Die besten Fahrrad-Packtaschen für Radreise und Fahrradtour

Wenn man sein Reisegepäck auf Radreisen dauerhaft gegen die Witterung schützen will, kommt man an wasserdichten Fahrrad-Packtaschen kaum vorbei. Hier gibt es mittlerweile einige Anbieter; zu den bekanntesten zählen Ortlieb, Vaude, Brooks und Rixen & Kaul.

Eine interessante Variante ist der polnische Hersteller Crosso. Er bietet ebenfalls wasserdichte Packtaschen und 2 verschiedene Trägersysteme. Hier lassen sich gegenüber den anderen Anbietern locker 30 – 40 % im Preis sparen, wenn man mit einem einfacheren Trägersystem zufrieden ist. Allerdings sollte man die Taschen dann nicht bei Amazon kaufen, sondern  direkt bei www.crosso.net, sonst ist der Preisvorteil dahin.

Die Konstruktion der Fahrrad-Packtaschen unterscheidet sich teilweise nur marginal. Trotzdem lohnt es sich, die verschiedenen Produkte zu vergleichen. Schließlich hat jeder individuelle Erwartungen an Trägersystem, innenseitige Aufteilung, Verschlusssystem, Gewicht, Farbe oder andere Details.

Welche Produkte nutzen wir auf unseren Radreisen?

Wasserdichte Fahrrad-Packtaschen

Wir nutzen an beiden Rädern seit Jahren die Front- und Backroller von Ortlieb sowie die Ortlieb-Lenkertasche. Zusätzlich haben wir einige wasserdichte Packsäcke (dünnes, leichtes PS10 sowie dickes, schweres PS21 Material) für unsere Schlafsäcke, die Schlafmatten und die Crazy Creek – Faltsitze im Einsatz.

Der Vorteil vom Rollverschluss

Für die Fahrrad-Packtaschen mit Rollverschluss (Ortlieb Front- und Backroller) haben wir uns entschieden, weil sie absolut wasserdicht und staubdicht verschlossen werden können. Das ist für Flussüberquerungen, Wüstengebiete und staubige Pisten wichtig.

Allerdings ist diese Dichtheit mit zunehmendem Verschleiß an dem Außenmaterial der Fahrrad-Packtaschen nicht mehr gewährleistet. Gut zugängliche Stellen lassen sich per Reparatur abdichten (siehe unten), aber z.B. die seitlichen Falzkanten werden durch das tägliche Einrollen mit der Zeit löchrig.  Hier sind Reparaturen sehr schwierig bis unmöglich.

Trotzdem ist der Rollverschluss für uns die beste Verschluss-Variante. Wenn es nicht gerade regnet, kann man diese Taschen zur Not nämlich auch wesentlich höher voll packen und halt nur mit einer Umdrehung oder sogar quasi offen lassen und lediglich mit dem Quergurt verschließen. Das ist sehr praktisch, wenn man nach einem größeren Einkauf nur mal eben alles schnell verpacken möchte um seine Reise zügig fortsetzen zu können.

Bei gutem Wetter verzichten wir auch seit langem auf die zusätzliche Befestigung des langen Riemens. Das erleichtert das Handling noch ein Stück mehr.

Die wasserdichte Lenkertasche

Um in der Lenkertasche (Ortlieb, erste Generation) den Überblick nicht zu verlieren, haben wir uns ein Ordnungssystem selbst gebaut: 3 beweglich eingesteckte Zwischenwände aus leichter Stegplatte sorgen dafür, dass nicht alles durcheinander fliegt.

Allerdings funktioniert dieses Ordnungssystem nur auf gut ausgebauten Straßen und Wegen. Sobald grobe Schotterpisten oder Kopfsteinpflaster befahren werden, verliert das Ordnungssystem seine Funktion. Auf unserer großen Radreise um die Welt hatte dieses System spätestens in Usbekistan seinen Sinn verloren. Wegen der miesen Straßen.

