Neuseeland 2017/2018

Am 25.11.2017 sind wir, von Australien kommend, nach Neuseeland eingereist. Hier hatten wir 90 Tage visumsfreien Aufenthalt bis zu unserem Rückflug nach Australien im Februar 2018. Wir planten den Besuch beider Inseln. Wie ist es uns ergangen?

Unsere Route durch Neuseeland auf OpenStreetMap

© OpenStreetMap-Mitwirkende

Samstag, 25.11.17

Unser Flug von Sydney verlief ohne Zwischenfälle und wir erreichten Christchurch nach Mitternacht. Erste Station: Passkontrolle. Vor uns standen ca. 100 Personen in der Schlange und von den 3 Schaltern war lediglich ein Schalter besetzt. Selten haben wir so lange in der Schlange gestanden.

Nächste Station: die Überprüfung des Gepäcks nach den herrschenden Quarantäne-Richtlinien. Das kannten wir schon von unserer Einreise nach Australien. Doch die Abwicklung heute hier in Neuseeland hatte eine ganz andere Dimension:

Die Fahrräder wurden abgeleuchtet und auf Erdstaub untersucht. Ich hatte sie wohl vorbildlich gereinigt und wir bekamen die Freigabe-Banderole auf die Kartons geklebt. Den Proviant sahen sie sich ebenfalls genauestens an.

Die Krönung wurde allerdings unser Zelt. Das wanderte direkt ins Quarantäne-Labor und wurde regelrecht zerpflückt und auf links gedreht. Selbst in den hintersten Ecken im Innenzelt suchten die Beamten nach Erdstaub und irgendwelchen Tierchen. Auch Zeltstangen und Häringe schauten sie sich genau an. Ich benötigte danach 15 min, bis ich das Zelt wieder entwirrt hatte und verpacken konnte.

Wenn sie einen verbotenen, nicht deklarierten Gegenstand (zum Beispiel einen Apfel) finden, sind 400 $ Strafe fällig. Doch wir hatten ja alles deklariert und hatten dementsprechend nichts zu befürchten. Allerdings schwebt die gesamte Zeit über ein Gefühl der Unsicherheit über einen. Hatte man wirklich nichts vergessen auf der Deklarationskarte?

Um es einmal plakativ zu verdeutlichen: ein Strohhut gilt als pflanzliches Produkt, ein Daunenschlafsack enthält ein tierisches Produkt. Beides muss man angeben auf dieser Karte. Einer Einfuhr dieser Gegenstände ins Land steht nichts entgegen, doch wenn es nicht deklariert wurde, machen die Beamten Stress.

Die letzte Instanz war dann der Spürhund. Er schnüffelt alle Gepäckstücke auf verbotene Substanzen ab.

Die gesamte Prozedur erinnerte uns stark an die Ein- und Ausreise-Kontrollen in Usbekistan. Ganze 2 Stunden hatten sie uns in der Mangel. Um 2:00 Uhr waren wir dann fertig und durften den Ausgang ansteuern. Wir waren in Neuseeland angekommen.

Uns fehlten allerdings Motivation und Energie, um jetzt mitten in der Nacht noch die Fahrräder aufzubauen. Das dauerte erfahrungsgemäß schließlich auch ca. 2-3 Stunden. So suchten wir uns im Flughafen-Gebäude eine stille Ecke, rollten unsere Matten aus und legten uns schlafen.

Um 4:30 Uhr machte die Flughafen-Patrouille ihre Runde und weckte alle Reisenden, die sich hier schlafen gelegt hatten (wir waren nicht die einzigen). Somit war jetzt auch für uns das Nachtlager hier beendet.

Ich begann mit völlig verschlafenen Augen mit dem Aufbau unserer Fahrräder: Pedale, Schutzbleche, Gepäckträger, Laufräder, …. alles montieren und neu einstellen. Es dauerte 3 Stunden, dann waren wir abfahrtbereit.

Mit den ersten Sonnenstrahlen und bei frischer Temperatur verließen wir den Flughafen und steuerten das Zentrum von Christchurch an.

Unterwegs organisierten wir die üblichen Besorgungen für ein neues Reiseland: Geld abheben, Lebensmittel einkaufen, im Bikeshop den Reifendruck checken, Spiritus für unseren Kocher kaufen, usw.

Auf dem Weg durch die Stadt bot sich dann gleich die Besichtigung des Botanischen Gartens an: sehr sehenswert. Auch hier auf Neuseeland gibt es offensichtlich eine ganze Reihe Pflanzen, die uns völlig unbekannt waren. Eine beeindruckende Farbenpracht und wieder sehr exotisch.

Die Innenstadt ist nett gestaltet. Aber man sieht an jeder Straßenecke, dass die Stadt sich noch im Wiederaufbau befindet. Die Schäden der beiden verheerenden Erdbeben 2010 und 2011 sind unübersehbar.

Am Nachmittag landeten wir dann bei unserem Warmshowers-Kontakt, den wir schon von Sydney aus arrangiert hatten.

Sonntag, 26.11.17 – Dienstag, 05.12.17

Die ersten beiden Tage benötigten wir im Wesentlichen, um unser Schlafdefizit wieder auszugleichen. Und wir nahmen all die wertvollen Tipps der Einheimischen auf und verarbeiteten sie zu einer gelungenen Radreise-Route durch Neuseeland.

Wir unternahmen über die Tage auch einige Ausflüge. Dabei erlebten wir die schönsten Plätze, die Christchurch und Umgebung zu bieten haben: Lyttelton, die Cass Bay, die Port Hills und einiges mehr. Sogar ein Badeausflug am Strand vor Richmond Hill war mit im Programm.

Das Highlight war allerdings der Aufstieg zu einem Aussichtspunkt in den Port Hills im Süden von Christchurch: über den Crater Rim Walkway gelangt man zum Coopers Knob (573 m), einem Hügel mit großartiger Aussicht. Von dort hat man einen sagenhaften Rundumblick auf Christchurch, den Lyttelton Harbour (ein riesiger Naturhafen), Lake Ellesmere im Südwesten und einige Bergzüge der Port Hills, die im Süden in die Banks Peninsula übergehen. Die Port Hills und die Banks Peninsula sind aus der gewaltig großen Caldera eines lange erloschenen Vulkans entstanden.

Unser Video auf Youtube:

Lyttelton Harbour:    Clip

Unterdessen verfolgten wir in der Berichterstattung die Auswirkungen der vulkanischen Aktivitäten auf der indonesischen Insel Bali, die wir vor gut 3 Monaten Richtung Australien verlassen hatten. Die Behörden hatten 100.000 Menschen auf der Insel evakuiert und den Flughafen geschlossen. Und uns wurde dabei sehr bewusst, wie schnell dieses Ereignis unsere Reisepläne hätten kreuzen können.

Wir nutzten den Aufenthalt in Christchurch auch für die Planung der nächsten Reiseländer: nach 3 Monaten Neuseeland und weiteren 3 Monaten in Australien wollten wir nach Südamerika übersetzten. Dort standen Argentinien, Brasilien, Bolivien, Peru und Chile auf dem Plan.

In 6 Monaten würden wir also von Sydney nach Südamerika fliegen. Hierfür wollte ich jetzt auch schon unseren Flug von Sydney nach Buenos Aires in Argentinien buchen. Die Abwicklung der Buchung glich dabei allerdings einem Hürdenlauf:

Bei der ersten Buchungs-Agentur poppten im letzten Buchungsschritt zusätzliche Mehrkosten hoch, die ich nicht akzeptieren wollte, dann schlug der Versuch, über Paypal zu bezahlen, fehl (warum auch immer) und nach der Buchung wartete ich dann eine halbe Ewigkeit auf die Mail mit der Buchungsbestätigung, weil für den E-Mail-Client auf unserem Rechner zufällig gerade jetzt ein Update heruntergeladen und installiert wurde.

Die Buchung der zusätzlichen Gepäckstücke wurde auch zur Zitterpartie:

Über die Buchungs-Agentur sollte das Übergepäck als Paket mit weiteren Zusatzleistungen 400 € kosten. Ich entschied mich dazu, die Flugbuchung ohne die zusätzliche Gepäckbuchung abzuschließen und hoffte, dass es nach der Buchung direkt bei der Fluglinie noch möglich ist, zusätzliches Gepäck zu bestellen. Es war möglich und es kostete dann lediglich 200 €.

Die komplette Flugbuchung hatte Nerven gekostet, doch ich war mir sicher, dass wir über ein Reisebüro bei Weitem nicht so günstig weggekommen wären. Unser Flug war mit insgesamt 1452 € für 2 Personen incl. Fahrrädern und Gepäck preiswerter, als wir es im Vorfeld befürchtet hatten.

Da störte mich auch nicht mehr die Tatsache, dass der Anbieter satte 22 € Zahlungsgebühr in Anspruch nahm, sofern man nicht per „Sofort-Überweisung“ bezahlt.

(Sofort-Überweisung steht zu Recht in der Kritik, weil die Zugangsdaten incl. der TAN übermittelt werden müssen. Mit einem gesunden Bewusstsein für Datenschutz bei sensiblen Transaktionen ist das überhaupt nicht vereinbar.)

Annett machte sich immer wieder in Haus und Garten nützlich und griff unserem Gastgeber unter die Arme. Das Schneiden der hohen Hecke von der Leiter aus blieb ihr allerdings wegen dem Muskelkater für einige Tage in Erinnerung.

Mittwoch, 06.12.17

Heute verließen wir Christchurch. Wir hatten viele Dinge erledigt. Das gab uns die innere Ruhe für eine relativ Internet-magere Zeit in den kommenden Tagen und Wochen. Auch Warmshowers würden wir nicht mehr so intensiv nutzen können, denn die wenigen Kontakte auf unserem Weg sind durch die vielen Gäste möglicherweise schon sehr reserviert. Zusätzlich stand Weihnachten vor der Tür. Da haben die allermeisten mit den Vorbereitungen zu tun.

Wir fuhren auf dem direkten Weg Richtung Timaru. Wiesen und Landwirtschaft dominierten, ansonsten sah man nur flaches Land. Mit etwas Tramp-Unterstützung brachten wir die Strecke bis Timaru aber schneller hinter uns, als geplant.

Bei unserem Warmshowers-Kontakt in Timaru erhielten wir Zugang zum hausinternen WiFi. Somit konnte ich bei unserer Bank anfragen, aus welchem Grund heute Morgen am Geldautomaten die Bargeldauszahlung verwehrt wurde.

Im Chat mit unserer Bank stellte sich dann heraus, dass ich mit der Bezahlung unseres Fluges wohl das Tageslimit meiner Kreditkarte überschritten hatte. Ich hatte bisher angenommen, dieses Limit gelte nur am ATM. Doch dem war nicht so. Und für alles Weitere sollte ich unsere Bank per Telefon oder Mail aus meinem Bank-Account heraus kontaktieren.

Das kann ja wieder heiter werden, dachte ich bei mir. In Kürze wird sich dann wohl das Flug-Buchungsportal melden, weil die Transaktion seitens unserer Bank nicht ausführbar war. Und das wahrscheinlich gerade in der Zeit, in der wir durch die Menschenleere Wildnis Neuseelands radeln, ohne Internet und ohne die Möglichkeit, täglich zu verfolgen, wie die Dinge sich entwickeln.

Donnerstag, 07.12.17

Wir verließen Timaru und fuhren weiter Richtung Fairlie. Die Strecke zog sich dabei sehr monoton durch die Wiesenlandschaft. Zudem war die Straße sehr eng und meist ohne Seitenstreifen. Da waren wir froh, unterwegs einen Farmer zu treffen, der uns in seinem Wagen mitnahm. Ursprünglich sollten es nur 10 km sein, doch dann fuhr er uns tatsächlich die insgesamt 30 km bis nach Fairlie.

Wir flüchteten dort direkt aus der Mittagshitze in die angenehm klimatisierte Bücherei und nutzten Wifi. Von unserer Bank gab leider es noch keine Rückmeldung.

Am späten Nachmittag machten wir uns auf die Suche nach einem Schlafplatz. Dazu fuhren wir am Stadtrand die Farmen ab. Nach 2 leerstehenden Häusern und 2 Ablehnungen hatten wir Glück: ein Farmer bot uns einen Zeltplatz im Garten an. Doch nach 10 min wurde aus dem Gartenplatz ein Zimmer mit Bett und heißer Dusche. Jill, die Frau des Farmers, freute sich über den Besuch und wir waren sofort zum Dinner eingeladen. Was für eine Wendung.

Jill bot uns noch WiFi an, doch es war vergebens, weil zufällig gerade das Netz ausgefallen war. Tragisch war das allerdings nicht, da sich die abendliche Runde sowieso erst um 24 Uhr auflöste. Somit hätte uns eh die Zeit fürs Internet gefehlt.

Freitag, 08.12.17

Nach dem Frühstück bot uns Jill ihren Computer mit Festnetzanschluss an, weil WiFi immer noch nicht funktionierte. Dann verabschiedete sie sich von uns und fuhr zur Arbeit auf die Felder. Unglaublich, dieses Vertrauen.

Apropos Vertrauen: so wie wir es auch schon in Australien erlebt hatten, bleiben an vielen Häusern hier in Neuseeland die Haus- und Wohnungstüren den ganzen Tag über unverschlossen. Teilweise stehen die Türen sogar weit offen.

Ich kümmerte mich also weiter um die Bank-Angelegenheiten und tatsächlich erhielt ich per Mail die Info, dass unsere Bank den hohen Betrag doch ohne weitere Prüfungen genehmigt hatte. Die Welt war wieder in Ordnung. Ich atmete auf.

Unser Weg führte heute weiter Richtung Tekapo. Ab hier würden wir durch die Bergwelt der Südinsel radeln. In der Ferne konnte man die Berge jetzt auch schon sehen. Die Straße enthielt keine großen Steigungen, doch sie war sehr eng und meist ohne Seitenstreifen.

Nach einer kurzen Besichtigungsrunde in Tekapo zweigten wir auf den „Alps 2 Ocean Cycle Trail“ ab. Auf diesem Radweg wollten wir bis zum Lake Ohau durch die Berge radeln.

Wir hatten auf dem heutigen Stück dieses Trails zwar mit Schotter gerechnet, aber dieser Schotter war stellenweise so anstrengend, dass wir nach 15 km vorzeitig wieder auf die Straße wechselten. Zu Beginn hatten wir einen sagenhaften Rückenwind über viele km an einem Kanal entlang, bis der Kanal auf halber Höhe einen scharfen Knick machte. Ab da blies uns dann ein ziemlich starker Gegenwind ins Gesicht. Es gab auch wieder einige dieser engen Schikanen zu passieren, wie wir sie schon 2014 in Großbritannien kennengelernt hatten. Und auch hier mussten wir die Hälfte unseres Gepäcks entfernen, um die Räder durch die Schikanen schieben zu können. Wirklich barrierefrei war das für uns nicht.

Unsere Videos auf Youtube:

Schotter auf dem Cycle Trail:    Clip

Gegenwind auf dem Cycle Trail:    Clip

Auf der Straße zurück, suchten wir nach einem Zeltplatz. Kein einfaches Unterfangen, denn hier gab es weit und breit keine Dörfer, nur ab und zu ein verlassenes Gebäude oder eine kleine Farm. An den ersten beiden Farmen schickte man uns weiter, in der dritten Farm klappte es dann. Der Farmer zeigte uns einen Rasen vor dem Haus, wo wir das Zelt aufbauen durften.

Als wir mit dem Zeltaufbau fertig waren, kam die Frau des Farmers zu uns und signalisierte, dass sie mit der Entscheidung ihres Mannes überhaupt nicht einverstanden war (er hatte ihrer Meinung nach auch zu viel getrunken) und wir doch bitte wieder packen sollten.

Fürs Weiterfahren war es zu spät. Wir hatten schließlich schon 20:30 und in einer halben Stunde wäre es stockfinstere Nacht. Daraufhin bot sie uns einen Platz oben in den Feldern an. Das war uns natürlich lieber, als weiterziehen zu müssen. Doch der Aufwand für den Umzug blieb.

Bis wir dort das Zelt errichtet hatten, war es Nacht. Doch hier oben wehte ein leichter Wind. Und der hielt uns sehr zuverlässig die Sandflies vom Leib, die wir unten neben der Farm als sehr lästig empfunden hatten. So hatte sich der Umzug doch noch gelohnt.

Samstag, 09.12.17

Nach dem Abschied fuhren wir weiter Richtung Twizel, unserem nächsten Städtchen. Doch weit kamen wir heute Morgen nicht. Denn vor uns zog eine tiefdunkle Wolkenfront durchs Land. Und die versprach Regen, so war jedenfalls die Vorhersage.

Wir suchten also rechtzeitig den erstbesten Unterstand auf und warteten auf den Regen. Und tatsächlich ging es kurze Zeit später los. Allerdings bei Weitem nicht so heftig, wie wir aus der Wolkenfärbung abgeleitet hatten. Ca. 3 Stunden lang zog der Regen über das Land. Im Regen weiterfahren machte wenig Sinn, denn die Sicht auf die Berge um uns herum verschwand in der Regenwand.

So harrten wir also die 3 Stunden geduldig in einer Garage aus und nutzten den zufällig entdeckten Stromanschluss dort zum Laden unserer Akkus. Als der Regen durch war, fuhren wir weiter. Erste Station: der Lake Pukaki. Er liegt wunderschön am Bergzug „Ben Ohau Range“ und hat türkisfarbenes Wasser. Unser Radweg führte über viele km am Ufer dieses Sees entlang. Dazu wehte uns ein frischer Seitenwind. Ein echtes Highlight.

