Uruguay 2019 – Reisebericht

Am 26.03.2019 sind wir, von Argentinien kommend, nach Uruguay eingereist. Hier wollten wir an der Küste entlang radeln und uns die Städte Colonia del Sacramento, Montevideo und Punta del Este sowie die Küste ansehen. Dabei führt die Straße nicht immer am Ufer entlang. Wie ist es uns ergangen?

Dienstag, 26.03.19

Der Grenzgang auf dem Landweg bei Gualeguaychu/Mercedes war rekordverdächtig kurz und einfach: Es gibt hier lediglich einen einzigen Stempel in den Reisepass. Er dokumentiert sowohl die Ausreise aus Argentinien als auch die Einreise nach Uruguay. So waren wir nachmittags in Uruguay angekommen.

In unserem ersten Städtchen Mercedes beschafften wir uns Geld am Automaten, was auch gleich auf Anhieb klappte. Endlich gab es wieder moderate Abhebegebühren und sinnvolle Obergrenzen für Transaktionen. Die Geldbeschaffung war in Argentinien ja stets ein überteures Lotteriespiel mit einer Trefferquote um 50%.

Danach steuerten wir die Freiwillige Feuerwehr (Bomberos) in der Stadt an und fragten, wie schon in Argentinien und Paraguay, nach einem Nachtlager. Es gab sofort eine Zusage vom Chef, aber wir durften nur auf dem Außengelände unsere Schlafsäcke ausbreiten, denn im Gebäude war Frauen die Übernachtung verboten.

Mittwoch, 27.03.19

Nach vielen netten Gesprächen mit den Bomberos fuhren wir noch die Uferpromenade ab und besichtigten die Weinkelterei im Catello Mauá (GPS-Koordinaten: -33.24286,-58.06494). Danach fuhren wir weiter bis nach Dolores. Dabei führte der Weg über eine gute, neue Asphaltstraße durch interessante Hügellandschaft. Unser erster Eindruck von den Straßen in Uruguay: guter Asphalt, breit genug für Radler, wenig Verkehr und sehr rücksichtsvolle Fahrer, die tatsächlich Seitenabstand einhalten beim Überholen. Hier machte das Radeln wieder Spaß.

In Dolores fanden wir einen Schlafplatz in der Sporthalle, nachdem wir uns im Rathaus dazu die Genehmigung abgeholt hatten.

Donnerstag, 28.03.19

Annett ging vor dem Frühstück in der benachbarten Halle eine Runde schwimmen. Das hatten sie uns gestern noch angeboten. Sehr erfrischend. Hier gab es sogar eine heiße Dusche, im Gegensatz zur Dusche in der Sporthalle.

Als sie aus der Schwimmhalle kam, hörte sie in der Turnhalle Zumba-Musik. Keine 5 Minuten später war sie umgezogen und nahm auch gleich noch an diesem Fitnesstraining teil.

Nach dem Frühstück fuhren wir weiter über viele Hügel und durch interessante Landschaft. Die Morgenstunden waren angenehm kühl, doch zum Mittag brannte die Sonne in den letzten Tagen immer sehr heiß. Ungewöhnlich viele LKWs gab es auf unserer Strecke. Doch zum Glück hatte die Straße einen guten, breiten Seitenstreifen.

Unterwegs überholt uns Hannah, eine deutsche Reiseradlerin. Wir unterhielten uns über Südamerika und stellen beim Verabschieden fest, dass wir die gleiche Warmshowers-Adresse für unsere Übernachtung in Nueva Palmira heute auf dem Plan hatten. So trafen wir uns am Abend wieder.

Freitag, 29.03.19

Der Zufall wollte es, dass heute der 29. Tag des Monats war. Das ist in ganz Uruguay der Tag der Gnocchis. So waren wir eingeladen zum großen Gnocchi-Essen bei unseren Gastgebern.

Diese Tradition geht zurück auf einen italienischen Arzt und Pilgerer, der einer ärmlichen Familie in Norditalien im 8. Jahrhundert Reichtum und Wohlstand bescherte, nachdem sie mit ihm ihre letzten 7 Gnocchis geteilt hatten. Die italienischen Einwanderer brachten diese Tradition dann später nach Uruguay und wir durften sie nun erleben.

