Reisegesundheit: Reisekrankheiten und Gefahren im Reiseland

Reisegesundheit ist die Grundlage für unbeschwertes Genießen und Entspannen. Je nach Reisegebiet ist man jedoch den unterschiedlichsten Krankheiten und Infektionen ausgesetzt. Zusätzlich ist in vielen Ländern die medizinische Versorgung und der hygienische Standard mangelhaft.

Um die Risiken für die eigene Reisegesundheit also möglichst kleinzuhalten, muss man gut vorbereitet sein. Und das wird umso wichtiger, je länger man auf Reisen ist und je exotischer die Reiseziele sind. Hier unsere Empfehlungen für eine umfassende Vorbereitung im Hinblick auf die Reisegesundheit.

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Inhaltsverzeichnis

 

 

Information über die Risiken

Zunächst solltest du Infos über Infektions-Risiken und andere gesundheitliche Gefahren im betreffenden Reiseland einholen. Gute Adressen hierfür sind:

Des Weiteren ist eine Beratung beim Reise- oder Tropenmediziner sehr sinnvoll, weil dieser zusätzlich noch gezielt auf deine spezielle Reiseart und die jahreszeitlichen Gefahren eingehen kann. Denn Dschungel-Trekking mit Zelt in der Regenzeit ist anders zu bewerten als ein Stadtaufenthalt mit Hotelübernachtung.

Hier erfährst du also, welche Gefahren gerade für dich existieren, welche Reiseimpfungen empfohlen oder sogar vorgeschrieben sind und welche Verhaltensregeln zu beachten sind, um die Reisegesundheit nicht zu gefährden. Dieser Fach-Mediziner zeigt dir auch die Möglichkeiten und Grenzen einer Selbstbehandlung auf und berät dich im Hinblick auf Nebenwirkungen sowie Vor- und Nachteile verschiedener Behandlungs-Alternativen (Beispiel: Malaria-Prophylaxe).

 

Reiseimpfungen

Manche Reiseimpfungen erfolgen in drei oder 4 Schritten über 12 Monate, wenn man einen Langzeitschutz benötigt, je nach Impfschema. Also musst du rechtzeitig mit den Reiseimpfungen starten. Weil das gesamte Thema Reiseimpfungen sehr komplex ist, haben wir es in einem separaten Artikel detailliert beschrieben:

Reiseimpfungen

All deine Impfungen solltest du in einem Internationalen Impfausweis eintragen lassen. Du erhältst diesen Impfausweis gegen geringe Gebühr bei deinem Hausarzt oder beim Reisemediziner. Mit diesem Dokument bist du unterwegs stets nachweisfähig. Es ist fast genauso wichtig wie dein Reisepass.

 

Lebensmittel- und Trinkwasser-Hygiene

In vielen Reiseländern ist konsequente Lebensmittel- und Trinkwasser-Hygiene erforderlich, um eine Reihe schwerer Krankheiten zu vermeiden: hier ist diszipliniertes Verhalten und Vorsicht ratsam während der Reise: boil it, cook it, peel it or forget it! Genauso wichtig ist ein guter Wasserfilter. Hier unsere Empfehlung:

Der beste Wasserfilter für Reisen

Zur Schadstoffbelastung im Trinkwasser: Nicht jeder Wasserfilter hält giftige Inhaltsstoffe wie Pestizide oder beispielsweise Arsen (kommt in Bangladesch im Leitungswasser vor) erfolgreich zurück. Auch der Genuss von Flaschenwasser ist in manchen Ländern kein Garant für keimfreies Wasser. Denn aus Profitgier werden die käuflichen Flaschen in manchen Ländern oft heimlich mit Leitungswasser aufgefüllt. Also hilft nur: wachsam und wählerisch sein.

 

Hygiene-Standard im Reiseland

Die Hygiene im Rahmen der medizinischen Behandlung bei Ärzten und Krankenhäusern ist in vielen Ländern auf einem viel niedrigeren Niveau, als wir es aus Deutschland kennen. Das erzeugt zusätzliche Risiken für die Reisegesundheit.

