Netbook-Beschaffung im Ausland – eine Odyssee

Ein Netbook ist ein kleines, relativ leichtgewichtiges Notebook, ideal geeignet für die Arbeit auf Reisen. Wir hatten 2015 vor dem Start auf unsere große Radreise um die Welt mit dem Gedanken gespielt, uns genau für diese Reise ein solch kleines Netbook zu kaufen.

Letztendlich hatten wir den Gedanken dann aber doch verworfen, weil uns ein Smartphone mit 5“-Display in Stromverbrauch und Gewicht vorteilhafter erschien und nach unserer Einschätzung für die Arbeit am Blog und den heimischen Schreibkram völlig ausreichte. Ein großer Irrtum, den wir nur mit viel Mühe und einigen grauen Haaren wieder ausmerzen konnten. Wie alles geschah:

Unser Start-Equipment

Ein Smartphone und eine Bluetooth-Minitastatur, das sollte unser Büro auf Reisen sein. Beide Geräte waren sehr klein und kompakt und ließen sich über unseren Nabendynamo im Vorderrad und die Zzing-Akkuladestation mit USB-Ausgang aufladen.

Unsere Erfahrungen mit dem Start-Equipment

Das Schreiben von Texten auf der virtuellen Tastatur des Smartphones war mühsam, die Cursor-Steuerung per Touchscreen war sehr fummelig und überhaupt nicht mit der Funktionalität einer Maus vergleichbar und das Kopieren oder Verschieben von Dateien war aufwändig und zeitraubend.

Mit der Bluetooth-Tastatur wurde das Schreiben von Texten deutlich erleichtert. Aber die anderen Tätigkeiten blieben anstrengend.

Als dann in Nepal unser Smartphone den Geist aufgab und durch ein neues Smartphone ersetzt wurde, verschlimmerte sich die Situation noch einmal, weil die Bluetooth-Tastatur nicht mehr fehlerfrei mit dem Smartphone harmonierte: die Leertaste (die allerwichtigste Taste) wurde nicht erkannt, so sehr wir uns auch bemühten, die richtigen Treiber und Einstellungen zu finden. Mit anderen Huawei-Modellen funktionierte alles einwandfrei, also lag die Ursache bei dem von uns gekauften Modell.

Ich suchte alternativ ab jetzt immer öfter nach einem richtigen PC für meine Arbeit am Blog und den privaten Schreibkram, doch das war auf Dauer natürlich keine Lösung.

Da reifte der Gedanke heran, kurzfristig doch auf ein Netbook umzusteigen. Die Entscheidung zum Netbook-Kauf fiel dann im April 2017. Wir befanden uns gerade in Thailand und hatten knapp 2 Monate Zeit bis zum Ablauf unserer Visa.

Netbook-Beschaffung – 1. Versuch

Auf den Tastaturen der asiatischen Notebooks fehlen die deutschen Umlaute ü, ö und ä sowie das ß. Und ein neues Gerät musste es auch nicht unbedingt sein bei unseren Anwendungen. Da lag der Gedanke nahe, ein gebrauchtes Netbook im deutschen Internethandel zu beschaffen und als internationales Paket zu uns nach Asien senden zu lassen.

Ein halbwegs passendes Gerät war in den Ebay-Kleinanzeigen schnell gefunden und gekauft. Unser Sohn konnte es abholen, die Hardware aufrüsten und die Software nach unseren Wünschen ergänzen. Dann sollte es auf die Reise gehen nach Thailand, wo wir uns in den kommenden Wochen aufhalten noch würden.

Zufällig ergab sich in Bangkok die Möglichkeit, das Netbook den Eltern eines Reisekollegen auf ihrem Weg von Deutschland nach Bangkok mit ins Fluggepäck zu geben. Das ersparte uns den relativ teuren internationalen Versand (50 €) und reduzierte das Risiko, dass auf dem Versandweg irgendetwas schief gehen könnte. Unser Sohn musste nur noch das Netbook per Express nach Chemnitz versenden. Von dort würden die Eltern das Gerät dann einige Tage später mit in den Flieger nehmen.