Weiter ging unsere Fahrt nach Carmelo am Mündungsdelta des Rio de la Plata. Es waren zwar nur 20 km Strecke, doch auf den ersten 10 km ging es dabei durchs Hügelland: die Straße führte permanent auf und ab, es gab kein ebenes Stück Asphalt.

Ein besonderes Erlebnis sind die Cotorras (Mönchsittiche), die in größeren Kolonien weit oben in den Eukalyptusbäumen ihre riesigen Nester haben und permanent einen Mordsradau veranstalten. Das laute Krächzen ist immer schon aus der Ferne zu höhren.

Am Abend erreichten wir Carmelo am Rio Uruguay, wo wir in einem Park in Strandnähe in der tiefen Dunkelheit das Zelt auf dem weichen Sandboden aufbauten. Die Häringe hielten kaum im Sand, aber es wehte zum Glück kein nenneswerter Wind. Da hofften wir mal, dass das gut geht.

Samstag, 30.03.19

Es ging gut. Das Zelt blieb stehen. Stürmig war lediglich die Akustik um uns herum. Diese Parkanlage am Ufer war über die Nacht der Treffpunkt aller Poser dieser Stadt. Gefühlt müssen es an die 100 gewesen sein. Somit hatten wir eine ohrenbetäubende Geräuschkulisse bis in die frühen Morgenstunden.

Kurios war zudem die Tatsache, dass im öffentlichen Damen-WC im Park ein Hund wohnte.

Annett stellte beim Packen mit Entsetzen fest, dass die Unterseite ihrer Schlafmatte zur Hälfte nass war: Unsere Faltschüssel war durch das tägliche Falten mittlerweise ziemlich porös auf der Bodenfläche und so war über Nacht richtig viel Wasser aus der Schüssel ausgelaufen und hatte sich zwischen Footprint und Innenzeltboden seinen Weg zu Annetts Matte gesucht. Irgendwann drückte das Wasser sich dann wohl durch den Innenzeltboden.

Wir genossen ein gemütliches Frühstück am Ufer und drehten danach eine Runde durch die Stadt. Es gibt hier einen kleinen Tierpark (GPS-Koordinaten: -34.01059,-58.28833) und einige historische Gebäude aus der Kolonialzeit zu sehen.

Danach verließen wir die Stadt relativ spät am Tag und suchten uns nach gerade einmal 24 km einen Übernachtungsplatz in einem privaten Garten an der Straße. Die Eigentümer legten uns sogar noch eine Stromverbindung, brachten uns eine Lampe und schenkten uns eine uruguayische Flagge fürs Fahrrad.

Sonntag, 31.03.19

Vor der Weiterfahrt durfte ich erst einmal wieder einen Plattfuß reparieren. Ein Dorn hatte sich durch den Reifen gedrückt. Nach der Reparatur fuhren wir weiter Richtung Colonia, kamen aber auch heute nicht wirklich weit. Dafür erlebten wir den Fahrerpulk des großen nationalen Radrennens (Vuelta del Uruguay) und später dehnten wir die Mittagspause im Schatten einer Tankstelle bis in den späten Nachmittag aus.

So bauten wir nach lediglich 15 km Strecke in einem privaten Garten wieder unser Zelt auf.

Montag, 01.04.19 – Donnerstag, 11.04.19

Wir brachen früher auf als an den letzten Tagen und genossen die kühlen Stunden vor der großen Mittagshitze. Erstmalig lief uns auch eine dieser relativ großen Vogelspinnen auf der Straße über den Weg (kein Aprilscherz). Wie sich später herausstellte, ist diese Gattung wohl gefährlich giftig, jedoch nicht aggressiv.

Am Abend erreichten wir Colonia del Sacramento am Ufer des Rio de la Plata, wo wir im Garten bei unserem Warmshowers-Kontakt für einige Tage unser Zelt unter einem großen Walnußbaum aufbauten.

