Tipps für Radreisen in Tadschikistan

Diese Tipps für Radreisen in Tadschikistan beruhen auf unseren Erfahrungen und Erlebnissen dort im Rahmen unserer Radreise durch Asien. Dabei sind wir, von Usbekistan kommend, über Dushanbe und Khorog in den Pamir-Highway aufgestiegen, weiter über Murgab und den Akbaital-Pass geradelt und haben das Land Richtung Kirgistan wieder verlassen.

Unsere Tipps für Radreisen in Tadschikistan

Anreise und Grenzabwicklung

Du kannst auf dem Landweg oder per Flugzeug anreisen und benötigst ein Visum.

Die Einreise-Formalitäten an der Grenze zu Usbekistan sind einfach und schnell erledigt. Du musst eine Migrations-Deklaration ausfüllen und erhältst den Stempel in den Pass.

Spätestens bis zum 30. Tag musst du dich in Tadschikistan registrieren lassen. In Murgab kostet dich das 33 € und angeblich wollen die Beamten an der Grenze bei deiner Ausreise den betreffenden Beleg sehen.

Achtung: In Khorog wandern bei dieser Registrierung zusätzlich noch weitere 20 Somoni in die Tasche der Beamten.

Am Grenzübergang zu Kirgistan auf 4200 Metern Höhe gibt es lediglich eine kleine Holzbaracke als Grenzstation. Dort wollen die Beamten neben den Pässen auch das GBAO-Permit (die Erlaubnis für die Befahrung des Pamir-Highways) und die Migrations-Deklaration sehen. Doch den Registrierungsbeleg wollten sie hier nicht sehen. Schade ums Geld.

Verständigung

Neben der Landessprache wird vor allem Russisch gesprochen und verstanden. Mit Englisch kommst du nur in den größeren Städten weiter, wenn überhaupt. Ein kleines Basiswissen in Russisch ist also sehr hilfreich.

Du wirst auf Radreisen in Tadschikistan oft gegrüßt. Vor allem die Kids zeigen, dass sie ein wenig Englisch sprechen: „Hello Mister“.

Internet, Telefonie, Stromversorgung

WiFi findest du in den größeren Städten in Hotels und der Gastronomie. In Dushanbe war es auch kein Problem, WiFi in einem Hotel zu nutzen, ohne dort ein Zimmer gebucht zu haben.

In den kleineren Bergdörfern zwischen Khorog und der kirgisischen Grenze wirst du kein WiFi finden. Sei froh, wenn du dort deine Vorräte wieder auffüllen kannst.

Bargeldbeschaffung

In den größeren Städten ist die Bargeldbeschaffung kein Problem. In den Bergdörfern gibt es keine Geldautomaten. Dort kannst du höchstens noch Dollar tauschen.

Lebensmittelbeschaffung

In den Städten ist die Versorgung mit Lebensmitteln kein Problem. Außerhalb der Städte wird es schwieriger. Auf dem Pamir Highway liegen sehr große Entfernungen zwischen den Dörfern und das Angebot in den wenigen, kleinsten Lädchen ist sehr begrenzt. Da musst du tatsächlich gut planen und auf Vorrat kaufen.

Trinkwasserbeschaffung

In den bewohnten Gebieten im Tal ist das Wasser generell nicht genießbar. Probierst du es doch, wirst du in aller Regel bitter bestraft: Es räumt dir den Magen aus und du bist für 3 Tage außer Gefecht. Haben wir selber mehrmals erlitten.

Hier solltest du nur Trinkwasser in Plastikflaschen kaufen oder dein Wasser selber filtern oder abkochen.

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In den Bergen ändert sich die Wasserqualität schlagartig. Dort kannst du bedenkenlos das Wasser trinken. Vor dem Zapfen in den Bergdörfern solltest du die Anwohner aber auf jeden Fall fragen, ob es tatsächlich genießbar ist.

Bikeshops und Service

Es gibt in den größeren Städten zwar Bikeshops, doch die nützen dir in der Regel nicht sehr viel, weil die Fahrradtechnik in Tadschikistan auf alte russische Technik beschränkt ist.

Am besten bringst du deine Ersatzteile und dein Werkzeug schon bei der Einreise ins Land mit. Oben in den Bergen musst du dir sowieso selber helfen können.

Straßen

Im Flachland im Bereich Dushanbe haben die Straßen eine hervorragende Qualität. Hier macht das Radeln Spaß.

Die nördliche Verbindung von Dushanbe nach Khorog besteht überwiegend aus Schotter und ist sehr anstrengend: loser Schotter, zum Teil geröllartig, und viele Anstiege, wenn auch immer nur sehr kurz. Landschaftlich ist diese Strecke jedoch eines der größten Highlights auf Radreisen in Tadschikistan.