Bis hier lief alles glatt. Doch dann geschahen unglaubliche Dinge:

Unser Sohn gab das Paket bei DHL als Express-Sendung ab wie besprochen. Nach einigen Tagen hinterfragte ich den Versandstatus per Telefon: das Paket war nicht rechtzeitig in Chemnitz eingetroffen. Die Eltern waren also ohne Netbook in den Flieger gestiegen. Was war denn da bloß schief gelaufen?

Unser Sohn war zufällig über die Tage krank geworden und deshalb nicht in der Lage gewesen, per Tracking den Versandstatus zu verfolgen. Als er nach einigen Tagen wieder gesund war, informierte er sich über den Versandstatus: das Paket lag noch in der Paketstation, wo er es vor einigen Tagen aufgegeben hatte. Noch am selben Tag fuhr er zum Paketshop, um das Paket wieder mitzunehmen, doch als er im Paketshop eintraf, war das Paket gerade seit einigen Minuten auf der Reise nach Chemnitz. Dumm gelaufen.

Das Paket traf demnach mit 8 Tagen Verspätung gegenüber dem Versand-Versprechen von DHL beim Empfänger ein (Express-Sendungen werden am nächsten Werktag ausgeliefert; dafür bezahlt man ja schließlich den Aufpreis). Doch weil die Eltern jetzt für drei Wochen wegen  ihrem Urlaub in Thailand nicht daheim waren, nahmen die Nachbarn das Paket in Empfang. Und weil es keine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme zwischen den Eltern und deren Nachbarn gab, vergingen weitere zwei Wochen ohne Fortschritt.

Netbook-Beschaffung – 2. Versuch

Weil wir jetzt nicht wirklich abschätzen konnten, ob und wann das Netbook tatsächlich bei uns in Asien eintreffen würde, erschien es wieder reizvoll, vielleicht doch ein Netbook hier in Thailand zu kaufen. Daraufhin vergingen viele Stunden für die Suche nach den richtigen Geschäften, die Recherche nach den passenden Geräten und die Verständigung mit dem Ladenpersonal (nicht jeder spricht in Thailand Englisch).

Für 300 US-$ kaufte ich dann ein Vorführgerät, nachdem man mir versichert hatte, das das Betriebssystem auf Deutsch umgestellt werden könnte (Thai konnte ich schließlich nicht lesen). Die Computer-Profis in einem Service-Geschäft gaben jedoch nach 5 Stunden auf, denn es stellte sich heraus, dass das Betriebssystem eine Single Language Version war, die speziell für den thailändischen Markt zugeschnitten war. Die Umstellung auf Deutsch war nicht möglich. So ist das halt bei einem Netbook. Unter anderem deshalb sind sie ja so klein.

Nach einer Stunde harter Diskussion erhielt ich im Laden mein Geld zurück und verwarf von nun an den Gedanken, auf dem thailändischen Markt ein Netbook zu kaufen. Auch normale Notebooks (mit einem Betriebssystem in allen Sprachen) kamen nicht mehr in Frage wegen der verbleibenden Nachteile: fehlende Umlaute und ein Ladegerät mit Netzstecker für die thailändischen Steckdosen. Sie wären uns auch viel zu schwer in unseren Packtaschen.

Netbook-Beschaffung – 3. Versuch

Statt auf die Rückkehr des ersten Netbooks aus Chemnitz zu warten, entstand jetzt die absurde Idee, ein zweites Netbook aus dem deutschen Ebay-Handel zu kaufen. Damit würde die Beschaffung natürlich nicht preiswerter, aber der Erhalt des ersten Netbooks lag schließlich in weiter Ferne und war mit vielen neuen Risiken verbunden.

Also kaufte unser Sohn in unserem Auftrag ein zweites gebrauchtes Netbook und organisierte den Versand nach Südthailand, zu einem Warmshowers-Mitglied unseres Vertrauens in der Stadt Trang, wo wir in einigen Tagen eintreffen würden. Laut DHL benötigt ein Paket nach Thailand ca. 10-12 Werktage. Das würde schon sehr knapp für uns, denn es blieben uns mittlerweile nur noch 15 Tage bis zum Ablauf unserer Visa für Thailand. Vermutlich kämen durch das dreitägige Song Kran Festival in Thailand jetzt auch noch weitere Verzögerungen hinzu.

