Welches Zelt für Radreise, Fahrradtour und Trekking

Du hast den Entschluss gefasst, dir ein neues Zelt zu kaufen. Und du stehst vor diesem unüberschaubaren Angebot an Zelten in verschiedenen Größen und Bauformen und weist überhaupt nicht, nach welchen Kriterien du aus dieser Masse das passende Zelt finden sollst.

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Es geht jedem so. Und es wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Denn die Vielfalt auf dem Zelt-Markt wächst stetig. Es kommen immer neue Nischenprodukte hinzu, die bestehenden Modellreihen werden erweitert oder es treten neue Hersteller in Erscheinung.

Doch mit ein wenig System kannst du diese Vielfalt enorm eingrenzen und findest letztendlich das Zelt deiner Träume. Dazu hilft dir dieser Artikel.

Es ist quasi ein Leitfaden, der dich Schritt für Schritt durch den Produkte-Dschungel führt. Wir gehen auf die unterschiedlichen Zelt-Bauformen mit ihren Vor- und Nachteilen ein und behandeln die relevanten Auswahl-Kriterien für einen Zelt-Kauf. Desweiteren verraten wir, wo und wie du deine Favoriten testen kannst, bevor du viel Geld ausgibst.

Inhaltsverzeichnis

 

 

Dein Verwendungszweck

Bevor du dich auf den Zelt-Markt stürtzt und im unendlichen Angebot und der Varianten-Vielfalt untergehst, solltest du dir genau überlegen, wie und wofür du dein Zelt einsetzen wirst.

Wie oft soll es genutzt werden? Wie transportierst du es? Per Auto oder Fahrrad oder gar im Rucksack auf deinem Rücken? Im Auto spielen Gewicht und Packmaß nicht so eine große Rolle wie auf dem Reiserad. Für wieviele Personen soll es Platz bieten? Welchen Belastungen wird es ausgesetzt sein? Sturm? Schnee? Permanente Sonnenstrahlung? Welche Bauform soll es haben? Tunnelzelt, Kuppelzelt, Geodät? Oder reicht vielleicht ein Biwakzelt? Fürs Bikepacking wäre das eine interessante Alernative (wir gehen weiter unten auf die Bauformen ein), Willst du Innen- und Außenzelt auch getrennt nutzen können? Benötigst du im Zelt Platz für all dein Gepäck?

Vielleicht fallen die noch viele andere Punkte ein, wenn du all diese Fragen liest. Je klarer deine Vorstellung vom geplanten Einsatzbereich, desto genauer kannst du die Zelt-Vielfalt für deine Suche eingrenzen. Dazu solltest du die für dich wichtigen Kriterien in eine Rangfolge bringen: Gewicht, Packmaß, Größe, Bauform, Robustheit, Größe der Apsis, Anzahl der Eingänge, Abspannung, Farbe, Material, Handhabung, usw.

Alternativ dazu hilft natürlich zunächst auch ein Überblick über die unterschiedlichen Bauformen und Einsatzbereiche. Anhand der Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Zeltformen erkennst du schnell, welche Eigenschaften dir wichig sind und welche du vernachlässigen kannst.

 

Wie ist ein Zelt aufgebaut

Bevor wir uns tiefer mit den verschiedenen Zelt-Bauformen beschäftigen, werfen wir einen Blick auf die wesentlichen Elemente im Aufbau der Zelte.

 

Innen- und Außenzelt

Aus dem usprünglichen Einwandzelt entstand im Laufe der Entwicklung das doppelwandige Zelt. Es betseht aus einem Innenzelt und einem Außenzelt. Dabei übernimmt das Außenzelt den Wetterschutz und die Belüftung während das Innenzelt den Schutz vor Insekten, Tieren und Schmutz gewährleistet. Der Nachteil dieser Aufgabenteilung: das Raumangebot wird reduiziert, und zwar zu allen Seiten um ca. 5-10 cm.

  • In vielen Zelten kann man das Innenzelt vom Außenzelt entkoppeln. Das erweitert die Einsatzmöglichkeiten: Somit lässt sich z. B. bei Regen ein Innenzelt trocken verpacken und separat vom nassen Außenzelt transportieren.
  • Man nutzt mehr Raum-Volumen, wenn man das Außenzelt ohne das Innenzelt aufbaut. In Schönwetter-Perioden und Regionen ohne lästige Fluginsekten kann das Reisen ohne Innenzelt sogar eine echte Alternative sein, wenn man Gewicht und Packmaß minimieren muss oder will.
  • Im Gegenzug kann man auch auf das Außenzelt verzichten und das Innenzelt samt der Stangen als Moskitonetz nutzen, z. B. in Innenräumen oder unter Vordächern. Insbesondere in heißen Regionen verschafft man sich so mehr Belüftung, genießt aber dennoch vollen Mückenschutz.

