Fahrrad Kindersitz – Tipps zum Kinderfahrradsitz Kauf

Ein Fahrrad Kindersitz macht aus deinem Fahrrad ein familientaugliches Verkehrsmittel. Doch worauf ist beim Kinderfahrradsitz zu achten? Woran erkennst du einen guten Kindersitz? Welche Vorschriften sind einzuhalten? Welches Alter dürfen die Kinder haben? Und welche Voraussetzungen muss dein Fahrrad mitbringen?

Ein Leitfaden für den Fahrrad Kindersitz Kauf:

 

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Kinder im Kindersitz befördern – Was ist erlaubt?

In Deutschland regelt die StVO (§ 21), was im Zusammenhang mit der Beförderung von Kindern auf dem Fahrrad und in Anhängern erlaubt ist und was nicht.

Demnach müssen Kinder selbständig sitzen können, wenn du sie in einem Kindersitz auf dem Fahrrad mitnehmen willst. Das ist in der Regel ab einem Alter von 9 oder 10 Monaten der Fall. Der Sitz muss für die Mitnahme von Kindern geeignet sein.

Ab dem vollendeten siebenten Lebensjahr ist die Mitnahme der Kinder sowohl im Kindersitz als auch im Fahrradanhänger nicht mehr erlaubt. Dann bleibt dir nur noch die Mitnahme der Kinder in einem Lastenrad, wenn sie in diesem Alter nicht sowieso schon eigenständig radeln. Allerdings müssen die Aufbauten auch beim Lastenrad einen sicheren Personentransport gewährleisten. In der Regel geht die Eignung zum Personentransport hier aus den Angaben des Herstellers hervor.

Bei den Obergrenzen für das Gewicht der beförderten Kinder wird zwischen Frontsitz und Hecksitz unterschieden: Im Frontsitz beträgt das maximal zulässige Kindergewicht 15 kg, beim Hecksitz sind bis zu 22 kg erlaubt.

Weil die meisten Kinder schon mit ca. 3 Jahren die 15 kg-Grenze überschreiten, wird für die meisten Eltern eher der Hecksitz die bessere Wahl sein. Und auch ein Hecksitz wird kaum bis zum vollendeten siebenten Lebensjahr eingesetzt werden können, weil Kinder schon bereits mit ca. 5 bis 6 Jahren die 22 kg-Grenze überschreiten, wenngleich das auch auf der Straße im Rahmen einer Kontrolle kaum überprüfbar ist. Manche Hersteller beschränken die Zulassung ihrer Kindersitze in der Produktbeschreibung auch von sich aus schon auf eine Altersgrenze von z.B. 5 Jahren.

Besonders aufpassen solltest du, wenn du an Pedelec oder E-Bike über den Einsatz von Kindersitz und / oder Anhänger nachdenkst:

Nur das Pedelec ist verkehrsrechtlich dem Fahrrad gleichgestellt. Somit sind Kindersitz und Anhänger am Pedelec erlaubt. Anders sieht das beim E-Bike und beim S-Pedelec aus. Lediglich bei E-Bikes bis 20 km/h ist ein Kindersitz zulässig, Anhänger sind an E-Bike und S-Pedelec gar nicht erlaubt.

Lesetipp: Pedelec, E-Bike und S-Pedelec – die Unterschiede

Hast du Fahrradtouren mit Kindersitz im Ausland geplant, solltest du dich vorab eingehend über die im betreffenden Land geltenden Vorschriften hierzu informieren. Unter Umständen drohen dir dort saftige Bußgelder, wenn du das übersehen hast.

Frontsitz oder Hecksitz?

Das Angebot an Fahrrad Kindersitzen auf dem Markt lässt sich grob unterscheiden in Frontsitze und Hecksitze:

Der Frontsitz wird an Oberrohr oder Sattelrohr befestigt. Das Kind hat freie Sicht, bekommt aber auch den vollen Fahrtwind ab. Bedingt durch die kurze Rückenlehne ist ein Frontsitz weniger komfortabel als ein Hecksitz. Frontsitze beeinträchtigen das Fahr- und Rangierverhalten nicht so stark wie Hecksitze, aber der Fahrer hat unter Umständen nur eingeschränkte Beinfreiheit. Der Frontsitz eignet sich damit eher für kürzere Ausfahrten, nicht für ausgedehnte Radtouren.