Ab hier wechselten wir wieder auf den Cycle Trail und fuhren bis Twizel durch eine weite Ebene, umsäumt von Bergen zu allen Seiten. Der Schotterweg war auf dieser Strecke nur auf ganz kurzen Passagen wirklich anstrengend. Und es gab keine Schikanen wie gestern, sondern lediglich einige Tore.

Unser Video auf Youtube:

Schotter auf dem Cycle Trail:    Clip

So wurde der heutige Weg nach dem großen Regen doch noch ein Hochgenuss. In Twizel gingen wir einkaufen und machten Mittagspause. Die Bücherei hatte schon geschlossen, als wir die Stadt erreichten, somit fiel WiFi hier für uns aus. Morgen war sie sogar ganz geschlossen. Das war schon etwas dumm gelaufen.

Und dann war es auch schon wieder an der Zeit für die Schlafplatzsuche. Wir fragten an einem Haus nach Wasser für unsere Flaschen und aus dem Gespräch entwickelte sich dann aus einem Zeltplatz neben einem Geräteschuppen ein Gästezimmer im Haus. So genossen wir einen Abend bei Tee und hausgemachtem Kuchen in netter Runde und durften von unsere Reise erzählen.

Sonntag, 10.12.17

Nach einem tollen Frühstück verabschiedeten wir uns und setzten unsere Fahrt auf dem „Alps 2 Oceans Cycle Trail“ fort. Zum Lake Ohau wählten wir dabei den südlichen der beiden Wege, weil er nach unserer Karte landschaftlich reizvoller erschien.

Doch nach einigen km kehrten wir wieder um, weil die Wegqualität überhaupt nicht für unsere bepackten Räder geeignet war. Der Schotter war derart grob, dass wir im Schritttempo nur so über die dicken Steine polterten. Da erwies sich der Parallelweg im Norden von Twizel doch als angenehmer, wenn es auch einen Umweg bedeutete.

Landschaftlich war insbesondere die Strecke am Lake Ohau entlang dann ein absolutes Highlight. Die Berge im obersten Norden des Sees lagen in dichten Wolken und es bot sich ein mystisches Bild. Dazu blies ein enorm starker Wind von Norden aus über den See und bescherte uns einen unglaublich starken Seitenwind.

Unser Video auf Youtube:

Panorama am Lake Ohau:    Clip

Eine 15 km lange Passage über den Berghang im Westen des Lake Ohau hatte ich allerdings völlig unterschätzt: die Strecke entpuppte sich als Berg-Wanderweg. Maximal geeignet für Mountainbiker, aber nicht für unsere bepackten Reiseräder.

Dabei war die Steigung über den gesamten Anstieg sehr moderat, aber es ging hoch bis auf 900 m. Fahren ging auf diesem Weg gar nicht. Das ließ der steinige Untergrund nicht zu. Und selbst Schieben war eine Tortur auf Dauer.

In der Abfahrt war zudem auch noch Furten angesagt: zweimal durften wir die Schuhe ausziehen und die Räder barfuß durch das 15 cm tiefe Wasser schieben. Und als das Knirschen meiner Felgenbremse nach dem zweiten Furten ungewöhnlich langte anhielt, bestätigte sich schnell mein erster Verdacht: ein neuer Bremsbelag war fällig. Ich bremste schon mit der Metallfassung.

Bei einbrechender Dämmerung und in eisigem Wind nach 70 km Tagesstrecke noch einen Bremsbelag wechseln zu müssen, das passte mir überhaupt nicht. Aber es führte kein Weg daran vorbei. Denn in der vor uns liegenden Abfahrt aus dem Berghang mit nur einer Felgenbremse mein Geschoß im Notfall zum Stehen bringen zu müssen, das erschien mir doch zu riskant.

Kurz vor der Dunkelheit (es war mittlerweile 21 Uhr) waren wir wieder in flacherem Terrain angekommen und unsere Augen scannten die Umgebung nach einem geeigneten Platz für unser Zelt. Etwas unwohl war uns dabei, weil der DOC wildes Campen unter Strafe stellt und 200 $ fällig sind, wenn man erwischt wird. Aber unsere „Camping NZ“-App zeigte den nächsten für uns erlaubten Stellplatz erst in 20 km Entfernung an. Das war für uns heute unerreichbar.

Doch zufällig erspähte ich dann in der Ferne ein Wohnmobil auf einer kleinen Lichtung und dicht daneben ein WC-Häuschen. Und es war tatsächlich ein offizieller Stellplatz des DOC, der in unserer Camping-App nicht gelistet war. Es blieb die Unsicherheit, ob dieser Platzt tatsächlich auch für Zelte zugelassen war, doch eine andere Alternative war nicht in Sicht.

Wir bauten in der Dunkelheit das Zelt auf und ich hoffte darauf, nicht im Morgengrauen zur Kasse gebeten zu werden.

Montag. 11.12.17

Um 6 Uhr bauten wir das Zelt ab und verließen kurz darauf den Platz. Es gab keine Kontrolle und auch keine Strafzahlung. Vielleicht hatten wir Glück gehabt. Vielleicht war unsere Übernachtung hier aber auch erlaubt. Wir hatten Schwierigkeiten, die Regeln des DOC richtig auszulegen.

Wir ließen uns mit dem Rückenwind und dem leichten Gefälle ins Tal rollen. Die Straße war mittlerweile wieder breit genug für den Autoverkehr und das Gehopse unserer Räder auf dem groben Schotter hatte ein Ende.

Stattdessen beanspruchte jetzt der lose Kies auf der Fahrbahn unsere volle Konzentration. Denn man driftete in voller Fahrt immer wieder unerwartet aus der Fahrspur zur Seite. Man fuhr wie auf Eiern. Das war sehr gefährlich. Einmal rutschte ich in einer Innenkurve in derart tiefen, losen Kies, dass ich meine liebe Mühe hatte, das Fahrrad zum Stehen zu bringen.

Aber auch diese Passage des Weges lag irgendwann hinter uns und so erreichten wir am Vormittag das kleine Städtchen Omarama. Wir fragten uns direkt durch bis zur Bücherei, denn wir benötigten WiFi und Strom zum Laden unserer Akkus. Hier hatte die Bücherei allerdings ausgerechnet montags geschlossen. Das war halt jetzt Pech. Irgendwo fanden wir dann aber doch noch Strom.

Das tropische Klima in Südostasien hatte über die letzten Monate auch unsere zweite Zzing-Ladestation in irgendeiner Form gehimmelt. Folglich war das Laden der Akkus seit einigen Wochen nicht mehr möglich und so waren wir zurzeit verstärkt auf fremde Stromquellen angewiesen.

Nach dieser Ladepause fuhren wir weiter bis Otamatata, wobei uns der massive Rückenwind hier gewaltig unter die Arme griff. Das bewog uns dazu, direkt weiter zu fahren bis nach Kurow, wo wir einen Warmshowers-Kontakt hatten.

Unser Video auf Youtube:

Lake Waitaki:    Clip

Wir erledigten nur noch einige Einkäufe im Supermarkt, bevor wir die letzten 5 km zu ihm fuhren. Mit diesem starken Rückenwind wären wir ja nach wenigen Minuten da, so dachten wir.

Doch als wir nach nur 10 min den Supermarkt verließen, fanden wir ein völlig anderes Wetter vor: der Himmel war komplett zugezogen, es hatte sich um satte 9°! abgekühlt und der Wind hatte um 180 ° gedreht und blies jetzt mit Orkanstärke gegen unsere Fahrtrichtung. Es dauerte auch gar nicht lange, da setzte Regen ein.

So dauerte die Anfahrt zu unserer Bleibe tatsächlich eine ganze Stunde. Und diese eine Stunde war anstrengender, als die 70 km Strecke mit Rückenwind bis zum Supermarkt.

Dienstag, 12.12.17 – Mittwoch, 13.12.17

Es hatte die halbe Nacht über geregnet. Und auch der Morgen war geprägt von Nieselregen und tief hängenden Wolken um uns herum. Da war schnell beschlossen, einen Pausentag einzulegen und besseres Wetter abzuwarten.

Wir arrangierten uns in der Küche unseres Gastgebers, der neben uns noch 4 weitere Gäste im Haus untergebracht hatte: Mitarbeiter in seiner Wein-Kelterei. Sie kamen aus Uruguay, Japan und Deutschland und arbeiteten hier für einige Monate. Und die gemeinsame Zubereitung der Mahlzeiten war immer ein besonderes Ereignis mit vielen helfenden Händen.

Abends spielten wir Skat mit unserem Heimat-Kollegen (zufällig zierte das Emblem der Früh-Kölsch-Brauerei aus meiner Heimatstadt Köln die Rückseite der Karten, das war unglaublich!) und tranken den Wein aus dem lokalen Anbaugebiet.

Nachdem klar war, dass auch der Mittwoch verregnet sein würde, verlängerten wir unseren Aufenthalt um einen weiteren Tag und revanchierten uns im Gegenzug mit einem großen Blech Kuchen für die ganze Truppe.

Donnerstag, 14.12.17

Ein herrlicher Morgen. Die Sonne schien und ließ uns den Regen der letzten beiden Tage schnell vergessen. Dafür gab es eine neue Baustelle: bei mir stand dringend ein Besuch beim Zahnarzt an:

Die Füllung aus einem der hinteren Backenzähne hatte sich über die letzten Wochen gelöst und allmählich erhöhte sich der Zahnschmerz in diesem Bereich. Und eine zweite Baustelle war der Wackelzahn im Unterkiefer, der mittlerweile wohl im oberen Bereich seiner Wurzel angebrochen war. Da sollte sich der Besuch beim Zahnarzt doch richtig lohnen, dachte ich bei mir.

In Dunedin, der nächsten Stadt auf unserem Weg, gab es wohl ein großes, renommiertes Schulungszentrum für Zahnärzte: die Faculty of Dentistry. Und dort sei eine Behandlung laut Aussage der Locals deutlich preiswerter als in einer gewöhnlichen Zahnarztpraxis. Etwas unglücklich war allerdings, dass unsere Ankunft in Dunedin voraussichtlich auf das Wochenende fiel. Somit müsste ich mit dem Zahnarztbesuch bis Montag warten.

Wir kämpften auf der gesamten Strecke bis zur Küste gegen den weiterhin starken Wind. Das kostete Kraft. Zum Glück gab es entlang des Weges einige sehenswerte Dinge:

  • Duntroon: das ist ein sehr kleines, aber überraschend sehenswertes Städtchen. Nahezu jedes Haus ist ein Museum.
  • Eine alte Höhlenmalerei in den Sandsteinfelsen: allerdings war das skurrile Erscheinungsbild des Sandsteins interessanter als die sehr stark verblassten Malereien in der Wand.

Freitag, 15.12.17

Oamaru hat einen wunderschön angelegten Public Garden und ein sehenswertes Zentrum mit einigen historischen Gebäuden. Genug Programm für einen längeren Aufenthalt. Am Nachmittag verließen wir die Stadt und fuhren die Küstenstraße entlang Richtung Dunedin.

Ursprünglich wollten wir heute bis Palmerston fahren, doch der Gegenwind und die vielen Höhenmeter machten uns einen Strich durch die Rechnung.

Nach nur 25 km waren wir mit unseren Kräften am Ende und suchten uns bei Maheno einen Platz für die Nacht. Auf einer Pferde-Farm konnten wir das Zelt aufbauen. Doch als das Zelt aufgebaut war, drehte der Wind plötzlich in eine andere Richtung. Wir mussten das Zelt um ca. 90 ° drehen, um den Winddruck auf die Seitenflächen zu reduzieren.

Dann kam die Farmersfrau und bot uns ein Zimmer im Haus an. Und so landeten wir schließlich im Haus von Carmen & Wayne und steuerten später zum Dinner unseren Proviant bei.

Samstag, 16.12.17

Beim Frühstück gab es viele Tipps zu unserer weiteren Streckenplanung und eine Einladung zur Besichtigung der Schafherde hinter der Farm.

So erlebten wir aus nächster Nähe, wie die insgesamt 1100 Schafe per Jeep und Quad zusammengetrieben wurden für eine anstehende Impfung. Ein beeindruckendes Spektakel.

Unser Video auf Youtube:

1100 Schafe:    Clip

Vor dem Abschied erhielten wir dann noch Kontaktdaten von Freunden der Familie in Wellington, Nelson und Auckland als Unterstützung für die Suche nach Übernachtungsplätzen, sobald wir diese Gegenden erreichen. Das war nett.

Dann fuhren wir bis Moeraki, wo wir die „Moeraki Boulders“ besichtigten.

Dabei handelt es sich um Mineralkugeln (Septarien), die durch Abscheidung von Karbonaten an einem Fossil entstanden sind (so vermutet man) und solange weiter wachsen, wie die geologischen Voraussetzungen gegeben sind (örtlich erhöhter pH-Wert durch Zersetzung von organischer Substanz, Verfügbarkeit von Kalk für eine Abscheidung von Karbonat und Porenwasser für den Sediment-Transport). Manche Objekte (Konkretionen) sind so über mehrere Mio Jahre zu metergroßen Kugeln gewachsen, wie hier in Moeraki in Neuseeland. Und immer wieder legt die wilde Brandung hier weitere Septarien frei, die sich noch in den tieferen Schichten im Meeresboden befinden. Ein außergewöhnliches Natur-Phänomen.

Danach fuhren wir in Moeraki an die Felsenküste, wo wir tatsächlich aus nächster Nähe eine Seehund-Kolonie beobachten konnten, wie uns die Einheimischen prophezeit hatten. Unser Gepäck stellten wir vor dem Abstecher an einem privaten Haus in Moeraki unter, denn die vor uns liegenden Höhenmeter waren auch ohne Gepäck schon anstrengend genug.

Unser Video auf Youtube:

Die Seehund-Kolonie bei Moeraki:    Clip

Direkt vor der Felsenküste trafen wir dann unsere Gastgeber von vorgestern in ihrem Wochenendhaus an. Wir wussten zwar von dem Haus dort, aber dass sie gerade jetzt dort anwesend sein würden, war schon Zufall. So klein ist die Welt manchmal.

Am Abend erreichten wir Dunedin. Die Suche nach einem Warmshowers-Kontakt hier in Dundein war sehr mühsam verlaufen. Bei 3 Mitgliedern war nur die Mailbox erreichbar, ein weiterer hatte abgesagt. Schlussendlich fand sich dann aber doch ein Platz für die Nacht. Dabei führte der Weg vom Stadtzentrum bis zum Haus kontinuierlich ungewöhnlich steil bergauf und forderte kräftezehrende Schieberei.

Sonntag, 17.12.17 – Dienstag, 19.12.17

Extreme Anstiege sind übrigens sehr charakteristisch für Dunedin: verlässt man das Stadtzentrum, geht es in allen Richtungen erst einmal steil den Berghang hinauf. Doch dass die „Baldwin Street“ hier in Dunedin mit 35% laut Guinnessbuch der Rekorde die „steilste Straße der Welt“ ist, bezweifeln wir, denn in Schottland hatten wir 2014 ein Schild mit dem Hinweis auf 40% erspäht.

Am Montag Morgen fuhr ich zur Faculty of Dentistry und hoffte darauf, dass ich hier trotz der Semesterferien und die bevorstehenden Feiertage für eine Behandlung angenommen werde.

Sie nahmen mich an und ich erhielt einen Termin für 11 Uhr. Bei der Erst-Anamnese wurde dann erst einmal geröntgt und dann stand schnell fest: 2 Zähne müssen raus. Der Eckzahn hatte einen Bruch in der Wurzel und der Weisheitszahn wäre nur noch mit viel Aufwand und einer komplizierten Füllung zu retten.

Am Dienstag Vormittag nächster Termin in der Zahnklinik. Die Behandlung dauerte knapp eine Stunde, dann hatte ich zwei Zähne weniger (ich hatte große Sorge, dass sie auch tatsächlich die richtigen Zähne ziehen, denn schließlich behandelte mich heute ein anderer Arzt).

Am Ende bekam ich Instruktionen vom Zahnarzt:

  • mindestens 2 Tage Ruhe
  • auf keinen Fall Radfahren
  • 15 min Druckkompresse, wenn die Wunden bluten sollten
  • und wenn ich die Schmerzen nicht mehr aushielte, sollte ich das Codein nehmen, das sie mir verschrieben hatten.

Oh je! Das kann ja heiter werden, dachte ich bei mir.

Einen längeren Aufenthalt in Dunedin hatten wir gar nicht eingeplant. Also suchten wir über Couchsurfing einen Kontakt. Warmshowers war komplett ausgereizt. Und tatsächlich gab es sehr zeitnah eine Zusage.

Wir machten uns frühzeitig auf den Weg, denn wir kannten ja mittlerweile die Anstiege hier in Dunedin: es ging wieder einmal steil den Berghang hinauf. Ich musste beim Hochschieben mehrfach Pause einlegen, weil das Blut in meinem Kiefer nahe der beiden Wunden zu stark pulsierte. Und eine aufgeplatzte Wunde wollte ich auf keinen Fall riskieren. Denn das bedeutete einen erneuten Besuch in der Klinik und ein wiederholtes Hochschieben der Fahrräder.

Als wir das Haus unseres Kontaktes erreichten, war offensichtlich niemand zu Hause. Am Telefon meldete sich nur die Mailbox. Das war jetzt dumm.

