La Paz in Bolivien – außergewöhnlich in jeder Hinsicht

Im Westen von Bolivien, mitten in den Anden, auf dem Hochplateau Altiplano, befindet sich die Großstadt La Paz (-16.5095,-68.1252). Sie beherbergt die Landesregierung von Bolivien und viele andere offizielle Stellen des Landes, ist jedoch nicht die Hauptstadt von Bolivien.

Aber dennoch ist diese Stadt eines der größten Highlights in Bolivien. Warum das so ist, beschreiben wir in diesem Artikel.

Die Lage von La Paz

La Paz liegt klimatisch sehr gut geschützt in einem riesigen Felsenkessel inmitten des Hochplateaus. Dabei füllt die extrem dichte Bebauung mittlerweile den gesamten Talkessel und reicht zu allen Seiten bis weit hinauf in die steilen Berghänge.

In der Talsohle misst La Paz 3700 m Höhe, in den Berghängen liegt die Bebauung auf bis zu 4100 m Höhe. Dabei ist der Übergang vom Hochplateau und der Stadt El Alto in den steilen Berghang so scharfkantig wie ein Messer. Die Stadtgrenze zwischen El Alto und La Paz ist dort tatsächlich eine Abbruchkante. Die Bebauungsdichte im steilen Berghang ist dabei unverändert hoch.

Für den öffentlichen Nahverkehr stellt diese Topografie eine besondere Herausforderung dar. Die Straßen in den steilen Berghängen sind wie Passstraßen in den Alpen. Hier treiben sie ihre betagten Busse, Taxis und Kleinbusse laut stöhnend und im Schritttempo die steilen Hänge hinauf. Um hier für die Zukunft für etwas Entspannung zu sorgen, wurde seit 2014 ein Seilbahnsystem errichtet, welches im Endausbau 2020 insgesamt aus 11 Linien bestehen wird.

Die Anden und das Altiplano

Die Anden sind der südliche Teil der amerikanischen Kordilleren. Sie befinden sich im Westen Südamerikas, bestehen aus mehreren Bergketten und bilden mit ihrer Länge von 7500 km das längste Gebirge der Welt. Dabei bildet das Hochplateau Altiplano zwischen zwei dieser Gebirgszüge im Bereich West-Bolivien / Peru / Nordargentinien / Nordost-Chile die höchste Erhebungszone. Die Ausdehnung des Altiplano beträgt 1800 x 400 km und das Höhenniveau liegt bei 3600 – 3700 m Höhe.

Inmitten dieses Hochplateaus liegen sowohl der Titicacasee auf der Grenze zwischen Bolivien und Peru als auch die Stadt La Paz wie oben beschrieben.

Die Bebauung in La Paz

Betrachtest du La Paz aus gewisser Entfernung von einem Aussichtspunkt oder vom oberen Rand des Talkessels aus, dann wirkt die gesamte Bebauung extrem dicht und kompakt. Das Häusermeer lässt dabei an jeder Stelle das ursprüngliche Geländeprofil erkennen. Besonders eindrucksvoll erscheint dies bei tiefstehender Sonne.

Dominiert wird die Bebauung durch den landesweit sehr gebräuchlichen rotbraunen Ziegelstein und die „Unsitte“, ein Gebäude als sichtbar „offene Baustelle“ zu belassen, um weniger Steuern zahlen zu müssen. So sind fast alle Gebäude ohne Außenputz gehalten und in den oberen Stockwerken in der Regel ohne Fenster. Das regenarme Klima und die überwiegend wärmeren Temperaturen machen es möglich.

Unterbrochen wird diese kompakte Bebauung in den steilen Berghängen lediglich durch sehr steile Straßen und verwinkelte Treppen, teils mit einer abenteuerlichen Wegführung zwischen den schroffen Felsen.

Der öffentliche Busverkehr

Wie in allen größeren Städten stellt der öffentliche Personennahverkehr den größten Teil des städtischen Verkehrs dar. Große Teile der Bevölkerung besitzen aus Geldmangel kein Auto oder verzichten auch bewusst darauf. In La Paz verkehren somit unzählig viele Kleinbusse, daneben aber auch größere, betagte Busse, die bei uns als echte Oldtimer eher im Museum ihren Platz fänden.

