Nachhaltiges Reisen leicht gemacht – Fahrradtouren und Radreisen

Nachhaltiges Reisen als Handlungsleitlinie oder Produktmerkmal gewinnt immer stärker an Bedeutung, je kritischer es um unseren Planeten steht. Da geht es um Verantwortung für Natur und Kultur im Reiseland, um Ressourceneinsparung, Müllvermeidung, Emissionsreduzierung, sanften Tourismus, Bioprodukte, fairen Handel und vieles mehr. 

Vor diesem Hintergrund sehen wir selbstorganisierte Radreisen und Fahrradtouren als nahezu perfekte Reiseart für nachhaltiges Reisen. Grund genug, die Nachhaltigkeit einer Radreise einmal näher zu beleuchten.

Das Fahrrad als Verkehrsmittel

Das Fahrrad verursacht keinen Lärm und keine Abgase, es beansprucht kaum Platz beim Fahren oder Parken, verursacht keine Schäden an der Straßendecke und entfaltet wegen seiner geringen Geschwindigkeit und Masse kaum Unfallgefahr.

Der Bewegungsradius ist natürlich deutlich kleiner als bei einem motorisierten Fahrzeug. Doch gerade auf einer Fahrradtour im Urlaub braucht es keine großen Strecken, um viel zu erleben oder sich zu erholen.

Das Fahrrad als Wertobjekt

Das Fahrrad beansprucht weniger Ressourcen bei Entwicklung und Herstellung, als ein motorisiertes Verkehrsmittel. Es ist auch deutlich preiswerter als andere Verkehrsmittel. Gerade in Entwicklungsländern ist der Zugang zum Fahrrad für viele Menschen damit wesentlich einfacher als der Zugang zu einem motorisierten, teuren Fahrzeug. Es symbolisiert Mobilität für alle und das auf lange Sicht. Denn auch Reparatur und Wartung sind beim Fahrrad deutlich überschaubarer und preiswerter. Viele Arbeiten lassen sich dabei auch ohne Ausbildung vom Laien ausführen.

Regelmäßige Pflege am Fahrrad reduziert den Wertverlust über der Zeit zudem auf ein absolutes Minimum. Davon können motorisierte Fahrzeuge meist nur träumen.

Ebenso behält das Fahrrad über Jahrzehnte seine Funktion, wenn man zur rechten Zeit einige wenige Verschleißteile austauscht. Wenn das keine Nachhaltigkeit ist?!

Das Fahrrad und deine Gesundheit

Radeln ist gesund. Es hält den Kreislauf fit und belastet dabei nicht die Gelenke. Außerdem trainiert es Gleichgewichtssinn und Koordination und hält den Geist fit.

Somit bewirkt das Fahrrad die Gesunderhaltung und das sorgt indirekt für reduzierte Behandlungs-Kosten im Gesundheitswesen, die wiederum von der sozialen Gemeinschaft getragen werden müssten.

Die Nachhaltigkeit von Radreisen

Hier meinen wir nicht nur den mehrstündigen Fahrrad-Ausflug am Urlaubsort, sondern auch eine waschechte Radreise mit Gepäck am Fahrrad.

Du hast auf einer Radreise Cabri-Feeling, erlebst die Umgebung mit allen Sinnen und deine geringe Geschwindigkeit lässt dir genügend Zeit zum Genießen und Wahrnehmen. Erlebnisdichte und Erholungspotential sind auf solchen Radreisen deutlich höher als auf Autoreisen. Somit genügen dir auch schon Reiseziele in der Nähe deiner Heimat und du kannst auf Langstreckenflüge oder endlos lange Anfahrten verzichten.

Gleichzeitig wirst du im Urlaubsland als „sanfter“ Tourist wahrgenommen und genießt überall sehr viel Sympathie und Hochachtung. Du wirst nicht als Störfaktor oder Belästigung gesehen, sondern als kulturelle Bereicherung und als Botschafter deiner Heimat.

Aber auch für dich ist es eine kulturelle Bereicherung: Auf keiner anderen Reiseart kommst du schneller und einfacher mit der Landesbevölkerung in Kontakt. Es öffnet dir Türen und du tauchst intensiv in die Kultur deines Reiselandes ein. Du wirst eingeladen, wirst der ganzen Familie vorgestellt, darfst an traditionellen Feierlichkeiten oder Zeremonien teilnehmen und erlebst viele unvergessliche Momente. Das alles ist um ein Vielfaches mehr wert als Besichtigungen von irgendwelchen Sehenswürdigkeiten, die oftmals lange Fahrstrecken per Auto erfordern.

