Bolivien 2019 – Reisebericht

Am 21.06.19 sind wir, von Argentinien kommend, nach Bolivien eingereist. Hier wollten wir über den Altiplano radeln und uns den ausgetrockneten Salzsee Salar de Uyuni sowie die Stadt La Paz ansehen und das Land am Titicacasee Richtung Peru wieder verlassen.

Freitag, 21.06.19

Am Grenzübergang hatten wir erstmals seit unserem Reisebeginn vor 4 Jahren eine längere Warteschlange vor uns. Als wir dann endlich an der Reihe waren, gab es erst einmal internes Palaver wegen unserer Fahrräder. Nach unserer Interpretation diskutierte das Personal über eine Gebühr für die Fahrräder. Die Dame am Schalter hatte auch Haare auf den Zähnen und wirkte sehr unfreundlich. Doch dann gab es Anweisungen vom Chef und wir bekamen die Stempel.

Am Ende verliefen die Grenzformalitäten einfacher, als wir es befürchtet hatten. Es gab einen Stempel für die Ausreise aus Argentinien und einen Zettel mit Stempel für die Einreise nach Bolivien an ein und demselben Schalter. Das war uns sehr recht, denn es spart den mittlerweile ziemlich knapp gewordenen Platz im Reisepass.

Auf dem Zettel stand auch die erlaubte Aufenthaltsdauer in Tagen:

  • Mercosur – CAN: 90 Tage
  • other countries: 30 Tage.

Auf meine Frage hin antwortete der Beamte, Deutsche hätten auf Anhieb 90 Tage. Das wollte ich nicht so recht glauben. Ich wusste nur von 30 Tagen mit der kostenlosen Möglichkeit, zweimal um weitere 30 Tage auf dann tatsächlich 90 Tage zu verlängern. Da wollten wir uns im Laufe der nächsten Tage noch einmal eingehend informieren.

Wir waren jedenfalls um 14 Uhr in Bolivien angekommen. Normalerweise macht sich nach Abschluss der Einreiseformalitäten bei uns immer etwas Entspannung breit. Doch heute war das anders. Denn jetzt mussten wir schleunigst unseren Abstieg aus den 3500 Metern Höhe organisieren, um nicht mit den Symptomen der Höhenkrankheit konfrontiert zu werden.

Unsere letzte Nacht in Argentinien verbrachten wir auf 2.200 Metern Höhe. Da dürften wir einen Tag später nicht großartig über 2500 Metern schlafen.

Der Grenzübergang La Quiaca lag jedoch auf 3500 Metern Höhe und erst 60 km weiter nördlich führte die Straße wieder hinunter bis auf akzeptable 2900 Meter. Und die einzige Stadt auf dieser Höhe weit und breit war Tupiza.

Per Fahrrad würden wir die 95 km Strecke bis Tupiza heute jedoch nicht mehr schaffen. Also versuchten wir aus der Fahrt heraus zu trampen. Zunächst verlief das sehr frustrierend, weil nur selten ein Fahrzeug vorbeikam, doch nach einer Stunde nahm uns ein Pickup mit, wenn auch nur für 20 km Strecke.

Wir hatten die Fahrräder am Ausstieg noch nicht wieder vollständig aufgeladen, da kam ein weiterer Pickup vorbei, den ich gleich anhalten konnte. Er nahm uns dann bis nach Tupiza mit. Was für ein Glück.

So erreichten wir gerade noch vor der Dunkelheit unser Tagesziel und hatten das Hochplateau hinter uns gelassen.

Durch die kalten Nächte in den letzten Tagen in Argentinien hatten wir uns beide eine heftige Erkältung zugezogen. Annett hatte es dabei besonders stark erwischt. So entschieden wir uns für die Suche nach einem Hostel für die erste Übernachtung in Bolivien.

Tupiza erlebten wir als quirlige Stadt. Es gab neben den Taxis hier unzählige Autorikschas, wie wir sie aus Asien schon kennen. Des Nachts kommt hier vor allem die bunte Beleuchtung dieser Autorikschas und auch an vielen privaten Autos zur Geltung. Ein buntes Lichtermeer.

Samstag, 22.06.19

Selten haben wir so schlecht geschlafen wie letzte Nacht. Die Matratzen im Hostel waren extrem durchgelegen, wie eine Halfpipe für Skater. Mit ausgestreckten Beinen auf dem Rücken schlafen ging gar nicht. Da lagen die Kniekehlen in der Luft.

Sehr angenehm empfanden wir die Tatsache, dass es hier in Bolivien keine mittägliche Siesta von mehreren Stunden gibt. Die Geschäfte haben durchgehend bis abends geöffnet. Das würde unsere Einkäufe in Bolivien unterwegs sehr erleichtern.

Jetzt bei Tageslicht kam vor allem die traditionelle Kleidung der bolivianischen Cholitas zur Geltung: Sie alle tragen lange schwarze Zöpfe, oft einen melonenförmigen Filzhut (Bombin) und einen extrem voluminösen, bunten Faltenrock, die Pollera.

Dabei geht der Einzug der Filzhüte auf die Kreativität einer Importfirma zurück: weil die melonenförmigen Männerhüte aus Italien hier in Bolivien bei den Männern keinen Absatz fanden, wurden sie aus der Not heraus den Frauen als neueste italienische Damenmode angepriesen. Daraus entwickelte sich dann eine Tradition, die sehr intensiv gepflegt wird.

Was immer die Cholitas auch zu schleppen haben, tragen sie in einem, meist prall gefüllten, bunten Stoffsack auf dem Rücken (Aguayo).

Der erste Tag in einem neuen Reiseland bringt ja immer einige Jobs mit sich: Geld beschaffen am ATM, einige Besorgungen, Infos über die Route, usw. Dabei erlebte ich gleich eine enorme Hilfsbereitschaft. Daneben halfen natürlich auch die mittlerweile gereiften Grundkenntnisse in Spanisch. So klappte die Verständigung immer besser.

In einem Lebensmittelladen drückte mir die Verkäuferin gleich einen kleinen Beutel Haferflocken als Geschenk in die Hand und wünschte uns viel Glück für die Reise durch die Berge.

Bei der Bargeldbeschaffung half mir nach mehreren Fehlversuchen in 3 Banken eine Mitarbeiterin der Bank.

Mit dem ersten Bargeld konnten wir dann auch unsere Hostelübernachtung bezahlen und unsere Lebensmittel für die bevorstehenden Berge ergänzen.

Wir wollten bewusst einige Tage in Tupiza verbringen, um unsere Akklimatisation ein wenig zu unterstützen. Hinter Tupiza würde es auf den nächsten 50 km schließlich hochgehen bis auf 3500 Meter. Und ab dort würden wir dieses Höhenniveau bis nach Peru nicht wieder verlassen.

Doch um die Kosten im Rahmen zu halten, suchten wir uns für die nächste Nacht eine andere Übernachtungsmöglichkeit: das Pfarrhaus einer kleinen Kirche im Norden der Stadt.

Sonntag, 23.06.19

Aus unserer Frage nach einer Wäscherei für die überfällige Reinigung unserer Daunenschlafsäcke wurde zunächst einmal das Angebot des Paters, noch eine weitere Nacht zu bleiben, denn erst am Montag wäre die betreffende Wäscherei (mit dem erforderlichen Know How für Daunenwäsche) wieder geöffnet. Danke! Wie gut tat uns dieser Tag. Wir konnten uns mit dem Reparaturstau befassen:

  • Die Waschschüssel bekam 6 neue Flicken und war nun endlich wieder halbwegs dicht
  • Der Riss im Außenzelt wurde von innen verklebt
  • Die großen Löcher in den beiden betreffenden Packtaschen bekamen Flicken
  • Meine Lenkertasche bekam ebenfalls Flicken
  • Die beiden Löcher in Annetts Thermarestmatte wurden abgedichtet.

Zum Mittag waren wir zum gemeinsamen Essen mit der Familie eingeladen und am Abend nahmen wir an der Predigt des Paters auf dem Außengelände am Holzfeuer teil.

Montag, 24.06.19 – Dienstag, 25.06.19

Es war frostig kalt. Beim Wasserzapfen an dem Außenhahn gefror das Wasser in der Flasche, während ich sie füllte. Allerdings war nach einem Liter Schluss. Ich musste erst abwarten, bis die Sonne später das Eis in der Leitung wieder aufgetaut hatte.

Wie kalt würde es erst auf 3700 Metern Höhe sein in den kommenden Wochen?! Uns war schon etwas unwohl zumute:

  • Ist unsere Kleidung warm genug?
  • Wärmt der Schlafsack auch noch bei Temperaturen um die 10 ° Minus?
  • Müssen wir beim Kochen von Spiritus auf Benzin umsteigen?
  • Bekommen wir unsere Mahlzeiten überhaupt noch gar gekocht, wenn das Wasser da oben schon bei 90 °C kocht?

Die Suche nach der betreffenden Wäscherei dauerte 2 Stunden, dann gab ich auf. Ich fragte gefühlte 20 Personen und wurde x mal in verschiedene Ecken der Stadt geschickt, doch es gab nirgendwo eine Wäscherei. Es war sehr frustrierend und dämpfte schlagartig mein Vertrauen in das Vermögen der Bolivianer, uns im Bedarfsfall zu helfen.

Die große Wäsche fiel also aus. Vielleicht klappt es ja in Uyuni.

Auch die Zelt-Reparatur war eine Enttäuschung: Der alte Rest Silnet war wohl doch nicht mehr geeignet. Die Fläche war noch klebrig und den Zeltstoffflicken konnte ich einfach wieder abziehen. Ich beschloss, es mit Silikon aus dem Baustoffhandel zu versuchen. Die Erfahrungsberichte im Internet lasen sich in dieser Hinsicht sehr erfolgversprechend. Ich fuhr in die Stadt und beschaffte mir für umgerechnet 2 Euro eine Kartusche transparentes Silikon und machte mich an die Arbeit.

Für das Zelt benötigte ich eigentlich nur eine homöopathisch kleine Menge aus dieser großen Kartusche. Doch ganz schnell fielen uns die vielen anderen Baustellen an unserer Ausrüstung ein, die man ja auch prima abdichten könnte. Somit gab es wieder ein tagesfüllendes Programm mit Reparaturen an allen möglichen Gegenständen.

Die Erlaubnis für eine dritte Nacht machte all diese Reparaturen aber erst möglich, denn so konnten wir über Nacht alles aushärten lassen. Dafür schenkten wir dem Pater die angebrochene Kartusche Silikon. Er konnte es gut gebrauchen.

Am Dienstag verließen wir Tupiza, nachdem wir uns im Stadtzentrum noch einmal ausgiebig mit der Straßenküche beschäftigt hatten. Leckere Sachen hatten sie da im Angebot.

Es gibt keine durchgängig asphaltierte Straßenverbindung Richtung Uyuni im Norden. Schon gleich hinter dem Ortsende von Tupiza führt lediglich eine abenteuerliche Schotterpiste mit mehreren Furten hoch in die Berge. Unser Tagesziel war Salo, ein kleines Dorf auf 3100 Metern Höhe. Allerdings kämpften wir gleich zu Beginn mit einem heftigen Gegenwind mit starken Böen, die uns regelmäßig den Sand in die Augen wirbelten. In Verbindung mit dem Aufstieg bedeutete das für mich gleich wieder Schieben, denn der grobe Schotter und das Waschbrettprofil machten das Radeln anstrengender als das Laufen neben dem Fahrrad.

Unser Video auf Youtube:    Piste hinter Tupiza

Unser Video auf Youtube:    Furten hinter Tupiza

Unser Video auf Youtube:    Gebirge zwischen Tupiza und Atocha

Nach den ersten 10 km Schotterpiste wechseln sich Asphalt und Schotter immer wieder ab. So blieb die Befahrung stellenweise sehr anstrengend.

So anstrengend, dass wir irgendwann einen alten Kleinlaster anhielten, weil wir Salo nicht mehr bei Tageslicht erreicht hätten. Wir waren ja sehr spät erst aus Tupiza losgefahren. Der Fahrer fuhr nicht nur bis Salo, sondern bis Atocha. Das waren 80 km mehr Strecke und 500 Höhenmeter mehr.