Neben dieser Kombination aus Innen- und Außenzelt haben die Einwandzelte allerdings immer noch ihre Daseinsberechtigung: Puristen und Gewichtsfanatiker kommen hier auf ihre Kosten.

 

Die Apsis

Die Apsis ist quasi ein Vorraum vor dem Innenzelt. Sie bietet Platz für das Gepäck oder für viele andere Zwecke. Hier entscheidet der individuelle Anspruch darüber, ob man eine Apsis benötigt, oder eben nicht. Und wenn ja, welche Größe in Frage kommt.

 

Die Abspannung

Die meisten Zelte besitzen Abspannleinen, über die man mit Hilfe von Häringen den Zelt-Aufbau bewerkstelligt. Sie halten das Zelt in Form und erzeugen eine höhere Stabilität gegen Sturm. Bei manchen Bauformen ist diese Abspannung aber nicht unbedingt erforderlich: z. B. bei den Kuppelzelten und den Geodätzelten. Diese Zelte stehen schon alleine durch die Spannung der Zeltstangen. Das ist von Vorteil, wenn man sein Zelt auf steinigen Untergründen aufbauen muss.

 

Das Material

Die unterschiedlichen Bereiche eines Zeltes haben auch unterschiedliche Funktionen zu erfüllen. Daher besteht ein Zelt aus vielen verschiedenen Materialien:

Das Außenzelt muss wasserdicht und sehr reißfest sein, soll aber ausreichend Tageslicht durchlassen und dennoch blickdicht sein. Hier kommen bei allen hochwertigen Zelten Nylon oder Polyester zum Einsatz. Nylon (Polyamid) ist etwas leichter als Polyester, nimmt jedoch Wasser auf und muss deshalb öfter nachgespannt werden. Polyester ist dafür etwas UV-beständiger und nimmt keine Nässe auf. Beide Materialien können als geichwertig betrachtet werden.

Das Innenzelt muss atmungsaktiv sein, darf selber nicht viel Wasser aufnehmen und soll Insekten abhalten (Ripstop-Nylon, unbeschichtet und Einsätze aus Netzgaze)

Der Zeltboden muss Bodenfeuchtigkeit sicher abhalten: PE (robust, aber schwer), Nylon / Polyester (nicht so robust, aber leichter); z.B. Hilleberg Nallo: Nylon, PU-beschichtet, 15.000 mm Wassersäule.

Die Reißverschlüsse müssen sehr hochwertig und stabil sein (YKK).

Die Zeltstangen müssen ausreichende Stabilität gegen Sturm oder Schneedruck bieten, müssen aber die Biegung beim Zeltaufbau wegstecken können (spezielle Aluminium-Legierungen oder Fiberglas).

Die Häringe müssen stabil genug gegen harte Böden sein, sollen aber das Gesamtgewicht des Zeltes nicht unnötig in die Höhe treiben (Stahl ist zu schwer aber preiswert, hochfestes Aluminium ist leicht, aber teuer)

Für sämtliche Materialien gilt dabei übergreifend: so leicht und stabil wie möglich und möglichst alles schnelltrocknend.

Kompromisslose Lösungen sind in dieser Hinsicht Preistreiber. Deshalb kostet ein Hilleberg-Zelt eben 1000 Euro, wogegen ein Aldi-Zelt zu 50 Euro angeboten werden kann.

 

Die technischen Werte des Materials

Wasserdichtheit, Zerreißfetsigkeit, Zeltstoff-Gewicht, … Hier liegen Welten zwischen den Zelten der unterschiedlichen Preisklassen. Teure, hochwertige Zelte heben sich durch höhere Wasserdichtheit und Zerreißfestigkeit bei geringerem Zeltstoff-Gewicht von den Billigzelten ab:

 

Wasserdichtheit Außenzelt

Laut Norm ist ein Zeltmaterial wasserdicht ab 1.500 mm Wassersäule ( = hydrostatischer Druck). Fällt der Regen in großen Tropfen mit viel Wucht aufs Gewebe, werden diese 1.500 mm schnell überschritten und das Gewebe lässt Wasser durch. Daher sind höhere Wassersäulen anzustreben, wenn man ausreichend Reserve haben will. Aber es müssen keine 20.000 mm sein (Hilleberg Nallo: 5.000 mm).