Lediglich ein Bewohner aus der anderen Doppelhaushälfte lief uns gerade zufällig über den Weg. Er wollte uns helfen, doch auch er konnte unseren Kontakt, den Vermieter, nicht erreichen. Über die nächsten 20 min kamen so ziemlich alle Bewohner aus dem Haus auf der Straße und diskutieren über eine Lösung für uns. Das Doppelhaus entpuppte sich nun als große WG mit mindestens 10 Mitgliedern.

Schließlich suchten sie einen freien Raum im Haus und wir sollen erst einmal reinkommen. Denn es war mittlerweile dunkel und ungemütlich nass-kalt draußen.

Nach einer halben Stunde erreichten die Mitbewohner den Vermieter dann doch und eine weitere Stunde später traf er dann auch ein. Wir wurden herzlich begrüßt und er wies uns ein Zimmer in dieser WG zu. Es gab sogar WiFi und wir konnten die Küche benutzen. Wir waren sehr erleichtert, dass doch noch alles geklappt hatte.

Mittwoch, 20.12.17 – Donnerstag, 21.12.17

Wir schliefen am Mittwoch bis 9 Uhr, so sehr hatte uns der gestrige Tag geschafft. Und weil mir der Zahnarzt 2 Tage absolute Ruhe empfohlen hatte, arrangierten wir eine zweite Nacht in dieser WG und legten einen Pausentag ein.

Die Schmerzen im Kiefer hielten sich in Grenzen. Also kam das Codein erst einmal nicht zum Einsatz. Die anderen Schmerzmittel reichten aus. Allerdings war das Kauen nicht einfach, weil ich ja auf beiden Seiten eine Baustelle hatte.

Annett hatte heute auch ausgiebig Zeit für ihre Krankengymnastik. Die war in den letzten Tagen manchmal zu kurz gekommen. Die Beweglichkeit in ihrer kranken Schulter war über die letzten Wochen kontinuierlich besser geworden. Also war die Krankengymnastik wohl die richtige Behandlung.

Am Donnerstag verabschiedeten wir uns und verließen Dunedin. In den kommenden Tagen wollten wir den Otago Central Rail Trail von Middlemarch bis Alexandra fahren. Doch die ersten 80 km von Dunedin bis Middlemarch würden hart werden, das hatten uns die Einheimischen schon prophezeit.

Viele Höhenmeter, kein Seitenstreifen für Radler und auf dem Hochplateau ein gefährlicher Seitenwind. Viele Reiseradler nehmen für diese Passage den überteuerten Bus-Transfer für 80 $ pro Person. Wir versuchten es dagegen mit Trampen.

Allerdings hatten wir uns für heute ganz schlechtes Wetter ausgesucht: es regnete aus der dichten, finsteren Wolkendecke. Pitschnasse Passagiere mit Rädern und Gepäck nimmt man ja nur ungerne mit, wenn man gerade im warmen trockenen Auto so seinen Weg fährt.

Wir fanden uns schnell damit ab, dass keiner halten würde und radelten aus der Stadt. Angenehm war das nicht gerade bei diesem Wetter, denn bei jedem Anstieg schwitzten wir unter der Regenkluft fürchterlich. Nach den ersten km versuchten wir uns erneut im Trampen und da klappte es tatsächlich doch: ein Pickup hielt und konnte uns mitnehmen bis Mosgiel, immerhin 14 km Strecke. Die folgenden 65 km bis Middlemarch wollte uns der Fahrer aber ausreden für heute. Zum Radeln zu spät und zum Trampen zu wenig Verkehr.

Nachdem er alles über unsere große Radreise erfahren hatte, entschied er dann spontan, uns bis nach Middlemarch zu fahren. Weil Weihnachten ist. Wir waren baff und konnten uns nur immer wieder bedanken.

Die Landschaft auf dieser Strecke ist übrigens ein echtes Highlight. Immer wieder ragen schroffe Felsen aus den sanften Grashügeln heraus. Und die Straße windet sich in ständigem Auf und Ab sehr kurvenreich zwischen den Hügeln hindurch.

Wir erreichten Middlemarch im späten Nachmittag und machten uns direkt auf die Suche nach einem Zeltplatz für die Nacht. Und auch hierbei erlebten wir eine Überraschung: am Sportplatz bot uns eine Frau kurzentschlossen eine kostenlose Übernachtung im Wirtschaftsgebäude ihres Campingplatzes an. Dort hätten wir es angenehmer als im Zelt und noch dazu eine warme Dusche, die Küche und die Waschmaschine zu unserer Verfügung. Sie gab uns den Schlüssel für die Haustüre und wir mussten lediglich die 7 km bis zu ihrem Gelände zurück radeln.

Es war ein verregneter Tag und wir hatten mit einer mühsamen Etappe gerechnet. Doch stattdessen hatten wir jetzt schon den Railtrail erreicht und sogar einen warmen, trockenen Platz zum Schlafen. Unglaublich.

Freitag, 22.12.17 – Samstag, 23.12.17

Der gesamte Rail Trail besteht aus 150 km gut ausgebauter Schotterpiste. Stellenweise war der Schotter allerdings sehr grob und wir wurden mit unseren vollbepackten Rädern ganz schön durchgeschüttelt. Bis auf wenige Stunden blies uns meist auch ein recht kräftiger Gegenwind ins Gesicht. Und Anstiege gibt es auch; es geht einmal sogar hoch bis auf 618 m Höhe. Aber die Steigung ist immer sehr moderat. Das ist halt der große Vorteil der Bahntrassen.

Die Landschaft ist nahezu auf der gesamten Strecke ein absolutes Highlight: die Trasse windet sich um die Berghügel, überall ragen Felsen aus der Wiesenlandschaft und man zieht an riesigen Schafherden vorbei. Alles zusammen sehr abwechslungsreich.

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Otago Central Rail Trail:    Clip1     Clip2     Clip3

Und die vielen Brücken (es sollen in Summe 68 sein) und Tunnel lassen erahnen, wie aufwändig der Bau der Bahnlinie (Otago Central Railway) seinerzeit war.

Am Samstag erreichten wir dann gerade noch rechtzeitig unseren Warmshowers-Kontakt in Alexandra und es gab einen weihnachtlichen Abend mit Fest-Dinner und selbstgebackenem Weihnachtsgebäck. Es war zwar noch nicht Heilig Abend, aber dieser Abend kompensierte ein Stück weit die etwas ungewohnte Leere, die man weitab der Heimat an solchen Feiertagen erlebt, wenn man fernab der eigenen Familie per Reiserad unterwegs ist. An solchen Tagen kommt man auch bei den privaten Übernachtungs-Netzwerken wie Couchsurfing und Warmshowers an Grenzen, denn alle Gastgeber feiern dann im Kreis ihrer Familien und sind dementsprechend nicht als Host verfügbar.

Sonntag, 24.12.17

Wir gingen den Tag sehr entspannt an. Nach dem gemeinsamen Frühstück bei unserem Gastgeber verabschiedeten wir uns und fuhren ins Zentrum von Alexandra, wo wir den halben Tag verbrachten. Die ungehemmte Sonnenstrahlung und die 30°C hätten uns auch viel zu sehr zugesetzt heute.

Am Nachmittag radelten wir weiter. Nur ein paar km. Bis nach Clyde. Ab hier würden wir 30 km am Clutha River entlang radeln bis nach Cromwell. Das hoben wir uns für morgen auf.

Unterwegs erfreuten wir uns der vielen reifen Pflaumen in den Bäumen entlang des Radweges.

Sehr frühzeitig machten wir uns im Einzugsgebiet von Clyde dann auch auf die Suche nach einem Übernachtungsplatz. Und daraus wurde eine Einladung zum Zeltaufbau im Garten und zum gemeinsamen Barbecue. Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet heute, zum Weihnachtsfeiertag.

Im Zelt organisierten wir dann kurz vor der Dunkelheit unsere Bescherung und ließen den Tag so gemütlich ausklingen wie selten zuvor.

Montag, 25.12.17

Der Start in den Tag begann sonnig und heiß, doch um die Mittagszeit herum zogen dunkle Wolken auf und es begann zu regnen. Es war nicht viel Regen, aber in Verbindung mit dem eisigen Gegenwind wurde die weitere Fahrt sehr ungemütlich und anstrengend.

Die Landschaft entlang des Clutha River war weiterhin traumhaft, wenn auch die Berge fast vegetationslos sind. Mit nur 20 cm Niederschlag pro Jahr ist diese Gegend halt zu trocken für üppige Vegetation. Die Wolken regnen sich ganzjährig am vorgelagerten Gebirgszug an der Westküste komplett ab. Dort (im Westland) findet man daher bis zu 6! m Niederschlag jährlich.

Wir erreichten Cromwell, schauten uns die alten Gebäude im Zentrum an und fuhren nach kurzer Pause weiter Richtung Wanaka. Der Regen war zwar durch, aber der heftige Gegenwind blieb uns treu. Auf halber Strecke zwischen Cromwell und Wanaka fanden wir dann unseren Zeltplatz für die Nacht.

Dienstag, 26.12.17

Kurz vor Wanaka befindet sich „Puzzling World“, das Pendant zur „Casa Magnetica“ im Brühler Phantasialand (was ja seit 2011 nicht mehr existiert). Hier erlebt man Illusion und optische Täuschung, jede Menge Geduldsspiele und eine Galerie des zum Thema passenden Künstlers M. C. Escher.

In Wanaka trafen wir so viele Touristen an, wie in keinem Städtchen bisher. Alle Geschäfte waren geöffnet und alle waren auf den Beinen. Natürlich auch wegen des guten Wetters. Die Sonne schien durch den leicht bewölkten Himmel und brannte sehr heiß.

Nach einer ausgedehnten Pause in der Stadt radelten wir auf einem schmalen Pfad direkt an der Küste entlang bis nach Hawea. Auf unserer Karte war dieser Weg als Radweg ausgeschrieben, doch die zweite Hälfte der Strecke war überhaupt nicht für bepackte Reiseräder geeignet. Bis uns das bewusst wurde, waren wir aber schon so weit vorgedrungen, dass eine Kehrtwende nicht mehr in Frage kam.

Irgendwann war auch dieser Weg zu Ende und wir erreichten bei Albert Town wieder die Asphaltstraße. Und weiter ging unsere Fahrt bis nach Hawea, wo wir dann rechtzeitig vor der Dunkelheit entschieden, eine Weiterfahrt auf morgen zu verschieben. Denn ab hier lag auf den folgenden 150 km Strecke nur noch ein Dorf (Makarora) und sonst nichts mehr bis Haast an der Westküste.

Wir fragten bei Privat und fanden eine nette Familie, die uns einen Platz im Garten anbot.

Heute war der erste Tag seit meinem Besuch in der Zahnklinik, den ich ohne Schmerzmittel verbrachte. Die Schmerzen hielten sich in Grenzen. Auch das Kauen war langsam wieder auf beiden Seiten möglich. Wenn auch noch Schonkost angesagt war; also nichts, was die Wunden zu stark belasten könnte. Das Codein hatte ich jedenfalls nicht benötigt über die ganzen Tage.

Mittwoch, 27.12.17

Wir bekamen noch einige Tipps zu den Sehenswürdigkeiten auf der vor uns liegenden Strecke. Dann verabschiedeten wir uns und fuhren am Lake Hawea und später am Lake Wanaka entlang bis hoch nach Makarora.

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Lake Wanaka:    Clip

Dieses Städtchen besteht eigentlich nur aus einem Gasthof mit kleinem Laden und einigen wenigen Häusern. Wir machten große Pause und dann fuhren wir weiter. 10 km hinter Makarora laden große Schilder zur Besichtigung der „Blue Pools“ ein.

Allerdings handelt es sich dabei „nur“ um einen felsigen Mündungstrichter eines kleinen Wildbaches, in dem das klare Bergwasser in hellem blau gegen den weißen Felsen schimmert. Sieht nett aus, ist aber wenig spektakulär, wenn man als Wildwasser-Paddler schon die Soca in Slowenien erlebt hat. Da erschienen uns die beiden federnden Hängebrücken auf dem Weg von der Straße zu diesem Ort spannender.

Kurz hinter den Blue Pools fuhren wir dann aus der Not heraus etwas zerknirscht einen wegen seiner vielen Sandflies gefürchteten Campingplatz an, weil das Trampen bis nach Haast an der Westküste vor der Dunkelheit einfach nicht gelingen wollte. Um diese Tageszeit waren nur noch Campervans unterwegs, die auf der Suche nach einem Stellplatz für die Nacht waren.

Und tatsächlich erlebten wir heute Abend unsere erste wirkliche Sandflies-Plage hier auf Neuseeland. Sie schwirren in Hundertschaften um einen herum und beißen. Wenn man sie erwischt, ist es schon zu spät. Zurück bleibt dann eine über Tage juckende Schwellung auf der Haut. Kratzen darf man sich auch nicht, sonst entzündet sich die Stelle. Alles sehr unangenehm.

Donnerstag, 28.12.17

Früh um 7 Uhr machte tatsächlich ein DOC-Ranger seine Runde und checkte an allen Fahrzeugen und Zelten, ob auch tatsächlich jeder bezahlt hatte.

Die Sandflies blieben uns treu bis zur Abfahrt und waren dabei genauso nervig wie am Vorabend. Wahrscheinlich hatte es sich unter den Tierchen herumgesprochen, dass hier täglich frisches Blut zu holen ist. Der Platz war durch die umliegende Botanik auch sehr windgeschützt. Das erleichtert den Sandflies natürlich die Arbeit.

Apropos Botanik: Der Bereich Makarora ist so eine Art Wetterscheide. Ab hier erlebt man üppige Botanik und dichten Regenwald und lässt die karge, vegetationsarme Gegend um die Seen Lake Wanaka und Lake Hawea hinter sich. Das gesamte Gebiet bis Haast nennt sich dementsprechend auch „Mount Aspiring National Park“ und gehört als Teil von „Te Wahipounamu“ (dem Südwesten von Neuseeland) zum UNESCO-Welterbe.

Unser erster Job für heute war der Haast Pass, wobei der Aufstieg sich noch in Grenzen hält. In der Gegenrichtung ist er sehr steil und enthält mehr Höhenmeter, weil man von der Meeresküste auf N.N. startet.

Entsprechend steil war unsere Abfahrt hinter dem Pass, immer wieder unterbrochen durch einige nette Wasserfälle (unter anderem den „Fanteil Falls“ und dem „Thunder Creek Fall“). An den Fanteil Falls ist allerdings weniger der Wasserfall das Highlight als vielmehr die vielen, vielen Steinpyramiden, die die Touristen im Laufe der Zeit aufgebaut haben.

Auch sehr typisch für die Fahrt vom Haast Pass bis zur Westküste ist der ewige, starke Wind aus Westen, der einem das Radeln sehr anstrengend gestaltet. Nachts kommt er wohl immer aus der anderen Richtung. Aber das hilft uns leider nicht.

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Haast River:    Clip

Auch Haast besteht eigentlich nur aus einem Motel, einem kleinen teuren Supermarkt und einigen Häusern. Und glücklicherweise fanden wir auch hier bei privat einen Platz für unser Zelt im Garten. Theo kam gerade vom Fischen auf hoher See und prompt landete ein Stück frischer Fisch in unserem Trangia-Topf und bereicherte unser heutiges Dinner.

Im weiteren Verlauf des Abends erfuhren wir dann, dass Theo in seiner Jugend in Deutschland gelebt hatte und zufällig bei Hans und Lotte Haas, „den“ Pionieren der Unterwasser-Fotografie ein- und ausging. Später hatte er dann einige der alten Leica-Kameras von Hans Haas geerbt. Was für eine kleine Welt. Ich erinnerte mich noch zu gut an ein Buch von Hans Haas, das ich in meiner Jugend gelesen hatte. Insbesondere die Beschreibung der Erlebnisse bei seiner ersten Begegnung mit einem Hai unter Wasser hatte mich als Knirps sehr beeindruckt.

Freitag, 29.12.17

Theo sensibilisierte uns noch im Hinblick auf die Gefährlichkeit der Regengüsse hier an der Westküste. Es waren zwar für die kommenden 10 Tage keine heftigen Regenfälle gemeldet, doch wenn sie hier niedergehen, dann wäre ein Aufenthalt im Freien lebensgefährlich. Jährlich sterben wohl 3 bis 4 Personen durch herabstürzende Geröll- und Schlamm-Lawinen auf den Straßen.

Wir verabschiedeten uns, luden im Supermarkt noch unsere Akkus, und dann fuhren wir weiter auf dem Highway No. 6 Richtung Fox Glacier, unserem heutigen Besichtigungsziel.

Die Landschaft wurde jetzt atemberaubend. Die Straße windet sich hier entlang der Küste durch die Hügellandschaft (für unsere schweren Räder sind es eher „Berge“) und zu beiden Seiten der Straße wächst üppiger, dichter Regenwald. Farn in allen Größen, Moosflächen, die im Sonnenlicht schimmern, … es ist ein traumhafter Weg.

Wenn die Straße nur einen Seitenstreifen für Radler hätte. Hat sie aber eben nicht. Und so rauscht der gesamte motorisierte Tourismus ohne halbwegs sicheren Seitenabstand an einem vorbei.

Besonders gefährlich sind dabei die vielen Bootsanhänger mit Überbreite. Mancher Fahrer ist sich dessen nicht wirklich bewusst und somit erlebt man häufiger eine Schrecksekunde nach der anderen.

Zum Fox-Glacier führt eine kleine Stichstraße über 4 km Länge. Wir stellten hier auf halber Strecke unser Gepäck in die Büsche, um uns die Anfahrt zum Gletscher nicht unnötig zu erschweren. Ab dem Parkplatz steigt man dann zu Fuß 1-2 km weit in den Berghang empor, bis man den Blick auf das Auslaufende der Gletscherzunge vor Augen hat.

