Tipps für Radreisen in Turkmenistan

Aus unseren Erfahrungen auf einer Radreise durch Zentralasien haben wir diese Tipps für Radreisen in Turkmenistan für dich zusammengestellt. Es soll dir bei der Reisevorbereitung und auf deiner eigenen Radreise dort helfen.

Unser Weg führte von der iranischen Grenze durch die turkmenische Wüste bis nach Turkmenabad an der Grenze zu Usbekistan. Wir hatten ein Transitvisum für 5 Tage und haben, wenn möglich, aufs Trampen zurückgegriffen auf diesen 520 km Strecke.

Unsere Tipps für Radreisen in Turkmenistan:

Anreise und Grenzabwicklung

Für die allermeisten Reiseradler ist die Durchreise durch Turkmenistan lediglich ein unvermeidbares Intermezzo auf dem Weg vom Iran nach Usbekistan. Die turkmenischen Behörden machen es dem Reiseradler auch nicht gerade leicht:

Du kannst wählen zwischen einem Transit-Visum über 5 Tage ohne die Verpflichtung zur Registrierung und einem Touristen-Visum über x Tage mit der Pflicht zur Registrierung in den ersten 3 Tagen in der Migrationsstelle in der Hauptstadt Aschgabat.

Die Visa-Beschaffung ist ebenfalls ein Spießrutenlauf. Zumindest haben wir es so in der Botschaft in Teheran erlebt: sehr kurze Öffnungszeiten, unfreundliches Personal und unnötige Hürden beim Visa-Antrag.

Du benötigst unter anderem das Visum für das Land hinter Turkmenistan und einen formlosen Brief, in dem du deine Reiseabsichten sowie die exakten Ein- und Ausreiseorte erklärst.

Eine kurze Bearbeitungszeit (3-5 Tage) ist deutlich teurer als die regulären 10 Tage (68 US-Dollar). Viele Reiseradler beantragen das Visum in Teheran, radeln dann weiter Richtung Osten und holen es dann nach 2 Wochen in Mashad kurz vor der Grenze zu Turkmenistan ab, was schon oft schiefgegangen ist.

Und selbst in der Botschaft in Mashad sind 2 Tage notwendig: Die Behörde vereinnahmt den Reisepass und erst einen Tag später kannst du den Pass samt Visum abholen. Zumindest hatte es bei uns erfolgreich funktioniert.

Es gibt auch Zeiten, in denen Reisenden das Visum verweigert wird. Es riecht etwas nach Wilkür.

Auch die Einreise-Formalitäten sind geprägt von Schikane, Unfreundlichkeit und Autorität: Die Grenze ist nur von 9 Uhr bis 18 Uhr passierbar, die Speicherkarten deiner Kameras werden auf verbotene Aufnahmen aus dem Grenzbereich kontrolliert, du wirst aufgefordert, deine Packtaschen auszuräumen und sie stellen dir viele Fragen über aus ihrer Sicht erklärungsbedürftige Ausrüstungs-Gegenstände.

Verständigung

Wer die Landessprache nicht spricht, kommt mit Russisch sehr gut zurecht. In den Städten ist auch Englisch eine Alternative, wenn du die richtigen Menschen ansprichst. Allerdings liegen gerade einmal 2 Städte auf deiner Reiseroute.

Internet, Telefonie, Stromversorgung

Du hast 5 Tage Zeit, um die 520 km Wüste hinter dich zu bringen (wenn du das Transit-Visum wählst). Da wird dir nicht viel Zeit bleiben für die Nutzung von Internet oder Telefonie. Doch in den beiden Städten Mary und Turkmenabat wird es sicher WiFi in den Hotels und der Gastronomie geben.

Bargeldbeschaffung

Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist eine Bargeldbeschaffung am Geldautomaten mit einer europäischen Kreditkarte lediglich in Aschgabat möglich.

Für Reiseradler mit Transit-Visum fällt diese Variante also aus, denn Aschgabat bedeutet einen riesigen Umweg. Bleibt noch die Einreise mit US-Dollar, die du im Grenzbereich in den Wechselstuben in die Landeswährung umtauschen kannst.

Der US-Dollar gilt auch als Zweitwährung. Du kannst also auch mit US-Dollar bezahlen. Doch dann achte auf das Wechselgeld, das sie dir in Landeswährung zurückgeben. Hierfür solltest du die aktuellen Wechselkurse kennen.

Lebensmittelbeschaffung

In den Städten gibt es Läden und Markthallen und die Versorgung ist sehr gut. Sobald du eine Stadt verlassen hast, beginnt die Wüste. Dort wohnt keiner und es gibt dort auch keine Läden. Weil auf den 520 km Strecke lediglich zwei Städte liegen, bleiben dir nicht viele Möglichkeiten, um die Vorräte aufzufüllen.

Trinkwasserbeschaffung

Bevor du irgendwo deine Trinkflaschen mit Wasser füllst, musst du nachfragen, ob es genießbar ist. Im Zweifel musst du das Wasser filtern oder abkochen. Oder du holst dir das käufliche Trinkwasser in Plastikflaschen.

Nachlässigkeit wird hier sofort mit einer mehrtägigen Magen- und Darm-Erkrankung bestraft.

Unsere Tipps zum Wasserfilter für Reisen.

