Tipps zum Trampen auf Radreisen

Unsere Tipps zum Trampen sind natürlich für jeden nützlich, der per Anhalter unterwegs ist. Aber im Besonderen sind sie für Radreise und Fahrradtour gedacht. Denn selbst auf Reisen mit dem Fahrrad gibt es immer wieder triftige Gründe, auf Teilstrecken per Anhalter zu reisen. Das betrifft vor allem Langzeit-Radreisen über ganze Kontinente.

Doch Fahrrad und Packtaschen sind sperrig und erschweren das Trampen oder bilden unter Umständen sogar ein K.O.-Kriterium. Umso wichtiger erscheinen unsere Tipps zum Trampen, allesamt entstanden aus der Erfahrung auf unseren Radreisen durch die exotischsten Regionen und Länder.

Gründe fürs Trampen auf Radreisen

Für Backpacker ist das Trampen eine bewusst gewählte Art der Fortbewegung, für den Reiseradler ist es dagegen eher eine Hilfe in schwierigen Situationen, insbesondere auf Langzeit-Radreisen durch viele Länder.

Es gibt auf Radreisen eine ganze Reihe von Gründen, um in einem gewissen Umfang auf das Trampen zurückzugreifen. Dabei ist die Länge der Strecke zunächst völlig unerheblich.

  • Bus- oder Zug-Fahrten sind nicht möglich, zu aufwändig oder zu teuer
  • Das Wetter macht das Radeln unmöglich oder extrem schwierig: Gegenwind, Seitenwind, Sturm, heftiger Regen, Schnee, Gewitter
  • drohende Dunkelheit, einbrechende Nacht, fehlende Versorgungs-Möglichkeiten (Trinkwasser, Proviant, Schlafplätze)
  • Die Befahrung einer Straße/Brücke/Passage ist mit Fahrrad nicht erlaubt
  • Die Straßenverhältnisse: kein Radweg oder Seitenstreifen, extrem schlechter Straßenbelag, gefährlicher Verkehr, extreme Anstiege, loser Schotter, Sand oder Schlamm
  • Krankheit, Verletzung, Schmerzen, Überlastung
  • Schäden am Fahrrad, Reparaturbedarf, Ersatzteilmangel
  • Zeitnot, Ablauf der Aufenthaltsgenehmigung

Diese Auflistung ist bestimmt nicht vollständig, zeigt aber schon recht gut, wie vielfältig die Beweggründe sein können. Wir hatten auf unseren Radreisen schon Anlässe für eine Mitnahme per Anhalter für 2ooo km Strecke (die Nullabor-Wüste in Australien) als auch für nur 2 km (extremer Gegenwind in Patagonien).

Der richtige Standort zum Trampen

Aus voller Fahrt hält ein Fahrer nur ungern. Daraus lässt sich ableiten: der beste Standort fürs Trampen ist an Stellen, an denen die Fahrer nur geringe Geschwindigkeit haben oder sogar halten müssen: an Ampel, Verteilerkreis, Abzweigungen, Tankstellen, Rastplätzen, hinter Polizeikontrollen, an Mautstationen, usw.

Zusätzlich muss es direkt hinter dir auch genügend Platz zum gefahrlosen Anhalten geben, sonst hält garantiert keiner.

Um hinter einer Stadt den vollen Strom der passenden Fahrer zu erwischen, eignet sich am ehesten eine Stelle hinter der letzten, großen Kreuzung einer Stadt. So vermeidet man auch das unnötige Ausbremsen von Fahrern, die sich lediglich im Einzugsgebiet der Stadt bewegen.

Ebenso kann es sinnvoll sein, sich erst hinter dem Zusammenfluss weiterer Transitstrecken weit hinter dem Stadtende zu positionieren, um deren Verkehrsstrom mit abzugreifen. Als Reiseradler ist man hierbei natürlich wesentlich flexibler gegenüber dem Backpacker.

