Tipps für Radreisen in Paraguay

Diese Tipps für Radreisen in Paraguay beruhen auf unseren Erlebnissen dort im Rahmen unserer Radreise durch Südamerika. Dabei sind wir, von Brasilien kommend, im Nordosten bei Ciudad del Este eingereist, über Santa Rita, Hohenau und Trinidad bis nach Encarnacion geradelt und haben Paraguay Richtung Argentinien wieder verlassen.
Unsere Tipps für Radreisen in Paraguay:

Anreise und Grenzabwicklung

Paraguay erlaubt 3 Monate Aufenthalt ohne Visum. Dabei verlaufen die Grenz-Formalitäten sehr schnell und unkompliziert: in 3 Minuten ist der Stempel im Pass und die Einreise ist vollzogen.

Bei der Ausreise kann es etwas länger dauern. Denn bei der Einreise in die Nachbarländer wird sehr intensiv nach Drogen im Gepäck gesucht. In Paraguay ist der Genuss von Cannabis erlaubt und das Land zählt zu den größten Produzenten dieser Droge.

Reiseradler winken sie in der Regel durch, aber der Stau vor dem Grenzübergang wird dir unter Umständen nicht erspart bleiben.

Verständigung

Es wird spanisch oder Guarani gesprochen. Englisch ist nur selten vertreten. Dagegen triffst du in mancher Region ungewöhnlich viele Einwanderer aus Deutschland, mit denen du dich in deiner Landessprache unterhalten kannst.

Trotzdem solltest du ein Basisrepertoire an Spanisch drauf haben. Dann klappt die Verständigung einigermaßen gut. Vor allem die Zahlen sind wichtig. Denn in manchem Lebensmittelladen sind die Preise nicht ausgezeichnet. Wenn du dann nach dem Preis fragst, musst du die Antwort natürlich auch verstehen können.

Internet, Telefonie, Stromversorgung

Die Telefonanbieter Claro, Personal und Tigo teilen sich den Markt. SIM-Karten sind preiswert, Telefonate innerhalb des Landes und SMS ebenfalls. Telefonate ins Ausland kosten 3 Euro/min. Die Nutzung von WhatsApp ist meist kostenlos integriert.

WiFi findest du an Tankstellen und in Hotels und der Gastronomie. Die Internet-Verbindung hat auch immer wieder Aussetzer für mehrere Minuten.

Bargeldbeschaffung

Die Bargeldbeschaffung am Geldautomaten ist ein ähnliches Abenteuer wie in Argentinien. Nicht selten musst du mehrere Geldautomaten ansteuern, bis eine Transaktion endlich erfogreich verläuft.

Lebensmittelbeschaffung

In den Städten ist die Versorgung sehr gut. Es gibt Supermärkte, kleine Läden und Straßenstände mit Obst, Gemüse oder der Straßenküche.

Als Süßungsmittel kommt oft Stevia anstelle von Zucker zum Einsatz.

Mehr Infos über Stevia.

Trinkwasserbeschaffung

Das Wasser hat nicht überall Trinkwasser-Qualität. Sicherheitshalber solltest du nachfragen, bevor du deine Flaschen auffüllst.

Überall im Land findest du auch Heißwasserspender, an denen du für kleines Geld Wasser zapfen kannst. Das ist der Mate-Kultur in Paraguay geschuldet.

Mehr Infos über Mate in Südamerika.

Bikeshops und Service

Es gibt in den größeren Städten Bikeshops mit guten Komponenten. Allerdings sind die Preise deutlich höher als in der Heimat und das Angebot weist unter Umständen Lücken auf. Daher solltest du deine Ersatzteile und dein Werkzeug schon bei der Einreise dabei haben, dann bist du autark.

Straßen

Außerhalb der Städte sind die Hauptstraßen asphaltiert. Es gibt dabei allerdings gute Straßen (mit Seitenstreifen) und schlechte Straßen (ohne Seitenstreifen oder mit unbrauchbarem Seitenstreifen). Ein gut befahrbarer Seitenstreifen entscheidet tatsächlich über das Wohlbefinden beim Radeln:

Innerhalb der Städte haben sie in Paraguay ein ungewöhnlich holpriges Natursteinpflaster verlegt. Das fährt sich mit Fahrrad, ganz gleich, ob mit oder ohne Gepäck, sehr unangenehm und ist ein echtes Hindernis, wenn du durch die Stadt navigierst.

Auch sehr angenehm: in den Städten sind die Straßennahmen an jeder Kreuzung sehr deutlich ausgeschildert.

Verkehr

Der motorisierte Verkehr kennt in Paraguay keinen Seitenabstand beim Überholen. Und sie bremsen auch nicht für Radfahrer. Folglich ist es für Radfahrer auf den Straßen ohne Seitenabstand extrem gefährlich.

Es ist auch üblich, sich per Hupe die freie Fahrbahn zu erzwingen. Das belastet beim Radeln enorm. Räumst du nicht rechtzeitig die Fahrbahn, fahren sie dich tatsächlich über den Haufen.

Hinzu kommen die motorisierten Zweiräder. Sie halten ebenfalls keinen Seitenabstand ein und du hörst sie je nach Windrichtung tatsächlich erst, wenn sie dich schon überholen. Und dann fährt dir der Schreck in die Glieder. Auf Straßen mit Randstreifen fährt es sich dagegen sehr entspannt in Paraguay.

Orientierung

Mit GPS und Offline-Karte im Handy sind Navigation und Orientierung kein Problem. Unsere Tipps zur Navigation per Handy:
Fahrrad Navigation und GPS Logger per Handy – offline und kostenlos.

