Reiseinfos Chile

Diese Reiseinfos Chile beruhen auf den Erfahrungen und Erlebnissen auf unserer großen Radreise in Südamerika. Wir waren in Chile einen Monat unterwegs. Dabei sind wir über Futaleufu, von Argentinien kommend, nach Chile eingereist und auf der Carretera Austral von Villa Santa Lucia bis El Maiten geradelt und haben das Land über Chile Chico Richtung Argentnien wieder verlassen.

Die Bausubstanz in Chile

Holz dominiert als Baustoff den Hausbau. Die Konstruktion ist immer sehr einfach gehalten, Wärmedämmung findet man selten oder gar nicht. Aber in jeder Hütte steht ein Herd aus Gusseisen, der mit Holz befeuert wird. So bleibt auch der Winter erträglich hier unten.

Die Toiletten in Chile

In den Städten oder größeren Ortschaften sind öffentliche Toiletten sauber, technisch einwandfrei, Klopapier, Seife, usw. sind meist vorhanden. Nur selten sind die Toiletten kostenfrei, z.B. in den Supermärkten. In kleineren Ortschaften gibt es keine öffentlichen Toiletten außerhalb der Gastronomie.

Zelten in Chile

Wir haben stets bei privat an der Straße gefragt und fanden in der Regel recht schnell einen freien Platz mit Erlaubnis des Eigentümers. Ob und wo genau freies Zelten erlaubt ist, konnten uns sowohl die Offiziellen in den Infostellen als auch die Locals nicht eindeutig sagen. Die Bomberos (Freiwillige Feuerwehr) waren jedenfalls keine Alternative in Chile (im Gegensatz zu Argentinien).

Radeln in Chile

Bei der Einreise mit Fahrrad ist der legitime Besitz des Fahrrades nachzuweisen (siehe unter Grenzen in Chile). In Chile herrscht Helmpflicht für Radler.

(Unsere Tabelle zur  Fahrrad Helmpflicht für viele Länder weltweit)

Unsere Erfahrungen beschränken sich auf die Carretera Austral im Bereich von Villa Santa Lucia bis Puerto El Maitén, sowie die Zufahrten über Futaleufu im Norden und Chile Chico im Süden.
Wenn der Straßenbelag aus Schotter bestand, dann war dieser oft übel wegen der vielen losen Steine auf der Fahrbahn. Dazu oft Waschbrettprofil: Gift für unsere bepackten Reiseräder, insbesondere in voller Abfahrt (wenn sie denn mal möglich war).

Man trifft sehr viele Reiseradler auf der Strecke. Fast täglich 2-4. Die Strecke ist sehr populär.

Kommunikation in Chile

Die allerwenigsten sprechen Englisch. Mit ein paar Brocken Spanisch kommt man sehr gut zurecht.

Die Religion in Chile

Chile ist chrislich, überwiegend katholisch. Weihnachten wird sehr ähnlich gefeiert wie bei uns: Man sieht Krippen, Christbäume mit allerlei Kitsch und Glitzer, die Süßwarenabteilung in den Supermärkten quillt über vor Schokolade mit Weihnachtsmotiven. Feliz Navidad!

An den Straßen und in den Felswänden entdeckt man immer wieder Gedenkstätten, nicht nur als Andenken an verstorbene Verkehrsteilnehmer, sondern auch zur Verehrung bedeutender Persönlichkeiten aus der religiösen Hostorie.

Sicherheit in Chile

Lediglich in Coyhaique Zemtrum gab es eine spontane Belästigung durch 2 kriminelle jugendliche Taschendiebe, die wir aber schnell als solche erkannt hatten und erfolgreich abwehren konnten (einige Minuten später war ein größeres Polizeiaufgebot zugegen und kontrollierte die Personalien der beiden; sie waren offensichtlich schon mehrfach aufgefallen).

Sonst erlebten wir keine gefährlichen Situationen. Auf dem Land ist es völlig ungefährlich.
In den größeren Städten, insbesondere in der Hauptstadt ist Vorsicht angesagt.

Die Tierwelt in Chile

Den Andenkondor mit seinen 3 – 4 Metern Spannweite sieht man mit etwas Glück und Geduld weit oben in der Luft segeln. Ein sehr imposantes Bild.

Die Hummeln beeindruckten uns: hier unten messen sie ca. 4 cm Länge und haben ein leuchtend gelb-rotes Fell.

In den Bergen trifft man auf die Guanakos, putzige Kleinkamele, die den Lamas sehr ähnlich sehen.

