätzt: Es ging kontinuierlich bergauf und zwang uns beide zum Schieben unserer bepackten Fahrräder. Und damit wurde die Befahrung (Begehung) dieser Tunnel zu einer abenteuerlichen und gefährlichen Aktion, die sich natürlich über fast eine Stunde hinzog. Bergab wäre das eine lockere, entspannte Durchfahrt von nicht einmal einer Minute Dauer gewesen.

Es gab über die gesamte Strecke in den beiden Tunneln keinen Seitenstreifen, sondern lediglich eine sehr beengte Bordsteinkante mit Stufen. Somit waren wir zwar kein Hindernis auf der Fahrbahn, aber zumindest nicht in ausreichend großem Abstand zu den vorbeifahrenden Fahrzeugen unterwegs.

Alleine die ohrenbeteubende Geräuschkulisse der herannahenden Fahrzeuge flößte uns schon gehörig Respekt ein. Dazu kam die Befürchtung, dass mancher Autofahrer beim Überholen zu wenig Seitenabstand einhalten würde.

Es gab auch keine Beleuchtungsanlage im Tunnel. So konnten wir lediglich mit unserer Lichtanlage am Fahrrad und unserer Warnweste etwas mehr Sichtbarkeit erzeugen. Zu wenig für diese Verhältnisse.

Aber es ging gut und wir schworen uns hinter dem Tunnel, zukünftig etwas sorgfältiger bei unserer Streckenplanung vorzugehen.

Und dann lagen sie vor uns: Die Dolomiten. Der Anblick der schroffen Berge ließ uns die Tunnel schnell vergessen. Ab jetzt war Genießen angesagt.

Die Pässe auf unserer Dolomiten-Radreise

Im weiteren Verlauf wurde unsere Reise eine Mischung aus mühsamen Anstiegen, rasanten Abfahrten und dem genussvollen Blick in die umliegende Bergwelt der Dolomiten:

Während wir den Karerpass (1741 m) empor strampelten, hatten wir den Blick frei auf den Rosengarten und die Latemar-Gruppe.

Nach der Abfahrt folgte sofort der Aufstieg zum Pordoijoch (2239 m) mit Blick auf Sellagruppe und Marmolata.

Dann ging es weiter über den Passo di Falzarego (1850 m) und dann runter nach Cortina d´ampezzo (1210 m).

Nach Cortina ging es über den Passo Tre Croci (1809 m) zum Lago di Misurina und dann durch das Höhlensteintal nach Toblach (1240 m). Neben den schroffen Bergen haben auch diese Bergseen eine magische Anziehungskraft. So luden uns vor allem der Lago di Misurina und der Toblacher See zu ausgedehnten Pausen ein.

Die Straßen auf unserer Dolomiten-Radreise

Alle Steigungen auf der Dolomitenstraße lagen bei bis zu 15 %, das ist gerade noch gut fahrbar mit vollgepacktem Reiserad. Der motorisierte Verkehr hielt sich in Grenzen. Sehr dominant waren hierbei allerdings die vielen Motorradgruppen.

Dass Serpentinenstraßen durch eine sehenswerte Bergwelt schon immer zu den beliebtesten Revieren der Motorbiker zählten, war uns bekannt. Aber mit derart vielen und vor allem großen Biker-Gruppen hatten wir nicht gerechnet. Da zogen nicht selten Gruppen mit 50 oder sogar mehr Motorradfahrern an uns vorbei.

Einerseits war das optisch und akustisch beeindruckend, andererseits fehlte da manches Mal der von uns gewünschte Seitenabstand beim Überholen. Zumindest waren wir froh, mit unserer Thermosflasche und dem mitgeschleppten Proviant unsere Pausen autark organisieren zu können. Denn wenn eine dieser Mammutgruppen ein Cafe an der Straße belagerte, kamen sowohl die Bedienung als auch die Küche sofort an ihre Grenzen.

Wann immer sich die Möglichkeit ergab, zogen wir die Waldwege den asphaltierten Straßen vor. Das war deutlich ruhiger und vor allem ungefährlich.

Leider beschränkte der dichte Waldbestand dann auch gleich die freie Sicht in die umliegende Bergwelt. Zudem waren die Wege auch nicht immer barrierefrei. So war auch schon einmal Furten angesagt.

Mit der Höhenanpassung hatten wir keine Probleme. Wir organisierten alle unsere Übernachtungsplätze bewusst in den tieferen Lagen. Aber selbst der höchste Pass in unserem Programm lag mit seinen 2239 Metern noch unter der Marke, ab der man sich mit einer Höhenanpassung  tatsächlich ernsthaft auseinandersetzen müsste.

