Tipps für Radreisen in Indien

Diese Tipps für Radreisen in Indien beruhen auf den Erlebnissen und Erfahrungen auf unserer Durchreise durch das Land im Rahmen unserer großen Radreise durch Asien. Wir waren insgesamt zwei Monate dort und haben dabei die nördlichen Staaten New Dehli, Uttar Pradesh, Bihar und West Bengal bereist.
Unsere Tipps für Radreisen in Indien:

Besonderheiten auf Radreisen in Indien

Bevor du dich für Radreisen in Indien entscheidest, solltest du die folgenden Zeilen lesen und dich ersthaft fragen, ob du mit diesen besonderen Rahmenbedingungen in Indien klarkommst:

Indien hat eine sehr hohe Bevölkerungsdichte. Das bekommst du zu spüren, sobald du mit deinem Reiserad irgendwo stehenbleibst, ganz gleich, ob in einem Dorf oder auf der Straße zwischen den Orten. In wenigen Augenblicken versammelt sich eine Menschentraube um dich herum und du wird pausenlos und vor allem hemmungslos beglotzt. Es gibt keine Tabuzone. Alles wird angefasst und ausprobiert: Griffe, Klingel, Bremse, Schaltung, … alles. Daran muss man sich gewöhnen.

Kaum ein Inder hat je in seinem Leben ein Fahrrad mit einer Gangschaltung und dynamogbetriebener Beleuchtung gesehen. Unsere Fahrräder wirken auf sie wie Objekte von einem anderen Planeten.

Einem Inder bleibt auch unverständlich, warum du mit einem Fahrrad fährst, wenn die Fortbewegung mit Motorroller oder Auto doch viel einfacher und schneller ist. Auch der „Zweck“ deiner Reise ist für viele Inder nicht nachvollziehbar. Erwarte keine Bewunderung.

Es wird an jeder Stelle hemmungslos uriniert, die Männer packen sich ständig an die Genitalien und sie spucken ihren roten Kautabak auf die Straße. Einmal trafen sie sogar eine unserer Packtaschen. Das ist dann schon etwas eklig.

Gewässer sind in aller Regel biologisch umgekippt und stinken nach Fäkalien oder Kloake. Das betrifft auch Flüsse und kleine Rinnsale in den Städten.

Es gibt noch viele andere Besonderheiten in Indien, doch die erwähnten Punkte sind die Härtesten auf Radreisen in Indien.

Anreise und Grenzabwicklung

Ein- und Ausreise-Formalitäten sind einfach und unkompliziert. Du benötigst für die Einreise aber ein Visum.

Ein Grenzgang zwischen Indien und Nepal gleicht eher einem Gang in eine normale Wechselstube und du musst dich quasi selber um den Stempel im Pass kümmern. Das läuft dort fast schon zu einfach.

Verständigung

Die meisten Inder in den Städten sprechen fließend Englisch, doch sie sprechen sehr schnell und verwenden eine besondere Betonung. Somit wirkt es wie eine andere Sprache. Zum Teil sehr schwer zu verstehen.

Auf dem Land wird die Verständigung schwieriger. Hier ist Englisch nicht mehr so häufig vertreten.

Es ist also sehr ratsam, sich vor der Reise ein kleines Basisrepertoire an Hindi anzueignen.

Internet, Telefonie, Stromversorgung

WiFi gibt es in Hotels und Gastronomie nur, wenn du gebucht hast. Öffentlich zugängliches WiFi haben wir nirgendwo gefunden. Auch in privaten Haushalten war die Internet-Nutzung nie freizügig verfügbar.

In Internet-Cafes sind oft sogar Up- und Downloads in größerem Umfang verboten.

Kaufe dir eine indische SIM-Karte mit Datenvolumen für dein Handy. Dann bist du auch gegen die täglichen Stromausfälle immun.

