Die Yungas Road in Bolivien – gefährlichste Straße der Welt

Die Yungas Road ist eine besondere Straße im Nordosten der Stadt La Paz in Bolivien. Sie hat seinerzeit eine düstere Berühmtheit erlangt, weil sie extrem gefährlich und für viele Autofahrer tödlich war. So wurde aus dem „Camino a Los Yungas“ die „Ruta de la Muerte“.

Wir sind diese Straße im Rahmen unserer Radreise durch Südamerika per Fahrrad gefahren und haben uns selber einen Eindruck verschafft. Unser Bericht über die Yungas Road:

Die Lage der Yungas Road

Verlässt man die Großstadt La Paz (3600 m, GPS-Koordinaten: -16.5096,-68.1243) auf der Ruta 3 Richtung La Cumbre (4650 m, GPS-Koordinaten: -16.3402,-68.0386) im Nordosten, dann erreicht man 32 km hinter La Cumbre den Abzweig (GPS-Koordinaten: -16.2892,-67.8272) Richtung Chuspipata (3000 m, GPS-Koordinaten: -16.29914,-67.81878) und gleich am Ortsausgang den Beginn der Yungas Straße (GPS-Koordinaten: -16.2993,-67.8183).

Diese führt hinunter bis nach Yolosita (1100m, GPS-Koordinaten: -16.19345,-67.74266) in der Yungas-Region und war lange Zeit eine der wenigen Verbindungen zwischen La Paz auf dem Altiplano (in den Anden) und dem Amazonasgebiet.

GPS-Koordinaten der Yungas Road: -16.2444,-67.7862.

Die Beschreibung der Yungas Road

Die Yungas Straße ist eine ca. 21 km lange, einspurige Schotterpiste, die sich mit Gefälle ohne Unterbrechung an der Felswand entlang windet. Zu einer Seite steigt die steile Felswand empor, zur anderen Seite ist der senkrechte Abgrund die Begrenzung der Straße.

Es gibt nur selten ein Stück Leitplanke und noch seltener eine Verbreiterung der Straße, die ein Ausweichmanöver für den Gegenverkehr ermöglichte.

Die Gefährlichkeit der Yungas Road

Die Yungas Road ist stellenweise sehr schmal, enthält viele unübersichtliche Kurven und ist auf einer Seite durch den steilen Abgrund begrenzt. Damit wurde sie seinerzeit zur tödlichen Gefahr, wenn schlechte Sichtverhältnisse, Regen, rutschiger Untergrund oder Steinschlag auf den Verkehr einwirkten.

Viele Autos stürzten in die Tiefe und die Insassen starben, jährlich zwischen 200 und 300 Personen! Die vielen Kreuze und Gedenktafeln entlang der Straße zeugen davon.

Seit 2007 wird der gesamte Verkehr über eine neue, sichere, zweispurige Asphaltstraße weiter nördlich (GPS-Koordinaten: -16.2157,-67.8116) geführt. Somit wurde der Yungas Road ihre Gefährlichkeit genommen. Heute ist sie lediglich noch Touristenattraktion.

Allerdings entsteht durch einheimische Mountainbike-Fahrer und manche Touristen auf den Leihfahrrädern der Tourenanbieter eine neue Gefährdung auf der Strecke, wenn diese mit Vollgas und Tuchfühlung an dir vorbeizischen (was wir während unserer Befahrung mehrfach erlebt haben). Nicht wenige dieser Touristen haben auch noch nie in ihrem Leben auf einem Mountainbike gesessen oder sind auf grobem Schotter steil bergab gefahren. Also ist auch heute noch mit erhöhter Aufmerksamkeit zu fahren.

Die Yungas Road als Sehenswürdigkeit

Es fließt zwar heute kein Verkehr mehr über die Yungas Straße, doch sie ist frei zugänglich für motorisierte und nicht motorisierte Fahrzeuge.

Die Befahrung der Yungas Straße lässt dich nachempfinden, wie riskant diese Straße seinerzeit war, als sie noch den täglichen Verkehr aufnehmen musste. Heute wird sie fast ausschließlich von Touristen per Mountainbike abwärts Richtung Yolosita befahren. Somit existiert auch kein Gegenverkehr mehr.

