Australien Südküste 2017 – Reisebericht

Am 29.08.2017 sind wir, von der indonesischen Insel Bali kommend, nach Australien eingereist. Wir hatten ein 12-Monats-Visum für Australien, das beliebig viele Aufenthalte mit je maximal 90 Tagen erlaubt. Auf dieser Basis hatten wir nun 2 x 3 Monate Radreise durch Australien geplant:

in den kommenden 3 Monaten würden wir von Perth im Südwesten bis nach Sydney radeln, dann für 3 Monate Neuseeland bereisen und danach für weitere 3 Monate an der Ostküste Australiens entlang radeln. Den Doppelflug nach Neuseeland und zurück hatten wir schon in Kuala Lumpur gebucht.

Unser Reisebericht mit Reisefotos und Reisevideos über Australien:

Unsere Route durch Australien auf OpenStreetMap

© OpenStreetMap-Mitwirkende

Dienstag, 29.08.17

Um 7 Uhr startete unser Flieger von der indonesischen Insel Bali aus nach Perth im Südwesten von Australien. Und nach 3,5 Stunden Flugzeit landeten wir in Perth. Im Vergleich zu unseren Erfahrungen bei den bisherigen Flügen (Kirgistan-Indien und Indien-Thailand) wurde das Gepäck hier offensichtlich äußerst pfleglich behandelt. Unsere Fahrradkartons waren unversehrt und wurden „getragen“ und nicht „geworfen“.

Die Visa-Kontrolle erfolgte so schnell und einfach, dass man das am Schalter gar nicht bewusst wahrnahm. Unsere E-Visa waren ja elektronisch gespeichert. Da reicht wohl ein Scan vom Reisepass und das System gibt grünes Licht. Nach 2 min ist alles erledigt. Man erhält auch keinen Stempel in den Reisepass.

Demgegenüber galt die volle Aufmerksamkeit des Personals unseren Angaben auf der Einreisekarte: die Einfuhr von Waffen, Nahrungsmitteln sowie tierischen und pflanzlichen Produkten ist extrem streng geregelt, um die Einschleppung von Seuchen oder anderen Gefahren nach Australien zu vermeiden. Den Holzgriff unseres Opinel-Klappmessers, Annetts Strohhut und unsere Daunenschlafsäcke mussten wir folglich deklarieren (Holz und Stroh sind pflanzlich, Daunen sind tierisch).

Man wird zu seinen Angaben befragt und muss die Gegenstände möglicherweise zeigen. Unterlässt man die Deklaration und wird erwischt, kann das böse Folgen haben: Strafen bis zu 420.000 $ sowie bis zu 10 Jahre Gefängnis schrecken da schon sehr wirkungsvoll ab. Auch den Zustand unserer Fahrräder wollten sie sehen. Doch das Profil unserer Reifen war so sauber wie das eines Neu-Reifens. Und der Hinterrad-Mantel von Annett war ja tatsächlich brandneu. Da war die Prüfung schneller abgeschlossen, als wir es erwartet hatten.

So verließen wir um 12 Uhr den Flughafen und suchten uns wieder einen ruhigen Platz zum Aufbau der Fahrräder. Mit ca. 16 °C war es ungemütlich kalt hier in Perth. Für uns war das nach Indonesien ein Temperatursturz um ca. 20 °. Und es hatte wohl auch lange geregnet am Vormittag. Willkommen im australischen Winter.

Nachdem die Räder wieder zusammengebaut waren, fuhren wir Richtung Stadtzentrum Perth und genossen zunächst einmal eine völlig vergessene Ruhe auf den Straßen: kaum Menschen auf den Gehwegen, wenig Autoverkehr, keine Motorroller-Geschwader, klare saubere Luft und eine tiefe Stille. Nach den letzten 12 Monaten in den dicht besiedelten Ländern Asiens hatten wir fast schon vergessen, wie angenehm das beim Fahrradfahren ist.

Die Suche nach einem passenden Geldautomaten war unerwartet mühsam: an einem ATM forderte die Bank satte 21% Gebühren, an einem anderen Automaten immer noch 4,5%. Dann fand sich doch noch ein ATM ohne Gebühren (ANZ-Bank). Unser erster Einkauf holte uns dann ganz schnell wieder auf das aus Europa gewohnte Preis-Niveau: 10 € für eine Handvoll Mittagessen.

Auch bei der Beschaffung einer Prepaid-Telefon-SIM-Karte fürs Zweit-Telefon gab es eine Überraschung: in ganz Australien wird das G2-Netz nicht mehr unterstützt. Somit war unser G2-Zweithandy hier nutzlos.

Als ich die neue SIM-Karte dann im 2. Slot in unserem Smartphone platziert hatte, funktionierten plötzlich einige Apps nicht mehr. Auch unsere Offline-Karte von OpenStreetMap war nicht mehr sichtbar. Ohne unsere digitale Karte waren wir blind und ohne Orientierung hier in einer der größten Städte Australiens. Ich suchte nach der Ursache und checkte die Einstellungen im Smartphone, doch das blieb erfolglos.

Und das kam natürlich zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: in einer Stunde würde es dunkel. Wir hatten leider noch keinen Übernachtungsplatz, weil die von uns angeschriebenen Warmshowers-Kollegen entweder nicht zu erreichen waren oder eine ungültige Telefonnummer in ihrem Profil stand. Da half uns jetzt auch unsere neue SIM-Karte nicht weiter.

Auch die Suche nach einer WiFi-Quelle verlief erfolglos. Zweimal fanden wir zwar WiFi, doch die Verbindung war extrem langsam. In einem Vorort von Perth gelang uns dann unter Mithilfe der Polizei doch noch die Kontaktaufnahme zu einem der Warmshowers-Mitglieder, und wir arrangierten tatsächlich noch eine Bleibe für die kommende Nacht.

Lediglich die Anfahrt über 8 km war etwas mühsam, weil uns ja die Offline-Karte für die GPS-Navigation fehlte. So fragten wir uns durch und erreichten um 20 Uhr unseren Kontakt.

Was wir dort nutzen durften, hatte europäischen Standard: ein separates Zimmer, Betten, hochwertige sanitäre Anlagen, warme Dusche, Energiesparlampen, Lichtschalter mit Dimm-Funktion und genug Platz und Ruhe, um den Inhalt der Packtaschen wieder zu ordnen nach dem Flug.

Mittwoch. 30.08.17 – Mittwoch, 06.09.17

Nach diesem ersten turbulenten Tag auf dem neuen Kontinent kam uns das Angebot sehr entgegen, einige Nächte bei unserem Gastgeber zu bleiben. Das gab uns den Spielraum zur Rück-Gewöhnung an Heimat-ähnliche Zivilisation und die Erledigung all der Dinge, die wir über die letzten Wochen in Indonesien aus Zeitmangel aufgeschoben hatten.

Die SD-Karte unserer Kamera war rappelvoll und die Verarbeitung von Foto und Film über unseren Rechner nahm alleine einen ganzen Tag in Anspruch.

Dann suchte ich die Ursache für den Ausfall unserer digitalen Karte und einiger anderer Anwendungen im Smartphone. Und tatsächlich hatte die externe Speicherkarte keine Kontaktierung mehr gehabt. Sie stand nur wenige Zehntel mm aus dem Slot heraus, kaum sichtbar. Aber das reichte für eine Fehlfunktion.

Eine Konsultation beim Arzt stand auch wieder an. Zum einen benötigten wir beide unsere dritte Impf-Dosis für den Langzeitschutz gegen Cholera (in Malaysia und Indonesien war der Impfstoff nicht zu beschaffen). Zum anderen ging bei Annett langsam der Vorrat an Schilddrüsen-Tabletten zur Neige und sie benötigte ein Rezept für den Kauf der Tabletten für die nächsten 12 Monate.

Arzt-Besuch, Blutanalyse, Impfstoff und Medikation beliefen sich in Summe auf 300 $. Die preiswerten Reiseländer hatten wir mit der Einreise nach Australien wohl endgültig hinter uns gelassen.

Glücklicher Weise brauchte ich für meinen Impfstoff nicht auch noch 70 $ Arztgebühr zahlen. Die Sprechstundenhilfe wollte es so, aber die Ärztin verschrieb mir meine Dosis ohne Diskussion auf das Rezept von Annett So hatten wir mal eben 70 $ gespart. Wir hofften natürlich darauf, dass unsere Auslands-Krankenversicherung die Kosten übernehmen würde, doch da waren wir uns nicht sicher.

Auf die Medikamente mussten wir dann einige Tage warten. Und für die Schilddrüsen-Tabletten benötigten wir sogar mehrere Anläufe, weil das Haltbarkeitsdatum der Arznei in der ersten Apotheke schon vor dem Ende der Einnahmezeit abgelaufen wäre. Auch die zweite Apotheke konnte die gewünschten Tabletten nicht kurzfristig beschaffen und so orderten wir die Arznei dann telefonisch in einer Apotheke einer Stadt auf unserem weiteren Weg, weil wir irgendwann nicht mehr länger warten wollten.

Aus den Tipps unseres Gastgebers bastelten wir unsere konkrete Route für die nächsten Wochen zusammen. Von Perth bis Sydney kamen wir somit auf ca. 6000 km Strecke bei 3 Monaten Zeit. Das roch wieder nach einigen Tramp-Passagen, insbesondere zwischen Norseman und Port Augusta. Das waren alleine 1700 km endlose Weite ohne Zivilisation.

Auch die Schlafplatzsuche würde anstrengender werden, das war absehbar nach den Aussagen der Locals. Giftige Schlangen und Spinnen lassen das wilde Zelten abseits der Straßen und Wege nicht zu, die Campingplätze sind oft abgelegen und zudem sehr teuer und ob Tankstellen, Polizei oder sonstige Einrichtungen geeignete Plätze anbieten konnten, wussten wir noch nicht.

Da erschienen uns Warmshowers- und Couchsurfing-Kontakte als die beste Alternative. Wenn auch nicht in jeder Stadt Mitglieder existierten. Wir strickten aus den geplanten Sehenswürdigkeiten, den voraussichtlichen Tagesstrecken und den verfügbaren Warmshowers-Kontakten dann einen groben Marschplan.

Bei unserem aktuellen Warmshowers-Kontakt waren wir die allerersten Gäste. Das war für beide Seiten aufregend. Wir wurden bekocht wie in einem 5-Sterne-Hotel, das gerade eröffnet hatte.

Donnerstag, 07.09.17

Wir verabschiedeten uns von unserem Gastgeber und fuhren nach Fremantle, einem Küstenstädtchen südlich von Perth. Dort gab es einige historische Gebäude aus der Kolonialzeit zu besichtigen: das Gefängnis, das Roundhouse und einige alte Straßenzüge.

Danach verließen wir den Großraum Perth über einen wunderschön angelegten Radweg direkt entlang der Küste Richtung Rockingham. Besonders beeindruckten uns die vielen Papageien und die ausgefallene Botanik.

Auf halber Strecke versuchten wir uns erstmalig im Trampen, um auf unserer Fahrt bis Mandurah etwas Zeit zu gewinnen. Und es klappte tadellos: ein Pickup nahm uns mit bis zu einer Tankstelle im Süden von Rockingham.

Dort versuchten wir dann vergebens, einen ortsnahen Warmshowers-Kontakt zu erreichen. Währenddessen sprach uns Claire an, die gerade getankt hatte. Wir erzählten von unserer Reise und aus der Begeisterung wurde ein Angebot zur Übernachtung in ihrer Wohnung, 1 km weiter.
Das war unser Glück, denn es war bereits stockfinster hier um 18:30 Uhr.

Abends ergab sich dann eine nette Runde mit vielen Geschichten rund um die asiatischen Länder und unsere kuriosen Reiseerlebnisse.

Freitag, 08.09.17

Zum Abschied steckte uns Claire noch Obst als Wegzehrung ins Gepäck. Dann fuhren bis weiter bis Mandurah.

Hier wollten wir in der Apotheke die gestern telefonisch bestellten Tabletten für Annett abholen. Doch die Lieferung war noch nicht eingetroffen und so sollten wir in 2 Stunden wiederkommen.

Wir nutzten die Wartezeit für eine ausgedehnte Kaffeepause am Ufer und hofften darauf, die Delfine zu sichten, die sich hier laut Aussage der Einheimischen regelmäßig herumtreiben. Doch wir waren wohl zu spät dran. Frühmorgens sind die Chancen besser.

Der zweite Besuch in der Apotheke verlief dann enttäuschend: die Tabletten waren nicht lieferbar. Schon wieder! Dem Leiter der Apotheke war es sichtlich unangenehm und er bestellte die Tabletten für uns in einer Apotheke in unserer nächsten Stadt, Bunbury.

Wir radelten aus der Stadt Richtung Bunbury und versuchten uns wieder im Trampen. Doch das verlief heute zermürbend: ganze 3 Stunden versuchte ich aus der Fahrt heraus erfolglos, ein Fahrzeug anzuhalten. Jedes zehnte Fahrzeug war ein Klein-LKW oder Pickup mit leerer Ladefläche, doch keiner wollte aus voller Fahrt bremsen und uns mitnehmen.

Je später es wurde, desto besorgter scannte ich die vorbeirauschende Steppen-Landschaft auf Eignung für eine Übernachtung im Zelt. Auf den folgenden 60 km bis Bunbury gab es keine Ortschaften und kein Wasser, dafür aber viele Hügel, deren Steilheit mich im Aufstieg immer wieder zum Schieben zwang.

Um 17:30 Uhr, eine Stunde vor der Dunkelheit, hielt dann doch noch ein Pickup mit Anhänger. Und er nahm uns tatsächlich mit. Bis nach Bunbury. Das war unglaublich, wie schnell und unerwartet sich das Blatt hier gerade wieder gewendet hatte.

Und es sollte noch besser kommen: aus dem Fahrzeug heraus kontaktierten wir Warmshowers-Gastgeber in Bunbury, deren Telefonnummer ich vorab schon für alle Fälle in unserer Offline-Karte gespeichert hatte. Und tatsächlich erreichten wir im 2. Versuch einen Kontakt, der uns die Übernachtung anbieten konnte. Damit war der Tag gerettet.

Und auch der Ausblick auf den morgigen Tag verhieß nur Gutes: Unser Gastgeber bot uns die Mitnahme im Firmenwagen bis nach Busselton an. Damit hätten wir 50 km Radelstrecke durch monotone Landschaft gespart. Gleichzeitig stieg damit die Chance, morgen schon Margaret River zu erreichen.

Samstag, 09.09.17

Heute waren wir endlich erfolgreich bei der Beschaffung der Schilddrüsen-Tabletten, nachdem es in den letzten Tagen in drei Apotheken trotz telefonischer Vorab-Bestellung durch geschultes Personal offensichtlich nicht möglich war, die Medizin zu organisieren. Allerdings waren die Tabletten hier in Bunbury doppelt so teuer wie in Perth und nur unwesentlich länger haltbar. Das zwang uns dazu, lediglich den Vorrat für die kommenden 6 Monate zu kaufen. Folglich werden wir in einem halben Jahr wohl ein ähnliches Suchspiel für die Beschaffung der restlichen Medizin haben.

Danach gingen wir auf die Suche nach einem preiswerten Handy für 3G. Denn unsere australische (3G-) SIM-Telefonkarte funktioniert natürlich nur in einem 3G-fähigen Gerät. Unser Smartphone hatte zwar 2 SIM-Karten-Slots, aber davon war nur einer 3G-fähig. Und den nutzten wir für unsere deutsche SIM-Karte, mit der wir WhatsApp und andere Netzwerke und Kommunikationswege betreiben.

Und spätestens jetzt bereuten wir den Rückversand unseres alten Smartphones nach Deutschland vor einigen Monaten. Denn jetzt ergab sich plötzlich ein sinnvoller Verwendungszweck. Das preiswerteste Neu-Handy lag bei 60 $, das war uns zu teuer für den relativ kurzen Aufenthalt in Australien. Also wollten wir in den nächsten Tagen nach einem preiswerteren Sekond-Hand-Gerät suchen.

Wir besuchten noch das Dolphin-Discovery-Center in Bunbury. Dann packten wir unsere Fahrräder und das Gepäck in den Firmenwagen von unserem Gastgeber. Dieser erweiterte während der Fahrt spontan sein Angebot um weitere 60 km. Und somit kamen wir heute ohne Kampf gegen Wind und Berge bis nach Margaret River.

Neben einigen totgefahrenen Kängurus am Straßenrand erspähte Annett auch das erste lebende Känguru auf unserer Radreise. „Welcome to Australia!“

Unser heutiger Warmshowers-Kontakt holte uns am Parkplatz im Zentrum der Stadt ab und lotste uns zu seinem Anwesen im Busch. Denn diese Adresse hätten wir nicht gefunden. Das gesamte Anwesen glich einem Nationalpark und unser Gastgeber führte uns zunächst stolz durch dieses botanische Labyrinth.

Danach beschrieb er uns die drei giftigsten Schlangen der Welt und deutete an, dass er sie manchmal auf seinem Anwesen sieht. Da nahmen wir ganz schnell Abstand von seinem Angebot, zu zelten. Stattdessen bezogen wir einen Abstellraum im Rohbau und schliefen auf dem Fußboden.

Die Dusche war ein Eigenbau aus Holz im Garten hinter dem Haus, Open-Air und sehr naturverbunden, wie alles auf diesem Anwesen. Annett hörte auf ihrem Weg zur Dusche dann spätabends auch gleich einige Kängurus in den Büschen davonspringen. Das war schon aufregend.

Sonntag, 10.09.17 – Montag, 11.09.17

Durch die interessanten Unterhaltungen mit unserem Gastgeber verzögerte sich unser Aufbruch am Sonntagmorgen merklich. Und als wir um 10 Uhr starten wollten, begann es dann auch noch zu regnen. Da entschlossen wir uns, eine weitere Nacht zu bleiben und packten unsere Schlafmatten wieder aus. Beschäftigung hatten wir ja genug: am Blog arbeiten, ausgerissene Nähte am Rucksack nähen, usw. So ging der Tag schnell um.

Am Montag brachen wir dann auf Richtung Augusta an der Südküste. Unser Weg führte ab Margaret River auf der Cave-Road durch eine wunderschöne Hügellandschaft mit sehr ausgefallener Botanik: riesige Karribäume und auch Grasbäume, deren Stammhöhe auf ein Alter von ca. 300 Jahren schließen ließen (sie wachsen in der Regel jährlich um 1 cm).

Erstmalig seit unserer Ankunft in Australien liefen uns auf dieser Strecke auch die Kängurus über den Weg. Das war schon ein herausragendes Erlebnis, sie endlich einmal in Freiheit herumhüpfen zu sehen.

Ihren Namen hat die Straße übrigens durch die Tropfsteinhöhlen Ngilgi Cave (im Norden), Calgardup Cave, Mammoth Cave, Lake Cave, Giants Cave und Jewel Cave, die sich allesamt dicht bei der Straße befinden. Deren Besichtigung hatten wir allerdings aus unserem Tagesplan gestrichen, nachdem wir die Eintrittspreise zur Kenntnis genommen hatten: 12 bzw. 15 € fordern sie hier von den Touristen je Höhle. Die Einheimischen kommen natürlich preiswerter rein. Selbst die Beschränkung auf die Jewel Cave, angeblich die schönste aller Höhlen, war uns den Preis nicht wert. Dafür hatten wir auf unserer Reise schon zu viele andere spektakuläre Tropfsteinhöhlen besichtigt.

Den ganzen Tag über war es ungemütlich kalt und wir hatten einen eisigen Gegenwind. Zudem war die Straße sehr hügelig: es ging ständig auf und ab. Das zehrte an unseren Kräften.

Am Abend erreichten wir dann nach 45 km Strecke und über 500 Höhenmetern Augusta und arrangierten eine Übernachtung bei dem einzigen Warmshowers-Kontakt hier unten an der südlichsten Spitze im Westen Australiens, direkt am Leuchtturm auf Cape Leeuwin.

Um uns die mühsame Anfahrt von Augusta bis zum Leuchtturm mit Fahrrädern und Gepäck zu ersparen, holte uns Paul, unser Gastgeber, per Auto an der Tankstelle in Augusta ab. Die Fahrräder stellten wir über Nacht hinter der Tankstelle in einem Abstellraum unter. Und tatsächlich war die Strecke bis zum Leuchtturm sehr stark angereichert mit steilen Anstiegen, die wir sonst in stockfinsterer Nacht und gegen den heftigen Wind hätten meisten müssen.

