Messenger Dienste mit Datenschutz – der sicherste Instant Messaging Dienst

Messenger Dienst mit DatenschutzMessenger Dienste wie WhatsApp oder Telegramm sind aus unserem Kommunikations-Alltag nicht mehr wegzudenken. Und auch wir nutzen solche Instant Messaging Dienste als App auf dem Smartphone.

Sie ermöglichen einfache und schnelle Kommunikation mit Familie, Freunden und Bekannten und sind somit wesentlich attraktiver als das E-Mail-System. Und sie benötigen dafür lediglich eine Internetverbindung.

WhatsApp ist in diesem Zusammenhang seit Jahren mit großem Abstand der am meisten benutzte Instant Messaging Dienst weltweit. Doch seit Facebook die App übernommen hat, macht es Sinn, sich nach Alternativen mit mehr Datenschutz umzusehen.

Denn Facebook baut WhatsApp sukzessive zu einem Selbstbedienungsladen für personenbezogene Daten aus. Über den Handel mit deinen Daten verdienen sie schließlich ihr Geld. Mittlerweile setzt die Nutzung der App sogar die ausdrückliche Zustimmung zur Freigabe aller Daten aus deinem WhatsApp-Account und deiner Kontakte! für die Verwendung durch Dritte und sämtliche Facebook-Dienste voraus. Das bedeutet, Facebook-Dienste kommen an die personenbezogenen Daten von Kontakten, die gar keine Facebook-Dienste nutzen oder nutzen wollen.

Das ist den wenigsten Nutzern bewusst, denn die Formulierungen in den AGB und den Einstellungen sind in der Regel bewusst verharmlosend und sollen dem User einsuggerieren: „Ist nix Schlimmes. Wir verbessern nur dein Nutzer-Erlebnis“.

Recherchieren wir nach WhatsApp-Alternativen, dann treffen wir auf einige hochwertige Apps, die nach europäischen Datenschutz-Richtlinien ihre Dienste anbieten, ohne Werbung auskommen und dazu noch größtenteils kostenlos sind.

Doch das Problem für den Nutzer ist aktuell nicht der Wechsel zu einem dieser Kurznachrichtendienste, sondern die Frage, wie man seinen gesamten Dunstkreis dazu bewegt, ebenfalls zu dem neuen Instant Messaging Dienst zu wechseln.

Zielführend ist in dieser Hinsicht lediglich sachliche Information beim Vergleich der Apps und die Bereitschaft jedes Einzelnen zur Auseinandersetzung mit diesen WhatsApp-Alternativen. Dazu listen wir die interessantesten alternativen Messenger Dienste im Folgenden auf und stellen sie im Hinblick auf Datenschutz, Verschlüsselung und die Verfügbarkeit für die einzelnen Betriebssysteme gegenüber.

 

Inhaltsübersicht

 

 

Was macht WhatsApp so attraktiv

Der Messenger Dienst WhatsApp zählte in 2018 über 1,5 Mrd. Nutzer weltweit! Das bedeutet: wenn einer deiner Freunde einen Kurznachrichten-Dienst nutzt, dann wird es WhatsApp sein und nicht eine der anderen Alternativen. Denn deren Nutzerzahlen liegen deutlich niedriger.

WhatsApp bietet zudem auch die Telefonie-Funktion an. Das macht genau diesen Messenger Dienst noch ein Stück attraktiver. Denn diese Erweiterung fehlte (fehlt) den meisten Alternativen, die wir weiter unten anführen.

WhatsApp stand früher unter einem Management, das nicht an den Nutzerdaten interessiert war und die Kommunikation der Nutzer nicht mit störender Werbung durchdringen wollte. Genau das hat sich aber mit der Übernahme durch Facebook massiv geändert:

 

Was macht WhatsApp so entbehrlich

Es gibt mittlerweile einige Gründe, um sich nach einer Alternative zu WhatsApp umzusehen:

WhatsApp gehört seit 2014 zur Facebook-Gruppe und seitdem werden fleißig Nutzerdaten gesammelt und an Dritte weitergegeben, um unter anderem personalisierte Werbung zu senden und dir kostenpflichtige Angebote zu unterbreiten. Das ist das Geschäftsmodell von Facebook. Damit verdienen sie ihr Geld.