Weil Salo nur aus ein paar Häuschen bestand, beschlossen wir, gleich weiter mitzufahren bis nach Atocha. Die insgesamt 700 Höhenmeter hielten wir für vertretbar, weil wir ja in Tupiza auf 2900 Metern Höhe 3 Tage Akklimatisation hinter uns hatten.

80 km Strecke per Auto: das klingt sehr einfach und lässt vermuten, dass die Fahrt nach anderthalb Stunden zu Ende ist. Doch tatsächlich wurde die Fahrt eine frostige Odyssee über ganze 4 Stunden:

Wir saßen auf der Ladefläche zwischen unseren Fahrrädern und einer großen Gasflasche. Die LKW-Plane hielt zwar sehr viel Fahrtwind ab, doch nach Sonnenuntergang zog der kalte Fahrtwind durch den Laderaum und sorgte sehr schnell für eine Unterkühlung.

Auf der Schotterpiste schwankte der LKW immer hin und her und wir wurden ordentlich durchgeschüttelt. Auch die Ladung verrutschte ständig und engte unsere Sitzecke immer weiter ein.

Besonders spannend waren die Furten. Die Bachläufe waren ziemlich breit und zum Teil so tief, dass der Fahrer hinter einer Furt immer erst anhielt, um zu prüfen, ob der Motor noch einwandfrei lief.

Mit zunehmender Höhe machte uns die Kälte zu schaffen. Wir platzierten unsere Packtaschen so um uns herum, dass die Zugluft uns weniger stark auskühlte, doch das blieb ein Tropfen auf den heißen Stein. Irgendwann klapperten wir mit den Zähnen, weil uns so kalt war.

Plötzlich ging der Motor aus. Wir hörten Rumoren an der Fahrzeugtechnik, konnten aber nichts sehen, weil die blickdichte Plane ja von außen fest verschnürt war. So interpretierten wir: Der Sprit war alle. Dann roch es nach Benzin und irgendwann ging es weiter. Der Motor stotterte, als wenn der Vergaser nicht richtig eingestellt oder einzelne Zündkerzen ausgefallen wären. Nach wenigen km ging der Motor wieder aus. Es tat sich nichts. Wir hörten nur die Musik aus dem Fahrerhaus.

Wir malten uns aus, wann wir wohl Atocha erreichen würden oder ob überhaupt. Der Fahrer signalisierte uns, dass alles in Ordnung wäre und so kauerten wir geduldig auf der Ladefläche. Wir nutzten die Pause jetzt, um uns eine wärmere Garderobe anzulegen, denn wir waren schon merklich unterkühlt und es würde mit steigender Höhe ja nicht wärmer.

Dieses Prozedere aus einigen km Fahrt und einer Wartezeit von bis zu einer halben Stunde wiederholte sich dann noch zweimal, doch irgendwann lief der Motor wieder störungsfrei.

Um 21 Uhr erreichten wir so das kleine Städtchen Atocha auf 3600 Metern Höhe bei 5 °C und waren so unterkühlt, dass wir fluchtartig nach einem etwas wärmeren Gebäude suchten. Doch da gab es nichts außer einem Krankenhaus, dessen Eingangshalle genauso kalt war, wie die Außenluft.

Wir fragten uns durch bis zu unserem Couchsurfing-Kontakt, der sich glücklicherweise noch heute Morgen gemeldet hatte. Dann gab es erst einmal eine heiße Tasse Kakao und die tauben Füße wurden wieder warm.

Danach stiegen wir auf zu der kleinen Steinhütte im Berghang, wo wir dann um 1 Uhr nachts völlig geschafft von diesem Tag und den Erlebnissen in die Betten fielen.

Mittwoch, 26.06.19 – Sonntag, 30.06.19

Das Angebot, länger zu bleiben, kam uns sehr gelegen für die anstehende Akklimatisation auf die neue Höhe. So würden sich unsere Kopfschmerzen schneller verziehen. Allerdings war es in der Hütte nicht gerade warm temperiert. Die einzige Heizquelle war ein kleiner, nicht wirklich effektiver Heizlüfter, der auch lediglich auf Stufe 1 laufen durfte, weil sonst die Sicherung herausspringen würde.

Somit saßen wir bei – 5° (morgens) bis 17° (nachmittags) „gemütlich“ an unserem Schreibkram. Die Sonne schien zwar all die Tage vom wolkenlosen Himmel, doch hier auf 3600 Metern Höhe hatte die Luft immer um die 16 °C. Das merkte man im Schatten und vor allem in allen Gebäuden. Denn Heizung kennt man hier nicht.

Auch sonst hielt sich der Komfort in Grenzen: morgens war das Wasser gefroren und die sanitären Anlagen waren ein Abenteuer. Die Steckdosen ebenfalls. Die Beleuchtung wurde zum Teil über gezogene Stecker gesteuert und beim Wechsel zwischen den beiden kleinen Räumen und dem Flur (nennen wir es mal so) war stets besondere Akrobatik vonnöten, um nicht auf den schiefen Natursteinstufen abzurutschen oder sich den Kopf an dem tiefen Türsturz zu stoßen.

Die eisige Kälte der letzten Tage nahmen wir zum Anlass, unsere Garderobe um ein paar warme Kleidungsstücke zu erweitern, denn bis weit nach Peru würden wir uns in den nächsten Wochen immer in den Hochlagen der Anden aufhalten, also auf 3700 bis 4000 Metern Höhe.

So kaufte sich Annett Jacke und Regenhose, ich kaufte mir warme Wollsocken, eine Fleecemütze, ein Paar wärmere Einlegesohlen für meine Schuhe und eine dicke Daunenjacke. Samstag war Markttag hier in Atocha und die Preise waren unschlagbar. In Bolivien ist Kleidung sehr günstig zu haben, das kam uns jetzt entgegen.

Montag, 01.07.19 – Donnerstag, 11.07.19

Hinter Atocha steigt die Straße steil an und bietet zwar traumhafte Berglandschaft, aber auch wieder um die 300 Höhenmeter Aufstieg mit viel auf und ab. Nach ca. 10 km erreicht man dann das Hochplateau des Altiplano. Ab hier führt die Straße nur noch fast ebenerdig weiter bis Uyuni.

Wir kämpften gegen den kalten Gegenwind und erreichten noch rechtzeitig bei Tageslicht Uyuni, wo wir gleich gezielt das Casa Ciclista Pingüi aufsuchten und nach einer Übernachtung fragten. „Kein Problem, ihr könnt auch länger bleiben!“, wir waren erleichtert. Zeit für die Akklimatisation und die letzten Reparaturen an unserem Gepäck.

Ich kaufte neue Clipverschlüsse für unsere Packtaschen und wir machten uns ans Nähen. Wäsche waschen war etwas schmerzhaft, denn das Wasser hatte, wie auch schon in Atocha, Temperaturen um den Gefrierpunkt. Der Wasserkessel in der Gemeinschaftsküche war meist in Betrieb, um die vielen anderen Reiseradler mit heißen Getränken zu versorgen. Da gab es keinen Spielraum für warmes Waschwasser.

Das Klima sollte sich über die nächsten Wochen hier oben auf dem Altiplano nicht großartig ändern: Nachts wurde es bis zu -9 °C kalt, tagsüber entwickelte die Sonne zwar immer enorme Wärme, doch im Schatten blieb es stets um die 14 °C kalt. Weil die Türen der Schlafräume hier nicht dicht abschlossen, hatten wir morgens immer um die 7 °C im Zimmer.

Ich schlief mittlerweile mit einer zweiten, teilweise dritten Kleidungsschicht und dicken Wollsocken im Schlafsack und trotzdem fror ich. Auch tagsüber kam ich mit meinen Schuhen an Grenzen. Der einzige Zeitkorridor, in dem ich warme Füße hatte, war von 11 Uhr morgens bis 18 Uhr abends. Noch nie in meinem Leben habe ich es so bewusst genossen, warme Füße zu haben.

Die Wasserversorgung war durch die nächtliche Kälte auch immer etwas abenteuerlich. Ab den frühen Abendstunden war das Wasser in den Leitungen gefroren bis zum späten Vormittag. Dann hatte die Sonne wieder alles aufgetaut. Doch wenn es dann zufällig in der ganzen Stadt kein Wasser gab, entstanden schnell Engpässe. Wir waren schließlich zu 10 Reiseradlern.

Wir hatten auch beide wieder blutige Risse in der Haut an den Händen und entzündete Nasenschleimhäute. Die trockene Luft und die Höhe machten uns zu schaffen. Es waren die gleichen Erscheinungen wie vor 2 Jahren auf dem Pamir-Highway in Tadschikistan auf 4000 m Höhe.

Der Informationsaustausch mit den anderen Reiseradlern war sehr fruchtbar. Alle waren auf ihrer Reise immer wieder auf der Suche nach den besten Übernachtungsplätzen. Jeder versuchte nach Möglichkeit, wegen der Kälte und der kurzen Tage aufs Zelten zu verzichten. Unsere bisherigen Bemühungen über Warmshowers und Couchsurfing waren da auch eher ernüchternd verlaufen.

Zufällig hatte ein Familienmitglied hier im Casa Ciclista Pingüi in zwei Tagen Geburtstag und das sollte hier im Innenhof mit 30 Gästen groß gefeiert werden. Natürlich beteiligten wir Reiseradler uns alle an den Vorbereitungen und konnten bei dieser Gelegenheit an einer bleibenden Verschönerung der gesamten Einrichtung mitwirken:

Max, der Chef des Casa Ciclista, stellte uns 20 Farbeimer und ein paar Pinsel zur Verfügung und wir veredelten alle noch nicht mit Kunstwerken verzierten Wände:

Annett malte ein riesiges Mandala auf die eine Wand, ich malte mit zwei anderen Reiseradlern die bolivianische Flagge an die Wand im Eingangsflur, … Wir mixten Farbtöne und es ging zwei Tage lang Hand in Hand: alle Gäste und die Familie. Am Freitagabend waren ca. 40 m² Wandfläche neu gestaltet, alle Räume gereinigt, die Fenster geputzt, alle Fahrräder ordentlich an die Wand gehängt, der große Asado-Grill aufgebaut und alles für die große Party vorbereitet.

Wir Radler waren auch eingeladen und bereicherten die Gesellschaft gleich um mehrere Nationalitäten: Argentinien, Kolumbien, Brasilien, Irland, Mexiko und Deutschland. Später trafen noch ein Salvadorianer und ein Peruaner ein. Wir waren tatsächlich eine internationale Community.

Unser Video auf Youtube:    Casa Cyclista Pingüi in Uyuni

Auf der Party sorgte ein Discjockey samt 5000 Watt Beschallungsanlage für die passende Akustik und es gab Tanz bis tief in die kalte Nacht. Und wir durften mit dabei sein.

In Uyuni ergab sich dann noch die Gelegenheit, in der Migrationsstelle wegen unserer 90 Tage Aufenthaltsdauer nachzufragen. Und tatsächlich hatten wir zunächst nur 30 Tage, weil Mercosur lediglich ein Zusammenschluss von den meisten südamerikanischen Staaten ist. Da änderte auch das aktuelle Freihandels-Abkommen der Mercosur mit der EU vom 28.06.2019 nichts.

Wir konnten jedoch ohne Probleme gleich um weitere 60 Tage verlängern, was hier allerdings 20 Bolivianos pro Person kostete (3 €).

Freitag, 12.07.19

Heute brachen wir auf Richtung Salar de Uyuni, dem größten ausgetrockneten Salzsee der Welt. Allerdings mussten wir zunächst einmal die 20 km bis Colchani zurücklegen, was nicht einfach war bei dem heftigen Gegenwind. So erreichten wir, ziemlich abgekämpft, am späten Nachmittag Colchani und beschlossen, erst morgen in den Salzsee vorzudringen.