Paul war einer der Mitarbeiter am Leuchtturm und somit hatten wir eine Übernachtung in einem Haus aus dem 19. Jh. direkt neben dem Leuchtturm auf Cape Leeuwin. Das war sehr ausgefallen.

Dienstag, 12.09.17 – Mittwoch, 13.09.17

Wir schliefen länger, als wir geplant hatten. Der gestrige Tag hatte uns doch ganz ordentlich geschafft. Paul zeigte uns auf der Rückfahrt zu unseren Fahrrädern einen netten Radweg entlang der Küste. Den sollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen. Da zögerten wir nicht lange und nahmen auch sein Angebot für eine 2. Übernachtung an.

Somit hatten wir jetzt Zeit genug, um das Meer und die Küste hier am Cape Leeuwin ausgiebig zu genießen. Hier treffen übrigens zwei Ozeane aufeinander: der Indische und der Südliche Ozean. Wie spannend muss der Aufenthalt hier erst bei Sturm und tosendem Meer sein, dachten wir bei uns.

In Augusta kauften wir noch größere Lebensmittel-Vorräte, bevor es in den nächsten Tagen durch 125 km Wildnis bis nach Pemberton geht. Auf dieser Strecke gibt es keine Einkaufs-Möglichkeiten.

Auf unserem Weg durch Augusta trafen wir dann zufällig unseren 1. Gastgeber aus Perth, der uns seinerzeit die Telefonnummer von Paul mit auf den Weg gegeben hatte. Er war gerade für einige Tage hier in Augusta und besuchte seine alte Heimat. Was für ein Zufall.

Für die Besichtigung von Augusta hatte er natürlich dann auch noch einige spezielle Tipps für uns. Und er lud uns ein auf einen kleinen Ausflug am kommenden Tag. Damit stand fest, dass wir noch einen weiteren Tag bleiben würden.

Auf unserem Rückweg per Fahrrad zurück zum Leuchtturm fuhren wir über den Küstenpfad, den uns Paul empfohlen hatte. Und es war tatsächlich ein wunderschöner Pfad durch urwüchsige Küstenlandschaft und gepflegte Parks.

Am Mittwochmorgen stieg Paul mit uns den Leuchtturm hinauf und erzählte uns alles über die Besonderheiten um dieses Bauwerk und seine Funktion. Er ist mit 39 Metern Höhe der dritt-höchste Leuchtturm in Australien. Und er ist nach wie vor in Betrieb, weil die Küste hier sehr gefährlich ist und ein realer Leuchtturm sicherer ist als die Navigation per GPS und einer virtuellen Karte, die ja auch einmal Angriffsziel von Hackern sein kann (ist wohl schon passiert im Schwarzen Meer).

Der Leuchtturm wurde 1895 erbaut und zunächst mit einem Kerosin-Leuchtfeuer und einem mechanischen Antrieb betrieben. Seit 1982 wird er mit Elektrizität versorgt. Heute ersetzt ein LED-Paket das Leuchtfeuer. Das Fresnel-Linsen-System ist handpoliert und sorgt für eine Sichtbarkeit bis zu 45 km. Dessen Herstellung würde heute wohl 8 Mio. Austral-$ kosten. Das ca. 2,5 Tonnen schweren Linsen-Systems ist schwimmend in Quecksilber gelagert. Das reduziert den Reibungswiderstand auf ein Minimum. Daher reicht als Antrieb heute ein gerade einmal 15 cm großer Elektromotor, der völlig unterdimensioniert für das riesige System wirkt.

Unser Video auf Youtube:

Brandung am Cape Leeuwin:    Clip

Das Wasser für den Aufbau und die Versorgung der Station transportierte man früher von einer nahegelegenen Quelle über Holzrinnen bis zu einer Wasserrad-betriebene Pumpe und von dort zu den Gebäuden. Im Laufe der Zeit wurde das Wasserrad durch die Ablagerung von Mineralien aus dem stetig fließenden Wasser zu einem versteinerten Technik-Denkmal.

Und die Original-Ersatzteile für den Leuchtturm aus dem 19. Jh. lagern sie hier auch noch, gut behütet wie einen kostbaren Schatz. Deren Beschaffung wäre heute im Bedarfsfall wohl eine echte technische und finanzielle Herausforderung.

Man entwickelt gehörigen Respekt vor dem harten Job, den die Leuchtturmwärter seinerzeit hatten. Alles wurde mechanisch betrieben und musste wie ein Uhrwerk in regelmäßigen Abständen aufgezogen werden, für mögliche Ausfälle waren alle Systeme dabei redundant ausgelegt, auf zu starken Sonnenlicht-Einfall und Sturm musste reagiert werden, … es gab immer Arbeit. Und der Betrieb musste rund um die Uhr störungsfrei funktionieren.

Dieses Cape Leeuwin und der Leuchtturm haben uns sehr beeindruckt. Bestimmt ist auch der 135 km lange Küsten-Wanderweg von hier bis zum Cape Naturaliste im Norden (der Cape to Cape Track) ein besonderes Erlebnis.

Donnerstag, 14.09.17

Bei schönstem Wetter verabschiedeten wir uns von Paul und fuhren weiter Richtung Pemberton. Dort wollten wir uns einige dieser Baumriesen ansehen.

Vor uns lagen 125 km zivilisationsloser Wald. Wir wussten zwar von den Einheimischen, dass es eine einsame Straße ist. Aber dass wirklich nur 5 Autos stündlich hier entlang fahren würden, damit hatten wir nicht gerechnet. Damit sank natürlich die Chance, per Anhalter eine Mitfahrgelegenheit auf einem Pickup oder Truck zu finden, drastisch. Und so fuhren wir fleißig die Hügel rauf und runter, kämpften uns wieder einmal durch Gegenwind und hofften auf Verkehr.

Kurz vor Einbruch der Dämmerung hatten wir gerad einmal 50 km hinter uns. Jetzt stand fest: wir werden uns wohl hier an der Straße einen Zeltplatz suchen müssen. Viel Auswahl gab es da nicht. Entlang der Böschung stand meist das Wasser in langen Pfützen und nur ganz selten sahen wir so etwas wie eine kleine Lichtung. Zum Glück hatten wir genug Wasser mit, denn die Flaschen hatten wir beim allerletzten Haus am Ende von Augusta noch in weiser Vorahnung aufgefüllt.

Als wir den ersten brauchbaren Platz erspäht hatten, hielten wir an und wollten unsere Räder von der Straße schieben. Da kam ein Pickup mit Bootsanhänger vorbei. Ein letztes Mal hielt ich den Daumen in die Luft, mehr in der Erwartung, dass es sowieso nicht klappt, als in der Hoffnung, das er anhält.

Doch der Pickup hielt tatsächlich an. Er müsse zwar in 10 km abzweigen, doch der Abladeplatz für die Kanus lag nach weiteren 10 km auf einer Farm, deren Besitzer uns bestimmt dort übernachten ließe. Somit stand nach 3 min fest: wir werden mitgenommen und haben vermutlich einen etwas angenehmeren Zeltplatz.

Der Farmer bot uns dann die Übernachtung im Haus und eine heiße Dusche an. Was für ein Komfort-Sprung. Vor 10 min sah es noch nach einer Übernachtung in der Wildnis und einer Katzenwäsche in eiskaltem Wasser aus.

Zufällig waren wir hier bei Neville gelandet, der unter „Blackwood River Canoeing“ auch im Lonely Planet gelistet steht. Wir genossen einen netten Abend in seiner Gesellschaft mit Rotwein am Kaminfeuer und tauschten unsere Erlebnisse aus. Er war ebenfalls weit gereist und kannte jede Ecke in Australien.

Zum Abschluss des Abends bot er uns sogar noch Wifi an. Doch da fehlte uns die Zeit, dieses Angebot zu nutzen. Vor seinem Haus war es zu kalt und bis zu unserem Zimmer reichte die Verbindung nicht. Schade.

Freitag, 15.09.17

Um 8 Uhr nahm uns Neville noch auf seinem Pickup bis zur Hauptstraße mit, dann verabschiedeten wir uns. Wir fuhren weiter Richtung Pemberton und hatten heute tatsächlich wieder etwas Unterstützung durch die Mitnahme in einem Pickup. Sonst hätten uns die 75 km mit dem ständigen Auf und Ab 2 ganze Tage gekostet.

Daran werden wir uns hier in Australien wohl gewöhnen müssen: zwischen den vielen sehenswerten Plätzen liegen gewaltige Wegstrecken mit vielen Höhenmetern und ohne Zivilisation. Somit bleibt die Reise durch Australien eine Mischung aus Radeln und Trampen, sonst werden wir es bis Sydney nicht in den verbleibenden 9 Wochen schaffen.

In Pemberton besichtigten wir zwei Baumriesen, an denen man empor klettern kann: den Glouchester Tree mit 53 m Höhe und den Bicentennial Tree im Warren National Park mit 65 m Höhe. Beide Baumstämme wurden durch eingelassene Stahlstangen zu Wendeltreppen, auf denen man bis zur Baumkrone klettern und eine traumhafte Aussicht genießen kann.

Allerdings war die Anfahrt zu beiden Bäumen durch die vielen Höhenmeter per Fahrrad ausgesprochen mühsam. Auf dem Weg zum Bicentennial Tree ließen wir die Fahrräder samt Gepäck sogar auf halber Strecke im Wald stehen und liefen die restlichen 2 km zu Fuß weiter, weil es zu anstrengend war. Die Straße bestand aus Schotter und die einzelnen Steine waren kugelrund. Somit rutschte man im Aufstieg beim Schieben immer wieder zur Seite oder nach hinten.

Ebenso gefährlich war nach der Besichtigung die Abfahrt: es fuhr sich wie auf Eiern. Beim Bremsen driftete man unweigerlich zur Seite weg. Da waren wir froh, als wir endlich wieder griffigen Asphalt unter dem Reifen hatten.

Durch die schwierigen Anfahrten zu den Baumriesen fehlte uns jetzt natürlich die Zeit, um noch bei Tageslicht das nächste Dorf, Northcliffe, zu erreichen. Und Trampen war nicht möglich, weil auch hier kein Fahrzeug mehr unterwegs war am späten Nachmittag. Also fuhren wir in die Dunkelheit, gerüstet mit ca. 4 Litern Wasser und in der Erwartung, hier an der Straße gleich mit der Stirnlampe einen Zeltplatz zu suchen.

Doch dann kam noch ein Auto vorbei. Man sah nur die Scheinwerfer und ich bezweifelte, ob der Fahrer meinen ausgestreckten Arm überhaupt sehen würde in der tiefen Dämmerung. Doch der Wagen hielt. Und zufällig war es ein Pickup mit leerer Ladefläche und der Fahrer nahm uns auch prompt mit.

Und wir hatten dabei sogar doppelt Glück, denn unser Fahrer kannte auch den Warmshowers-Kontakt in Northcliffe, den wir vor Tagen angeschrieben hatten. Allerdings wurde die Suche nach dessen Haus zu einer Odyssee. Eine Telefonnummer hatten wir nicht, lediglich eine Zusage und eine vage Wegbeschreibung. Unser Fahrer wusste auch nicht viel mehr. Nach einer halben Stunde Sucherei gaben wir auf und unser Fahrer fuhr uns zu einem Biwakplatz tief im Wald nahe beim Dorf.

Dort konnten wir unsere Schlafmatten in einen halboffenen Unterstand legen. Unser Fahrer zeigte uns noch das trockene Feuerholz, half uns beim Feuermachen und dann verabschiedete er sich. So genossen wir noch einen netten Abend am warmen Feuer mitten im tiefsten Wald. Mal sehen, welche Tiere uns des Nachts besuchen kommen, dachten wir bei uns.

Samstag, 16.09.17

Es blieb eine ruhige Nacht ohne Zwischenfälle. Allerdings brauchten wir heute Morgen erneut ein Feuer, um richtig warm zu werden. Aber Brennholz gab es hier ja genug und Feuer machen ist im Winter erlaubt.

Bei unserem Besuch in der Touristeninfo von Northcliffe erlebten wir dann völlig unerwarteten Besuch: die Leiterin einer Känguru-Hilfsstation kam mit einem 8 Monate jungen Känguru herein, erzählte uns und anderen Gästen von ihrer Station und gab uns das junge Tier in die Arme.

Danach machten wir uns auf den Weg nach Walpole, unserem nächsten Dorf. Wir hofften hier auf etwas mehr Verkehr und höhere Chancen beim Trampen, doch es war frustrierend: über einen Zeitraum von 3 Stunden kamen ganze 10 Autos vorbei. Meist Landrover mit Wohnanhänger. Viele Einheimische verbringen ihren Urlaub damit, per Wohnanhänger die abgelegenen Ecken in Australien abzufahren.

Um 14 Uhr klappte es doch noch: ein Pickup hielt und der Fahrer brachte uns bis nach Walpole. Ab hier wollten wir eigentlich auf dem Munda Biddi Trail bis nach Albany fahren. Doch unser Fahrer riet uns wegen der Höhenmeter und der schlechten Wegqualität davon ab und empfahl uns stattdessen den flacheren „Denmark-Nornalup-Rail-Trail“, eine ehemalige Bahntrasse. Dann fuhr er mit uns noch durch das „Valley of the Giants“, wo es vor Baumriesen nur so wimmelt. Es sind gewaltige Karribäume mit bis zu 60 Metern Höhe. Sehr imposant.

Unser Video auf Youtube:

Valley of the Giants:    Clip

In den Rail-Trail wollten wir erst morgen starten. Also fragten wir hinter Walpole an einer Farm nach einem Platz fürs Zelt. Kein Problem, 100 Meter hinter der Farm könnten wir das Zelt aufbauen. Unsere erste Zeltnacht nach vielen Monaten. Da brauchte es einige Zeit, bis man sich beim Aufbau wieder an alle Handgriffe erinnerte. Da war es gut, dass wir heute rechtzeitig vor der Dämmerung einen Platz angesteuert hatten.

Gemütlich wurde dieser Abend aber nicht. Denn es wimmelte hier nur so vor Mücken, die uns dann auch ordentlich zusetzten.

Sonntag, 17.09.17

Der Farmer organisierte uns noch kochendes Wasser und ich durfte derweil einen abgefahrenen Bremsbelag bei Annetts Fahrrad wechseln. Dann ging es auf den Rail-Trail. Nach wenigen 100 Metern wurde uns bewusst, wie anstrengend dieser Pfad mit unseren Fahrrädern werden würde und wir kehrten um. Es war mehr ein naturbelassener Mountainbike-Pfad als ein Radweg. Für Annetts kranke Schulter wäre das Gift gewesen. Da zogen wir es vor, weiter Straße zu fahren. Ohne Verkehr fuhr diese Straße sich ja eigentlich auch wie ein Radweg; wenn nur die Höhenmeter nicht wären.

Für heute standen „nur“ 35 km auf dem Plan, dann würden wir kurz vor Denmark bei einem Warmshowers-Kontakt schlafen, den wir zum Glück gestern erreicht hatten. Auf halber Strecke nutzen wir einen überdachten Rastplatz für eine Pause. Die Sonne schien und es war sommerlich warm.

Nervig waren nur die beiden Magpies (Flötenvogel), die sich ungewöhnlich dreist in nächster Nähe neben uns niederließen und auf Kekse oder andere essbare Brocken warteten. Dabei hatten wir den Eindruck, dass sie einem auch gerne den Bissen aus der Hand reißen würden. Sie ließen sich nur mit viel Engagement verjagen. Später erfuhren wir dann, dass diese Vögel auch gerne Angriffe auf Radfahrer und Kinder fliegen während der Brutzeit zwischen August und Oktober.

Nach dem Essen wollte ich endlich die Erlebnisse der letzten Tage niederzuschreiben. Doch kaum hatte ich das Netbook aufgebaut, da kam Wind auf. Und dieser Wind entwickelte sich blitzschnell zu einem regelrechten Sturm mit eiskalten Starkwindböen. Ständig wurden irgendwelche Gegenstände umgeworfen und wir kühlten langsam aus. Da beschlossen wir, wieder aufzubrechen. Ich hatte gerade einmal 10 Worte geschrieben und konnte alle wieder einpacken. Viel Aufwand für umsonst. Etwas frustrierend.

Die Anfahrt zu unserem Warmshowers-Kontakt wurde auch wieder zu einem Kraftakt: es ging 150 m steil hoch in den Berg und hinter dem höchsten Punkt wieder 50 m steil hinunter. Aber es lohnte sich, denn wir landeten in einer sehr netten Familie hier mitten in der Wildnis.

Montag, 18.09.17 – Dienstag, 19.09.17

Haare schneiden war bei uns beiden überfällig. Und unsere gesamte Garderobe war reif für die Waschmaschine. Damit hatten wir genug Programm für einen Pausentag.

Am Dienstag verabschiedeten wir uns und fuhren über den Munda Biddi Trail in den „William Bay National Park“ im Südwesten von Denmark. Das Highlight in diesem Park ist die zerklüftete Küstenlinie um Greens Pool und den Elephant Rocks: Granitfelsen, Sandstrand, das blau-grüne Meerwasser und die Botanik samt der vielen Wildblumen bilden hier eine wunderschöne Landschaft, die man entweder von einem sandigen Pfad direkt oberhalb der Felsen oder direkt vom Sandstrand aus genießen kann.

Unser Video auf Youtube:

Brandung an der Küste:    Clip

Dabei erlebten wir heute eine ausgesprochen wilde Brandung und ließen uns viel Zeit an diesem schönen Fleckchen. Zuviel Zeit! Denn plötzlich zog eine dicke, dunkle Wolkendecke auf uns zu. Es ist in solchen Situationen immer etwas schwierig abzuschätzen, ob der Regen an einem vorbeiziehen wird oder wie lange man noch Zeit hat, bis der große Regen losbricht. Ich hatte mich dabei jetzt jedenfalls gehörig verschätzt:

Wir waren noch keine 500 Meter weit gekommen, da umgab uns ein heftiger Sturm und es begann schlagartig zu schütten wie aus Eimern. Einen Unterstand gab es hier auf dem Küstenpfad weit und breit nicht. Bis wir für unsere Fahrräder einen sturmsicheren Stand auf dem Schotterpfad gefunden hatten und unsere Regenkleidung aus der Packtasche geholt hatten, waren wir klatschnass bis auf die Haut. Natürlich lief uns der Regen dann auch in die Packtasche.

Es dauerte natürlich noch seine Zeit, bis wir Regenhose und Regenjacke angezogen hatten, denn mit nasskalten Fingern die im Wind flatternde Regenkleidung über die nassen Sachen zu ziehen, das ist etwas ganz anderes, als im trockenen, windstillen Umfeld.

Alles, was sich in unseren Hosentaschen befand, war natürlich ebenfalls mit Wasser getränkt. Auch Kamera und Smartphone. Und unweigerlich verschleppt man die Nässe dann in die Lenkertasche, wenn man diese sensiblen Geräte dort in Sicherheit bringen will.

Das einzig Positive an unserer aktuellen Situation war der starke Rückenwind, der mit dem Regen daherkam. Genutzt hat er uns aber auch nicht viel. Denn der Schotterpfad bestand nur aus Berg- und Talfahrt und enthielt sehr steile Anstiege. So steil, dass wir an mehreren Stellen zu zweit hintereinander unsere bepackten Fahrräder die rutschigen, weichen Wege hinaufschieben mussten.

Aber auch die Abfahrten waren plötzlich kein Vergnügen mehr: der Regen hatte den sandigen Schotterpfad so sehr aufgeweicht, dass unsere Reifen immer wieder einige cm tief im Boden versanken. Wir drifteten in Kurven und beim Bremsen stellenweise völlig unkontrolliert zur Seite weg. Dabei dauerte es jedes Mal einige Radumdrehungen, bis die Bremsbacken auf der Felge wieder die erforderliche Bremskraft erreichten. Bis dahin hörte man dieses fürchterliche Geräusch, wie wenn die Felge gerade mit 180er Schmirgel zerstört wird.

Dieser Panorama-Pfad wäre bei Sonnenschein eines der schönsten Highlights unserer Reise gewesen, doch bei diesem Wetter und dem unangenehmen Gefühl von Nässe und Kälte am ganzen Körper wurde er zu einem Spießrutenlauf, der nicht enden wollte.