Es empfiehlt sich auf jeden Fall, auf der Reise durch hygienisch zweifelhafte Länder seine eigenen Spritzen und Kanülen in der persönlichen Reiseapotheke mitzuführen um sie im Behandlungsfall an die betreffenden Mediziner auszuhändigen. Das reduziert möglicherweise das Infektionsrisiko durch Mehrfach-Verwendung von Nadeln.

Aber bei der Inanspruchnahme von Blutkonserven, die möglicherweise mit HIV infiziert sind, hat man natürlich kaum Einfluss.

 

Infektionen durch Insektenstiche

Viele Krankheiten mit schwerem Verlauf werden durch Insektenstiche ausgelöst: zum Beispiel Chikungunya, Dengue, Malaria, Schlafkrankheit, Leishmaniasis  und Jap. Enzephalitis.

Nicht gegen alle diese Krankheiten gibt es wirksamen Impfschutz.

In den Symptomen sind sich diese Krankheiten sehr ähnlich. Das macht eine Selbstdiagnose unmöglich und deine Reiseapotheke wirkungslos. Für eine zielführende Behandlung ist da in der Regel ein Krankenhaus vor Ort die richtige Adresse.

Da hilft am besten die Vorbeugung: lange, körperbedeckende Kleidung, Repellentien und der Einsatz von Moskitonetzen sowie die Meidung bestimmter Jahreszeiten oder Klimaphasen. Infos hierzu gibt es beim Tropenmediziner oder beim Centrum für Reisemedizin.

Etwas bedenklich ist im Hinblick auf die Anwendung von Repellentien, dass deren Inhaltsstoffe in der Regel nicht wirklich gesund für uns Menschen sind. Auch hier gilt es wieder, abzuwägen zwischen Nutzen und Schaden.

 

Gefährliche Tiere der größeren Art

Es gibt zwar für alle Reiseländer und Regionen Infos über gefährliche Tiere im Land, doch es empfiehlt sich immer auch, vor Ort die Einheimischen zu fragen, auf welche Tiergattung man besonders achtgeben muss.

Das hat uns schon mehrmals sehr effektiv vor besonderen Tierarten gewarnt und eine Gefährdung unserer Reisegesundheit vermieden: Skorpione in der Provence, aggressive, springende Schlangen in Paraguay, die Jack Jumper Ameise, die spanische Galeere und der Bullenhai in Australien, usw.

Rechnet man mit giftigen Schlangen, Spinnen oder Skorpionen, dann kann man das Risiko für die eigene Reisegesundheit durch entsprechendes Verhalten  deutlich reduzieren:

  • Du musst aufpassen, wo du hingreifst, dich hinsetzt oder hinlegst.
  • Vor jeder Benutzung von Bettdecke, Kleidung oder Ausrüstung solltest du durch Ausschütteln diese von eventuell vorhandenen giftigen Untermietern befreien.
  • In der Natur solltest du einen möglichst hohen Geräuschpegel fabrizieren, um den Tieren im Bereich deines Weges die Möglichkeit zur Flucht zu geben. Andernfalls kann ein plötzlich überraschtes Tier sonst reflexartig zustechen oder zubeißen.

 

Gefahren im Hochgebirge

Ein zu schneller Aufstieg ohne Akklimatisation erzeugt im Hochgebirge  ab 2000 m Höhe schnell die Höhenkrankheit. Also am besten über das zulässige Aufstiegstempo und die empfohlenen Aufstiegspausen informieren und entsprechend ausreichend Zeit für den Aufstieg einplanen. Ein vorzeitiger Abstieg wegen Höhenkrankheit infolge der Missachtung dieser Regeln wäre zu ärgerlich.