Des Weiteren erlebst du bei der Befahrung der gesamten Strecke von La Cumbre bis Yolosita eine grandiose Berglandschaft: Bei La Cumbre sind es schroffer Fels und schneebedeckte Bergspitzen, ab Chuspipata sind es gewaltige Berge, dicht überwuchert mit tropischem Regenwald und ein tief eingeschnittenes Tal, durch das der Rio Elena fließt. Die Höhenunterschiede zwischen dem Fluss im Talgrund, der Yungas Straße und den Bergspitzen sind gewaltig.

An manchen Stellen stürzt ein Wasserfall in die Tiefe und sorgt für mehr oder weniger große Pfützen auf der Piste. So ist an mancher Stelle Furten notwendig, wenn die Niederschlagsmenge groß genug war.

Ebenfalls gewaltig ist der Höhenunterschied auf der Strecke: So geht es von 4650 m (La Cumbre) bis auf 1100 m (Yolosita) hinunter ins Tal bei lediglich 63 km Strecke. Dabei erfährst du bei La Cumbre frostige Kälte und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und ab Chuspipata zunehmend steigende Temperaturen bis über 30 °C und tropische Schwüle.

Tipps zur Besichtigung der Yungas Road

Für die meisten wird die Stadt La Paz der Ausgangspunkt für eine Besichtigung der Yungas Straße sein. Du kannst über viele Reiseagenturen in La Paz einen eintägigen Mountainbike-Ausflug samt Leihfahrrad, Guide und Rahmenprogramm buchen (kostet dich mindestens 500 oder 600 Bolivianos) oder auf eigene Faust mit deinem eigenen Fahrrad eine Befahrung der Yungas Straße vornehmen (kostet dich nur 65-100 Bolivianos); Preise 2019.

Fährst du auf eigene Faust, dann fahre im Norden von La Paz bis zum Busterminal „Terminal Provincial Minasa Yungas“ (GPS-Koordinaten: -16.46917,-68.11581) und nehme ab hier bis La Cumbre den öffentlichen Kleinbus. Die Fahrt kostet dich samt Fahrrad 20 Bolivianos (2019). Gegebenenfalls musst du für diesen Preis handeln.

Ab La Cumbre fährst du per Fahrrad die 23 km Asphaltstraße bis zum Abzweig Richtung Chuspipata. Die Asphaltdecke der Straße ist größtenteils in Ordnung. Lediglich die geflickten Stellen sind häufig derart stark erhaben, dass sie zur Sprungschanze für dein Fahrrad werden. Daher ist auf der gesamten 23 km langen Abfahrt immer deine Wachsamkeit gefordert.

Nehme den zweiten Abzweig (GPS-Koordinaten: -16.28910,-67.82722) Richtung Chuspipata, denn der Schotter auf dem ersten Abzweig (GPS-Koordinaten: -16.28756,-67.83067) ist fürchterlich grob und mit manchem Fahrrad nicht zu befahren.

Hinter Chuspipata beginnt die Yungas Straße. Folge der Straße bis nach Yolosita ins Tal. In Yolosita oder an der naheliegenden Brücke (GPS-Koordinaten: -16.19689,-67.75049) über den Rio Elena kannst du dann per öffentlichem Kleinbus wieder nach La Paz zurückfahren (kostet ebenfalls 20 Bolivianos incl. Fahrrad). Auch hier musst du bei Bedarf  handeln.

Wir haben am Ende der Brücke einen der vielen öffentlichen Kleinbusse angehalten, den Preis verhandelt und konnten dann gleich mitfahren. Die allermeisten dieser Kleinbusse fahren bis nach La Paz. Die Fahrräder werden auf der Dachreling deponiert. Halte etwas Isoliermaterial und Seil oder Gurt zum Fixieren bereit und begleite das Verzurren auf dem Autodach, damit dein Fahrrad keinen Schaden nimmt. Die Fahrer haben nicht immer das erforderliche Verständnis für die empfindliche Technik an deinem Fahrrad.

Für die Befahrung der Yungas Road nehmen sie den Touristen 25 Bolivianos ab, bei gebuchten Touren sogar zweimal 25 Bolivianos. (Wenn du dich unterwegs nicht hartnäckig wehrst, wirst du noch mehr Geld los, denn nach unserem Eindruck wollen sich manche Anwohner über diese Befahrungsgebühr privat bereichern).