An einer relativ engen Stelle hatten wir dann auch noch unsere erste Begegnung mit einer ca. 1,5 m langen (giftigen!) Schlange. Zum Glück blieb sie träge an ihrem Platz liegen, als wir uns mit den Fahrrädern an ihr vorbei schlängelten.

Nach einer Stunde ließ der Regen nach und eine weitere Stunde später hatten wir wieder eine Asphaltstraße unter dem Reifen. Das Schlimmste war überstanden. Wir atmeten auf und fuhren zügig bis ins Dorf-Zentrum von Denmark.

Der Hunger trieb uns dort zunächst in den Supermarkt. Nach dem Einkauf und einer verspäteten Mittagspause blieb uns auch nur noch eine halbe Stunde bis zur Dämmerung. Genug Zeit, um noch bei Tageslicht zu unserem heutigen Warmshowers-Kontakt zu fahren, den wir gestern hier nahe Denmark arrangiert hatten.

Und auch diesmal war die Anfahrt zu unserer Bleibe eine kleine Mission: es ging 150 Meter den Berghang hinauf. Das steilste Stück schoben wir wieder zu zweit unsere Fahrräder hinauf, denn nach dem Einkauf hatten wir jetzt noch einige kg mehr Gewicht an Bord.

Wie erleichtert waren wir, als wir dann ausgepowert vom vielen Hochschieben, etwas unterkühlt und mit eiskalten Füßen in den nassen Schuhen das Haus erreichten und unsere Gastgeber, Nina und Brad, uns willkommen hießen. Eine Nacht im Zelt mitten in der Wildnis hätte uns nach diesem Tag mit Sicherheit den Rest gegeben. Annetts Schulter schmerzte nach dem vielen Schieben und Nässe und Wind hatten uns ziemlich zugesetzt.

Für die nächste Stadt Albany hatten wir noch immer keine Unterkunft gefunden, obwohl wir alle ernstzunehmenden Mitglieder bei Warmshowers und Couchsurfing zu kontaktieren versucht hatten. Auch die Mithilfe unserer Gastgeber hier in Denmark brachte keinen Erfolg.

In Albany sei wohl am kommenden Wochenende ein großes Ereignis und alle waren in Vorbereitungsstress oder nicht erreichbar. Hinzu kam für uns, dass in den kommenden 2 Wochen wegen der Schulferien wahrscheinlich viele Familien nicht daheim sein würden. Tolle Aussichten.

Mittwoch, 20.09.17 – Freitag, 22.09.17

Wie gut taten doch die heiße Dusche und der warme Schlafsack im Haus nach dem gestrigen Tag. Die Sonne schien und die Welt war wieder in Ordnung.

Allerdings zeigte die Wettervorhersage für die kommenden Tage noch viel mehr Regen voraus. Insbesondere für Donnerstag waren Sturm und 35 mm Regen gemeldet. Vor uns lag in 50 km Entfernung die Stadt Albany und 450 km dahinter das Städtchen Esperance. Dazwischen nichts, nur Wildnis. Und es war fraglich, ob Trampen erfolgreich sein würde.

Brad bot uns an, doch den großen Regen am Donnerstag abzuwarten und uns dann am Freitag per Pickup nach Albany zu fahren. Er hatte dort zufällig etwas zu erledigen. Das kam uns natürlich sehr gelegen.

Und tatsächlich kam der Donnerstag mit Sturm und viel Regen daher. In einer kurzen regenfreien Phase nahm Brad uns mit zu einen Besuch im Weingut der Großeltern (Singlefile Wines Family Vineyard) und lud uns zu einer kleinen Weinprobe ein. Die Weine seiner Familie gehören zu den besten Tropfen in Australien und die Winery wurde mehrfach ausgezeichnet.

Daneben betrieb Brad seit 2 Jahren eine Kaffee-Rösterei mit dem Anspruch, den besten Kaffee Australiens zu rösten. Die Auswahl der Bohnen, die Zuordnung der Aromen (bei Kaffee unterscheidet man wohl unter 850! verschiedenen Aromen), die Steuerung und Regelung der Temperaturen an allen wichtigen Stellen im Röstprozess, die anschließende Verkostung, … alles erfolgte mit ungeheurer Präzision und wurde nachvollziehbar dokumentiert.

Sein Unternehmen war zertifiziert und die Röstmaschine samt Anbindung an Rechner mit einschlägiger Software auf dem allerneuesten Stand. So hatte er mittlerweile schon für 2 seiner Kaffeesorten eine Auszeichnung erhalten. Das war sehr beeindruckend. Sein Kaffee schmeckte natürlich um ein Vielfaches besser als die Instant-Brühe.

Am Freitag fuhr uns Brad nach Albany und wir besichtigten im Torndirrup Nationalpark die „Natural Bridge“ und „The Gap“, zwei besondere Fels-Formationen an einer großartigen, zerklüfteten Granit-Felsenküste. Durch den gestrigen Sturm erlebten wir hier heute eine ziemlich gewaltige Brandung. Und von der neu errichteten Aussichts-Plattform aus schaut man senkrecht in die Tiefe und kann das spektakuläre Naturschauspiel aus der Vogelperspektive genießen. Sehr empfehlenswert.

Unsere Videos auf Youtube:

Natural Bridge:    Clip

The Gap:    Clip

Wegen dem heftigen, eisigen Wind hielten wir es aber nicht sehr lange dort aus und wir waren froh, uns nach der Besichtigung im Auto wieder aufwärmen zu können. Ein Privileg, das wir auf der Anfahrt mit unseren Fahrrädern natürlich nicht gehabt hätten. Auch die lange, zeitaufwändige Anfahrt per Fahrrad von Albany bis zur Felsenküste (immerhin 20 km) blieb uns durch Brad erspart. @Brad: vielen Dank dafür.

Die fehlende Nähe der Küsten-nahen Straße zum Meer ist hier in Australien eine für Reiseradler etwas unglückliche Angelegenheit: auf der Karte führt die Straße dicht an der Küste entlang. Doch meistens trennen einen 10 bis 20 km sehr hügelige Stichwege vom Meer. Ein „kurzer“ Abstecher zur Küste entwickelt sich für uns folglich schnell zu einem Ganztagesausflug.

Brad fuhr uns noch an die nördliche Stadtgrenze, dann verabschiedeten wir uns. Vor uns lagen nun 450 km endlose Weite fast ohne Zivilisation. Die Lebensmittel-Vorräte würden für einige Tage reichen, doch wir hofften auf eine Mitnahme im Auto.

Aber so sehr wir uns auch bemühten, kein Wagen wollte halten. Derweil wurden wir immer wieder von heftigen Regenschauern heimgesucht. Zum Glück hatten wir Rückenwind, sonst wäre die Fahrt sehr anstrengend und kalt geworden.

In der Dämmerung fuhren wir zu den Farmen, die von der Straße aus zu sehen waren und wollten nach einem etwas windgeschützten Zeltplatz fragen. Doch es war wie verhext: alle Farmen waren menschenleer. Wir trafen keinen Menschen, den wir hätten fragen können.

Kurz vor der Dunkelheit erreichten wir dann das kleine Dorf Manypeaks, wo wir nach einem Hinweis der Locals neben einem Tennisplatz doch noch einen guten Platz für die Nacht fanden: ein Unterstand, windgeschützt, trocken, bestens geeignet für eine Übernachtung ohne Zelt. Damit lief unser Abendprogramm natürlich deutlich entspannter ab als im Zelt. Denn der Regen blieb uns treu bis tief in die Nacht.

Samstag, 23.09.17

Unsere Hoffnung auf besseres Wetter war schnell zerschlagen: regelmäßig wechselten sich Sonnenschein und Regenschauer ab. Und die Vorhersage für morgen sah noch schlimmer aus: weiterhin Regen und eiskalter Wind aus südlicher Richtung, vom nur 5500 km entfernten Südpol kommend.

Der Tag wurde eine Mischung aus Radeln und Trampen. Insgesamt nahmen uns drei Autofahrer mit. Die Strecken lagen bei max. 30 km, aber wir waren froh um jeden km. Unser letzter Lift war allerdings eine ganz besondere Begegnung:

Unser Fahrer war ein Aborigine. Und zwar der australische Boxer Eugene Eades, der während seiner Karriere von dem Enkel von Max Schmeling trainiert wurde und in seiner Karriere über 17 Kämpfe unbesiegt blieb. Alleine das war schon ein besonderes Ereignis. Doch die Begegnung wurde noch intensiver.

Er bot uns eine Übernachtung in seiner Mission an und würde uns dann morgen weiter mitnehmen bis nach Jerramugup. Wir nahmen das Angebot sofort an, weil es uns die bevorstehende Suche nach einem Platz für die Nacht ersparte und uns die Mitnahme für die nächsten 50 km sicherte.

Seine Mission lag mitten in der Wildnis, 15 km vom Highway entfernt. Das klingt sehr nah, doch es war eine Odyssee. Die rote Lehmpiste hatte auf langen Passagen dieses anstrengende Waschbrettprofil und führte dabei über Berg und Tal durch tiefen Dschungel. Sogar einige Kängurus hüpften vor uns über die Straße.

Jetzt wussten wir auch, warum er so langsam fuhr: es war ungefährlicher für die Tiere, denn viele Kängurus kommen beim Überqueren der Straße zu Tode. Unterwegs erzählte er uns von der großen Bedeutung des Landes für die Aborigines und von dem Ziel seiner Mission.

Er will die wenigen überlebenden Ureinwohner (es waren einmal 20 Mio., heute sind es nur noch ca. 0,5 Mio.) wieder zu einer starken, selbstbewussten Gemeinschaft machen, will die weiterhin bestehende Diskriminierung durch die Weißen aufweichen. Man hört ihm zu, selbst die Regierung schickt Vertreter zu seinen Veranstaltungen, um aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und sich an einer Wiedergutmachung zu beteiligen.

Wenn er über die Geschehnisse der letzten 70 Jahre berichtet, stehen einem die Tränen in den Augen. Die Kinder wurden aus den Familien entrissen und in regelrechte Lager verschleppt. Es wurden Reservate eingerichtet, in denen nur noch ein unwürdiges Leben möglich war. Sprache und Kultur gingen verloren, das Land wurde enteignet und „kultiviert“, teils mit zweifelhaftem Erfolg. In keiner Gesellschaftsgruppe ist die Selbstmordrate höher als bei den Aborigines. Es ist Ausdruck der Ausweglosigkeit, der Perspektivlosigkeit. Das soll sich ändern. Und Eugene ist einer der Treiber in diesem Kampf.

Er zeigte uns die heiligen Felsen entlang unserer Straße und erläuterte die Gestaltung der Flagge der Aborigines mit ihren drei Elementen: Erde (rot), Sonne (gelb) und den Aborigines (schwarz). Wir lernten sogar einige Wörter der indigenen Sprache seines Stammes kennen.

Nach dem gemeinsamen Dinner holte er die Gitarren und wir spielten im Duett. Er hatte viele Songs geschrieben über die traurige Geschichte seines Volkes. Einige der Songs spielte er dann auch für uns. Danach zeigte er uns Reportagen aus dem australischen Fernsehen über seine Arbeit und seine Projekte. Natürlich zeigte er uns auch die Aufzeichnung seines kürzesten Boxkampfes: Sieg durch KO in weniger als einer Minute. Sehr beeindruckend.

Sonntag, 24.09.17

Um 7 Uhr fuhr Eugene uns mit dem Pickup bis nach Jerramungup. Von hier aus radelten wir weiter und genossen die Botanik entlang der Straße und die frei herumfliegenden Papageien. Und heute bestätigte sich, was wir vor einigen Tagen über die Magpies erfahren hatten: wir wurden angegriffen. Es gab einen wuchtigen Schlag von hinten auf den Fahrradhelm und dann flogen sie über einen hinweg. Etwas gruselig war das schon, erinnerte es uns doch an den Hitchcock-Thriller „Die Vögel“.

Die Straße blieb genau so einsam wie gestern: nur alle 15 min kam ein Auto vorbei. Wir versuchten wieder zu trampen, aber erst nach ca. 2 Stunden hielt ein Wagen. Allerdings nahm der uns gleich bis Ravensthorpe mit. Das waren ganze 110 km.

Nach einer ausgedehnten Mittagspause setzten wir unsere Fahrt fort. Bis zur Dämmerung hatten wir jetzt noch 2-3 Stunden Zeit. Das nächste Dorf, Munglinup, lag in 80 km Entfernung. Entweder wir haben noch ein drittes Mal Erfolg beim Trampen oder wir fragen auf einer Farm an der Straße nach einem Platz für unser Zelt. So war unser Plan. Doch ab der Stadtgrenze gab es nichts mehr außer Steppe und Wald. Keine Häuser, keine Farmen. Nichts.

Derweil zog der Himmel gefährlich dunkel zu. Es war wieder Regen gemeldet: ab dem Abend sollte es durchregnen bis morgen um 16 Uhr. Tolle Aussichten.

Als es schon dämmerte, hielt dann tatsächlich doch noch ein Fahrzeug und nahm uns mit bis nach Munglinup. Somit hatten wir heute in Summe 250 km Strecke hinter uns gebracht. Bis Esperance, unserer letzten Station an der Südwest-Küste in Australien, waren es jetzt nur noch 80 km.

In Munglinup gab es direkt am Highway einen Caravan-Parkplatz mit Laden und Toiletten, doch der Platz war ziemlich dicht mit Wohnmobilen bevölkert. Alternativ zeigte uns unser Fahrer dann noch eine überdachte Terrasse am Community Center. Das gefiel uns wesentlich besser. Vor allem im Hinblick auf den angekündigten großen Regen versprach diese überdachte Fläche deutlich mehr Komfort beim Abendprogramm. Es gab hier sogar Zugang zu Strom und fließendem Wasser. Da konnte der große Regen kommen. Das juckte uns nicht mehr. Man konnte sogar per Handkurbel den Windschutz zwischen den Säulen herunterfahren. Um 19 Uhr begann es dann tatsächlich zu regnen.

Montag, 25.09.17

Es blieb über die gesamte Nacht ein ruhiger Schlafplatz. Lediglich die Mücken-Invasion am frühen Morgen drückte etwas auf die Stimmung. Dafür konnten uns die morgendlichen Regenschauer egal sein hier unter dem Dach. Das war schon sehr angenehm.

Als das Wetter etwas besser wurde, machten wir uns auf den Weg. Es waren noch 105 km bis nach Esperance. Wir versuchten zu trampen wie gewohnt und wieder dauerte es ca. 2 Stunden, bis ein passendes Fahrzeug hielt und uns mitnehmen konnte bis zur Stadt. Es war vielleicht das 10. Fahrzeug, das uns in den 2 Stunden begegnet war. Wirklich sehr wenig Verkehr hier.

Anderthalb Stunden dauerte unsere Fahrt. Landschaftlich hatten wir dabei nicht viel verpasst: es war ausschließlich eine eher monotone Straße durch hügeliges Farmerland oder Wildnis, natürlich wieder angereichert mit vielen Höhenmetern. Auf den Fahrrädern hätte uns dieses Strecke 2-3 Tage gekostet. Und zwischen Munglinup und Esperance gab es tatsächlich nichts. Kein Haus, keine Farm, kein Wasser, gar nichts.

Wir waren sehr froh, dass das Trampen hier im Südwesten von Australien überhaupt möglich war. Einige Locals hatten uns da immer wieder eher weniger Hoffnung gemacht.

In Esperance gab es heute lediglich einen Lebensmittelladen, der geöffnet hatte. Denn heute war Feiertag in Western Australia: „Foundation Day“. Bis auf einige Restaurants und Cafes war alles geschlossen.

Für den Rest des Tages schauten wir uns das Städtchen an und fuhren die Uferpromenade ab. Sehr schöne Strände mit feinem, weißem Sand haben sie hier. Und die vielen Hotels deuten auf einen starken Tourismus in den heißen Monaten hin.

Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz fragten wir im Norden der Stadt an einigen kleinen Farmen an der Straße. Wegen dem Feiertag waren viele Bewohner wohl auf Tour und so klappte es erst im dritten Anlauf. Doch hier boten sie uns direkt einen Raum und eine heiße Dusche an. Was für ein Glück an diesem regnerischen Tag.

Dienstag, 26.09.17

Wir hatten eigentlich noch die Besichtigung der Lucky Bay (wegen der vielen zutraulichen Kängurus) und der Hellfire Bay samt Thistle Cave geplant. Allerdings würde sich die Fahrt (immerhin 45 km Sackgasse, also in Summe 90 km zu fahrende Strecke) jetzt nicht lohnen, denn die Tiere kämen bei diesem Wetter wohl nicht raus nach Aussage der Einheimischen.

Also reduzierten wir unser Tagesprogramm auf die Befahrung der Touristenstraße entlang der Küste im Süden von Esperance. Wir ließen unser Gepäck währenddessen im Hof stehen und wollten es nach dem Ausflug erst abholen.

Und diese Touristenstraße war tatsächlich sehr sehenswert: parallel zur Straße schlängelt sich ein schmaler, asphaltierter Pfad die gesamte Küste entlang durch wilde Botanik. Dabei hat man stets den Blick aufs Meer und die zerklüftete Granitfelsen-Küste frei. Nur auf Schlangen musste man aufpassen. Annett hatte dann auch prompt eines dieser Exemplare in gefährlicher Nähe erspäht.

Auf dem Rückweg zu unserem Gepäck integrierten wir noch einen Besuch im Supermarkt und nutzten WiFi an der Bücherei. Und damit war der Tag auch schon wieder um. Um 17:30 Uhr trafen wir wieder bei unserem Gepäck ein und bekamen glücklicherweise eine zweite Nacht hier im Haus angeboten. Das ersparte uns heute mit Sicherheit die nächtliche Suche nach einem Schlafplatz auf der Straße außerhalb der Stadt. Die wäre übrigens auch sehr nass ausgefallen, denn es regnete am Abend wieder.

Mittwoch, 27.09.17

Wir verabschiedeten uns und machten uns auf den Weg nach Norseman. Das bedeutete 200 km Highway Richtung Norden ins Inland. Und wieder lief es sehr zäh mit dem Trampen. Die ersten 4 Stunden wollte keiner anhalten. In dieser Zeit schafften wir gerade einmal 20 km Strecke, denn wir waren die meiste Zeit mit dem Wechsel unserer Kleidung beschäftigt: Regenschauer, Sonnenschein und kalter Wind wechselten einander ständig ab. Und in Verbindung mit den vielen Anstiegen und Abfahrten war uns da entweder zu heiß oder zu kalt oder zu nass.

Um 14 Uhr klappte es dann doch noch: ein Pickup nahm uns mit bis nach Norseman. Auf weiten Teilen dieser Strecke wird man Zeuge der großen Waldbrände aus dem Januar 2015: der gesamte Baumbestand ist auf vielen km entlang der Straße schwarz verkohlt. Es gab seinerzeit auch Tote hier. Sehr erdrückend, die gesamte Szenerie.

Norseman ist ein kleines Dorf mit einem Roudhouse. Hier halten viele Trucks und „Road Trains“ (das sind superlange LKWs mit bis zu 3 Anhängern) zum Tanken und Rasten. Für uns ein idealer Ort, um die Fahrer anzusprechen und eine Mitnahme-Möglichkeit zu suchen.

Vor uns lagen jetzt die 2000 km endlose unbewohnte Weite bis zur Stadt Adelaide im Osten von Australien. Es gibt unterwegs (zumindest bis Port Augusta) keine Dörfer, auch keine einzelnen Farmen oder Häuser. Lediglich einige Roadhouses, wo man tanken, essen, duschen und schlafen kann. Da kam für uns nur Trampen in Frage.

Allerdings war die Resonanz auf unsere Anfrage bei den Fahrern ernüchternd: viele Truckfahrer können keine Anhalter mitnehmen, weil der Arbeitgeber es verbietet oder weil der Laderaum versiegelt ist. Also suchten wir wieder im Bereich der Vans und Pickups.

Weil sich auch hier das Verkehrsaufkommen in Grenzen hielt, sollte die Suche nach einem passenden Fahrzeug sehr langwierig werden. Einige Locals schätzten die Dauer für unsere geplante Überfahrt bis Adelaide auf bis zu 10 Tagen.