Wir haben der Akklimatisation einen separaten Artikel gewidmet:

Höhenkrankheit vermeiden – ein Leitfaden zur Akklimatisation

 

Eine weitere Gefährdung im Hochgebirge ist das Wetter. Ein unerwarteter Wetterwechsel trifft dich in den höheren Lagen wesentlich intensiver als im Tal. Reiseveranstalter am Urlaubsort weisen oftmals nicht ausreichend intensiv darauf  hin und überlassen die Verantwortung beim Kunden. Somit kann ein spontaner Tagesausflug für Unerfahrene schnell in einer Tragödie enden.

 

Risiken im Wassersport

Auch hier gilt: erst informieren, dann ins Wasser gehen. In manchen Süßwasser-Gewässern lauert Bilharziosegefahr (nicht nur in Afrika), an manchen Stränden herrschen gefährliche Strömungen (Australien) oder es gibt giftige Quallen, die Spanische Galeere  oder giftige Fische.

An der Ostküste in Australien gibt es sogar Bullenhaie im Süßwasser. Da hätte Baden fatale Folgen für uns gehabt. Aber wir hatten uns ja wie gewohnt vorab bei den Einheimischen informiert (siehe oben).

 

Bestehende Krankheiten

Benötigst du auf deinen Reisen die gewohnte Medizin, um bestehende Leiden oder Krankheiten zu behandeln, kläre vor der Reise ab, ob du die betreffende Arznei im Reiseland erwerben kannst. Wenn nicht, musst du dich vor Reisebeginn zu Hause eindecken.

Allerdings solltest du dich in diesem Fall genauestens darüber informieren, welche Inhaltsstoffe unter Umständen im betreffenden Reiseland verboten sind. In Usbekistan zum Beispiel wird das Mitführen Codein-haltiger Arznei mit Gefängnis bestraft.

Vorsicht auch bei der Mitnahme  flüssiger Arznei auf Flugreisen: vorher abklären, was erlaubt ist. Eine Bescheinigung der Notwendigkeit durch den heimischen Arzt hilft möglicherweise bei der Beschaffung der Arznei im Ausland.

 

Risiken bei Geschlechtsverkehr und Empfängnis

Empfängnisverhütung und Schutz beim Geschlechtsverkehr sind ebenfalls sehr genau auf die geplante Reise abzustimmen. So sind manche Medikamente im Rahmen einer Prophylaxe schädlich für menschliches Leben im Mutterleib.

Auch wird nach Rückkehr aus bestimmten Ländern für mehrere Monate von ungeschütztem Geschlechtsverkehr abgeraten. Denn der Ausbruch mancher tropischen Krankheit erfolgt erst nach einer Inkubationszeit von mehreren Wochen.

 

Zusammenstellung der Reiseapotheke

Oft ist das nächste Krankenhaus weit entfernt. Doch eine zeitnahe Erstbehandlung kann lebensrettend sein. Deshalb ist eine gut sortierte Reiseapotheke unverzichtbar. Umfang und Ausstattung dieser Reiseapotheke solltest du immer auf das Reisegebiet, die Reiseart und die Risikoabschätzung abstimmen.

Es gibt starke Medikamente und Schmerzmittel, die im Hinblick auf die Einreise in bestimmte Länder unerlaubte Substanzen enthalten. Das betrifft z. B. Codein in Usbekistan (siehe oben) oder Cannabis in Argentinien. Sollte man auf jeden Fall vor Antritt der Reise abklären, um nicht in ungemütliche Situationen zu geraten.

Auf Langzeitreisen über mehrere Jahre solltest du immer wieder einmal das Haltbarkeitsdatum der mitgeführten Arznei prüfen und abgelaufene Arznei bei Bedarf durch neue ersetzen. Das betrifft insbesondere Medikamente für sensible Körperteile, z.B. Augentropfen.

Übrigens ist es stets ratsam, auf eine kühle und lichtgeschützte Lagerung der Reiseapotheke während der gesamten Reise zu achten. Auch ein effektiver Schutz gegen grobe Erschütterungen und Vibrationen ist wichtig, weil manche Tabletten sonst schnell zu Staub zerfallen.