Wenn man das erste Mal in seinem Leben einen Gletscher in natura erlebt, ist das sicher für jeden spannend. Doch wirklich beeindruckt ist man erst, wenn man sich die reale Größe der Gletscherzunge bewusst macht. Ganz hilfreich war für uns hierzu eine Abbildung mit dem Eiffelturm auf der Gletscherzunge.

Über die Jahrzehnte schrumpft der Gletscher aber dennoch gewaltig, wie der Vergleich auf den Fotos von 1998, 2012 und 2016 zeigt.

Zufällig hatten wir für die Besichtigung das perfekte Wetter und die richtige Tageszeit erwischt. Damit wurde es ein unvergessliches Erlebnis.

Einen Platz fürs Zelt fanden wir dann hinter dem Ort Fox Glacier auf einer Wiese neben einem der wenigen Häuser, die nicht als B & B, Hostel oder Motel daher kamen. Der Eigentümer war sogar so nett und planierte für uns mit seinem Quad das hohe Gras, damit wir es beim Zeltaufbau leichter hatten.

Bis auf ganz wenige Ecken ist alles hier sehr touristisch durchdrungen. Man kann Gletscher-Touren in allen Varianten buchen. Es gibt sogar mehrere Anbieter für Helikopterflüge über den Gletscher: mit 225 € bis 350 € je nach Programmumfang ist man dabei. Zwischen den vielen Hostels und Motels gibt es auch jede Menge Kitsch und Schnick-Schnack in den Souvenirshops und alles ist fürchterlich überteuert.

Samstag, 30.12.17

Der Himmel war dicht verhangen mit Wolken. Und die Vorhersage für den kommenden Tag sah nicht gut aus: starker Dauerregen über den gesamten Tag entlang der gesamten Westküste. Das waren ja tolle Aussichten für unser diesjähriges Sylvester.

Auf die Besichtigung des Franz-Josef-Gletschers verzichteten wir heute. Die Locals prophezeiten uns, wir wären enttäuscht nach dem gestrigen Erlebnis am Fox Glacier. So fuhren wir direkt durch bis Hari-Hari, weiter im Norden. Auf diesem Weg trafen wir auch erstmalig auf unserer großen Tour eine ungewöhnlich große Zahl Reiseradler: gleich 8 Radler fuhren uns über den Weg. Und durchweg hatten sie alle deutlich weniger Gepäck am Rad im Vergleich zu uns: „Bikepacking“ war jetzt wohl stark im Kommen.

Der von uns vor einigen Tagen angeschriebene Warmshowers-Kontakt in Hari-Hari hatte sich nicht gemeldet. Also suchten wir uns wieder einen Platz auf den Farmen entlang der Straße. Und nach mehreren enttäuschenden Anläufen klappte es doch noch kurz vor 20 Uhr. Und hier endete der Abend dann in einer geselligen Barbecue-Runde mit weiteren Freunden der Familie, bis die Sandflies irgendwann unerträglich wurden.

Sonntag, 31.12.17

Abends hatte der Regen eingesetzt und es sollte tatsächlich ein vollwertiger, waschechter Regentag werden. Es schüttete mehrere Stunden lang wie aus Eimern. Unser Gastgeber bot uns an, noch eine weitere Nacht zu bleiben und den großen Regen abzuwarten.

Wie dankbar waren wir für dieses Angebot. Denn schließlich war heute nicht irgendein Tag, sondern eben Sylvester. Und die Vorstellung, an diesem Tag pausenlos durch strömenden Regen und eine Wolken-verhangene Berglandschaft fahren zu müssen, war schon etwas grausam.

Sehr beeindruckt waren wir von der Tatsache, dass unser Gastgeber sein Haus wieder aufgebaut hatte, nachdem es in einem Sturm mit Windböen um 320 km/h! vollständig zerstört worden war.

Jetzt hatten wir auch die Gelegenheit, mal wieder all unsere Akkus zu laden: Smartphones, eBook-Reader, Netbook, Kamera, … alles war mittlerweile leergefahren. Unser gestriger Versuch, das Laden in den Cafes in Fox Glacier zu erledigen, war sehr ernüchternd verlaufen: alle Steckdosen waren durch andere Gäste belegt, die natürlich dasselbe vorhatten. Oder es dauerte ewig wegen dem viel zu schwachen Netz.

Montag, 01.01.2018

Über die Nacht hatte es aufgehört zu regnen. Die Wolken hingen zwar noch tief, aber es wurde zunehmend klarer und später kam sogar die Sonne durch.

Frohes neues Jahr! Wir arrangierten mit unserem Gastgeber noch eine kleine gegenseitige Bescherung. Das war nett für beide Seiten. Dann verabschiedeten wir uns.

Wir radelten weiter entlang der Bergkette, die sich zum Landesinneren hin auftürmte. Dabei führte die Straße meist durch für diese Küste ungewöhnlich flaches Gelände, sodass wir ausnahmsweise einmal gut voran kamen heute. Dazu wehte der Wind meist von hinten. Gut so.

Nach einer Pause in Ross wählten wir den Schotter-Trail dicht an der Küste und verließen den Highway No. 6 mit seinem weiterhin sehr gefährlichen Verkehr. Kurz hinter Hokitika suchten wir uns dann einen Zeltplatz.

Dienstag, 02.01.18

Wir nutzten noch WiFi, freuten uns über die Neujahrsgrüße aus der Heimat und von unseren Reisekontakten und schrieben selber welche.

Dann starteten wir bei Nieselregen. Wäre weiter kein Problem für uns, wenn da nicht dieser gefährliche Verkehr wäre. So wurde das Radeln auf dieser Straße noch eine ganze Ecke riskanter. Wir versuchten zu trampen, aber das Ergebnis war frustrierend.

… bis plötzlich einer der Gäste von der Barbecue-Party vom 30.12. aus Hari-Hari neben uns hielt und uns die Mitnahme in seiner Geländelimousine anbot. Er hatte uns wiedererkannt und wollte auf jeden Fall helfen, obwohl uns sein Laderaum für die Fahrräder viel zu klein erschien. Doch wo ein Wille ist, ist ein Weg. Es klappte und wir hatten noch viel Spaß auf der Fahrt. Wie klein die Welt doch manchmal ist.

So erreichten wir Greymouth, erledigten einige Einkäufe und schauten uns das Städtchen an. Bei der Suche nach einem Zeltplatz landeten wir kurz hinter Greymouth bei einer netten Familie im Garten. Und aus dem Zeltplatz wurde nach einigen Minuten ein Umzug in den Schuppen neben dem Haus, wo wir nur unsere Matten auf dem Boden legten. So hatte ich auch noch genügend Zeit, um an unseren Fahrrädern einige anstehende Reparaturen durchzuführen. Dann folgte ein netter Abend im Haus, wobei wir uns gegenseitig über unsere Reiseerlebnisse austauschten.

Mittwoch, 03.01.18

Nach dem gemeinsamen Frühstück zeigten unsere Gastgeber uns noch, wie man das Schuppentor schließt, dann verabschiedeten sie sich und fuhren zur Arbeit.

Die Sonne schien, obwohl die Wettervorhersage ganz anders aussah. Aber das war uns natürlich recht. Und wir erlebten heute eine wunderschöne Küstenlandschaft entlang unserer Straße: felsige Klippen, Brandung, aber auch sehr viele Höhenmeter. So kamen im Laufe des Tages 650 Höhenmeter zusammen, obwohl man aus der Karte eher eine ebene Straße interpretieren könnte.

Krönender Abschluss war dabei die Besichtigung der Pancake Rocks bei Punakaiki im Paparoa Nationalpark:

Ihr skurriles Erscheinungsbild haben die Felsen durch die Erosion an den unterschiedlich harten Sedimentschichten. So entstand im Laufe der Zeit eine Stufenstruktur, die an gestapelte Pfannkuchen erinnert. Daher auch der Name „Pancake Rocks“.

Unser Video auf Youtube:

Pancake Rocks:    Clip

Danach fuhren wir nur noch einige km weiter bis Fox River, wo wir uns einen Zeltplatz suchen wollten. Wir waren durch die Höhenmeter und die drückende Hitze derart geschafft, dass uns eine Weiterfahrt bis nach Charleston zu riskant erschien. Schließlich führte die Straße weiterhin durch die Küstenberge und versprach viele Anstiege, aber keine Zivilisation.

Viel Auswahl bot Fox River bei unserer Suche nach einem Platz nicht. Alle Häuser lagen versteckt hinter viel dichter Botanik. Ich hörte irgendwo einen Rasenmäher hinter den Büschen. Also sprang ich über die Leitplanke und folgte dem Geräusch durch die Büsche, bis ich schließlich in einer gewaltigen Schlucht ankam, aus dem es scheinbar nur einen Ausgang Richtung Strand gab. Dort fragte ich den Gartenbesitzer nach einem Zeltplatz. Und glücklicherweise bot dieser uns direkt einen Platz neben seinem Haus an.

Wir mussten nur unsere Fahrräder über die Leitplanke tragen, weil es keinen anderen Zugang zu seinem Haus gab. Also alle Packtaschen ab, alles einzeln über die Leitplanke tragen und dahinter wieder aufpacken.

Wir waren tatsächlich in einem kleinen Felsenkessel mit direktem Zugang zum Strand gelandet. Und die Flut hörte sich des Nachts gefährlich nah an, wenn die Brandung auf den steilen Felswänden aufschlug. Luftlinie waren es auch keine 20 m vom Wasser bis zu unserem Zelt.

Donnerstag, 04.01.18

Die vielen Sandflies verhinderten sehr effektiv ein entspanntes Frühstück. Aber dennoch war es einer der schönsten Zeltplätze, die wir je hatten. Es war einer dieser besonderen Orte, an die man sich immer wieder gerne erinnert.

Wir beobachteten noch die beiden Wellenreiter draußen in der Brandung. Danach fuhren wir weiter die Küstenstraße hinauf Richtung Westport. Und es wurde wieder eine kräftezehrende Mischung auf Schieberei und rasanten Abfahrten, ähnlich dem gestrigen Tag. Bis zur Mittagspause schafften wir es gerade einmal bis Charleston. Die Küstenszenerie blieb dabei weiterhin sehr spektakulär. In Verbindung mit dem tropischen Regenwald und der wilden Brandung ein unvergesslicher Teil unser Reise durch Neuseeland.

Kurz hinter Charleston fragten wir an einem Haus nach Wasser für unsere Flaschen und wurden auf eine Tasse Tee eingeladen. Und aus dieser Runde Tee wurden eine Einladung zur Übernachtung im Haus und ein geselliger Tagesausklang zu fünft.

Und es war gut, dass wir heute das Zelt nicht aufbauen mussten, denn ab dem späten Nachmittag regnete es. Wir hatten zwar schon seit gestern mit dem großen Regen gerechnet, doch jetzt war er tatsächlich über uns angekommen.

Freitag, 05.01.18

Der Regen setzte sich am Morgen fort. So blieb uns nichts anderes übrig, als in Regenkleidung in den Tag zu radeln. In Verbindung mit den vielen Höhenmetern und dem harten, kalten Gegenwind zermürbte es mich in kurzer Zeit. Wir versuchten schnell, wieder zu trampen. Doch es dauerte seine Zeit, bis ein Pickup hielt und uns mitnahm. So erreichten wir am späten Nachmittag doch schon Murchison, ein kleines, aber sehr touristisches Städtchen. Hier ereignete sich 1929 ein gewaltiges Erdbeben mit einer Stärke von 7,8 auf der Magnituden-Skala.

Nach einem Einkauf (es war alles sehr teuer hier) und einer ausgedehnten Besichtigung der kleinen Lädchen (sehr überschaubar) fuhren wir weiter und suchten uns kurz hinter Murchison einen Zeltplatz.

Bei einer kleinen Farm wurden wir fündig und bauten das Zelt auf der Wiese unweit der Gebäude auf. Als das Zelt stand, begann es wieder leicht zu regnen. Da kam die Farmersfrau zu uns und bot uns ein Zimmer im Haus an. Das wäre doch viel angenehmer bei dem Regen.

Wir freuten uns nach diesem harten Tag natürlich über die Wendung und packten das Zelt wieder zügig zusammen. Dann folgte ein netter Abend im Haus. Es gab sogar WiFi für uns; wenn uns auch wie so oft die Gelegenheit fehlte, es ausgiebig nutzen zu können. Denn ein gemeinsamer Abend mit den Gastgebern hatte immer Vorrang.

Samstag. 06.01.18

Endlich schien wieder die Sonne. Das gab uns die Motivation zurück. Nach dem gemeinsamen Frühstück bekamen wir eine noch eine üppige Zusammenstellung von Gemüse und Kräutern aus dem eigenen Garten und einige hausgemachte Spezialitäten mit auf unseren Weg. Annett bekam sogar einen „Glücksengel“ geschenkt: ein außerordentlich schönes Gemälde aus ihrer eigenen Kunstsammlung auf einem Stück Treibholz.

Die Straße blieb weiterhin sehr hügelig und das hohe Verkehrsaufkommen war sehr gefährlich. Es gab selten einen Seitenstreifen für uns. Und wenn, dann war der Asphalt dort sehr rau und holprig und bot uns einen ungewöhnlich hohen Rollwiderstand.

Ab Mittag zogen Wolken auf und am Nachmittag setzte wieder Regen ein. Dazu wehte uns ein kalter scharfer Gegenwind ins Gesicht. Wir hätten uns heute gerne frühzeitig einen Zeltplatz gesucht, doch daraus wurde nichts. Es gab keine Farmen und keine Campingplätze auf unserem Weg. In der Wildnis zelten wollten wir nicht. Also fuhren wir durch bis St. Arnauld, einem Wintersport-Ressort auf 650 m Höhe und suchten uns dort in strömendem Regen einen Schlafplatz. In einem Fahrrad-Unterstand auf dem Schulgelände wurden wir dann fündig. Der Platz reichte gerade für unsere Schlafmatten aus und das niedrige Dach erlaubte keinen aufrechten Stand. Aber dieser Unterstand ersparte uns den Zeltaufbau im Regen. Da verlief unser Abendprogramm doch deutlich entspannter.

Allerdings mussten wir aufpassen, wo wir uns bewegen, denn kaum verließen wir den Schuppen, schalteten die Bewegungsmelder irgendwelche Scheinwerfer ein.

Sonntag, 07.01.18

Wir wurden wach, gerade als ein Pickup auf das Schulgelände fuhr und unweit von unserem Schlafplatz hielt. Jetzt gibt es Ärger mit dem DOC, dachte ich bei mir.

Doch nichts dergleichen passierte. Es war ein Arbeiter, der den Rasen auf dem Schulgelände mähen wollte. Er grüßte uns freundlich und wollte beim Anblick unserer bepackten Fahrräder sofort alles über unsere Radreise wissen. Und er fand unsere Idee, im „Fahrrad“-Schuppen zu schlafen, sehr originell und passend.

Weil sich der Regen heute Morgen fortsetzte, organisierten wir unser Frühstück gegenüber der Schule unter dem Vordach vom Community Center, dem einzigen öffentlich zugänglichen, überdachten Platz weit und breit. Es dauerte einige Stunden, bis die Wolken sich auflockerten und die Sonne ab und zu für etwas wärmere Temperaturen sorgte.

Und zufällig hatten wir heute einmal einen starken Rückenwind, der uns zu einem ungewöhnlich guten Schnitt von 18 km/h verhalf. So fuhren wir einige Stunden ohne Unterbrechung und zögerten unsere Mittagspause immer weiter hinaus, weil wir die Befürchtung hatten, der Wind könnte drehen.

Und tatsächlich war es nach der Pause mit dem helfenden Wind dahin. Wir hatten jetzt einen äußerst kräftigen Gegenwind. Er bremste uns derart stark, dass wir nach wenigen km beschlossen, vorzeitig auf die Suche nach einem Zeltplatz zu gehen.

Wir fragten an der erstbesten Farm und durften das Zelt auf der Wiese aufstellen. Und dann wurden wir auch hier wieder ins Haus eingeladen und die Farmersfrau bereicherte unser Dinner um einige Zutaten aus der eigenen Küche. So wurde aus unserem „Reis mit ohne“ plötzlich ein Menü mit Schweinebraten und Gemüse.

Montag, 08.01.18

Weiter führte unsere Weg durch das Wairau Valley, ein ebenes, weites Tal, in dem der Weinanbau seit einigen Jahren sukzessive den Ackerbau verdrängt. Die angrenzende Bergwelt war ganz nett, der Weinanbau ist auf Dauer aber sehr monoton. Obwohl es sich um ein Tal handelt, waren doch immer wieder Anstiege zu bewältigen. Und der Gegenwind von gestern war leider auch noch präsent.

Unglücklicher Weise hatten sie wohl für den heutigen Tag die Küstenstraße zwischen Picton und Christchurch gesperrt, um Schäden aus den vergangenen Erdbeben zu beseitigen. Somit erhöhte sich das Verkehrsaufkommen auf unserer Strecke natürlich deutlich, denn unsere Straße war die einzige Alternativ-Verbindung zwischen diesen Städten.

Am Nachmittag erreichten wir Blenheim, das letzte größere Städtchen vor Picton auf der Südinsel. Wir kauften Lebensmittel, machten Pause und dann fuhren wir weiter Richtung Picton. Von dort aus wollten wir morgen per Fähre nach Wellington auf die Nordinsel von Neuseeland wechseln.