Auch die Stromversorgung lässt sich auf Radreisen ressourcensparend organisieren: Du kannst deinen eigenen Strom per Nabendynamo produzieren und nutzt ihn für das Laden der Akkus deiner gesamten Reiseelektronik. Wie das funktioniert und was du dafür alles benötigst, haben wir in diesem Beitrag beschrieben.

Nachhaltigkeit durch Zelten auf Radreisen

Noch stärker kommt Nachhaltigkeit auf Reisen zum Ausdruck, wenn du das eigene Zelt als Übernachtungsstätte wählst. Es bedeutet Minimalismus und Sparsamkeit in jeder Hinsicht. Das erkennen auch die Einheimischen in deinem Reiseland auf Anhieb. So ist dir jegliche Hilfe und Unterstützung der Landsleute bei der Zeltplatzsuche gewiss, wenn du mal keinen passenden Platz findest.

Wir haben, wenn immer es möglich war, den Eigentümer um Erlaubnis gefragt. Nicht selten hat sich schon aus einer solchen ersten Begegnung ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt. Du bist schlagartig nicht mehr irgendein Tourist, sondern ein besonderer Gast.

Was Trampen auf Radreisen mit Nachhaltigkeit zu tun hat

Es klingt paradox, doch auf Radreisen gibt es immer wieder gute Gründe, um bestimmte Passagen per Trampen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu überbrücken: Wüsten, zivilisationslose Steppe, gefährliche Wohngebiete, extremer Gegenwind, Zeitmangel, Pannen, akute Erkrankungen, usw.

Wir ziehen das Trampen regelmäßig der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel vor. Denn:

  • Trampen ist preiswerter
  • Oft wird das Trampen für beide Seiten zu einer interessanten, nachhaltigen Begegnung
  • Durch die Mitnahme von weiteren Personen samt Gepäck wird ein motorisiertes Fahrzeug im Individualverkehr viel besser ausgelastet. Das Fahrzeug wäre ja ohne dich auch gefahren.

Natürlich solltest du dem Fahrer spätestens zum Abschied mit einem kleinen Geschenk deine Dankbarkeit erweisen. Spätestens mit dieser Geste bleist du dem Fahrer nachhaltig in Erinnerung.

Das Verhältnis zwischen Entfernung und Reisedauer

Für uns kamen ferne Reiseziele für einen „kurzen“ 3-Wochen-Urlaub nicht in Frage. Denn dabei standen aus unserer Sicht Reisekosten und Aufwand in keinem gesunden Verhältnis zur Gesamtdauer der Reise. Stattdessen haben wir Reiseziele in den Nachbarländern unserer Heimat angesteuert: Frankreich, BeNeLux, Skandinavien, die britischen Inseln oder den Alpenraum.

Es war nie langweilig. Im Gegenteil: Europa bietet eine unglaubliche Dichte an sehenswerten Orten und traumhafter Landschaft. Auch die Kultur ist vielfältig. Du musst dich nur darauf einlassen.

Natürlich findest du hier keine buddhistischen Tempel, keine Wüste und keine exotischen Pflanzen oder Tiere. Doch wenn du tatsächlich die fernen, exotischen Reiseziele anstrebst, denke einmal über eine Langzeit-Radreise statt über einen Kurztripp per Flieger nach:

Die Nachhaltigkeit auf Langzeit-Radreisen

Natürlich kann nicht jeder so ohne Weiteres aus seinem heimatlichen Leben für mehrere Monate oder gar Jahre aussteigen und eine Langzeitreise unternehmen. Aber im Hinblick auf nachhaltiges Reisen ist eine solche Langzeit-Radreise kaum zu schlagen.

Du verbindest viele Länder auf dem Landweg zu einer größeren Reise per Fahrrad. Das bedeutet, du hast quasi keine Anreise zu den einzelnen Ländern. Du kannst auf diese Weise einen ganzen Kontinent bereisen, ohne auch nur einen einzigen Flug in Anspruch zu nehmen. Das schont deinen Geldbeutel und deine Gesundheit (denn auf Flügen bist du gefährlicher Strahlung ausgesetzt). Täten das sehr viele Reisende, würde es auch die Umwelt schonen (weil dann weniger Flüge notwendig wären).

Doch auch für die Menschen im Reiseland ist deine Langzeit-Fahrradtour eine Bereicherung: Du transportierst auf einer Langzeitreise nicht nur die Kultur deiner Heimat, sondern auch die Kultur der vielen anderen Reiseländer. Du zeigst Fotos aus all den Reiseländern und erzählst über spannende Erlebnisse.

Somit erzeugst du beim Kontakt mit der Bevölkerung im Reiseland immer einen Blick über den Tellerrand. Sie stellen dir viele Fragen über andere Länder und du kannst bei dieser Gelegenheit Vorurteile ausräumen und positive Erfahrungen weitergeben. Es fördert den kulturellen Austausch. Das ist vor allem für Menschen wichtig, die niemals all diese fernen Länder sehen werden, weil ihnen die Mittel fehlen.