Bargeldbeschaffung

Die Beschaffung von Bargeld am Geldautomaten ist kein Problem, wenn die Regierung nicht zufällig über Nacht die großen Rupie-Banknoten für ungültig erklärt, um Schwarzmarkt und Falschgeldumlauf im Keim zu ersticken. So geschehen im Dezember 2016. Für uns hatte sich die Bargeldbeschaffung dadurch für die verbleibenden 2 Wochen in Indien erledigt, denn alle ATMs waren auf lange Zeit geschlossen.

Du solltest immer eine Bargeld-Reserve in US-Dollar dabei haben. Damit bist du für alle Fälle gewappnet.

Lebensmittelbeschaffung

Streetfood ist allgegenwärtig und zählt zu den unvergesslichen Highlights auf Radreisen in Indien. Du kannst deinen Kocher getrost zu Hause lassen, denn selber kochen ist teurer und aufwändiger als die Versorgung entlang der Straße.

Die Vielfalt an Speisen und Getränken ist riesig. Bei den Speisen dominiert extrem scharfes Essen. Du gewöhnst dich daran.

Trinkwasserbeschaffung

Das Wasser aus den vielen Straßenbrunnen war in der Regel trinkbar. Du solltest aber stets nachfragen bei den Anwohnern. Bist du unsicher, kannst du Trinkwasser in Plastikflaschen kaufen. Doch sei auf der Hut: pfiffige Geschäftsleute füllen entleerte Flaschen mit zweifelhaftem Wasser und verkaufen es dann ein zweites Mal als „sicheres Trinkwasser“.

Wir empfehlen die Mitnahme eines Wasserfilters. Unsere Tipps dazu:

der perfekte Outdoor-Wasserfilter.

Bikeshops und Service

Das Fahrrad ist in Indien auf dem technischen Stand der 50er Jahre: keine Gangschaltung, keine Beleuchtung, keine Hohlkammerfelgen aus Alu, usw. Dementsprechend gibt es auch keine Bikeshops, sondern lediglch kleinste Reparatur-Hütten, wo mit einfachen, teils ungeeigneten Werkzeugen Reparaturen durchgeführt werden.

Bringe die benötigten Ersatzteile und das erforderliche Werkzeug schon bei der Einreise mit, dann bist du unabhängig.

Straßen

Es gibt Asphaltstraßen, Schotterwege und Lehmpisten, alles in den unterschiedlichsten Qualitätsstufen. Radwege kennt man in Indien nicht.

Es liegt immer viel Staub in der Luft, nicht nur auf den Lehm- und Schotterpisten. Oft knirscht der Sand zwischen den Zähnen. Da empfiehlt sich ein Buff-Halstuch als Atemschutz.

Verkehr

Auf den stark befahrenen Straßen ist es sehr gefährlich für Radler. Seitenabstand wird nicht immer eingehalten. Besonders riskant sind Busse und LKWs. Wenn es eng wird, hupen sie sich die Fahrbahn frei. Wenn du dann nicht fluchtartig die Straße verlässt, fahren sie dich tatsächlich über den Haufen.

Der Verkehr ist vor allem geprägt duch extrem laute Hupen. Jeder hupt zu jeder Zeit, ganz gleich, ob es einen Grund zum Hupen gibt oder nicht. Es ist ein ohrenbetäubender Lärm, den ich selber nur noch mit Gehörschutz ertragen konnte.

Verkehrsregeln sind lediglich Empfehlungen. Rechne auch immer mit Geisterfahrern und verlasse dich nie auf so etwas wie Vorfahrt.

Vermeide es, bei Dunkelheit zu radeln. Das ist noch gefährlicher als schon bei Tageshelligkeit. Viele fahren mit Fernlicht und es blendet nicht nur dich, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer.

Orientierung

Die Beschilderung ist auf Hindi, nützt dir also wahrscheinlich nicht viel. Per GPS und Offlinekarte von OpenStreetMap klappten Orientierung und Navigation in der Regel sehr zuverlässig, doch manche kleinere Lehmpiste war in den Karten nicht verzeichnet. Da tappten wir dann im Dunkeln und auch die Einheimischen konnten uns da nicht mehr weiterhelfen.