Ein Pickupfahrer wollte uns die ersten 200 km mitnehmen, wenn er morgen spätnachmittags wieder hier vorbei käme. Und ein anderer Pickupfahrer würde morgen früh um 7 Uhr erst wissen, ob neben den Surfboards dann noch genug Platz für 2 Fahrräder wäre. Das sah doch schon einmal erfolgsversprechend aus.

So kauerten wir in der Restaurantecke der Tankstelle, stets den Blick auf die tankenden Fahrzeuge gerichtet, durch die gesamte Nacht bis in den frühen Morgen. Ab 20 Uhr kam allerdings nicht mehr als 1 Fahrzeug pro Stunde vorbei.

Donnerstag, 28.09.17

Wir hatten uns mit unserem Schlafsack im Restaurant auf einer Sitzbank schlafen gelegt. So überstanden wir die Nacht halbwegs komfortabel. Ab 6 Uhr saß ich wieder am Fenster mit Blick auf die Zapfsäulen, denn ich wollte keine Chance auf eine Mitnahme verpassen.

Um 7 Uhr fragte ich einen Van-Fahrer mit beladenem Anhänger, doch schon der flüchtige Blick in seinen Van signalisierte mir: er hat keinen Platz. Dort standen 3 Motorräder dicht an dicht. Aber tatsächlich hatte er doch Platz; nämlich in dem leeren Van auf dem Trailer, den er zog. Und er fuhr zufällig bis Adelaide. Somit hatten wir nach „nur“ ca. 20 vergeblichen Anfragen und einem halben Tag Warten eine Mitfahr-Gelegenheit gefunden: Zane aus Südafrika nahm uns mit. Er rechnete mit einer Ankunft in Adelaide morgen Nachmittag. Wir waren begeistert und verluden unsere Fahrräder im leeren Van auf dem Trailer. Wenige Minuten später fuhren wir los.

Die Straße, der Eyre Highway, führte durch endlose Ebene, zu beiden Seiten der Straße gab es nichts als Steppe. Lediglich alle paar 100 km gibt es auf dieser Strecke ein Roadhouse und die Infotafel mit der Entfernung zur nächsten Tankmöglichkeit.

Man sieht meist nur Wildnis und jede Menge totgefahrene Kängurus am Wegesrand. Die gesamte Strecke wäre per Fahrrad nicht nur gefährlich wegen der Roadtrains, sondern auch langweilig und monoton.

Zane fuhr bis 2 Uhr nachts und wir machten unterwegs nur zwei kurze Tankpausen. So kamen wir heute bis Penong, das waren 1130 km gefahrene Strecke.

Unterwegs überquerten wir auch die Grenze von Western Australia nach South Australia, durften unsere Uhren um 1,5 Stunden vorstellen und wurden bei der Einreise auf verbotene Lebensmittel kontrolliert: die Einfuhr von Nüssen, pflanzlichen und tierischen Produkten ist verboten. Es galten die gleichen Quarantäne-Vorschriften wie schon bei der Einreise nach Australien.

Für die wenigen Stunden Nachtruhe legten wir uns neben unsere Fahrräder in den Van, während Zane im Fahrerhaus schlief.

Freitag, 29.09.17

Nach 3 Stunden weckte er uns und es ging weiter. Er wollte rechtzeitig in Adelaide eintreffen, denn sein Weg heute würde erst in Melbourne, seiner aktuellen Heimat, enden. So erreichten wir um 14 Uhr die Großstadt Adelaide.

Der Versuch, mit einigen Warmshowers-Kontakten Verbindung aufzunehmen, scheiterte. Es war Wochenende und der Start in die zwei-wöchigen Schulferien. Noch dazu spielte das Football-Team von Adelaide am Samstag im Endspiel in Melbourne um den Meisterschaftstitel. Und am Montag war hier in South Australia Feiertag. Somit hatten wir uns vermutlich das unglücklichste Zeitfenster für die Suche nach einem Übernachtungsplatz ausgesucht.

Wir organisierten uns WiFi und erweiterten den Suchumfang um 10 Kontakte. Und dabei hatten wir dann doch noch Glück und konnten eine Unterkunft finden, wenn auch sehr spät; denn es war mittlerweile schon 20 Uhr.

Samstag, 30.09.17 – Samstag, 07.10.17

Wir hatten geplant, über die nächsten Tage in Adelaide zu bleiben und die weitere Streckenführung bis Sydney durchzuplanen. Unser erster Gastgeber war allerdings gerade gesundheitlich angeschlagen und ein längerer Aufenthalt kam da nicht in Frage.

Daher wechselten wir nach 2 Nächten zu einem Kollegen einige km weiter. Dort trafen wir Francois, einen Reiseradler aus Belgien in den Startlöchern für die Reise durch das Outback bis nach Darwin. Spannende Route. Vor allem, weil es seine erste Radreise war.

Unser Besichtigungsprogramm in Adelaide beschränkten wir auf den ausgesprochen sehenswerten Botanischen Garten und den wunderschön angelegten Radweg entlang des River Torrens.

Dieser Botanische Garten existiert seit 150 Jahren und beherbergt Pflanzen aus den verschiedenen Kontinenten und Klimazonen. Er ist sehr gepflegt und bietet Programm für einen ganzen Tag.

Doch auch im Botanischen Park, direkt neben dem Botanischen Garten, findet man spektakuläre Bäume. Dort wachsen riesengroße Gummibäume mit gewaltigen Blattwurzeln. Sehr beeindruckend.  Unser Video auf Youtube:  Clip

Vom Botanischen Park aus kann man dann auf einem Radweg dem River Torrens bis zur Mündung ins Meer folgen. Der Flusslauf ist dabei auf der gesamten Strecke naturbelassen und eingebettet in eine gepflegte Parkanlage. Ab der Mündung verläuft der Radweg dann über viele km weiter direkt am Strand und an den Sanddünen entlang.

Unser Video auf Youtube:

Papagei in Australien:    Clip

Sonntag, 08.10.17

Heute verabschiedeten wir uns aus Adelaide und fuhren weiter Richtung Melbourne. Auf den ersten 20 km genossen wir dabei noch die Begleitung unseres Gastgebers. Er war ein passionierter Radsportler und mit seinen 67 Jahren erstaunlich fit.

Erste Station auf unserer Route war Echunga. Dort hatten wir schon eine Bleibe für die kommende Nacht organisiert. Allerdings war der Weg bis dorthin voller Hügel. Ab dem südlichen Ortsende von Adelaide erheben sich nämlich die Berge. Und so kommt man bis Echunga auf insgesamt 700 Höhenmeter.

In Echunga holte uns unser Warmshowers-Kontakt dann per Auto ab. Das ersparte uns weitere ca. 150 Höhenmeter, denn Elizabeth und Chris wohnen oben im Berghang und der Weg dorthin war sehr steil.

Es ist uns nach wie vor ein Rätsel: nicht wenige Kontakte aus „Warmshowers“, dem privaten Übernachtungsnetzwerk speziell für Reiseradler, wohnen in den obersten Etagen der Häuser oder ganz weit oben im Berghang und haben somit eher eine Radfahrer-unfreundliche Anbindung ans Verkehrsnetz. Das mutet etwas paradox an und kostet einen Reiseradler mit schwerem Gepäck manches Mal sehr viel Kraft. Dafür genießt man oft einen traumhaften Ausblick oder Natur pur.

Montag, 09.10.17 – Mittwoch, 11.10.17

Wir hatten nur eine Übernachtung eingeplant. Doch alles kam anders.

Annett erzählte nach dem Frühstück von ihrer Verletzung an der Schulter und den unverändert großen Schmerzen. Und zufällig hatte Elizabeth schon eigene Erfahrung mit „Rotator Cuff Injuri“ und zeigte uns einen Weg auf, um sehr zeitnah und preisgünstig einen Ultraschall-Scan machen zu lassen. Der soll dann wohl eine genaue Diagnose zulassen.

Per Telefon wurden für Mittwoch die Termine in der Klinik arrangiert und damit stand fest, dass wir hier in Echunga bis Donnerstag bleiben würden. Chris würde uns am Mittwoch per Auto in die Klinik fahren.

Durch diesen ungeplanten Aufenthalt hatten wir jetzt die Chance, Hahndorf im Norden von Echunga zu besichtigen. Hahndorf wurde 1839 von deutschen, protestantischen Flüchtlingen gegründet, die wegen ihres Glaubens vom preußischen König Friedrich Wilhelm III verfolgt wurden.

Vor der touristischen Vermarktung war es bestimmt ein nettes Dorf. Doch heute ist es nur noch „schrecklich“: Klischees werden ausgeschlachtet, deutsche Traditionen übertrieben dargestellt und manches Kulturgut durch den Kakao gezogen. Man bemüht sich, alles anzubieten, was für Deutschland typisch ist; natürlich zu Touristenpreisen.

Am Dienstag, dem 10.10., war Fußballabend: Australien gewann das Qualifikationsspiel gegen Syrien und sicherte sich damit die Teilnahme an der Weltmeisterschaft. Gratulation.

Am Mittwoch hatte Annett ihren Termin für den Ultraschall-Scan an der Schulter und einige Stunden später die Arzt-Konsultation. Chris nahm uns auf seinem Weg zur Arbeit samt der Fahrräder im Auto mit und setzte uns in der Nähe der Arztpraxis ab. Nach dem Scan hatten wir dann einige Stunden Zeit bis zum Arzttermin.

Unser Programm für diese Zeit wollten wir vom Wetter abhängig machen. Für heute war zwar Regen gemeldet, aber es blieb bisher trocken und sogar die Sonne kam immer wieder zum Vorschein.

Das war die Gelegenheit, den Cleland Wildlife Park zu besuchen. Er liegt wenige km östlich von Adelaide auf ca. 650 m Höhe auf dem Berghügel. Die Anfahrt per Fahrrad hätte zu viel Zeit gekostet und die Buszeiten lagen sehr ungünstig. Deshalb arrangierte uns Elizabeth kurzentschlossen einen Transport im Geländewagen eines guten Freundes bis vor den Eingang des Wildparks. Was für ein glücklicher Umstand.

Doch kaum hatten wir die Eintrittskarten bezahlt, prasselte der große Regen los und blieb uns 4 Stunden lang treu. Der ganze Park wurde in eine dicke Wolke eingehüllt und der heftige Wind peitschte den Regen.

Wir hatten zwar in weiser Voraussicht unsere Regenkleidung mitgenommen, doch mit einer so starken Abkühlung hatten wir nicht gerechnet. Es dauerte nicht lange, da waren wir durchgefroren.

Unterdessen liefen wir durch den Park und besuchten all die besonderen Tierarten, die es nur hier in Australien gibt: die verschiedensten Känguru-Gattungen (Bürstenkängurus, Riesenkängurus, Felskängurus, …), Wallabies (kleine Kängurus), Wombats, Tasmanische Teufel, Skinke (Glattechsen), Bilbies (Kaninchennasenbeutler), Lizards, Goannas (australischer Baumwaran), Papageien, Emus, Potorous (Kaninchenkängurus), Schlangen und Koalas.

Die Koalas kann man hier normalerweise auf den Arm nehmen, so zahm sind sie. Doch ausgerechnet heute waren einige von ihnen wohl krank und da fiel die Streichelstunde aus. Tatsächlich bekamen wir leider nur einen einzigen Koala-Bären zu Gesicht. Den anderen war wohl der Regen zu ungemütlich.

Auch wenn wir wegen dem Regen kaum fotografieren konnten und einige Tiere sich nicht blicken ließen, war dieser Park dennoch ein Erlebnis.

Unsere Videos auf Youtube:

Emu im Wildlife Park:  Clip

Wallabys im Wildlife Park:    Clip

Nach dem Besuch im Wildlife Park fuhren wir zur Arztpraxis nach Adelaide zurück. Die ärztliche Diagnose aus dem Ultraschall-Scann lautete dann auf Schleimbeutelentzündung im Schultergelenk und Flüssigkeit über der Sehne. Es war also nicht Rotator Cuff, wie die bisherigen Ärzte und Therapeuten diagnostiziert hatten. Aber die therapeutischen Übungen waren weiterhin erforderlich und keinesfalls falsch. Im Gegenteil: der Arzt bereicherte die Übungs-Liste noch um 18! weitere Übungen.

Donnerstag, 12.10.17

Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns. Den Anblick hüpfender Kängurus während dem täglichen Frühstück bei Elizabeth und Chris werden wir vermissen, das stand fest. Und nicht nur das: wir genossen eine unglaubliche Gastfreundschaft bei den beiden und erhielten Unterstützung für viele Dinge, die wir in diesen Tagen im Programm hatten.

Wir fuhren weiter Richtung Wellington. Bis Macclesfield verlief unsere Straße dabei durch eine wunderschöne Hügellandschaft. Hinter Macclesfield ging es dann, an riesigen Weinanbaugebieten vorbei, hinunter ins Tal bis nach Strathalbyn. Nach kurzer Pause fuhren wir weiter. Bis Wellington waren es noch 50 km und wir wollten auf jeden Fall den heutigen Rückenwind nutzen.

Tatsächlich fuhren wir mit dem Wind im Rücken am Nachmittag einen Schnitt von 25 km/h und erreichten um 17 Uhr die Seilfähre in Wellington. Wir setzten noch über und suchten dann, nach stolzen 75 km Tagesstrecke, im Dorf einen Platz für unser Zelt.

Ein Anwohner erklärte uns den Weg zu einem nahegelegenen Rastplatz, doch nachdem er von unserer Groß-Radreise erfahren hatte, lud er uns spontan in sein Haus ein. Und so gab es heute für uns völlig unerwartet ein Bett und eine heiße Dusche bei Bill & Patricia. Wir waren zum Dinner eingeladen und revanchierten uns mit einem Kuchen als Dessert.

Freitag, 13.10.17

Nach dem Frühstück zeigte uns Bill stolz eine Sammlung von Gegenständen aus dem Leben und Wirken der Aborigines: ein Didgeridoo, Speere und Wurf-Werkzeuge, auch einige Bumerangs, Zeichnungen auf Steinplatten, … Und zu jedem dieser Exponate gab es eine Geschichte aus dem Leben von Bill & Patricia.

Die Aborigines verwenden nur natürliche Produkte zur Herstellung ihrer Waffen, Musikinstrumente, Werkzeuge oder Schmuckstücke. Aus den Sehnen der Kängurus machen sie Bänder oder Kordel, aus dem Hartholz fertigen sie den Bumerang. Und der ist deutlich schwerer als das Souvenir, das ich seit Jahren im heimatlichen Keller liegen habe.

Wir verabschiedeten uns und landeten sofort in einem so heftigen Gegenwind, dass wir nach den ersten km beschlossen, wieder zu Trampen. Es war ziemlich sinnlos, zu radeln, denn wir kamen nur noch im Schritttempo voran. Und vor uns lagen 191 km eher monotone Straße bis Kingston und dahinter weitere 160 km bis Mount Gambier.

Doch bevor der erste Pickup hielt, erwischte uns ein fetter Regenschauer. Diesmal schafften wir zwar rechtzeitig den Garderobenwechsel, doch der kalte Regen und der peitschende Wind kühlten uns sehr schnell aus. Da waren wir froh, dass nach einer Stunde doch ein Farmer hielt und uns die verbleibenden 40 km bis Meningie mitnahm. Sehr gut.

Wir machten kurze Pause, dann fuhren wir weiter. Hinter Meningie begann gleich wieder menschenleere Prärie, wie schon heute Morgen ab Wellington. Und wieder versuchten wir zu trampen, denn der Gegenwind blies unvermindert und wir wollten auf gar keinen Fall in der vor uns liegenden zivilisationslosen Prärie in die Dunkelheit geraten.

Eine Stunde später hielt eine Französin und nahm uns in ihrem Pickup mit. Sie würde uns bis Kingston fahren, das waren ca. 170 km. Wir waren erleichtert, dass es doch noch geklappt hatte.

Am Roadhouse in Salt Creek hielten wir nur kurz, um zu tanken. Doch als unsere Fahrerin den Motor wieder starten wollte, fiel ihr auf, dass sie das elektronische Innenleben ihrer Wegfahrsperre verloren hatte. Ohne die Wegfahrsperre läuft natürlich gar nichts mehr am Fahrzeug. Also suchten wir am Roadhouse alle gemeinsam die verloren gegangenen Teile. Doch ohne Erfolg. Unsere Fahrerin erinnerte sich, dass sie den Motor laufen ließ, als wir unser Gepäck aufgeladen haben. Also konnten die verlorenen Teile auch an dieser Stelle, 60 km zurück, im Schotter liegen.

Und auch in Adelaide könnten die Einzelteile verloren gegangen sein, denn dort hatte sie zuvor einiges erledigt, natürlich ebenfalls mit laufendem Motor. Sie telefonierte mit Adelaide, doch die dortige Suche verlief auch ohne Erfolg.

Tja, so etwas passiert halt an einem „Freitag, dem 13“.

Wir versuchten unterdessen, ein anderes Fahrzeug für eine weitere Mitnahme zu finden, doch das verlief erfolglos. Dafür war es wohl schon zu spät heute. Es sah ganz danach aus, dass wir am Roadhouse das Zelt aufschlagen müssten für die Nacht. Denn es war mittlerweile 19 Uhr, die Dämmerung hatte eingesetzt.

Nach einer weiteren Stunde gab es einen Lichtblick: unsere Fahrerin hatte ihren Bruder in Adelaide erreicht. Und der wäre jetzt mit dem Zweitschlüssel auf dem Weg zum Roadhouse. Ankunft ca. in 3 Stunden, also um 23 Uhr. Und tatsächlich würde sie uns dann bis Mount Gambier mitnehmen. Das waren in Summe noch 240 km Strecke.

Dass wir dann voraussichtlich um 3 Uhr nachts in Mount Gambier eintreffen würden, war uns fast egal. Wir würden durch die Mitnahme heute Nacht deutlich weiter kommen, als wir uns erhofft hatten. Das war uns wichtiger.

So harrten wir im Roadhouse aus, bis der Schlüssel eintraf und wir tatsächlich weiterfahren konnten. Um 4 Uhr in der Frühe trafen wir in Mount Gambier ein. Unsere Fahrerin setzte uns dort in einem kleinen Park ab, wo wir dann das Zelt aufbauen konnten.

Es war sternenklarer Himmel und es zog in dieser Nacht ein kalter Wind durch den Park. Das hohe Gras war pitschnass. Und unsere Schuhe samt Socken waren es auch, nachdem das Zelt fertig eingerichtet war. Wir waren müde und nach dem Aufbau ziemlich durchgefroren und sehnten uns nach einer heißen Dusche. Doch die fiel heute aus.

Samstag, 14.10.17

Durch die späte Ankunft in der Nacht kamen wir natürlich erst spät aus den Federn. Und jetzt bei Tageslicht und Rushhour erkannten wir auch die Lage unseres Zeltplatzes. Wir standen quasi auf einer Verkehrsinsel zwischen 3 Highways. Doch es war ein angenehmer, friedlicher Platz für die Übernachtung. Hin und wieder gab es sogar freundliche Begrüßungen aus den vorbeifahrenden Trucks.

Wir packten und erreichten das Stadtzentrum erst um die Mittagszeit. Wäre ja nicht schlimm gewesen, doch samstags schließen viele Geschäfte zum Mittag ihre Tore bis Montag. So fielen einige unserer geplanten Besorgungen dann leider aus. Dumm gelaufen.

Mount Gambier ist nicht nur die zweitgrößte Stadt in South Australia, sondern sie steht auch auf einem besonderen Fleckchen Erde:

Der Vulkan Mount Gambier hat einige Kraterseen (Maare) hinterlassen. Der bekannteste ist der Blue Lake im Süden der Stadt. Jährlich um den November herum ändert das Wasser des Blue Lake für einige Monate seine tiefblaue Färbung und erscheint in kräftigem, leuchtendem Türkisblau. Eine zeitlich begrenzte, besondere Anordnung kleiner Mineralpartikel beeinflusst die Lichtbrechung und absorbiert gleichzeitig bestimmte Farben des Farbsektrums.

Des Weiteren steht die Stadt auf verkarstetem Kalkstein. An einigen Stellen hat das Wasser den Kalkstein im Laufe der Zeit unterirdisch derart stark ausgehöhlt, dass die dünne Decke einbrach. Zurück blieben dann große Trichter (Sinkholes), die heute zu besichtigen sind: Cave Garden und Umpherston Sinkhole.