Es gibt viele Wildpferde im Gelände. Doch auf den ersten Blick ist nicht leicht erkennbar, ob es Pferde der Gauchos sind oder tatsächlich Wildpferde.

Unser Video auf Youtube:   Raupe in Chile

Die Straßen in Chile

Die Ruta 7, Carretera Austral, wird seit einigen Jahren sukzessive asphaltiert. Das reduziert zwar den Hauch von Abenteuer, erleichtert einem Radler mit schwerem Gepäck aber deutlich das Vorwätskommen. Manche Passagen erlauben tatsächlich nur Schieben, weil Waschbrettprofil oder loses Geröll ein Radeln unmöglich machen.

Unsere Videos zu den Pisten auf Youtube:    Clip1    Clip2

Auch auf den Zufahrtsstraßen CH-231 und CH-265 hat man es überwiegend mit Schotter zu tun. Zu 50% gut fahrbar per Fahrrad, zu 50% recht anstrengend (siehe oben).

Der Verkehr in Chile

Viele halten großen Sicherheitsabstand, der Fahrradfahrer wird als Verkehrsteilnehmer wahrgenommen und respektiert. Auf der Carretera Austral brettern manche Einheimischen allerdings auch gerne in vollem Tempo an einem vorbei und lassen den Radler dann in einer gewaltigen Staubwolke stehen. Es nebelte uns Radler immer für einige Atemzüge ein. So trugen wir unser Buff-Halstuch immer als schnell greifbare Atemschutzmaske um den Hals, um das Gröbste von unserer Lunge fernzuhalten.

Es gibt fast nur Pickups und SUVs in Chile. Das ist den schlechten Straßen außerhalb der Größstädte geschuldet. Schotter und Erde bilden meist die Straßendecke. Ungewöhnlich viele Pickups in der Farbe Rot sieht man zumindest im Süden des Landes. Die Locals bestätigten uns das, konnten uns aber keine Erklärung dafür liefern.

Trampen in Chile

Hier haben wir keine Erfahrungswerte, weil wir ausschließlich geradelt sind. Angeblich nehmen die Chilenen aber gerne Tramper mit, was viele Backpacker auch nutzen. Allerdings wissen wir nicht, wie lange man in der Regel warten muss, bis sich ein Fahrzeug findet. Allzuviel Verkehr ist im Süden des Landes im Umfeld mancher Dörfer nicht unterwegs.

Orientierung in Chile

Verfahren kann man sich kaum, denn auf der Carretera Austral gibt es nicht viele Abzweigungen. Durchweg ist die Ausschilderung auch sehr übersichtlich und auf dem neuesten Stand. Entlang der Carretera Austral erschien sie uns schon fast zu überschwänglich. Hier wird neuerdings jedes „Etwas“ mit großen glanzvollen Schildern zu einer Sehenswürdigkeit aufgewertet, sogar kleinste, eher uninteressante Dörfer.

Das Klima in Chile

Das Klima erlebten wir als sehr wechselhaft im Sommermonat Dezember. Innerhalb kürzester Zeit können sich Sonnenschein und 40 °C Hitze mit Regen und einer Abkühlung um 20 ° abwechseln.

Der Wind kann einem heftig zusetzen, wenn er aus der falschen Richtung bläst. Er bläst ungewöhnlich stark und kann eine Fahrt per Fahrrad tatsächlich unmöglich machen (selber erlebt).

In der Regel bläst er aus Nord-West. Daher ist die Fahrtrichtung von Nord nach Süd eher zu empfehlen als umgekehrt.

Unser Voideo auf Youtube:    Wind in Patagonien

Die Grenzen in Chile

Bei Ein- und Ausreise muss man einen Kauf-Nachweis für das mitgebrachte Fahrrad vorweisen können und muss dazu eine eidesstattliche Erklärung unterschreiben. Daneben ist die Einfuhr von Obst, Gemüse, Fleisch, Milchprodukten, Nüssen und einigen anderen Dingen nicht erlaubt und wird an der Grenze sehr akribisch kontrolliert.

Bürokratie in Chile

Etwas viel Bürokratie im Rahmen der Grenzformalitäten. Sonst lassen sie den Touristen in Ruhe. Gendarmerie und Polizei sind freundlich und grüßen einen stets.