Bemerkenswert viele Ruinen alter Wohnhäuser aus Lehm gab es hier in Colchani zu entdecken. Daneben gibt es eine Fülle von neueren Gebäuden, die aus dem Salz erbaut wurden, das sie hier im Salar de Uyuni abbauen. Hinter einigen Gebäuden türmen sich die Salzberge. Hier trocknen sie das abgebaute Salz, bevor es von den Frauen und Kindern in mühsamer Handarbeit in Plastiktüten abgepackt wird. Interessant war die Technik, mit der sie die Plastiktüten verschweißen: sie halten den Tütenfalz für einen kurzen Moment an ein per Gasflamme erhitztes Rohr.

Einen ruhigen Zeltplatz fanden wir auf Sandboden mitten in Colchani, ebenso eine Wasser-Zapfstelle, wo wir unsere Wasservorräte für die Fahrt über den Salzsee auffüllen konnten.

Samstag, 13.07.19

Die Nacht war eiskalt. Ich hatte ab Mitternacht gefroren. Auch das Wasser in all unseren Flaschen war gefroren. Da nützte es uns gar nichts., dass ich den Brennspiritus über Nacht mit in den Schlafsack genommen hatte. Wir mussten abwarten, bis die Sonne soviel Eis aufgetaut hatte, dass ich mit dem Kochen beginnen konnte. Aber das Zelt war knochentrocken.

Am Ende kamen wir erst um die Mittagszeit aus Colchani. Der Standardweg über den Salar de Uyuni führt Richtung Westen bis zur Isla Inkahuasi und dann Richtung Norden bis nach Coqueza am Fuße des Vulkans Tunupa.

Wir wählten die kürzere Route von Colchani direkt nach Coqueza, also diagonal über den Salzsee. Jedenfalls gab es laut unserer Offline-Karte im Handy eine direkte Route.

Doch da ahnten wir noch nicht, was uns tatsächlich erwarten würde:

Zunächst einmal hatten wir Schwierigkeiten, aus dem Knäuel an Routen auf Anhieb die richtige Strecke zu finden. Immer, wenn wir einige hundert Meter weit in die vermeintlich richtige Richtung gefahren waren, zeigte unser Navi an, dass wir falsch waren. Also verließen wir die Piste und fuhren quer über das Salzfeld, bis wir auf die richtige Route trafen. Das Salzfeld ließ dabei meist nur ein Schieben zu, weil es sich so holprig fuhr wie grobes Kopfsteinpflaster.

Am Ende hatten wir 4 mal die Piste gewechselt und mussten feststellen, dass es die in unserer Karte eingezeichneten Routen allesamt nicht mehr gab. Die neuen Pisten waren dagegen noch nicht in der Karte enthalten. Wir fuhren also blind.

Einziger Anhaltspunkt war der Vulkan Tunupa am anderen Ende unserer insgesamt 66 km Strecke über diese endlose, weiße Ebene. Aber das dürfte ja nicht so schwierig werden.

Alle Pisten über den Salzsee sind lediglich mehr oder weniger platt gefahrene Salzfläche. Dabei ist die ursprüngliche Oberflächenstruktur dieser Salzfläche noch vorhanden und bei einer Befahrung per Fahrrad sehr deutlich zu spüren. Hohe Geschwindigkeiten sind da illusorisch. Die holprige Struktur auf der Piste zwingt einen zur Schrittgeschwindigkeit.

Unsere Piste war in dieser Hinsicht besonders abenteuerlich, weil es eine sehr selten befahrene Nebenstrecke war. Kein einziges Fahrzeug begegnete uns auf unserer Route. Das machte uns auch schon wieder etwas Sorgen. Denn wir hatten lediglich 9 Liter Wasser als Vorrat mitgenommen. Sollte uns kein einziges Auto auf dieser Piste begegnen, gäbe es auch keine Möglichkeit, unsere Wasserflaschen wieder aufzufüllen.

Also hofften wir darauf, die gesamte Strecke an einem Tag zurücklegen zu können. Dabei hatte uns die anfängliche Sucherei ordentlich Zeit gekostet. So hatten wir um 16 Uhr gerade einmal 20 km Strecke in die richtige Richtung hinter uns gebracht.

Unser Video auf Youtube:    Lamas am Salar de Uyuni

Unsere Videos auf Youtube:    Salar de Uyuni 1    Salar de Uyuni 2

Doch kaum hatten wir uns an unsere, offensichtlich richtige Piste gewöhnt, kam ein neues Hindernis auf uns zu: vor uns, in geschätzten 20 km Entfernung, lag ein großer See.

Aus! Das war´s! Unser Weg war eine Sackgasse. Jetzt wurde uns auch klar, warum uns hier kein einziges Fahrzeug begegnete. Wir verließen sofort die Piste und hielten uns Richtung Süden. Irgendwann würden wir ja auf eine der anderen Pisten treffen. Und dann würden wir weiter sehen.

Nach 2 km mühsamen Schiebens (das Salzfeld war definitiv nicht befahrbar per Fahrrad) erreichten wir eine andere Piste, der wir dann weiter folgen wollten. Nach unserem Ermessen führte sie an dem See südlich vorbei. Allerdings war auch diese Piste nicht in unserer Karte verzeichnet.

Dann kam uns ein Auto entgegen. Eine hervorragende Gelegenheit, um etwas mehr Klarheit zu gewinnen. Zunächst einmal gäbe es definitiv keinen See. Es war also eine Fata Morgana. Aber die Piste würde wohl nach Coqueza führen, es gäbe bis dahin jedoch einige Abzweigungen. Mit unseren spärlichen Spanisch-Kenntnissen verstanden wir natürlich nicht, an welchem Abzweig wir in welche Richtung abbiegen müssten.

Wir beschlossen jedenfalls, auf dieser neuen Piste zu bleiben, denn hier gab es offensichtlich Verkehr, und das wäre ein Garant für Wasserverfügbarkeit, wenn wir leerlaufen.

Wir gaben Gas (soweit die buckelige Piste das überhaupt zuließ), um möglichst noch einige km Strecke hinter uns zu bringen, doch da bahnte sich schon die nächste Bremse an: Ich hatte wieder einen Plattfuß am Hinterrad. Unglaublich! Hier gibt es weit und breit nur Salz und da bekomme ich eine Reifenpanne. Der Zeitpunkt hätte dabei auch nicht ungünstiger sein können:

Kurz vor Sonnenuntergang, kurz vor der eisigen Kälte, durfte ich nun einen Schlauch reparieren. Damit hatte sich auch eine Weiterfahrt für heute erledigt. Wir suchten in Windeseile einen geeigneten Platz fürs Zelt und bauten das Nachtlager auf. Dann machte ich mich an die Reparatur.

Zum Glück brauchte ich kein Wasserbad, um das Loch im Schlauch zu finden, denn das hätte unsere Wasservorräte empfindlich reduziert. Hart und schmerzhaft blieb es allemal, denn bei der eisigen Kälte und dem dämmrigen Licht machte die Reparatur nicht wirklich Spaß. Meine Finger waren schon seit Tagen an den Fingerkuppen rissig und blutig. Es war mir kaum möglich, den Flicken richtig fest auf den Schlauch zu pressen, aber da musste ich jetzt unter Schmerzen durch.

Als ich fertig war, hatten wir finstere Nacht. Und ich war richtig gleichmäßig durchgefroren. So lief das Kochen und Essen im Zelt dann auch mit eiskalten Füßen ab. Weil wir wussten, dass es des Nachts hier draußen auf dem Salzsee locker -5° kalt werden würde, zogen wir gleich 3 Lagen Kleidung an und legten uns noch weitere Kleidungsstücke auf den Schlafsack, in der Hoffnung, nicht zu stark zu frieren.

Sonntag, 14.07.19

Wir hatten gefroren, doch wir haben überlebt. Es hätte schlimmer kommen können. Das Wasser in den Flaschen war wieder gefroren und bis wir gefrühstückt hatten und aufgetaut waren, hatten wir 11 Uhr.

Dann setzten wir unsere Odyssee fort. Jedes Auto, das uns entgegenkam, hielten wir nun an und fragten nach Trinkwasser. So schafften wir es mit 4 Fahrzeugen, unsere Plastikflaschen wieder vollständig aufzufüllen, obwohl wir die verbleibenden 55 km Strecke eigentlich bis zum Abend schaffen sollten.

Doch so sehr wir uns auch bemühten, wir kamen deutlich langsamer voran, als wir es uns gewünscht hätten. Die Piste ließ wieder nur Schrittgeschwindigkeit zu und wir mussten alle 3 oder 4 km eine Pause einlegen, weil unsere Arme die starke Vibration nicht mehr aushielten. Wir wurden permanent durchgeschüttelt. Besonders schlimm wurde es 15 km vor Coqueza. Die Piste fuhr sich wie eine alte Römerstraße. Am Ende war nur noch Schieben möglich. Da kam ich schneller voran, als durch Fahren.

8 km vor Coqueza, wir konnten den Ort schon aus der Ferne sehen, war für uns absehbar, dass wir den Ort erst in der Dunkelheit erreichen würden. Also brachen wir hier ab und suchten uns wieder eine geeignete Stelle auf dem Salzsee für den Zeltaufbau. Kaum hatten wir das Zelt stehen, hielt ein Auto neben uns und der Fahrer machte uns darauf aufmerksam, dass wir unbedingt Lichter oder Reflektoren rings um das Zelt platzieren müssten über Nacht, weil sie uns sonst über den Haufen fahren würden.

Es gab hier tatsächlich nicht nur diese eine Piste, sondern eine unendlich große Anzahl an Einzelspuren. Per Auto ist man auch nicht an Pisten gebunden. Durch das komfortable Fahrwerk und die dicken Reifen stellen auch die übelsten Unebenheiten auf diesem Salzsee kein Hindernis für Autos dar. Jeder Fahrer sucht sich also seine eigene Route. Die Benutzung der Pisten ist eher eine Empfehlung, aber keine Notwendigkeit. Hinzu kam die Tatsache, dass heute, am Sonntag, der Alkoholspiegel mancher Fahrer unsere Überlebenschancen weiter reduzieren sollte.

So bauten wir also unsere Fahrräder samt Warnweste vor und hinter dem Zelt auf und hofften, dass die nächtlichen Fahrer uns denn sehen würden.

Montag, 15.07.19

Es ging gut. Wir lebten noch und es gab keine Kollision in der Nacht. Ich hatte nur eine völlig verbrannte Unterlippe. Da hatte ich mich wohl mal wieder viel zu selten eingecremt: nämlich gar nicht. Jetzt war sie jedenfalls dick geschwollen und rissig.

Mit der gewonnenen Routine organisierten wir unser Frühstück, packten und machten uns auf den Weg nach Coqueza.

Tatsächlich wurde die Piste nicht besser und so wurden die restlichen 8 km für mich eine Mischung aus 80% Schieben und 20% Fahren bei Schritttempo.

Unser Video auf Youtube:    Pisten-Qualität auf dem Salzsee

Coqueza wirkte auf uns wie ein verlassenes Dorf aus einer vergangenen Zeit. Wir sahen keine Menschenseele, nur ein paar Lamas und Flamingos, sonst nichts. Die Landschaft im Ort wirkte dabei wie eine Mondlandschaft. Sie passte sehr gut zu dem Vulkan im Hintergrund und dem Salzsee.

Nach kurzer Pause fuhren wir gleich weiter Richtung Jirira, von wo wir morgen den Vulkan Tunupa besteigen wollten. Und wir freuten uns, endlich die buckelige Salzpiste hinter uns zu haben.

Doch tatsächlich kam es noch schlimmer: Die gesamte Strecke von Coqueza bis nach Jirira war eine Sandpiste. Zum Teil bestand der Untergrund noch nicht einmal aus Sand, sondern aus feiner Vulkanasche. Fahren war überhaupt nicht möglich und Schieben wurde zur Tortur. Die Räder versanken im weichen Untergrund und es kam einem vor, wie Schieben mit gezogener Bremse.

Auch das Dorf Agque auf halber Strecke war eher eine verlassene Ruinenstadt als ein gemütlicher Ort für eine Pause.

Am späten Nachmittag erreichten wir nach lediglich 15 km Strecke, völlig entkräftet, Jirira.