Daneben gibt es auch eine besondere Höhle im Umfeld zu besichtigen: die Engelbrecht Cave. Sie wurde erst sehr spät im 19. Jh. der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der größte Teil der Höhle ist mit Wasser gefüllt und somit für Taucher ein beliebtes Besichtigungs-Objekt.

Die Suche nach einem Zeltplatz verlief dann etwas schwierig. Doch zu guter Letzt fanden wir am Sportplatz im Osten der Stadt dann einen ruhigen Platz mit Erlaubnis zum Zelten.

Sonntag, 15.10.17

Wir setzten unser Besichtigungsprogramm von gestern fort und nutzten in der Bücherei noch WiFi, um schon unsere Übernachtungen für den kommenden Monat in Sydney zu organisieren.

Am späten Nachmittag verließen wir Mount Gambier Richtung Osten. Doch weit kamen wir nicht mehr, da setzte die Dämmerung schon ein. So suchten wir uns kurz hinter Mount Gambier einen Schlafplatz auf einem Sportgelände.

Montag, 16.10.17

Heute wurde es erstmalig richtig sommerlich warm, seit wir Australien betreten haben: 24 °C. Wir fuhren weiter Richtung Heywood und wollten heute wieder Trampen. Doch das war wieder einmal schwieriger, als wir dachten. Es gab kaum geeignete Fahrzeuge. Dafür zogen auf dieser Straße mehr Roadtrains an uns vorbei, als wir es bisher auf anderen Straßen erlebt haben.

Der Grund: östlich von Mount Gambier boomt die Holzindustrie. Auf endlos großen Flächen wächst Blue Gum (blauer Eukalyptus) und sehr ortsnah findet die Verarbeitung der gefällten Bäume statt. Folglich rollt hier alle 6 min ein mit Holzstämmen voll beladener Roadtrain über die Straße.

Es existiert zwar ein breiter Randstreifen für Radfahrer, doch wenn eines dieser bis zu 53 Meter langen und bis zu 116 Tonnen (in Ausnahmen bis 125 Tonnen) schweren Geschosse mit Tempo 100 km/h an einem vorbeizieht, dann ist die Druckwelle so gewaltig, dass einem (in der Pause nahe der Straße) der Kaffeebecher umfällt.

Zweimal klappte das Trampen dann doch noch heute, doch insgesamt kamen wir mit unseren geradelten 55 km nur bis Heywood, immerhin 90 km.

Am späten Nachmittag wurde das Radeln aber zur Plage, weil wir ununterbrochen durch regelrechte Schwärme von Flugameisen fahren mussten. Bei diesen sommerlichen Temperaturen waren sie wohl heute alle geschlüpft und nun flogen sie einem völlig unkontrolliert bei voller Fahrt ins Gesicht, vor allem in die Nase und in die Augen. Das war schon sehr unangenehm.

In Heywood fragten wir auf dem Sportgelände nach einem Platz fürs Zelt. Kein Problem. Der Platzwart war zufällig zugegen und zeigte uns die passenden Stellen.

Nach einer Stunde, wir waren schon fertig eingerichtet mit unserem Schlafplatz, bot er uns dann einen warmen, trockenen Raum mit heißer Dusche an. Wäre ja viel wärmer und angenehmer. Also packten wir wieder alle Sachen zusammen und zogen um. Das kostete uns zwar eine ganze Stunde Arbeit, doch es lohnte sich auf jeden Fall.

Dienstag, 17.10.17

Ursprünglich wollten wir ab Portland der Küste folgen. Doch die Einheimischen hatten uns vor den vielen Roadtrains auf der Strecke Heywood – Portland gewarnt. Von Portland aus geht das ganze Blue Gum – Holz aus den Forst-Plantagen im Umland per Schiff wohl nach China.

Also fuhren wir die Inlandroute weiter bis Port Fairy. Die war deutlich ruhiger. So ruhig, dass es auch kaum Chancen zum Trampen gab. Und wir wären heute gerne getrampt, um dem Gegenwind zu entgehen.

Auf halber Strecke warnte uns dann ein entgegenkommender Autofahrer vor den aggressiven Schlangen entlang dieser Straße. Er war wohl gerade selber angegriffen worden. Und wir sollten uns auf keinen Fall in der Nähe der Steine am Wegesrand aufhalten, denn dort lauern sie ebenfalls. Schade, denn wir suchten gerade nach einer Pausenstelle für mittags.

Eine solche Warnung nimmt einem sofort die Unbeschwertheit, mit der man normalerweise durch die Prärie radelt. Aber wir waren dankbar für den Tipp. Und wenige km später lag auch gleich eine totgefahrene Tigerotter (Tigersnake), eine der giftigsten Schlangen hier in Australien, mitten auf der Straße. Aber es blieb bei dieser einen Begegnung.

Die Hitze machte uns heute sehr zu schaffen. Wir hatten knapp unter 40 °C. Annett fuhr zeitweise mit zugekniffenen Augen, weil ihr der Schweiß in die Augen gelaufen war und wie Feuer brannte.

Am Abend erreichten wir nach 90 km Strecke unseren Warmshowers-Kontakt in Port Fairy. Wir waren so geschafft wie selten und freuten uns nur noch auf die heiße Dusche. Danach gab es noch ein hervorragendes Dinner und eine kurze Rundfahrt per Auto durch die Küstenstadt.

Mittwoch, 18.10.17

Über die letzten Tage war es stetig wärmer geworden. Und heute sollte mit 40 °C der vorläufige Höhepunkt erreicht werden. Ein Vorbote auf den heißen Sommer in Australien. Wir beschlossen, zügig bis Warrnambool durchzuradeln und dort über die Mittagszeit aus der Sonne zu flüchten. Und es wäre ein wunderschöner Tag zum Radeln gewesen, wenn uns nicht dieser harte Gegenwind auf der gesamten Strecke gebremst wäre.

In Warrnambool organisierten wir unseren Einkauf, machten große Pause und nutzten Wifi in der Bücherei. Nachdem die größte Hitze durch war, verließen wir die Stadt und fuhren weiter Richtung Port Campbell. Dabei fuhren wir über die Inlandroute, weil uns der harte Gegenwind für die Befahrung der Küstenstraße heute einfach zu viel war.

Kurz vor Einbruch der Dämmerung fragten wir auf den Farmen entlang der Straße nach einem Zeltplatz und landeten auf der Farm von Judy. Sie bot uns einen Raum an, der zufällig gerade leer stand. Das war uns natürlich noch lieber, denn für heute war Regen gemeldet. Und tatsächlich begann es dann spät abends zu regnen.

Donnerstag, 19.10.17

Auch am Morgen kamen immer wieder einzelne Regenschauer herunter. Und es hatte sich deutlich abgekühlt. Judy bot uns vor dem Frühstück eine kleine Rundfahrt entlang der Küste per Auto an. Das gab uns die Gelegenheit, die spektakuläre Felsenkulisse in der Boat Bay und der Bay of Martyrs zu besichtigen. Die gesamte Szenerie ist sogar etwas reizvoller als die bekannten „Zwölf Apostel“, einige km weiter die Küste hinauf. Und diese Spots sind nicht touristisch überlaufen. Wir waren begeistert.

Unser Video auf Youtube:

Die Steilküste:    Clip

Als der Regen sich verzogen hatte, verabschiedeten wir uns und fuhren weiter bis Port Campbell, der nächsten Stadt an der Küste. Eigentlich war es nur ein touristisches Dorf, bestehend aus Hotels, Restaurants, Cafés und einem teuren Laden.

Nach einer Pause im unangenehm kalten Wind verließen wir Port Campbell wieder Richtung Apollo Bay. Vor uns lagen 100 km sehr hügelige, kurvenreiche Straße durch den küstennahen Wald. Wir wollten diese Strecke trampen, um mehr Zeit für das interessantere Stück der „Great Ocean Road“ zu haben, der wir ab Apollo Bay folgen wollten.

Doch wir warteten über 2 Stunden auf ein passendes Fahrzeug. Je länger wir warteten, desto mehr spielte ich mit dem Gedanken, nur unser Gepäck per Auto nach Apollo Bay fahren zu lassen. Per Fahrrad ohne Gepäck wären wir ja deutlich schneller unterwegs. Und Platz fürs Gepäck gab es in vielen Fahrzeugen. Meist fehlte der Platz für die Fahrräder oder die Sitzplätze waren schon alle belegt.

Dann hielt einer dieser Geländelimousinen und deren Fahrer, John & Sue, boten uns die Mitnahme samt der Fahrräder an. Wir hielten das für unmöglich, doch John war sicher, dass es funktioniert.

Wir bauen Vorderrad und Sattelstütze aus, doch die Fahrräder passten nicht ins Auto, weil sich das größere Teilstück der hinteren Sitzbank nicht flachlegen ließ. John sagte, es funktionierte noch nie, seit er den Wagen fährt. Das war jetzt wirklich schade und für uns alle enttäuschend.

Doch durch unseren ungebrochenen Willen, die Transportaktion doch noch zu einem erfolgreichen Unterfangen zu machen, schafften wir es dann tatsächlich, mit einigen offensichtlich zielführenden Handgriffen (oder Schlägen), die Sitzbank aus der Verriegelung zu lösen. Es hatte geklappt.

Der Rest war reine Fleißarbeit: die Fahrräder und Packtaschen wurden verstaut und wir arrangierten uns zu zweit auf dem verbleibenden Sitz im Fond des Wagens. Das war alles andere als bequem, doch für 100 km würde es wohl zu ertragen sein.

Mehr Sorgen machten mir da die stechenden Rückenschmerzen, die ich seit dem Beladen des Fahrzeugs hatte. Die Aktion war deutlich rückenfeindlicher als das Aufladen an einem Pickup.

Wir erreichten 2 Stunden später Apollo Bay, bauten unsere Fahrräder wieder zusammen und tranken noch einen Kaffee zusammen. Beim Abschied luden uns John & Sue dann auf einen Besuch in ihr Haus im Norden von Melbourne ein. Wie nett. Wir bedankten uns herzlich und suchten uns dann im Hinterland von Apollo Bay einen Platz fürs Zelt.

Freitag, 20.10.17

Unser heutiges Highlight war sicherlich die Befahrung der schönsten Passage auf der „Great Ocean Road“, einer der spektakulärsten Küstenstraßen der Welt. Sie ist über 240 km lang und existiert erst seit 1932 als vollständige Route. Und sie ermöglichte erstmals eine Zugänglichkeit zu den kleinen Küstendörfern auf dem Landweg.

Es sind 50 km wunderschöne Küstenstraße zwischen Apollo Bay und Lorne. Dabei weist die Straße hier nur moderate Anstiege und einige schöne Abfahrten auf. In Verbindung mit dem heutigen Rückenwind war das Radeln hier ein wahrer Genuss. Mit Sonnenschein wäre es perfekt gewesen.

Aber wir hatten das Glück, dass diese Passage aktuell nicht durch irgendwelche Erdrutsche oder andere Folgen von natürlicher Erosion betroffen war. Das ist nicht selbstverständlich, denn in der Vergangenheit sorgten solche Ereignisse immer wieder für Sperrungen. Und eine solche Sperrung hätte uns einen Riesen-Umweg über das hügelige Inland beschert.

Vor Lorne führt ein kleiner Stichweg zu einem Wasserfall, dem Sheoak Fall. Auch sehr nett. Und in Kennett River hat man einen ungewöhnlich intensiven Kontakt zu den Papageien und sieht mit etwas Glück die Koalas in den Eukalyptusbäumen sitzen.

Unsere Videos auf Youtube:

Papageien in Australien:    Clip1     Clip2

Koala in freier Wildbahn:    Clip1    Clip2

Zudem gab noch ein weiteres großes Ereignis an diesem Tag: wir waren bis heute 24.000 km von unserer Heimat bis hier in Australien geradelt.

Samstag, 21.10.17 – Sonntag, 22.10.17

In der Tourist-Info in Lorne organisierten wir uns über Wi-Fi noch eine Unterkunft in Torquay, unserem Ziel für heute.

Dann fuhren wir weiter entlang dieser schönen Küste. Allerdings waren heute einige kernige Anstiege dabei, obwohl mit insgesamt 560 Höhenmetern nicht wesentlich mehr als gestern zu erklimmen war.

Das markante Split Point Lighthouse in Aireys Inlet erkennt man schon aus weiter Ferne. Man kann diesen Leuchtturm mit 34 m Höhe besteigen und hat auch von den umliegenden Wanderpfaden aus einen traumhaften Ausblick auf die spektakulären Felsformationen.

In Torquay fuhren wir zu unserem Warmshowers-Kontakt und blieben dort 2 Nächte. Hier konnte Annett sich endlich! mit den neuen Übungen für die Behandlung ihrer Schulter befassen und ich hatte Gelegenheit, den weiteren Verlauf unserer Route bis Sydney samt der Übernachtungen zu planen.

Montag, 23.10.17

Wir hatten gepackt und uns verabschiedet. Letzter Akt vor der Abfahrt: Schuhe anziehen und die Flip Flops verpacken. Doch ich musste den linken Schuh direkt wieder ausziehen, weil da irgendetwas im Bereich der Fußspitze drückte. Ich schüttelte den Schuh aus, doch es kam nichts. Dann half ich mit meiner Hand nach und puhlte etwas Weiches, Pelziges aus der Schuhspitze. Und als es vor mir auf den Boden fiel, stockte mir der Atem: es war eine dicke Spinne. Offensichtlich nicht giftig. Da hatte ich wohl Glück gehabt. Denn das hätte böse enden können.

Um das gesamte Einzugsgebiet der Großstadt Melbourne zu umgehen, fuhren wir bis nach Queenscliff und setzten mit der Fähre über die Meeresenge von Port Phillip nach Sorrento. Das ersparte uns einige Tage urbanen Kampf durch den Metropolen-Verkehr.

Unser Video auf Youtube:

Skurrile Botanik:    Clip

In Rosebud landeten wir dann noch rechtzeitig vor der Dunkelheit bei unserem nächsten Warmshowers-Kontakt.

Dienstag, 24.10.17 – Donnerstag, 26.10.17

Wir wollten uns Cape Schanck im Mornington Peninsula National Park anzusehen. Mit der Anfahrt per Fahrrad war das von Rosebud aus ein Tagesprogramm. Da kam es uns sehr gelegen, dass wir länger als eine Nacht bei unserem Gastgeber bleiben konnten.

Leider machte uns das Wetter aber einen Strich durch die Rechnung: am ersten Tag war es dicht bewölkt und am zweiten Tag setzte auch noch Regen ein. Unglückliche Bedingungen fürs Fotografieren. So wurde unser Ausflug erst am Donnerstag in die Tat umgesetzt.

Und es lohnte sich auf jeden Fall: vulkanisches Gestein in allen möglichen Farben, zerklüftete Felsen, ein sehenswerter Leuchtturm und eine blühende wilde Botanik luden zu ausgedehnten Wanderungen im gesamten Bereich des Caps ein.

Annett kümmerte sich weiter intensiv um ihre Schulter, während ich meinen Rücken etwas schonen konnte. Denn die stechenden Schmerzen in meiner Lendenwirbelsäule waren schlimmer geworden.

Unser Gastgeber betrieb eine Pflanzenzucht im heimischen Garten und organisierte die anstehenden Arbeiten über das „HelpX“-Programm hier in Australien: freiwillige Arbeiter erhalten Unterkunft und Verpflegung und arbeiten im Gegenzug täglich 4 Stunden auf Farmen oder in Gärten. Und daneben stand sein Haus den Reiseradlern offen. Überall im Haus hingen Fotos von Reiseradlern aus den verschiedensten Ecken der Welt, die hier genächtigt hatten über die Jahre.

Wir waren zwar keine HelpX-Volunteers, doch trotzdem bot es sich am zweiten Tag an, unserem Gastgeber zu helfen: ein schwerer alter Wohnwagen sollte rückwärts in den Garten rangiert werden. Allerdings per Handrad mit Hebelstange, auf losem Schotter-Untergrund und gegen ein Gefälle von geschätzt mehreren %. Das war schweißtreibend und vor allem Maßarbeit, weil das Holztor zum Garten auf beiden Seiten keine 10 cm Platz ließ beim Rangieren.

Für meinen Rücken war das natürlich gar nicht gut. Aber wir freuten uns, etwas zurückgeben zu können von der grenzenlosen Hilfsbereitschaft der Menschen hier in Australien.

Am Donnerstag hatten wir dann beide wie aus dem Nichts eine Magenverstimmung. Nicht besonders intensiv, aber das Wohlbefinden war dahin für den ganzen Tag. Und wir fühlten uns ungewöhnlich schlapp. Allerdings konnten wir uns die Ursache überhaupt nicht erklären.

Freitag, 27.10.17

Nach einem herzlichen Abschied fuhren wir weiter die Mornington Halbinsel hinauf. Dabei führte unser Weg um die Western Port Bay herum. Alternativ gibt es auch einen kürzeren Weg entlang der Küste, doch das Geld für die Fähre auf diesem Weg wollten wir uns sparen. Australien war für uns bisher schon teuer genug.

Annett fühlte sich heute schlechter als gestern. Ihr war richtig übel. Mein Magen war zwar wieder in Ordnung, doch die Rückenschmerzen waren immer noch so stark, dass ich jedes Vorbeugen vermeiden wollte. In Verbindung mit der vor uns liegenden monotonen und gefährlichen Schnellstraße Richtung Melbourne war das Grund genug, um bis zur Abzweigung Richtung Inverloch zu trampen. Doch es dauerte seine Zeit, bis ein geeigneter Wagen hielt. Und dieses Mal lag es nicht an dem fehlenden Verkehr, sondern an der Großstadt-Mentalität der Fahrer.

Ein Inder mit Pickup hielt und wir luden unsere Fahrräder und das Gepäck auf die Ladefläche und wollten neben dem Fahrer einsteigen. Doch dann machte unser Fahrer deutlich, dass nur eine Person mitfahren könne. Es war nur ein Sitz frei und die Polizei zieht wohl gnadenlos den Führerschein ein, wenn ein Fahrer mit einer Überbelegung ertappt wird. Das hätte uns der Inder ja mal vorher sagen können, dachte ich bei mir etwas zerknirscht.

Ich sah mich schon alles Gepäck wieder von der Ladefläche räumen, doch dann hielt ich inne: wenn ich jetzt noch einen weiteren Wagen anhalten kann, könnten wir die geplante Strecke (immerhin 30 km) doch im Konvoi fahren: ich in dem zweiten Fahrzeug und Annett in dem Pickup mit unseren Fahrrädern. Das würde uns auf jeden Fall ersparen, am Zielort wieder zu einander zu finden.

Doch so utopisch der spontane Gedanke auch war, es fand sich dann tatsächlich innerhalb einer Minute ein weiteres Fahrzeug. Der Fahrer begriff sofort unsere Lage und ab ging die Post. Wir fuhren im Konvoi.

So kamen wir heute bis nach Grantville, einem kleinen Dorf an der Western Port Bay. Wir gingen rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit auf die Suche nach einem Zeltplatz auf privatem Land und erwischten dabei wohl zufällig direkt die richtige Adresse: eine junge Frau in einem ehemaligen B&B – Betrieb am Ortsrand bot uns spontan ein Zimmer für die Nacht an. Es folgte eine herzliche Begrüßung im Kreis der Familie und die Mutter bot uns sogar die Benutzung der Sauna an. Auch Hund, Katze, das Pferd und die beiden Alpakas wurden uns vorgestellt. Richtig nett.

Die Alpakas dienten hier als Wachhunde zum Schutz der 35 Hühner vor Füchsen, Schlangen und anderen Räubern. Sie sind sehr aufmerksam und schlagen sofort Alarm, wenn etwas nicht stimmt. Und der Schutz der Hühner lohnte sich auf alle Fälle, denn es waren viele unterschiedliche Hühner-Rassen vertreten. Und demzufolge waren die Eier ebenfalls eine bunte Mischung in allen möglichen Farben und Größen.

Und sie rieten uns dringend vom Zelten ab, weil in dieser Gegend die Jack Jumper Ant sehr verbreitet ist. Das ist eine springende Ameise mit orangefarbenen Kieferzangen, deren Stich wohl alljährlich 5 Menschen das Leben kostet. Na prima. Als wenn die Schlangen, Spinnen und Skorpione nicht schon genug Schrecken verbreiten würden in Australien.