Das hohe Verkehrsaufkommen in der Stadt und das anspruchsvolle topografische Profil treiben diesen öffentlichen Nahverkehr regelmäßig an seine Belastungsgrenze. Die Straßen sind verstopft und die Fahrzeit vor allem Richtung El Alto ungewöhnlich lang.

Seit einigen Jahren wird daher ein System an Seilbahnen ausgebaut: Mi Teleférico:

Das Seilbahnsystem Mi Teleférico

Mi Teleférico, stellt mit aktuell 10 Linien, ab 2020 11 Linien das größte städtische Seilbahnsystem weltweit dar. Diese Seilbahnen sind nicht nur eine wertvolle Entlastung der Straßen, sondern sie verkürzen auch massiv die Fahrzeiten für weitere Distanzen in der Stadt oder insbesondere zur Nachbarstadt El Alto.

Gleichzeitig sind diese Seilbahnen für die Touristen eine Attraktion: So geniest du für relativ wenig Geld einen unvergesslichen Ausblick über die Stadt.

Sehenswürdigkeiten in La Paz

Natürlich ist die ungewöhnliche Lage der Stadt, die verschachtelte Bebauung in den steilen Berghängen und das umliegende Gebirgspanorama samt dem 6462 m hohen, schneebedeckten Illimani schon Besichtigungsprogramm genug.

Darüber hinaus bietet die Stadt und ihr näheres Umfeld aber viele weitere Highlights, von denen wir die wichtigsten im Folgenden aufführen:

Die Basilica San Francisco

Die Basilika San Francisco (-16.49632,-68.13726) ist eine sehenswerte katholische Kirche im Zentrum der Stadt.

Die Calle Jaén

Die Calle Jaén (-16.49223,-68.13582) ist eine ziemlich kurze, aber wunderschöne, gut erhaltene Kolonialstraße. Die Häuser strahlen allesamt in unterschiedlichen Farben, es gibt eine nostalgische Laternen-Beleuchtung und durch ihre Enge wirkt diese Gasse sehr gemütlich. Hier findest du neben Restaurants und Läden auch einige Museen.

Der Plaza Murillo

Der Plaza Murillo (-16.49567,-68.13358) ist der wichtigste Platz in der Stadt. Hier befinden sich:

  • der ehemalige Regierungssitz (Palacio de Gobierno)
  • der aktuelle Regierungssitz (Casa Grande del Pueblo)
  • das Parlament (Asamblea Legislativa Plurinacional)
  • und die Basilika de Nuestra Señora de La Paz.

Der Platz an sich ist nett gestaltet und zieht sowohl die Touristen als auch die Einheimischen an. Das wissen natürlich auch die Tauben. Und so findet hier eine sehr intensive Fütterung ganzer Scharen von Tauben statt.

Die Aussichtspunkte

Es gibt unter anderem zwei sehr beliebte Aussichtspunkte, die einen traumhaften Ausblick auf weite Teile der Stadt gewähren:

Der Mirador Killi Killi (-16.49554,-68.12752) befindet sich in 150 m relativer Höhe im Norden des Zentrums. Von einer groß angelegten Aussichts-Plattform hast du von hier den Blick frei zu allen Seiten der Stadt.

Wenn du ihn sowohl in den Morgenstunden als auch am Nachmittag aufsuchst, erlebst du jeweils eine Hälfte der Stadt im richtigen Licht.

Der Mirador 27 de Mayo (-16.48184,-68.13300) liegt weiter nördlich in 450 m über dem Stadtzentrum und ist erreichbar über einen Trittpfad. Die nächstgelegene Seilbahn-Station ist Apachita der Linea Naranja.

Das San Pedro Prison

Das San Pedro Gefängnis (El Penal de San Pedro) (-16.50315,-68.13466) ist sicher eine der außergewöhnlichsten Justizvollzugsanstalten auf der Welt. Hier werden die Gefangenen sich selbst überlassen, bilden ein eigenes Sozial- und Wirtschaftskollektiv. Oft leben und wohnen die Familienangehörigen der Häftlinge ebenfalls hinter den Mauern, dürfen das Gefängnis aber jederzeit verlassen.

Besichtigungen sollen zwar möglich sein, sind aber sicher nicht ungefährlich. Konflikte unter den Häftlingen werden oft über Messerstechereien ausgetragen und es gibt regelmäßig Todesfälle durch Gewaltanwendung.

