Mate – das Kultgetränk in Südamerika

Man sieht die Menschen in Südamerika mit einem kleinen, dunkelbraunen Trinkgefäß und einer Thermoskanne voll heißem Wasser zu jeder Tageszeit und an jedem Ort: sie trinken ihren Mate.

Mate? Klar, kennen wir doch aus der Heimat: Matetee gibt es schließlich in jedem gut sortierten Supermarkt. Doch wir irren uns. Mate in Südamerika ist etwas ganz anderes.

Es ist ein Aufgussgetränk, dass in Argentinien, Paraguay und Uruguay durchaus als Nationalgetränk bezeichnet werden könnte. Es ist nicht nur ein Getränk, sondern eine Hochkultur. Wir waren im Rahmen unserer Radreise noch keine 2 Tage in Argentinien, da war uns das schon bewusst. Mate schmeckt recht herb und ist bestimmt nicht jedermanns Sache. Doch die  damit verbundene Kultur ist bemerkenswert.

Unser Versuch, diese Kultur zu beschreiben und ein Blick in die Vergangenheit:

Was genau ist Mate

Es ist ein Aufgussgetränk. Die getrockneten, geschnittenen Blätter des Matestrauchs werden mit heißem (nicht kochendem) Wasser aufgegossen. Dabei entfalten die Blätter ihr Aroma und geben ihre Inhaltsstoffe an das Wasser weiter. Zu diesen Inhaltsstoffen gehören unter anderem Mineralien und eine koffeinähnliche Substanz, die aber deutlich gesünder sein soll als Koffein.

Der Begriff Mate (ursprünglich Mati) kommt aus der Quechua (eine der nativen Sprachen in Südamerika) und bedeutet Kürbis. Denn die indigene Bevölkerung nutzte den ausgehöhlten, oberen Teil des Flaschenkürbis seinerzeit als Trinkbecher.

Genau dieser Flaschenkürbis (Calabaza) hält auch heute noch als Trinkgefäß her. So heißt das Mate-Trinkgefäß eben „Kalebasse“ oder „Calabaza“ und besteht in den meisten Ausführungen aus dem ausgehöhlten Kürbis und einer mehr oder weniger reichen Veredelung in Form einer genähten Lederhülle. Intensiver und konsequenter kann man eine Tradition nicht pflegen. Aber dazu weiter unten mehr.

Die Zubereitung

Man füllt den Becher mit Yerba-Mate (so heißen die geschnittenen, getrockneten Mateblätter) und gießt erst unmittelbar vor dem Trinken etwas heißes Wasser auf einen kleinen Bereich der Mateblätter. Das Wasser sickert durch und nimmt die Geschmacks- und Inhaltsstoffe aus den Blättern auf. Über das Trinkrohr (die Bombilla) saugt man das Getränk dann aus dem Gefäß. Der Mateaufguss wird wahlweise mit oder ohne Zucker getrunken.

Und immer wieder gießt man etwas Wasser nach und erreicht damit einen noch frischen Teil der Blätter für den Aufguss.

Damit das Wasser für den Aufguss nicht zu heiß ist, gibt es in Südamerika sogar einen speziellen Einstellbereich auf der Temperatur-Skala am Wasserkocher. Und überall findet man Automaten, an denen man für ein paar Peso heißes Wasser nachfüllen kann.

In Paraguay trinkt man den Mate vor allem in der heißen Jahreszeit mit Eiswasser. Und dort nennen sie das Getränk Tereré.

Das Geschirr

Spätestens beim Geschirr wird Mate zu einem echten traditionellen Kult.

Das Trinkgefäß

Als Trinkgefäß verwendet man in Argentinien traditionell die ausgehöhlte Spitze eines Flaschenkürbis (Calabaza). Vor deren erster Benutzung müssen die Kalebassen allerdings richtig vorbereitet werden. Denn der Kürbis selbst enthält Bitterstoffe, die sich sonst im Mate lösen würden.