Der Hecksitz wird an Sattelrohr oder Gepäckträger (selten) befestigt. Er bietet dem Kind Schutz vor Fahrtwind, aber die Sicht nach vorne ist natürlich durch den Fahrer etwas eingeschränkt. Hecksitze tragen eine Markierung (Kreuz), die den Massenschwerpunkt anzeigt. Dieser sollte max. 10 cm hinter der Hinterradnabe sitzen. Achte auch darauf, dass die Federn deines Sattels abgedeckt sind. Sonst sind Fingerquetschungen nicht auszuschließen.

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Zwei Kinder befördern

Zwei Kinder per Kindersitz am Fahrrad zu befördern, ist zwar erlaubt, aber das Fahrverhalten wird durch den deutlich höher liegenden Massenschwerpunkt unangenehm beeinflusst. Zudem ist immer auch das maximal zulässige Gesamtgewicht des Fahrrades zu beachten. Je nach Gewicht des Fahrers ist da bei zwei Kindern schnell die zulässige Obergrenze überschritten.

Unsere Empfehlung für den Transport von zwei Kindern: Fahrradanhänger.

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Lesetipp:

Fahrradanhänger für Kinder, Lasten, Urlaub und Radreisen

 

Die Kindersitz-Halterung

Beim Fahrrad Kindersitz wird in der Regel eine Halterung ans Fahrrad geschraubt und der Kindersitz lässt sich bei Bedarf aufsetzen oder entfernen. Nutzen weitere Personen auf anderen Fahrrädern denselben Kindersitz, können von allen gängigen Herstellern Zweit-Halterungen nachbestellt werden.

Achte beim Kauf auf die Kompatibilität der Kindersitz-Halterung mit dem Rohrdurchmesser an deinem Fahrradrahmen. Der Hersteller liefert immer eine Reihe von Adaptereinsätzen mit aus, um für alle gängigen Rohrdurchmesser die Anpassung vornehmen zu können.

Fahrradhelm im Kindersitz?

Generell gilt in Deutschland die Empfehlung zum Fahrradhelm. Eine Helmpflicht existiert nicht. Somit ist es deiner Entscheidung überlassen. Weil aber ein Kind auf dem Fahrrad Kindersitz nicht großartig geschützt untergebracht ist, lautet die dringende Empfehlung: immer mit Fahrradhelm.

Berücksichtige den Fahrradhelm auch schon im Hinblick auf die Bewegungsfreiheit für den Kinderkopf im Kindersitz.

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Lesetipp:

Fahrradhelm kaufen – Ein Leitfaden

 

Prüfsiegel für Fahrrad Kindersitze

Spätestens mit dem Einzug des Online-Handels ist beim Kauf von Kinderfahrradsitzen auch die Kontrolle auf Prüfsiegel und Einhaltung der geltenden Normen dringend zu empfehlen. Das gilt natürlich nicht nur für Fahrrad Kindersitze, aber bei kaum einem anderen Produkt ist es so wichtig wie hier.

CE-Konformität

Die “Sicherheitstechnischen Anforderungen für den Fahrrad Kindersitz” sind in der DIN EN 14344 festgeschrieben. Mit der CE-Kennzeichnung bestätigt der Hersteller, dass sein Produkt dieser Norm entspricht. Allerdings erfolgt die Beurteilung der Normen-Konformität im Ermessen des Herstellers. Wurde diese Konformität von einer behördlich (Brüssel) notifizierten Prüforganisation (z.B. dem TÜV) überprüft, erkennst du das an der vierstelligen Nummer hinter dem CE-Zeichen. Beispielsweise steht die Nummer “0197” für den TÜV Rheinland.

Achte vor allem beim Kauf aus Zweiter Hand und bei Importware aus dem außereuropäischen Ausland auf die Kennzeichnung samt Nummer. Ohne Nummer ist die CE-Kennzeichnung tatsächlich nicht viel wert und bietet einen großen Spielraum für Fälschungen.