Wir haben uns auf unseren Radreisen meist auf Pickups konzentriert, weil die Mitnahme von 2 Personen mit Fahrrad und Gepäck in diesen Fahrzeugen am einfachsten und schnellsten zu realisieren war. Dabei war ein Standort direkt hinter einer Kurve oft sehr nützlich. So konnten wir schnell erkennen, ob deren Ladefläche leer oder schon zugepackt war und ob es eine zweite Sitzreihe im Fahrerhaus gab. Dadurch konnten wir besser selektieren, bei welchem Fahrzeug sich die Mitnahme überhaupt realisieren ließ.

Stehen die Fahrzeuge, zum Beispiel an einer Ampel, kann man die in Frage kommenden Fahrer direkt ansprechen. Das erspart ihnen das Anhalten aus voller Fahrt und sie haben Gelegenheit, den netten Kerl vor sich etwas besser kennenzulernen.

Wenn es garnicht klappen will, dann bleibt noch, aus der Fahrt heraus einen passenden Wagen per Handzeichen zum Anhalten zu bewegen. Insbesondere in zivilisationsarmen Regionen oder bei widrigen Straßen- und Wetter-Verhältnissen hat das bei uns oft funktioniert. Es ist lediglich etwas schwieriger, während dem Radeln per Schulterblick auf Anhieb zu erkennen, ob das betreffende Fahrzeug tatsächlich geeignet ist für eine Mitnahme.

Dein Erscheinungsbild

Der erste Eindruck zählt. Das gilt auch beim Trampen. Ein Autofahrer hat nur wenige Sekunden lang die Gelegenheit, sich von dir ein Bild zu machen, wenn du an der Straße stehst und er an dir vorbeirauscht.

Würdest du selber einen rauchenden, schmuddelig aussehenden, finster drein schauenden Genossen mit Bierflasche in der Hand mitnehmen?! Wohl eher nicht. Achte daher ein wenig auf dein Äußeres, auf das Erscheinungsbild deiner Ausrüstung und auf eine freundliche Miene. Auch, wenn du schon seit 2 Stunden erfolglos auf eine Mitnahme wartetst.

Vermeide auch Tricks, wie zum Beispiel das Verstecken weiterer Personen im Schatten der Bäume oder eines Teils der Ausrüstung, um Fahrer zum Anhalten zu verleiten. Das zerstört sofort jegliches Vertrauen.

Handzeichen – die richtige Körpersprache

Es gibt keinen weltweiten Standard für die Handzeichen beim Trampen. Der in unserer Heimat übliche erhobene Daumen hat in einigen Ländern eine völlig andere Bedeutung und kann schnell für Ärger sorgen. Also ist es sinnvoll, sich bei den Einheimischen zunächst einmal über die ortsüblichen Handzeichen zu erkundigen.

Die Verständigung – die passenden Worte

Die erste Hürde ist genommen: ein Auto hält an. Jetzt entscheidet der erste Eindruck im Gespräch. Da wirkt man schon sehr sympathisch, wenn du einige Brocken in Landessprache über die Lippen bekommst: „Hallo! Wir kommen aus … und möchten nach …. Könnten Sie uns vielleicht ein Stück mitnehmen?“ Das bricht das Eis.

Ebenso nützlich ist die Kenntnis der Zahlen und Ortsnamen. Dann kommt man auch schnell mit den Antworten der Fahrer zurecht: „Ich fahre nur bis … Das sind ca. … km.“

Schilder – Wo soll es hingehen?

Haben wir alle schon gesehen: jemand steht am Straßenrand und signalisiert per Pappschild mit großen Lettern, wohin er will. Das kann die Mitnahme sehr effektiv gestalten (weil nur die anhalten, die auch tatsächlich bis zum Ziel fahren) oder im Gegenteil bewirken, dass man garnicht mehr vom Fleck kommt, weil kein Fahrer den betreffenden Ort ansteuert.

Ohne Schild ist es dann nach unserer Erfahrung oftmals einfacher, mitgenommen zu werden, wenn auch nur für kürzere Strecken. Doch je näher man seinem Zielort kommt, desto eher findet sich ein Fahrer, der auch genau bis dorthin fährt.

Flexibel sein beim Zielort

Nicht nur im Hinblick auf die gewünschte Distanz, sondern auch beim Weg kann es sich auszahlen, flexibel zu sein. Bietet ein Fahrer die Mitnahme über eine andere Route an (weil er eben woanders lang fahren muss, als man selber geplant hatte), so kann diese Alternativ-Strecke durchaus in manchen Reiseplan integriert werden oder eröffnet sogar ganz neue Chancen bzgl. Besichtigungen oder Unterkünften.