Auf halber Strecke fanden wir dann auch ohne große Mühe einen Zeltplatz in einem Privatgarten und landeten wieder in einer netten geselligen Runde bei Tee und Gebäck im Haus.

Dienstag, 09.01.18

Es waren nur noch 18 km zu fahren bis Picton. Doch durch den starken Gegenwind und die vielen Höhenmeter benötigten wir tatsächlich über 2 Stunden. Und die Fahrt war dabei sehr mühsam. In Picton angekommen, fuhren wir in die Touristeninfo, wo wir unsere Fährtickets buchen wollten.

Es gibt 2 Fährlinien: Bluebridge und Interislander. Bluebridge war für uns etwas preiswerter. Wir zahlten (2018) 53 $ pro Person und 10 $ pro Fahrrad. Bei Interislander wären es mit Rad 71 $ gewesen.

Doch leider war die geplante Fähre um 14 Uhr schon vollständig ausgebucht. Damit hatten wir nicht gerechnet, zumal uns die Locals in den letzten Tagen immer wieder versichert hatten, dass wir mit Fahrrädern jederzeit ohne Buchung mitfahren könnten. Konnten wir aber jetzt nicht.

Man kann sich zwar gegen ein sattes Aufgeld auf eine Warteliste setzen lassen und wird dann möglicherweise als Last-Minute-Passagier doch noch mitgenommen, wenn die Schiffs-Crew noch einen freien Platz findet. Doch wir bevorzugten dann doch die Buchung der nächsten Fähre um 19 Uhr.

Und damit war klar, dass wir Wellington erst um 22:30 Uhr erreichen würden. Wir informierten noch unseren Warmshowers-Kontakt in Wellington über unsere Verspätung, dann machten wir Pause und nutzten WiFi in der Bücherei.

Um 18 Uhr war Check-In am Fährhafen, um 19 Uhr legte die Fähre ab. Auf dem ersten Drittel durchfährt die Fähre den Marlborough Sound, eine wunderschöne, zerklüftete Inselwelt im Norden der Südinsel. Sobald die Fähre danach auf der offenen See fuhr, sorgte der Wellengang bei mir sofort für die übliche Seekrankheit. Dabei hatten wir heute wohl lediglich leicht bewegte See. Wie heftig muss die Übelkeit hier wohl zum Ausbruch kommen, wenn die See tatsächlich einmal stürmisch ist?!

Um 23 Uhr erreichten wir Wellington, die Hauptstadt von Neuseeland. Wir hatten jetzt zwar nur noch 6 km bis zu unserem Warmshowers-Kontakt zu radeln, doch der starke Nieselregen zwang uns zum Einsatz der Regenkleidung. Dafür wurden wir allerherzlichst empfangen.

Mittwoch, 10.01.18 – Freitag, 12.01.18

Mittwoch war unser Reparatur-Tag: das Loch in meiner Schlafmatte musste gefunden und abgedichtet werden, Löcher und Risse in einigen Kleidungsstücken und den Fahrradhandschuhen mussten genäht werden, an einem Ladekabel und an unserem Maus-Kabel waren die Außenhüllen gerissen, 4 neue Löcher in der Bodenfläche meiner Packtaschen mussten abgedichtet werden, … es war ein Tag-füllendes Programm.

Über den Tag begann es zu regnen. Da war unser Pausentag eine glückliche Fügung, denn bei Dauer-Nieselregen machte das Radeln sowieso keinen Spaß.

Am Donnerstag besuchten wir das „Te Papa Tongarewa“ Museum, die vielleicht größte Sehenswürdigkeit in der Hauptstadt. Hier erhält man einen umfassenden Einblick in die Entstehungsgeschichte von Neuseeland und die Entwicklung der Besiedelung bis in die Neuzeit:

  1. Die Entstehung und die einzigartige geologische Beschaffenheit von Neuseeland: hier bewegen sich 2 Kontinentalplatten gegeneinander; die Ursache für den Vulkanismus und die vielen heftigen Erdbeben. Hier wird auch sehr anschaulich beschrieben, wie die Bevölkerung durch Schulung und Sensibilisierung auf zukünftige Naturkatastrophen vorbereitet wird. Ebenso sind entsprechende bautechnische Vorkehrungen, z.B. Schwingungsdämpfer in Brückenauflagern, ausgestellt.
  2. Die Kultur der Maori, der indigenen Bevölkerung von Neuseeland, die seit dem 13. Jh. auf Neuseeland präsent ist
  3. Die Besiedelung durch Einwanderer aus Europa und Amerika sowie durch die vielen Flüchtlingsströme
  4. Die dramatischen Geschehnisse während der Militäreinsätze im 1. Weltkrieg in Gallipoli (Gelibolu) auf dem Boden der heutigen Türkei nahe der Dardanellen (hier zeichnen übergroße Figuren das Schreckgespenst des Krieges unglaublich eindrucksvoll)
  5. Neuseeland heute: die Auseinandersetzung mit den aktuellen Problemen in den Bereichen Natur und Umwelt, Landwirtschaft, Gesellschaft und Tourismus.

Alle Themenräume sind multimedial (Filme, Animationen, 3D-Projektionen, Beschallung, usw.) eingerichtet und es gibt viele interaktive Exponate. Auch für die Kids wird es da nicht langweilig. So kann man durch das riesige Herz eines Blauwals kriechen, die Fangkrallen einer Riesenkrake „begreifen“, ein Erdbeben nachempfinden oder Fossilien unter dem Mikroskop erforschen.

Besonders beeindruckend ist auch das konservierte Exemplar eines Riesentintenfisches (Koloss-Kalmars) mit 500 kg Gewicht, das sie 2007 vor der Küste der Antarktis zufällig an Bord gezogen hatten.

Selten erlebt man in einem Museum eine solch hohe Informationsdichte, wie hier im Te Papa. Der Besuch dieses Museums ist zudem kostenlos. Ein Highlight, das man sich nicht entgehen lassen darf.

Unser Video auf Youtube:

Projektion im Te Papa:    Clip

Am Freitag war nach 2 Tagen mit Dauerregen endlich wieder trockenes Wetter. Durch unseren 2-tägigen Aufenthalt hier in der Hauptstadt hatten wir diese ungemütliche Phase relativ trocken überstanden.

Wir verabschiedeten uns nach dem Frühstück und fuhren auf der Uferpromenade die gesamte Hafenmeile ab. Alles ist sehr nett gestaltet auf dieser Promenade. Und daher ist sie auch zu jeder Tageszeit sehr bevölkert.

Im weiteren Verlauf bis Lower Hutt nördlich von Wellington war die Verkehrsführung für Radler nicht ganz einfach, aber die sicheren Radwege ersparten uns den Highway-Verkehr.

In Lower Hutt gabelte uns unser nächster Warmshowers-Kontakt, John, auf der Straße schon vor dem vereinbarten Treffpunkt auf und bot uns die Mitnahme in seinem Wagen an. Und das hatte seinen Grund: er wohnte weit oben im Berghang. Somit ersparte er uns eine mühsame Stunde Hochschieberei.

Auf dem Weg in den Berg zeigte John uns noch eine historische Wassertränke, die seinerzeit von den ersten Siedlern als Pferdetränke in den Fels gemeißelt worden war. Sie lag so gut versteckt hinter dem dichten Farn am Straßenrand, dass man sie nicht bemerkt, wenn man nicht darauf hingewiesen wird.

Oben angekommen, gab es neben einem sagenhaften Ausblick auf Lower Hutt und Wellington Harbour einen Empfang mit Wein und Käse und im Anschluss ein fürstliches Dinner im Kreis der Familie. Zwischendurch wurde der (gewaltig) große Weltatlas gewälzt und unsere Reiseroute mit dem Finger abgewandert. John nutzte diesen Atlas seit Jahren auch als Notizbuch: alle Infos von weltreisenden Radlern hatte er auf den betreffenden Karten-Ausschnitten mit Kuli vermerkt.

Somit wuchs dieser Atlas im Laufe der Zeit zu einer riesigen Datenbank und war der Wissenspool für deren anstehende Radreise in den kommenden Jahren.

Samstag, 13.01.18 – Sonntag, 14.01.18

Samstag früh nahm uns John per Auto mit zum Obst- und Gemüsemarkt in Lower Hutt. Neben dem geplanten Einkauf hatte es auch den Charakter einer Besichtigung. Dieser Markt ist tatsächlich sehr sehenswert. Und rechtzeitig vor der großen Mittagshitze waren wir wieder daheim und nutzten die gemeinsame Zeit zum Austausch unserer Erfahrungen zum Reise-Equipment und den einzelnen Reiseländern.

Am Sonntag fuhren wir weiter auf einem netten Schottertrail am Hutt River entlang bis Upper Hutt, wo wir unseren Warmshowers-Kontakt schon vorab zufällig im Supermarkt trafen. Bei ihm zuhause gab es dann einen Grillabend im Kreis der jungen Familie.

Montag, 15.01.18

Für heute stand der Rimutaka Rail Trail auf dem Programm. Es ist einer der schönsten Railtrails auf Neuseeland und unser Verbindungsweg zur Route 52, der wir in den nächsten Tagen bis Hastings folgen wollten.

Zu Beginn (bei Maymorn) gab es allerdings als Einstieg erst einmal eine sehr steile, relativ lange Schiebepassage auf losem Schotter. Sie war so steil, dass wir unsere Fahrräder zu zweit nacheinander hochschieben mussten. Die Einheimischen hatten uns schon gewarnt. So waren wir mental vorbereitet. Hat man diesen Anstieg hinter sich, läuft alles rund: mäßige Anstiege, gut ausgebauter Radweg, ab Kaitoke eine traumhafte Landschaft, einige Brücken und Tunnel. In manchem Tunnel war der Lehmboden gefährlich rutschig. Da musste man sich höllisch konzentrieren, um auf dem Weg zu bleiben. Tatsächlich eine sehr sehenswerte Strecke durch urwüchsigen Dschungel.

Eine Passage hatte es dann doch noch in sich: durch einen Erdrutsch vor Jahren war der Weg auf ca. 100 m Strecke weggerissen worden. Hier war Furten und Schieben angesagt. Sieht spektakulär aus, war aber wegen seiner Kürze doch kein allzu großes Hindernis.

Unsere Videos auf Youtube:

Rimutaka Rail Trail:    Clip1    Clip2

Wieder im Tal angekommen, suchten wir uns einen Zeltplatz beim Farmer nah der Straße.

Dienstag, 16.01.18

Um 6 Uhr begann es zu regnen. Also blieben wir zunächst in unseren Schlafsäcken liegen und warteten geduldig das Ende der Regenschauer ab. Um 8 Uhr war der Regen dann durch und es klarte etwas auf.

Nach dem Frühstück fuhren wir durch bis Featherston und nutzten in die Bücherei noch WiFi, solange einige kurze Schauer über uns hinweg zogen.

Am späten Nachmittag erreichten wir Greytown. Eigentlich hatten wir keinen Aufenthalt geplant und wollten direkt weiterfahren bis Masterton, doch es kam alles wieder einmal ganz anders:

Annett sprang kurz in den Supermarkt, während ich in einem Copy-Shop einige Dokumente von unserer SD-Karte drucken ließ. Als ich danach am Supermarkt eintraf, war Annett gerade im Gespräch mit einer Anwohnerin aus dem Ort. Sie hatte sich für unsere Reise interessiert und lud uns nun spontan zur Übernachtung in ihrem Haus ein.

Es fiel uns nicht schwer, das Angebot anzunehmen, denn so entgingen wir den weiterhin regenträchtigen Wolken über uns und es ersparte uns die Suche nach einem Zeltplatz.

Und so saßen wir eine Stunde später zum gemeinsamen Dinner bei Ann & John und tauschten unsere Reiseerlebnisse aus. Ann & John waren über 70 Jahre alt und selber seit den 50ern per Reiserad durch die exotischsten Länder geradelt. Es waren die ersten echten Reiserad-Pioniere, die wir bisher getroffen hatten. Sie hatten auch den Karakorum-Highway bereist, als er noch ungefährlich war. Ein spannender Austausch für beide Seiten.

Mittwoch, 17.01.18

Nach dem Frühstück bot uns Ann noch an, doch noch länger zu bleiben. Denn sie wusste sehr wohl, wieviel Arbeit ein Blog über eine Radreise bereitet. Doch wir lehnten dankend ab und fuhren weiter nach Masterton.

Das waren lediglich 25 km Strecke ohne große Steigung. Doch der Gegenwind machte uns wieder zu schaffen, sodass es ein tagfüllendes Programm wurde.

Ab Masterton wollten wir auf der Route 52, einer ruhigen Nebenstrecke, die nächsten 250 km bis Hastings radeln. Und weil wir wussten, dass sich auf dieser Route auf den nächsten 50 km kein Ort und keine Zivilisation befinden, suchten wir uns über Warmshowers eine Bleibe in Masterton und verschoben die Weiterfahrt auf Morgen.

Donnerstag, 18.01.18

Wir wollten uns noch Masterton anschauen und im Supermarkt einkaufen, da fuhr uns Harry mit seinem Bike über den Weg und sprach uns an. Er war auch ein Warmshowers-Mitglied und bot uns sofort an, über Nacht bei ihm zu schlafen. Denn es war heftiger Regen mit Sturm gemeldet. Und das wäre für uns nicht ganz ungefährlich, wenn wir durch die Berge fahren. So verschoben wir die Weiterfahrt und vereinbarten die angebotene Übernachtung bei Harry.

Als wir uns dann nach einer ausgedehnten Stadtbesichtigung auf die Suche nach Harrys Adresse machten, landeten wir zunächst in einem Rätsel. Haus Nummer 53 C gab es gar nicht in der angegebenen Straße. Wir fragten die Nachbarn und versuchten Harry per Telefon zu erreichen. Doch beides ohne Erfolg. Da sahen wir uns schon in der anstehenden Dämmerung per Rad die Stadt verlassen.

Annett hielt einen Zahlendreher für denkbar und so suchten wir auch die 35 C. Und tatsächlich hatte Harry versehentlich die Ziffern vertauscht, als er uns die Adresse aufschrieb. Er wohnte erst seit einer Woche hier in Masterton und die neue Adresse war noch nicht so geläufig.

So endete der Tag aber doch noch wie ausgemacht und wir verlebten einen netten Abend im Kreis der Familie.

Freitag, 19.01.18

Nach einem wundervollen Frühstück verabschiedeten wir uns von Harry und verließen Masterton über die Route 52, der wir nun mehrere Tage folgen wollten.

Auf dem Weg aus der Stadt hatte die Polizei kurzfristig den gesamten Verkehr gesperrt und hielt die Fahrbahn frei für den Radler-Pulk des diesjährigen „New Zealand Cycle Classic“, einem Radrennen über 5 Tage hier in der Region Masterton. Und zufällig rauschte der gesamte Fahrer-Pulk gerade jetzt vor unseren Augen durch die Straße. Sehr beeindruckend.

Unser Video auf Youtube:

New Zealand Cycle Classic 2018:    Clip

Landschaftlich war die folgende Strecke tatsächlich so schön, wie uns die Locals vorab prophezeit hatten: die Straße war ohne nennenswerten Verkehr und schlängelte sich zwischen den wunderschönen Hügeln hindurch. Unzählige Schafherden grasten auf den Weiden entlang der Straße und die Sonne ließ das nasse Gras (es hatte geregnet) in allen möglichen Grüntönen erstrahlen.

Unser Video auf Youtube:

Route 52:    Clip

Während einer Pause auf dem Schulgelände in Alfredton sprach uns eine Lehrerin an. Sie interessierte sich für unsere Reise. Und nach wenigen Minuten waren wir eingeladen auf eine Übernachtung in ihrem Haus in Pahiatua. Das lag abseits unserer Route, doch wir disponierten blitzschnell um: ab Pahiatua auf dem Highway bis Waipukurau und ab dort wieder auf der geplanten Route bis Hastings. Wir sagten zu und freuten uns, ersparte es uns doch wieder einmal eine aufwändige Zeltplatzsuche.

Wir erreichten Pahiatua um 20:30 Uhr und waren ziemlich geschafft. 80 km Strecke, 460 Höhenmeter, ganztägig Gegenwind und eine Regenschauer in der Mittagszeit, das war ungewöhnlich viel für einen Tag. Dementsprechend freuten wir uns über das wundervolle Dinner und die heiße Dusche.

Samstag, 20.01.18

Nach dem gemeinsamen Frühstück machten wir uns auf den Weg. Allerdings hatten wir heute derart stark böigen Seitenwind, dass das Radfahren extrem gefährlich war. Also versuchten wir zu trampen. Es dauerte auch nicht lange, da hielt ein Wagen mit Anhänger und nahm uns mit. Unterwegs redeten wir über unsere geplante Route und nach einer halben Stunde waren wir eingeladen zur Übernachtung auf deren Farm in Weber nahe der Route 52, die wir gestern ja verlassen hatten. Und morgen würden sie uns dann per Auto bis nach Hastings fahren. Das sollte uns insgesamt 130 km Straße ersparen.

Nachmittags waren wir dann eingeladen auf einen Ausflug zu einem nahegelegenen Swimmingpool in Wimbledon. Und auf dem Weg dorthin genossen wir die durchweg traumhafte Landschaft entlang der Route 52, die wir nach neuer Planung ja nun doch nicht mehr abradeln würden.

Die Hügel standen sehr hier dicht beieinander und das gesamte Gelände wirkte sehr zerklüftet. Dabei beinhaltete die Straße deutlich mehr Höhenmeter als auf unserer gestrigen Strecke zwischen Masterton und Alfredton. Es ging ohne Unterbrechung nur steil auf und ab. Da waren wir dankbar um das Angebot des Farmers, uns morgen mitzunehmen. Das hätte uns per Fahrrad viele harte Stunden Schieberei gekostet.

