Stevia – der natürliche Süßstoff aus Paraguay

Stevia (Stevia rebaudiana) ist eine Pflanze, deren Blätter einen Wirkstoff enthalten, der eine 30 mal stärkere Süßkraft als gewöhnlicher Rübenzucker entfaltet.

Die Pflanze stammt ursprünglich aus Paraguay und wird schon seit mehreren Jahrhunderten von der indigenen Bevölkerung in Paraguay und Brasilien als Süßstoff verwendet.

Wir entdeckten im Rahmen unserer großen Radreise durch Südamerika in vielen Supermärkten Stevia-Produkte in größerer Menge und das weckte natürlich unser Interesse. In Europa weiß man um die Existenz dieser Pflanze schon seit dem 16. Jh. Aber erst 2011 hat die EU bestimmte Stevia-Produkte zugelassen. Warum so spät? Ein Blick hinter die Kulissen.

Die Wirkstoffe

Insgesamt fand man über 100 verschiedene Wirkstoffe in der Pflanze. Neben seiner süßenden Wirkung entfaltet Stevia auch als Arznei seine Kraft: Übergewicht, Bluthochdruck und Sodbrennen lassen sich damit behandeln. Es wirkt gefäßerweiternd, antimikrobiell, ist für Diabetiker geeignet und wirkt Karieshemmend.

Die Entdeckung der Pflanze

Die indigene Bevölkerung nutzte die Süßkraft (das Steviosid) und die Heilwirkung der Pflanze schon seit vielen 100 Jahren. Die Spanier brachten das Wissen um die Süßkraft von Stevia dann im 16. Jh. nach Europa. Aber erst im 19. Jh. wurde die Pflanze von dem in Paraguay lebenden Schweizer Botaniker Moisés Santiago Bertoni botanisch beschrieben.

Die Kultivierung

Natürliche Vorkommen findet man im Grenzgebiet zwischen Brasilien und Paraguay im Bezirk Amambay. Dort herrscht halt ein günstiges Klima.

Wird Stevia kultiviert, dann entscheidet der Frost über die Lebensdauer der Pflanze: ohne Frosteinwirkung lebt Stevia 4-6 Jahre, mit Frost nur ein Jahr.

Heute wird die Pflanze in vielen Gebieten Süd- und Zentralamerikas, Israels, Thailands und Chinas angebaut.

Die Verarbeitung

Aus der Vielzahl der natürlichen Wirkstoffe der Pflanze werden exakt nur die tatsächlich süßenden Substanzen ohne bitteren Nachgeschmack isoliert. Danach werden Füllstoffe beigemischt, um ein dem üblichen Zucker ähnliches Produktvolumen zu erhalten. Um das zu erreichen, setzt die verarbeitende Industrie viel Chemie ein. Und verwandelt damit das ursprüngliche, natürliche Stevia in ein chemisch hergestelltes Konzentrat mit Nebenwirkungen.

Die Zweifel an der Unbedenklichkeit

Seit 1985 weiß man durch eine Studie, dass bestimmte Stevia-Produkte das Erbgut verändern. Finanziert hatte die Studie ein Süßstoffhersteller. Eine Vielzahl weiterer Studien widerlegten die These dann wieder. Mit viel Mühe fand sich dann aber doch noch eine gefährliche Komponente: nämlich Steviol, das Abfallprodukt vom eigentlichen Süßstoff, dem Steviosid. Allerdings legte man in den Versuchen eine absolut unrealistische Dosierung zugrunde: demnach müsste ein Mensch täglich die Hälfte seines Körpergewichtes an Steviablättern zu sich nehmen, um Mutagenität in vivo zu erwirken. In einer solchen Dosis wäre auch Zucker extrem schädlich. Das riecht nach Sabotage durch die Süßstofflobby, die um ihnen Absatzmarkt fürchtete.

Die Zulassung in der EU

Die EU tat sich jedenfalls sehr schwer mit der offiziellen Zulassung als Lebensmittel oder Lebensmittelzusatzstoff. Die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) gab erst 2011 grünes Licht für das Steviaprodukt Steviolglycosid und begrenzte die maximal zulässige tägliche Aufnahmemenge. So wird zukünftig in vielen Lebensmitteln der Zucker lediglich teilweise durch Stevia ersetzt.

Im Internethandel waren Steviaprodukte zuvor schon erhältlich und meist als Zahnpflegemittel gekennzeichnet, um die fehlende Zulassung straffrei zu umgehen. Falsch war diese Deklaration jedenfalls nicht, denn Stevia hat ja unter anderem eine Karieshemmende Wirkung.

Frankreich hatte Steviaprodukte schon in 2009 per Dekret zugelassen und die fehlende EU-Zulassung dadurch umgangen.

Fazit zu Stevia

Stevia ist ein natürliches Produkt und seine Inhaltsstoffe bewirken viel Gutes. Doch was die Verarbeitende Industrie aus diesem Naturprodukt macht, ist gar nicht mehr so natürlich, sondern sogar gefährlich, wenn auch nur in absolut unrealistischen Aufnahmemengen. Ein gefundenes Fressen für die Süßstofflobby, die Stevia lange erfolgreich vom Markt fernhalten konnte. Nicht zuletzt auch unterstützt durch das zögerliche Verhalten der Zulassungsstellen in der EU.

Da bleibt ein fader Beigeschmack. Und der ist alles andere als süß!

 

Nichts mehr verpassen:  Newsletter abonnieren

 

Weitere Infos über Paraguay und Brasilien

Kommentare sind geschlossen.