Zu dem Risiko, dass das Netbook überhaupt erst in Trang eintrifft kam nun das Risiko hinzu, dass wir es wegen Visa-Ablauf verpassen könnten.

Und tatsächlich verpassten wir den Auslieferungstermin. Der fest integrierte Akku des Netbooks wurde als Gefahrgut eingestuft und somit wurde per Schiff nach Thailand transportiert, nicht per Flieger. Das verzögerte die Auslieferung um einige Tage. Und zum prognostizierten Ausliefertermin wären wir schon in Malaysia unterwegs.

Zu unserem Glück bot unser Warmshowers-Kollege aus Trang an, uns das Paket nach Malaysia zu fahren, sobald es eingetroffen wäre. Er hatte sowieso einen Kurzurlaub in Malaysia geplant.

Und so geschah es: wir verließen Thailand und fuhren über die Grenze nach Malaysia, das Paket kam in Trang einige Tage später an und unser Freund aus Trang fuhr uns das Netbook dann bis nach Butterworth, wo ich es in Empfang nehmen konnte.

Als ich den Zustand der Kartonverpackung sah, war ich nicht mehr sicher, ob das Netbook den Transport überhaupt heile überstanden hatte: der Zoll hatte das Gerät nach der Wertprüfung quasi ohne Polstermaterial in den halb aufgerissenen Karton zurückgepackt, als wäre es eine unkaputtbare Stoffpuppe. Quick and dirty. Der Display-Deckel hatte auch prompt an einer Ecke einen Sprung. Ich war stinksauer auf den thailändischen Zoll. Doch ein erster Test ergab: offensichtlich war alles in Ordnung. Das Netbook funktionierte einwandfrei.

Endlich, nach fast 2 Monaten, war das Kapitel Netbook-Beschaffung abgeschlossen.

Fortsetzung zum 1. Versuch

Mittlerweile war auch das erste Netbook aus Chemnitz wieder bei unserem Sohn eingetroffen, nachdem ich den Eltern die 7 € für den Rückversand überwiesen hatte. Und auch hier gab es wieder eine böse Überraschung: das Netbook war durch den Rücktransport beschädigt und unbrauchbar geworden. Es funktionierte nicht mehr. Jetzt erschien die Beschaffung eines zweiten Netbooks plötzlich gar nicht mehr absurd. Im Gegenteil: es war im Nachhinein die richtige Entscheidung.

Weil wir die Zerstörung unseres ersten Netbooks nicht klaglos hinnehmen wollten, reklamierte unser Sohn die Sendung bei DHL. Um die Schadensbearbeitung bei DHL starten zu können, brauchte es allerdings zunächst eine Abtretungserklärung der Eltern in Chemnitz an unseren Sohn. Sie waren zwar der Absender, aber nicht die Geschädigten.

Wenn DHL beim Sendungstransport mal so gewissenhaft gewesen wären, wie bei der Prüfung der Eingangsvoraussetzungen für eine Schadensbearbeitung!

Letztendlich wurde die Reklamation des Schadens abgelehnt. Lediglich die Versandgebühr wurde erstattet. Eine bittere Pille.

Unser Fazit zum Netbook-Versand

Express-Versand ist in Deutschland langsamer als ein normal verschicktes Paket, Akkus werden als  Gefahrgut betrachtet, aber nur für Flüge, nicht für Schiffe , der thailändische Zoll packt sensible Ware ohne Polstermaterial wieder zurück in den Karton und auf drei Sendungen kommen zwei Beschädigungen am Paketinhalt.

Wir Menschen können schon den Urknall sehen und fliegen zum Mars, aber wir schaffen es nicht, ein elektronisch sensibles Gerät mit einem Restwert von unter 100 € fehlerfrei von A nach B zu transportieren. Das ist unglaublich und tatsächlich „absurd“.

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