Unser Video auf Youtube:

die Vogelspinne in Uruguay

 

Wir besichtigten die historische Altstadt Barrio Historico (GPS-Koordinaten: -34.4724,-57.8517) samt dem alten Leuchtturm, den sie im 19. Jh. in den Grundmauern einer Ruine errichtet hatten sowie die Arena Plaza de Toros (GPS-Koordinaten: -34.43655,-57.86522) im Norden der Stadt. Auf dem Wochenendmarkt entdeckten wir zahlreichen lokale Spezialitäten, zum Beispiel Schokoladenpralinen mit Marihuana (in Uruguay ist der Konsum von Marihuana erlaubt).

Unser Video auf Youtube:

Plaza de Toros

 

Außerdem sahen wir einige traumhafte Sonnenuntergänge und bei guter Sicht die Skyline von Buenos Aires auf der 50 km entfernt gelegenen anderen Seite des Rio de la Plata.

Besonders beeindruckend empfanden wir die vielen langen Baumalleen in der Stadt. So gibt es in den Sommermonaten fast überall im Zentrum kühlen Schatten in den Straßen.

In der Touristeninfo waren sie begeistert von unserer Radreise und wollten uns gleich auf ein Interview einladen. Hier konnten wir dann über mehrere Tage per WiFi an unserem Blog arbeiten. Annett beteiligte sich an einem dieser Tage auch an einer großen Mandala-Malaktion an der Wand, wobei jung und alt viel Spaß hatten. Zum Abschied schenkten sie uns dann ein wertvolles Buch über die Stadt.

Ausgerechnet an unserem Abreisetag hatte es den ganzen Morgen geregnet. So verpackten wir das Zelt leider ziemlich naß. Einen Platz für die Nacht fanden wir dann hinter Colonia bei einem Brasilianer, der uns in seinen Wohn-Container einlud. Dort teilten wir uns dann eine Schlafpritsche mit den beiden Hunden, die uns eingangs noch ziemlich heftig attakiert hatten.

Unser Gastgeber hatte vor vielen Jahren einen schweren Unfall, verursacht durch das Erdbeben in Mexico 1985. Seither lebt er mit einem schweren Hirnschaden und vertreibt sich die Zeit mit Malerei. So war es uns auch eine besondere Ehre, dass wir uns ein Gemälde aus seiner Schöpfung aussuchen und mitnehmen durften (mußten). Er rollte das Gemälde für uns zusammen, durchschnitt mit einem langen Outdoor-Messer sein Kopfhörerkabel und band ein Stück davon um die Rolle. Da hofften wir mal, dass das sowieso ein defektes Kabel war.

Einen seiner 2 cm dicken Malstifte hatte er immer in dem großen Loch im rechten Ohrläppchen stecken. So hatte er immer sein Malwerkzeug in Greifweite. Die gesamte Begegnung war sehr skurril, aber völlig ungefährlich.

Donnerstag, 12.04.19 – Mittwoch, 17.04.19

Bis zur Hauptstadt Montevideo waren es jetzt noch 160 km Strecke. Da lagen noch viele Höhenmeter vor uns. Dabei wehte der Wind meist nicht zu unseren Gunsten. Doch die Straße bot einen sehr tropischen Flair: es war über viele km eine nicht enden wollende Palmenallee. So etwas hatten wir bisher in diesem Umfang noch nicht gesehen.

Der Zufall wollte es, dass wir auf dieser Strecke noch ein zweites Mal Zuschauer des nationalen Radrennens wurden: der Fahrer-Pulk der Vuelta del Uruguay passierte hier erneut unsere Straße. So gesellten wir uns zu der Zuschauermenge und erlebten die Creme de la Creme des uruguayischen Rennradsports ein zweites Mal.

Unser Video auf Youtube:

Vuelta del Uruguay

 

Im weiteren Verlauf des Tages hatte Annett dann die Begegnung mit einer lebenden Schlange auf der Fahrbahn, kam aber mit dem Schrecken davon. Weniger glimpflich verlief für sie jedoch ein Überholmanöver zwischen zwei LKWs: sie wurde ziemlich rücksichtslos von der Straße in den Graben gedrängt.

Am späten Nachmittag erreichten wir Colonia Valdense, wo wir aber nur Absagen erhielten, als wir nach einem Schlafplatz suchten: der Warmshowers-Kontakt fiel aus, die Polizei (ein Tipp von der Tankstelle) hatte keinen Platz und die Bomberos waren uns zu weit entfernt in der Nachbarstadt.