Unsere Tipps zur Navigation per Handy:

Fahrrad Navigation und GPS Logger per Handy – offline und kostenlos.

Geländeprofil

Indien weist sowohl flache Ebenen als auch Bergland auf, je nachdem, in welcher Region du dich bewegst. Wir haben unsere Durchreise auf die nördliche Region und die Ganges-Ebene beschränkt, hatten folglich keine Höhenmeter zu überwinden.

Auf die Erlebnisdichte hat das Geländeprofil auf Radreisen in Indien nur geringen Einfluss, denn Kultur, Städte, Tempel und viele andere Ereignisse entlang deines Weges ziehen dich fast permanent in den Bann.

Radeln

Das Fahrrad ist das perfekte Verkehrsmittel, um Indien mit allen Sinnen und ausreichender Zeit zu erleben. Gerüche, Musik, das Dorfleben, Zeremonien und vieles mehr erlebst du vom Fahrrad aus am intensivsten. Du kannst immer und überall anhalten und alles auf dich wirken lassen.

Du bist auch nicht alleine mit deinem Fahrrad in Indien. Das Fahrrad ist für viele Menschen dort ein erschwingliches Verkehrsmittel. Technsich gibt es natürlich gewaltige Unterschiede, doch im Verkehr bist du kein fremdes Wesen.

Das alleine macht das Radeln in Indien allerdings nicht sicherer. Die einheimischen Radler jagen sie genauso mit der Dauerhupe von der Straße, wenn sie es für nötig halten.

Trampen

Um längere Strecken zu überbrücken, ist Trampen eine sichere und einfachere Alternative zu den völlig überfüllten Zügen und Bussen. Wenn du auch an manchen Straßen längere Zeit warten musst, bis dich jemand samt Fahrrad mitnimmt, so ersparst du dir unter anderem einen riskanten Fahrradtransport: in den Zügen hängen sie dein Fahrrad von außen in den Fensterrahmen und bei den Bussen liegt es zusammen mit den anderen 20 Fahrrädern wie in einem Knäul auf der Dachreling.

Unsere Tipps zum Trampen: Tipps zum Trampen auf Radreisen.

Zelten und alternative Übernachtungsplätze

Wir haben keine einzige Nacht im Zelt geschlafen. Vielmehr folgten wir der Empfehlung der Einheimischen, Hindutempel oder Schulen aufzusuchen. Tatsächlich waren dann Übernachtungen sehr oft möglich in den Tempelanlagen, in den Gurudwaras der Sikhs, in Kirchen und in Schulen.
All diese Einrichtungen schließen über Nacht die Tore und so hast du einen sicheren Platz für dein Fahrrad und dein Gepäck.

Du wirst auch schon einmal auf der Straße angesprochen und eingeladen zur Übernachtung im Haus der Familie. Es ist manchem Inder eine besondere Ehre. Aber erwarte bei einer Zusage nicht die gewohnte Hygiene aus deinem Zelt und einen in deiner Heimat üblichen Lebensstandard. Rechne mit den allerschlimmsten Verhältnissen: verkeimte Matratzen, Getier, kein Licht, kein Strom, keine Türen und Fenster, ein Plumsklo am anderen Ende der Straße, usw.
Das private Übernachtungs-Netzwerk Warmshowers haben wir nur ganz selten in Anspruch genommen. Aber es ist eine Alternative.

Wegen der tropischen Hitze, die dich auch des Nachts quälen wird, ist anstelle eines Zeltes besser ein Moskitonetz zu empfehlen. So schläft es sich angenehmer.
Unsere Tipps zur Auswahl dieser Mückennetze:
Das passende Moskitonetz finden.

Sicherheit auf Radreisen in Indien

Die Diebstahlgefahr ist eines der größten Sicherheitsrisiken auf Radreisen in Indien. Die Menschen grapschen alles an und es sind einfach zu viele Hände, die du nicht permanent kontrollieren kannst. Selbst zu zweit war es schwierig, die Kontrolle zu behalten. Und wir hatten promt Verluste: unsere Kamera wurde gestohlen.

