Tipps für Radreisen in Bolivien

Diese Tipps für Radreisen in Bolivien beruhen auf unseren Erfahrungen dort im Rahmen unserer großen Radreise durch Südamerika. Dabei sind wir, von Argentinien kommend, über La Quiaca, Tupiza, Atocha, Uyuni, Salar de Uyuni, Jirira, Salinas de Garci Mendoza, Oruro und La Paz weiter Richtung Titicacasee und Peru gefahren.

Unsere Tipps für Radreisen in Bolivien

Anreise und Grenzabwicklung

Als deutscher Bürger erhälst du an der Grenze 30 Tage Aufenthaltsrecht, kannst aber in der Migrationsstelle einer größeren Stadt problemlos gegen eine kleine Gebühr um 30 oder maximal 60 Tage verlängern.

Die Aussage eines Grenzbeamten am Grenzübergang La Quiaca, dass wir sofort 90 Tage hätten, erwies sich als falsch. Das gilt lediglich für die Mercosur-Mitgliedsstaaten.

Am Grenzübergang La Quiaca erhälst du den Einreisestempel lediglich auf einem Papierausdruck, den du natürlich nicht verlieren darfst. Auf demselben Beleg werden dann später auch die Verlängerungen verewigt.

Verständigung

Es wird spanisch gesprochen. Lege dir vor der Reise ein kleines Basiswissen in Spanisch an. Damit ist die Verständigung auf Radreisen in Bolivien dann kein Problem. Englisch wird äußerst selten gesprochen und wenn überhaupt, dann nur in größeren Städten.

Internet, Telefonie, Stromversorgung

Das Stromnetz ist relativ zuverlässig, hat aber auch immer mal Aussetzer.

Die Abdeckung beim Telefonnetz ist außerhalb der Städte sehr lückenhaft. Das solltest du beachten, wenn sich auf den vielen Überlandstrecken über weite Distanzen keine Städte befinden.
Das Internet ist eine Katastrophe in Bolivien. WiFi zu finden, ist sehr schwer, wenn du nicht in Hostels oder Gastronomie verkehrst. Die Verbindung reißt immer wieder ab für kurze, manchmal auch längere Zeiträume.

Die meisten Anschlüsse stellen nur sehr geringe Datenraten zur Verfügung. Da dauert der Aufbau einer Internetseite manchmal Minuten!

Manche Internetverbindung ist nicht sicher, da verweigern sensible Dienste wie Onlinebanken dir schnell das Einloggen. Nutze einen VPN-Dienst, dann klappt es wieder.

Internetcafes nehmen 2 bis 2,5 Bolivianos pro Stunde.

SIM-Karten, die du in Bolivien kaufst, müssen registriert werden. Daher solltest du nur im Geschäft kaufen, nicht auf einem mobilen Marktstand. Denn im Geschäft erledigt das Personal die Registrierung obligatorisch.

Bargeldbeschaffung

Du findest in den größeren Städten Banken und Bankautomaten, die meist auch funktionieren. Bei der Banco Fie konnten wir mit deutscher Kreditkarte gebührenfrei Geld abheben. Allerdings wies die Menüführung an den Geldautomaten eine Besonderheit auf: du mußt unter Savings wählen zwischen 01, 02, 03 oder 04. Mit 01 klappte bei uns alles reibungslos.

Auf dem Land und in den kleinen Städten wird es sehr schwierig mit der Bargeldbeschaffung. Dort gibt es keine Bankfilialen und oft auch keine Geldautomaten. Da solltest du auf Radreisen in Bolivien deine Bargeldbeschaffung mit ausreichender Weitsicht planen.

Lebensmittelbeschaffung

Es gibt keine großen Supermärkte, sondern viele kleine und kleinste Läden oder Stände. In den Zentren ist die Versorgung sehr gut und du bekommst alles, was du brauchst. Auf dem Markt ist es oft preiswerter als in größeren Geschäften.

In den Städten findest du auch eine gute und vielseitige Straßenküche, sodaß du hier aufs Selberkochen verzichten kannst. Beobachte, was die Einheimischen zu bezahlen haben, dann merkst du sehr genau, ob sie bei dir die Preise erhöhen und du kannst handeln.

Ein paar Infos zur Campingküche:

Du bekommst guten Spiritus (für den Trangia Kocher) für 2 € (Ceibo, 96%). Das Kochen mit Spiritus klappte auch auf Höhen um 4000 Meter erstaunlich gut. Wir haben den Brennstoff morgens im Schlafsack vorgewärmt. So ließ er sich ohne Probleme anzünden.

