Der Pamir-Highway in Tadschikistan

Es gibt 2 spektakuläre Hochgebirgsstraßen auf unserem Planeten: den Karakorum-Highway und den Pamir-Highway. Der Karakorum-Highway führt über pakistanisches Territorium und ist damit viel zu gefährlich für eine Befahrung. Bleibt also der Pamir-Highway.

Dieser Highway verläuft durch das Pamir-Gebirge, welches mit den südlich und südöstlich angrenzenden Gebirgen Karakorum, Hindukusch und Himalaya zu den höchsten Gebirgen der Welt zählt.

„Pamir“ stammt aus dem Farsi-Wortschatz und bedeutet „das Dach der Welt“. Dieser Name würdigt die enorme Höhe des Pamir-Bergmassivs: der Somoni ist mit 7500 m die höchste Erhebung, ansonsten liegt alles im Bereich zwischen 5000 und 6500 m Höhe.

Der Pamir-Highway verläuft in diesem Gebirge auf ca. 4000 m Höhe über ein Hochplateau und beinhaltet einige Pässe bis 4655 m Höhe.

Wir sind den Pamir-Highway 2016 im Rahmen unserer großen Radreise mit unseren Reiserädern gefahren. In diesem Bericht beschreiben wir die Beschaffenheit der Straßen und informieren über Visa, Registrierung, Karten-Bezugsquellen und das notwendige GBAO-Permit. Ferner berichten wir über unseren Umgang mit der enormen Höhe (bis 4655 m) und den Symptomen der Höhenkrankheit.

Durch die Reisefotos und Reisevideos in diesem Artikel erhälst du einen umfassenden Eindruck von der atemberaubenden Landschaft und den Strapazen, die dich auf einer Radreise auf dem Pamir-Highway erwarten.

Inhaltsverzeichnis

  1. Update zum Pamir-Highway vom 31.07.2018
  2. Der Pamir-Highway auf OpenStreetMap
  3. Das Visum für Tadschikistan
  4. Die Registrierung in Tadschikistan
  5. Das GBAO-Permit für den Pamir-Highway
  6. Das Kartenmaterial für den Pamir-Highway
  7. Die richtige Jahreszeit für den Pamir-Highway
  8. Nordroute und Südroute
  9. Dushanbe bis Khorog (Nordroute)
  10. Von Khorog bis zur Grenze nach Kirgistan
  11. Die Höhenanpassung auf dem Pamir-Highway
  12. Unsere Radreise

Update zum Pamir-Highway vom 31.07.2018

Am 29.07.2018 sind auf dem Pamir-Highway 4 Reiseradler durch IS-Aktivisten getötet worden. Also ist diese Straße ebenfalls als sehr gefährlich einzustufen.

Allerdings ist eine Eingrenzung auf den Pamir-Highway wenig hilfreich vor dem Hintergrund, dass sich nach Einschätzung der Sicherheitskreise in ganz Tadschikistan mehrere Tausend IS-Sympathisanten aufhalten, die durch den „Erfolg“ solcher eigenmächtig geplanten Attacken möglicherweise zur Nachahmung animiert werden. Und das gilt nicht nur für Tadschikistan, sondern auch für die westliche Welt. Die LKW-Attacke auf den Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember 2016 ist ein Beispiel dafür.

Der Pamir-Highway auf OpenStreetMap

© OpenStreetMap-Mitwirkende

Das Visum für Tadschikistan

Für die Einreise nach Tadschikistan benötigt man ein Visum. Die aktuellsten Infos hierzu findet man stets auf der Website vom Auswärtigen Amt.

In den Grenzgebieten zwischen Tadschikistan und den Staaten Afghanistan und Pakistan ist in manchen Gebieten mit terroristisch motivierten Anschlägen zu rechnen. Auch hier bietet das Auswärtige Amt stets sehr aktuelle Informationen zur Lage, die vor der persönlichen Entscheidung zu einer Reise nach Tadschikistan berücksichtigt werden sollten.