Hierfür werden Mate-Blätter in der jungfräulichen Kalebasse mit Wasser aufgegossen. Das ganze sollte dann 2 Tage durchziehen. Danach entleert man die Kalebasse und lässt sie gut trocknen., am besten in der prallen Sonne. Der Trocknungsvorgang muss unbedingt vollständig abgewartet werden, um eine lange Haltbarkeit der Kalebasse zu erreichen.

In Paraguay nennen sie das Gefäß übrigens Guampa und es ist dort oft auch ein ausgekochtes Rinderhorn.

Der Trinkhalm

Getrunken wird aus einem Trinkrohr aus Metall, der Bombilla. Im unteren Bereich sorgen kleine Löcher in der Bombilla dafür, dass nicht auch die Mateblätter mit aufgesogen werden.

Diese Bombillas sind sehr aufwändig konstruiert, um die richtige Trinktemperatur zu gewährleisten. Und oft sind sie reich verziert und wirken sehr edel. Als Material findet man Weißblech, Edelstahl, aber auch Silber. In den nobleren Kreisen sind sie quasi Erbstücke, die von Generation zu Generation weitergegeben werden.

Nach unserer Erfahrung wird das Mundstück der meisten Bombillas beim Trinken allerdings so heiß, dass man sich mit jedem Schluck die Lippen verbrennt. Da war uns ein Rätsel, wie sie das aushalten hier in Argentinien.

Die Umhängetasche

Für den mobilen Einsatz außerhalb der eigenen 4 Wände gibt es spezielle Umhängetaschen (Matera), in denen die gesamte Mate-Ausrüstung ihren Platz hat. Samt der Thermoskanne für das heiße Wasser.

Auch diese Umhängetaschen sind oft aufwändig verarbeitet und bestehen nicht selten aus dickem Rindsleder.

Die Trinkkultur

Mate ist ein Gemeinschaftsgetränk. Trinkt man es im Kreis der Familie oder unter Freunden und Bekannten, dann ist es üblich, dass alle aus ein und der selben Calabaza trinken. Die Calabaza wird dann herumgereicht. Und genauso läuft es, wenn man von den Einheimischen zu einem Schluck aus der Calabaza eingeladen wird.

Diese Besonderheit erklärt sich aus der historischen Kultur der Ureinwohner Südamerikas:

  • Der Genuss von Mate symbolisiert seit jeher die grenzenlose Bereitschaft „zu Teilen“. So wäre es ein falsches Signal, einem Gast oder Freund nicht die eigene Calabaza anzubieten, sondern eine zweite.
  • Für die Ureinwohner war die Herstellung von Mate ein aufwändiger, langwieriger Prozess und nicht zu vergleichen mit den heutigen, effizienten Produktionsverfahren. Dieser Arbeitseinsatz wurde seinerzeit symbolisch gewüdigt, indem in einer gesellschaftlichen Runde derjenige das Wort hatte, der die Clabaza mit dem Mate in seiner Hand hielt.

Man greift beim Trinken nur die Calabaza, nicht die Bombilla. Auch wird nicht umgerührt, sondern einfach nur die Bombilla zum Mund geführt.

Wann und wo trinkt man Mate

Sie trinken ihren Mate sowohl zu Hause, als auch auf der Straße, im Park, im Auto oder sonst wo. Vor allem morgens und nach der Siesta. Dabei wirken die Inhaltsstoffe sicher als Muntermacher.

Und sie bieten Mate als Zeichen der Gastfreundschaft an. So, wie wir daheim den Kaffee oder Tee anbieten. Es ist eben ein Kult, der im sozialen Leben der Menschen einen fest verankerten Platz hat.

Die Inhaltsstoffe im Mate

Mate enthält einige Vitamine und Mineralien und hat durch eine koffeinähnliche Substanz eine belebende Wirkung. Durch seine hungerstillende Wirkung gilt er nebenbei auch als Schlankmacher.

Doch beim Rösten der Blätter über dem Feuer entstehen aromatische Kohlenwasserstoffe (PKA), die bei regelmäßigem Genuss von Mate im Verdacht stehen, Krebs zu erzeugen. Aber es gibt heute auch schon Röstverfahren, bei denen auf Feuer verzichtet wird.

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