Unsere Lenkertaschen nehmen nicht nur die Wertsachen, sondern auch unser Zzing Ladegerät und die Kameras auf. Damit wird die gesamte Lenkertasche natürlich ziemlich schwer. Um das Haltesystem der Tasche hierbei deeutlich zu entlasten, stützen wir die  Tasche von unten mit einer Eigenbau-Kostruktion ab.

Unser Tipp zur Eigenbau-Stütze und anderen Eigenbau-Lösungen: ist man einmal auf Reise, ist es nur sehr schwer bis unmöglich, sich selber eine solche Konstruktion zu bauen. Es fehlt entweder das passende Material oder auch das notwendige Werkzeug. Also am besten vor Beginn der Radreise Fahrrad und Ausrüstung durchgehen und solche sinnvollen Ergänzungen vor dem Reisestart anfertigen und testen.

Der Verschleiß an den Fahrrad-Packtaschen

Durch die intensive Nutzung der Fahrrad-Packtaschen und Packsäcke im rauen Radreise-Alltag tritt natürlich mit der Zeit Verschleiß in Erscheinung. Nutzt man seine Packtaschen jährlich lediglich für ein paar Wochen, dann halten diese Taschen sehr lange. Sie sind schließlich sehr robust in Aufbau und Material.

Doch auf einer Langzeit-Radreise über Monate oder gar Jahre und auf Reisen in extremen Klimaverhältnissen (Frost, Wüste, Hochgebirge) leidet das Material der Packtaschen zwangsläufig deutlich intensiver und schneller. Ein ganz natürlicher Prozess.

In unserem Fall sieht die aktuelle Bilanz bei unseren Packtaschen aus wie folgt:

  • die Bodenfläche bekommt im Laufe der Zeit Löcher
  • die Einhängehaken leiern aus
  • die Einsätze in den Einhängehaken gehen verloren
  • die Federarme an den Klipsverschlüssen brechen ab
  • durch das Einrollen bricht das Material an den Falzkanten
  • die Verschraubungen auf der Rückseite lösen sich und die Schrauben gehen verloren.

In Summe klingt das sehr extrem. Doch es relativiert sich, wenn man berücksichtigt, dass wir persönlich unsere Packtaschen mittlerweile über 3 Jahre im Dauereinsatz haben.

Für ambitionierte Reiseradler auf großer Tour sind solche Erfahrungswerte aber realistisch. Wenn man die sensiblen Zonen seiner Packtaschen kennt, kann man durch entsprechendes Verhalten den zu erwartenden Verschleiß deutlich hinaus zögern. Insofern helfen unsere Erfahrungen mit den Packtaschen vielleicht unseren Lesern.

Doch auch mit zunehmendem Verschleiß sind die Packtaschen nicht mit einem Schlag unbrauchbar, sondern können mehr oder weniger professionel repariert werden. Desweiteren bieten die Hersteller auch passende Ersatzteile an, die aus dem Service nachbestellt werden können.

Reparaturen an den Fahrrad-Packtaschen

So ist es für uns sehr beruhigend, zu wissen, dass auch Ortlieb einen Reparaturservice bietet: einfach alles einsenden und Ortlieb repariert die Gegenstände und bietet gute Konditionen für den Kauf neuer Artikel, wenn die Schäden einmal irreparabel sein sollten und nicht mehr unter die Gewährleistung fallen. Für uns war dieser gut organisierte Reparatur-Service mit ausschlaggebend bei der Produkt-Wahl seinerzeit.