Die einzige Aufheiterung entlang des Weges war eine alte Bolivianerin, die uns ihre selbst geknüpfte Steinschleuder (eine Honda) vorführte und mit der wir eine ungewöhnlich nette Unterhaltung hatten.

Unser Video auf Youtube:    schwierige Sandpiste

Unser Video auf Youtube:    Cholita mit Steinschleuder

Auch Jirira wirkt wie eine verlassene Ruinenstadt, doch es gibt einen relativ großen Hotelkomplex. Dort fragten wir nach Wasser und konnten die Akkus unserer Kameras wieder einmal aufladen. Dabei platzierte das Personal Annetts Videokamera zwischen rohem Fleisch und Käse auf der Küchenanrichte.

Zufällig kam ich mit dem Hotelbesitzer ins Gespräch und nach einer Stunde hatten wir die Erlaubnis, in einem der leerstehenden Räume des Hotels unsere Matten auf dem Fußboden auszubreiten. So blieb uns eine weitere frostige Nacht erspart und der Tag war nicht gleich wieder um 20 Uhr zu Ende.

Dienstag, 16.07.19

Es hätte so glattlaufen können: Fotos und Videos von der Speicherkarte aufs Netbook ziehen, Backup auf der externen Festplatte erstellen und dann gemütlich frühstücken. Doch es lief dann doch ganz anders:

Gerade als ich die externe Festplatte angeschlossen hatte, meldete das Netbook: bitte Ladegerät anschließen. Ich musste sofort mit Netbook und Festplatte in die Nähe der einzigen Steckdose im Raum umziehen. Dort war Annett gerade mit dem Frühstück beschäftigt.

Ich kündigte an, dass ich in ihre Ecke müsste und machte mich mit der gesamten Elektronik auf den Weg durch das Zimmer. Gerade, als ich in Annetts Nähe war, … ich wollte gerade sagen, „bleib unten, ich bin direkt hinter dir“, sprang Annett auf um mir Platz zu machen und das Netbook samt der Festplatte flogen in hohem Bogen durch den Raum. Die Festplatte zersprang in 3 Teile, das Kabel riss aus der USB-Buchse und das Netbook blieb mit Bildstarre irgendwo liegen.

Ich war erstarrt vor Schreck. Das war´s. Das gesamte Foto- und Film-Material von 4 Jahren Radreise war jetzt bestimmt unwiederbringlich zerstört. Und das Netbook wird es auch hinter sich haben.

Ich begann bei der Festplatte: Das Innenleben schien noch unversehrt, die beiden Gehäuseteile ebenfalls. Ich setzte alles wieder zusammen und prüfte, ob der Stecker noch in die Buchse passte.

Dann war das Netbook dran: ausschalten, Neustart und auf die vielen Fehlermeldungen warten: „Windows wurde nicht richtig …“ usw.

Nach einer halben Stunde lief das Netbook wieder, als wäre nichts gewesen. Ich schloss die Festplatte an und hielt die Luft an …

… sie wurde erkannt und die Dateien ließen sich öffnen, wie gewohnt. Puh! Da hatte ich wohl noch mal richtig Glück gehabt.

Nach diesem Schreck in der Morgenstunde und einem doch noch entspannten Frühstück stand der Aufstieg auf den Vulkan Tunupa auf dem Programm. Wir ließen unser Gepäck im Hotel stehen und machten uns auf den Weg. Es wurde ein volles Tagesprogramm. 1000 Höhenmeter und 8,5 km Schotterweg zum Teil mit losem Geröll. Doch die Aussicht belohnte für die Strapazen:

Oben hat man eine traumhafte Rundum-Aussicht auf den Salar de Uyuni und die umliegende Bergwelt sowie den ehemaligen Lava-Abgang des Vulkans Tunupa. Eine außergewöhnliche Botanik ist oben unweit der Aussichtspunkte ebenfalls zu bewundern: wuchtige Büsche leuchtend grün, so groß wie Felsbrocken. Das war fast noch faszinierender als der Vulkantrichter.

Unser Video auf Youtube:    Ausblick vom Vulkan

Der Abstieg war stellenweise schwieriger als der Aufstieg, wenn es über loses Geröll ging. Ich rutschte prompt einmal aus, konnte mich jedoch gekonnt abfangen. Dummerweise landete meine rechte Hand dabei in einem der niedlichen Sträucher und viele, viele Halmspitzen bohrten sich in meine Hand. Es brannte wie Feuer und ich hatte meine liebe Mühe, all die stacheligen Halmspitzen wieder aus meinen Fingern zu entfernen. Ich war dabei auch nicht sehr erfolgreich und verschob die Verarztung auf später.

Kurz vor der Dunkelheit waren wir wieder bei unseren Fahrrädern und durften zum Glück noch eine weitere Nacht in dem leerstehenden Hotelzimmer schlafen. Danke.

Mittwoch, 17.07.19

Heute Morgen lief alles etwas langsamer ab. Der Muskelkater von der Wanderung gestern steckte mir noch in den Knochen. Und ich hatte arge Probleme mit den eiternden Stacheln in meiner rechten Hand. Die meisten dieser Stacheln saßen senkrecht in den Fingern und ließen sich nicht herausdrücken. Jeder Handgriff verursachte stechende Schmerzen, die Finger waren regelrecht geschwollen von den vielen vergeblichen Versuchen, die Stacheln zu entfernen. Auch das Greifen am Bremshebel war nur unter stechenden Schmerzen möglich.

Da passte es gut, dass wir heute nur 30 km Strecke bis Salinas de Garci Mendoza geplant hatten. Das sollte nicht all zu schwer werden. Doch da kannten wir die Straße noch nicht: Es war nicht anderes als vorgestern zwischen Coqueza und Jirira: loser Sand, so fein wie Asche, ließ unsere Reifen einsinken und machte das Fahren auf weiten Strecken unmöglich. Selbst das Schieben durch den Sand war wieder eine Quälerei. So benötigten wir für 6 km eine ganze Stunde.

War es mal kein Sand, dann war es grober Schotter mit Waschbrettprofil auf der gesamten Breite. Das Fahrrad sprang schon bei Schrittgeschwindigkeit wie ein trabendes Pferd.

Einzig erholsam waren die 15 km Nebenstrecke über den Salzsee, die uns der Hotelier in Jirira noch empfohlen hatte, anstelle der Hauptstraße. Das ersparte uns nicht nur weitere 15 km Sandpiste, sondern auch einige Höhenmeter.

Unser Video auf Youtube:    Schotterpiste in Bolivien

Um 17 Uhr erreichten wir Salinas, wo gerade das dreitägige Fest zu Ehren der „Virgen del Carmen“ in vollem Gange war: ein großer Umzug mit Blasmusik, Kostüme und viel Alkohol hatten die gesamte Stadt im Griff. Und gerade einer der betrunkensten Kollegen verhalf uns zu einem Schlafplatz in einem sicheren Gebäude im Norden der Stadt.

Mit dem heutigen Tag hatten wir auch den Salar de Uyuni samt Umgebung hinter uns gelassen. Weil uns dieser Salzsee so sehr beeindruckt hatte, haben wir ihn und die gesamte Umgebung in einem separaten Artikel sehr detailliert beschrieben:

Der Salzsee Salar de Uyuni

Donnerstag, 18.07.19

Unser Gastgeber bot uns an, noch länger zu bleiben, doch wir wollten heute auf jeden Fall weiter fahren. Wir genossen noch die Feierlichkeiten im Stadtzentrum, bis wir die dunklen Wolken heranziehen sahen. Ja, heute soll es Regen geben, versicherten uns die Einheimischen.

Da suchten wir schnell das Weite und hofften, dem Schneeregen entrinnen zu können. Bis auf einige Graupelkörner klappte das auch. Doch die Kälte zog mir allmählich in die Knochen.

Das erste größere Dorf hinter Salinas lag in 95 km Ferne. Zuviel für den Rest des heutigen Tages. Da nutzte uns auch der gute Asphalt nichts mehr. Weil auch die Landschaft nicht sonderlich viel zu bieten hatte, trampten wir. Es gab nicht viel Verkehr; vielleicht 3 Autos pro Stunde. Doch nach einer Stunde kam ein Pickup vorbei und er nahm uns mit.

Zufällig lag die Stadt Oruro, unser Ziel für die nächsten Tage, auf der Strecke unseres Fahrers und so wurden aus der geplanten Strecke bis zum nächsten Ort tatsächlich 250 km Strecke und wir erreichten kurz vor der Dunkelheit Oruro.

Oruro war auch die erste Stadt auf unserem Weg durch Bolivien, in der es eine Feuerwehr-Station gab. In Argentinien waren diese Bomberos immer unsere erste Anlaufstelle auf der Suche nach einem Schlafplatz. Also versuchten wir es hier nun auch. Mit Erfolg. Wir durften bleiben und konnten unsere Matten im Schulungsraum auf den Boden legen.

Ein riesiges Gebäude haben sie hier 2015 für die Bomberos errichtet. Es bietet Platz für ganze Hundertschaften, doch es waren eigentlich nur zwei Handvoll Bomberos zugegen. Sämtliche Räume (besser gesagt „Hallen“ oder „Säle“) standen so leer wie zu einem bevorstehenden Umzug. Das gesamte Gebäude hatte keine Schalldämmung und es gab keine Heizungsanlage. Die Jungs beklagten auch die ständige Kälte im ganzen Haus. Uns taten die jungen Burschen da schon etwas leid.

Es gab nur 3 Toiletten, die so klein dimensioniert waren, dass man mit der Nase an die Türe kommt. In der Küche stank es nach Kloake, weil der Bodenabfluss nicht verschlossen war, an beiden Wasserkesseln verbrannte man sich die Finger und die Wege vom Schlafraum zum WC und zur Küche waren so weit, dass man schnell einige km Strecke zu laufen hatte während eines eintägigen Aufenthalts.

Weil Oruro eine staubige Stadt ist und dieses Gebäude überwiegend mit offenen Durchgängen anstatt mit Türen ausgestattet war, stand alles in diesem Gebäude unter einer ziemlich dicken Staubschicht. Auch die Küche war riesig groß, aber es gab kein Handtuch, keinen Wischlappen und keinen Mülleimer, aber riesige Herdentöpfe für 20 Litern Fassungsvermögen. Wir rätselten, wie sich die Mannschaft hier organisiert.

Dennoch waren wir sehr dankbar, dass wir hier einen Schlafplatz und einen sicheren Stellplatz für die Fahrräder hatten. Wir arrangierten uns auch klaglos mit der kalten Dusche.

Freitag, 19.07.19

Den halben Tag verbrachten wir damit, uns im Stadtzentrum WiFi zu organisieren, weil wir uns über Couchsurfing eine Bleibe für einige Tage hier in Oruro suchen wollten. Doch so sehr ich mich auch bemühte, es blieb frustrierend. Du erhältst zu 90% keine Rückmeldung und zu 10% Absagen. Wir gewannen allmählich den Eindruck, dass es Warmshowers und Couchsurfing in Bolivien real gar nicht gab. Auch eine Beantwortung von E-Mails oder WhatsApp-Nachrichten scheint hier überhaupt nicht üblich zu sein. Man lässt den Gesprächspartner einfach ins Leere laufen.

Die Nachmittagsstunden nutzten wir dann für eine kleine Besichtigungstour:

  • Den Leuchtturm Faro de Conchupata,
  • die Aussicht von dort in die steile Bebauung in den Berghängen im Westen der Stadt,
  • das gewaltige Monument der Virgen de la Candelaria, Schutzpatronin auf den spanischen Kanaren,
  • und das Freilicht-Theater Luis Mendizabel Santa Cruz.

Auf unserem Weg zum Eco-Park im Norden der Stadt hielten wir dann mehr zufällig an einer Herberge eines klösterlichen Ordens und fragten bei den Nonnen, ob sie dort eine Übernachtung gewähren. Wir rechneten mit einer Absage doch weit gefehlt: Wir durften bleiben und wurden in einem der vielen Schlafräume untergebracht.