Sonntag, 21.01.18

Nach dem Frühstück nahm uns der Farmer, wie angekündigt, bis Hastings mit. Ab hier wollten wir an der Küste entlang bis nach Napier radeln. Und heute hatten wir wieder den schon gewohnten Gegenwind. In Küstennähe blies er derart heftig, dass wir auf eine Alternativroute auswichen, die durch das Landesinnere verlief. Das garantierte uns wenig Landschaft aber viel Verkehr und vor allem eine ganze Menge Roadtrains mit Holzladung. Aber so kamen wir wenigstens voran.

Auf Empfehlung der Locals wollten wir von Napier bis Gisborne trampen. Der Highway auf dieser Strecke sei zu gefährlich. Doch das sollte nicht so leicht werden. Es gab in den späten Stunden des Tages kaum noch Verkehr (so ist das halt sonntags). Und somit auch keine Fahrzeuge, die für unsere Mitnahme in Frage kamen. So suchten wir uns kurz hinter Napier ein Quartier für die Nacht und verschoben das Trampen auf den morgigen Tag.

Montag, 22.01.18

Heute sollten wir mehr Glück beim Trampen haben. Wir absolvierten die gut 200 km Strecke in drei Etappen. Und tatsächlich wäre die gesamte Strecke für uns Radler sehr gefährlich gewesen. Die Straße ist sehr schmal und es gibt nur selten einen Seitenstreifen, dafür aber unzählig viele unübersichtliche Kurven und Höhenmeter. Landschaftlich war es wieder ein Highlight. Und sie bietet noch einige weitere Sehenswürdigkeiten:

Man passiert auf dem Weg die höchste Eisenbahnbrücke Neuseelands, das Mohaka Viaduct: es misst 95 m Höhe und 277 m Länge (zum Vergleich: die Müngstener Brücke bei Solingen misst 107 m Höhe bei 170 m Länge).

Ca. 50 km vor Gisborne sieht man aus der Ferne dann den Raumfahrtbahnhof von Rocket Lab auf der Halbinsel Mahia. Von hier hatte die Betreiberfirma gestern erfolgreich 3 Satelliten in den Orbit befördert. Was für ein Spektakel hätten wir erlebt, wenn wir gestern hier entlang gefahren wären.

Dienstag, 23.01.18

Unsere erste Station heute war der Bikeshop in Gisborne. Die Halterung meiner Fahrrad-Lampe war bei der gestrigen Trampaktion abgebrochen und ich wollte sie so schnell wie möglich reparieren. Der Bikeshop an der Hauptstraße kam mir da wie gerufen und nach einer Stunde hatte ich eine brauchbare Lösung errichtet. Der Bikeshop war allerdings nicht gerade preiswert und berechnete mir so ziemlich jedes Einzelteil, was ich in deren Krimskrams-Kisten fand. Sogar schon einmal benutzte Kabelbinder wurden berechnet.

Der Besuch in der Bücherei verlief dann ebenfalls etwas ernüchternd: das Stromnetz war ungewöhnlich schwach und verlängerte die Ladezeiten auf fast das doppelte. Auch die WiFi-Verbindung war so langsam, wie keine andere Verbindung bisher hier auf Neuseeland.

Gisborne erschien uns wie die Grenze zu einer anderen Zivilisation: nirgendwo sonst sahen wir bisher auf Neuseeland einen derart hohen Anteil der Maori unter den Stadtbewohnern. Und das sollte sich auf unserer Route entlang der Küste in den nächsten Tagen nicht ändern.

Ab Gisborne zieht sich der Pacific Coast Highway über 300 km an der Küste des „East Cape“ entlang bis nach Opotiki. Das Land gehört zum größten Teil den Maoris. Es gibt einige kleine Städtchen entlang der Strecke, insgesamt aber sehr wenig Zivilisation.

Wir verließen Gisborne und schauten beim Radeln immer wieder besorgt in die dunklen Wolken hinter uns. Auch das Donnergrollen kam stetig näher. Nach einigen km hatte uns das Gewitter dann eingeholt und es begann zu regnen. Da suchten wir uns schnellstens eine offene Garage nahe der Straße und holten im trockenen Unterstand unsere Regenkleidung aus den Taschen. Während wir uns umzogen, luden uns die Anwohner dann spontan zu einer Tasse Tee ins Haus ein. Und nach einer halben Stunde Plausch beim Tee war das Gewitter durch und wir brachen wieder auf.

Kurze Zeit später fand sich dann auf privatem Land nahe der Straße ein Zeltplatz für uns. Sie boten uns das Bad an und ich konnte in der Garage an unserem Blog arbeiten. Und wir waren eingeladen, noch einen weiteren Tag zu bleiben, wenn wir denn wollten. Das war unglaublich.

Mittwoch, 24.01.18

Die Wolken hatten sich verzogen und stattdessen brannte die Sonne vom Himmel. Es waren 30 °C angekündigt für heute. Das versprach schweißtreibende Stunden in dem hügeligen Gelände auf unserem Weg.

Wir radelten bis Tolaga Bay und besichtigten dort zunächst die 660 m lange Pier (Tolaga Bay Wharf). Sie ist bestimmt eine der längsten ihrer Art weltweit und war bis in die 60er Jahre eine wichtige Verkehrsanbindung für die Landwirtschaft.

Hier ist auch der Ausgangspunkt für den Cooks Cove Walkway, ein Wanderweg mit traumhafter Aussicht auf die Bucht und das Umfeld von Tolaga Bay. James Cook war hier um 1769 mit seinem Schiff gelandet.

Nach einer ausgedehnten Pause im kühlen Schatten fuhren wir am späten Nachmittag weiter auf der 35 Richtung Tokomaru Bay. Die Sonne war jetzt nicht mehr so heiß, aber vor uns lagen noch 2 größere Anstiege. In der Befürchtung, dass wir auf der Straße irgendwo in der Wildnis in die Dunkelheit geraten würden, fragten wir auf halber Strecke am erstbesten Haus nach einem Zeltplatz. Genauer gesagt, wollten wir fragen. „Ihr sucht bestimmt einen Zeltplatz“ mutmaßten die Anwohner und boten uns wie selbstverständlich ein Zimmer in ihrem Haus an, zeigten uns die Küche und das Bad und einen Stellplatz für die Räder.

Wir waren sprachlos. Das war Rekord: in weniger als einer Minute von der Straße ins Zimmer. Das schafft selbst der beste Warmshowers-Kontakt nicht.

Donnerstag, 25.01.18

Zum Abschied bekamen wir noch Orangen und Pflaumen aus dem eigenen Garten mit ins Gepäck. Dann zogen wir weiter. Die Straße schlängelte sich weiterhin mit unzähligen Kurven zwischen den Hügeln hindurch. Immer wieder waren kleinere Anstiege zu überwinden und so kamen wir im Laufe des Tages auf stattliche 530 Höhenmeter. Besonders nervig war dabei der schlechte Straßenbelag: loser Schotter und aufgeweichter, klebriger Asphalt hafteten an den Schuhsohlen. Man ging ständig wie auf Eiern, wenn man das Fahrrad den Berg hinauf schob. Unterdessen brannte die Sonne unerbittlich vom wolkenlosen Himmel und bescherte uns schwül-heiße 32 °C über den ganzen Tag. Viel Schatten gab es entlang der Straße nicht. Und selbst für eine Pause mussten wir lange nach einem geeigneten Platz suchen.

Als am späten Nachmittag die Kräfte nachließen, trampten wir und ließen uns von einem Pickup mitnehmen. Denn wir wollten auf keinen Fall ohne Wasser und ohne Zivilisation hier auf der Straße in die Dunkelheit kommen. Der Fahrer, Steve, konnte uns immerhin 15 km weit mitnehmen, bot uns aber auch gleich einen Zeltplatz an seiner Farm an. Es war seiner Meinung nach nicht sinnvoll, noch weiter zu radeln heute und er beschrieb die vor uns liegenden 60 km Strecke bis zum nächsten Dorf als sehr anstrengend. Da zögerten wir nicht lange und nahmen das Angebot an.

Dort angekommen, waren wir gleich eingeladen auf ein gemeinsames Dinner und eine Offroad-Ausfahrt auf den Hügel hinter der Farm im Abendlicht.

Freitag, 26.01.18

Die sommerliche Schwüle blieb uns heute treu. Die Luftfeuchtigkeit war schon am frühen Morgen derart hoch, dass unser Zelt nicht mal im Sonnenlicht trocknete. Das war schon ungewöhnlich.

Landschaftlich wurde die Strecke allmählich interessanter. Vor allem ab Hick´s Bay kam die Bergwelt dichter an die Straße heran und die Täler wurden enger. Auf einigen Passagen bestand die Straße noch aus Schotter oder aus ziemlich ramponiertem Asphalt.

Und auch heute kamen wir wieder auf 700 Höhenmeter auf den 56 km Strecke. Einige km hinter Potaka (dieses Dorf besteht eigentlich nur aus einer Schule, einem Maori-Friedhof und 2 heruntergekommenen Häusern) folgten wir dem einladenden Winken eines Maori an einem Haus an der Straße und fragten ihn gleich nach Trinkwasser. Unsere Flaschen waren mittlerweile leer und viele Möglichkeiten um Auffüllen der leeren Flaschen hat man in dieser Gegend nicht.

Aus dem Auffüllen der Flaschen wurden eine Einladung zum Tee im Kreis der Familie auf der Terrasse und wenig später das Angebot, im Garten zu zelten. Uns war etwas unwohl, weil wir hier in einer Maori-Familie gelandet waren. „Achtet auf Eure Räder, wenn Ihr durch Eastland fahrt“, so lauteten die Empfehlungen der Locals in den Tagen zuvor.

Doch es wurde ein spannendes Erlebnis. Einer der Söhne war über das Wochenende zu Besuch und in der kommenden Stunde wurde sein riesiges 10-Personen-Zelt im Garten errichtet. Dort war natürlich auch Platz für uns beide. Die Mutter organisierte für uns sogar noch richtige Matratzen. Es sollte uns an nichts fehlen.

Im Laufe des Abends wurde die Familie dann immer größer. In mehreren Autos kamen die einen aus der Stadt, die anderen vom Tauchen. Es müssen insgesamt so um die 12 Personen gewesen sein. Und das rege Treiben ging langsam über in eine Party mit viel Alkohol und lauter Musik bis tief in die Nacht. Der Auftakt für ein langes Wochenende (am Montag war hier auf der Nordinsel „Auckland Anniversary“, ein großer Feiertag).

Samstag, 27.01.18

Die Musik dröhnte bis um 1 Uhr nachts. So blieb die Nacht für uns eher kurz und nicht wirklich erholsam.

Die Straße blieb weiterhin sehr anstrengend und kräftezehrend. Aber landschaftlich wurde die Strecke seit Hick´s Bay immer schöner. Besonders faszinierend war der freie Blick auf White Island, den aktivsten Vulkan Neuseelands direkt vor der Küste weit draußen. Man konnte bei guter Sicht den Rauch aus der Kaldera erkennen.

Am späten Nachmittag fragten wir wieder an einem Haus nach Wasser für unsere Flaschen und landeten dabei zufällig bei Alister + Maro, die uns ganz spontan ein Zimmer für die Nacht anboten. Und sie gaben sich die allergrößte Mühe, unseren Aufenthalt zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen.

Sonntag, 28.01.18

Alister wies uns noch auf die bevorstehende totale Mondfinsternis hin, die am Mittwochabend von Neuseeland aus zu sehen sein wird, wenn das Wetter mitspielt.

Nach dem gemeinsamen Frühstück bedankten wir uns, wie immer, mit einem Geschenk und dann radelten wir weiter. Und es wurde wieder sehr heiß heute. So fuhren wir in bestem Badewetter mit Blick auf das Meer weiter durch die hügelige Küstenlandschaft und sammelten auf 55 km Strecke wieder einmal 700 Höhenmeter.

Einen Zugang zum Meer gab es auf der Strecke leider nicht, sonst hätten wir eine Badepause eingelegt. Und der einzige schattige Platz auf unserem Weg war ein Wharenui (ein typisches Versammlungshaus der Maori), wo wir dann auch prompt Pause machten.

Die Suche nach einem Zeltplatz in Torere wurde etwas schwieriger, weil wegen dem langen Wochenende kaum jemand zu gegen war, den wir hätten fragen können. Letztendlich rief uns dann aber ein Maori auf sein Grundstück, der mitbekommen hatte, dass wir nach einem Zeltplatz suchten. Hier konnten wir das Zelt in den Garten stellen und bekamen auch gleich noch einen Gartentisch mit Stühlen dabei gestellt.

Montag, 29.01.18

Heute feiert man auf der Nordinsel „Auckland Anniversary“. An diesem Tag gedenkt man hier der Unterstellung Neuseelands unter die Souveränität Großbritanniens in 1840.

Wir fuhren weiter unter wolkenfreiem Himmel. Der letzte Anstieg war in Sicht und wir freuten uns auf die vor uns liegenden 15 km flache Strecke bis Opotiki und eine gemütliche Badepause im Meer.

Doch dann machte uns ein kleines Drama einen Strich durch die Rechnung:

Während wir mit leichtem Gefälle die Straße entlang radelten, wurde Annett von einem Stein getroffen, der von einem Rasenmähertraktor quasi wie ein Geschoss mit voller Wucht in ihre Richtung geschleudert wurde. Der Stein traf glücklicherweise „nur“ ihren Fuß, doch es reichte für einen höllischen Schmerz und einen großen blau-roten Fleck: keine Knochen gebrochen, aber eine dicke Prellung mit Bluterguss. Die Schmerzen waren derart stark, dass an eine unbekümmerte Weiterfahrt per Fahrrad nicht zu denken war. Stattdessen gab es erst einmal eine anständige Erstversorgung: Arnika und Kühlung (soweit unser Trinkwasser noch als „kühlend“ zu bezeichnen war).

Unsere Tagesplanung hatte sich schlagartig geändert. Wir versuchten, bis Opotiki zu trampen. Doch es wollte keiner der an uns vorbeifahrenden Pickups halten. Nur ein Pkw hielt und der Fahrer fragte nach unserem Befinden, doch für eine Mitnahme fehlte der Platz. Leider.

So fuhren wir so gut es ging unseren Weg bis Opotiki. Laufen war mit dem Hinkefuß überhaupt nicht machbar. So humpelte Annett vor sich hin und hoffte auf ein Nachlassen der Schmerzen. Nach einer Pause fuhren wir weiter Richtung Whakatane. Dort hatten wir einen Warmshowers-Kontakt arrangiert, also wollten wir nicht zu spät eintreffen.

Doch es waren ca. 40 km Weg bis dorthin. Und aus dem frühmorgendlichen Rückenwind war mittlerweile ein sehr heftiger Gegenwind geworden. Zusätzlich entpuppte sich der Verkehr hinter Opotiki auf der engen Straße wieder einmal als sehr gefährlich: jeder zweite Wagen zog einen Wohnanhänger oder ein Boot mit Überbreite hinter sich her. Und keiner, wirklich keiner, gestand uns einen angemessenen Seitenabstand beim Überholen zu oder reduzierte sein Tempo. Kostet ja auch viel Sprit, wenn man nach dem Abbremsen wieder beschleunigen muss.

Irgendwie gelang es uns dann aber doch noch, eine Mitnahme in einem Pickup zu organisieren. Und aus der anfangs angekündigten halben Strecke wurde ganz spontan eine Mitnahme bis zu unserem Zielort, denn der Fahrer merkte sehr schnell, dass wir heute mit einer Behinderung unterwegs waren. Danke schön!

So erreichten wir am frühen Nachmittag Whakatane und fuhren direkt zu unserem Kontakt. Die Nähe seines Anwesens zum Whakatane River verschaffte uns dann sogar noch die Gelegenheit für das erfrischende Bad, das wir am Vormittag gestrichen hatten.

Unser Schlafquartier war eine kleine urige Gartenhütte mit 2 versetzt in die Wand geschraubten Pritschen. Meine Pritsche war sehr schmal und lag auf 1,5 m Höhe, quasi ein Hochbett.

Dienstag, 30.01.18

Ich hatte unruhig geschlafen, weil ich dauerhaft die Befürchtung hatte, von der schmalen Pritsche herunter zu fallen. Das war nicht sehr erholsam. Nach einem kurzen Besuch der Bücherei von Whakatane (das WiFi war viel zu langsam) fuhren wir weiter Richtung Tauranga. Der Highway war auf dieser Strecke wieder einmal sehr befahren und gefährlich.

In Tauranga war die Suche nach einem privaten Platz fürs Zelt wieder einmal etwas zeitraubend. Es war nicht einfach, einen ebenen Rasen zu finden, denn die allermeisten Häuser sind hier in den steilen Berghang gebaut worden.

Mittwoch, 31.01.18

In Katikati erwartete uns heute mal wieder ein Warmshowers-Kontakt. Wir wollten bis dorthin trampen, um dem gefährlichen Verkehr zu entgehen, doch das gelang uns nicht wirklich. Denn keiner wollte halten.

So radelten wir die gefährliche Strecke und erreichten unseren Warmshowers-Kontakt erst spätabends. Unsere Gastgeber waren noch mit dem Fahrrad auf Tour, aber sie hatten für uns schon alle Türen offengelassen, die Schlüssel für alle Türen hingelegt und uns die wichtigsten Dinge auf einen Zettel notiert.