 

Krankenversicherungsschutz

Ist man nur einige Wochen auf Reise, reicht in der Regel eine relativ preiswerte Reise-Krankenversicherung als Ergänzung zur bestehenden heimatlichen Krankenversicherung. Und innerhalb Europas gibt es zwischen Deutschland und vielen Ländern Sozialversicherungsabkommen, die einen Leistungsumfang gewährleisten, der dem heimischen sehr nahe kommt.

Natürlich solltest du die Europäische Gesundheitskarte (EHIC-Karte) dabei haben auf allen Reisen. Die benötigst du für sämtliche Behandlungsfälle innerhalb der EU. Du erhältst diese Karte auf Anfrage kostenlos von deiner Krankenkasse.

Für den Krankenversicherungsschutz auf Langzeitreisen außerhalb Europas sieht das anders aus: hier ist wahrscheinlich eine vollwertige und entsprechend teure Auslands-Krankenversicherung die einzige Alternative bei gleichzeitiger Umwandlung der heimischen Krankenversicherung in eine Anwartschaft. Die Möglichkeit einer Anwartschaft muss man mit seiner Krankenversicherung abklären.

Bereist man unter anderem auch die USA oder Kanada, gelten in einer Auslands-Krankenversicherung für die gesamte Versicherungszeit deutlich höhere Prämien.

Im Rahmen der Auslands-Krankenversicherung gibt es oft verschiedene Tarife, je nach Wunsch-Leistungsumfang (z.B. mit oder ohne Zahnersatz, usw.). Generell ist der Leistungsumfang jedoch nur auf eine schmerzstillende Notbehandlung ausgelegt.

Die mit Abstand wichtigste Leistung ist jedoch der „medizinisch sinnvolle“ Rücktransport (der „medizinisch notwendige“ geht zur Not auch, erlaubt den lokalen Ärzten jedoch viel Entscheidungsspielraum und kann einen Rücktransport möglicherweise gegen den eigenen Willen verhindern).

In der Regel musst du bei medizinischer Versorgung im Ausland in Vorkasse treten. Sorge dafür, dass du jederzeit zahlungsfähig bist. Das bedeutet: Bargeld und Kreditkarte gehören unverzichtbar zur Grundausstattung auf deiner Packliste.

 

Vorbereitung auf Langzeitreisen

Vor längeren Reisen (über Monate bis Jahre und außerhalb der EU) lohnt sich vor Reiseantritt ein Besuch beim Zahnarzt und ein vorbeugender Check der Gesundheit beim Hausarzt. Alte Zahnfüllungen sollte man vielleicht vor der Abreise erneuern lassen.

Denn außerhalb Europas greift kein Sozialversicherungsabkommen mehr. Die Leistungen der Reise-Krankenversicherungen beschränken sich auf eine schmerzstillende Behandlung. Das bedeutet bei Zahnfüllungen: Amalgam ohne jeglichen Schnörkel.

Um deinen Bonus für einen Nachlass bei den zahnärztlichen Behandlungskosten in Deutschland nicht verfallen zu lassen, musst du während deiner Langzeitreise aus eigener Tasche die entsprechend erforderlichen Vorsorge-Untersuchungen bezahlen. Das kostet zwar dein Geld, kann sich aber rechnen, je nachdem, welcher Umfang an Behandlungen in einigen Jahren bei dir ansteht (Brücken, Kronen, Implantate, usw.).

 

Fazit für die Reisegesundheit

Neben den empfohlenen Reiseimpfungen sind die Kenntnis der gesundheitlichen Gefahren und der vorbeugende Schutz durch entsprechendes Verhalten die effektivsten Mittel zum Erhalt der Reisegesundheit. Der richtige Versicherungsschutz und eine gut sortierte Reiseapotheke sorgen für Schadensbegrenzung im Krankheitsfall.

Doch immer gilt: sobald man das Heimatland verlässt, muss man Abstriche machen bei der medizinischen Versorgung und es kann teuer werden. Das ist halt der Preis für das Bereisen ferner Länder.

Weitere Tipps zur Reisevorbereitung

 

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