Ein weiterer Ansatz für Nachhaltigkeit ist die Pflege deiner Ausrüstung. Gerade auf Langzeit-Radreisen wirst du immer wieder mit Verschleiß an deiner Ausrüstung konfrontiert. Weil du aber nicht in jedem Reiseland sofort Zugriff auf Ersatz hast, wählst du meist zwangsläufig die Reparatur als Alternative: Erhalten statt neu kaufen!

Weitere Tipps für nachhaltiges Reisen

Ganz unabgängig von Radreisen fallen uns noch eine ganze Menge weiterer Ideen ein, die für nachhaltiges Reisen stehen:

  • Reise abseits der Touristenrouten. So triffst du gerade die Menschen, die vom Tourismus eben nicht so stark profitieren. Du kaufst ihre Produkte und finanzierst nicht irgendeine große Tourismusmaschinerie. Dein Geld fließt also zu denen, die es wirklich benötigen.
  • Nehme einen Wasserfilter mit auf deine Reisen. So bist du nicht auf käufliches Trinkwasser in Plastikflaschen angewiesen.
  • Verzichte auf Luxus und übermäßigen Komfort am Urlaubsort. Solche Angebote gehen meistens mit einem enormen Ressourcenverbrauch einher.
  • Unterstütze keine Attraktionen, bei denen Tierquälerei, Ressourcenverschwendung oder Umweltschädigung im Spiel ist. Wenn sie einen Geysir mit Waschpulver tunen oder der Mountainbike-Parcours ganze Landschaften zerstört, solltest du nein sagen können.
  • Kaufe dein Essen bei den Einheimischen und nicht bei großen, ausländischen Fastfoodketten.
  • Achte beim Produktkauf auf geringe Verpackung und lasse nirgendwo im Ausland deinen Müll zurück. Du repräsentierst dein Heimatland und würdest damit ein schlechtes Image transportieren.
  • Bevor du Personen fotografierst, solltest du deren Einverständnis haben (das galt auch schon vor der DSGVO). Besonders sauber ist das Ablichten, wenn du im Vorfeld eine Art engere Beziehung zu deinem Gegenüber aufbauen konntest. Nimm dir die Zeit dafür.
  • Respektiere die Kultur in deinem Reiseland, informiere dich über wichtige Verhaltensregeln und die Kleiderordnung, erlerne die Grundlagen der Landessprache. Auch ein Grundwissen über die Historie und die Beziehung zu anderen Ländern schadet nicht. Da lauert so manches Fettnäpfchen.

Inspiration zur Nachhaltigkeit durch Reisen

Reisen bereichert dich. Du erlebst und entdeckst Dinge, die du in deiner Heimat nicht findest. Genauso kann es dich inspirieren, wenn du im Reiseland z. B. kreative Lösungen für die Verwertung von Müll oder Verpackungen entdeckst, über die du in deiner Heimat noch nie nachgedacht hast.

So erlebten wir Kunst und Gebrauchsgegenstände aus Verpackungsmüll oder Pflanzen, Shopping-Center aus ausgedienten Übersee-Containern und vieles mehr.

 

Genauso entdeckten wir Maschinen, die mit Muskelkraft betrieben werden. Natürlich per Fahrrad. Unsere Videos dazu auf Youtube:

Fahrradbetriebener Mixer Fahrradbetriebener Schleifbock

 

Unser Fazit über nachhaltiges Reisen

Wir haben für uns das Reisen per Fahrrad als Patentrezept für nachhaltiges Reisen entdeckt. Auf unserer großen Radreise über mehrere Kontinente kam auf 31 Reiseländer tatsächlich nur ein Langstreckenflug. Und auch der war uns noch zuviel. Aber dennoch verkörpern solche Fahrradtouren nachhaltiges Reisen wie keine andere Reiseart.

Wenn dich unser Artikel in irgendeiner Hinsicht inspiriert hat, freuen wir uns. Denn mit jedem Beitrag zur Nachhaltigkeit wird unsere Welt ein kleines Stück lebenswerter.

Weitere Anregungen zur Nachhaltigkeit auf Reisen

Mit diesem Artikel nehmen wir an der Blogparade von Paul teil. Er hat auf seinem Blog adventureluap  im Rahmen dieser Blogparade eine ganze Reihe von Beiträgen über die Nachhaltigkeit beim Reisen gebündelt. Hier findest du seine Gedanken über nachhaltiges Reisen  sowie viele andere Beiträge zum Thema.

 

Weitere Infos über Radreisen und Fahrradtouren

 

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