Die Jesuitenreduktionen in Südamerika

An insgesamt 30 Orten findet man im Einzugsgebiet des Rio Paraná in den heutigen Ländern Paraguay, Brasilien und Argentinien die Ruinen ehemaliger Jesuitenreduktionen. Wir haben die am besten erhaltenen Anlagen, „La Santísima Trinidad de Paraná“ und „Mision de Jesus de Tavarangüé“, in Paraguay besichtigt. Beide Anlagen zählen zum UNESCO-Weltkulturerbe. Unser Bericht über die Jesuitenreduktionen:

Die Jesuiten

Die Jesuiten sind ein katholischer Orden, der 1534 unter der Bezeichnung Gesellschaft Jesu gegründet wurde. Später übernahmen die Ordensmitglieder die ursprünglich spöttische Bezeichnung „Jesuiten“ als Namen für ihren Orden. Die Mitglieder des Ordens tragen hinter ihrem Namen das Kürzel SJ (Societas Jesu).

Zu seinen wesentlichen Aufgaben zählt dieser Orden das Zugehen auf am Rand der Gesellschaft lebende Menschen und die Bildung. Beides haben die Mitglieder des Ordens im 17. Jh. in Südamerika sehr erfolgreich in Form von sogenannten Jesuitenreduktionen umgesetzt.

Die Jesuitenreduktionen

Die Jesuitenreduktionen waren die Missionszentren der in Südamerika wirkenden Jesuiten. Sie wurden errichtet, um die indigene Bevölkerung, die Guarani, zu kultivieren und zum christlichen Glauben zu führen. Gleichzeitig boten die Jesuitenreduktionen diesen bisher als Nomaden lebenden Menschen Schutz vor der drohenden Versklavung durch die Kolonialmächte Spanien und Portugal. So fanden die Jesuitenreduktionen großen Zulauf und entwickelten sich schnell zu produktiven Lebensgemeinschaften, in denen eine sehr effiziente Landwirtschaft und das Kunsthandwerk zur Entfaltung kamen. In Paraguay gab es von 1610 bis 1767 sogar einen Jesuitenstaat.

Die Jesuitenreduktion  Santísima Trinidad

Trinidad ist eine Kleinstadt im Departamento Itapúa im Osten von Paraguay. Sie liegt ca. 30 km nördlich der Grenzstadt Encarnacion. Dort befindet sich die am besten erhaltene Jesuitenreduktion von Südamerika. Sie wurde 1706 gegründet und zählte in seiner Blütezeit 4000 Seelen.

GPS-Koordinaten: -27.13167,-55.70293

Die Jesuitenreduktion  Jesus de Tavarangüé

Tavarangüé befindet sich 40 km nördlich von Encarnacion und liegt ca. 12 km von Trinidad entfernt. Die „Mision de Jesus“ wurde 1685 bei Alto Parana gegründet und ließ sich nach mehreren Ortswechseln in 1760 letztendlich in Tavarangüé nieder. Sie beherbergte 3000 Seelen.

GPS-Koordinaten: -27.05609,-55.75297

Die seinerzeit geplante Kirche, ein Nachbau der Kirche des Heiligen Ignatius von Loyola in Italien, wurde nie fertiggestellt, weil die Jesuiten in 1767 während der Bauphase vertrieben wurden. Sie wäre seinerzeit eine der größten Kirchenbauten gewesen.

Der Niedergang der Jesuitenreduktionen

Weil der wirtschaftliche Erfolg der Jesuitenreduktionen den damaligen Kolonialmächten Spanien und Portugal ein Dorn im Auge war, wurden die Jesuiten auf Initiative des spanischen Königs 1767 aus ihren Missionen in Südamerika vertrieben. Und damit endete eine 160 Jahre währende fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Missionaren und den Guarani.

In dieser Zeit gab es allerdings auch immer wieder Überfälle von Sklavenjägern, weil die Guarani aus den Missionen durch ihren höheren Bildungsstand auf dem Sklavenmarkt höhere Preise erzielten.

Weltweit waren die Jesuiten stets der Anfeindung und vielen Verschwörungen ausgesetzt. Intrigen, der Konflikt mit den Kolonialinteressen und später auch politische Interessen führten letztendlich sogar zur Aufhebung des Ordens in 1773.

In 1814 wurde der Orden aber wieder zugelassen und wuchs schnell wieder zu alter Größe. Papst Franziskus (Jorge Mario Bergoglio) ist wohl aktuell der bekannteste Vertreter des Jesuiten-Ordens.

 

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