So schafften wir unter Zeitdruck zu zweit in nur 10 Stunden mit Reiserad und vollem Gepäck die Fahrt per Anhalter über 600 km Strecke von der argentinischen Stadt Tucuman bis an die bolivianische Grenze im Norden, weil wir bei der Wahl des Grenzüberganges völlig flexibel waren.

Rechtzeitig aussteigen

Es kann fatale Folgen haben, wenn man an einer einsamen Kreuzung im Nirgendwo aussteigt, weil der Fahrer ab hier eben einer anderen Richtung folgt. Unter Umständen wartet man hier ewig auf den nächsten Fahrer.

Folglich kann es besser sein, bewusst auf ein paar km zu verzichten und dafür schon frühzeitig an einem Ort auszusteigen, an dem die Fortsetzung des Trampens kein Problem ist. Das gleiche gilt in den Abendstunden im Hinblick auf die Suche nach einem Schlafplatz.

Für Reiseradler ist dieser Punkt natürlich nicht ganz so dramatisch wie für einen Backpacker. Da fährt man zur Not eben per Fahrrad weiter. Diesen Bewegungsspielraum hat ein Backpacker nicht.

Beschränkungen und Vorschriften

Wenn es in einem Land oder an einer bestimmten Stelle mit dem Trampen überhaupt nicht klappen möchte, können dafür auch gesetzliche Bestimmungen verantwortlich sein: Anschnallpflicht, das Verbot der Mitnahme von Personen auf der Ladefläche, die Begrenzung der zulässigen Personenanzahl im Fahrzeug, die Angst der Fahrer vor Strafzetteln, … all das können Gründe sein. Wittert man solche Restriktionen, schafft der Dialog mit den Einheimischen hier schnell Klarheit.

Dann kann es z. B. sinnvoll sein, sich bei solchen Rahmenbedingungen erst hinter einer Polizeikontrolle aufzustellen und nicht kurz davor.

Doch genauso findet sich in fast jedem Land mit solchen Regeln auch immer ein Fahrer, der sich darüber hinwegsetzt. So versteckte uns ein LKW-Fahrer in Usbekistan in den Tiefen seiner Ladung und machte uns klar, dass wir uns bei einem Halt lautlos verhalten sollten. Er bestach die Polizeikontrolle (wie immer) mit einem Schmiergeld und wurde, wie erwartet, ohne Prüfung der Ladung durchgewunken.

Und in Argentinien holte sich ein Pickup-Fahrer bei einer Polizeikontrolle die ausdrückliche Erlaubnis, mich wegen Platzmangel im Fahrerhaus ausnahmsweise neben Fahrrädern und Gepäck auf der offenen Ladefläche mitnehmen zu dürfen, obwohl das unter Strafe verboten war.

Mentalität der Bevölkerung

Kultur, Religion und Mentalität der Bevölkerung sind ebenfalls wesentliche Erfolgsfaktoren beim Trampen. In islamischen Ländern erlebt man eine schier grenzenlose Bereitschaft zur Mitnahme, in vielen anderen asiatischen Ländern ebenfalls. Dort ist man die Mitnahme anderer Personen gewohnt. Ganz schwierig wird es dagegen in touristisch geprägten Regionen, im Einzugsbereich der Großstädte oder in Ländern mit sehr vorsichtiger, zurückhaltender Bevölkerung.

Verkehrsaufkommen

Natürlich kann man nur mitgenommen werden, wenn es auf der geplanten Route auch tatsächlich Verkehr gibt. Das lässt sich aus der Landkarte nicht immer sauber ableiten. Im Zweifel wissen die Einheimischen sehr genau, wo wann wieviel Verkehr zu erwarten ist.

Genauso gibt es über den Tagesverlauf deutliche Schwankungen im Verkehrsaufkommen: in der Rushhour ist die halbe Stadt auf der Straße unterwegs, in der argentinischen Siesta (13 – 17 Uhr) läuft auch auf vielen Überlandstraßen fast garnichts.