Insbesondere die Ereignisse am 29.07.2018 (siehe oben) zeigen, dass die potenzielle Gefahr real und nicht zu unterschätzen ist.

Die Registrierung in Tadschikistan

Ab einem Aufenthalt von 30 Tagen in Tadschikistan ist zusätzlich eine polizeiliche Registrierung  zwingend vorgeschrieben (Stand 2016). Diese Registrierung muss allerdings spätestens bis zum 30. Aufenthaltstag vollzogen sein, sonst droht wohl schon eine Ausweisung (Erfahrungsbericht aus 2016 in einem WhatsApp-Chat).

Es ist also sehr sinnvoll, im Vorfeld abzuklären, in welcher Stadt man sich kurz vor dem Erreichen der 30 Tage registrieren lassen kann. Auf dem Pamir-Highway gibt es nicht viele Orte, die dafür in Frage kommen.

Wir haben diese Registrierung seinerzeit auf halber Strecke in Murghab vornehmen lassen (140 Somoni, Stand 2016. In Khorog wandern wohl zusätzlich noch weitere 20 Somoni in die Tasche der Beamten).

Die Prozedur hatte 3 Stunden in Anspruch genommen und wir benötigten dafür Pass, Passkopie, Visakopie, Fotos und das GBAO-Permit (siehe nächster Abschnitt).

Die Vordrucke für die Einzahlung der Gebühr in der Bank sind in der Regel ausschließlich in kyrillischer Schrift. Aber es findet sich schnell jemand, der beim Ausfüllen behilflich ist.

In den kleinen Städten entlang des Pamir-Highway ist es unter Umständen sehr aufwändig oder sogar unmöglich, ein Fotokopiergerät aufzutreiben. Folglich empfiehlt es sich, die für diese Registrierung notwendigen Kopien von Pass, Visum und GBAO-Permit schon in Dushanbe anfertigen zu lassen. Wir hatten in dieser Hinsicht in Murghab etwas Stress (hier nachzulesen in unserem Reisebericht Tadschikistan)

Kann man diese Registrierung bei der Ausreise später nicht vorweisen, drohen 200 US-$ Bußgeld. Unsere Erfahrung an der Grenze zu Kirgistan: dort hatte das keinen interessiert.

Das GBAO-Permit für den Pamir-Highway

Zusätzlich zum tadschikischen Visum benötigt man für die Befahrung des Pamir-Highway ein sogenanntes GBAO-Permit. Man muss sich dieses Permit in der Migration Police (OVIR) in der Hauptstadt Dushanbe besorgen.

Die Möglichkeit, das Permit in Verbindung mit dem Visum zu beantragen, gab es für uns (auf der Botschaft von Tadschikistan in Teheran) seinerzeit nicht, obwohl man auf einem der beiden alternativen Visa-Antrags-Formulare ein Kästchen zum Ankreuzen dafür integriert hat.

Unweit der Migration Police befindet sich die Amonatbank, in der man vorab die Gebühr für das Permit (20 Somoni, Stand 2016) einzahlen muss. Unabhängig von der Tageszeit kann man in dieser Bank mit einer Stunde Wartezeit rechnen. Mit dem Einzahlungsbeleg erfolgt die Beantragung des GBAO-Permits dann relativ einfach und schnell.

Als Standard werden wohl 15 Tage Gültigkeit eingetragen. Wir haben auf Anfrage aber ohne Probleme direkt 45 Tage zugestanden bekommen. Das ersparte uns eine nachträgiche Verlängerung und natürlich eine weitere Gebühr.

In der Regel sind die Permits noch am gleichen Tag zur Abholung fertig. Wenn sie denn genügend Vordrucke am Schalter zur Verfügung haben. In unserem Fall war dem nicht so. Und somit erfolgte die Abholung unserer Permits in 2 Schritten über 2 Tage.