Auf unserer großen Radreise um die Welt können wir diesen Service allerdings nicht wirklich nutzen. Da helfen wir uns selber und improvisieren:

Die rückseitigen Verschraubungen

Verliert men eine der Schrauben, dann muss das sehr zeitnah repariert werden, weil andere Teile jetzt stärker belastet werden. Wir ersetzen die gesamte Schraubverbindung dann durch eine Standard-Schraube mit metrischem Gewinde und einigen Unterlegscheiben. Idesl sind in diesem Verbund selbsthemmende Muttern. Nachdem uns 2 Schrauben verloren gegangen waren, haben wir alle Verschraubungen an unseren Fahrrad-Packtaschen mit Tape von außen gesichert. Das hält zwar nicht ewig, ist aber ein guter provisorischer Schutz gegen Verlust weiterer Schrauben.

Das spezielle Schrauben-System an unseren Ortlieb-Packtaschen halten wir übrigens für keine gute Lösung. Es kann nicht sein, dass sich Schraubverbindungen durch das Gerüttel auf schlechten Straßen von selber losrütteln.

Löcher in den Fahrrad-Packtaschen:

Entdecken wir Löcher im Material, reparieren wir sie mit Fahrrad-Flickzeug von innen und ggf. zusätzlich von außen. Das hält einigermaßen, auch wenn die Gummilösung bei dem Packtaschen-Material nicht so effektiv anlöst wie beim Fahrradschlauch.

Meistens entstehen solche Löcher in der Bodenfläche. Dieser Bereich wird mit Abstand am stärksten belastet (Abstellen der Taschen auf harten, steinigen Höden). Dieser Verschleiß lässt sich jedoch hinauszögern, wenn man keine harten Gegenstände mit direktem Kontakt zum Packtaschen-Boden transportiert. Eine dünne, feste Schaumstoffeinlage in der Packtasche hält solche harten Gegenstände auf Distanz zum Boden.

Löcher an der Bodenfläche im Bereich nahe der rückseitigen Versteifungsplatte sind nur sehr schwer zu reparieren. Diese Ecken sind nicht wirklich gut zugänglich von innen und all unsere Versuche, dort zu reparieren, verliefen sehr enttäuschend.

Löcher oder Abschürfungen an den Seitenflächen entstehen bei uns des öfteren an den Lowrider-Packtaschen im unteren Bereich. Durch die 26″-Laufräder an unseren Reiserädern hängen diese Packtaschen bei uns deutlich tiefer als bei den größeren 28″-Laufrädern. Und somit streifen wir mit den Packtaschen manchmal ungewollt an sehr hohen Bordsteinkanten entlang. Hier hilft zur Not als Prophylaxe ein breiter Streifen Textil-Klebeband, der sich aber im Laufe der Zeit durch intensive Sonneneinstrahlung wieder löst.

Viel schlimmer als ein paar kleine Löcher sind allerdings große Risse über mehrere cm im Material. Diese entstehen schnell, wenn man während der Fahrt  irgendwo an scharfen Gegenständen hängenbleibt oder (wie bei mir in Indien passiert) als Unschuldiger in einen Unfall mit einer Fahrrad-Rikscha verwickelt wird.

Hier hilft am besten eine Reparatur mit einem entsprechend großen Stück altem Fahrradschlauch und der Gummilösung oder noch besser: Pattex-Kleber.

Haken

In den Einhängehaken der Packtaschen befinden sich Adapter-Einsätze, mit denen eine individuelle Anpassung der Haken an den jeweiligen Stangendurchmesser am Gepäckträger stattfindet. Ortlieb z. B. liefert hierfür zu jeder Packtasche drei verschiedene Größen als Set.

Wir wussten aus Erfahrung, dass diese Haken mit der Zeit durch die permanente Gewichtsbelastung und vor allem durch Stürze ausleiern. Und dann haben diese Einsätze keinen Halt mehr und gehen unbemerkt verloren. Das hat keine dramatischen Folgen, ist aber nicht gerade förderlich für einen guten Festsitz der Packtaschen am Gepäckträger.

Wir haben uns daher schon vor Reisestart bei Ortlieb die passenden Ersatzteile schicken lassen und führen sie in unserem Ersatzteil-Paket mit uns.