Es erstaunt uns immer wieder, wie offen und vertrauensvoll viele Gastgeber ihren (noch unbekannten) Gästen begegnen. Unglaublich.

Wir bedienten uns der Geräte in der Küche, wie auf dem Zettel angeboten und begannen in Abwesenheit unserer Gastgeber mit dem Dinner. Dann ging plötzlich das Licht im ganzen Haus aus und alle Geräte standen still. Ein Kurzschluss im Toaster hatte die Sicherung ausgelöst.

Wir holten unsere Zeltlaterne und suchten im ganzen Haus nach dem Sicherungskasten. Doch wir fanden ihn nicht, bei allem Bemühen. Und hinter die vielen verschlossenen Türen im Haus wollten wir nicht so einfach nachschauen. Stattdessen versuchten wir, unsere Gastgeber anzurufen. Doch hier war offenbar kein Netz verfügbar. Somit war auch kein Anruf möglich. So ist das mit der „Netzabdeckung“ in Neuseeland!

Es blieb uns nichts anderes übrig, als zu warten, bis unsere Gastgeber schließlich um 22 Uhr eintrafen. Doch dann war alles schnell erledigt: die Sicherung wieder eingeschaltet, der Toaster funktionierte wieder und unser Dinner wurde fortgesetzt.

Wir bekamen noch angeboten, weitere Tage zu bleiben, denn ab morgen waren 2 Tage Regenwetter und ein Zyklon gemeldet. Wie sehr hatten wir uns eine solche Ruhepause in den letzten Wochen gewünscht. Doch ein Angebot, mehrere Tage zu bleiben, war hier auf Neuseeland eher selten.

Unsere tagelange Vorfreude auf die heutige Mond-Finsternis wurde allerdings enttäuscht. Der Himmel war dicht bewölkt, vom Mond war keine Spur zu sehen. Das war etwas schade.

Donnerstag, 01.02.18 – Samstag, 03.02.18

Der Regen war eingetroffen wie angekündigt und es stürmte ganz ordentlich dabei. Ich wollte den Tag am Rechner nutzen und wieder am Blog arbeiten. Doch schon sehr schnell zerplatzte mein Plan wie eine Seifenblase:

unser heimatlicher Anbieter für Gas und Strom hatte für die kommende Rechnungsperiode eine satte Preiserhöhung angekündigt. Das nehme ich üblicherweise immer zum Anlass für einen Anbieterwechsel. Und die Recherche nach einem geeigneten, neuen Anbieter dauert gewöhnlich einige Stunden.

Als ich mich dann später in unserem Blog einloggen wollte, war unsere Website gar nicht mehr aufrufbar. Da stieg mein Puls wieder ganz schnell. Denn es lag die Vermutung nahe, dass ein Update vor einigen Tagen jetzt wohl einmal wieder die gesamte Seite lahmgelegt hatte. Und nach einer Wiederherstellung per Backup wäre die Arbeit einiger Tage verloren.

Doch es gab schnell Entwarnung: nachdem ich auch andere Websites nicht aufrufen konnte, war mir klar, dass die Internet-Verbindung wohl gerade unterbrochen war. Ich versuchte es nach einigen Minuten erneut und tatsächlich war alles noch im Lot. Ich atmete auf.

Viel hatte ich nicht geschafft am Computer. Da war es auch schon 18 Uhr und wir waren auf einen gemeinsamen Abend mit unserem Gastgeber im Strand-Restaurant in Waihi Beach eingeladen. Der heutige Sturm hatte die See aufgepeitscht (es war Sturmflut) und der Regen durchnässte uns in Sekunden.

Trotzdem erlebten wir eine traumhafte Aussicht von Bowentown am südlichen Ende der Landzunge auf die See und die angrenzende Küste.

Die Auswirkungen des Zyklon hielten sich in Grenzen. Es stürmte zwar ganz ordentlich, aber es entstanden wohl keine Schäden hier in unserer Region. Der Regen hätte uns auf dem Fahrrad allerdings sehr zugesetzt. Wir waren froh um den Pausentag.

Am Samstag brachen wir dann wieder auf Richtung Waihi. Ab hier wollten wir auf dem Karangahake Gorge Walkway bis nach Paeroa radeln.

Nach den ersten km auf dem Highway war unsere innere Ruhe auch schon wieder dahin. Ununterbrochen raste die Blechlawine mit Tempo 100 und viel zu wenig Seitenabstand an uns vorbei. Wir beschlossen, die 30 km bis Waihi zu trampen. Ab da beginnt der ruhige Walkway.

Doch diesmal war das Trampen anstrengender, als wenn wir die Strecke geradelt wären:

Es dauerte lange, bis ein Pickup anhielt. Der Fahrer wollte uns mitnehmen, doch sein Laderaum war zu voll. Er beschloss, in einer halben Stunde wiederkommen und uns dann mitzunehmen. Dann wäre sein Laderaum leer. Gut. Wir warteten und nutzten die Zeit, um schon einmal unsere Packtaschen vom Fahrrad zu trennen.

Nach einer vollen Stunde Warten hatten wir starke Zweifel, ob unser Fahrer tatsächlich wiederkommen würde. Und so versuchte ich erneut, ein anderes Fahrzeug anzuhalten. Ein Van hielt, doch sein Anhänger war zu kurz für unsere Fahrräder. Auch er wollte in einigen Minuten wiederkommen und uns dann mitnehmen.

Wir sollten in der Zwischenzeit schon einmal mit unseren Rädern in die Seitenstraße fahren, die nach einigen 100 Metern abzweigte. Das wollte ich auf keinen Fall. Denn erst einmal bedeutete das für uns doppelte Arbeit (Aufpacken-und wieder abpacken) und mit einem Ortswechsel wäre die Chance endgültig dahin, unseren ersten Fahrer doch noch wiederzusehen.

Nach 15 min traf der Van wieder ein und der Fahrer legte die hinteren Sitzreihen flach, um zu sehen, ob er unsere Fahrräder tatsächlich mitnehmen konnte. Da waren wir uns nämlich bis dahin nicht sicher. Doch es klappte: unsere Fahrräder passten in den Van. Die Fahrt dauerte nur 30 min, doch die Zeitspanne von der Entscheidung zu trampen bis zum Beginn der Autofahrt hatte heute 2,5 Stunden in Anspruch genommen. So was kann passieren.

So erreichten wir erst am Nachmittag Waihi, unseren Ausgangspunkt für den Karangahake Gorge Walkway, einen Schotter-Trail durch wild-romantische Landschaft. Im Norden der Stadt befindet sich die „Martha Mine“, wo von 1881 bis 1952 goldhaltiges Gestein gewonnen wurde. Sie war seinerzeit eine der größten Goldminen weltweit.

Im Hinblick auf das aufziehende schlechte Wetter (es war wieder Regen gemeldet) beschossen wir nach der Stadtbesichtigung, über Nacht in Waihi zu bleiben. Und diese Entscheidung war wohl richtig. Denn schon während dem Zeltaufbau in einem privaten Garten setzte der Regen ein.

Bei der Platzsuche im Garten erhielten wir noch die Warnung, wo der Boden bei Regen wegen Staunässe besonders sumpfig wird, aber wir hatten die Warnung ignoriert. Eine ebene Liegefläche war uns wichtiger. Im Übrigen wird es schon nicht so stark regnen, dachte ich mir.

Doch das sollten wir bitter bereuen:

Aus dem anfänglichen leichten Regen wurde ein Starkregen, der ohne Unterbrechung 2 Stunden anhielt. Beim ersten Routine-Check im Zelt fühlten sich ungewöhnlich viele Ecken mehr als „feucht“ an: es waren Pfützen entstanden. Unter dem Zeltboden, im Vorzelt, unter allen Packtaschen, … alles stand plötzlich unter Wasser. Und im Licht der Stirnlampe sah ich das Wasser durch unser Vorzelt laufen. Wir schwammen!

Jetzt war wieder einmal Krisenmanagement gefragt. Ich wollte mit dem Zelt auf den kleinen Hügel unter den Bäumen 10 Meter weiter umziehen. Das war offensichtlich der einzige Platz im Garten, der nicht überflutet war. Doch dazu musste das gesamte Gepäck aus dem Zelt geräumt werden.

Das allerwichtigste waren dabei unsere Daunenschlafsäcke. Wenn die nass würden, hätten wir ein großes Problem. Insbesondere, wenn es in den kommenden Tagen keinen Sonnenschein gibt.

Es war 21 Uhr. Unsere Gastgeber im Haus waren noch auf. Ich fragte nach, ob ich einige Dinge aus unserem Gepäck kurz unter das Dach am Haus stellen könnte, bis wir das Zelt versetzt haben. Natürlich, kein Problem. Und dann boten sie uns ganz spontan im Wohnzimmer einen Schlafplatz auf dem Fußboden an.

Das entspannte unsere Lage schlagartig. Wir evakuierten das gesamte Gepäck samt Schlafsäcken und Matten und ließen das Zelt in der Riesenpfütze stehen. Beim gemeinsamen Plausch im Haus erzählten sie uns dann, dass hier früher einmal ein Flusslauf war.

Um 22 Uhr legten sie für uns 2 Matratzen auf den Fußboden und es wurde doch noch eine erholsame Nacht.

Sonntag, 04.02.18

Das Wetter sah heute Morgen deutlich besser aus. Leichte Bewölkung und ab und zu Sonnenschein. So konnten wir unser gesamtes Gepäck wieder trocknen.

Im Garten hing zufällig ein Regenmesstrichter: es waren 43 mm Regen gefallen gestern Abend.

Es dauerte heute natürlich deutlich länger, bis wir unser Gepäck wieder trocken gelegt hatten. In 2 meiner Packtaschen war Wasser durch die Bodenfläche eingedrungen, die Schlafmatten waren völlig durchnässt und das Zelt war komplett tropfnass. Wir legten alles zum Trocknen in die Sonne.

Als das meiste wieder trocken war, verabschiedeten wir uns und fuhren auf den Karangahake Gorge Walkway. Der Trail hat weitgehend einen gut fahrbaren Schotterbelag und führt größtenteils am Flussufer entlang. Dabei erlebt man die schönste Botanik und stellenweise schroffe Felswände. Ein sehr sehenswerter Trail.

Auf halber Strecke kann man die Industrie-Ruinen der „Victoria Battery“ besichtigen. Hier wurde von 1894 bis 1955 in einem gewaltig großen Presswerk mit 200 Pressen das aus der Martha Mine in Waiha gewonnene Gestein zertrümmert, um das Gold freizulegen.

Nach einer Pause in Paeroa fuhren wir auf dem Hauraki Railtrail Richtung Thames und fanden auf halber Strecke einen Schlafplatz auf einer kleinen Farm nahe des Railtrails.

Montag, 05.02.18

Nach dem Abschied fuhren wir weiter auf dem Hauraki Railtrail. Der Weg war nicht besonders angenehm zu fahren wegen der vielen Viehgitter im Boden an jedem Feldwechsel. Wegen der großen Abstände zwischen den einzelnen Betonrippen waren diese Passagen für uns mit Gepäck nicht fahrbar. Wir mussten immer absteigen und die Räder schieben. Das war auf Dauer sehr nervig, weil nahezu alle 200 m eine solche Barriere zu überwinden war.

Kurz vor Thames bogen wir dann ab Richtung Auckland. Damit war auch beschlossen, dass wir die Halbinsel Coromandel nur aus der Ferne besichtigen würden. Wertvoller schien uns nämlich eine Rundtour im Norden von Auckland in den nächsten Tagen. Und viel Zeit blieb uns da nicht mehr bis zu unserem Flug am 20.02.

Über Auckland sahen wir schon am frühen Vormittag dicke Regenwolken, die langsam in unsere Richtung zogen. Und kurz nach Mittag vielen über uns die ersten Tropfen. Wir suchten uns schnell in einer Seitenstraße einen Unterstand in der Garage neben einem Haus und warteten die Gewitterschauer ab. Nach einer Stunde war der Regen durch und wir fuhren weiter.

Jetzt kam auch die Sonne wieder zum Vorschein und blieb uns bis zum Abend treu. Kurz hinter Kaiaua suchten wir uns dann zu später Stunde einen Zeltplatz und genossen in der nächtlichen Dunkelheit einen sagenhaften Sternenhimmel bei klarer Nacht.

Dienstag, 06.02.18

Heute feiert Neuseeland den „Waitangi Day“. Die Neuseeländer gedenken an diesem Tag der Unterzeichnung des Vertrages (Te Tiriti of Waitangi) zwischen den Maori und den weißen Einwanderern (Pakeha) im Jahre 1840 in der Nähe des Städtchens Waitangi im Norden von Neuseeland.

Die Maori nahmen den Vertrag immer sehr ernst, sicherte er ihnen doch das Recht auf ihr Land und viele weitere Rechte. Die weißen Einwanderer betrachteten den Vertrag hingegen für lange Zeit als nicht bindend. Erst im 20. Jh. änderte sich das. Und seit 1974 ist der 06. Februar ein Nationalfeiertag. Weil viele Neuseeländer heute aber nicht wirklich glücklich mit der Namensgebung sind, ist es gut möglich, dass sie ihn irgendwann umbenennen werden in z.B. „New Zealand Day“. Mal sehen.

Wir hatten heute ebenfalls einen Grund zum Feiern: seit unserem Start im Juli 2015 hatten wir ganze 27.000 km Strecke per Fahrrad zurückgelegt.

Unser Weg Richtung Clevedon führte heute durch eine malerische Hügellandschaft mit vielen Schafherden und einigen harten Anstiegen.

Die Straße verlief dabei über weite Strecken an der steilen Felswand entlang und war an mancher Stelle durch einen Erdrutsch fortgerissen worden. Die zerstörten Passagen waren dann meist nur provisorisch abgesichert. Irgendwann werden sie wohl auch repariert.

Insgesamt war der Tag sehr mühsam: viele Höhenmeter auf den gerade einmal 39 km Strecke bis Clevedon. Und den ganzen Tag lang wehte uns ein kräftiger Gegenwind ins Gesicht und bremste natürlich.

In den Nachmittags-Stunden nahm der Verkehr in unserer Richtung dann plötzlich drastisch zu: der Rückreiseverkehr nach dem langen Wochenende hatte eingesetzt. Die halbe Stadtbevölkerung von Auckland war auf dem Weg zurück in die Stadt.

Verkehr, Gegenwind und die einsetzende Müdigkeit bewog uns dann zur vorzeitigen Suche nach einem Zeltplatz, noch bevor wir Clevedon erreichten. Und zufällig landeten wir direkt in einer netten Familie, wo wir das Zelt in den Garten stellen konnten.

Mittwoch, 07.02.18 – Donnerstag, 08.02.18

Die Straße blieb ungewöhnlich anstrengend. Es ging pausenlos durch Hügellandschaft und Aufstieg und Abfahrt wechselten stetig ab. Dazu blies uns weiterhin ein heftiger Gegenwind ins Gesicht. Nach nur 15 km gefahrener Strecke waren wir so geschafft wie sonst nach einem ganzen Tag. Wir versuchten zu Trampen, doch ohne Erfolg. Keiner wollte halten.

Wir arrangierten per Telefon einen Warmshowers-Kontakt im Norden von Auckland, hatten bis dahin aber noch 20 km Strecke vor uns. An einer Highway-Auffahrt versuchten wir erneut zu Trampen. Und hier hatten wir diesmal Glück. Ein Pickup nahm uns mit und setzte uns direkt vor der Haustüre unseres Warmshowers-Kontakts ab.

Hier gab es einen Platz für unser Zelt im Garten. Der Platz reichte gerade so; die Häringe mussten wir teilweise im Blumenbeet verankern, weil die Rasenfläche zu kurz war. Unser Gastgeber zeigte uns noch das öffentliche WC auf dem Spielplatz nebenan und signalisierte, dass die Wohnung nachts und über den Tag verschlossen bleibt. Kein Problem für uns, denn wir waren froh, dass sich überhaupt jemand auf unsere vielen Anfragen gemeldet hatte hier im Umkreis von Auckland. Die meisten hatten einen veralteten Account, waren selber auf Reisen oder es waren nur noch Karteileichen.

Morgens ab 6:30 könnten wir die Küche nutzen, aber um 7 Uhr müsse er dann auch schon zur Arbeit und das Haus abschließen. Aber wir könnten mehrere Nächte mit unserem Zelt im Garten bleiben, wenn wir wollten. Das kam uns sehr gelegen, denn für den anstehenden Rückflug nach Brisbane am 20.02. waren noch einige Dinge zu klären.

Am Donnerstag stand ich um Punkt 6:30 mit unseren Thermoskannen vor der Haustüre, doch es tat sich nichts. Bis um 6:50 Uhr. Unser Gastgeber hatte verschlafen. Aber ich konnte für uns Wasser kochen und das Frühstück vorbereiten. Um 7 Uhr war die Türe zu und unser Gastgeber fuhr zur Arbeit. Tschüss bis heute Abend.

Gut, dass heute nicht Sonntag war. So fuhren wir nach dem Frühstück zur Bücherei, wo wir WiFi und Strom für unsere Gerätschaften nutzen konnten. Ohne auf einen 10-min-Korridor achten zu müssen. Das war deutlich entspannter.

Nachmittags füllte sich die Bücherei dann aber rasant und die Internetverbindung ging mächtig in die Knie, weil plötzlich mindestens 15 weitere Gäste an derselben Internetverbindung hingen. So brachen wir dann doch vorzeitig auf und kümmerten uns um das Dinner für uns alle.