Einkauf in Chile

In größeren Ortschaften entlang der Carretera Austral ist die Versorgung zwar teuer und die Auswahl sehr beschränkt, aber man erhält alles, was man braucht. In den kleinen Dörfern entlang der Carretera Austral kann das schon mal eng werden. Hier liegen die Preise auch schnell beim 2-fachen oder sogar 3-fachen im Vergleich zu einem Supermarkt in Coyhaique. Mit Ausnahmen: der Spiritus kostete in Coyhaique tatsächlich um die Hälfte mehr als im Touristendorf Villa Rio Tranquillo.

Aprospos Spiritus: noch nie zuvor hatten wir mit einem derart schlechten Brennstoff Vorlieb nehmen müssen. Der Brennwert war unter aller Würde, die Flamme brannte unsauber und der Brenner setzte sich ungewöhnlich schnell zu (Alcohol de Cemar).

Auf Benzin umsteigen wollten wir nicht, weil damit das Kochen im Vorzelt bei schlechtem Wetter oder viel Wind zu gefährlich geworden wäre.

Große Supermärkte findet man nur in den wenigen größeren Städten.

Etwas unglücklich ist die mehrstündige mittagliche Siesta. Von ca. 13 Uhr bis 16 oder 17 Uhr sind viele Läden geschlossen. Das sollte man bei der persönlichen Tagesplanung berücksichtigen, sonst steht man allzu oft vor verschlossenen Türen.

Die Esskultur in Chile

Man trinkt Mate, wie in Argentinien, Paraguay und Brasilien.

Asado hat nicht den hohen sozialen Stellenwert wie in Argentinien, findet aber doch statt.

Brot ist klein, rund und schmeckt oft ziemlich trocken.

Cola de Mono: ein süßes, alkoholhaltiges Getränk. Kommt dem Likör Baileys sehr nahe. Nach dem ersten Genuss haben wir uns natürlich gleich das Rezept aufschreiben lassen.

Harina Tostada: geröstetes Weizenmehl: unsere größte kullinarische Entdeckung in Chile. Es bereicherte so manche Mahlzeit, denn es veredelt Obst, Joghurt, Polenta, Hafenflocken, Gries oder andere Speisen sehr geschmackvoll und erinnert in Aroma und Geschmack an die „Honig Smacks“ von Kellogs.

Die Wasserversorgung in Chile

Fast hätten wir hier geschrieben: „überall auf dem Land ist das Wasser bedenkenlos geniesbar“. Wäre da nicht einmal eine heftige Magenverstimmung entstanden, vermutlich durch den Genuss verkeimten Wassers aus einem Wildbach. Also gilt: lieber zweimal nachfragen und im Zweifel das Wasser filtern.

Fahrrad-Service in Chile

Entlang der Carretera Austral gibt es nur in den größeren Städten (Puerto Montt, Coyhaique, usw.) Bikeshops. Nicht jeder Bikeshop garantiert dabei die passende Auswahl. Daher ist es ratsam, Ersatzteile und spezielles Werkzeug schon bei der Einreise dabei zu haben.

Internet in Chile

WiFi gibt es in größeren Ortschaften zwar, aber meist nur unter Verzehrzwang oder in Verbindung mit einer Buchung (Hostel, usw.). Auf den größeren Plazas im Stadtzentrum bieten sie freies WiFi, allerdings war deren Qualität nur selten wirklich brauchbar.

Im Vergleich zu den WiFi-Quellen in Argentinien empfanden wir Chile als sehr schwieriges Pflaster.

Das Panorama in Chile

Die Bergwelt der Anden ist stellenweise ungewöhnlich schroff und spektakulär, immer wieder aber eben auch wie das heimische Mittelgebirge oder das Alpenvorland. Besonders sehenswert erlebten wir die 120 km Strecke auf der CH-265 (abseits der vielbeschworenen Carretera Austral) von El Maiten bis Chile Chico: freie Sicht auf eine traumhafte Bergkulisse am Nordufer des Lago General Carrera, einige spektakuläre Felsschluchten mit Wildbächen, schroffes Gebirge, der Andenkondor mit seinen 3 – 4 Metern Spannweite, aber auch viele Höhenmeter, extrem steile Anstiege und Abfahrten, teils auch sehr übler Schotter.

Insbesondere im Süden des Landes reiht sich ein Nationalpark an den nächsten. Vieles ist frei zugänglich, aber die als Highlights ausgewoiesenen Objekte sind nur gegen oft sehr hohe Eintrittsgelder zu besichtigen.

Es werden in den passenden Orten Ausflüge zu Gletschern, den der Küste vorgelagerten Inseln und den Fjorden angeboten.