Das Kartenmaterial für den Pamir-Highway

Die beste verfügbare Karte vom Pamirgebirge ist die „The Pamirs“ von Markus Hauser. Sie hat den Maßstab 1:500.000 und weist auch die kleinsten Dörfer aus. Das ermöglicht genauere Abschätzungen für den Proviantkauf und die Verfügbarkeit von Trinkwasser. Das ist im dünn besiedelten Hochgebirge sehr wichtig!

Am besten kauft man diese Karte im Internet und lässt sie sich schicken (ISBN 978-3-906593-35-7). In Dushanbe gibt es sie eventuell bei Orom Travel (93/1 Rudaki Ave, office 103; +992987133005; oromtravel@gmail.com) und sonst nur in 2 Schweizer Büros (SDC-Office, 3, Tolstoy Str. und Bactria Centre, ggü. vom OVIR-Gebäude), die diese Karte zwar haben, aber ungerne abgeben. Sie benötigen sie für ihre Projekte. Im Central Park in Khorog (info@peeta.tj; +992501063331) ist sie wohl auch manchmal verfügbar.

Die richtige Jahreszeit für den Pamir-Highway

Bedingt durch die Höhenlage ist das Zeitfenster für eine Befahrung des Pamir-Highways sehr klein und beschränkt sich auf die Monate Juni-September. Und selbst in diesen Monaten muss man noch mit Schnee oder Graupel rechnen.

Es empfiehlt sich auf alle Fälle, sich vor dem Start in die Berge über die aktuelle Situation auf dem Pamir-Highway zu erkundigen. Sperrungen sind nie auszuschließen, egal aus welchen Gründen.

Nordroute und Südroute

Für den Weg von Dushanbe bis nach Khalai Khumb (auf dem Weg nach Khorog) gibt es zwei Routen: eine Nordroute und eine Südroute.

  • Die Nordroute führt über den Saghirdasht-Pass und besteht ausschließlich aus schwer befahrbarem Schotter (Stand 2016). Das Panorama ist atemberaubend.
  • Die Südroute führt über Kulob und das Panj-Tal und ist asphaltiert. Sie ist die leichtere Route, bietet aber nicht so grandioses Panorama wie die Nordroute.

Wir haben auf unserer Radreise die Nordroute gewählt. Daher beschreiben wir hier ausschließlich die Nordroute und natürlich den gemeinsamen weiteren Verlauf des Pamir-Highway bis zur Grenze nach Kirgistan.

Dushanbe bis Khorog (Nordroute)

Die gesamte Strecke von Fajzobod bis Dashtak besteht hauptsächlich aus grobem Schotter, stellenweise sogar aus losem Geröll. Jedes Fahrzeug hinterlässt dicke Staubwolken, das Atmen fällt da zeitweise schwer. Zum Glück ist nur wenig Verkehr auf der Strecke.

Die Steigungen sind meist sehr steil und die Abfahrten sehr gefährlich wegen der Unberechenbarkeit der Straßendecke. Nur selten fährt man über Asphalt; und wenn, dann hat er oft Waschbrett-Profil oder es sind nur noch Trümmerfelder.

In Summe sind es bis Khorog 570 km schwierigste Straßendecke mit insgesamt 8000 Höhenmetern. Besonders anspruchsvoll ist der Saghirdasht-Pass mit 3252 m Höhe. Es geht 35 km nur bergauf; über endlose Schotter- und Geröll-Pisten.

Manche Schlucht-Abschnitte sind über viele km nicht bewohnt und es findet sich kein Fleckchen zum Übernachten. Auch die Versorgung mit Wasser war zum Abend hin nicht immer einfach. Reist man mit dem Fahrrad, so wie wir es getan haben, dann erfordern diese Umstände gute Vorbereitung. Ist man motorisiert unterwegs, fällt das nicht so stark ins Gewicht.