Allerdings kocht Wasser in dieser Höhe schon bei ca. 90 °C. Das bedeutet unabhängig von der Brennstoffart: du hast längere Garzeiten und verbrauchst mehr Brennstoff. Auf den weiten Überlandstrecken wirst du auf Radreisen in Bolivien folglich größeren Brennstoff-Vorrat mitschleppen müssen.

Desweiteren gefriert das Wasser in deinen Flaschen über Nacht, wenn du per Zelt übernachtest. Da braucht es morgens seine Zeit, bis die Sonne das Eis wieder auftaut und du dir Kaffeewasser kochen kannst.

Trinkwasserbeschaffung

Nicht überall ist das Wasser aus den Leitungen trinkbar. Du solltest sicherheitshalber immer nachfragen, bevor du deine Flaschen auffüllst.

Auf den großen Distanzen zwischen den Städten findest du nirgendwo Wasser. Berücksichtige das auf Radreisen in Bolivien beim Auffüllen deiner Vorräte, bevor du die Städte verlässt.

Besonders schwierig kann deine Wasserversorgung auf dem Salzsee Salar de Uyuni werden, wenn du auf Pisten unterwegs bist, auf denen du keinen sonstigen Verkehr erlebst. Bei den Autofahrern kannst du im Notfall nach Trinkwasser fragen. Doch das setzt voraus, dass du tatsächlich Autos begegnest.

Bikeshops und Service

In großen Städten gibt es Bikeshops und auch hochwertige Komponenten. Doch in den meisten, kleineren Städten ist das Angebot sehr reduziert, manchmal beschränkt auf einfache Technik. Auf der sicheren Seite bist du nur, wenn du deine Ersatzteile und dein Werkzeug schon bei der Einreise im Gepäck hast.

Straßen

Es gibt einige wenige asphaltierte Straßen, sogar mit breitem Randstreifen für Radler. Doch alle nicht asphaltierten Pisten zählen ohne Zweifel zu den schwierigsten Straßen, die wir auf unseren 4 Jahren Radreise hinter uns bringen mussten:

Dort erwartet dich grober Schotter, weicher Sandboden, Waschbrettprofil und in den Städten rustikales Kopfsteinpflaster. Mehr als Schrittgeschwindigkiet war da selten möglich.

Auch manche Hauptverbindung, z.B. die Straße von Tupiza nach Atocha bzw. Uyuni, eine der Hauptrouten in Bolivien, besteht zum Teil aus Schotter unterschiedlicher Qualität mit weist einige abenteuerliche Furten auf.

Aber auch im Norden des Salar de Uyuni erlebst du üble Pisten: zwischen Coqueza und Salinas de Garci Mendoza erwartet dich weicher, feiner, zum Teil staubartiger Sand. Hier versinkt dein Fahrrad und es schiebt sich wie mit gezogener Bremse.

In den Städten fährst du in der Regel auf einem für Radler fürchterliches Kopfsteinpfaster aus Hexagonalsteinen. Das fährt sich sowohl mit als auch ohne Gepäck sehr anstrengend für die Arme, wenn du keine Federgabel hast (so wie wir).

Sehr tückisch sind in einigen Städten die Entwässerungsöffnungen auf der Fahrbahn: die Schlitze zwischen den Stahlstegen sind breiter als 2″-Reifen und verlaufen fast parallel zur Fahrtrichtung. Einmal nicht aufgepasst und du bleibst mit dem Vorderrad in einem der Schlitze stecken und fliegst über den Lenker.

Verkehr

Den Verkehr haben wir meist als eher rücksichtsvoll empfunden: die meisten halten Sicherheitsabstand zu Fahrradfahrern, manche bremsen auch für Radler. Vor dem Überholen wird kurz gehupt. An der Länge des Hupsignals kannst du erkennen, ob es sich um ein Privatfahrzeug oder einen dieser vielen öffentlichen Überlandbusse handelt. Vor denen musst du immer wieder flüchten, um nicht in Gefahr zu geraten. Zwischen den Städten ist kaum Verkehr. Ca. 4 Autos pro Stunde und einige Busse.

Orientierung

Orientierung und Navigation gelingen per Handy mit GPS und Offlinekarte in der Regel sehr gut. Lediglich auf dem Salar de Uyuni waren viele Pisten in der Karte veraltet und die aktuellen Pisten waren noch nicht eingezeichnet. Das erschwerte uns die Navigation dort, weil wir nicht auf der Hauptroute fahren wollten.

Für ganz Bolivien ist das OSM-Kartenmaterial aber noch sehr dünn mit Details ausgestattet. Straßen werden erst sichtbar, wenn du weit genug in die Karte hinein Zoomst und in den Städten sind manche Eintragungen überholt.