GS-Siegel

Das GS-Siegel (Geprüfte Sicherheit) bestätigt die Einhaltung der Vorgaben aus dem in Deutschland geltenden Produktsicherheitsgesetz (ProdSG). Diese Prüfung ist für den Hersteller freiwillig und wird ausschließlich von behördlich notifizierten, unabhängigen Prüforganisationen (siehe oben) durchgeführt. Jeder seriöse Hersteller unterzieht seine Produkte dieser Prüfung und das Siegel schafft Vertrauen beim Verbraucher.

Weil das GS-Zeichen allerdings ebenfalls immer wieder als Fälschung missbraucht wird, führt der TÜV eine “Schwarze Liste”, in der Produkte samt Hersteller gelistet stehen, die durch Prüfzeichenmissbrauch aufgefallen sind.

Öko-Tex Standard 100 – Siegel

Zusätzlich interessant wäre dann noch das “Öko-Tex”-Siegel (Textiles Vertrauen) der Öko-Tex GmbH in Eschborn, welches dem Hersteller die Unbedenklichkeit textiler Produkte bescheinigt. Anwendbar wäre diese Prüfung jedoch lediglich auf die textilen Produkt-Bestandteile, also Sitzpolster und Gurtsystem. Demgegenüber prüft aber z.B. eine Stiftung Warentest die Unbedenklichkeit “aller” verarbeiteten Materialien, was für den Käufer sicher hilfreicher ist.

Ausstattung und Komfort

Ein hochwertiger Kinderfahrradsitz ist bequem und gut gepolstert (Sitzfläche, Rückenlehne, Gurte), lässt sich einfach und schnell auf die Kindergröße anpassen (Höhe der Sitzlehne, Tiefe der Fußstützen) und bietet einen sicheren Gurtverschluss, den das Kind nicht selbständig öffnen kann. Beine und Füße werden wirksam von den Speichen ferngehalten. Bei Frontsitzen ist die Rückenlehne kürzer und die Ausstattung ist generell etwas magerer gehalten als beim Hecksitz.

Bei manchen Hecksitz-Modellen lässt sich die Rückenlehne leicht nach hinten verstellen. Und Bügel aus Federstahl fangen grobe Stöße im Fahrbetrieb ab. Damit wäre sogar ein ungestörtes Nickerchen während der Fahrt garantiert, was allerdings voraussetzt, dass der Kopf des Kindes wirksam in Position gehalten wird. Hierzu gibt es mittlerweile Gurtbänder als Nachrüstsatz zu kaufen.

Lässt sich der Sitzbezug herausnehmen, kann er per Waschen gereinigt werden.

Renommierte Hersteller bieten zudem viel Zubehör und Ersatzteile (Sitzpolster, Gurtpolster, Fußriemen, Schraubensets, Federbügel, …) für ihre Kindersitze an. So lassen sich verschlissene Komponenten problemlos austauschen.

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Anforderungen an das Fahrrad

Natürlich muss dein Fahrrad auch für die Mitnahme von Kindersitz samt Kind geeignet sein. Was bedeutet das konkret:

Zunächst einmal muss das Fahrrad nach StVZO vorschriftsmäßig ausgestattet sein. Sonst darfst du das Rad im öffentlichen Straßenverkehr gar nicht nutzen. Das betrifft insbesondere die Bremsen, das Reifenprofil und die Beleuchtungseinrichtungen.

Darüber hinaus ist im Hinblick auf das Zusatzgewicht durch Kindersitz und Kind auch das maximal zulässige Gesamtgewicht deines Fahrrades zu beachten. Frage im Zweifel bei Händler oder Hersteller nach.

Natürlich empfiehlt es sich, die Funktionstüchtigkeit der sicherheitsrelevanten Komponenten an deinem Fahrrad intensiver zu kontrollieren, wenn du Kinder auf dem Fahrrad mitnimmst. Das betrifft vor allem den Luftdruck in den Reifen, den Zustand deiner Bremse (Bremsbeläge, Einstellung, Gängigkeit der Bowdenzüge, …) und die fehlerfreie Funktion deiner Beleuchtungsanlage.

Ein stabiler und richtig eingestellter Fahrradständer ist ebenfalls dringend zu empfehlen, denn der leere Kindersitz erhöht die Schwerpunktlage an deinem Fahrrad mit seinen bis zu 6 kg Gewicht merklich.