Lesetipp: Höhenkrankheit vermeiden – Tipps zur Akklimatisierung

 

Das Wetter auf unserer Dolomiten-Radreise

Wir hatten zu Beginn unserer Fahrradtour mit heftigen Gewittern in den Bergen gerechnet. Im Tal ist so etwas kein großes Drama: Wir stellen uns irgendwo mit den Fahrrädern unter und warten geduldig bis Blitz und Donner durch sind. Aber oben auf den Passstraßen gibt es auf langen Strecken keinen Schutz vor Blitzen. Zumindest keine komfortablen Unterstände.

Doch wir hatten Glück. Über sämtliche Tage blieben wir vor gefährlichen Gewittern oben in den Bergen verschont. Das Wetter war zwar sehr wechselhaft, aber wir hatten dennoch sehr oft freie Sicht auf die Bergwelt der Dolomiten. Das war wichtig für unsere Motivation, wenn wir einen Pass hochfuhren.

Auch die Anzahl der Regentage hielt sich auf unserer Fahrradreise in Grenzen. Normalerweise haben wir mit lang anhaltendem Regen kein Problem, denn wir haben ja immer unsere Regen-Bekleidung dabei. Doch auf steilen Abfahrten in den Bergen kann die Straße bei Regen gefährlich rutschig werden. Außerdem kühlt man schnell aus, was sich vor allem in den höheren Lagen auf den Pässen negativ aufs Gemüt auswirkt.

Lesetipp: Fahrrad Bekleidung für Radreisen

Großglockner oder Felbertauernstraße?

Einmal machte uns das Wetter aber dann doch einen Strich durch die Rechnung:

Auf dem Weg nach Lienz informierten wir uns über das Wetter für den kommenden Tag, weil wir auf unserem Rückweg Richtung Landeck über die Großglockner-Hochalpenstraße fahren wollten. Leider war Regen und Sturm angesagt, auf dem Großglockner sollte möglicherweise Schnee fallen. Damit war der Großglockner abgesagt und wir wählten Plan B: die Felbertauernstraße.

Über Matrei zog sich die Passstraße dann hoch bis zum 5,3 km langen Felbertauerntunnel. Die Tunnel-Durchfahrt ist für Radler verboten. Hier mussten wir uns als Radfahrer in der Kontrollstation vor dem Tunnel ein Ticket kaufen und wurden dann mit einem speziell eingerichteten Bike-Shuttle-Fahrzeug von den Offiziellen auf die andere Seite gefahren.

Das Wetter war wie vorhergesagt: nass, kalt und stürmisch. Da hätten wir auf dem Großglockner nichts vom Panorama gesehen. Die lange Abfahrt bis nach Mittersill war dann auch kein Vergnügen: nasse Straßen sind schnell rutschig und der kalte Regen kühlte uns schnell aus. Wie gut, dass wir immer eine Thermosflasche mit heißem Tee im Gepäck haben.

Würden wir die Große Dolomitenstraße heute noch einmal befahren, dann würden wir uns im Tal einen Übernachtungsplatz suchen und den Aufstieg auf den nächsten Tag verschieben. Ganz gleich, ob Großglockner-Hochalpenstraße oder Felbertauernstraße: ohne klare Sicht in die umliegende Bergwelt und den wärmenden Sonnenstrahl macht beides keinen Spass. Da fehlt der „Lohn“ für die Strapazen im Aufstieg mit 40 kg Gepäck am Fahrrad.

Sehenswertes nördlich der Dolomiten

Ab Toblach lässt man die Dolomiten hinter sich. Dann folgt man auf weiten Strecken den Flussläufen von Drau, Isel, Salzach und Inn. Das verspricht eine flache Straßenführung ohne größere Anstrengung.

Mit Ausnahmen: denn die Felbertauernstraße (siehe oben) und auch die Gerlosstraße (1628 m) im weiteren Verlauf Richtung Innsbruck erinnern dich nochmal an die Pässe in den Dolomiten.

Besondere Highlights entlang der Route gibt es übrigens auch im weiteren Verlauf der Strecke nördlich der Dolomiten:

  • Bei Pinzgau erlebt man den höchsten Wasserfall Österreichs: die Krimmler Wasserfälle.
  • In Stans am Inn lädt die sehenswerte Wolksklamm zu einer Besichtigung ein.
  • Und dann wären da noch die einige sehenswerte Städte, z. B. Hall in Tirol.

Fazit unserer Dolomiten-Radreise

Auch diese Dolomiten-Radreise war wieder eine Bereicherung für uns. Wir hatten über 9000 Höhenmeter bewältigt (nur alleine die Pässe der Dolomiten gerechnet) und eine sagenhafte Bergwelt erlebt.

Natürlich war dieses Gelände auch ein guter Test im Rahmen unserer Vorbereitungen auf unsere Radreise durch Asien, wo wir in Tadschikistan den Pamir-Highway mit dem Reiserad befahren wollten. Dort führt die Straße hinauf bis auf 4655 m.

Wie es uns auf dieser Reise ergangen ist, kannst du hier nachlesen:

Der Pamir Highway in Tadschikistan

Radreise durch Tadschikistan – Unser Reisebericht

 

Lesetipps:

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