So fuhren wir weiter und fanden tatsächlich einen Pickup, der uns mitnehmen konnte bis nach Montevideo. So landeten wir am späten Abend bei einem anderen Warmshowers-Kontakt ca. 20 km vor der Hauptstadt.

Dieser entpuppte sich als wahre Biker-Community: hier gaben sich die Reiseradler die Klinke in die Hand und alle wohnten sie in einem Haus aus Lehm und sehr viel Kreativität:

Leere Plastikflaschen wurden mit Papier oder Kunststoffmüll gefüllt und in den Lehmwänden als Wärmedämmung integriert, alte Wein- und Bierflaschen dienten als Fenster, Autoreifen und Holzpaletten als Wohnmöbel, fast täglich wurde das eigene Brot gebacken und auch Seife stellten sie selber her.

Zwei Katzen gehörten auch mit zum Inventar und sie seien wohl ständig auf der Suche nach Essbarem in den Packtaschen der Radler hier im Haus. Doch die Warnung kam für uns zu spät: unsere Kekse hatten die Katzen schon gefunden und sich durch Plastiktüte und Verpackung durchgefressen, da hatten wir unsere Packtaschen noch gar nicht richtig im Haus.

Abends lief bei Annett dann eine apfelsinengroße Spinne über den Schlafsack und verschwand unter der Matratze. Na dann, gute Nacht!

Als sie später am Abend gerade eingeschlafen war, stubste sie irgend etwas wiederholt in den Rücken. Sie schrie laut auf, denn die Erinnerung an die große Spinne war ja noch ziemlich frisch. Aber diesmal war es nur eine der Katzen, die auf ihrem gewohnten Weg über die Matratze zum Fenster wollte.

Wir blieben bis Mittwoch und Annett beteiligte sich täglich an den anfallenden Hausarbeiten in dieser WG: Wäsche aufhängen, Kuchen backen, kochen, einkaufen und Nähen. So überbrückten wir mit diesem Aufenthalt auch gleich einen Regentag.

Am Mittwoch fuhren wir weiter ins Zentrum von Montevideo. Hier erlebten wir einen großartigen Trödelmarkt, die gotische Kirche Virgen del Carmen, den Botanischen Garten, den Japanischen Garten, den Palacio Legislativo und die Museen Nacional de Historia Natural und Espacio de Arte im selben Häuserblock in den Gemäuern von einem ehemaligen Gefängnis. Etwas gruselig waren der Besuch der Ausstellung und der Innenhof bei Vollmond dann schon.

Donnerstag, 18.04.19 – Freitag, 19.04.19

Am Donnerstag setzten wir unsere Besichtigungstour in Montevideo fort: Man entdeckt in der ganzen Innenstadt immer wieder historische Gebäude aus der Kolonialzeit mit sehenswerten Fassaden und Spitztürmen und den Flair vergangener Zeiten.  Am Plaza Independencia gibt es gleich mehrere Highlights dicht bei einander:

  • Der architektonisch außergewöhnliche Palacio Salvo: es gleicht dem Palacio Barolo in Buenos Aires wie ein Zwilling und entstammt auch dem selben Architekten
  • Die Puerta de la Ciudadela: das historische Eingangstor einer von den Spaniern im 18. Jh errichteten Zitadelle zur Verteidigung der Stadt
  • Das Teatro Solís: eine der wichtigsten Kulturbühnen in Uruguay.

Auf unserer Tour durch die Stadt sprach uns plötzlich Diego an. Er hatte selber Radtouren in Südamerika unternommen und lud uns jetzt spontan in sein Haus ein. Damit hatte sich die Suche nach einem Platz für die kommende Nacht erledigt und das weitere Tagesprogramm verlief deutlich entspannter als ursprünglich geplant.

Das Museo Andes 1972 war dabei die Überraschung des Tages. Es ist ein kleines Museum über den tragischen Absturz eines Flugzeugs aus Uruguay mit 45 Passagieren in den Anden auf 4000 m Höhe im Jahr 1972. Die Suche nach dem Wrack und den Überlebenden verlief erfolglos und wurde abgebrochen. Daraufhin kämpften sich die Verschollenen bei bis zu -30 °C selber durch und wurden nach insgesamt 72 Tagen gerettet. Überlebt haben am Ende lediglich 16 Passagiere.