Die bisherigen eher spontanen Erfolge bei der Schlafplatzsuche entschädigten ein wenig für die enttäuschende Resonanz bei Couchsurfing und Warmshowers.

Zufällig erlebten wir hier in Oruro aber wieder ein Fest (wie schon in Tupiza, Uyuni und Salinas de Garci Mendoza): vom 20. bis zum 24.07. feierte Oruro die „Fiesta de Tata Santiago“ zu Ehren der Schutzpatronin Tata Santiago.

In dieser Hinsicht ist Bolivien einmalig: in jeder Stadt finden immer wieder irgendwelche Feste statt. Sie entstammen meist der katholischen Welt und sind in aller Regel unüberhörbar durch die obligatorische Blasmusik und die vielen Umzüge mit viel Kostüm, Tanz, Alkohol und ausgedehnter Straßenküche. Hier zeigt Bolivien einen unglaublichen Enthusiasmus.

Samstag, 20.07.19 – Dienstag, 23.07.19

Wir schliefen noch eine weitere Nacht bei den Bomberos, wo wir uns diesmal den Raum mit zwei anderen Reiseradlern teilten: einem Argentinier und einem Chilenen.

Danach verließen wir Oruro und fuhren Richtung La Paz, wo wir ebenfalls einige Tage bleiben wollten. Immer, wenn uns der Gegenwind zu heftig wurde, griffen wir aufs Trampen zurück, was auch erstaunlich gut klappte. So kamen wir am Ende schneller voran, als geplant und erreichten nach zwei Tagen Fahrt und einer Nacht in einem leerstehenden Haus in einem kleinen Dorf am Dienstagabend die Großstadt El Alto gleich im Westen von La Paz.

Ohne zu zögern, fuhren wir zu der Adresse, die uns der peruanische Reiseradler Cristian in Uyuni vor einer Woche gegeben hatte: bei Silver könnten wir schlafen. Kein Problem!

Auf dem Weg zur beschriebenen Adresse bat ich einen jungen Passanten um ein Telefonat mit Silver, um unsere Ankunft anzukündigen. Tatsächlich half der junge Kerl uns auch, doch er war selber auf Durchreise und witterte eine gute Schlafmöglichkeit, denn sein Bus ging erst morgen früh um 7 Uhr. Als er dann noch von seinem Marihuana-Konsum erzählte, wurde es mir doch zu bunt und ich machte ihm klar, dass es keine gute Idee sei, sich selber spontan für eine Übernachtung einzuladen. Wir bedankten uns dann mit einem kleinen Geschenk für seine Unterstützung und dann zog er freiwillig ab.

Silver nahm uns vor seinem Haus in Empfang und tatsächlich konnten wir bleiben. Doch es dauerte nicht lange, da wurde uns bewusst, auf was wir uns hier eingelassen hatten:

Silver war ein klassischer Messie und der Raum mit unserem Schlafplatz war zu 80 % zugemüllt mit Fahrrädern, Fahrradwerkzeug, verstaubten Holzbrettern und allem möglichen Kram. Unser Schlafplatz war ein ausgeleierter Federrahmen, aufgebaut auf ein paar wackeligen Ziegelsteinen, noch dazu ca. 20 cm zu kurz für unsere Matten. Ich nutzte eine kurze Abwesenheit von Silver, um geeignete Bretter zu suchen, die unsere Liegefläche zumindest etwas angenehmer machen würde.

Aber das war erst der Anfang. Es gab kein Licht und in der Wand nach draußen klaffte ein 3 x 4 Meter großes Loch. Wir waren in einer der Etagen, die man auf ewig bewusst als Baustelle beließ, um die Gebäude-Steuern zu sparen. Damit stand auch fest, dass wir es in der Nacht ziemlich kalt haben dürften.

Interessant war allerdings der Ausblick vom Bett auf die landenden Flugzeuge. Wir waren kaum 100 Meter Luftlinie von der Einflugschneise entfernt.

Es gab keinen Tisch, keinen Stuhl, keinen Zugang zur Küche, lediglich eine Toilette ohne Türe und ohne Waschbecken. Wasser zapfte man in unserem Raum aus einem in 2 Metern Höhe installierten Hahn. Unglaublich! Wer baut so etwas?

Es gab keinen staubfreien, keimfreien Abstellplatz. Jeder Tritt musste wohlüberlegt sein, um nicht irgendetwas umzureißen, irgendwo hängenzubleiben oder sich seine Sachen mit Öl, Fett oder Staub zu versauen.

Wir hatten uns auf ein aufgeräumtes Haus und einige Tage Aufenthalt gefreut. Doch was wir vorfanden, bewog uns noch vor der Dunkelheit dazu, nicht länger als eine Nacht zu bleiben.

Mittwoch, 24.07.19

Irgendwie überlebten wir die Nacht und das Bett hielt stand. Unsere Fahrräder waren auch noch da. Wir mussten sie auf der Straße über Nacht um einen Laternenpfahl abschließen, weil Silver sie nicht oben in seinem Reich haben wollte. El Alto ist kein ungefährliches Pflaster; da hatten wir schließlich etwas Sorge um die Fahrräder.

Nach dem Frühstück organisierte ich mir in irgendeinem Hotel WiFi und kontaktierte das Casa de Ciclista in La Paz. Der Aufenthalt dort ist zwar kostenpflichtig, doch eine Alternative gab es nicht: Warmshowers bietet in La Paz / El Alto lediglich 2 Mitglieder, die aber beide keinen Schlafplatz anbieten und bei Couchsurfing meldete sich kein einziger der 10 angeschriebenen Kontakte. Wir fragten uns, warum die Leute sich dort anmelden und dann alle Anfragen ins Leere laufen lassen.

Im Laufe des Tages brachen wir also auf Richtung La Paz. Es waren ja nur einige km Strecke und auf der Stadtkarte gehen beide Städte nahtlos ineinander über. Spannend wurde die Fahrt aber spätestens, als wir kurz hinter dem Flughafen den Rand der Hochebene und damit auch die Stadtgrenze von El Alto nach La Paz erreichten. Schlagartig geht es ab hier in die Tiefe, wobei die steilen Berghänge genauso dicht bebaut sind wie oben auf der Hochebene in El Alto.

Es ist mit Worten kaum zu beschreiben, wie eindrucksvoll der Ausblick vom Rand der Hochebene in den weiten Talkessel dich in den Bann zieht: Du schaust aus der Vogelperspektive auf die riesige Stadt La Paz.

Ab hier folgen 400 Meter Abstieg über die steilsten Straßen mit zum Teil bis zu 100% Gefälle (also 45°). Das war uns viel zu heikel zum Radeln. So stiegen wir ab und schoben, beide Bremsen fest im Anschlag, den langen, steilen Weg hinunter ins Tal bis ins Zentrum. Aber dieser kurze, steile Weg ins Zentrum war uns immer noch lieber, als die Schnellstraße mit ihren vielen Serpentinen und dem hohen Verkehrsaufkommen im Nordwesten der Stadt.

Neben den öffentlichen Bussen gibt es in La Paz mittlerweile ein riesiges Seilbahnsystem: die Teleférico. Dieses Verkehrsmittel kommt mit den steilen Berghängen und dem hügeligen Panorama im Talkessel tatsächlich am besten klar. Da hatten wir auch schnell der Entschluss gefasst, uns La Paz per Seilbahn in den kommenden Tagen mal aus der Luftperspektive anzusehen.

Unser Video auf Youtube:    Die Seilbahn in La Paz

Unser Video auf Youtube:    steile Straßen in La Paz

Im Casa de Ciclista angekommen, genossen wir erstmalig seit Wochen wieder einmal warme Füße in den Abendstunden und angenehme Raumtemperaturen, denn das Haus war relativ dicht. Es gab sogar eine heiße Dusche.

Obwohl diese Unterkunft nicht kostenlos war, hatten wir schnell beschlossen, hier für ein paar Tage zu bleiben und erst einmal alle Wunden verheilen zu lassen:

Ich hatte immer noch eine vereiterte, blutige Unterlippe (mein Sonnenbrand auf dem Salar de Uyuni) und die vielen vereiterten Dornen in den Fingern der rechten Hand (mein Sturz am Vulkan Tunupa) sowie blutig verkrustete Nasenschleimhäute. Annett hatte sich irgendwie Diarrhö eingefangen. Und wie sich in den folgenden Tagen herausstellte, erwischt es wohl viele Reiseradler hier in La Paz bzw. ganz Bolivien.

Annett hatte zudem eine Konsultation beim Zahnarzt geplant, denn seit einigen Wochen plagten sie schon wieder Zahnschmerzen.

Ich nutzte die ungewöhnlich langsame WiFi-Quelle in unserer Unterkunft und stellte einige neue Artikel in den Blog. Doch schon am zweiten Tag gab es ein nüchternes Erwachen: das Einloggen auf der Website lief wegen der wackeligen Internetverbindung schief und der Zugriff auf die Website war nur noch über unseren Hostinganbieter möglich. Die Uploadrate war so schlecht, dass noch nicht einmal der Anmeldeprozess funktionierte.

Ich hatte den ganzen Tag lang meine liebe Mühe, alles wieder gerade zu bügeln. Es gelang mir am Ende nur über das Einspielen eines Backups von vor zwei Tagen. Somit war auch die gestrige Arbeit, die Erstellung und Veröffentlichung von 7 neuen Artikeln, fast vollständig für die Katz gewesen. Auch wird es die Besucher unseres Blogs sicher irritiert haben, dass frisch veröffentlichte Artikel nach wenigen Stunden wieder verschwunden waren und dann einen Tag später mit leicht anderem Wortlaut wieder in Erscheinung traten. Welcome to Bolivia!

Es lief in den Folgetagen weiter sehr holprig mit der Arbeit am Blog: Jedes Abspeichern einer aktualisierten Seite wurde zur Zitterpartie. Besonders schwierig war das Hochladen von Änderungen am Menü.

Nach mehreren Tagen reichte es mir. Ich suchte nach einem Internetcafe in der Nachbarschaft. Doch dort gab es kein WiFi, sondern lediglich Rechner mit Festnetzanschluss. Ich benötigte aber unser Netbook zum Arbeiten.

Also suchte ich weiter in der Stadt und landete in einer Universität, wo mir ein Mitarbeiter der EDV-Abteilung am Ende tatsächlich seinen persönlichen Internet-Zugang auf unserem Netbook einrichtete und mich in die Bibliothek schickte. Dort hätte ich den besten Empfang. Hurra, es hatte geklappt.

Doch ich hatte mich zu früh gefreut. Das Internet war dort genauso langsam wie in unserer Unterkunft. Auch der Zugriff auf den E-Mail-Server war nicht möglich. Damit konnte ich mich schon wieder nicht einloggen, wenn auch aus einem anderen Grund als in unserer Bleibe. So zog ich nach wenigen Minuten leicht frustriert wieder heim und begnügte mich fortan mit dem miserablen Hausanschluss.

Ich beschloss, vor jedem Login-Versuch zuallererst ein Backup der Website zu erstellen. Damit war ich zumindest auf der sicheren Seite, falls am Blog etwas zerschossen würde. Aber ich benötigte auch Zeit. Viel Zeit! Denn das Laden der Seiten dauerte fürchterlich lange.

Da passte es ganz gut zusammen, dass sich die Zahnbehandlung von Annett hier in La Paz länger hinzog, als ursprünglich erwartet. Die anstehende Wurzelbehandlung samt neuer Krone wurde immer wieder unterbrochen, weil die Ärztin mehrmals verhindert war. Über die mehrtägige Wartezeit brach bei Annett zu allem Unglück auch noch eine dicke Erkältung aus, was für die Zahnärztin dann gleich Anlass für weitere Terminverschiebungen war.

Wir nahmen es gelassen hin und unternahmen unterdessen einige Besichtigungen in La Paz und Umgebung:

Das Zentrum mit den historischen Kolonialbauten und vielen weiteren Highlights, das Valle de las Animas im Süden der Stadt und die Aussichtspunkte Killi Killi und 27 de Mayo im Norden der Stadt sowie der Parque El Monticulo im Zentrum.