Landschaftlich steigert sich das Hügelland ab Dushanbe schnell bis zu einer grandiosen Gebirgskulisse. Man fährt entlang der Flussläufe Surhob, Obihingab, Khingob, Khumbow und Panj. Dabei führt jeder Hügel am Uferhang zu einem steilen Anstieg. Daher die vielen Höhenmeter. Die bis zu 4500 m hohen Berge zu beiden Seiten des Ufers bilden gewaltige Schluchten mit in Summe 500 km Länge.

Die Flussläufe bilden auf weiten Strecken die Grenze zu Afghanistan. Daher ist hier besondere Vorsicht geboten, was das Fotografieren und Zelten betrifft. Es ist ratsam, sich für den Zeltaufbau einen Ort zu suchen, der sich außerhalb der Sichtweite vom afghanischen Ufer befindet.

Unsere Videos auf Youtube:

Schotterpiste vor Khorog:   Clip

Wilde Flüsse und schroffe Berge:   Clip

Panj-Tal vor Khorog:   Clip

Butter Handmade in den Bergen:   Clip

Von Khorog bis zur Grenze nach Kirgistan

Ab Khorog verlässt man die Flusstäler und es geht hoch in die Berge. Die Steigung ist sehr moderat, der Asphalt ausgesprochen gut. Man durchfährt ein langes, weites Tal zwischen 2 Gebirgszügen mit Bergen im Bereich um die 5000 m Höhe. Eine tolle Kulisse.

Dann kommt der Koitezek-Pass mit 4271 m. 20 km hinter dem Pass erreicht man eine Talsenke mit Fluss auf 3928 m Höhe. Dann befährt man ein Hochplateau immer auf Höhe zwischen 3700 und 4000 m Höhe. Zu beiden Seiten der Ebene ragten die 5- bis 6-Tausender in die Höhe. Sie wirken wie sanfte Hügel und nicht wie die schroffen steilen Bergmassive, wie wir sie zwischen Dushanbe und Khorog vorfinden. Dann erreicht man Alichur.

Die Straße führt dann weiter nahezu ohne Steigungen auf 3800 m Höhe. Zu beiden Seiten säumen Berge den Weg. Erst nach 30 km geht es stetig bergauf bis zum Neizatash-Pass auf 4137 m. Dann folgt der Akbaital-Pass mit 4655 m Höhe. Das ist der höchste Punkt auf dem Highway. Hinter dem Scheitelpunkt geht es zwar bergab, aber da erwarteten einen 20 km übelster Schotter mit Waschbrettprofil auf der gesamten Breite. Dahinter liegt der Karakul-See auf 3932 m Höhe. Es folgen der Uy Buloq Pass mit 4323 m und der Kizil Art Pass mit 4336 m. Danach erreicht man die Grenze zu Kirgistan.

Der gesamte Weg von Khorog über Alichur, Murghab und Karakul nahe der Grenze zu Kirgistan enthält nur selten anstrengende Aufstiege. Allerdings bewegt man sich fast ausschließlich auf 3700 – 4200 m Höhe. Da ticken die Uhren im Körper anders: der Sauerstoff fehlt, man muss sich langsam und kontrolliert an die Höhe gewöhnen, alles wird anstrengender und läuft langsamer ab.

Für uns Radler war dieses Thema besonders wichtig und die Planung der Übernachtungsplätze hat daher einige Mühe gekostet. Weiter unten im Bericht haben wir unsere Übernachtungsplätze in Verbindung mit den Höhenangaben beschrieben.

Man fährt hier auf der zweithöchsten Straße der Welt durch traumhafte Berglandschaft und hat kaum Verkehr. Daher erlebt man auf dieser Passage auch eine endlose Stille. In Verbindung mit dem Panorama ist das ein unvergessliches Erlebnis.

Nur der Wind kann einem hier oben empfindlich zusetzen: an einigen Tagen hatten wir einen derart heftigen Gegenwind, dass wir die Weiterfahrt auf den nächsten Tag verschieben mußten und nahe der Straße im Sand unser Zelt aufbauten.