Auch die Fahrtrichtung ist zu berücksichtigen: morgens fließt der meiste Verkehr in Richtung Großstadt, abends ist der Verkehrsstrom entgegengesetzt.

Es kann erfolgsfördernd sein, wenn man solche Gesetzmäßigkeiten in sein Tramp-Verhalten mit einbezieht. Denn mit zunehmendem Verkehrsaufkommen steigt an vielen Straßen die Chance auf eine Mitnahme.

Doch vor allem auf einsamen Überlandstrecken erleben wir häufig genau das Gegenteil: die Bereitschaft zum Anhalten und Mitnehmen ist am größten, wenn extrem wenig Verkehr unterwegs ist (mit Ausnahmen). Insbesondere auf Überlandpisten durch zivilisationsarme Regionen hält nahezu jedes Fahrzeug und bietet Hilfe im Rahmen der Möglichkeiten an. Und hier sind manchmal lediglich 5 Fahrzeuge pro Stunde oder weniger zu vermelden. Natürlich werden insbesondere Reiseradler als hilfebedürftige Personengruppe wahrgenommen. Das macht das Trampen auf Radreisen einfacher.

Mit einbrechender Dunkelheit wird das Trampen übrigens extrem schwierig. Die Scheinwerfer der Fahrzeuge blenden und du kannst nicht mehr erkennen, ob sich das Fahrzeug überhaupt für eine Mitnahme eignet. Auch wächst das Misstrauen der Fahrer: die wenigsten nehmen in der Nacht Anhalter mit.

Die passenden Fahrzeuge fürs Trampen auf Radreisen

Je kleiner die eigene Reisegruppe, desto größer ist der Spielraum möglicher Fahrzeuge beim Trampen. Als Einzelperson hat man es folglich am einfachsten. Bei mehr als 2 Personen wird es schon deutlich schwieriger. Reist man mit Fahrrad und Gepäck, dann macht das die Angelegenheit nicht einfacher. Unser Tipp bei mehr als 2 Personen Gruppengröße: die Aufteilung in Gruppen zu je 2 Personen und die Abstimmung über einen Treffpunkt am Zielort.

Für 2 Personen mit Fahrrad und Gepäck eignen sich vor allem Pickups für die Mitnahme. Zufällig ist der Pickup in vielen Ländern eine deutlich stärker vertretene Fahrzeugklasse (eigentlich überall dort, wo es weniger oft regnet, als in Deutschland). Und nur wenige Modelle sind hier tatsächlich zu klein dimensioniert, was die Ladefläche betrifft. Manchmal hilft sogar etwas Ladung vom Fahrer, um die eigenen Fahrräder stabiler auf der Ladefläche zu sichern. Zudem sind die meisten dieser Pickups stark motorisiert und im Schnitt deutlich schneller als Kleinlaster unterwegs.

Alternativ kommen Klein-LKWs und geschlossene Lieferwagen in Frage. Allerdings haben wir die älteren und vor allem langsamen Modelle ausgeschlossen, insbesondere bei längeren Strecken.

LKWs haben in vielen Industrieländern versiegelten Laderaum und scheiden somit kategroisch als Mitnahme-Fahrzeuge aus. Das erfährt man am einfachsten von den Fahrern vor Ort.

In Asien oder Südamerika sind die Spielräume für den Fahrer hierbei größer und die Kreativität mancher Fahrer ist für sich schon ein Erlebnis: im Iran wollte der Fahrer eines 40-Tonners unsere Fahrräder zuerst unten im Fahrwerk des Lasters und später über dem Fahrerhaus im Windabweiser deponieren.Unsere dankende Ablehnung sah er dann am Ende noch als Anlass, uns zu einer gemeinsamen Runde Tee aus der eigenen LKW-Küche einzuladen, zu der sich dann auch noch ein Beduidenhirt gesellte. Da wurde das Trampen tatsächlich zur Nebensache.

Trampen gegen Bezahlung oder kostenlos?

Willst du kostenlos trampen, dann solltest du das sicherheitshalber im Vorfeld mit dem Fahrer klären, um im Nachhinein unangenehme Konflikte und Diskussionen zu vermeiden. Allerdings kann es in manchen Ländern schon fast als Beleidigung empfunden werden, wenn du dieses Thema ansprichst.