Schutz gegen Diebstahl

Nichts ist vor Langfingern sicher, auch nicht dein wertvoller Fahrrad Kindersitz. Lasse ihn nie für längere Zeit aus den Augen und deponiere ihn an einem sicheren Ort im Gebäude. Im Hinblick auf den möglichen Verlust der Kindersitz-Halterung wäre auch das Abstellen des Fahrrades im öffentlichen Raum über längere Zeit (z.B. über Nacht) zu vermeiden.

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Lesetipps:

Fahrradschloss kaufen – Was beachten? Perfekter Fahrrad Diebstahlschutz

Wetterschutz

Es gibt Regenponchos speziell für Kinder im Kinderfahrradsitz. Achte auf ausreichend viel Platz in der Kapuze für den Kinderhelm.

Ebenso benötigst du möglicherweise einen Überzug, um den Kindersitz trocken zu halten, wenn das Fahrrad samt Kindersitz unter freiem Himmel abgestellt wird.

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Mittlerweile werden sogar Windschutzscheiben für Kindersitze angeboten. Allerdings bietet der Windschatten des Fahrers nach unserer Einschätzung bei einem Hecksitz auch schon einen ausreichenden Schutz gegen den Fahrtwind. Zur Not hilft auch sicher eine Skibrille.

Fahrrad Kindersitz oder Fahrradanhänger?

Sollen zwei Kinder befördert werden, ist der Fahrradanhänger gegenüber dem Kindersitz die sicherere Lösung. Denn zwei Kinder samt Kindersitzen am Fahrrad sorgen für eine stärkere Beeinträchtigung des Fahrverhaltens. Zudem darf das maximal zulässige Gesamtgewicht des Fahrrades nicht überschritten werden (siehe oben).

Ein Anhänger ist auch die bessere Wahl, wenn neben Kindern auch Lasten transportiert werden sollen, z. B. die Einkäufe. Zudem ist der Wetterschutz beim Anhänger angenehmer gelöst als beim Kindersitz.

Dafür beeinflusst ein Anhänger deine Mobilität merklich: Bordsteinkanten und Treppen werden zu echten Hindernissen, leichteste Anstiege werden anstrengend und die Rangierfähigkeit leitet.

Fazit: Für längere Ausfahrten, Radreisen und häufigen Lastentransport kommt eher der Fahrradanhänger infrage, für Kurzstrecken und den Alltag im urbanen Umfeld dagegen eher der Fahrrad Kindersitz.

Fahrrad Kindersitz und Packtaschen?

Wenn tatsächlich eine Kombination aus Kindersitz und Gepäcktransport angedacht ist, bieten sich aus unserer Sicht folgende Konzepte an:

Heck-Kindersitz und Packtaschen vorne:

Hier hängst du das Gepäck am Vorderrad an einen Lowrider (achte auf gleiche Gewichtsverteilung links / rechts) und erreichst ein ausgewogenes Lenkverhalten und eine gute Gewichtsverteilung am Fahrrad. Lediglich der hohe Massenschwerpunkt über dem Hinterrad (durch den Hecksitz) könnte die Fahrsicherheit beeinträchtigen.

Front-Kindersitz und Packtaschen hinten:

Hierbei ist sind Gewichtsverteilung und Schwerpunktlage sehr ausgewogen, aber das Lenk- und Manövrier-Verhalten ist nicht so ruhig wie bei der oben beschriebenen Variante.

Heck-Kindersitz und Packtaschen hinten:

Selbst, wenn es räumlich passen mag am Hinterbau deines Fahrrades, es ist nicht empfehlenswert. Denn hier sind sowohl Gewichtsverteilung als auch Schwerpunktlage am Fahrrad äußerst ungünstig und die Lenkung wird darauf sehr nervös reagieren.

 

Fazit zum Fahrrad Kindersitz

Entscheide dich für Frontsitz oder Hecksitz, achte auf die Prüfkennzeichen und wähle ein Produkt eines renommierten Herstellers. Berücksichtige im Budget von vornherein das Zubehör und ggf. die zweite Halterung für das Fahrrad des Partners.

 

 

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