Klipsverschlüsse

Die Klipsverschlüsse an den Riemen verspröden mit der Zeit wegen der ständigen Einwirkung der Sonnenstrahlung. Das Material ermüdet und die Federarme brechen weg.

Solange nur einer der beiden Federarme gebrochen ist, lässt sich der Verschluss noch einwandfrei nutzen. Und für einen Austausch haben wir 2 spezielle Ersatzklipse von Ortlieb im Gepäck. Diese lassen sich in den Riemen einfügen, ohne dass man das Riemenband dafür aufschneiden muss. Sehr praktisch.

Unsere Tipps, um den Verschleiß hinauszuzögern

Die Bodenfläche der Taschen: Harte Gegenstände nicht direkt auf den Taschenboden stellen. Besser erst eine Polsterlage aus Stoff oder Schaumstoff auslegen. Dann scheuert das Außenmaterial nicht so schnell durch, wenn man seine Packtaschen häufig auf harten Böden (Asphalt, Schotter) abstellt.

Die Taschen nie prall voll packen. Denn sonst verbiegt sich im Laufe der Zeit die Leiste auf der Rückseite, an der das Hakensystem montiert ist. Das ist zwar nicht tragisch, erschwert aber das Handling beim Ein- und Aushängen.

Alle von außen sichtbaren Schraubenköpfe mit Tape abkleben und somit gegen den Verlust schützen. Diese Schrauben lockern sich mit der Zeit unbemerkt, wenn man oft auf schlechten Straßen unterwegs ist.

Unsere Empfehlung zum Außenmaterial: glattes Material ist besser zu reinigen als die Modelle mit der textilen Kaschierung. Warum ist das wichtig? Weil irgendwann der erste Hund an die Taschen pinkelt, um sein Revier zu markieren. Und diese Duftnote bekommt man trotz intensivster Reinigung aus der textilen Kaschierung nie wieder vollständig ausgewaschen. Folglich bilden die kontaminierten Taschen für alle Ewigkeit eine Einladung für weitere Hunde, ihrerseits ebenfalls eine Duftnote zu platzieren (unsere Erfahrung in Indien, Thailand, Laos, Kambodscha, Malaysia und Indonesien. Überall dort, wo halt wilde Hunde herum streunen).

Die Gängigkeit der Haken: Aus dem Reifenprofil im Vorderrad rieselt bei sandigem Untergrund gerne auch Sand auf die vorderen Packtaschen am Lowrider. Das kann zum Blockieren der Haken-Gelenke führen und diese auf Dauer zerstören. Also am besten regelmäßig den Sand aus den Haken ausblasen und die Gängigkeit der Scharniere testen.

Befestigung der Packsäcke auf dem Reiserad

Zur Befestigung der Packsäcke auf den hinteren Fahrrad-Packtaschen nutzten wir in der Vergangenheit normale Fahrrad-Expander, die jedoch nach 7 Monaten Dauereinsatz in Großbritannien schon ziemlich ausgeleiert waren.

Seitdem verwenden wir selbsterstellte Expander aus Gummiseil mit 5 mm Durchmesser in Industrie-Qualität (@ Guido: vielen herzlichen Dank!).

Nach insgesamt 3 Jahren auf Radreise haben wir nun auch die ursprünglichen, schweren Spiralhaken aus Stahl gegen leichte Kunststoffhaken ersetzt. Das reduziert das Gepäckgewicht und die Gefahr, durch die scharfen Enden an den Metallhaken die eigenen Packsäcke zerlöchern.

Man findet diese Plastikhaken im Segelsport für kleines Geld und muss lediglich eigenhändig an der Spitze ein Stück abschneiden, damit die Haken an den Stangen des eigenen Gepäckträgers passen. Den Knoten im Gummiseil versenkt man in der dafür vorgesehenen Aussparung im Haken und fixiert ihn mit Heißkleber. Fertig.

Weitere Infos zur Ausrüstung für Radreisen

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