Halte Wertsachen unter Verschluß oder entferne sie aus dem Sichtfeld der Menschen, um keine Begehrlichkeiten zu wecken.

Gefährliche Tiere

Es gibt giftige Schlangen in Indien. Berücksichtige das bei deiner Suche nach einem Zeltplatz.

Viele Mücken übertragen Krankheiten, gegen die es keine Impfstoffe gibt. So musst du mit Malaria, Dengue, Chikungunya und einigen anderen üblen Krankheiten rechnen. Als Ergänzung zu den empfohlenen Stand-by-Medikamenten solltest du stets lange Kleidung tragen, die Insekten von Speisen und Getränken fernhalten und nachts unter einem Moskitonetz schlafen.

Gesundheitsgefahren

Du benötigst für Radreisen in Indien eine ganze Reihe an Impfungen. Da empfiehlt sich auf jeden Fall die Konsultation eines Tropen-Mediziners. Unsere Tipps zu Reiseimpfungen:
Reiseimpfungen – ein Überblick.

Die Hygiene ist ein ganz schwieriges Thema in Indien: dreiste Fliegen sowie tag- und nacht-aktive Stechmücken übertragen die übelsten Krankheiten, Trinkwasser ist nicht immer genießbar, Matratzen sind verkeimt, alle Gewässer umgekippt, … Es ist schwierig, gesund zu bleiben.

Offene Wunden solltest du sofort und sehr sorgfältig und fachmännisch behandeln, denn das Infektionsrisiko ist enorm. Ich selber hatte mit einer offenen Wunde am Fuß über 6 Monate lang ernsthafte Probleme.

Die medizinische Versorgung ist nicht sehr vertrauenserweckend und war in unserem Fall auch völlig wirkungslos.

Eine gut sortierte Reiseapotheke ist ratsam. Auch keimfrei versiegelte Injektionsnadeln solltest du aus der Heimat schon mitnehmen, um dich im Falle einer notwendigen Behandlung in zweifelhaften Einrichtungen von ungewollten Infektionen schützen zu können. Drücke sie im Bedarfsfall dem behandelnden Arzt in die Hand.

Klima

Die Monssunzeit solltest du meiden: zu viel Regen, extrem hohe Luftfeuchtigkeit, unfahrbare Lehmpisten. Ansonsten ist es immer tropisch heiß, auch nachts. Achte auf luftige Kleidung, beachte dabei aber den Schutz vor den gefährlichen Insekten: also am besten lange Kleidung.

Kultur

Die Gesellschaft ist stark geprägt durch das Kasten-System. Viele Dienstleistungen des täglichen Lebens werden durch die unteren Kasten erbracht: Haushalt reinigen, spülen, waschen, Schuhe putzen, usw. Und man erzeugt schnell Aufregung, wenn man als Gast selber zum Besen greift oder das Geschirr in die Küche trägt. Man wird als Tourist auch des Öfteren gefragt, welcher Kaste man selber angehört.

Die linke Hand und die Fußsohlen gelten als unrein. Gegessen wird oft mit der rechten Hand ohne Besteck.

Wohnungen und manche Geschäfte werden meist ohne Schuhe betreten, Tempel immer ohne Schuhe.

Die Gestik für Ja und Nein ist teils umgekehrt. Klare Jas/Neins erlebt man meist nicht. Nein gilt als unhöflich.

Sehenswürdigkeiten

Es braucht auf Radreisen in Indien nicht unbedingt großartige Landschaften und besondere Sehenswürdigkeiten. Du erlebst tagtäglich und überall Musik, Tanz, Farben, Tempel, Zeremonien, exotische Speisen und Getränke und viele unglaubliche Dinge: eine Kuh mit 5 Beinen, unvorstellbare Armut, endlose Müllhalden, Affen, Kühe und Schweine auf der Fahrbahn, … Die Reizüberflutung ist da schnell erreicht.

 

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