Die offizielle Bezahlstelle liegt auf der Hälfte der Strecke (GPS-Koordinaten: -16.27141,-67.78811). Hier musst du dich in ein Buch eintragen und erhältst einen Zahlungsbeleg, den du am Ende der Yungas Road (GPS-Koordinaten: -16.20944,-67.75501) vorzeigen und abgeben musst. Begründet wird die Gebühr mit der Bereitstellung einer Notfallversorgung mit Ambulanzfahrzeugen.

Befährst du die Yungas Straße in die entgegengesetzte Richtung (also bergauf), musst du offensichtlich nicht bezahlen und wirst durchgewunken.

Der Schotterbelag auf der Yungas Road ist größtenteils sehr grob und somit anstrengend und ermüdend, wenn du die Piste per Fahrrad befährst. Ein Fully oder zumindest eine Federgabel sind hier deutlich angenehmer als ein Hardtail Mountainbike. Aber grundsätzlich kommt für eine Befahrung nur ein robustes Fahrrad infrage, andernfalls ist mit starkem Verschleiß und mit Schäden durch die herben Erschütterungen zu rechnen.

Wir haben für die Befahrung an unseren Reiserädern den Luftdruck in den Reifen von 4 Bar auf 2,5 Bar abgesenkt, um die Vibrationen in Händen und Armen erträglicher zu gestalten. Und dennoch gab es Blasen am Daumen und Muskelkater in den Armen.

Das permanente Gefälle zwingt dich auf weiten Strecken zum Fahren mit schleifender Bremse, denn die Beschleunigung ist enorm. Prüfe die Bremsanlage an deinem Fahrrad vor der Befahrung und fahre nicht mit weit abgenutzten Bremsbelägen. Das gilt insbesondere für Felgenbremsen und eine Befahrung an einem regnerischen Tag.

Für die Befahrung von La Combre bis Yolosita sind 6 Stunden einzuplanen. Dabei sind Pausen und Stopps für Besichtigungen an der Strecke schon berücksichtigt. Die Anfahrt per Kleinbus von La Paz bis La Cumbre benötigt eine gute halbe Stunde, die Rückfahrt von Yolosita bis La Paz 2,5 – 3 Stunden.

An den besonders fotogenen Stellen der Yungas Road legen die geführten Touristengruppen immer einen ausgedehnten Stopp für Fotos ein. Da kann es für die eigenen Fotos schon mal etwas länger dauern, wenn man nicht gerade die Mountainbike-Trupps ablichten möchte.

Die Yungas Road und die Höhenkrankheit

Es ist zwar möglich, in Yolosa (GPS-Koordinaten: -16.23229,-67.74021) oder Coroico (1700 m, GPS-Koordinaten: -16.1887,-67.7274) zu übernachten, doch es ist nicht empfehlenswert, wenn La Paz Startpunkt und Rückkehrort ist. Denn du wirst möglicherweise mit den typischen Symptomen der Höhenkrankheit konfrontiert, wenn du nach einer Nacht auf 1200 m Höhe (Yolosa) schlagartig wieder auf 3700 m Höhe (La Paz) übernachtest. Kehrst du am selben Tag nach der Befahrung der Yungas Road wieder nach La Paz zurück, hat dein Aufenthalt auf 1100 m Höhe keinen merklichen Einfluss auf deine Gesundheit.

Zum Hintergrund bzgl. der Höhenkrankheit:

Ab einer Höhe von 2000 m bis 2500 m ist eine kontrollierte Höhenanpassung erforderlich: ab dieser Höhe solltest du täglich nicht mehr als 300 Höhenmeter weiter aufsteigen, ab 3000 m Höhe sogar nur noch 250 Meter. Daneben ist viel trinken und wenig Anstrengung sehr hilfreich. Zumindest in den ersten Tagen auf der neuen Höhe. Beachtest du die Regeln zur Akklimatisation nicht, drohen gesundheitliche Schäden.

Fazit zur Yungas Road

Die Befahrung der Yungas Straße ist ein Erlebnis. Aber per Fahrrad sind die 21 km sehr anstrengend. Je mehr Federung am Fahrrad, desto mehr Fahrspaß ist garantiert.

Etwas nachdenklich macht aus unserer Sicht, dass eine seinerzeit lebensgefährliche und sogar tödliche Straße heute als Touristenattraktion vermarktet wird.

 

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