Die südliche Verbindung zwischen Dushanbe und Khorog ist asphaltiert und deutlich einfacher zu befahren, landschaftlich aber nicht so reizvoll wie die Nordroute.

Der Weg durchs Pamir-Gebirge von Khorog über Alichur, Murgab und Karakul führt über sehr guten Asphalt und enthält nur selten anstrengende Aufstiege. So verläuft auch der Anstieg aufs Hochplateau bis auf 3700 Metern Höhe mit einem kontinuierlichen, mäßigen Anstieg. Das erleichtert die Höhenanpassung im Aufstieg.

Eine Ausnahme bildet lediglich eine 20 km lange Schotterpiste mit Waschbrettprofil zwischen dem Akbaital-Pass und dem Karakul-See. Diese Passage ist tatsächlich wieder sehr anstrengend per Reiserad, insbesondere wegen der dünnen Luft.

Den gesamten Pamir-Highway inclusive Visa- und GBAO-Permit-Beschaffung, Registrierung, Kartenmaterial und der Höhenanpassung haben wir in einem separaten Artikel sehr detailliert beschrieben:
Der Pamir-Highway.

Verkehr

Die Tadschiken sind so freundlich und liebenswert, doch auf der Straße (vor allem in den Städten) machten sie dir beim Radeln das Leben zur Hölle. Sie kündigen per Hupe ihren Anflug an und brettern dann so dicht an einem vorbei, dass du Angst um seine Ellbogen bekommst.

In Dushanbe ist es besonders gefährlich: dort teilen sich Radler die rechte Spur mit den unzähligen Kleinbussen und Taxis, die dich immer gleich nach dem Überholen schneiden und dann voll in die Bremsen steigen, um Fahrgäste ein- oder aussteigen zu lassen. Du hast kaum Spielraum, auszuweichen. Da hilft oft nur noch die Vollbremsung.

Orientierung

Die Beschilderung ist außerhalb der Wohngebiete sehr mager und du kannst auch nur selten jemanden nach dem Weg fragen, weil es auf vielen Strecken kaum Verkehr gibt. Doch mit GPS und Offlinekarte im Handy kommst du gut zurecht.

Für den Pamir-Highway empfiehlt sich eine detailliertere Karte als Ergänzung. Das erleichtert dir die Planung deiner Einkäufe und Schlafstätten. Alle Infos zur besten Karte und den Beschaffungsquellen findest du ebenfalls in dem Artikel über den Pamir-Highway.

Unsere Tipps zu Navigation und Orientierung per Handy:
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Geländeprofil

Im Osten von Dushanbe windet sich die Straße (Nordroute) durch tief ins schroffe Gebirge eingeschnittene Flusstäler bis nach Khorog. Ab da erheben sich die Berge des Pamir-Gebirges. Dort führt die Straße dann hoch bis auf ein Hochplateau zwischen 3700 und 4000 Metern Höhe. Einige Pässe liegen auf dieser Strecke Richtung Kirgistan: so erreichst du bis zu 4655 Metern Höhe. Die Berglandschaft auf dem Hochplateau ist bei weitem nicht mehr so schroff, sondern besteht eher aus sanften Hügeln. Dennoch hat die Landschaft ihren besonderen Reiz, alleine wegen der Höhe.

Radeln

Wer Radreisen in Tadschikistan plant, will in die Berge und liebt das Abenteuer, daran besteht kein Zweifel. Du solltest schon etwas Erfahrung mit Radreisen haben, wenn du dich nach Tadschikistan begibst. Insgesamt ist Tadschikistan ein traumhaftes Revier für Radreisen. Aber die Schotterpiste im Gebirge und die Höhe machen das Vorwärtskommen sehr anstrengend.

Auf dem Pamir Highway bist du nicht der einzige Reiseradler. Du wirst fast täglich Radler aus den verschiedensten Ländern treffen und kannst dich über Strecke und andere wichtige Punkte austauschen.

Diese Strecke hat von Dushanbe bis zur kirgisischen Grenze eine Länge von 1100 km und enthält in Summe über 13.000 Höhenmeter. Der höchste Punkt dieser Straße liegt auf 4655 Metern Höhe.

Trampen

Die gesamte Reisestrecke durch Tadschikistan ist viel zu schön, um sie per Trampen zurückzulegen. Doch wenn du ein Problem mit dem Fahrrad oder anderen Dingen hast, kann es sehr hilfreich sein, per Auto mitgenommen zu werden.

Nach unserer Einschätzung ist das Trampen kein Problem: Die Tadschiken sind sehr hilfsbereit und es gibt viele Klein-LKWs und einige Pickups, ideale Fahrzeuge für eine Mitnahme. Es könnte höchstens auf dem Pamir-Highway am spärlichen Verkehr scheitern: Es sind dort täglich nicht mehr als 20 Fahrzeuge auf der Strecke unterwegs.

