Reisesicherheit: Schutz vor den Gefahren im Reiseland

Neben den Reisedokumenten und den Reiseimpfungen zählt das Thema Reisesicherheit zu den wichtigsten Elementen im Rahmen der Reisevorbereitungen. Die folgenden Ausführungen zu diesem Thema sind dementsprechend sehr umfangreich. Doch zur Beruhigung: nicht alles muss zutreffen auf das ausgewählte Reiseziel.

Was sollte ich wissen über die Gefahren am Reiseziel und wie sorge ich für meine Reisesicherheit?

Das kriminelle Potenzial eines Reiselandes

Die wichtigste und seriöseste Informationsquelle zur Beurteilung der Gefahren in einem Reiseland ist sicher die Website vom Auswärtigen Amt.

Doch oft sind Überfall- und Entführungs-Risiko sowie Klein- und Groß-Kriminalität auf bestimmte Zonen und Orte beschränkt. Da lässt sich die Gefahr für das eigene Leben oder die Ausrüstung durch bedachte Streckenplanung und das richtige Verhalten sehr stark reduzieren.

In den Reiseinfos vom Auswärtigen Amt findest du auch konkrete Handlungs-Empfehlungen für die eigene Reisesicherheit für das betreffende Reiseland: Wertgegenstände nicht offen zeigen, Innenstädte bei Nacht meiden, nur offizielle Taxi-Zentralen kontaktieren, usw.

Die Einheimischen (natürlich nur die Personen des Vertrauens) sind in der Regel auch sehr verlässlich in der Beurteilung der Reisesicherheit vor Ort. Das ist meist sogar hilfreicher, als die sehr pauschal beschriebenen Landes-spezifischen Hinweise beim Auswärtigen Amt zur Reisesicherheit.

Ansonsten gilt: Augen und Ohren offen halten. Man erkennt manches Risiko dann schon durch den 7. Sinn: wenn auf den Grundstücksmauern in einer Stadt in Brasilien zum Beispiel schon Elektrozaun montiert ist, dann muss das ja einen Grund haben.

Schutz der Ausrüstung gegen Diebstahl

Sichere Gepäck-Aufbewahrung organisieren, Hotel-Safe nutzen, Geheimfächer für Wertgegenstände und Bargeld in die eigene Kleidung einnähen, eine Portmonee-Attrappe mit abgelaufenen Bankkarten und etwas Kleingeld als Pseudo-Beute bereithalten.

Zeige deine Wertgegenstände nicht offen, denn das weckt Begehrlichkeiten und steigert das Diebstahlrisiko unberechenbar.

Doch als interessante Beute gilt nicht nur das neue Handy oder eine Kamera, sondern das kann auch schon eine warme Jacke oder ein Paar Schuhe sein. Und es gibt Länder, in denen man für solche Gegenstände schnell in Lebensgefahr gerät (Afrika).

Waffen und Selbstverteidigung

Waffeneinsatz kann schnell unabsehbare Reaktionen beim Gegner erzeugen, in vielen Ländern sind Einfuhr und Besitz von Waffen sogar unter Strafe verboten. Zu den Waffen zählt auch das gerne zum Selbstschutz mitgeführte Pfefferspray.

Auch Selbstverteidigung vermittelt schnell ein falsches Gefühl von Reisesicherheit und ist gegen einen Angriff mit Messer oder Schusswaffe schnell wirkungslos bis kontraproduktiv. Widerstandsloses Befolgen der gestellten Forderungen und Deeskalation ist hier in der Regel gesünder.

Zur Verteidigung gegen gefährliche Hunde auf unserer großen Radreise haben wir uns an den Fahrrad-Rahmen ein langes Vierkant-Rohr aus Aluminium befestigt, das wir bei voller Fahrt leicht und schnell greifen und drohend in die Luft halten können. Bei Fragen im Rahmen der Einreise-Formalitäten haben wir es immer als Bestandteil unserer Werkzeugkiste für die Fahrrad-Wartung bezeichnet, wenn wir danach gefragt wurden.

Naturkatastrophen

In manchen Reiseländern sind auch Naturkatastrophen wie zum Beispiel Überschwemmung, Erdrutsch, Tsunami, Erdbeben, Waldbrände, Hurrikans und Vulkanausbrüche ein großes Risiko im Rahmen der Reisesicherheit. Manche Ereignisse kündigen sich an und man hat Zeit, sich in Sicherheit zu bringen. Für die anderen Katastrophen gilt: Das Wissen um die Gefahr und entsprechend umsichtiges Verhalten können im Ernstfall lebensrettend sein.

Je höher das bestehende Risiko solcher Katastrophen, desto wichtiger ist es, sich im Vorfeld über einen passenden Notfallplan Gedanken zu machen. Mittel der Verständigung, das Wissen um wichtige Einrichtungen (Krankenhaus, Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst), Transportmittel für eine Flucht, Infos über die Beschaffenheit der Infrastruktur, Ausweichrouten, usw.