Ich selber assoziierte über viele Jahre die Gebirgskette der Anden mit genau diesem Ereignis. Um so beeindruckender war für mich die Entdeckung dieses Museums.

Während einer Pause im Park lief Annett plötzlich zwei deutsch sprechenden Frauen hinterher und sprach sie an. Aus einer netten Unterhaltung in unserer heimischen Sprache entwickelte sich dann in Kürze die Gelegenheit für uns, den beiden das große schwere Buch aus Colonia del Sacramento auf ihren Heimweg nach Deutschland mitzugeben. Da waren wir sehr dankbar und erleichtert (im wahrsten Sinne des Wortes).

Das Castillo Pittamiglio auf der Rambla im Osten von Montevideo ist ein besonderes architektonisches Highlight. Es war die Residenz des uruguayischen Architekten Humberto Pittamiglio und beherbergt verwinkelte, enge Gänge, 23 Türme, 54 Räume, 33 Türen, die zum Teil ins Nichts führen und viel Symbolik aus unterschiedlichen Wissenschaften, mit denen sich der Architekt seinerzeit beschäftigt hat. Heute ist es ein Museum.

Die „Rambla“ ist nicht nur eine gewöhnliche Uferstraße, sondern es ist ein sozialer Treffpunkt für die ganze Stadt. Hier hat wirklich jeder seine Mate-Garnitur unter dem Arm: Thermoskanne, Calabaza und Bombilla.

Samstag, 20.04.19

Heute verließen wir Montevideo und fuhren weiter Richtung Osten. Ab hier beginnt eine traumhafte Küstenlandschaft: das Meer und die Brandung, Palmen, Sandstrand, Surfer, die frische Brise und dieser Flair von Strandurlaub.

In Ciudad de la Costa suchten wir uns eine Bleibe über Warmshowers, wo wir unser Zelt im Garten aufbauten und einen netten Abend im Kreis der Familie von Juan verbrachten.

Ostersonntag, 21.04.19

Ein besonderes Highlight war heute El Aguila, ein Gebäude in Form eines Adlerkopfes direkt an der Küste bei Villa Argentina oben in den Klippen.

Der Reiz der Küste geht natürlich einher mit einer höheren Bevölkerungsdichte. Dementsprechend sprachen uns heute gleich mehrere Einheimische auf unsere Reise an. Dabei gab es auch gleich zwei Einladungen: Ali lud uns auf die Übernachtung im 50 km entfernten Piriapolis ein und Enrique lud uns in sein Haus im amerikanischen Staat Florida ein. Nette Begegnungen heute.

Viel weiter als Villa Argentina kamen wir heute nicht. So fragten wir wieder bei den Bomberos und diesmal durften wir bleiben. Allerdings dauerte es über eine Stunde, bis es vom obersten Chef grünes Licht gab.

Für Annett war es gut, dass wir in den letzten Nächten stets Zugang zu einer heißen Dusche hatten. Sie hatte sich in dem herbstlichen Wetter der letzten Tage eine Erkältung eingefangen.

Ostermontag, 22.04.19

Die ersten 30 km bis Jaureguiberry waren wir an den Highway gebunden. Es gibt hier keine sinnvolle Alternativroute an der Küste. In Jaureguiberry steht übrigens die erste Schule Lateinamerikas, die vollständig nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit erbaut wurde (GPS-Koordinaten; -34.78148,-55.40293).

Sie haben Zivilisationsmüll wie Glasflaschen, ausgediente Autoreifen und Getränkedosen in den Bau integriert sowie mit Lehm und Holz gebaut. Sie erzeugen ihren Strom selber, sammeln das Regenwasser, kompostieren und ernten ihr eigenes Obst und Gemüse. Ein Pilotprojekt, das Schule machen soll in Uruguay.