Unser Video auf Youtube:    Valle de las Animas

Unser Video auf Youtube:    Seilbahn in La Paz

Unser Video auf Youtube:    Ausblick vom Mirador auf La Paz

Ein besonderes Erlebnis war unser Ausflug zur Yungas Road, einst die gefährlichste Straße der Welt. Für den Verkehr hat diese Schotterpiste im steilen Berghang keine Bedeutung mehr, seit es eine sichere Nebenstrecke gibt. Aber per Fahrrad ist die Befahrung ein großer Tagesausflug, bei dem es von 4650 m Höhe bis auf 1100 m Höhe hinuntergeht.

Es ging auf der gesamten Strecke zwar ausschließlich bergab, doch der überwiegend grobe Schotter erzeugte enorme Vibrationen, die vom Lenker ungedämpft auf unsere Arme und Handgelenke durchschlugen. So hatten Annett am Ende der Tour so heftige Schmerzen in den Unterarmen wie noch nie.

Wir haben diese Yungas Road in einem separaten Artikel detailliert beschrieben:

Die Yungas Road – gefährlichste Straße der Welt

Wegen der Fülle an Highlights haben wir auch der Stadt La Paz einen separaten Artikel gewidmet, wo wir alle Sehenswürdigkeiten mit GPS-Koordinaten, Fotos und dazugehörigen Tipps zusammen gestellt haben:

La Paz – eine außergewöhnliche Stadt

Allesamt waren unsere Ausflüge immer von vielen Anstiegen begleitet. Die beiden Aussichtspunkte erfordern 150 bzw. 450 Meter Aufstieg und die Fahrt zum Valle de las Animas führt auf gerade einmal 16 km Strecke nach 400 Höhenmetern Abfahrt wieder 500 Höhenmeter in den Berghang hinauf.

Im Casa de Ciclista halfen wir über all die Tage bei einigen Instandhaltungsarbeiten und Reparaturen und ich nutzte die hausinterne Fahrradwerkstatt, um unsere Zeltstangen zu kürzen. Damit wollte ich für die Zukunft einem weiteren Stangenbruch vorbeugen (in Argentinien brach uns vor wenigen Monaten ein Stangensegment, weil das Zeltgewebe bei sehr trockenem Klima offensichtlich ungewöhnlich stark schrumpfte und sich die Stangen nur mit extrem viel Druck montieren ließen).

Als die Internetverbindung in unserer Unterkunft irgendwann nicht mehr zumutbar war, griff ich auf das WiFi-Netz in der Bibliothek der Uni zurück. Wenn der Saal nicht all zu voll besetzt war, klappte es sogar mit der Geschwindigkeit. Mit dem fehlenden Zugang zum E-Mail-Server fand ich mich ab, doch dann entpuppte sich die Stromversorgung als neue Hürde. Nach 2-3 Stunden musste ich immer den Heimweg antreten, weil es in der Bibliothek der Uni keine einzige Steckdose gab. Erstmalig dachte ich über die Anschaffung einer Powerbank nach.

Am Wochenende zog ich in ein Cafe mit WiFi und konnte mich das erste Mal in Bolivien ohne nennenswerte Störungen auf dem Blog einloggen. Allerdings war auch hier die Versorgung mit Strom wieder ein kleines Abenteuer. Es gab nur eine Doppel-Steckdose und dort drängten sich zur Stoßzeit gleich mehrere Gäste, die ebenfalls mit Notebook, Handy und Powerbank zugange waren.

In unserer Unterkunft war das Internet zu langsam, in der Uni war der E-Mail-Server nicht erreichbar und im Cafe war der Zugang zu Youtube gesperrt. Also tanzte ich in den folgenden Tagen mehrmals im Wechsel auf drei Hochzeiten, bis ich alle Jobs erledigt hatte.

Auch die Zahnbehandlung bei Annett war abenteuerlich. Es gab manchmal nur eine spartanische Ausstattung in der Praxis: mal keinen Sauger, mal kein Kühlwasser beim Bohren, keine Assistentin und nur einen einzigen schmuddeligen Latz.

Insgesamt bestand die Behandlung aus 20 Konsultationen, doch bis zum Abschluss wurden 12 mal die vereinbarten Termine verschoben ( z. B. wegen fehlender Verfügbarkeit steriler Instrumente) und 5 mal wartete Annett vergebens vor der Praxis und durfte unverrichteter Dinge wieder heim gehen. Beim Bohren fiel im Mund auch mal der Bohrer aus dem Spannfutter.

Aber die Zahnärztin war super nett und gab Annett immer viele Tipps zu den lohnenden Besichtigungen hier in La Paz und Umgebung.

Montag, 02.09.19

Nach insgesamt 5 Wochen war die Zahnbehandlung aber dann endlich abgeschlossen und wir konnten unsere Reise fortsetzen. Auch meine Unterlippe war nach immerhin 6 Wochen fast vollständig verheilt.

So brachen wir heute auf und wollten La Paz Richtung Titicacasee verlassen. Um die 450 Höhenmeter aus dem Zentrum von La Paz bis El Alto nicht empor radeln zu müssen, nahmen wir die Seilbahn. Für 12 Bolivianos waren wir samt Fahrräder dabei. Die Fahrstühle in den Seilbahnstationen sind allerdings so eng, dass ein Fahrrad mit Gepäck gerade so hineinpasst. Dabei mussten wir schon die vorderen Taschen entfernen, weil die Aufzugtüre sonst nicht mehr schloss.

Das Personal schaute immer sehr skeptisch, half uns aber am Ende noch beim Besteigen der Gondeln. Auch das war nicht so einfach, weil die Gondel gegenüber dem Trittsteig immer in Bewegung ist. In dieser Hinsicht wurde auch das rückwärts Aussteigen eine Stolperpartie. Aber am Ende hatte alles geklappt und wir erreichten völlig entspannt El Alto.

Unser Video auf Youtube:    per Reiserad in der Seilbahn

Unser Video auf Youtube:    La Paz aus der Vogelperspektive

Wir kombinierten die Fahrt durch El Alto noch mit einer Besichtigung der Stadt und fuhren am Abend gleich zu den Bomberos, wo wir auch ohne Probleme übernachten konnten.

Am Abend wurde es dann noch einmal anstrengend. Wir mussten aus dem ersten in den dritten Stock umziehen, weil der ursprünglich zugewiesene Schlafraum plötzlich für die Mannschaft benötigt wurde.

Dienstag, 03.09.19

Es hätte einer unserer schönsten Tage in Bolivien werden können: Es war nicht zu heiß und eine Abfahrt mit leichtem Gefälle führte uns mit rasantem Tempo aus El Alto Richtung Titicacasee.

Doch dann passierte etwas, wovor wir immer Angst haben, seitdem wir auf Tour sind:

Ich hatte einen Unfall. Einen schweren Unfall sogar. Ein öffentlicher Minibus überholte mich, scherte vor mir ein und ging voll in die Bremsen, um Fahrgäste aussteigen zu lassen. Ich nahm sein Bremsen gar nicht wahr, weil er keine Bremslichter hatte. Im gleichen Augenblick schaute ich kurz nach hinten, um zu sehen, ob Annett noch hinter mir ist. Als ich wieder nach vorne schaute, war es zu spät. Ich sah nur noch, wie ich ungebremst mit 35-40 km/h Geschwindigkeit (laut Annetts Tachoanzeige) auf die Heckklappe des Minibusses zuraste. Dann riss der Film…

Als ich wieder bei Besinnung war, stand ich inmitten einer Menschentraube, neben mir lag mein Fahrrad, das Oberrohr war vom Lenkerrohr komplett abgerissen, das Unterrohr war stark geknickt, meine vorderen Packtaschen lagen verklemmt unter dem Heck des Busses, meine Lenkertasche war offen und sah ziemlich zertrümmert aus, in der Heckscheibe des Fahrzeugs klaffte ein großes Loch, … Es war ein Bild des Grauens.

Nur langsam wurde mir bewusst, was tatsächlich passiert war und nur langsam fühlte ich Schmerzen: das linke Handgelenk, die rechte Hand, das linke Knie, meine Leiste, … Alles schmerzte. Es war wie in einem schlechten Traum.

Es gab wilde Diskussionen zwischen dem Fahrer und einigen Fahrgästen. Der Fahrer wollte 1000 Bolivianos Entschädigung von uns haben, doch die Fahrgäste wollten den Preis drücken, weil sie wussten, dass die Bremslichter nicht intakt waren. Aber sie drängten darauf, dass wir zahlen, bevor die Polizei erscheint, denn dann würde es teurer für uns. Wir einigten uns auf 400 Bolivianos und danach zog der Bus samt der Fahrgäste ab.

Dann trat Ruhe ein. Und mir wurde schnell klar, was jetzt alles anstand:

Zuerst musste ich eine Schweißerbude finden, wo sie mir das Fahrrad wieder fahrtauglich zurecht schweißen würden, danach musste ich mir überlegen, wie ich die hinteren Packtaschen in Zukunft am Gepäckträger befestige, denn drei der 4 Halterungen waren abgerissen. Und dann müssten wir schleunigst ins Krankenhaus fahren, denn mein linkes Handgelenk sah gar nicht gut aus. Das Handgelenk war mittlerweile dick geschwollen und jede Bewegung schmerzte höllisch.

Mithilfe der Locals fand sich schnell eine Schlosserwerkstatt, wo ich den Fahrradrahmen für 50 Bolivianos schweißen lassen konnte. Ich kühlte während dem Schweißen die Lenkkopflager mit Wasser, ein anderer Kollege hielt die Brems- und Schaltzüge auf Abstand zur Schweißflamme. Was war ich froh, dass wir uns beim Kauf der Fahrräder für Stahlrahmen entschieden hatten. Mit Aluminiumrahmen wäre das Fahrrad jetzt Schrott.

Danach machte ich mich auf die Suche nach einer großen Rohrschelle, mit der ich die Schaltzüge wieder fixieren konnte, denn auch die obere Halterung der Schaltzüge am Unterrohr war abgerissen. Nach einer halben Stunde war auch das erledigt.

Zum Schluss bastelten wir aus unserer Wäscheleine eine provisorischen Halterung an die Packtaschen und fixierten die Taschen so am Gepäckträger. Das würde zwar nicht lange halten, aber so konnten wir jetzt wenigstens ins Krankenhaus fahren.

Das erste Krankenhaus machte eine Erstversorgung und schickte uns gleich ins große Krankernhaus von El Alto zurück. Dort könnten sie Röntgen. Also fuhren wir zügig zurück, denn mittlerweile drängte die Zeit. In einer Stunde würde es schließlich dunkel und mir fehlte jetzt die komplette Fahrradbeleuchtung. Denn auch die Kabel waren bei dem Unfall abgerissen.

Im Krankenhaus wollten sie erst einmal Geld haben für die Röntgenaufnahme. Da fehlten uns jetzt tatsächlich ganze 8 Bolivianos, um bezahlen zu können. Also musste ich erst einmal einen Geldautomaten suchen, um unsere Kasse wieder aufzufüllen. Leider funktionierte das Geld abheben an dem besagten ATM nicht und so verschoben wir das Röntgen auf den nächsten Tag.

Es war mittlerweile schon dunkel geworden und die 4 km bis ins Stadtzentrum wollte ich mir heute Abend nicht mehr antun. Viel wichtiger war jetzt, schnell zu den Bomberos zurückzufahren und um die Erlaubnis für eine weitere Übernachtung zu fragen. Denn jetzt ohne Geld auf die Suche nach einem Hostel zu gehen, war auch keine glückliche Alternative.

Zum Glück duften wir bleiben. Wir kochten uns eine Portion Nudeln und ich wollte danach nur noch schnell in den Schlafsack. Einer der übelsten Tage auf unserer Radreise war zu Ende gegangen.

Mittwoch, 04.09.19

Die Nacht war nicht besonders angenehm. Bei jeder Bewegung schmerzte der linke Arm. Aber irgendwie hatte ich mich mit den Schmerzen arrangiert.