Vor unserer Abreise aus Neuseeland auf unserer großen Radreise wussten wir, dass exakt am Flugtag der Zyklon Gita über Auckland (unseren Abflughafen) hinwegziehen würde. Daraufhin hatten wir uns einen Warmshowers-Kontakt für die Flug-Vorbereitungen organisiert, um nicht in einem fürchterlichen Desaster unterzugehen.

(Warmshowers ist ein privates Übernachtungsnetzwerk ähnlich wie Couchsurfing, aber speziell für Reiseradler).

Verkehrssicherheit im Reiseland

In vielen Ländern geht es nicht so zivilisiert zu, wie bei uns in der Heimat. Schlechte Straßenqualität, zu enge Fahrbahnen, zu schnelle oder rücksichtslose  Fahrweise der Einheimischen, alkoholisierte Fahrer und technisch unsichere Fahrzeuge erhöhen das Risiko von Verkehrsunfällen erheblich. Als Radreisender ist man da schnell Freiwild auf viel befahrenen Strecken. Für Radreisende einer der wichtigsten Punkte im Rahmen der Reisesicherheit.

Unsere Empfehlungen: Nebenstrecken suchen, über eine Navigations-App wie Maps.me eine Radfahrer-taugliche Strecke suchen lassen, nicht bei Nacht oder Dämmerung fahren, notfalls trampen, leuchtende Kleidung, Warnweste, helle Beleuchtungsanlage am Fahrrad, nicht auf das aus der Heimat gewöhnte Bremsverhalten der Autofahrer bauen (denn das kennt man in vielen Ländern nicht).

Besonders gefährliche Reiseländer für Radfahrer im Hinblick auf die Verkehrssicherheit: Australien, Neuseeland, Kroatien, Argentinien, Paraguay.

Andere Standards für Sicherheit

Im Reiseland gelten möglicherweise nicht so hohe Standards für Sicherheit wie in unserer Heimat: einsturzgefährdete Brücken werden nicht sofort gesperrt, die Drahtseil-Sicherungen im Klettersteig sind möglicherweise stark verwittert und können beim Sturz reißen, Stromführende Leitungen sind abenteuerlich verlegt, usw.

In Argentinien informierte man uns in einer Unterkunft, während der Nutzung der Dusche auf keinen Fall den Kaltwasserhahn zu berühren, weil man sonst einen Stromschlag bekäme. Doch nicht immer wird man auf bestehende Missstände hingewiesen.

Andere Kultur, anderes Wertesystem

Religiöser Fanatismus und autoritäre Staatssysteme lassen dem Touristen nicht immer den aus der Heimat gewohnten Spielraum für freie Selbstbestimmung: die falsche Kleidung am falschen Ort oder grobe Fehler in den Verhaltensregeln und schon wird man zur unerwünschten Person und gerät in unangenehme Situationen. Wer die Regeln kennt, hat hier deutlich weniger Stress.

Wir mussten die Fotos vom Niemandsland zwischen Iran und Turkmenistan löschen auf unserer Kamera. Und an der Armenisch-Iranischen Grenze bei Megris stoppte uns ein Grenzposten mit Motorrad mit der Aufforderung, die Landschaftsfotos zu löschen, bei deren Aufnahme er mich offensichtlich von einer der vielen Überwachungskameras beobachtet hatte.

Besonders tragisch kann religiöser Fanatismus enden: in 2018 wurden auf dem Pamir-Highway in Tadschikistan 4 Reiseradler durch ISS-Sympathisanten ermordet. Nur 2 Jahre zuvor waren wir auf derselben Straße auf Radreise. Da hatten wir offensichtlich sehr viel Glück gehabt.

Kommunikation und Internet-Nutzung

Freies WLAN ist verlockend, aber gefährlich bei fehlendem Passwortschutz. Da sollte auf die Eingabe personalisierter Daten und Passwörter verzichtet werden. Auch die Nutzung der oftmals verseuchten PCs in den Internet-Cafes ist nur mit äußerster Vorsicht zu empfehlen. Also entweder mobiles Internet per Roaming nutzen oder eine SIM-Karte im Reiseland kaufen.

Wir haben weitestgehend auf öffentliches WiFi verzichtet und immer nur das private, passwortgeschützte WiFi-Netz in den Privathaushalten unseres Vertrauens genutzt.

Auch die Gefahr, sich die eigene Hardware (mobile Speichermedien) zu beschädigen oder zu verseuchen, ist extrem groß in manchen Ländern. Oft sind die Gerätetreiber  und die Virensoftware seit vielen Jahren nicht aktualisiert worden. Dann hagelt es immer Fehlermeldungen oder ganze Verzeichnisse werden gesperrt und in Quarantäne verschoben. Datentransfer am besten nur kontaktlos (Bluetooth, E-Mail) und mit Verschlüsselung (Apps: Threema, Telegramm).

Sicherheit beim Online-Banking

Nutze für dein Online-Banking im Ausland nur sichere Internet-Verbindungen (Passwortschutz) und einen VPN-Client. Für Transaktionen solltest du das sicherste TAN-Verfahren verwenden, das deine Bank anbietet.