 

Wasserdichtheit Innenzeltboden

Noch wichtiger ist diese Wasserdichtheit allerdings beim Bodenstoff. Denn dieses Gewebe belastet man, wenn auch immer nur punktuell, durch sein Körpergewicht schon enorm. Hier reichen die nach Norm vorgeschriebenen 2000 mm definitiv nicht, um von wasserdicht sprechen zu können. Gute Zelthersteller bieten hier deutlich mehr Sicherheit (Hilleberg Nallo: 15.000 mm).

 

Zerreißfestigkeit

Im Gewebe wird heute ein Verstärkungsraster (Ripstop) integriert, welches das Weiterreißen sofort unterbricht. So werden aus kleinen Löchern keine langen Risse.
Beschichtung

Die oben erwähnten Materialien Nylon oder Polyester werden zusätzlich noch beschichtet, um sie mit zusätzlichen Eigenschaften auszustatten. Zum Einsatz kommen hier bei den hochwertigen Zelten PU oder Silikon (bei den Billigzelten PVC). Silikon erhöht Reißfestigkeit und UV-Beständigkeit, PU ist sehr haltbar und Kälte-beständig.

Auch der Bodenstoff vom Innenzelt wird in der Regel mit PU beschichtet.

 

Größenangaben

Zelthersteller gaukeln mit unrealistischen Angaben zur Personenzahl regelmäßig mehr Platzangebot vor, als tatsächlich vorhanden ist. Ein laut Beschreibung für 4 Personen ausgelegtes Zelt hat in der Praxis dann letztendlich nur Platz für 3 Personen, wenn man noch etwas Luft zum Atmen haben möchte.

 

Die Qualität des Zeltes

Qualität setzt sich beim Zelt aus verschiedenen Aspekten zusammen: das Material und die technischen Werte (hatten wir eben behandelt), die Verarbeitung, die Passform aller Bauteile, konstruktive Details (die Position der Abspannleinen, Spannriemen für die Zeltstangen, usw.). Viele dieser Punkte kannst du nur beurteilen, wenn du das Zelt selber genau unter die Lupe nimmst und probeweise selber im Laden einmal auf- und abbaust.

 

Die Farbe

Die Farbe des Außenzeltes ist nicht nur eine Frage der persönlichen Vorliebe, sondern sie erfüllt auch eine durchaus beabsichtigte Funktionalität:

  • dunkelgrün, dunkelbraun: das Zelt wirkt unauffällig in der Natur. Das verschreckt die Tiere nicht und man wird nicht sofort erspäht.
  • Rot: das Zelt wird im verschneiten Hochgebirge sehr schnell gesehen. Das kann bei Lawinenabgang oder für die Orientierung bei der Heimkehr lebensrettend wirken.
  • Hellbraun: das Zelt wirkt in Wüstenregionen und Steppenlandschaft sehr unauffällig.

 

Die verschiedenen Zelt-Bauformen

Hier gehen wir detailliert auf die gängigsten Bauformen für Zelte ein, die für Radreisen, Fahrradtouren, Wandertouren, Trekking oder auch Reisen per Auto in Frage kommen.

 

Firstzelt

Der Zeltaufbau ist sehr einfach, das Zelt bietet aber relativ wenig Raum wegen der schrägen Zeltwände. Das Verhältnbis zwischen Grundfläche und Platzangebot in Sitzhöhe ist sehr ungünstig. Diese Bauform ist heute weitgehend verdrängt worden durch die im Folgenden aufgeführten Varianten.

 

Tunnelzelt

Das Tunnelzelt bietet ein sehr gutes Verhältnis zwischen Grundfläche und Platzangebot in Sitzhöhe, weil die Zeltstangen im unteren Bereich nahezu senkrecht zur Bodenfläche stehen. Tunnelzelte bieten konstruktiv auxch sehr viel Spielraum für eine große Apsis. Das ist ein Vorteil ggü. den Kuppelzelten. Auch beim Raum-Gewichts-Verhältnis haben Tunnelzelte die Nase vorn.

Ungünstig ist die relativ große Angriffsfläche im Wind, wenn der Wind von der Seite ansteht. Daher wird empfohlen ,das Zelt in Längsrichtung zum Wind auszurichten beim Aufbau.