Wir waren dankbar um den Tipp und sahen uns wieder einmal bestätigt in der Art und Weise, wie wir auf Schlafplatz-Suche gingen.

Samstag, 28.10.17

Die Mutter fuhr uns vor dem Abschied noch per Auto hoch auf den höchsten Hügel im Ort zum Aussichtspunkt „The Shunt Off“. Von hier hat man einen tollen Ausblick über die gesamte Bucht mit French Island, Phillip Island und die Meeresenge der Western Port Bay.

Dann fuhren wir weiter und landeten abends in Inverloch, einem kleinen Küstenstädchen mit viel Tourismus.

Sonntag, 29.10.17

In Australien findet man selbst im kleinsten Dorf einen Rastplatz mit öffentlich zugänglichem Gasgrill. So einen Grill nutzten wir heute fürs Frühstück zum Toasten unserer Brötchen vom gestrigen Einkauf. Das war mal eine gelungene Abwechslung zu unseren sonst üblichen Haferflocken.

Heute schien die Sonne und wir hatten Rückenwind. Perfekte Bedingungen für den weiteren Weg von Inverloch bis nach Foster. Für die Hälfte der Strecke wählten wir hierbei einen Radweg auf einer alten Bahntrasse parallel zur Straße: den „Great Southern Rail Trail“.

Dieser Radweg verläuft meist durch schattigen, kühlen Wald. Besonders imposant wirkt der Riesenfarn entlang dieser Trasse. In dieser Größe hatten wir Farn noch nicht erlebt.

Auch hatte man vom höchsten Punkt ca. 10 km vor Foster einen tollen Ausblick auf die Küste und das küstennahe Land.

Abends in Foster angekommen, fragten wir bei einem Farmer nach einem Zeltplatz und erhielten letztendlich eine Liegefläche in einem Fischerboot in seiner Halle als Schlafplatz. Da wären wir sicher vor jeglichem Getier und dem Wetter. Das war uns sehr recht, denn für morgen war ein Temperatursturz auf 15 °C und Regen vorhergesagt.

Das Klima in Victoria ist sehr wechselhaft. Oft folgen auf sommerliche 35 ° tags darauf 15-20°. Das sind gewaltige Sprünge.

Montag, 30.10.17

Es hatte die ganze Nacht geregnet und am Morgen hatten wir tatsächlich 15 °C. Es war richtig kalt geworden. Und bis zum Mittag kamen immer wieder weitere Regenschauer herunter.

Wir fuhren weiter auf diesem wunderschönen Rail-Trail Richtung Welshpool. Auf eine Besichtigung des „Wilsons Promontory National Park“ im Süden von Foster verzichteten wir schweren Herzens. Doch es hätte für uns 70 km Anfahrt und 70 km Rückfahrt auf derselben Straße bedeutet. Da erschien uns der Aufwand zu groß.

Wir hatten auch nicht mehr viel Zeit für den vor uns liegenden Weg bis Sydney. Für die verbleibenden 3 Wochen bis zum Flug nach Neuseeland hatten wir noch ca. 1000 km Strecke zu bewältigen.

In Welshpool endete der Rail Trail und es ging auf der Straße weiter. Durch den Rückenwind kamen wir zwar gut voran, doch bis Sale waren es noch 100 km durch das flache Inland. Wir versuchten zu trampen und hatten Glück: ein Wagen hielt und das Pärchen nahm uns mit bis Yarram. Dabei legten wir unsere Fahrräder ausnahmsweise aufs Autodach, weil der Kofferraum zu klein war.

Unterwegs boten sie uns dann spontan eine Übernachtung in ihrem Haus in der Nähe von Yarram an. Wir sagten dankend zu und freuten uns, dass uns die heutige Suche nach einem Schlafplatz, wo auch immer das gewesen wäre, erspart blieb.

Dienstag, 31.10.17

Um 7 Uhr war Abfahrt. Bis dahin hatten wir unsere Räder und das Gepäck umgeladen auf ein anderes Fahrzeug der Familie. Und damit brachte uns die Mutter auf ihrem Weg zur Arbeit zurück auf die Hauptstraße. Das ersparte uns 15 km Berg- und Talfahrt durch das Hinterland.

Dann fuhren wir die 75 km bis nach Sale im Norden von Yarram. Das Wetter blieb sehr wechselhaft über den ganzen Tag: Regenschauer und Sonne wechselten sich immer wieder ab. Und es war weiterhin ungemütlich kalt.

Am Nachmittag erreichten wir Sale und fuhren zu unserem verabredeten Warmshowers-Kontakt. Dusche, Bett, Waschmaschine, ein gemeinsames Dinner, … das tat gut nach diesem Tag.

Mittwoch, 01.11.17 – Donnerstag, 02.11.17

Am Mittwoch fuhren wir weiter bis nach Bairnsdale und landeten bei unserem Warmshowers-Kontakt Geoff. Er empfahl uns für den kommenden Tag den East Gippsland Rail Trail Richtung Orbost und begleitete uns dann am Donnerstag mit seinem Bike auch die 35 km bis nach Bruthen.

Nach einer gemeinsamen Mittagspause in Bruthen verabschiedete sich Geoff von uns und wir fuhren noch weiter bis Marlo an der Küste.

Freitag, 03.11.17

Der Regen am Vormittag lud nicht gerade zum frühen Aufbruch ein. Also warteten wir die größeren Schauer ab und kamen somit erst am Mittag auf die Straße.

Diese führte hinter Marlo zunächst ca. 20 km dicht an der Küste entlang. Dabei gab die Botanik immer wieder den Blick auf die Sanddünen und die Brandung frei. Sehr sehenswert.

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Ameisenigel in Australien:    Clip

Auf dem Weg zurück zur Hauptstraße blies uns dann der 12 °C kalte Wind ins Gesicht und wir waren froh, dass wir heißen Tee in unseren Kannen dabei hatten.

Auf der Hauptstraße zurück, kämpften wir uns weiter durch die Hügellandschaft. Und es dauerte gar nicht lange, bis uns klar wurde, dass wir bis zum Einbruch der Dunkelheit unsere nächste Stadt, Cann River, nicht erreichen würden. Also trampen wir bis Cann River und noch weiter bis nach Eden.

Dabei fuhren wir nicht nur über die Grenze zwischen Victoria und South West Wales, sondern auch durch einen traumhaften Regenwald. Die Straße wand sich mit vielen Kurven durch die Hügellandschaft. Und wir waren im Nachhinein froh, dass uns die vielen stellenweise steilen und langen Hügel erspart blieben. Das hätte viel Kraft und Zeit gekostet.

Wir erreichten das Küstenstädtchen Eden nach Einbruch der Dunkelheit. Doch das war heute nicht tragisch, denn auch hier gab es einen Warmshowers-Kontakt, den wir vor einigen Tagen kontaktiert hatten. Somit hatten wir einen Platz für die Nacht und mussten nicht noch lange suchen.
Wir wurden herzlich empfangen und waren nicht die einzigen Gäste. Die Familie war ebenfalls zu Besuch. Denn am morgigen Tag stand das Killerwal-Festival hier in Eden auf dem Plan. Es findet jährlich zum Gedenken an eine außergewöhnliche Kooperation zwischen Mensch und Tier statt:

Die ersten Siedler entdeckten seinerzeit den Walfang als Einnahmequelle und verfütterten einen Teil ihrer Beute (Zunge und Lippen) an die Killerwale in der Twofold Bay. Im Gegenzug half ein Rudel Killerwale den Fischern auf ihrer Jagd nach den Buckelwalen, indem sie die großen Wale in die Arme der Fischer trieben und die Fischer dann durch das Schlagen mit ihrem Schwanz auf die Wasseroberfläche informierten. Eine makabre Kooperation zwischen Mensch und Tier vom Ende des 19. Jh. bis 1928. Die Fischer gaben den Killerwalen Namen (Old Tom, Hooky, Humpy, Stranger) und konnten sie anhand der Rückenflosse identifizieren.

Erst 1979 hat der Walfang in Australien sein Ende gefunden. Seitdem setzt sich Australien wie kaum ein anderes Land für den Schutz der Wale ein. Gut so. Aber zu spät. Viele Walarten sind fast ausgestorben.

Und wir waren nun zufällig zum perfekten Zeitpunkt angereist. Wir wurden in die Vorbereitungen für das Festival integriert (unsere Gastgeber waren Akteure im geplanten Fest-Programm) und waren eingeladen, morgen die Feierlichkeiten zu begleiten.

Samstag, 04.11.17

Zum Frühstück traf man sich im Gemeindehaus und lauschte den Gedichten, die von einigen Einwohnern mit unglaublicher Hingabe und Theater-reifem Talent hier aufgeführt wurden. War nicht ganz einfach zu verstehen mit unseren eingeschränkten Englisch-Kenntnissen. Dann fand ein großer Umzug statt. Fast 2 Stunden lang zogen die Akteure an den Zuschauerreihen vorbei: Schülergruppen, Roadtrains, Trucks, Oldtimer und natürlich Vertreter aus allen Einrichtungen, die mit dem Walfang, den Walen und der Historie von Eden zu tun hatten.

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Oldtimer-Show:    Clip1    Clip2    Clip3

Truck-Show:    Clip1    Clip2

 

Über den ganzen Tag präsentierte sich das Zentrum Edens mit einer Futter-Meile, offenen Shops, Souvenirständen, Ausstellungen einiger Künstler, einer Band und regionalem Handwerk.

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Holzverarbeitung:    Clip

Hafenarbeiten in Eden:    Clip

Zwischendurch besuchten wir das Killer Wale Museum im Zentrum. Auch sehr sehenswert. Unter anderem kann man dort das Skelett des Anführers des erwähnten Killerwal-Rudels, „Old Tom“, besichtigen. Er wurde 1930 tot in der Twofold Bay gefunden. Auch sehr eindrucksvoll sind die ausgestellten riesigen Kieferknochen eines Blauwals.

Abends fand für die Kleinen noch ein Laternenumzug statt und zum Finale gab es ein großes, beeindruckendes Feuerwerk. Was für ein Tag.

Sonntag, 05.11.17

Wie schon auf der Anfahrt bis Eden, so verlief die Straße auch im Norden von Eden weiterhin sehr hügelig: auf den ersten 12 km kamen 300 Höhenmeter zusammen. Da konnten wir uns ausrechnen, wie kaputt wir am Ende des Tages sein würden, wenn wir Bega erreichen. Also versuchten wir zu trampen und landeten nach kurzer Zeit im Pickup eines Tischlers aus Kroatien, der zufällig Mitglied bei Couchsurfing war und uns auf der Fahrt auch prompt eine Übernachtung in seinem Haus im Hinterland von Bega anbot. Was für ein Zufall.

Für die kommende Nacht war Regen vorhergesagt. Da kam uns die unerwartete Einladung natürlich sehr gelegen. Andernfalls hätten wir wahrscheinlich das Zelt aufbauen müssen.

Montag, 06.11.17 – Dienstag, 07.11.17

Wir legten einen Pausentag ein, denn es regnete den gesamten Montag hindurch. Es kam sogar so viel Regen herunter, dass einige Straßen im Umkreis unter Wasser standen. Da wären wir mit unseren Fahrrädern wohl auch baden gegangen. Derweil genossen wir eine nette Zeit mit unserem Gastgeber. Er war ein hervorragender Hobbykoch und wir hatten viel Spaß miteinander. Hier aßen wir auch zum ersten Mal Abalone, eine Delikatesse aus dem Bereich der Meerestiere.

Am Dienstag kam die Sonne wieder hervor und wir wollten weiterfahren. Ein kurzer Check der Räder vor der Abfahrt offenbarte dann aber erst einmal Arbeit für mich: Annett hatte vorne einen Plattfuß und im hinteren Mantel steckte eine dicke, selbstschneidende Schaube seitlich im Profil. Das tut schon etwas weh, wenn ein nagelneuer Mantel direkt so gequält wird. Aber zum Glück war die Karkasse nicht beschädigt.

Ich reparierte den Plattfuß und dann fuhren wir weiter. Wir radelten dabei stundenlang durch die schönste Hügellandschaft und durch dichten Regenwald. Ab und zu liefen uns Wallabys oder Kängurus über den Weg.

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Kängurus in Australien:    Clip

Und am Strand bei Cuttagee hielten wir Ausschau nach Walen. Bei so einem stürmischen Wind wie heute sollen sie laut der Einheimischen wohl nahe der Küste zuhauf herumspringen. Doch so sehr wir uns auch bemühten, wir sahen keine Wale. Schade. Dafür erlebten wir am Strand eine wahre Invasion der „Portugiesischen Galeere“, einer Quallenart, deren Nesselgift mal wieder eine besondere Gefahr für uns Menschen darstellt.

Kurz vor der Dunkelheit erreichten wir dann Bermagui, unser Tagesziel.

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Küstenpfad:    Clip

Mittwoch, 08.11.17

Annett hatte die gesamte Nacht auf einer luftleeren Matte geschlafen. Es gab also wieder ein Loch in der Matte. Das war die erste Gelegenheit, das neue Reparaturkit von Thermarest zu testen. In weiser Voraussicht hatten wir uns dieses Kit vor einigen Monaten aus der Heimat schicken lassen. Denn eines war sicher: die nächste Reparatur wäre mit der angebrochenen Tube Kleber von Thermarest nicht mehr machbar gewesen.

Ich fand das Loch auf der Rückseite der Matte, reinigte die Stelle mit unserem Brennspiritus (wie gut, dass wir Spiritus zum Kochen verwenden) und dichtete das Loch mit einem dieser selbstklebenden Pads ab. Das war deutlich einfacher und schneller als die Prozedur mit dem Kleber aus der Tube. Den musste man nämlich vor der Anwendung erst in kochendem Wasser 7 min lang weichkochen.

Nach der Reparatur radelten wir weiter die Küste entlang bis nach Narooma. Die Straße führte dabei wieder durch die schönste Seenlandschaft. Allerdings sorgten die Hügel auch wieder für viele Höhenmeter und ausgiebige Fahrrad-Schieberei.

Hinter Narooma nahm uns ein Pickup mit bis nach Bodalla, wo uns der Fahrer in seinem Haus eine Übernachtung anbot. Wir kochten zusammen ein Dinner für immerhin 7 Personen und verlebten einen netten Abend im Kreis der Familie.

Donnerstag, 09.11.17

Und auch heute genossen wir eine wunderschöne Hügellandschaft mit vielen Wasserflächen (bei Tuross Head) entlang der Straße. Allerdings setzte uns der Verkehr ordentlich zu auf dieser Strecke. Der Princes Highway ist hier sehr stark befahren. Und der schmale, raue Seitenstreifen fühlte sich stellenweise an wie Kopfsteinpflaster.

Hinter Moruya konnten wir den Highway endlich wieder verlassen und fuhren auf der ruhigen Küstenstraße weiter. Nach einigen km führte dieser Weg über Schotter als Wanderweg direkt am Strand entlang. Traumhaft.

Wir fuhren noch bis hinter Broulee und suchten in einer ruhigen Seitenstraße nach einem Platz fürs Zelt. Und da hatten wir wohl zufällig gleich bei den richtigen Leuten gefragt:

Wir könnten das Zelt hier hinter dem Haus im Garten aufstellen und wurden gleich auf ein Bier eingeladen. Nach einer halben Stunde wurde aus dem Zeltplatz ein Zimmer mit Gästebett und nach dem gemeinsamen Dinner stand fest: morgen gehen wir fischen auf offener See.

Freitag, 10.11.17

Um 8 Uhr fuhren wir zu viert zum Hafen, ließen das Boot zu Wasser und fuhren raus aufs Meer. Nach einigen km machte Mark den Motor aus und jeder schnappte sich eine dieser vielen Angelruten an Bord. Als Köder hatte Mark Kleinfisch und Garnelen bereit gelegt.

Mark hatte beim ersten Wurf schon einen großen Fisch an der Angel, da war das Senkblei seiner Angel noch gar nicht auf dem Meeresgrund angekommen. Das war schon mal ein erfolgsversprechender Auftakt. Danach folgten einige kleinere Exemplare an unseren Angeln, aber der erwartete, große Fang blieb aus.

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Fischen auf See:    Clip1    Clip2    Clip3    Clip4

Nach einer halben Stunde stattete die Fischerei-Patrouille uns einen Besuch ab und kontrollierte alles an Bord. Es sind wohl nur maximal 10 Fische als Fangvolumen erlaubt. Da waren wir aber mit bisher einem Fisch noch weit vom Limit entfernt.

Wir wechselten mehrfach das Fanggebiet und irgendwann hatte ich dann plötzlich auch Zug auf meiner Angelschnur. Doch es war ein Kugelfisch. Und der ist bekanntlich giftig. Also wurde er per Zange berührungslos wieder vom Haken befreit und zurück ins Meer befördert. Kurz darauf verfing sich eine Qualle an meinem Haken. Die ging auch wieder zurück ins Meer.

Ich war mittlerweile mächtig seekrank. Mir war speiübel. Doch nachdem ich mein Frühstück noch ein zweites Mal sehen durfte, wurde es etwas erträglicher. Es blieb aber dennoch wichtig für mich, den Horizont immer im Auge zu behalten.

Irgendwann hatte ich dann einen großen Fisch am Haken. Mark erkannte das sofort, als er sah, wie stark sich meine Rute bog. Er kam mir sofort mit dem Netz zur Hilfe, um den Fang sicher an Bord zu holen. Danach folgten noch einige kleine Exemplare. Allesamt waren es Krokodilfische (Flathead). Nach ca. 3 Stunden fuhren wir zurück in den Hafen und luden das Boot wieder auf den Trailer.

Sehr praktisch ist der öffentliche Arbeitstisch mit Wasseranschluss direkt am Bootssteg, wo man den Fang säubern und küchenfertig zubereiten kann. Und Pelikane, Kormorane, Möwen und Stachelrochen wissen nur zu gut, dass es hier regelmäßig Fischreste zu ergattern gibt. Dementsprechend stark bevölkert war die Stelle, während wir unseren Fang verarbeiteten.

Unsere Videos auf Youtube:

Stachelrochen:    Clip

Warten auf Fischreste:    Clip1    Clip2    Clip3

Futterstreit:    Clip

Zu Hause angekommen, gab es direkt eine Portion Fisch frisch aus der Pfanne. Lecker, was wir da gerade gefangen hatten.

Allerdings blieb bei mir bis zum Abend ein unangenehmes Gefühl im Magen. Die Seekrankheit wirkt noch lange nach.

Annett hatte in dieser Hinsicht weniger Probleme und nutzte die vorhandene Waschmaschine noch für einen großen Waschgang unserer Garderobe. Beim Aufhängen der Wäsche tanzte sie dann allerdings, um sich die aggressiven Ameisen vom Leib zu halten, die sofort an ihren Beinen hochkrabbeln wollten, sobald sie ruhig auf der Stelle stehenblieb.

Samstag, 11.11.17

Wir verabschiedeten uns und fuhren weiter diese schöne Küstenstraße entlang. Sie führte jetzt durch einige kleine Städtchen mit Badestrand und Steilküste. Im Norden von Batemans Bay verließen wir den Highway für einen Abstecher Richtung Depot Beach und Pebbly Beach in den Murramarang National Park. Auf dem gesamten Weg bis zum Strand genossen wir dabei eine fantastische Regenwald-Kulisse.

Unsere Videos auf Youtube:

Loris in Australien:    Clip

Kängurus:    Clip

Unser Gepäck hatten wir am erstbesten Haus im Garten abgestellt, weil wir auf dieser Stichstraße wieder zurückfahren würden. Und als wir dann 2 Stunden später wieder bei unseren Sachen eintrafen, boten uns die Bewohner, Kim & Sharralyn, die Übernachtung per Zelt im Garten an.

Das kam uns sehr recht, weil die Dämmerung schon eingesetzt hatte.

Sonntag, 12.11.17

Die Sonne schien und zum Frühstück konnten wir die vielen Kängurus auf der Wiese neben dem Haus unseres Gastgebers beobachten. Das war schon ein besonderes Erlebnis. Beim Abschied luden uns Kim und Sharralyn dann noch ein, sie doch in einigen Tagen in ihrem anderen Haus in Wollongong zu besuchen. Damit hatten wir für dieser Stadt schon einen Übernachtungs-Platz, super.