Die Einheimischen geben dir auf Anfrage oft nur ungenaue, manchmal sogar falsche Hinweise.

Geländeprofil

Im Westen des Landes durchziehen die Anden das Land. Dort bewegst du dich über weite Strecken auf dem Altiplano, einem Hochplateau auf 3700 Metern Höhe.

Südlich von Uyuni bis hinunter nach La Quiaca erlebst du schroffe, abwechslungsreiche Gebirge.
Im Osten existiert tropisches Tiefland mit viel Dschungel.

Ein besonderes Geländeprofil erlebst du in der Stadt La Paz: die Ausdehnung der Bebauung reicht zu allen Seiten bis hoch in den steilen Berghang. Hier wirst du mit enormen Steigungen konfrontiert.

Radeln

Das Radfahren in Bolivien ist sehr anstrengend. Auf den üblichen Routen hast du viele Höhenmeter zu bewältigen, wirst öfter mit Schotter, Lehm oder Sandpisten konfrontiert, erlebst unter Umständen eisige Kälte und musst auf dem Altiplano mit deutlich weniger Sauerstoff in der Atemluft zurecht kommen.

Trampen

Trampen klappt erstaunlich gut und hat uns so manchen Höhenmeter und auch heftigen Gegenwind erspart. Insbesondere auf den Strecken von La Quiava bis Atocha und zwischen dem Salar de Uyuni und Oruro. Allerdings ist es sehr ratsam, sich im Vorfeld über die Höhenlage am Zielort zu informieren und den Aufstieg pro Tag mit der eigenen Höhenanpassung in Einklang zu bringen. Bei zu großen Höhenunterschieden ohne ausreichende Anpassungsphase helfen nämlich auch die landesweit üblichen Cocablätter nicht mehr sehr effizient gegen die Symptome der Höhenktrankheit.

Auf dem Salar de Uyuni ist Trampen unmöglich, wenn du mit Reiserad unterwegs bist. Im Notfall kannst du zwar ein Auto anhalten, doch es sind ausschließlich geschlossene Geländewagen, die nur zum Kutschieren der Touristen ausgestattet sind, aber kein Fahrrad mitnehmen können.

Zelten und alternative Übernachtungsplätze

Mit mehreren größeren Schwierigkeiten wirst du in Bolivien konfrontiert, wenn du zeltest:

  • die Verfügbarkeit von Wasser ist nur auf die Städte beschränkt und diese liegen oft weit auseinander.
  • die notwendige Höhenanpassung ab 2000 m Höhe, wenn du dich im Aufstieg in den Altiplano bis auf 3700 Metern Höhe befindest
  • der große Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht (nachts ist auf dem Altiplano mit -5 bis -10 °C zu rechnen

Wir haben für den Aufstieg von La Quiaca bis Uyuni (3700 m) im Süden Boliviens bewußt größere Höhenunterschiede in unserer Reisetage eingebaut und in den Städten Tupiza (2850), Atocha (3656) und Uyuni (3670) dann einige Tage Akklimatisation betrieben. Das klappte ohne nenneswerte gesundheitliche Probleme (und ohne Cocablätter). Dabei haben wir weitgehend aufs Zelten verzichtet und die größeren Strecken ohne Zivilisation zum Teil per Trampen überbrückt.

Zelten in Nähe der Straße ist auf den ebenen Strecken gut machbar, aber du findest außerhalb der Städte kein Wasser. Es ist trockene Steppe bzw. Steinwüste hart an der Vegetationsgrenze. Große Wasservorräte am Fahrrad belasten dich vor allem auf den Strecken mit vielen Höhenmetern, z.B. zwischen La Quiaca und Uyuni.

Die privaten Übernachtungs-Netzwerke Warmshowers und Couchsurfing waren bis auf eine einzige Ausnahme auf der gesamten Linie enttäuschend: bei Warmshowers sind in Bolivien gerade einmal eine Handvoll Mitglieder gemeldet, die sich aber nicht zurückmelden. Bei Couchsurfing gibt es zwar ausreichend viele Mitglieder, aber dort hagelt es nur Absagen oder du erhälst ebenfalls keine Antwort.

Casa de Ciclista gibt es nicht sehr viele in Bolivien, aber sie sind eine brauchbare Alternative zum Zelten oder zu teureren Unterkünften. Kostenlos sind dabei zwar die wenigsten, aber in der Regel ist ein mehrtägiger Aufenthalt kein Problem.

Unser Bericht über das Casa Ciclista Pingüi in Uyuni.