In Zentralasien und in einigen sehr touristisch geprägten Regionen haben wir über Preise gesprochen, sonst war der Verzicht auf Geld für den Fahrer stets ein Gebot der Ehre.

Auf größeren Distanzen haben wir oft mit kleinen Geschenken oder einer Verköstigung aus unserer Verpflegung unsere Dankbarkeit für die Mitnahme zum Ausdruck gebracht. Das kam immer gut an.

Aufpassen, wenn viele Hände helfen

So schön es auch sein mag, wenn viele fleißige Hände beim Verladen von Fahrrädern und Packtaschen helfen: es geht meist zu Lasten der Kontrolle über das Geschehen. Gerät man hier an die falschen Personen, kann ganz schnell unbemerkt eine Packtasche in den Besitz fremder Hände verschwinden. Ist man zu zweit auf Reisen, kann man im Vorfeld sauber absprechen, wer in einer solchen Situation die Augen offen hält: einer steht auf der Ladefläche und arragiert Fahrräder und Gepäck, der andere beobachtet mit einem Auge, ob tatsächlich sämtliche Gepäckstücke auf der Ladefläche landen.

Uns war in Thailand bei einer Verladeaktion mit insgesamt 5 Helfern völlig entgangen, dass eine unserer Packtaschen in einem anderen Fahrzeug der Reisegruppe deponiert wurde. Wir bemerkten das erst am Zielort beim Ausladen. Es waren ehrliche, anständige Menschen, doch bei Personen mit krimineller Energie wäre eine unserer Packtaschen für immer verschwunden geblieben.

Die Ladungssicherung beim Trampen

Kein Fahrzeug ist wie das andere. Selbst die meisten Pickups haben unterschiedlich breite Ladeflächen, mehr oder weniger hohe Seitenwände und mal Verzurrösen und Reling oder eben nicht. Immer wieder darf man sich auch mit dem Gepäck des Fahrzeugeigners arrangieren. Doch mit ein wenig Kreativität, dem guten Willen und der wachsenden Erfahrung entwickelt sich im Laufe der Zeit etwas Routine und man findet eine sichere und verschleißschonende Packweise für jede Stauraum-Größe.

Idealerweise hält man selber auch Seil, Spannriemen, Polstermaterial oder andere nützliche Hilfsmittel bereit, um die Dinge zu richten.

Schwierig kann es lediglich werden, wenn man an einen Grobian oder einen Fahrer ohne Verständnis für die sensiblen Bereiche an Fahrrad und Gepäck gerät. Dann hat man seine liebe Mühe, die Kontrolle zu behalten und größere Schäden an den Rädern oder an den Packsäcken zu vermeiden. Ebenso kritisch ist Zeitdruck beim Fahrer. Den erkennt man meist erst, wenn er beim Verladen eher auf Geschwindigkeit statt auf Sorgfalt setzt.

Beschädigungen – die Spuren an der Ausrüstung

Uns haben genau solche Menschen einen abgerissenen Sattel, einen beschädigten Bremsgriff, ein durchgescheuertes Bremskabel, 2 abgeknickte Schutzbleche, einen verbrochenen Rückspiegel und einige tiefe Schrammen in den Alufelgen verursacht.

Entweder man nimmt bewusst gewisse Beschädigungen in Kauf oder man ist sehr wählerisch bei den Fahrzeugen und sehr sorgsam beim Verladen und Sichern.

Generell achten wir beim Verladen sehr sorgfältig auf ausreichenden Freiraum für Schaltwerk, Schalt- und Bremshebel, die Speichen und die Sättel. So reduziert sich das Beschädigungsrisiko auf Schönheitsfehler an den robusteren Komponenten.

Der Fahrstil des Fahrers

Die Sicherung von Fährrädern und Gepäck auf der Ladefläche eines Fahrzeugs ist die eine Sache. Eine andere ist die Fahrweise des Fahrers. Bringt dieser die nötige Sensibilit mit, wird es eine entspannte Fahrt. Wenn nicht, häufen sich schnell die Beschädigungen an der eigenen Ausrüstung (siehe oben) oder es wird sogar gefährlich für uns Mitreisende. Schlechte Straßen, Bahnübergänge, Schotterpisten, Bordsteinkanten, Stop-and-Go, Kurven, … all das erfordert einen angepassten Fahrstil und kostet unter Umständen Zeit, die mancher Fahrer nicht hat oder nicht bereit ist, zu investieren.