 

Kuppelzelt

Das Kuppelzelt bietet ebenfalls relativ steile Außenwände, schneidet beim Raumangebot aber etwas schlechter ab als Tunnelzelte. Dafür steht es auch ohne Abspannung und ist stabiler gegen Winddruck. Auch das Kuppelzeit bietet ein gutes Raum-Gewichts-Verhältnis.

 

Geodätzelt

Ist ebenfalls ein guter Kompromiss beim Raumangebot, erfordert aber mindestens 2 Personen für den Aufbau. Das Stangengeflecht kann dabei sehr kompliziert sein. Extrem sturmstabil durch die mehrfach gekreuzten Stangen, trägt Schneelast und ist freistehend ohne Abspannung. Allerdings durch die vielen Stangen auch etwas schwerer im Gewicht.

 

Biwakzelt

Ein Nischenprodukt in der Zone zwischen einem Biwaksack und einem Einmannzelt. Es erfordert Abstriche beim Komfort und beim Platzangebot, ist aber unschlagbar leicht und klein. Für längere Radreisen eher nicht geeignet. Lediglich fürs Bikepacking oder für Rucksacktouren ist es eine interessante Alternative.

 

Wurfzelt

Wird hier nur der Vollständigkeit halber mit aufgeführt, stellt aber für den dauerhaften Einsatz bei durchschnittlichem Wetter auf Reisen, insbesondere auf längeren Radreisen keine brauchbare Alternative dar. Bei diesem Zelt sind die Stangen im Zelt integriert und werden mit eingerollt. Das Zelt springt förmlich selbständig auf und steht in Sekundenschnelle. Aber es ist definitiv nicht Wind- oder Sturmstabil. Ein Nischenprodukt für Wochenendausflüge bei trockenem Wetter ohne Wind.

 

Fazit zu den Bauformen

Du kennst jetzt die verschiedenen Bauformen der Zelte und deren Vor- und Nachteile. Wenn du deine persönlichen Anforderungen an dein Zelt nun den Bauformen gegenüber stellst, fallen einige Varianten durch das Raster. Aus den verbleibenden Produkten musst du im nächsten Schritt deine Favoriten suchen und testen:

 

Der Praxistest vor dem Zelt-Kauf

Weil du unter Umständen sehr viel Geld für dein Zelt ausgeben wirst, soll die Entscheidung reiflich überlegt sein. Dazu gehört auf alle Fälle ein realer Praxistest: selber das Zelt auf- und abbauen, sich am besten mit der eigenen Schlafmatte ins Zelt legen und das tatsächliche Platzangebot prüfen, alle Eingänge testen, die Lüftung begutachten, usw.

Ideal sind hierfür Ausrüstungsläden, die eine große Zeltabteilung bereithalten. Auf Wunsch kannst du dort auch deine Favoriten testen, wenn sie nicht schon aufgebaut sind.

Große Shops veranstalten auch regelmäßig Open-Air-Testivals, wo man in einem Schwung verschiedene Zelte unter realen Bedingungen begutachten und testen kann.

 

Sinnvolles Zubehör fürs Zelt

 

Bodenplane oder Footprint

Eine zusätzliche Bodenplane hält die Boden-Feuchtigkeit zurück und schont den Innenzeltboden. Für hochwertige Zelte gibt es vom Hersteller das passende Footprint zu kaufen. Ist nicht gerade preiswert, garantiert aber eine gute Passform und hat möglicherweise auch die Ösen zur Anbindung an das Zelt. Das ist komfortabel, denn dann kannst du Zelt und Footprint in einem Arbeitsschritt einpacken.

Alternativ schneidest du dir aus ziemlich dicker Plastikfolie das entsprechende Format zurecht. Kostet keine 20 Euro und tut auch seine Dienste.

 

Tarp oder Vordach

Ein Tarp lässt sich leicht über den Zelteingang spannen und beschert einen trockenen Eingangsbereich. Das ist vor allem an Regentagen sehr angenehm und erweitert den Bewegungsspielraum deutlich. Aber es ist auch zusätzliches Gewicht im Gepäck.

 

Der Zelthammer

Ein guter Zelthammer ist unentbehrlich, wenn du nicht ständig dicke Steine vor Ort suchen willst, um deine Häringe in den steinharten Boden zu trimmen. Aber kaufe auf keinen Fall einen dieser leichten Kunststoffhämmer im Ausrüstungsladen. Der hält keine 10 Tage. Kaufe dir den kleinsten Gummihammer aus dem Baustoffhandel in deiner Stadt. Der ist deutlich preiswerter und nur geringfügig schwerer, verrichtet aber sehr zuverlässig seinen Dienst.

 

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