Nach dem Frühstück nähte mir Annett erst einmal den großen Riss in meiner Hose und einen weiteren Riss in der Daunenjacke, alles Folgen aus dem gestrigen Unfall. So konnte ich wenigstens wieder unter Menschen gehen.

Danach fuhr ich ins Zentrum zur Bank, um Bargeld zu holen, denn ohne Geld gab es hier im Krankenhaus ja keine weitere Behandlung. Auf dem Weg zum Krankenhaus organisierte ich mir noch Zinkspray in einer der vielen Schlossereien, um die Schweißstellen am Rahmen gegen Korrosion zu schützen, denn ein Blick in die Wolkendecke sagte mir, dass heute noch mit viel Regen zu rechnen war.

Im Krankenhaus stand dann nach dem Röntgen schnell fest: Ich hatte die linke Hand gebrochen. Sie verpassten mir einen Gipsarm und wollten mich gleich im Krankenhaus behalten. Abgelehnt. Wird viel zu teuer und würde Annett und mich für mehrere Tage trennen.

Stattdessen wollten wir bei den Bomberos nachfragen, ob sie uns für einige, weitere Tage dulden würden. Die Ärzte holten einen Vertreter aus der Verwaltung und dann gab es Diskussionen. Am Ende vereinbarten sie mit mir eine erneute Visite in 7 Tagen und dann ließen sie mich gehen.

Ich sollte mit dem Gipsarm noch aufpassen auf dem Heimweg. Ja, ja! Versprach ich. Wenn sie gesehen hätten, dass ich die 5 km per Fahrrad zurückradeln wollte, hätten sie bestimmt gleich die nächste Diskussion angefangen.

Allerdings war es tatsächlich eine Fahrt unter erschwerten Bedingungen: Es regnete und ich war viel zu dünn angezogen. Die warme Daunenjacke musste ich für den Gipsarm ja ablegen, weil die Ärmel zu eng waren. So fuhr ich in einem dünnen Trikot und der Regenjacke in der Befürchtung einer handfesten Unterkühlung durch den immer stärker werdenden Regen.

Viel zu spät fand ich letztlich nur eine offene Bushaltestelle mit Dach, wo ich mich unterstellen konnte. Aus dem Regen wurde jetzt ein Gewitter mit Starkregen und Schneegraupel, das mich eine halbe Stunde lang an der Haltestelle festhielt. Der kalte Wind drückte gegen die pitschnasse Hose und die ersten Regentropfen liefen mit in den Nacken. Sehr angenehm war das nicht. Und die ganze Zeit hoffte ich, dass der Gipsarm unter dem Ärmel der Regenjacke trocken blieb.

Irgendwann ließ der Regen nach und ich erreichte unsere Bleibe, wo ich mich erst einmal für einige Stunden in den Schlafsack legte, um wieder aufzutauen.

Als ich später das Bargeld in der Lenkertasche deponieren wollte, fiel mir doch noch ein 100-Boliviano-Schein Restgeld von der vorletzten Abhebung entgegen. Also hätte ich gestern Abend im Krankenhaus doch bezahlen können. Wie kurios.

Donnerstag, 05.09.19 – Mittwoch, 11.09.19

Nach dem Frühstück suchte ich erst einmal den Kommandanten, um auszuloten, wie groß unsere Chancen auf weitere Nächte bei den Bomberos waren. Im Falle einer Absage müssten wir schließlich entweder zurück ins Casa de Cyclista nach La Paz oder uns ein Hostel in der Nähe suchen. Die erste Variante war aufwändig, die zweite dagegen deutlich teurer.

Doch wir bekamen grünes Licht vom Chef und durften bleiben. Auch unser Angebot, zu bezahlen oder einfache Arbeiten zu übernehmen, wurde dankend zurückgewiesen. Ich sollte mich erholen und schnell wieder gesunden. Wie erleichtert wir waren, denn es machte alles deutlich einfacher für uns.

So vertieften wir uns wieder in die Schadens-Bestandsaufnahme und tüftelten an den Reparaturen herum.

Ich konstruierte neue Haken für die Packtaschen und überlegte mir eine Versteifung für die zertrümmerte Lenkertasche. Dafür benötigte ich jetzt nur noch das passende Material aus einer Ferreteria und natürlich wieder beide Hände. Ich lebte in der Hoffnung, dass die Ärzte am Mittwoch grünes Licht geben und der Bruch im Handgelenk wieder sauber verheilt ist. So schonte ich den Gipsarm, wo immer ich konnte.

Ich übte, mich komplett selber an- und auszuziehen, entwickelte eine passende Technik, um Dosen und Flaschen aus unserer Provianttasche zu öffnen und zu schließen und zog mir für die heiße Dusche eine große Plastiktüte über den Arm. Es funktionierte. Lediglich für das Zubinden der Schuhe oder das Schließen von Reißverschlüssen benötigte ich Annetts Hilfe. Ich war froh, sie nicht für jeden meiner Handgriffe involvieren zu müssen. Sie hatte den Unfall intensiver erlebt als ich selber. Und sie hatte jetzt schlimmere Alpträume als ich.

Mir wurde auch heute erst bewusst, welche Verletzungen ich am Kopf und im Gesicht wohl erlitten hätte, wenn ich ohne Fahrradhelm in die Heckscheibe geflogen wäre. Der Blendschutz am Helm war abgerissen und die Styroporschale hatte seitlich einen Riss, aber meine Birne und vor allem auch die Brille waren unversehrt.

Der Kommandant kam im Laufe des Tages noch einmal bei uns vorbei und wollte sich vergewissern, ob wir auch wirklich mit allem zufrieden wären: Toiletten, Duschen, Küche, usw. Natürlich waren wir mit allem zufrieden.

Donnerstag, 12.09.19

Nach einer Woche fuhr ich, wie besprochen, wieder ins Krankenhaus und konsultierte den Arzt. Ich war in dem Glauben, dass heute der Gips entfernt wird, doch es kam ganz anders. Der Arzt fragte, ob ich für die anstehende Operation mit meiner Krankenkasse alles geregelt hätte.

Operation? Warum Operation? Es war doch nur ein kleiner Bruch.

Der Arzt zeigte mir am Röntgenbild die kleine und eine große Fraktur und erklärte mir, dass die Knochen mit einer Platte und ein paar Schrauben wieder fixiert werden müssten. Andernfalls würde in meinem Handgelenk alles schief zusammen wachsen.

Es hatte ein Missverständnis gegeben. Der Arzt in der Notaufnahme vor einer Woche hatte mir nur den kleinen Bruch gezeigt und der behandelnde Arzt dachte, ich wüsste über alles Bescheid, was auf mich zukommt.

Jetzt war Eile geboten. Ich fuhr sofort zurück in unsere Bleibe und nahm Kontakt mit unserer Auslands-Krankenversicherung auf. Von einem guten Freund und Unfallchirurg aus der Heimat holte ich mir auch noch eine zweite Meinung ein. Am nächsten Tag stand fest: ohne Operation geht es nicht.

Ich fuhr wieder ins Krankenhaus und wollte einen OP-Termin abstimmen. Nächster freier Termin war am 17.09. Das war unmöglich, denn am 18.09. müssten wir Bolivien spätestens verlassen. Ich beschrieb unsere unglückliche Situation und dann gab es interne Diskussionen. Am Ende waren mehrere Ärzte, einige Assistenten, ein Dolmetscher und mein Kumpel aus der Verwaltung zugegen und nach 2 Stunden gab es eine Lösung:

Ich würde in einem anderen Krankenhaus operiert. Noch in der kommenden Nacht. Aber vorher müsste ich mir die Platte kaufen, die sie mir dann per OP einsetzen würden. Sie drückten mir einen Zettel mit ein paar Kontakt-Adressen in die Hand und dann sollte ich mit den Lieferanten sprechen. Ich! Ein Patient ohne verhandlungssichere Spanisch-Kenntnisse! Ausgeschlossen.

Ich fragte meinen Kumpel aus der Verwaltung und er war sofort bereit, mir zu helfen. Am Ende entschied ich mich für eine Titanplatte von einem Neueinsteiger auf dem Markt. Der war preislich interessanter. Ich kam mir vor, wie auf dem Basar.

Ich sollte die Platte auch gleich bezahlen. Dafür musste ich nun erst einmal Geld am Bankautomaten holen. Als ich dann zum Bezahlen wieder in der Klinik eintraf, nannten sie mir einen neuen Preis. Die Steuer käme ja noch dazu. Konntet ihr mir das nicht vorher sagen? Jetzt fehlte mir Geld, um die Operation und die Arznei bezahlen zu können. Das Tageslimit meiner Kreditkarte war allerdings schon erschöpft. Also könnte ich das restliche Geld erst morgen früh nach der OP besorgen.

Der Lieferant der Titanplatte gab mir spontan 2000 Bolivianos zurück, damit ich die OP bezahlen könnte und wir vereinbarten meine Rückzahlung für morgen nach der OP. Das war nett. So hatte ich etwas mehr Spielraum.

Dann fuhr ich in die andere Klinik. Dort eingetroffen, bezog ich ein Zimmer mit 2 dünnen Decken auf einer Pritsche. Hier sollte ich warten, bis sie mich für die OP abholen. Es war kalt im Zimmer. Eigentlich im ganzen Hospital. 17 °C vielleicht. Und unter den dünnen Decken wurde mir auch nicht wirklich warm. Irgendwann am Abend kamen sie mich holen. Der Krankenpfleger riss mir die Kleidung vom Leib, als wäre ich ein Stück Vieh. Rabiater ging es nicht. Dann bekam ich das dünne OP-Hemdchen übergeworfen und es ging durch die kalten Gemäuer bis in den OP-Saal.

Der OP-Saal war genauso kalt wie die anderen Räume. Ich legte mich auf die kalte Kunstlederpritsche und zitterte vor Kälte so vor mich hin. Irgendwann merkten sie, dass mit fürchterlich kalt war und holten mir eine Decke. Das half dann ein bisschen.

Dann kam der Anästhesist und textete mich auf Spanisch zu. Ich verstand kein Wort. Es konnte auch keiner übersetzen. Ich dachte, er wird seinen Job schon richtig machen. Bei der ersten Spitze war ich mir allerdings nicht mehr so sicher. Er stach zu und es schmerzte höllisch in der Schulter und im ganzen Arm. Er fragte mich hektisch, wo in meinem Arm jetzt was passieren würde. Ich konnte da nicht wirklich differenzieren und schrie nur vor Schmerzen. Die Verabreichung von Narkose-Mitteln hatte ich irgendwie anders in Erinnerung. Als mein Arm nicht schnell genug taub wurde, bekam ich noch so eine Spritze. Na hoffentlich geht das mal gut, dachte ich.

Der Anästhesist war auch mehr mit seiner Liebschaft als mit mir beschäftigt. Er und eine der Schwestern hatten wohl eine frische Beziehung, das war nicht zu übersehen.

Dann ließen sie mich liegen und widmeten sich ihrer Smartphones. WhatsApp, ein paar Videos, … Ich schlotterte weiter vor Kälte und hoffte, dass ich zumindest gleich in der OP den Körper ruhig halten kann.

Nach ungefähr einer Stunde kam der Chirurg. Es ging los. Endlich! Alles wurde aufgebaut und irgendwelche Geräte angeschlossen. Dabei zogen sie auch ein paar Kabel durch mein Gesicht. Sehr angenehm. Dann stimmte etwas mit der Infusion nicht. Da lief keine Flüssigkeit nach. Sie kneteten die Schläuche, doch das half nichts. Irgendwann gaben sie auf und dann war es ihnen egal.

Dann bekam ich noch eine Maske aufs Gesicht gesetzt. Doch schon nach wenigen Minuten vernahm ich kein Gas mehr aus der Maske. Da war dann wohl die Flasche leer. Ich machte das Team darauf aufmerksam, aber sie ignorierten das einfach. Egal, wird schon alles gutgehen.

Erstmalig war ich froh, die Landessprache nicht zu verstehen. Wer weiß, über was sich das Team während der OP so alles unterhalten hat. Jetzt bloß nicht hinschauen, dachte ich nur.