Unsere Tipps zum Trampen: Trampen auf Radreisen.

Zelten und alternative Übernachtungsplätze

Grundsätzlich ist das Zelten überall möglich, doch auf manchen Passagen musst du erst einmal ein geeignetes Fleckchen Erde finden. So ist es im Bereich zwischen Dushanbe und Khorog z.B. sehr schwierig: dort ist die Schotterpiste auf weiten Strecken zur einen Seite durch den Fluss, zur anderen Seite durch den steilen Felshang begrenzt.

Von Vorteil ist hier auf alle Fälle, wenn du ein Zelt besitzt, das selbständig ohne Häringe steht. Dann macht dir der felsige Boden schon mal keine Probleme mehr.

Im Hochplateau auf dem Pamir Highway bereitet die Suche nach einem geeigneten Platz weniger Probleme. Aber dort findest du keinen Windschutz weit und breit.

Manchmal wird man eingeladen, wenn man am Straßenrand Pause macht oder auf der Suche nach einem Zeltplatz ist. In mancher Gegend war nicht immer sofort erkennbar, ob die Gastgeber dann Geld dafür haben wollten.

Sicherheit auf Radreisen in Tadschikistan

Auf Radreisen in Tadschikistan wirst du über weite Strecken dicht an der Grenze zu Afghanistan entlang radeln. Der Flusslauf entlang der Straße bildet hier die Grenze.

Bis zum 29.07.2018 galt diese Strecke als ungefährlich, solange man sich nicht auffällig verhält und fürs Zelten einen Platz bezog, der nicht im Sichtbereich afghanischer Grenzbeamten liegt. Doch am 29.07.2018 wurden auf dem Pamir-Highway 4 Reiseradler durch IS-Aktivisten getötet. Es ist seitdem schwierig, das Risiko bei einer zukünftigen Befahrung zu bewerten (in deutschen Städten sind ja auch Anschläge verübt worden).

Gesundheitsgefahren

Für Tadschikistan werden Impfungen empfohlen. Kontaktiere hierfür rechtzeitig einen Tropenmediziner.

Unsere Tipps zu den Impfungen: Reise-Impfungen im Überblick.

Manche Speisen werden in Tadschikistan mit Cottonöl gegart. Das kann bei Unverträglichkeit zu Problemen führen, weil durch die hohe Hitze Giftstoffe im Öl entstehen.

Sobald du in die Bergwelt aufsteigst, musst du ab 2000 Metern Höhe eine kontrollierte Höhenanpassung eine Tagesplanung mit einbeziehen. Steigst du zu schnell zu hoch auf, kann das gesundheitliche Probleme mit sich bringen. Wir haben die Höhenanpassung für den Pamir Highway sehr detailliert beschrieben in den Reiseinfos Tadschikistan.

Unsere Tipps zur Höhenanpassung.

Klima

Im Tal herrscht subtropisches Klima, in den Bergen hochalpines Klima.

Für die Befahrung des Pamir Highway kommen lediglich die Sommermonate Juli bis September infrage: außerhalb dieses Zeitfensters steigt das Schnee- und Frost-Risiko in den hohen Lagen.

In den tiefer liegenden Landesteilen sind die nicht so heißen Zeiten von April bis Juni und von September bis November geeignete Reisezeiten.

Im Hochgebirge kann dir der starke Wind das Radfahren schon mal zur Hölle machen. Dann hilft nur: Zelt aufbauen und abwarten.

Kultur

Das Leben in den Bergen ist sehr einfach und ohne viel Komfort. Du wirst entlang deiner Route möglicherweise zu einer Rast mit Mahlzeit eingeladen. Dann ist es hilfreich, wenn du die Regeln kennst:

  • Nase putzen zu Tisch ist absolut verboten.
  • Rülpsen und Schmatzen ist dagegen erlaubt.
  • Brot nie mit der Oberseite auf den Boden legen.
  • Nie auf die Ess-Decke (Dastarkhon) treten.
  • Schuhe ausziehen, wenn man eine Wohnung betritt.
  • Als Gast nie das Brot brechen und Tee ausschenken, das übernimmt immer dieselbe Person am Tisch.
  • Als Gast nach dem Essen etwas Geld unter den Dastarkhon legen.
  • Menschen vor dem Fotografieren fragen.

Sehenswürdigkeiten

Das Highlight Tadschikistans ist sicherlich das Pamir-Gebirge. Aber auch die Hauptstadt Dushanbe hat ihren Reiz, wenn die Regierung auch viele sehenswerte Bauwerke hat abreißen lassen, um monumentalen Prunkbauten den nötigen Platz zu verschaffen.

Auf dem Pamir-Highway ist vor allem die (nördliche) Strecke von Dushanbe bis Khorog absolut sehenswert.

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