In Argentinien haben wir eine Mitnahme auf einem Anhänger nach wenigen km abgebrochen, weil wir an unseren Fahrrädern zu große Beschädigungen befürchten mussten.

Ein anderes Mal kam unser Fahrer von der Straße ab und fabrizierte fast einen Verkehrsunfall mit unabsehbaren Folgen für uns, die wir ungesichert neben unseren Fahrrädern auf der Ladefläche eines Kleinlasters saßen (Indonesien). Bis auf ein paar blutige Schrammen kamen wir da nochmal mit dem Schrecken davon.

Wenn das Eis bricht

Wie oft haben wir das erlebt: wir harren mehrere Stunden am Straßenrand aus, bis uns endlich jemand mitnimmt und nach den ersten 5 min im Auto ist der eingangs sehr skeptische Fahrer dann derart begeistert von unserer Radreise und unseren Erlebnissen, dass er unsere Kontaktdaten haben möchte, der Familie daheim die gemeinsamen Fotos zeigen möchte, uns unterwegs zum Essen einläd oder aus anfänglich 20 km Strecke plötzlich mehrere hundert km macht. Mehrfach haben die Fahrer dann sogar Umwege in Kauf genommen, weil sie uns bis vor die Haustüre unserer Zieladresse fahren wollten.

Um auf solche ungeplanten Erlebnisse vorbereitet zu sein, hält man am besten einige kleine Geschenke im Gepäck bereit, die man zum Dank beim Abschied überreichen kann.

Gefahren beim Trampen

Man begibt sich beim Trampen mit all seinem Hab und Gut in die Hände fremder Menschen. Das muss man sich immer vor Augen halten und dementsprechend mit einer erhöhten Wachsamkeit auf die Dinge zugehen.

Erscheint einem ein Fahrer im ersten Eindruck dubios, kann man rechtzeitig die Mitnahme ausschlagen und wartet eben auf ein anderes Fahrzeug.

Besonders vorsichtig muss man auf jeden Fall sein, wenn ein Fremder einem „von sich aus“ die Mitnahme anbietet, insbesondere in größeren Städten.

Grundsätzlich empfiehlt es sich auch, die Tasche mit den wichtigsten Wertsachen nicht im Laderaum zu deponieren, sondern immer bei sich zu tragen, auch wenn man mal eben für eine Kurzpause an der Tankstelle gemeinsam den Wagen verlässt.

Auch der regelmäßige Blick auf das Gepäck kann nicht schaden, insbesondere bei den offenen Pickups und im dichten Stadtverkehr mit Ampeln und Warteschlangen.

Leider gibt es auch gefährliche Pflaster für Tramper. Die beste Informationsquelle in dieser Hinsicht sind vertrauenswürdige Einheimische. Sie kennen die heiklen Städte, berüchtigte Regionen und aus den lokalen Medien auch alle einschlägigen Begebenheiten im Zusammnenhang mit dem Fahren per Anhalter. Deren Empfehlungen sollte man dann auch folgen.

Fazit zu den Tipps zum Trampen

Trampen bereichert den Reiseverlauf, fördert den intensiven Kontakt zu den Einheimischen, erhöht den Bewegungsspielraum auf der Reiseroute bei vergleichsweise niedrigen Kosten, verschafft einem unerwartete Erlebnisse und auch Abenteuer, beschert einem neue Kontakte und sogar Freunde, öffnet einem so manche Türe, kann aber auch zur Geduldsprobe werden, wenn es mal nicht so reibungslos läuft.

Wenn man sich geschickt organisiert, ist selbst mit Fahrrädern und schwerem Gepäck das Reisen per Anhalter ohne weiteres machbar und kann zu einer wertvollen Ergänzung im Reiseablauf werden. Wir würden es zu jeder Zeit einer Bus- oder Bahnreise vorziehen, weil es deutlich einfacher, preiswerter und spannender ist.

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