Ab Solis konnten wir dann wieder an der Küste entlang fahren und erlebten die schönsten Dörfer des Landes: Las Flores, Playa Verde, Playa Hermosa, Playa Grande. Gepflegte Gärten, urige Häuser mit Reetdach, verwinkelte, ausgefallene Architektur zur Linken, das Meer, die Brandung und die Sanddünen zur Rechten: ein traumhafter Küstenabschnitt.

In Piriapolis folgten wir der Einladung zur Übernachtung, die uns Ali gestern ausgesprochen hatte. Da wusste wir allerdings noch nicht, dass Ali heute Geburtstag feierte. So saßen wir dann promt bis tief in die Nacht im Kreise der Familie bei Pizza und Kuchen. Wie gut, dass Annett heute an der Straße Pilze gekauft hatte. Denn die konnte sie dann gleich für die Zubereitung der Pizza beisteuern. Das Highlight war dann das gemeinsame Geburtstagslied in Spanisch und Deutsch.

Dienstag, 23.04.19 – Freitag, 26.04.19

Annett hatte es nun voll erwischt. Die Kälte der letzten Tag war doch zu viel. Da passte es gut, dass wir noch eine zweite Nacht bleiben konnten. Alis Mutter kannte sich in der chinesischen Heilmedizin aus und verabreichte Annett einige Kräuter. Wir tauschten unsere Reiseerlebnisse aus und Ali organisierte uns schon eine Übernachtung bei einem Freund in Punta del Este, unserer nächsten größeren Stadt an der Küste.

Zeitgleich kontaktierte uns ein Freund von Diego per WhatsApp, der uns ebenfalls spontan in sein Haus in Punta del Este einlud. So hatten wir plötzlich 2 Übernachtungs-Angebote für die kommenden Tage. Das war unglaublich.

Am Mittwoch fuhren wir weiter an der Küste entlang. Die netten Dörfer Punta Colorada und Punta Ballena, Sanddünen, die bis auf die Straße vorgedrungen waren, Palmen, Kakteen, …. traumhaft sehenswert. Mit etwas weniger Gegenwind wäre es perfekt gewesen.

Etwas nervig waren die wilden Hunde entlang unserer Straße: Gleich zweimal belagerten uns in voller Fahrt jeweils drei Hunde und sie kamen unseren Waden mit ihren fletschenden Zähnen dabei bedrohlich nahe. Irgendwie konnten wir sie dann abschütteln, einmal mit Unterstützung durch einen Klein-Laster, der sich zwischen uns und die Hunde schob.

Wir folgten der Einladung von Diegos Freund und noch am gleichen Abend lud dieser uns ein, ihn am Donnerstag zu begleiten. Er war beruflich involviert in den Bau dieser klimaneutralen Schulen, wie wir sie von wenigen Tagen in Jaureguiberry besichtigt hatten. Und am Donnerstag fand an einer dieser Schulen die feierliche Einweihung statt.

So erlebten wir hier nicht nur eine weitere Musterschule, sondern landeten auch mitten im Medienrummel: Kamerateams der lokalen Sender, zahlreiche Funktionäre, die Lehrerschaft und natürlich die Schüler waren zugegen und die Besichtigung samt Einweihung war ein Tagesprogramm.

Unser für Freitag geplantes Besichtigungsprogramm in Punta del Este mussten wir leider wegen Regen verschieben. Statt dessen arrangierten wir den schnellen Wechsel in die Unterkunft bei Alis Freund im Osten der Stadt.

Über einen tunnelartigen Pfad tauchte man hier durch dichten Dschungel und erreichte nach 10 Metern über einen schmalen gezimmerten Hochweg ein kleines Holzhaus mit Anbau mitten im dichten Wald. Im Bad gab es nur Kerzenlicht und im Garten stand ein großes Sofa an einer Feuerstelle neben der überdachten Terrasse. Das Bad duftete ständig nach Eukalyptusholz.

Es beeindruckte uns immer wieder, wie einfach und naturverbunden das Wohnen in Südamerika realisiert wird. Alis Freund war Tischler und so befand sich das stark renovierungsbedürftige Holzhaus natürlich in den besten Händen.