Überweisungen von außerhalb Europas  sind nicht mehr trivial, sobald das uns bekannte IBAN-System nicht mehr greift. Und dazu gehören aktuell noch die meisten Staaten der Erde. Da hilft nur noch der Support der eigenen Hausbank in der Heimat weiter. Uns traf dieses Thema mit 2 Überweisungen auf Konten in Australien und Neuseeland.

Bargeldbeschaffung am Geldautomaten

Natürlich gelten im Reiseland dieselben Regeln zur Wachsamkeit wie bei uns in der Heimat: nur bei seriösen Banken Geld ziehen, Geldautomaten auf Manipulation prüfen und die Eingabe der Pin gegen fremde Blicke schützen.

Ratsam ist auch das Abheben während der Bank-Öffnungszeiten:  im Bedarfsfall hat man dann schneller Ansprechpartner in der Bank, insbesondere bei fehlerhaftem Betrieb (Strom- oder Verbindungs-Probleme, Abbruch der Transaktion).

Es gab auch schon eine ungewollte zweite Abbuchung vom eigenen Konto durch nachfolgende Kunden: hier hilft nur das zeitnahe Prüfen der Kontobewegungen und die Reklamation mit dem Beleg.

Apropos Beleg: vor dem Abschluss einer Transaktion am ATM wird man in der Regel informiert, wenn das Ausdrucken eines Beleges gerade nicht als Funktion zur Verfügung steht. Grundsätzlich unsere Empfehlung: Abbruch der Transaktion und einen anderen ATM testen.

Es gibt Reiseländer, die im Hinblick auf die Nutzung der Kreditkarte am ATM sehr abenteuerlich sind. Dazu zählt auch Argentinien. Dort zahlten wir (in 2018 auf unserer Radreise) stets Gebühren von ca. 5-10 Euro, konnten aber maximal 3000 Peso (gerade einmal 75 Euro in 2018) abheben, benötigten in der Regel 3-4 Versuche für eine einzige Abhebung und wurden sogar noch Opfer von Kreditkartenbetrug.

Verletzungen durch Tierangriffe

Es gibt in sehr vielen Ländern ein deutlich höheres Risiko, sich durch Tierbisse Verletzungen oder Krankheiten zuzuziehen. Hier nur ein paar Beispiele für Tiere, mit denen wir auf unseren Radreisen konfrontiert wurden:

  • Angriffe türkischer Hirtenhunde (Kangals), wenn man einer Schafsherde in der Türkei zu nahe kommt (das kann sogar lebensgefährlich werden! Gib mal in der Google-Bildersuche den Begriff „Kangal“ ein, dann verstehst du, was wir meinen)
  • wilde Straßenhunde in Südeuropa, Asien, Südamerika (wir fingen uns zweimal Bisswunden in Indien ein)
  • freilebende Bären (Armenien, Osteuropa, …)
  • Giftschlangen (Indien, Malaysia, Australien, Argentinien, Paraguay, …)
  • Skorpione (Frankreich, Thailand, Australien, …)
  • Haie in Süßwasserflüssen (Australien)
  • Würfelqualle (Australien)
  • Spanische Galeere (Australien)

Nicht unerwähnt bleiben dürfen natürlich die Insekten in diesem Zusammenhang. Die Mücken und andere Plagegeister verteilen Viren und Bakterien und sind Überträger vieler Tropen-Krankheiten: Malaria, Dengue (mich hatte es in Indien erwischt), Chikungunya, Zika-Virus, usw. Auf jeden Fall vor der Reise informieren und ggf. mit dem Hausarzt, wenn nicht sogar mit einem Tropenmediziner (für Reisen in exotische Gebiete) abklären.

Zum Thema Reiseimpfungen: manche Impfung erfolgt in mehreren Schritten und zieht sich über einen Zeitraum von einem Jahr. Also früh genug mit dem Thema auf die Mediziner zugehen.

Es ist sehr nützlich, während der Reise immer wieder die einheimische Bevölkerung vor Ort zu fragen, welche Gefahren zu erwarten sind und wie man sich am besten konkret verhält, um den Kontakt mit den Tieren auszuschließen.

Notfall-Management

Lästig, aber für den Ernstfall sehr wichtig ist das vorbeugende Zusammenstellen sicherheits-relevanter Adressen und Kontakte: Notruf-Nummern, Adressen der Krankenhäuser, Notfall-Vokabular in der Landessprache, gutes Kartenmaterial für eine sichere Orientierung, … all das spart im Ernstfall Zeit und Irrwege.

Dasselbe gilt im Detail auch schon für Tagesausflüge in gefährliche Regionen (Bergwanderungen, Outback in Australien, usw.).

Besonders heikel ist vor diesem Hintergrund eine fehlende Netzabdeckung für den Mobilfunk. Da hilft im Zweifel am besten nur ein Satellitentelefon.

Fazit für die Reisesicherheit

Ist man sich der Gefahren im Reiseland bewusst und richtet sein Verhalten und seine Reiseroute danach aus, dann ist eine ausreichende Sicherheit für Gesundheit, Leben und Ausrüstung erreichbar, auch wenn man in exotischen Regionen unterwegs ist.

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