Die Feuerwehr (Bomberos) unterhält lediglich in einigen wenigen Großstädten eine Station, wo eine Übernachtung dann aber auch nicht garantiert ist.

Sicherheit auf Radreisen in Bolivien

Bolivien ist ein sicheres Reiseland. Die Bevölkerung sit friedlich und du musst lediglich in den größeren Städten wachsam sein, vor allem nachts.

Gefährliche Tiere

In den hohen Lagen der Anden im Westen Boliviens ist die Tierwelt harmlos, in den tropischen Regionen im Osten dagegen leben giftige Schlangen, Spinnen und Frösche sowie viele andere gefährliche Tiere. Je nachdem, wo du dich während deiner Radreisen in Bolivien aufhälst, wirst du folglich mehr oder weniger mit gefährlichen Tieren konfrontiert.

Gesundheitsgefahren

Im Westen des Landes wirst du mit den Anden und dem Altiplano mit seinen 3700 m Höhe konfrontiert. Hier sind die Höhenunterschiede zwischen den wenigen Städten zum Teil deutlich größer, als die maximal verträglichen ca. 300 Meter Aufstieg pro Tag. Folglich stellt die Höhenkrankheit hier eine der größten Gefahren dar.

Auch die Sonnenstrahlung ist um einiges gefährlicher auf 3500 bis 4500 Metern Höhe. Schütze deine Haupt entsprechend. Das gleiche gilt auf dem Salar de Uyuni für deine Augen: die endlose schneeweiße Salzebene reflektiert das helle Sonnenlicht und ohne Augenschutz wirst du hier schneeblind.

Hier unsere Tipps zur richtigen Sonnenbrille.

Dazu ist die Luft in dieser Höhe sehr trocken. Das hat Auswirkungen auf die Schleimhäute und den Heilungsprozeß bei Verletzungen. Auch die Haut wird trocken und rissig.

Im Osten Boliviens dominiert tropischer Dschungel im Tiefland mit einer entsprechenden Fülle an gefährlichen Tieren (Schlangen, Frösche, Spinnen, Piranhas und vielen anderen) und einem ganz anderen Gesundheitsrisiko, je nach Art deiner Reise (Radeln, Zelten, Trekking, Wandern, usw.)

Für die meisten Reiseradler wird eher der Westen des Landes auf dem Plan stehen: Anden, Altiplano, Salar de Uyuni, La Paz und Titicacasee. Hier beschränklt sich das Gesundheitsrisiko auf die Höhenkrankheit und den Schutz vor der Sonne.

Für Bolivien werden auch Impfungen empfohlen. Kontaktiere rechtzeitig einen Troipenmediziner und kläre anhand deiner geplanten Reiseroute deinen Bedarf an Impfungen ab. Hier erhälst du auch Anweisungen zum Schutz vor den Krankheiten, gegen die es keine Impfung gibt.

Klima

Für die Andenregion und den Altiplano sind die Monate Mai bis Oktober ideal. Dann ist es trocken und meist sonnig. Tagsüber herrschen in der Sonne warme Temperaturen, doch nachts fällt das Thermometer auf bis zu -10° Kälte.

Am Titicacasee herrscht feucht-mildes Klima mit geringeren Temperaturunterschieden.

Die regenreichen Monate November bis April sind nicht zu empfehlen. Viele unbefestigte Straßen sind dann auch nicht passierbar.

Kultur

Kulturell prägten sowohl die indigene Bevölkerung als auch der spanische Kolonialismus das Land.

So entdeckst du in den Städten alte Kolonialbauten und sehenswerte Kirchen, aber auch bolivianische Folklore und vor allem die farbenprächtige, eigenwillige Garderobe der bolivianischen Frauen, der Cholas (oder Cholitas): der Filzhut (Bombin), ein sehr voluminöser Faltenrock (Pollera), ein Schal (Manta) und ein Tragetuch (Aguayo) für alles, was sie so zu schleppen haben. Unter dem Filzhut tragen sie alle lange, geflochtene Zöpfe.

Neben der Folklore wirst du sehr viele Feste erleben, die meist mit viel Blasmusik, Tanz, Kostümen und Umzügen einher gehen.

Sehenswürdigkeiten

Landschaftlich lohnend sind die schroffen Gebirge südlich von Uyuni, der Altiplano mit seinen 3700 m Höhe, der Salar de Uyuni und der Titicacasee. Daneben gibt es sehenswerte Städte: La Paz dehnt sich sehr spektakulär in einem gewaltig großen Talkessel bis in die steilen Berghänge aus, El Alto besticht durch die Dichte an basarartigen Märkten im Zentrum, Tupiza und Uyuni sind quirlig.

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