Es ist ein außergewöhnliches Gefühl, bei vollem Bewußtsein zu erleben, wie sie an einem herum werkeln. Ich versuchte, an irgend etwas anderes zu denken, doch es gelang mir nicht. Fünf mal hörte ich den Bohrer. Aha! Fünf Schrauben setzen sie jetzt.

Nach ca. 1,5 Stunden war es geschafft und ich wurde in ein anderes Zimmer gefahren, wo sie mich dann ins Bett verfrachteten. Meine Kleidung und den Rucksack hatten sie aus dem ehemaligen Zimmer schon hergeholt und als Knäuel etwas lieblos in den kleinen Blechschrank gestopft. Dann kam der Chirurg und fragte mich noch, ob mir irgend etwas von meinen Sachen fehlen würde. Als ob ich das aus dem Bett heraus so beurteilen könnte. Auf jeden Fall würde er morgen Nachmittag wieder kommen und mir die Rechnung für Operation, Anästhesie und Klinikaufenthalt überreichen.

Freitag, 13.09.19

Die Narkose war abgeklungen und jetzt kamen die Schmerzen durch. Es brannte wie Feuer. Mein erster Gedanke heute Morgen: ich musste noch vor 9 Uhr am Bankautomaten Geld ziehen, denn sowohl der Lieferant der Titanplatte als auch der Chirurg wollten heute ihr Geld haben.

Ich vergaß die Schmerzen und zog mich an, soweit ich das mit einer Hand konnte. Dann suchte ich meine Schuhe. Die standen wohl noch in dem anderen Zimmer unter dem Bett. Ich lief mit dem Infusionsständer neben mir zu den Schwestern. Abgelehnt! Ich könnte nicht so einfach die Klinik verlassen. Im Übrigen gäbe es gleich Frühstück.

Das Frühstück bestand lediglich aus extrem süßem Tee und einem Teller mit 5 Kräckern. Das ist doch jetzt nicht ernst gemeint, dachte ich. Schließlich hatte ich seit dem gestrigen Frühstück nichts mehr gegessen und nichts mehr getrunken. Das war mir eindeutig zu wenig. Ich fragte die Schwester, ob sie mir ein paar Brötchen holen könnte. 5 min später kam sie mit 4 Brötchen und mein Frühstück war gerettet.

Um 9 Uhr kam der Lieferant der Titanplatte und wollte sein Geld haben. Ich bat ihn darum, seinerseits mit dem Personal zu verhandeln, vielleicht hat er ja mehr Glück. Und tatsächlich bekam ich grünes Licht. So zogen wir zu dritt zum 300 m entfernten Geldautomaten. Die Schwester trug meine Infusion und der Lieferant half mir bei der Kleidung, weil mir immer wieder die Jacke von der Schulter rutschte. Der Wachdienst an der Bank staunte nicht schlecht, als er uns drei kommen sah.

Ich nutzte noch das Handy vom Lieferanten als WiFi-Hotspot, um Annett zu informieren, in welcher Klinik ich mich jetzt befände. Denn WiFi wollten sie mir hier in der Klinik nicht geben. Mittags kam Annett mich dann auch gleich besuchen. Sie hatte die Klinik gefunden, was nicht einfach war. Denn es war eher ein altes, schmales Reihenhaus mit ein paar Betten, einem OP-Saal im Hinterhof und einem klapprigen alten Aufzug. Alles in allem nicht sehr vertrauenserweckend. Aber das große Hospital del Norte genießt auch keinen guten Ruf in der Stadt. Im Übrigen blieb mir für meine OP ja auch gar keine Wahl.

Im Laufe des Tages wurde dann das Handgelenk noch einmal geröntgt und kurze Zeit später kam auch der Chirurg mit der Rechnung vorbei. Ich bezahlte und dann bekam ich Anweisungen zum Verbandswechsel, zum Fäden ziehen und zur Physio. Bewegen ja, aber nur ohne Belastung. Die nächsten 6 Wochen fällt das Radfahren also erst einmal aus.

Jetzt mussten wir irgendwie den Transfer von Bolivien nach Peru organisieren. Am 18.09. lief schließlich unsere Aufenthaltsgenehmigung aus.

Wir fragten noch, wann ich die Klinik wieder verlassen könnte. Heute noch, wenn ich wollte. Und ob ich wollte. Bei dieser Minimal-Verpflegung würde ich nicht lange überleben, soviel stand fest. Ich packte meine Sachen und nach 15 min hatten wir die Klinik verlassen.

Im Nachhinein war ich froh, am Donnerstag und nicht erst am heutigen „Freitag, dem 13.“ operiert worden zu sein. Tatsächlich brachte der heutige Tag aber dennoch Unheil: bei Annett brach die Füllung aus dem Zahn, den sie vor wenigen Wochen in La Paz hatte reparieren lassen. Damit stand eine erneute Konsultation bei einem Zahnarzt in Peru in wenigen Tagen auf dem Plan.

Samstag, 14.09.19 – Montag, 16.09.19

Es war mir unerklärlich: am Freitag Morgen, wenige Stunden nach der Operation, fühlte ich mich so fit, als könnte ich wieder Bäume ausreißen. Doch in den Abendstunden überkam mich eine Schwäche, die mich für anderthalb Tage voll im Griff hatte. Ich wollte nur noch liegen und schlafen. Zu jeder Mahlzeit musste ich mich regelrecht quälen. Erst am Sonntag kamen die Kräfte wieder und ich konnte wieder klare Gedanken fassen.

Jetzt belastete mich nur noch das Antibiotikum, das mir der Chirurg verschrieben hatte. Alle 6 Stunden das eine Präparat, alle 8 Stunden das andere. Eines der beiden setzte ich gleich am nächsten Tag wieder ab, damit die Übelkeit und der Brechreiz wieder verschwinden.

Nach und nach kamen jetzt auch noch andere Schäden zum Vorschein: an unserem Universal Stecker Adapter war ein Kontaktstift abgebrochen, das PhotoTan-Lesegerät für unser Online-Banking war geschrottet und in meiner Leiste hatte sich eine feste Beule gebildet. Das sah nach einer weiteren ärztlichen Untersuchung in den kommenden Tagen in Peru aus.

Ich kontaktierte unsere Bank und initiierte die Zusendung eines Aktivierungscodes, um zukünftig per Smartphone und Bank-App das PhotoTan-Verfahren wieder nutzen zu können. Denn seit wenigen Tagen hatte unsere Onlinebank im Zuge der Umsetzung der neuen EU-Zahlungsdienste-Richtlinie das Login-Verfahren um die zusätzliche Abfrage einer PhotoTan erweitert. Somit konnten wir uns noch nicht einmal einloggen.

Annett holte unterdessen noch mein Fahrrad aus der Klinik zurück. Das durfte ich nach der OP ja jetzt erst einmal nicht mehr ohne Gefahr steuern.

Vor unserer Weiterfahrt musste ich auf alle Fälle noch neue Halterungen für die beiden hinteren Packtaschen basteln. Ich suchte nach Ferreterias in unserer Umgebung und fand mit viel Glück die passenden Materialien. Mithilfe des Werkzeugs bei den Bomberos und einer dritten Hand (meine zweite fehlte mir ja) gelang es uns dann, drei neue Halterungen zu bauen und die Lenkertasche mit einem Versteifungsrahmen zu versehen.

Somit hatten wir die gröbsten Baustellen bearbeitet und waren bereit für die Weiterfahrt.

Dienstag, 17.09.19

Heute verabschiedeten wir uns von den Bomberos und verließen El Alto Richtung Titicacasee und peruanische Grenze. Wir hatten Sonnenschein, was uns nicht mehr selbstverständlich vorkam. Denn in den letzten 10 Tagen war es meist dicht bewölkt und es war ungewöhnlich viel Regen gefallen.

Wir setzten aufs Trampen, doch das wollte nicht gelingen. Kein Auto wollte anhalten. Also fuhren wir per Fahrrad weiter. Ich konnte zwar mit einer Hand am Lenker auf den Sattel springen und losfahren, doch riskant war das Radeln mit dem behinderten Arm auf alle Fälle. Die Straße war schmal und es war reichlich Verkehr. Wenn es mir zu eng wurde, flüchtete ich auf den Schotter-Randstreifen. Noch einen Unfall wollte ich nicht riskieren mit dem frisch operierten Handgelenk.

Eine Bezahlstation 15 km hinter El Alto war unsere zweite Chance aufs Trampen, denn hier mussten alle Fahrer anhalten. Und diesmal klappte es innerhalb von 5 Minuten. Ein geschlossener Geländewagen nahm uns mit. Er musste bis nach Desaguadero, unserem Zielort mit Grenzübergang. Allerdings war für uns beide zum Sitzen nicht mehr viel Platz, nachdem wir die Räder auf die umgeklappten Sitze gelegt und all unsere Packtaschen verstaut hatten. Wir saßen dann auf den umgeklappten Sitzen mit eingezogenem Kopf, denn uns fehlten nun 20 cm Kopffreiheit. Annett schlug mit ihrem Kopf immer wieder gegen den Kleiderhaken am Haltegriff und mein Vorderrad drückte sich während der Fahrt ziemlich tief in ihre Seite. Aber egal, wir wurden mitgenommen. Und damit war unser für heute geplanter Grenzgang garantiert.

Plötzlich gab es einen lauten Knall auf der rechten Seite des Fahrzeugs und danach polterte der Wagen wie auf Schotter. Wir hatten einen Plattfuß. Alles aussteigen, unsere Packtaschen wieder raus, damit der Fahrer an den Wagenheber kam und Reifen wechseln. Zum Glück war mit dem Ersatzreifen alles okay. So dauerte die Zwangspause auch nur eine gute halbe Stunde, dann ging es weiter.

Wir erreichten Desaguadero und erlebten eine quirlige Kleinstadt mit üppigem Grenzhandel. Die vielen Fahrrad-Rikschas managten den öffentlichen Personennahverkehr und die üblichen Kleinbusse sammelten Fahrgäste für die Fahrt nach La Paz. Dabei waren die Dachgepäckträger stets rappelvoll beladen mit all der Ware, die es auf den Straßenständen in La Paz tagtäglich zu kaufen gibt.

Nach einer Pause fuhren wir weiter zur Grenzstation. Der Grenzposten auf der Umgehungsstraße ist nur für die LKWs, der Übergang für Fußgänger und Radler liegt mitten im Stadtzentrum. Wussten wir natürlich erst nachher. So fuhren wir erst noch eine kleine Ehrenrunde um die Stadt.

Die Ausreise-Formalitäten verliefen einfacher, als ich es mir vorgestellt hatte. Der separate Zettel mit den 2 x 30 Tagen Verlängerung ging ohne Rückfragen durch. Somit waren wir einen Tag vor dem Limit ohne großen Aufwand aus Bolivien ausgereist.

Das Niemandsland bis zur peruanischen Grenzstation beschränkt sich auf eine kurze Brücke über den Rio Desaguadero mit einem traumhaften Ausblick auf den Titicacasee auf 3812 m Höhe.

Weiter gehts in Peru 2019 – Reisebericht (noch in Arbeit)

 

Resümee Bolivien 2019

Vor der Einreise nach Bolivien hatten wir Sorgen, dass uns die 4000 m Höhe auf dem Altiplano nicht bekommen würde. Doch damit kamen wir über die gesamten drei Monate sehr gut klar. Mit dem Salar de Uyuni, der Stadt La Paz, der Yungas Road und all den Feierlichkeiten mit Trachten und Blasmusik erlebten wir auch viele Highlights in diesem Land.

Am Ende zerschoss mein Verkehrsunfall und dessen Folgen unsere Reisepläne für eine frühzeitige Ausreise nach Peru. So beschäftigten uns in den letzten beiden Wochen all die Reparaturen an meiner Ausrüstung und natürlich die Operation am linken Handgelenk. Und es war absehbar, dass mich die Genesung noch für relativ lange Zeit an der Fortsetzung unserer Radreise hindern würde.

 

Das könnte dich ebenfalls interessieren

 

Nichts mehr verpassen:  Newsletter abonnieren

Kommentare sind geschlossen.