Heute war ein wunderschöner Radeltag. Wenn da nicht pausenlos diese extremen Anstiege und der heftige Gegenwind gewesen wären. Wir kamen nicht besonders schnell voran. Ich durfte tatsächlich jeden Anstieg schieben. Auch der Asphalt auf unserem Randstreifen war sehr rau und buckelig. Es fuhr sich wie grober Schotter. Auf Dauer sehr unangenehm.

Lange hielten wir nicht durch: nach 2 Stunden versuchten wir zu trampen. Doch es hielt lediglich ein Pickup mit nur einem freien Sitzplatz. Wir luden unser Gepäck und Annetts Fahrrad auf den Wagen und ich fuhr weiter per Fahrrad bis zum vereinbarten Treffpunkt in Ulladulla.

Das Radeln ging für die verbleibenden 25 km zwar leichter von der Hand, doch es blieb trotzdem ungewöhnlich anstrengend. So erreichte ich Ulladulla nach 1,5 Stunden und war geschafft wie nach einem Tag mit 100 km Strecke.

Nach einer Pause fuhren wir weiter Richtung Nowra und suchten uns in einem kleinen Dorf an der Straße eine Bleibe für die Nacht. Zufällig war unser Gastgeber Truckfahrer und bot uns im Laufe des Abends für morgen die Mitnahme unserer Räder in seinem Truck bis nach Berry an.

Montag, 13.11.17

Um 6:30 war Aufbruch und wir fuhren auf dem Lkw bis nach Berry. Das waren 50 km Strecke mit vielen Höhenmetern. Zum Abschied gingen wir gemeinsam Pie essen. Dann fuhren wir auf dem Küstenweg bis nach Kiama. Dabei war die gesamte Küstenlinie ein einziger Hochgenuss: Steilküste, zerklüftete Felsen und Wellen, in denen sich die Surfer tummelten. Folgt man dem Küstenpfad, erlebt man die gesamte Küstenlinie aus nächster Nähe.

Wir nahmen uns heute einmal Zeit für eine Badepause, obwohl das Wasser noch recht kühl war. Aber das Tauchen in den Wellen war grandios. Sehr angenehm: an jedem Strand gibt es eine Dusche, um das Salzwasser wieder abzuspülen.

Dann fuhren wir zu unserem Warmshowers-Kontakt für heute.

Dienstag, 14.11.17 – Mittwoch, 15.11.17

Wir blieben zwei Nächte und hatten Gelegenheit, mal wieder die Fotos und Videos der letzten Wochen zu verarbeiten. Dank der guten Internet-Verbindung ging das Hochladen der Videoclips auf unseren Youtube-Kanal relativ schnell von statten.

Daneben stand auch die Vorbereitung unserer nächsten Reiseländer an: nach Australien und Neuseeland wäre Südamerika unser nächster Kontinent. Die Route durch Chile, Argentinien, Brasilien, Bolivien und Peru hatte ich nur grob geplant vor unserer Abreise in 2015. Den Rest wollte ich jetzt nachholen: Umfang der Sehenswürdigkeiten zusammenstellen, Strecken planen, das Klima für die angedachten Aufenthaltszeiten in allen Ländern checken, usw.

Der Flug von Australien nach Südamerika wird nicht preiswert sein, das war uns schon klar. Südamerika gehört nicht zu den Flug-Rennstrecken. Und von Sydney aus gibt es nicht viele Flüge dorthin.

Am Mittwoch fuhren wir dann weiter den schönen Küstenradweg Richtung Wollongong. Was uns dabei deutlich zu schaffen machte, war der Gegenwind. Er war so stark, dass uns die lediglich 35 km heute schon zu viel waren. Wir benötigten 4 Stunden Fahrzeit und kamen nur im Schritttempo voran.

Unser Video auf Youtube:

Kakadu in Australien:    Clip

Der Weg zu dem Haus von Kim & Sharralyn, die uns vor einigen Tagen eingeladen hatten, führte natürlich steil in den Berghang hinauf. Der Weg war stellenweise derart steil, dass ich Annett beim Hochschieben helfen musste. Denn mit ihrer kranken Schulter ging das Schieben gar nicht.

Donnerstag, 16.11.17

Sharralyn hatte ein traumhaftes Frühstück zubereitet: Eier mit gebratenem Schinken, Pilzen und Tomate. Danach ging es weiter auf dem Küstenradweg Richtung Stanwell Park. Der Gegenwind blieb uns auch heute treu. Und so kämpften wir uns meterweise voran. Nur gut, dass wir heute wieder nur 30 km Weg vor uns hatten.

Auf halber Strecke endete der schöne Küstenradweg und es ging auf der stark hügeligen Küstenstraße neben dem Verkehr weiter. Jetzt sammelten wir also wieder Höhenmeter.

Hinter Clifton führt die Straße direkt vor der Felswand über eine spektakuläre Brücke. Die Unwegsamkeit dieser steilen Felswand hatte wohl keine Straßenführung im Fels zugelassen.

Am späten Nachmittag zogen dann plötzlich dicke Wolken auf und es begann zu regnen. Da erhöhten wir das Tempo und kamen glücklicherweise noch vor dem großen Regen und kurz vor der Dunkelheit in Stanwell Park bei unserem Warmshowers- Gastgeber an.

Freitag, 17.11.17

Der Regen hatte sich verzogen und es sollte wieder ein sonniger Tag werden. Von der Terrasse aus hörte man das Rauschen der Brandung und hatte einen tollen Blick in die dichte Botanik rings herum. Traumhafte Bedingungen für ein Frühstück im Freien.

Nach dem Frühstück nahmen wir uns noch ausgiebig Zeit, um die außerordentliche Gestaltung von Haus und Garten auf uns wirken zu lassen: unser Gastgeber töpferte und hatte sein Anwesen über die Jahre mit seiner Kreativität und seinen Werken in eine Kunst-Oase verwandelt. Das gesamte Geschirr, die Kücheneinrichtung, Regenrinnen, Springbrunnen, Skulpturen, Grimassen, Elemente aus den Werken von Gaudi, Hundertwasser, Picasso, Leonardo da Vinci und anderer bekannter Künstler, … man benötigt mehrere Stunden, um alles zu entdecken und zu erfassen. Das gesamte Anwesen glich einem Museum. Ein faszinierendes Erlebnis.

Nach dem Abschied verließen wir Stanwell Park und durften dabei erst einmal 100 Höhenmeter stemmen. Eine traumhafte Aussicht auf die gesamte südliche Küstenlinie entschädigte allerdings für die schweißtreibende Schieberei.

Ab hier stand der Weg durch den Royal National Park bis nach Sutherland im Süden von Sydney auf dem Plan. Das war nicht nur der Weg mit den wenigsten Höhenmetern im Süden Sydneys, sondern auch gleichzeitig einer der schönsten Naturpfade, die wir auf unserer Reise durch Australien erleben durften. Wir sahen exotische Botanik, riesige Bäume, einen wilden Bachlauf und schroffe Sandsteinfelsen, die bis in den Weg hineinragten.

Und auch heute erreichten wir unsere Unterkunft erst kurz vor Einbruch der Dunkelheit.

Samstag, 18.11.17

Wir waren mittlerweile schon im Ballungsraum von Sydney angekommen. Somit waren wir ab heute umgeben von dichter Bebauung und hohem Verkehrsaufkommen. Nur gut, dass auf unserer digitalen Karte alle Fahrrad-geeigneten Straßen und Pfade farblich markiert sind. Das ersparte uns jetzt die großen Highways.

Und so fuhren wir heute immer auf kleinen, ruhigen Wegen am Ufer der vielen, zerklüfteten Verzweigungen im Mündungsdelta des Georges River entlang. Es standen nur 20 km Strecke bis zu unserer heutigen Unterkunft auf dem Plan. Viel mehr Strecke hätten wir uns heute bei diesem heftigen Gegenwind aber auch nicht gewünscht.

So hatten wir genug Zeit, um den Kitesurfern beim Spiel in der Brandung draußen auf der offenen See zuzuschauen. Einer der Kitesurfer, Ben, sprach uns dann interessiert auf unsere Radreise an. Und er bot uns spontan eine Übernachtung bei seinem Bruder in Sydney an. Doch wir hatten für die nächsten Nächte bis zum anstehenden Flug nach Neuseeland ja schon unsere Unterkünfte arrangiert.
Und dann stellte sich heraus, dass Bens Bruder bei Warmshowers gelistet ist und wir bei genau diesem Bruder, Aaron, ab übermorgen in Sydney verabredet waren. So klein ist die Welt.

Unsere Videos auf Youtube:

Sportsegler:    Clip

Kitesurfen vor Sydney:    Clip

Foil-Kite vor Sydney:    Clip

Sonntag, 19.11.17 – Montag, 20.11.17

Wir blieben 2 Nächte bei Paul, unserer Bleibe im Süden von Sydney. Er bot uns WiFi an und somit hatten wir die Gelegenheit, unsere Vorbereitungen für Südamerika fortzusetzen.

Am Montag fuhren wir weiter bis in die Südstadt von Sydney. Dabei achteten wir sehr sorgsam darauf, nur die ruhigsten Straßen aus unserer digitalen Karte zu wählen. So hatten wir eine gemütliche und ruhige Fahrt durch den Süden Sydneys und trafen abends bei Aaron ein. Seinen Bruder Ben kannten wir ja schon.

Dienstag, 21.11.17 – Donnerstag, 23.11.17

Wir hatten 3 Tage Aufenthalt im Süden von Sydney. Da war neben den üblichen Vorbereitungen für den anstehenden Flug nach Neuseeland auch mindestens ein Tag Besichtigungsprogramm im Zentrum der Metropole geplant. Doch wieder einmal kam alles anders als geplant:

Für strategisch günstig hielten wir eine Unterkunft in der Nähe des Flughafens. Das vereinfacht den Transfer per Taxi am Abflugtag und hält die Kosten im Zaum (so dachten wir zumindest). In der Nähe befanden sich auch 3 Bikeshops. Das sollte reichen für die Beschaffung der Fahrradkartons.

Doch tatsächlich verlief die Suche nach Bikekartons für den Flug ausgesprochen zeitaufwändig: 2 Bikeshops gab es nicht mehr und der dritte Laden war ein Motorrad-Ausrüster. Da blieb mir nichts anderes übrig, als 10 km weiter Richtung Zentrum die nächsten Bikeshops abzufahren. Insgesamt benötigte ich dieses Mal anderthalb Tage für diese Aktion.

Zufällig fand sich sogar ein Fahrrad-Karton, der mit 1550 x 860 x 235 mm deutlich größer in allen Dimensionen war, als die Kartons auf unseren bisherigen Flügen. Das sollte mir den Abbau des hinteren Schutzblechs ersparen, immerhin etwas weniger Arbeit.

Erstmalig hatten wir auch eine Personenwaage zur Verfügung, die offensichtlich korrekte Werte anzeigte. Somit war sichergestellt, dass wir bei unserem Gepäck nicht die Gewichtsgrenzen überschreiten würden. Die beiden leeren Fahrrad-Kartons wogen allerdings zusammen schon alleine über 9 kg. Das tut schon weh. Denn in der Regel hat man lediglich 30 kg Freigepäck pro Person.

Wir beschlossen, die auf Neuseeland nicht benötigten Gepäckstücke für die kommenden Monate in Sydney bei Aaron & Ben einzulagern. Das erleichterte unsere Gepäckmasse schon einmal um einige kg und schaffte ungewohnt viel Platz in den Packtaschen. Platz, den wir für Proviant-Vorräte benötigen würden. Im Rahmen unseres zweiten Aufenthalts in Australien würden wir die Dinge dann später wieder mitnehmen.

Die Neuseeländer sind bezüglich der Quarantäne-Vorschriften bei der Einreise genauso pingelig wie die australischen Kollegen. Daher war auch diesmal wieder eine akribische Reinigung der gesamten Ausrüstung, insbesondere der Fahrräder, unumgänglich.

Vor dem Zerlegen der Räder wollte ich dann noch beide Fahrradketten wechseln und bei mir einen neuen Freilauf montieren. Die Knackgeräusche aus meinem Freilauf kündigten das nahende Ende schon seit einigen Wochen an. Nur gut, dass wir ja seit Bangkok Ersatz im Gepäck haben. Ich nahm einen der beiden neuen Freiläufe aus unserer Ersatzteilbox, suchte mir eine Autowerkstatt, wo ich mir den notwendigen 14er Inbusschlüssel ausleihen konnte und machte mich ans Werk.

Normalerweise ist der Wechsel in einer Stunde erledigt. Doch auch das lief heute ganz anders.

Bei der Montage bemerkte ich zufällig, dass die Dichtung auf der Rückseite des Freilaufs vorstand. Und sie ließ sich nicht in die Nut drücken, so sehr ich mich auch bemühte. Die Dichtung war verzogen und damit unbrauchbar. Und ohne Dichtung war der gesamte Freilauf wertlos. Denn ohne saubere Abdichtung läuft beim kleinsten Regenguss Wasser ins Kugellager. Das geht gar nicht.

Ich beschloss, den Dichtring aus dem alten Freilauf im neuen Freilauf einzubauen. Doch dafür musste ich den alten Freilauf zerlegen. Und das geht nur mit dem Spezialwerkzeug, was hier in Sydney natürlich in keinem Bikeshop zu finden war. Nachdem ich also erneut alle Bikeshops in der Südstadt abgefahren hatte, fuhr ich frustriert nach Hause, um den anderen neuen Freilauf zu holen, fuhr damit erneut in die Autowerkstatt und baute diesen dann ein. Zum Glück war die Dichtung an diesem Freilauf intakt.

Die ganze Aktion kostete mich in Summe 7 Stunden und war sehr frustrierend. Übrig blieben danach zwei Freiläufe, die ich in den nächsten Tagen Richtung Heimat schicken konnte: den alten abgenutzten, aus dem ich die Dichtung noch ausbauen wollte und der neue Freilauf mit der defekten Dichtung.

Und durch all diese unerwarteten Ereignisse blieb am Ende nicht mal ein Tag für die Besichtigung Sydneys übrig. Das war schon etwas bitter. Trösten konnte uns da nur die Gewissheit, dass wir nach den anstehenden 3 Monaten Neuseeland erneut für 3 Monate in Australien an der Küste entlang radeln werden und Sydney ein zweites Mal ansteuern würden.

Freitag, 24.11.17

Heute endete unser erster Aufenthalt in Australien. 90 Tage waren wir auf diesem Kontinent unterwegs. Und um 19 Uhr ging unser Flieger nach Christchurch, Neuseeland.

Wir hatten gestern schon mit dem Packen der Kartons angefangen. Doch am Ende fehlt wie immer die nötige Zeit, um stressfrei fertig zu werden. Das führte dann auch gleich zu einer Wartezeit für das bestellte Taxi. So wurden aus den angekündigten 33 $ mit einem Schlag 71 $. Das war happig. Wir konnten auf 60 $ herunterhandeln, doch ärgerlich blieb es allemal. Die Strecke war nicht einmal 5 km lang.

Wir suchten unseren Check-In-Bereich und dann stockte mir der Atem: eine meiner Packtaschen fehlte. Sie musste noch im Taxi irgendwo zwischen den Sitzen herumstehen. Der Taxifahrer hatte sie wohl zwischen die Sitzreihen gestellt und ich hatte sie beim Ausladen dann übersehen, als mein Blick ein letztes Mal durch den Bus schweifte.

Doch das Taxi war längst verschwunden und meine Packtasche wurde jetzt weiter durch Sydney kutschiert. Es war übrigens unsere wichtigste Tasche: alle Wertsachen, Dokumente, elektronischen Geräte, … alles war in dieser Tasche. Jetzt stieg mein Puls und mir brach der Schweiß aus.

Aaron, der uns freundlicherweise gestern das Taxi bestellt hatte, war nicht zu erreichen. Sein Bruder ebenfalls nicht. Wir hatten keine Kontaktdaten der Taxi-Zentrale, kannten noch nicht einmal den Namen der Agentur. Und in 2,5 Stunden ging unser Flug.

Während ich mit dem Telefonieren beschäftigt war, kontaktierte Annett die Bahnhofspolizei, die gerade an uns vorbei patrouillierte, und sie versuchten zu helfen. Wir erreichten Aaron dann irgendwie doch noch und er teilte uns die Kontaktdaten der Taxi-Zentrale durch. Nach wenigen Minuten hatten wir über Abfahrtzeit und Abhol-Adresse den Fahrer identifiziert und ….

… da erblickte ich in der Ferne unseren Taxifahrer. Er kam eilig auf uns zu gerannt und hielt dabei meine Packtasche in die Luft. „Ihr habt da was vergessen“! Ich war so erleichtert wie noch nie auf unserer großen Radreise.

Das hätte ganz schön schief laufen können. Der Verlust aller Wertsachen und Dokumente, ein verpasster Flug, die Überschreitung der Aufenthaltserlaubnis, … das wäre der Super-GAU geworden.

Wir bedankten uns bei allen Beteiligten und waren nun doch noch rechtzeitig am Check-In. Beim Gepäckgewicht hatten wir heute ausnahmsweise noch Spielraum nach oben, weil wir ja einen vollen Karton mit Ausrüstung für die nächsten 6 Monate in Sydney gelassen hatten.

Der Flug verlief dann ohne besondere Vorkommnisse. Bemerkenswert fanden wir lediglich die 2 Stunden Zeitverschiebung zwischen Sydney und Christchurch, obwohl die Entfernung nur gerade einmal 2100 km beträgt.

So erreichten wir Christchurch nach Mitternacht. Erste Station: Passkontrolle und Einreise-Formalitäten. Vor uns standen ca. 100 Personen in der Schlange und von den 3 Schaltern war lediglich ein Schalter besetzt. Selten haben wir so lange in der Schlange gestanden.

Nächste Station: die Überprüfung des Gepäcks nach den herrschenden Quarantäne-Richtlinien. Das kannten wir schon von unserer Einreise nach Australien. Doch die Abwicklung heute hier in Neuseeland hatte eine ganz andere Dimension:

Die Fahrräder wurden abgeleuchtet und auf Erdstaub untersucht. Ich hatte sie wohl vorbildlich gereinigt und wir bekamen die Freigabe-Banderole auf die Kartons geklebt. Den Proviant sahen sie sich ebenfalls genauestens an. Die Krönung wurde allerdings unser Zelt. Das wanderte direkt ins Quarantäne-Labor und wurde regelrecht zerpflückt und auf links gedreht. Selbst in den hintersten Ecken im Innenzelt suchten die Beamten nach Erdstaub und irgendwelchen Tierchen. Auch Zeltstangen und Häringe schauten sie sich genau an. Ich benötigte danach 15 min, bis ich das Zelt wieder entwirrt hatte und verpacken konnte.

Die letzte Instanz war dann der Spürhund. Er schnüffelt alle Gepäckstücke ab und sucht nach Lebensmitteln im Gepäck, das auf der Deklarationskarte womöglich unterschlagen wurde. Wenn sie einen verbotenen, nicht deklarierten Gegenstand finden, sind 400 $ Strafe fällig.

Doch wir hatten ja alles deklariert und hatten dementsprechend nichts zu befürchten. Allerdings schwebt die gesamte Zeit über ein Gefühl der Unsicherheit über einen. Hatte man wirklich nichts vergessen auf der Deklarationskarte?

Um es einmal plakativ zu verdeutlichen: ein Strohhut gilt als pflanzliches Produkt, ein Daunenschlafsack enthält ein tierisches Produkt. Beides muss man angeben auf dieser Karte. Einer Einfuhr dieser Gegenstände ins Land steht nichts entgegen, doch wenn es nicht deklariert wurde, machen die Beamten Stress.

Die gesamte Prozedur erinnerte uns stark an die Ein- und Ausreise-Kontrollen in Usbekistan. Ganze 2 Stunden hatten sie uns in der Mangel. Um 2:30 Uhr waren wir dann fertig und durften den Ausgang ansteuern. Wir waren in Neuseeland angekommen.

Weiter geht es im Artikel Neuseeland 2017-2018.