Bikeshops und Service

Für einen Aufenthalt von 5 Tagen stellt sich für die meisten Reiseradler ganz bestimmt nicht die Frage nach der Verfügbarkeit von Bikeshops. Sie würden dir auch nicht viel nützen, denn in Turkmenistan existiert nur alte russische Fahrrad-Technik.

Du solltest also deine Ersatzteile und dein Werkzeug schon bei der Einreise im Gepäck haben, um dir im Ernstfall selber helfen zu können.

Straßen

Zu großen Teilen sind die betreffenden Straßen nur noch Asphalt-Trümmerfelder, die stellenweise durch Sanddünen regelrecht zugeweht werden. Dieser Sand ist auch für deine Fahrradkette tödlich, sobald Wind mit im Spiel ist.

Am besten fährst du deine Fahrradkette so trocken wie nur möglich, um die Anhaftung von Sand weitestgehend zu unterbinden.

Verkehr

Es herrscht nicht viel Verkehr auf den Straßen außerhalb der Städte. Normalerweise ist das ein angenehmes Umfeld fürs Radeln. Uns wäre fürs Trampen deutlich mehr Verkehr lieber gewesen, weil es die Chancen auf eine Mitnahme im PKW deutlich erhöht hätte.

Orientierung

Die Beschilderung ist sehr mager, und wenn, dann auf Russisch und Turkmenisch. Das erschwert die Orientierung. Hier ist es auch gefährlich, sich alleine auf seine Offlinekarte im Handy zu verlassen, denn es gibt oft Abzweigungen mit mehreren Wegen, wobei du nicht bewerten kannst, welcher Weg der beste ist.

Da erleichtert dir das Trampen die Wegfindung: Du nennst dem Fahrer deinen Zielort und du kannst sicher sein, dass er den richtigen Weg kennt.

Geländeprofil

Auf dem Transitweg zwischen Iran und Usbekistan gibt es keine Berge oder Hügel. Es ist hauptsächlich flach und du siehst im Wesentlichen nur Wüstensand.

Radeln

Natürlich kannst du die gesamte Strecke per Fahrrad hinter dich bringen. Landschaftlich ist es aber eher uninteressant und der Wind kann dir das Radeln sehr schwer machen. Wir haben es bewusst nicht getan und gleich aufs Trampen gesetzt. Dadurch hatten wir zwei Tage Zeit für die Besichtigung der Städte Mary und Turkmenabat an der Grenze zu Usbekistan.

Es gibt viele stachelige Pflanzen, die für deine Fahrradreifen und deine aufblasbare Schlafmatte zu einer Gefahr werden können. Da musst du immer die Augen offen halten.

Unsere Tipps zu den Schlafmatten.

Trampen

Trampen ist möglich, aber oft Glücksache. In Grenznähe herrscht kaum Verkehr. Also findest du nicht sofort Fahrzeug für eine Mitnahme. Doch mit ein wenig Glück findet sich immer ein Fahrzeug.

Unsere Tipps: Trampen auf Radreisen.

Zelten und alternative Übernachtungsplätze

Für zwei Nächte wurden wir eingeladen und zwei Nächte verbrachten wir auf privatem Land im Garten. So blieb uns der Zeltaufbau erspart.

Alternativ hätten wir gezeltet. Das ist kein Problem in Turkmenistan.

Sicherheit auf Radreisen in Turkmenistan

Ein streng gläubiger Muslim würde sich selber schwer belasten, wenn er sich an fremdem Eigentum vergreift. Da bewerten wir das Diebstahl-Risiko als sehr gering. Aber grundsätzlich musst du auf dein Fahrrad aufpassen und über Nacht abschließen.

Insbesondere in den Städten und dort vor allem nachts solltest du mit der üblichen Kleinkriminalität rechnen und entsprechend aufmerksam sein.

Gesundheitsgefahren

Für Radreisen in Turkmenistan sind Impfungen empfohlen. Kontaktiere hierfür rechtzeitig einen Tropenmediziner. Hier erfährst du auch, wie du dich gegen Krankheiten schützen kannst, gegen die es keine Impfungen gibt.

Während deiner Radreisen in Turkmenistan solltest du auch auf die üblichen Regeln der Hygiene achten: Hände waschen, Fliegen vom Essen fernhalten, …

Klima

In den Sommermonaten werden bis zu 50 °C gemessen. Das ist definitiv zu heiß für Radreisen in Turkmenistan. Doch wenn du auf der Durchreise vor oder nach Turkmenistan den Pamir-Highway in Tadschikistan auf deiner Reiseroute stehen hast, bleibt dir keine andere Jahreszeit für Turkmenistan, denn der Pamir-Highway ist wegen seiner Höhe (3700 – 4600 m) nur in den Monaten Juli/August zu empfehlen.

Kultur

Die Staatsreligion, der Islam, wird sehr liberal gelebt. Vom religiösen Leben bekommst du als Tourist nicht viel mit.

In Mary erlebst du eine unerwartete Farbenpracht bei den Gewändern der Frauen.

Das Brot backen sie in Turkmenistan in Lehmöfen.

Sehenswürdigkeiten

Bei maximal 5 Tagen Aufenthaltsrecht bleibt nicht viel Zeit für die Besichtigung von Sehenswürdigkeiten. Doch Mary ist tatsächlich einen längeren Aufenthalt wert. Es gibt einige interessante öffentliche Gebäude im Stadtzentrum und nett angelegte Parks.

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