Sehenswürdigkeiten im Süden von La Paz

Neben einem Japanischen Garten (-16.54094,-68.09194), der Laguna de Animas (-16.54824,-68.01250) und der Laguna de Cota Cota (-16.54153,-68.06490) gibt es im Süden von La Paz vor allem schroffe Felslandschaft zu sehen:

  • Valle de la Luna (-16.56671,-68.09388)
  • Valle de las Animas (-16.5398,-68.0219)
  • Valle de las Agujas (-16.5427,-68.0215)
  • Devil´s Tooth (-16.56264,-68.05721), ein kleiner Vulkantrichter mit 150 m Höhe.

Wer das große Abenteuer sucht, bucht am besten eine Wanderung auf den Illimani mit seinen 6462 m Höhe.

Sehenswürdigkeiten nördlich von La Paz

Die Ruta de la Muerte

Die Ruta de la Muerte (auch Yungas-Road oder Camino a Los Yungas) galt seinerzeit als die gefährlichste Straße der Welt. Sie liegt im Nordosten von La Paz (-16.2912,-67.8102) und verbindet die Stadt mit der Yungas-Region im Osten. Sie führt über La Cumbre zunächst auf 4650 m Höhe und ab dort über Unduavi bis hinunter nach Yolosita. Auf diesen 80 km Straße geht es dabei 3400 Höhenmeter talwärts bis auf 1200 m Höhe.

Es gibt viele enge, unübersichtliche Kurven und fast nirgendwo eine Leitplanke. Steinschlag aus der steilen Felswand, rutschiger Schotterbelag, Regen und Nebel verhinderten oftmals eine sichere Fahrt und so stürzten viele Menschen mit ihren Fahrzeugen in den Tod.

Seit 2007 gibt es eine gut ausgebaute Alternativstrecke. Heute ist die Ruta de la Muerte keine wichtige Verkehrsverbindung mehr, sondern lediglich ein touristisches Objekt:

Es werden Tagesausflüge mit Hin- und Rückfahrt per Kleinbus und Leih-Fahrrad für einen Pauschalpreis zwischen 400 und 500 Bolivianos (oder mehr) angeboten. Deutlich preiswerter kommt es dich, wenn du mit dem eigenen Fahrrad in La Paz bist. Dann nutzt du die öffentlichen Busse und kommst auf 85 Bolivianos.

Sehenswürdigkeiten westlich von La Paz

El Alto

El Alto (-16.4883,-68.1971) bietet einige sehenswerte Märkte mit Basarcharakter. Allerdings herrscht in den belebten Vierteln zur Geschäftszeit ein enormes Verkehrsaufkommen und nicht selten steckt dort alles in einem unlösbaren Stauknäuel.

Der Puma Punku Tempel

In Tiawanaku, einem Ort 70 km westlich von La Paz, befindet sich eine prähistorische Ruinenstätte: der Puma Punku Tempel (-16.56159,-68.68016).

Der Titicacasee

Der Titicacasee (-15.9191,-69.2661) befindet sich auf 3800 m Höhe und zählt damit zu den höchstgelegenen Gewässern der Welt. Daneben hat er eine enorme Größe (ca. 180 km x 70 km Ausdehnung). Zum Baden ist der See sicher zu verschmutzt, doch sehenswert sind auf alle Fälle die Schwimmenden Inseln der Urus, einer Ethnie der indigenen Bevölkerung am Titicacasee. Diese Inseln dienten seinerzeit zum Schutz vor Angriffen und werden heute noch bewohnt.

Für den Bau dieser Inseln der Schiffe und der Behausungen verwenden die Urus seit jeher getrocknetes Totora-Schilf, welches am Titicacasee wächst.

Fazit zu La Paz

Der weltweit höchstgelegene Regierungssitz, die steile, verschachtelte Bebauung der Berghänge, die enorme Bebauungsdichte, das größte städtische Seilbahnsystem der Welt, die einzigartige Lage der Stadt in diesem Gebirgskessel, das extreme Gefälle mancher Straße, … All das macht La Paz zu einer außergewöhnlichen Stadt.

In Verbindung mit den Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung ist La Paz somit ein sehr lohnendes Reiseziel in Bolivien.

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