Resume Australien

Australien ist bestimmt kein klassisches Land für Reiserad-Touren. Die Entfernungen zwischen den sehenswerten Plätzen und den einzelnen kleinen Dörfern oder Städten sind gewaltig groß und es gibt kaum Zivilisation in den meisten Teilen des Landes. Das betrifft auch das Land zwischen den Städten im Bereich der stärker besiedelten Gebiete. Denn die gerade einmal 25 Mio. Einwohner leben überwiegend an der Ostküste, im Staat Victoria und im Einzugsgebiet von Perth an der Westküste. Doch sie leben vor allem in den Städten und selten auf dem Land.

Das Panorama in den interessanten Gebieten von Australien ist sehr hügelig. Das bedeutet: viele Höhenmeter, die man per Fahrrad überwinden muss (weite Teile des Outback und Nullarbor bilden hier eine Ausnahme). Da kamen für uns auf 1800 km gefahrener Strecke über 13.500 Höhenmeter zusammen.

Dabei ist das Gepäck am Fahrrad auf einer Radreise durch Australien um einiges schwerer, weil man oft Lebensmittel für mehrere Tage auf Vorrat mitschleppen muss. Ähnlich ist es mit dem Trinkwasser: wir hatten stets über 4 Liter an Bord, weil man nie weiß, wo sich die nächste Gelegenheit zum Nachfüllen befindet.

Auch die Suche nach einem Übernachtungsplatz war an manchen Tagen sehr schwierig. In den vielen Nationalparks ist Zelten meist verboten und auf den wenigen Farmen nahe der Straße war abends oftmals keiner zu Hause. Zelten auf privatem Grund ohne zu fragen kam für uns nicht in Frage und Zelten inmitten der gewachsenen Steppe wollten wir vermeiden wegen der giftigen Tierwelt: Schlangen, Spinnen, Skorpione und Ameisen werden durch ihr Gift schnell zu einer tödlichen Gefahr in Australien.

In vielen Städten befindet sich am Stadtrand ein großes Sportgelände für Fußball, Baseball, Cricket und Tennis. Dort fanden wir oft einen Zeltplatz oder eine überdachte Tribüne als Schlafplatz. Wir fragten stets den Platzwart oder einen Anwohner und es gab nie eine Absage.

Auf langen Strecken zwischen den Städten gibt es meist nur ein „Roadhouse“: hier kann man tanken, einkaufen, essen, trinken und duschen. Und manchmal ist auch ein kleiner kostenpflichtiger Campingplatz angebunden. Daneben findet man mancherorts auch kostenfreie Übernachtungsplätze am Highway, die vor allem für Campervans und Wohnwagen ausgelegt sind.

Unsere Erfahrungen mit Warmshowers und Couchsurfing in Australien: in vielen Dörfern sind zwar Mitglieder gelistet, aber die Trefferquote war dort stellenweise sehr mager. Viele melden sich nicht, sind gerade auf Tour oder die Accounts sind verwaist und überholt. In den Städten hatten wir da etwas mehr Glück.

Die Einreise nach Australien war für uns in jeder nur denkbaren Hinsicht der Sprung in eine andere Welt. Wir kamen aus der immerwährenden tropischer Hitze Südostasiens in den australischen Winter im Südwesten des Kontinents und hatten somit über 20 °C Temperatursturz.

Aber auch Bevölkerungsdichte, Religion, Kultur, Mentalität, Lebensstandard, Sauberkeit, Preisniveau, Verkehr und Straßennetz, …. all das war völlig anders als in den allermeisten asiatischen Ländern, die wir in den letzten 12 Monaten bereist hatten. Größer konnte der Sprung in das nächste Reiseland kaum ausfallen. Dabei liegen beide Kontinente stellenweise mit nur 500 km Distanz sehr dicht bei einander.

Trampen ist zwar möglich, aber es hält kaum jemand, weil es unter Strafe nicht erlaubt ist, dass man als Mitfahrender auf der offenen Ladefläche sitzt. Am besten klappt es also, wenn im Fahrerhaus Platz für weitere Personen ist und wenn das Fahrzeug gerade steht, sodass man den Fahrer direkt ansprechen kann. Der schwierigste Punkt beim Trampen ist allerdings das geringe Verkehrsaufkommen. Auf vielen Straßen abseits der Ostküste fahren kaum Autos: mancherorts vielleicht 5 Autos pro Stunde. Da kann es Stunden dauern, bis sich ein geeigneter Wagen findet.

Wir erlebten in Australien überwiegend gute Straßen, solange wir auf den großen Highways oder in den Städten unterwegs waren. Sydney bildet hier die Ausnahme: die Straßenqualität ist dort sehr schlecht.

Nebenstrecken bestehen meist aus Schotter und Lehm, oft auch mit Waschbrettprofil. Und mancher Highway hat massive Schäden durch den Schwerlastverkehr.

Im Wesentlichen lassen sich die Straßen außerhalb der Städte in zwei Extreme gruppieren:

  • Endlos lange, gerade Straßen durch die Ebene ohne Zivilisation
  • Kurvenreiche Straßen in hügeligem Gelände mit unzählig vielen, extremen Anstiegen

Beide Varianten sind kein Vergnügen für Reiseradler mit schwerem Gepäck. Insbesondere, wenn der Straßenbelag sehr rau und holprig und der Randstreifen viel zu schmal ist.

Schwerlastverkehr definiert sich hier in Australien etwas größer als aus Europa gewöhnt: über die langen Distanzen fahren „Road Trains“, LKWs mit bis zu 53 Metern Länge und 116 Tonnen (in Ausnahmen bis 125 Tonnen) Gesamtgewicht. Wenn sie in voller Geschwindigkeit (100 km/h) an einem Radler vorbeiziehen, dann sind Größe und Motorendröhnen sehr beeindruckend. Die Druckwelle ist nicht ganz ungefährlich für Radler. Das Radfahren bei Dunkelheit wird da schon zu einem gefährlichen Unterfangen.

Radwege findet man vor allem in Perth und anderen Großstädten. Sogar in die Abbieger-Spuren mancher Kreuzung sind Radwege integriert. Aber das Radeln auf der Straße ist auch kein Problem: die allermeisten Verkehrsteilnehmer fahren rücksichtsvoll, halten Abstand beim Überholen oder bremsen sogar vor dem Überholen.

Doch je intensiver man in den Ballungsraum an der Ostküste eintaucht, desto gefährlicher werden Straßen und Verkehr. In Sydney empfanden wir das Unfall-Risiko für Radler besonders hoch. Die Straßen in Sydney sind meist ausgesprochen eng und erlauben dem Autoverkehr in der Regel nicht, mit ausreichendem Seitenabstand zu überholen. Da wird das Radeln sowohl mit als auch ohne Gepäck zu einem extrem gefährlichen Lotteriespiel. Auf den belebten Straßen weicht man am besten auf die Bürgersteige aus.

Oder man nutzt konsequent die Radwege in Sydney. Um sie zu finden, haben wir uns die Karte für Radfahrer von OSM heruntergeladen.

Der Fahrradhelm ist Pflicht in Australien: man wird von der Polizei schon angezählt, wenn man ohne Helm nur mal eben die Straßenseite wechselt.

Hohes Verkehrsaufkommen gibt es nur in den größeren Städten. Auf dem Land erlebt man oft leere Straßen. Dort sieht man kaum mehr als 10 Fahrzeuge stündlich, in manchen Gegenden unter 5 Autos pro Stunde.

Die Bebauung in den Städten ist meist sehr weiträumig und man trifft außerhalb des Stadtzentrums über viele km keinen Menschen auf den Straßen.

Es gibt Supermärkte wie in Europa: Coles, IGA und Woolworth sind die größten Warenhaus-Ketten. Sogar Aldi ist vertreten in manchen Großstädten.

Australien ist teuer. Eine Arztkonsultation kostet mindestens 70 $, Blutabnahme 50 $, Schokolade und andere wichtige Lebensmittel sind auch relativ teuer.

Die Bargeldbeschaffung am ATM erfolgt problemlos. Aber die Banken erheben zum Teil saftige Gebühren: einige Banken nehmen 3 $, andere 4,5 % vom Betrag, die ANZ nimmt 0% Gebühr.

Die Menschen in Australien sind sehr aufgeschlossen. Und sie sind gut zu verstehen, solange sie sauberes Englisch sprechen. Der australische Slang hingegen hört sich an, wie eine andere Sprache. Das machte die Verständigung mit manchen Personen etwas schwierig.

Barbecue ist in Australien offensichtlich ein Massen-Freizeit-Vertreib. In jedem noch so kleinen Dorf findet man Rast- oder Spiel-Plätze mit einem überdachten, öffentlichen Gasgrill, der kostenlos oder gegen eine Münze genutzt werden kann. Die Anlagen sind sehr professionell ausgestattet und werden von der Bevölkerung immer und überall gut gepflegt. Auch privat gehört der Gasgrill zu den ersten Anschaffungen überhaupt.

Zu den Besonderheiten in Australien gehört ohne Frage auch die Tierwelt. Auf keinem anderen Kontinent gibt es so viele Besonderheiten: 80 bis 90 % der dort lebenden Tierarten kommen nur in Australien vor, es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Beuteltiere, und die giftigsten Schlangen, Skorpione, Spinnen, Quallen, Kraken und Muscheln sind hier beheimatet.

Die Beuteltiere: neben den unterschiedlichen Känguru-Arten, Wallabys und den Koalas gibt es noch eine Vielzahl anderer Beuteltiere in Australien. Die Population der Kängurus ist mit 60 Mio. (2017) gewaltig groß, wogegen andere Arten vom Aussterben bedroht sind, ebenso der Koala.

Die Kängurus und Wallabys hüpfen oft vor einem über die Straße. Das führt im Autoverkehr natürlich unweigerlich zu Kollisionen. Und dementsprechend liegen vielerorts totgefahrene Kängurus am Straßenrand, in mancher Gegend alle 50 Meter. Das ist schon etwas bedrückend.

Um sich vor Blechschäden durch die  Kängurus zu schützen, montieren sich viele eine riesige Stoßstange vor ihre Motorhaube (Roo-Bar).

Die Vögel: Man sieht Papageien mit buntem, schillerndem Gefieder frei herumfliegen: Rosakakadu (Galah, grau, pink), Twenty Eight Parrot (Ringneck, grün und bunt am Kopf), oder Allfarbloris. Daneben trifft man Pelikane, Jägerlieste (Kookaburra) und sehr häufig auch den Flötenvogel (Magpie), der während der Brutzeit gerne Menschen angreift, was wir mehrfach bestätigen können. Sie fliegen einen von hinten an und verteilen Hiebe auf den Hinterkopf. In den Feuchtgebieten und am Meer findet man ganze Pelikan-Kolonien, den Ibis (mit seinem gebogenen Schnabel) und Kormorane.

In vielen Buchten an der Küste kann man Delfine, Stachelrochen und Buckelwale beobachten, wenn man genug Geduld und Zeit mitbringt oder eine Bootsfahrt unternimmt. Baden und Surfen im Meer kann allerdings gefährlich sein. Es gibt Haie vor der Küste und an manchen Orten auch Krokodile (Warnschilder beachten). Im flachen Wasser in Ufernähe ist es meist sicher, aber weiter draußen lauern sie. Allerdings ist vom Baden ebenfalls abzuraten, wenn man am Strand viele Portugiesische Galeeren angespült findet. Deren Nesselgift verursacht starke Schmerzen, in ernsten Fällen sogar den Tod.

Ansonsten trifft man Emus, Wambats (Plumpbeutler), Tasmanian Devil (Beutelteufel), Bobtails (Tannenzapfenechsen), Skinks und Lizards (Eidechsen), Potoroos (Kaninchenkängurus), Bilbys (Kaninchennasenbeutler), Goanas (Warane), Echinda (Ameisenigel).

Vor den Schlangen muss man sich in Acht nehmen. In den warmen Jahreszeiten sind sie sehr aktiv und manchmal auch aggressiv. Insbesondere in Feuchtgebieten (Frösche sind eine beliebte Beute), unter Steinen und in der gewachsenen Steppe muss man aufpassen.

Bei den Ameisen sticht neben den 4cm großen Exemplaren vor allem die Jack Jumper Ant heraus. Das ist eine ca. 1 cm große, schwarze Ameise mit orangefarbenen Kieferzangen. Sie bevorzugt sandigen Untergrund für ihren Bau und ist sehr aggressiv. Sie springt einen an und sticht dann zu. Für Allergiker kann das gefährlich werden und mit dem Tod enden. Die Einheimischen berichteten von 5 Todesfällen jährlich in Australien. Es ist also sehr empfehlenswert, vor dem Zeltaufbau den Boden gründlich abzusuchen.

Ausgesprochen gefährlich ist die australische Zecke. Ihr Gift verursacht Zeckenparalyse und kann zum Tod durch Lähmung führen, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird. Sie sind auf einem 20 km breiten Streifen entlang der gesamten Ostküste ein Thema. Die Einheimischen empfahlen uns als Notfall-Medizin „Wart-Off Freeze“.

Dromedare gibt es auch in Australien, seitdem sie im 19. Jh. als Lastentiere für Expeditionen eingeführt wurden. Aus der anfänglichen kleinen Anzahl wurde über die Jahre die weltweit größte Population dieser Tiere. Und sie sind eine Plage, die den Kontinent viel Geld kostet.

Australien war lange Zeit von den anderen Kontinenten isoliert. Dadurch hat sich dort ein eigenständiges Ökosystem entwickelt, welches sehr empfindlich auf die Einführung nicht heimischer Pflanzen- und Tierarten reagiert.

Die Regierung ist daher heute sehr darauf bedacht, fremdartige Tiere und Pflanzen gar nicht erst ins Land zu lassen. Daher ist die Einfuhr vieler Lebensmittel, insbesondere tierischer und pflanzlicher Produkte nicht erlaubt oder stark eingeschränkt. Und beim Überqueren der Landesgrenze von Western Australia gelten Kontinent-intern noch einmal die gleichen Regeln.

Vor allem im Frühling bekommt man in Australien zahlreiche Wildblumen zu Gesicht. Nicht nur für Touristen ein Erlebnis.

Die Landwirtschaft im Süden Australiens: auf den großen Feldern wird Raps oder Korn angebaut, in Victoria fährt man an endlos langen Blue Gum – Forstflächen entlang, wo im großen Stil Holz für den chinesischen Markt wächst. Man sieht auch immer wieder große Schaf- und Rinderherden.

Aber man erlebt auch urwüchsige Natur: Norfolkpinien, beeindruckend hohe Karribäume und bis zu 450 Jahre alte Grasbäume in Western Australia, gewachsene Steppe zwischen den Städten und ohne Ende Eukalyptusbäume.

Zum Klima:

Australien ist größer als Europa. Dementsprechend gibt es verschiedene Klimazonen. Der Norden ist tropisch heiß (30°C im Winter, 40°C im Sommer), der Süden gemäßigt-kühl (35°C im Sommer, bis 0°C im Winter). Im zentralen Outback werden im Sommer 50°C gemessen.

In den ersten Wochen unserer Reise durch Australien (September) war es im Bereich Perth und der Südküste noch sehr kühl. Im Oktober hatten wir einige ungewöhnlich heiße Tage (bis 40 °C) und unmittelbar darauf eine deutliche Abkühlung um 25 ° mit Regen und Sturm. So stimmte es also: man erlebt hier nicht selten alle 4 Jahreszeiten an einem Tag im Süden Australiens. Allgemein war das Wetter sehr wechselhaft und vor allem im Staat Victoria von extremen Temperatur-Schwankungen (z.B. Abkühlung von 40°C auf 15°C über Nacht) geprägt.

Der Wind blies meistens aus westlicher Richtung. Folglich war unsere Reiserichtung (von West nach Ost) genau richtig gewählt.

Die Waldbrandgefahr ist in Australien in allen Jahreszeiten sehr hoch. Die ätherischen Öle in den Eukalyptusblättern sorgen sogar im nasskalten Winter für eine hohe Brandgefahr. Im heißen Sommer ist es dann die Trockenheit, die immer wieder Brände auslöst. An den schwarz verkohlten Stämmen der Bäume kann man erkennen, wie gewaltig die Ausmaße mancher Brände in den vergangenen Jahren waren. Viele Bäume hier in Australien sind aber feuerresistent oder benötigen das Feuer sogar in ihrer ersten Wachstumsphase.

Aber für die Bewohner und ihre Häuser ist diese Brandgefahr stets ein Risiko. Demzufolge ist man im Brandschutz hier auch sehr kreativ: mit kontrollierten Bränden schafft man tote Kleinflächen, die das Wandern der Brandfront dann aufhalten sollen. Daneben existiert eine mittlerweile sehr ausgereifte Brand-Vorbeugungs- und -Bekämpfungs-Organisation, die aus einer Vielzahl unterschiedlicher Elemente besteht: Infrastruktur, dezentral organisierte Feuerwehr-Mannschaften, eine tägliche Brandgefahr-Bewertung über das gesamte Land, usw. Man hat aus den verheerenden Bränden der Vergangenheit gelernt und alle Systeme mittlerweile überarbeitet.

Das australische Englisch ist eine besondere Sprach-Variante: häufig führt das Diminutiv und die dadurch entstehende Verniedlichung zu Wortneuschöpfungen: so heißt es hier brekkie statt breakfast oder hubbie statt husband. Genauso kreativ sind die Ortsnamen: Mossy Point, Lilli Pilli, Ulladulla, Mollymook, Tullarwalla, Callala Bay, Wollumboola.

Telefon und Internet:

Das 2G-Netz wird in Australien seit Jahren nicht mehr unterstützt. Also funktionieren nur Mobilfunkgeräte ab 3G.

Australische SIM-Prepaid-Karten mit Guthaben von Optus, Aldi, Virgin Mobile, Vodafone (preiswerter) oder Telstra (teuer) waren 2017 für 10 $ zu haben. Die Netzabdeckung ist bei Telstra besser, allgemein aber noch sehr lückenhaft, wenn man den ganzen Kontinent betrachtet. Aldi nutzt das Telstra-Netz, aber die SIM-Karten sind nicht immer verfügbar. Wer international viel telefoniert, sollte sich den Anbieter Lebara mal näher anschauen. Flatrates gibt es (noch) nicht in Australien. Und der Tarif-Dschungel aller Anbieter macht die Produktwahl nicht gerade einfach.

In weiten Gebieten funktioniert der Empfang auch erst mit einer separaten Antenne (haben wir an unseren Fahrrädern natürlich nicht). Folglich ist das gesamte Mobilfunknetz in Australien für die Notfall-Kommunikation außerhalb besiedelter Gebiete nicht geeignet. Hierfür benötigt man tatsächlich ein Satellitentelefon.

Neben dem Mobilfunknetz gibt es in den Städten und an den Roadhouses in der zivilisationsarmen Gegend öffentliche Telefone, wo per Karte (Smart Phone Card) oder gegen Münzgeld telefoniert werden kann. Sehr nützlich vor allem in Notfall.

WiFi kann man kostenlos nutzen in der Touristinfo, in der öffentlichen Bücherei (Library) und für eine kleine Gebühr in allen kleineren Städten und Dörfern im CRC (Community Resource Center). Dort stehen Computer und Internet samt Zusatzgerätschaften wie Drucker, Scanner, Kopierer usw. zur Nutzung für die Allgemeinheit bereit. Hier haben viele Leute halt zu Hause keinen Anschluss ans Netz. Mancher nutzt das Internet daheim über sein Smartphone, dann kostet 1 GB happige 10 $. Das ist richtig teuer.

In der Bücherei sind die Nutzungsregeln für WiFi von Land zu Land unterschiedlich: in South Australia erhielten wir z.B. einen Nutzungspass mit persönlichen Login-Daten in Form einer Checkkarte.

Viele Warmshowers-Kontakte hatten kein Internet oder es fehlte uns oft die Zeit, ein bestehendes Angebot zu nutzen. Auch die Kommunikation mit der Heimat war etwas schwierig wegen dem Zeitunterschied von 8-9 Stunden (Australien beinhaltet 3, bei Sommerzeit 5 Zeitzonen).

Strom: normalerweise stehen 240 Volt an der Leitung an. Allerdings kann die Spannung auf dem Land auch einmal abfallen auf 160 Volt. Das führt dann zu endlos langen Akku-Ladezeiten. Und sollte der Strom einmal ganz ausfallen, dann dient bei manch einem das Fahrrad als Energiequelle:  unser Video auf Youtube:  Clip

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