Samstag, 27.04.19 – Dienstag, 30.04.19

Wir genossen die traumhafte Atmoshpäre in dieser Dschungel-Unterkunft. Es wimmelte allkerdings jeden Abend nur so vor Mücken im Haus und auch an die Opossums (Comadrja Argentina) mussten wir uns erst gewöhnen. Sie sprangen tagsüber mit viel Radau im Dachgebälk herum. Unheimlich blieb für uns am Ende nur die permanente Gefahr, bei Dunkelheit auf dem Weg ins Bad im Anbau Besuch von gefährlichen Schlangen zu erleben. Da waren uns die Opossums doch lieber.

Natürlich schauten wir uns auch Punta del Este an. Ein besonderes Kunstobjekt ist die übergroße Hand am Playa Brava: „Las Manos“. Daneben ist die gesamte Küste mit viel Sandstrand nicht nur sehenswert, sondern auch ein Touristenmagnet: In der Hochsaison tummelt sich hier offensichtlich die gesamte uruguayische Bevölkerung, nach den unzähligen Bettenburgen und Hochhäusern zu urteilen. Jetzt, außerhalb der Saison, stand diese Betonwüste weitestgehend leer. Sie glich einer Geisterstadt.

Am Dienstag fuhren wir weiter an der Küste entlang. Dabei erlebten wir eine enorme Brandung, die Laguna de Jose Ignacio und die Laguna Garzón samt dem außergewöhnlichen Kreisverkehr auf Brückenpfeilern (den man eigentlich nur aus der Luft als besonderes Bauwerk wahrnimmt).

Mit Einbruch der Dämmerung fanden wir einen ruhigen Zeltplatz neben den Dünen und mit ausdrücklicher Genehmigung der Touristinfo. Sie ließen für uns sogar über Nacht das Licht brennen und wir konnten unsere Akkus am Gebäude laden.

Mittwoch, 01.05.19

Mit lediglich 6°C war es verdammt kalt heute morgen. Dazu war das Zelt pitschnass und es dauerte seine Zeit, bis die Sonne eine spürbare Wärme abstrahlte und wir das Zelt am Ende halbwegs trocken verpacken konnten. Mir wurde schlagartig bewusst, dass wir jetzt schleunigst Richtung Norden ziehen mussten, um nicht im südamerikanischen Winter stecken zu bleiben. Die nass-kalten Tage aus dem letzten Jahr waren uns noch in guter Erinnerung.

An der Laguna Rocha wollten wir eigentlich per Fähre übersetzen, doch außerhalb der Saison fuhr die Fähre wohl nur auf Bestellung und kostete seit einigen Jahren auch noch 10 US-Dollar. Ein stolzer Preis für einen km Strecke. Der alternative Weg über den Sandstrand wäre zwar theoretisch machbar gewesen, doch mit 40 kg Gepäck am Fahrrad würden wir hier gnadenlos versinken. Zudem wäre es auch schnell der Ruin für unsere Fahrradketten wegen dem Sandbewurf beim Schieben. So fuhren wir den Umweg über die Inland-Route 9.

Das einzige lohnende Ziel war jetzt noch Cabo Polonia, eine dünenreiche Ortschaft, nur über sandige Wüstenpisten per Auto erreichbar. Da wir hier mit unseren Fahrrädern keine Chance hätten, brachen wir die Fahrt jedoch hier ab und machten uns auf den Rückweg zur argentinischen Grenze.

Statt dem erwarteten Rückenwind blies uns heute tatsächlich ein kräftiger Wind aus dem Land entgegen. In Verbindung mit der hügeligen Landschaft wurde es somit ein sehr mühsamer Tag und wir schafften gerade einmal 40 km und bauten in der tiefen Nacht in San Carlos das Zelt auf.
Wir blieben zwar ungestört, doch die vielen Poser in der Stadt sorgten bis tief in die Nacht mal wieder für einen Geräuschpegel wie auf einem Flughafen.

Donnerstag, 02.05.19

Das Zelt war trocken und es war heute früh deutlich wärmer als gestern. So genossen wir ein ausgedehntes Frühstück beim Bäcker und einen frühen Start in den Tag.

Die Euphorie war aber schnell wieder gebremst, denn uns bließ der Gegenwind heute noch heftiger entgegen. So heftig, dass wir teilweise schieben mussten. Es erinnerte uns an den Wind in Patagonien vor ein paar Monaten.