Radeln

Hat die Straße einen Seitenstreifen, ist das Radeln angenehm und entspannt. Gibt es keinen Seitenstreifen, wird es für Radler gefährlich. Nachts solltest du gar nicht radeln. Das ist glatter Selbstmord: du erkennst die Schlaglöcher nicht mehr und wirst vom Gegenverkehr geblendet, weil sie alle mit Fernlicht fahren. Du kannst Entfernung und Geschwindigkeit nicht mehr sicher abschätzen und mancher Autofahrer fährt nur mit einem Scheinwerfer.

Beim Grenzübergang Paraguay-Argentinien im Südosten führt eine Brücke von der paraguayischen Stadt Encarnacion über den Rio Paraná nach Posades in Argentinien. Die Befahrung dieser Brücke ist für Radfahrer verboten. Du musst hier auf den öffentlichen Bus ausweichen oder dich per Trampen mitnehmen lassen (was bei uns einwandfrei funktioniert hatte).

Rechne an diesem Grenzübergang mit einem längeren Stau auf der Brücke. Denn an der Grenzstation auf der anderen Seite des Ufers kontrollieren sie sehr intensiv auf Drogen. Du stehst als Reiseradler zwar nicht im Focus der Beamten, doch durch die Mitnahme in einem Auto stehst du hier zwangsläufig ebenfalls im Stau.

Trampen

Trampen klappt sehr gut auf Radreisen in Paraguay. Die Wartezeiten sind meist sehr gering und es gibt viele Pickups, die für eine Mitnahme von Fahrrad samt Gepäck geeignet sind.
Unsere Tipps zum Trampen: Trampen auf Radreisen.

Zelten und alternative Übernachtungsplätze

Zelten ist auf Radreisen in Paraguay ohne Probleme möglich. Doch wegen einiger giftiger bzw. aggressiver Schlagen im Land solltest du aufpassen, wo du dein Zelt aufschlägst. Frage die Einheimischen vor Ort; die wissen, ob Gefahr droht.

Alternativ gewähren in einigen Städten die Bomberos Voluntarios (Freiwillige Feuerwehr) den Radreisenden eine Übernachtung.

Die Inanspruchnahme privater Übernachtungs-Netzwerke wie Warmshowers oder Couchsurfing ist ebenfalls eine Option, doch in vielen Regionen des Landes sind kaum Mitglieder gemeldet. Selbst in Ciudad del Este, einer der größten Städte des Landes, benötigten wir 6 Anläufe, um eine Bleibe zu finden.

Sicherheit auf Radreisen in Paraguay

Paraguay ist nicht ungefährlich. Darauf deuten die vielen Überwachungskameras und die Hochsicherheits-Einzäunungen vieler Häuser bzw. Grundstücke hin. Auch Banken, Läden, Supermärkte und alle öffentlichen Einrichtungen werden permanent durch Wachpersonal mit schweren Waffen gesichert.

Es gibt immer wieder Konflikte zwischen den Drogen-Kartellen und in den Städten wird vor Diebstahl und Raubüberfällen gewarnt.

Gefährliche Tiere

Es gibt lästige Pferdefliegen (die Tabanos), die an warmen Tagen um dich herum schwirren und auch beißen. Sie fliegen dir hemmungslos ins Gesicht und können auf Dauer ganz schön nerven.
In Paraguay gibt es auch einige sehr gefährliche Schlangen: die Klapperschlange, die Korallenschlange (sehr giftig, aber nicht aggressiv) und die sehr aggressive Jararaca-Lanzenotter, die einem auch gerne hinterher springt.

Informiere dich bei den Anwohnern vor Ort über mögliche Gefahr, bevor du dein Zelt aufschlägst.

Gesundheitsgefahren

Für Paraguay werden Impfungen empfohlen. Kontaktiere einen Tropenmediziner und plane die Impfungen rechtzeitig ein. Kläre auch deinen Schutz gegenüber Krankheiten, ´gegen die es keine Impfungen gibt.

Unsere Tipps zu den Impfungen: Reise-Impfungen – ein Überblick.

Halte dich an die üblichen Regeln der Hygiene (Hände waschen, Fliegen vom Essen fern halten, ….)

Klima

Im Sommer ist es sehr heiß, im Winter mitunter nass-kalt. Auffällig sind die extremen Temperatursprünge: so kann es innerhalb eines Tages um 20 ° asbkühlen.

Sehr unangenehm ist die hohe Luftfeuchtigkeit im Winter, meist in Verbindung mit einem starken Wind. So liegt die empfundene Temperatur deutlich unter der tatsächlichen Temperatur.

Kultur

Die Menschen in Paraguay sind glücklich und zufrieden. Sie wirken bei allem, was sie tun, sehr entspannt. Pünktlichkeit ist ihnen nicht so wichtig. Das betrifft auch Bus, Bahn und Flüge.

Sehenswürdigkeiten

Die ungewöhnlich junge und stark wachsende Stadt Ciudad del Este ist sicher einen Besuch wert. Schon alleine wegen der Nähe zum Besichtigungs-Highlight Itaipu Binacional, einem der größten Wasserkraftwerke der Welt.

Ein weiteres Highlight sind die Ruinen der ehemaligen Jesuitenreduktionen. Es existieren heute auf paraguayischer Seite noch 7 dieser Einrichtungen, unter anderem

  • La Santísima Trinidad
  • Jesús de Tavarangüe
  • San Cosme y San Damián.

Wir haben diese Missionsstationen besichtigt und in einem Artikel detailliert beschrieben:
Die Jesuitenreduktionen in Südamerika.

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