Weil Facebook zudem immer wieder auch mit Datenschutz-Pannen Schlagzeilen macht, ist davon auszugehen, dass deine Daten auf den Servern von WhatsApp und Facebook auch schon ohne eine gewinnträchtige Weitergabe an Dritte nicht besonders sicher aufgehoben sind.

 

Der Wechsel zu einem anderen Kurznachrichtendienst

Der Wechsel zu einem anderen Messenger Dienst ist mehr als nur ein Wechsel zu einer anderen App.

  • Du musst erst einmal aus dem Kreis der Alternativen einen Nachrichtendienst finden, der deinen Ansprüchen genügt. Um dir die Suche zu erleichtern, haben wir weiter unten alle ernst zu nehmenden Anbieter in einer Matrix gegenüber gestellt.
  • Natürlich muss der neue Nachrichtendienst auch für deine Kommunikationspartner die erste Wahl sein, sonst nützt er dir gar nichts. Du kannst also erst dauerhaft wechseln, wenn alle deine Kontakte mit umziehen.
  • Um WhatsApp zu verlassen, musst du zuerst deinen Account bei WhatsApp löschen und erst danach die App von deinem Gerät deinstallieren.

 

Die WhatsApp Alternativen im Detail

Im Folgenden stellen wir alle brauchbaren Alternativen zu WhatsApp vor und vergleichen die wesentlichen Kriterien Datenschutz, Verschlüsselung, Herkunft des Anbieters, Standort der Server und Verfügbarkeit für die einzelnen Betriebssysteme.

Zusätzlich erwähnen wir aber auch Anbieter, die durch das Raster gefallen sind, weil eben die oben erwähnten Voraussetzungen nicht oder noch nicht erfüllt werden.

Telegram

Telegram ist Open Source Software und nach WhatsApp der am meisten genutzte Nachrichten-Dienst. Im Vergleich zu WhatsApp ist der Dienst zwar deutlich sicherer, doch leider arbeitet er Cloud-basiert und bietet somit nicht wirklich einen hohen Datenschutz. Du kannst diese Funktionalität zwar umgehen, indem du „Geheime Chats“ nutzt, allerdings entfällt dann die Möglichkeit zur Synchronisation der Daten.

Und die Verschlüsselung der Daten ist lediglich auf die Übertragung beschränkt. Somit haben Betreiber und mögliche Angreifer Zugang zu den Daten auf den weltweit verteilten Servern.

Threema

Dieser Instant-Messaging-Dienst kommt aus der Schweiz und kostet einmalig 3 bis 4 Euro. Doch er zählt sicher zu den Top 3 Anbietern im Hinblick auf den Datenschutz. Threema bietet End-to-End-Verschlüsselung, anonymisierte Anmeldung und ist DSGVO-konform.

Die Software ist zwar nicht Open Source, doch laut Ergebnis eines IT-Sicherheitsaudits aus 2019 von unabhängiger Stelle ist der Datenschutz nach DSGVO gewährleistet und die Angaben des Betreibers zu den Datenschutz- und Sicherheits-Einstellungen sind korrekt.

Threema steht neuerdings nur noch für iOS und Android sowie als Desktop-Version zur Verfügung, Windows-Phones bleiben außen vor.

SIMSme

SIMSme wurde von der Deutschen Post gestartet und arbeitete über deutsche Server. Die Erfassung von Nutzerdaten konnte über die Einstellungen zudem ausgeschaltet werden. SIMSme war aber keine Open Source Software und wurde in 2019 von der Brabbler AG übernommen und in Ginlo umbenannt.