Die Suche nach einem Zeltplatz mit festem Boden für die Häringe war da nicht immer einfach. Auch die Trinkwasser-Versorgung aus einem nahegelegenen Fluss ist nicht überall gewährleistet.

Für solche Situationen empfiehlt sich auf jeden Fall die Mitnahme eines Wasserfilters. Denn nicht immer trifft man auf schnell fließendes, klares Wasser. Unser Favorit ist der kleine und leichte Sawyer Mini von Care Plus, den wir hier näher beschrieben haben:

Wasserfilter Care Plus Sawyer Mini

Unsere Videos auf Youtube:

Pamir-Highway hinter Khorog:   Clip

Jurte auf dem Pamir-Highway:   Clip

Panorama auf dem Pamir-Highway:   Clip

Panorama auf dem Pamir-Highway:   Clip

Pamir-Highway:   Clip

Hinter Murghab:   Clip

Sturm auf dem Pamir-Highway:   Clip

Schneefall auf dem Pamir-Highway:   Clip

Die Höhenanpassung auf dem Pamir-Highway

Ab einer Höhe von 2000 m ist die Höhenanpassung ein ganz wichtiges Thema. Beachtet man die Akklimatisations-Regeln nicht, drohen gesundheitliche Schäden. Hier eine kurze Erklärung:

Die Reaktion unseres Körpers

Mit zunehmender Höhe sinkt der Luftdruck und damit die Fähigkeit unseres Körpers, Sauerstoff in ausreíchender Menge aufzunehmen. Unser Körper startet allerdings sofort eine „Höhenanpassung“, um diese Unterversorgung so schnell wie möglich auszugleichen: Puls und Atmung werden beschleunigt, die Durchblutung der Lunge wird erhöht und es werden mehr rote Blutkörperchen gebildet, um mehr Sauerstoff transportieren zu können. Dieser Anpassungsprozess dauert um so länger, je höher wir uns befinden und kann sich über mehrere Wochen hinziehen.

In dieser Hinsicht ist eine Höhe von ca. 2500 m die Schwelle, ab der wir unseren Körper bei der „Höhenanpassung“ unterstützen müssen:

Verhaltensregeln

In den ersten Tagen auf Höhen über 2000 m solltest du dich so wenig und so langsam wie nur möglich bewegen. Vermeide jede körperliche Belastung und reduziere dein Bewegungstempo. Denn jede Anstrengung erhöht den Sauerstoffbedarf und erschwert die natürliche Höhenanpassung.

Tückisch ist in diesem Zusammenhang, dass die Folgen einer Überbelastung erst Stunden später in Erscheinung treten. Darum vermeide auch jegliche Anstrengung, selbst wenn du dich offensichtlich topfit fühlst.

Während der Höhenanpassung ist der Körper zudem auch anfälliger für Erkältungen und Darmerkrankungen. Achte also in den ersten Tagen der Akklimatisation auf passende Kleidung und gesunde Ernährung.

Desweiteren unterstützt eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr die Höhenanpassung. Du solltest also viel trinken, aber auf keinen Fall zu kalte Getränke oder gar Alkohol, denn das belastet den Körper wieder unnötig und verzögert die Akklimatisation.

Gute Belüftung im Schlafraum fördert ebenfalls eine zügige Akklimatisation.

Symptome der Höhenkrankheit

Trotz sorgfältiger Höhenanpassung und der Vermeidung jeglicher Anstrengung treten meist einige Symptome in Erscheinung, die aber in der Regel schnell wieder abklingen: Kopfschmerzen, Atemnot, etwas Übelkeit und auch Nasenbluten in den ersten Tagen sind ganz normal.