Das erleichterte jetzt wiederum das Trampen, denn die Autofahrer sahen sehr wohl, wie sehr wir hier zu kämpfen hatten. So brachte uns ein Pickup dann auch bis 15 km vor San Jose.

Nur der Endspurt über die letzten 15 km verlief fast desaströs: wir kamen in die Dunkelheit und wurden gleichzeitig mit einem äußerst groben Schotter auf dem breiten Seitenstreifen konfrontiert. Auf der Straße fahren war bei Dunkelheit viel zu gefährlich, doch auf dem Schotter fuhr es sich wie auf Eiern. Annett fluchte und war stinksauer. So benötigten wir 2 Stunden für diese 15 km Strecke und waren am Ende sehr erleichtert, dass wir bei den Bomberos in San Jose unterkamen.

Freitag, 03.05.19

Nach einem gemütlichen Frühstück in der Küche der Bomberos packten wir. Autsch! Da hatte mich etwas in die Finger gestochen, als ich tief in meine Packtasche griff. Ich dachte sofort an irgendein gefährliches Tier und räumte sofort die ganze Tasche aus, um nach dem Übeltäter zu suchen. Und dann entdeckte ich einen langen, spitzen Nagel, der sich von unten durch den Boden der Packtasche gebohrt hatte. Wahrscheinlich steckte er schon seit einigen Tagen in der Packtasche.

Auch wenn es kein gefährliches Tier war, so hatte ich dennoch Glück. Denn gleich neben dem Nagel stand unser Honigpott, eine Kunststoffdose mit Schraubverschluß. Das hätte eine schöne Sauerei in der Packtasche gegeben, wenn der Nagel diese Dose gelöchert hätte.

San Jose hat einige nette Parks im Zentrum und eine sehenswerte Kathedrale. Nach einer ausgedehnten Stadtrundfahrt fuhren wir weiter Richtung Trinidad. Heute hatten wir endlich wieder einmal Rückenwind. Das entschädigte uns für die letzten Tage, an denen wir stets gegen den Wind strampeln mussten.

Samstag, 04.05.19

Unser heutiges Ziel war Paysandú, wo wir Uruguay Richtung Argentinien wieder verlassen wollten. Immerhin 185 km Strecke durch uninteressante Landschaft. Die wollten wir wieder trampen. Doch wir waren noch keine 5 km unterwegs, da brach der angekündigte große Regen los. Bei Regen würde uns kein Autofahrer mehr mitnehmen. Das hatten wir schon mehrmals erlebt.

Doch dann passierte das Unerwartete: ein Pickup hielt und der Fahrer nahm uns mit Richtung Paysandú. Nach 10 min wurde aus Paysandú dann deutlich mehr: unser Fahrer wollte nach Rosario in Argentinien. Das lag zufällig auf unserem Weg Richtung Cordoba. So fuhren wir heute tatsächlich über 500 km Strecke per Auto und überstanden den großen Regen relativ trocken im wohl temperierten Fahrzeug.

Die Grenzabwicklung war, ähnlich wie bei der Einreise, einfach und sehr locker. Aus dem Auto heraus gaben wir unsere Pässe ab und hatten nach 2 Minuten den Einreisestempel für Argentinien. Auf die Lebensmittelkontrolle in unserem Gepäck verzichteten die Beamten. So waren wir um 14 Uhr in Argentinien angekommen.

Weiter geht es mit dem Bericht Argentinien Nord 2019  (noch in Arbeit)

Resume zu Uruguay 2019

Landschaftlich war Uruguay eher unspektakulär. Doch einen Besuch war das Land auf jeden Fall wert. Die Freundlichkeit der Menschen, die exotischen Palmenalleen, die Städte Colonia del Sacramento, Montevideo und Punta del Este, Küstenflair, alte Gebäude aus der Kolonialzeit und viele alte Kirchen, … all das zeichnet Uruguay aus.

Der Verkehr lässt sich ertragen und ist weniger gefährlich als in anderen südamerikanischen Ländern, aber bei Weitem nicht gefahrlos für Reiseradler.

 

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