(wir belassen die Infos zum SIMSme Messenger trotz der oben beschriebenen Entwicklung weiterhin in unserer Gegenüberstellung weiter unten)

Ginlo

Der ehemalige SIMSme Messenger Dienst ging mit der Übernahme durch die Brabbler AG (siehe oben) in den Messenger Dienst Ginlo über. Leider musste die Brabbler AG zwischenzeitlich Insolvenz anmelden. Doch seit Februar 2020 wird Ginlo unter der Ginlo.net GmbH weitergeführt.

Die Server stehen in Deutschland, der Quellcode soll in absehbarer Zeit als Open Source auf der Github-Plattform zur Verfügung stehen. Die Kommunikation erfolgt verschlüsselt. Finanziert wird die App über die Einnahmen aus der kostenpflichtigen Business-App-Version, die vollständig DSGVO-konform ist.

Wire

Wire wird aus der Schweiz angeboten, ist Open Source Software und bietet sehr hohen Datenschutz und End-to-End-Verschlüsselung. Für die Anmeldung reicht die Angabe einer E-Mail-Adresse. Die Erfassung von Nutzerdaten kann in den Einstellungen deaktiviert werden. Somit zählt Wire zu den sichersten Anbietern.

Auch interessant: Per Web-Link können weitere Teilnehmer zur Kommunikation eingeladen werden, ohne dass auf deren Seite eine Installation der Wire-Software notwendig ist.

Hoocer

Von einer deutschen Firma entwickelt, garantierte Hoocer einen hohen Datenschutz und Verschlüsselung, was sich aber leider nicht von unabhängigen Stellen überprüfen ließ, weil die Software nicht als Open Source offen lag. Hoocer zählte aber zu den sichersten Messenger-Diensten und nutzte Server in Deutschland nach deutschem Datenschutzrecht.

Im Zuge der Corona-Pandemie brachen die Finanzierungspartner weg und Hoocer wurde daraufhin im Mai 2020 leider eingestellt.

(wir belassen die Infos zu Hoocer trotz der oben beschriebenen Entwicklung weiterhin in unserer Gegenüberstellung weiter unten)

Wickr Me

Wickr Me wird aus den USA angeboten und bietet hohen Datenschutz, in gewissem Umfang End-to-End-Verschlüsselung und Open Source Software. Doch die Server stehen eben in den USA und unterliegen dort anderen Datenschutzgesetzen und die Daten werden für eine komfortable Synchronisation in der Cloud bereitgehalten, was zumindest theoretisch ein Risiko darstellt.

Signal

Ähnlich wie Wickr Me stehen die Server von Signal Messenger in den USA, aber der Dienst bietet sehr hohen Datenschutz und wirbt zudem mit extremer Datensparsamkeit. Es werden nämlich keine Daten auf den Servern gespeichert. Die App steht für Android, iOS, Windows, Mac, Linux zur Verfügung und ist kostenlos. Der Quellcode liegt offen auf der Plattform Github, die Software ist Open Source.

Zum Leistungsumfang gehören Textnachricht, Sprachanruf, Viodeoanruf, Gruppenchat (allesamt End-to-End verschlüsselt), das Versenden von Fotos, Videos, GIFs und Dateien. In Bildern können Gesichter verpixelt werden, um die Personen unkenntlich zu machen. Auch selbstlöschende Nachrichten sind möglich.

Nach unserer Einschätzung eine der besten WhatsApp-Alternativen. Die Nutzerzahlen stehen allerdings weit hinter denen von WhatsApp und Telegram zurück. Signal boomt insbesondere in Ländern, die für Beschneidung der Menschenrechte, Verfolgung und autoritäre Regierungen bekannt sind. Aber auch Elon Musk, Edward Snowden und die Mitglieder der Europäischen Kommission nutzen Signal. Warum wohl?!