Erfolgt jedoch ein zu schneller Aufstieg und eine unzureichende Höhenanpassung, dann kommt es zu einer Flüssigkeits-Ansammlung in Gehirn und Lunge und es treten in den Folgetagen heftige Symptome auf: starke Kopfschmerzen, Brechreiz, Atemnot, Orientierungsprobleme, Schwindel, Erschöpfung und Husten: die akute Höhenkrankheit. In dieser Situatuion hilft nur ein Abstieg um einige hundert Meter. In der Regel tritt dann sehr schnell eine Besserung ein. Vermeide eine Behandlung mit Medikamenten, denn diese verdecken lediglich die wahren Ursachen und wirken unter Umständen sogar kontraproduktiv.

Unsere Erfahrungen in der Höhenanpassung

Wir haben auf unserer Radreise unsere Tagesstrecken sowie insbesondere die Übernachtungsplätze so weit wie möglich im Einklang mit diesen Regeln abgestimmt. Weil wir den Highway ohne „größere“ gesundheitliche Beeinträchtigungen bewältigt haben, listen wir im Folgenden unsere Übernachtungsplätze samt Höhe als Orientierungshilfe auf.

Khorog liegt auf 2070 m. Verlässt man die Stadt, geht es direkt hoch. Nach 4 km auf ca. 2200 m Höhe haben wir übernachtet.

Die nächste Übernachtung war nach 50 km in Vuzh auf ca. 2700 m Höhe. Bis hier geht es mit moderater Steigung stetig bergauf.

Unsere nächste Übernachtung war dann nach 56 km in Murj auf ca. 3300 m Höhe. Auch diese Passage war ohne steile Anstiege. Kurz vor Murj ging es in einem längeren Anstieg um ca. 200 m hoch. Ich hatte abends leichte Gleichgewichts-Probleme. Ich denke, da hatten wir die Grenze schon überschritten.

Morgens waren die Symptome verschwunden. Nächste Übernachtung war 5 km hinter Jelondy auf 3628 m Höhe nach 28 km Tagestrecke. Annett hatte Schmerzen im rechten Lungenflügel und ich hatte leichten Schwindel. Die Schmerzen waren am nächsten Morgen abgeklungen.

Nächste Übernachtung war hinter dem Koitezek-Pass (4271 m) und einer kleinen Abfahrt auf 3932 m Höhe in einer Talsenke nach 36 km Tagestrecke. Annett hatte leichte Kopfschmerzen, sonst war alles ok.

Nächste Übernachtung war nach 42 km in Alichur auf 3863 m. Ich hatte abends leichten Schwindel, sonst ging es uns gut.

Nächste Übernachtung war nach 61 km hinter dem Neizatash-Pass auf 4020 m Höhe. Annett hatte am nächsten Morgen mit Übelkeit zu kämpfen; mir ging es dagegen gut.

Die nächsten Übernachtungen waren in Murghab auf 3570 m Höhe und dann hinter Murghab auf ca. 3900 m Höhe. Die bisherigen Symptome traten ab jetzt immer seltener und schwächer in Erscheinung.

Fazit: unsere Höhenanpassung war wohl ganz gut abgelaufen. Wir waren über 9 Tage kontinuierlich von 1050 m auf 3900 m Höhe aufgestiegen und hatten ab 2500 m Höhe nicht mehr als 300 m höher geschlafen gegenüber dem Vortag. Die Symptome hielten sich in Grenzen. Manchmal war es nicht einfach zu beurteilen, ob ein zu schneller Aufstieg oder verseuchte Lebensmittel die Ursache unserer gesundheitlichen Probleme waren.

Ansonsten fordert die dünne Luft dort oben ihren Tribut: die Nasenschleimhäute leiden, die Lippe wird rissig, es bilden sich Krusten auf den Wangen, wenn man sich nicht regelmäßig eincremt (so wie ich). Wir hatten die Wunden mit Weleda-Heilcreme behandelt; aber das blieb fast wirkungslos, solange wir uns auf 4000 m aufhielten. Sonnen-verbrannte Wangen sahen wir auch erschreckend oft bei vielen Kleinkindern in den Bergen; keiner benutzt hier Sonnenschutz-Creme.

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