Die Kultur in Chile

Die Menschen sind freundlich und helfen gerne. Aber die spontane Gastfreundlichkeit und Offenheit, die wir in vielen anderen Ländern auf unseren Radreisen erfahren durften, haben wir in Chile nur ganz selten erlebt. Sie sind kurz angebunden, manchmal sehr barsch, fast frostig.

Je weiter wir uns von der Carretera Austral entfernten und je näher wir der argentinischen Grenze waren, desto wärmer waren die Begegnungen mit den Einheimischen.

Die Sehenswürdigkeiten in Chile

Die Landschaft im Süden des Landes ist stellenweise sehr spektakulär. Es gibt viele Nationalparks und eben diese Carretera Austral, die über 1300 km Strecke durch die schönste Region des Landes führt.

Unser Video auf Youtube: Panorama in Chile

Unser Video auf Youtube:  Schlucht in Chile

Leider hat Chile den touristischen Wert der Straße erkannt und baut sie seit einigen Jahren sukzessive zur Touristenroute aus: die Fahrbahn wird Stück für Stück asphaltiert, es werden unzählig viele Wegweiser in glanzvollem Outfit aufgestellt, jede Sehenswürdigkeit wird mit teils völlig überzogenen Eintrittspreisen zu einer kostspieligen Angelegenheit, ja sogar jedes kleinste Dorf entlang der Straße wird per Schild zu einer Sehenswürdigkeit erhoben, auch wenn es gar nichts Besonderes zu sehen gibt. Selbst Brücken ohne Namen erhalten ein Schild: „Puente sin nombre“.

Wo immer es machbar ist, wird man für eine Besichtigung zur Kasse gebeten, teils sogar ziemlich heftig:

  • die beiden Fähren ab Villa O´Higgins 47 € und 37 €
  • die Termas del Ventisquero 20 €
  • der Ventisquero Colgante Hängegletscher 7 €
  • die Laguna Tempanos im selben Nationalpark noch einmal zusätzlich 4 €
  • die Marble Chaples Marmorhöhlen bei Puerto Rio Tranquillo 13 – 33 €, je nach Programminhalt

(Preise aus 2018).

In den Dörfern laufen einem die Hotelvermieter schon hinterher. Eigentlich bietet jedes Haus eine Unterkunft für die Touristen an. Jeder will halt mitverdienen. Das ist etwas nervig.

Besonders negativ fällt in diesem Kontext der Nationalpark Torres Del Paine auf:
dort bezahlt man 29 € Eintritt und muss 2 Wochen im Voraus buchen. Eine Stornierung wegen schlechten Wetters ist nicht möglich. Das bleibt also ein Risiko. Im Park sperrt man wohl auch gerne den Zugangsweg aus fadenscheinigen Gründen und nötigt den Touristen damit zu einer kostspieligen Katamaranfahrt (Hin: 27 €, zurück: 41 €) zu dem Highlight im Park: den drei Granittürmen. Letzendlich kann man also in Summe leicht 100 € loswerden und wegen schlechten Wetters unter Umständen trotzdem nichts zu sehen bekommen. Mancher Besucher bringt es danach in einem Kommentar (z. B. auf www.tripadviser.com) auf den Punkt: der Park ist völlig überbewertet und die Besichtigung das Geld wohl nicht wert.

Landschaftlich besonders lohnend ist gegenüber der Carretera Austral vor allem die CH-265 von Puerto El Maitén bis Chile Chico an der Grenze zu Argentinien. Wir empfehlen sie als Alternative zu der Carretera Austral bis Villa O`Higgins und der Nutzung der beiden teueren Fähren.

Die Botanik in Chile

Jede zweite Pflanze trägt Dornen oder Stacheln und die Samenkörper vieler Steppenpflanzen bleiben mit kleinen Widerhaken in der Kleidung hängen, wenn man versehentlich an ihnen vorbeistreift. Das Entfernen der kleinen stacheligen Objekte ist dann immer eine mühsame und schmerzvolle Angelegenheit für die Fingerchen. Beim Zelten empfiehlt sich ebenfalls Vorsicht, wenn man aufblasbare Schlafmatten nutzt.

Zu den harmlosen Vertretern der Botanik gehören die Lupinen. Sie wachsen entlang der Carretera Austral oft über weite Flächen, die allemal größer sind, als die in Neuseeland, wo solche Felder als ausgesprochene Sehenswürdigkeit angepriesen werden.

Unser Video auf Youtube: exotische Pflanzen

Weiteres neben den Reiseinfos Chile findest Du hier:

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