TeleGuard

TeleGuard ist ein relativ junger Messenger aus dem Schweizer Unternehmen Swisscows, der mit höchstem Datenschutz, bester Verschlüsselung und DSGVO-Konformität wirbt. Der Schutz vor Überwachung und Datenmissbrauch ist hier das zentrale Geschäftsmodell. Grundlage hierfür ist allerdings das schweizer Datenschutzrecht. Eine Bindung an die Datenschutzbestimmungen der EU gibt es nicht.

Die Server der App stehen in der Schweiz und es findet keine Speicherung von Nutzerdaten statt. Eine Anmeldung ist ohne personenbezogene Daten möglich. Die App finanziert sich aus Spenden. Aktuell ist Teleguard auf Android und iOS verfügbar, an einer Desktop-Version wird gearbeitet.

Wir halten Teleguard für eine der interessantesten Alternativen und werden sie in Zukunft weiter beobachten. Aktuell ist sie noch nicht vollständig ausgereift und es fehlen noch Funktionen. Zudem erzeugt der extrem konservative Datenschutz deutlichen Mehraufwand beim Aufbau der eigenen Community: Das Finden der eigenen Kontakte über die Telefonnummer wird nämlich bewusst unterbunden. Du musst also manuell jedem Einzelnen eine Einladung zusenden.

 

Messenger Dienste, die eher nicht infrage kommen

Dust

Dust ist ein relativ neuer Anbieter, der sich erst noch entwickeln muss. Es erschien uns noch zu früh, um ihn mit in die engere Auswahl zu nehmen.

Viber

Viber war ursprünglich eher ein Dienst für Telefonie (wie Skype), hat aber mittlerweile den Funktions-Umfang deutlich erweitert. Damit ist er für die Anwendung als Messenger (Text, Audio, Video) mit den anderen Anbietern ebenbürtig.

Allerdings sammelt Viber fleißig Nutzerdaten und bietet eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nur in begrenztem Umfang an. Daher ist die App sicher keine Alternative zu WhatsApp, wenn der Datenschutz im Vordergrund steht.

Snapchat

Snapchat bietet keine Daten-Verschlüsselung an und wurde schon Opfer von Hackern. Auch im Hinblick auf Datenschutz ist dieser Dienst keine ernsthafte Lösung.

iMessage

iMessage ist ein auf iOS beschränkter Nachrichten-Dienst. Somit steht die Nutzung den vielen Android-Nutzern nicht zur Verfügung und ist folglich keine wirkliche Alternative. Denn die meisten deiner Kontakte nutzen sicher Android.

Hike Messenger

Hike hatte/hat? große Sicherheitslücken und konnte/kann? gehackt werden.

WeChat

WeChat kommt aus China und steht im Verdacht, als chinesische Spionage-Software zu agieren. Sollte sich unter dem Druck der von Trump angedrohten Sanktionen ein amerikanischer Käufer finden, hätte WeChat vielleicht wieder eine Perspektive in unserem Ranking. Mal sehen.

Line

Line ist ein japanischer Anbieter, der schon durch Zensur und Lücken im Datenschutz Schlagzeilen machte.

 

Ernst zu nehmende Messenger Dienste im Vergleich

Messenger Dienste

 

 

Fazit zu Messenger Dienste mit Datenschutz

Es gibt tatsächlich einige Instant Messaging Dienste, die in Datenschutz und Verschlüsselung sehr gut aufgestellt sind. Alleine ihnen fehlen die hohen Nutzerzahlen. Das ist für die meisten der Hauptgrund, (noch) nicht zu wechseln.

Zusätzlich brechen im Laufe der Zeit einige wertvolle WhatsApp-Alternativen weg, weil sie von der Konkurrenz verdrängt werden oder weil die Finanzierung zusammenbricht. Das macht den Wechsel zu einem anderen Dienst-Anbieter nicht einfacher.

Entweder du rührst fleißig die Werbetrommel für deinen Favoriten unter den WhatsApp-Alternativen oder du musst abwarten, bis die meisten deiner Kommunikationspartner von sich aus zu einem anderen Anbieter gewechselt sind.

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