Nach dem Dinner wollte ich auf der Terrasse vor dem Haus unter freiem Himmel weiter am Rechner arbeiten. Doch schon nach wenigen Minuten machte mir der aufkommende Regen einen Strich durch die Rechnung. Ich verzog mich ins Zelt und packte das Netbook etwas frustriert wieder weg.

Freitag, 09.02.18 – Sonntag, 11.02.18

Es hatte die ganze Nacht über geregnet. Nicht intensiv, aber stetig. Richtig viel Regen fiel dann erst morgens ab 6 Uhr. Und so stand ich heute Morgen ebenfalls eine Viertelstunde vor der Haustüre im Regen (es gab lediglich 50 cm Dachüberstand vor der Haustüre) und war in den Startlöchern für den 10-Minuten-Korridor in der Küche, so wie gestern.

Nach dem Frühstück fuhren wir erst einmal wieder in die Bücherei und warteten eine Wetter-Besserung ab. Die trat dann auch zur Mittagszeit ein. Und so fuhren wir mittags zurück und packten für die Abreise.

Gerade als wir starten wollten, brach dann die nächste Schauer los und zwang uns unter diesen kleinen Dachüberstand vor der Haustüre. Hier harrten wir fast eine Stunde lang aus und warteten geduldig ab, bis der Regen nachließ. Frei nach dem Motto „lieber ein kleines Dach, als gar kein Dach“. Die schützende Wirkung war allerdings bei jeder heftigen Windböe dahin.

Für die verbleibenden Tage bis zu unserem Flug wollten wir eigentlich eine Rundtour durch Northland machen. Doch die Wettervorhersage für die kommenden 10 Tage sah schrecklich aus:

es war ein Zyklon im Anzug und für die nächsten drei Tage war Dauerregen gemeldet. Alles sollte sich ausschließlich auf der Nordinsel abspielen. Genau in dem Korridor, in dem wir uns gerade aufhielten. Als ob die fahrradunfreundliche Hügellandschaft mit ihren vielen Anstiegen in Northland nicht schon genug Strapazen erzeugen würde.

Wir wollten es trotzdem versuchen und machten uns auf den Weg. Weit kamen wir allerdings nicht am Freitag. Sobald eine starke Schauer losbrach, suchten wir den nächstbesten Unterstand. Einmal war es die Küche in einer Schulungseinrichtung und ein anderes Mal landeten wir in der Bücherei von Albany im Norden von Auckland.

Eine größere regenfreie Pause nutzten wir weit vor Silverdale zur Suche nach einem Zeltplatz. Abends setzte dann wieder Regen ein und der sollte uns jetzt 2 Tage lang ohne nennenswerte Unterbrechung fest im Griff behalten. Der Zeltabbau am kommenden Morgen im strömenden Regen war quasi die Einstimmung auf diese Schlechtwetterphase.

Die Straße bestand seit dem Ortsende von Auckland zur einen Hälfte aus steilen Anstiegen und zur anderen Hälfte aus gefährlich rutschigen Abfahrten. Zum starken Regen wehte uns dann meist noch ein sehr böiger Wind aus allen möglichen Richtungen, nur nicht von hinten. Vor allem die plötzlichen Seitenwindböen waren extrem gefährlich, wenn uns gerade die überwiegend rücksichtslosen Kraftfahrer überholten.

Insgesamt war das Radeln sehr kräftezehrend. Zumal das Zelt jetzt bestimmt 2 kg schwerer war wegen dem vielen Wasser, das wir mit eingepackt hatten. Wir erreichten Silverdale am Nachmittag und suchten zunächst einmal Zuflucht am Supermarkt. Über deren WiFi suchte ich nach einem passenden Warmshowers-Kontakt in der Nähe und hoffte auf eine Zusage trotz so kurzfristiger Anfrage. Und tatsächlich hatten wir Glück: es gab eine Zusage für heute.

Vor uns lagen lediglich 8 km Weg, die es aber wieder einmal in sich hatten. Berg- und Talfahrt, diesmal noch ergänzt um etliche Ampeln, deren grüne Welle (wenn es sie denn überhaupt hier auf Neuseeland gibt) wir natürlich nie erwischten. Besonders ärgerlich waren dabei die Ampeln in der Talsohle vor dem nächsten Anstieg, die gerade auf Rot umschlugen, wenn wir mit vollem Schwung aus der Abfahrt an die Kreuzung kamen. Den hart erkämpften Schwung durch Bremsen vor der Ampel aufgeben zu müssen, das war Höchststrafe.

Wir waren froh um den Schlafplatz im Trockenen. Und eine zweite Nacht war ebenfalls kein Problem. Das rettete uns über den dritten Regentag in Folge. Bis auf das nass eingepackte Zelt bekamen wir unsere gesamte Ausrüstung wieder halbwegs trocken. Und über die WiFi-Verbindung im Haus organisierten wir ein paar Unterkünfte für die verbleibenden Tage.

Unser ursprüngliches Vorhaben, die Rundtour in den Norden, hatten wir derweil aufgegeben. Wir verspürten beide keine große Lust mehr, für ein paar wenige Natur- Highlights eine so große Menge an Strapazen auf uns zu nehmen. Alleine auf den letzten 80 km Strecke von Clevedon bis Silverdale waren es 1300 Höhenmeter. Und dabei ist kein Hügel höher als 150 m N.N. Der Landschafts-Charakter würde sich in Northland auch nicht großartig ändern, das wussten wir schon.

Montag, 12.02.18

Ich musste mich in den letzten beiden Tagen wohl erkältet haben. Mir ging es heute gar nicht gut. Ich hatte Fieber, Husten, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und fühlte mich sehr schlapp in den Beinen. Da kam es mir sehr entgegen, dass wir heute auf eine ruhige Nebenstrecke ausweichen wollten, die ich gestern über bikemap.net zusammengestellt hatte. Wenig Verkehr und nicht zu viele Höhenmeter, so war der Plan.

Allerdings entpuppte sich nach den ersten 10 km eine längere Lehmpiste als unfahrbar. Der Regen der letzten beiden Tage hatte den Lehm aufgeweicht und man versank mehrere cm tief im Boden. Damit war der Traum von der ruhigen Straße auch schon zu Ende und wir mussten umkehren und doch wieder auf dem Highway fahren.

Am Nachmittag erreichten wir Mattey im Westen von Auckland. Wir hatten natürlich schon geahnt, dass die Suche nach einem Platz fürs Zelt hier schwierig würde. Doch es klappte nach mehreren Anläufen.

Das Zelt war noch triefend nass von dem Abbau im strömenden Regen vor 2 Tagen. Annett versuchte vor dem Zeltaufbau noch, durch Wedeln im Wind das Zelt zu trocknen. Ich war dabei leider keine großartige Hilfe, denn mich hatte die Erkältung vollständig im Griff.

Und das sollte sich auch über Nacht nicht ändern. Ich hatte Schüttelfrost, starke Gliederschmerzen und überhaupt keinen Appetit. Ich wollte nur noch liegen und schlafen.

Dienstag, 13.02.18 – Montag, 19.02.18

In der Nacht setzte wieder neuer Regen ein, der über den gesamten Vormittag als Starkregen daher kam. Ich war mittlerweile etwas zermürbt. Ich konnte langsam keinen Regen mehr sehen. Man verschleppt die Nässe mit der Zeit in alle Packtaschen und irgendwann ist es in allen Taschen klamm. Und der Zeltabbau und das Radeln machen bei diesem Wetter auch nicht wirklich Spaß.

Mittags bauten wir das Zelt dann tatsächlich wieder im strömenden Regen ab, nachdem wir die Hoffnung auf eine kleine trockene Pause aufgegeben hatten. Wir fuhren zur Bücherei in der Erwartung, dort wenigstens einen überdachten Platz fürs Frühstück zu finden. Doch hier gab es keinen Unterstand. So suchten wir alle Gebäude entlang der Straße nach einer trockenen Ecke ab, um zumindest beim Frühstück nicht im Regen zu sitzen.

Für heute hatten wir einen Warmshowers-Kontakt ganz in der Nähe festgemacht. Das entspannte unsere Lage für den heutigen Tag doch merklich. Und als wir unseren Kontakt erreicht hatten, hörte auch der Regen auf.

Das war die Gelegenheit, das Zelt wieder trocken zu legen. Annett trennte Innen- und Außenzelt und hängte beides über die Wäschespinne im Garten. … und das Wasser floss in kleinen Rinnsalen aus dem Zelt.

Allerdings hatten wir gerade lediglich eine „kurze, trockene Pause“. Denn für die nächsten Tage waren noch mehr Regen und sogar ein zweiter Zyklon im Anmarsch. Und nach der Vorhersage würde das Zentrum des Zyklons genau am 19. und 20.02. über die Nordinsel hinwegziehen. Das war genau unser Zeitfenster für die Flug-Vorbereitungen: Fahrräder reinigen, zerlegen und in Kartons packen, Zelt reinigen, usw.

Wenn man für die letzten Tage eine trockene Bleibe mit viel Platz hat, ist schlechtes Wetter kein Problem. Doch unser Kontakt für die letzten Tage, den wir schon vor 2 Wochen arrangiert hatten, hatte kurzfristig abgesagt. Also musste ich uns eine neue Adresse organisieren. Und das war nicht einfach. Denn die allermeisten standen nur für maximal eine Nacht oder gar nicht zur Verfügung.

Folglich hatte ich langsam Sorge, ob wir unsere Ausrüstung und insbesondere das Zelt bis zum Flugtag trocken und sauber verpackt bekommen würden. Das waren schließlich die Voraussetzungen, um bei der Einreise nach Australien nicht gegen die Quarantäne-Regeln zu verstoßen. Mit Nässe oder Lehmboden an den Rädern oder am Zelt bekommen wir Ärger bei der Einreise am Flughafen, das wussten wir.

Tatsächlich fand sich dann nach langer, langer Suche doch noch ein Kontakt, der auf unseren Anruf auch spontan zusagte. Wir fuhren hin und innerhalb des ersten Tages besprachen wir unser Programm. Unser Gastgeber brachte seine Vorschläge mit ein und bot seine Hilfe an. Und er würde uns am 20.02. zum Flughafen fahren. Wir waren sehr erleichtert.

So stand unser Programm für die letzten Tage auf Neuseeland:

  • am Freitag, dem einzigen Sonnentag laut Wettervorhersage, per Fahrrad eine Stadtbesichtigung in Auckland
  • Samstag die Fahrrad-Boxen besorgen und das Zelt reinigen
  • Sonntag die Fahrräder reinigen, zerlegen und in die Kartons verpacken
  • Montag die Ausrüstung verpacken und das Auto beladen
  • Dienstag um 6 Uhr Fahrt per Auto zum Flughafen.

Sollte es in all den Tagen regnen, könnten wir unsere Vorbereitungen in der Garage fortsetzen. Ein guter Plan. Jetzt konnte der Zyklon kommen. Das erste Mal seit einigen Tagen, dass ich innerlich wieder zur Ruhe kam.

Unsere Stadtbesichtigung in Auckland wurde ein traumhafter Tag:

die 18 km Anfahrt per Fahrrad nahmen wir dabei gar nicht als Strapaze wahr, sondern als angenehme Einstimmung. Denn es führt ein wunderschöner, gut ausgebauter Radweg bis ins Zentrum von Auckland: zunächst am Fluss (Henderson Creek) entlang und später parallel zum North Western Motorway, der den gesamten Verkehr durch den frischen Flüsterasphalt zudem noch ungewöhnlich leise vorbei ziehen lässt. Da macht Fahrradfahren doch wieder Spaß!

Die Stadt wirkt im Zentrum sehr aufgeräumt und es gibt eine Vielzahl historischer Gebäude zwischen der modernen Architektur. Bleibt man auf der Straße entlang der Wasserlinie, lässt sich mancher netter Pausenplatz finden. Besonders heraus sticht dabei der „Viaduct Harbor“, wo sich die Edeljachten bestaunen lassen.

Und immer wieder hat man den Blick frei auf den 220 m hohen Fernmeldeturm „Sky Tower“. Er verleiht der Stadt seit 1997 seine unverwechselbare Skyline.

Besonders lohnend fanden wir den Cornwall Park (viele alte Bäume mit gigantisch großen Wuzeln) und den darin befindlichen „One Tree Hill“. Von hier hat man eine traumhafte Rundumsicht auf Auckland und die angrenzenden Bergzüge.

Unser Video auf Youtube:

Alte Baumruine im Cornwall Park:    Clip

Vom erloschenen Vulkan „Mount Eden“ aus muss der Ausblick auf die Skyline noch eindrucksvoller sein. Bei uns passte der Aufstieg am Ende leider zeitlich nicht mehr ins Programm. Wir erreichten unsere Bleibe auch ohne dessen Besichtigung erst wieder am späten Abend in nächtlicher Dunkelheit.

Je näher der Abflugtermin rückte, desto öfter schaute ich in die Wettervorhersage. Ein kurzer, starker Regenguss würde unsere Fahrrad-Kartons schließlich in Kürze aufweichen und den Transport bis nach Brisbane zu einer Zitterpartie machen. Davor hatte ich etwas Bammel.

Dafür fand ich diesmal ausgesprochen hochwertige Fahrradkartons: beide Kartons waren völlig unbeschädigt und der größere war tatsächlich die Umverpackung eines 64“-LCD-TV-Monitors. Doch die Übergröße (Länge 1,6 m) brachte dann letztlich keinen Vorteil: ich musste trotzdem die vorderen Gepäckträger und das Schutzblech ausbauen. Aber ich hatte mehr Vertrauen in die stabilen Kartons.

Kaum hatte ich beide Fahrräder in den Kartons untergebracht, begann es zu regnen. Da war ich froh, dass wir den Rest in der trockenen Garage bewerkstelligen konnten. Hier waren wir unabhängig vom Wetter.

Dienstag, 20.02.18

Unsere letzten Stunden auf Neuseeland. 4:30 klingelte der Wecker; Zeit für die letzten Vorbereitungen. Es war gut, dass wir gestern Abend schon die Fahrrad-Kartons aufs Autodach verladen und mit Plane abgedeckt hatten. Und die Abdeckplane hatte den nächtlichen Regen, wie erhofft, sicher von den Kartons ferngehalten, denn die Kartons waren noch trocken und unversehrt.

Jetzt brauchten wir nur noch eine regenfreie Autofahrt zum Flughafen (immerhin ca. 1 Stunde Großstadtverkehr). Bei den dunklen Wolken am Himmel war das nicht selbstverständlich. Doch es ging gut. Kein Regen bis zum Flughafen.

Bei der Gepäckaufgabe gab es dann wieder einmal ein böses Erwachen. Wir sollten 214 $ Zuschlag bezahlen, weil einer der Fahrrad-Kartons mit 25 kg genau 2 kg über dem Limit lag. „Aber in meinem anderen Gepäckstück sind noch einige kg Spielraum bis zum erlaubten Limit. Kann man das nicht miteinander verrechnen?“, fragte ich. Das hatten sie beim letzten Flug von Sydney nach Christchurch doch auch akzeptiert.

„Nein! Das können wir nicht. Aber sie können ja mal mit unserem Supervisor sprechen“. Die Dame nahm mich mit in den Bürotrakt und nach 10 min Warten kam dann doch Entwarnung. Es war ok. Wir mussten nichts umpacken und auch keinen Zuschlag bezahlen. Das war ja nochmal gut gegangen.

Richtig entspannt war ich erst, als der Flieger abhob. Das befürchtete Unwetter war ausgeblieben hier in Auckland.

Ganz anders sah das zur gleichen Zeit wenige hundert km weiter südlich aus: auf der Südinsel und in Wellington tobte seit gestern Abend der Zyklon „Gita“. Bäume und Strommasten gingen zu Bruch, Straßen wurden überflutet, die Stromversorgung brach zusammen, 6000 Menschen wurden von der Außenwelt abgeschnitten, in Wellington wurden alle Flüge von Air New Zealand (unserer Fluglinie für den heutigen Flug) gestrichen und der Notstand wurde ausgerufen. Gita war ein Wirbelsturm der höchsten Kategorie.

Als wir uns in den News die Sturmschäden ansahen, wurde uns bewusst, wie viel Glück wir hatten. Unsere gesamten Flugvorbereitungen und auch unser Flug wären deutlich anders verlaufen, wenn der Sturm seinen ursprünglichen Weg beibehalten hätte und über Auckland hinweggezogen wäre.

So saßen wir nun plangemäß in unserem Flieger und genossen die vielen Annehmlichkeiten von Air New Zealand: jeder Passagier hat seinen eigenen Monitor und einen Kopfhörer, man konnte auf dem Touchscreen im Menü wählen zwischen Kinofilmen, Musik, News, Computerspielen, Infos über Neuseeland, Shopping und einigen anderen Angeboten. Kostenpflichtige Angebote konnte man direkt per Kreditkarte bezahlen. Auch Licht und Klimaanlage über dem eigenen Sitz ließen sich über den Touchscreen steuern. High Tech in der Economy Class. Beeindruckend.

Zwei Stunden später landeten wir in Brisbane an der Ostküste von Australien.

Weiter geht es später in unserem Reisebericht zu Australien-2.

 

Resume Neuseeland

Neuseeland hat uns sehr gut gefallen. Landschaft, Botanik, der Gesang der Vögel im Regenwald, die entspannte Art der Locals, der Kontakt zu den Maoris, …all das ist faszinierend.

Aber:

… es gibt auch viele gute Gründe, sich gegen eine „Radreise“ durch Neuseeland zu entscheiden:

  • Neuseeland ist sehr hügelig. Und viele Anstiege sind extrem steil. Daher ist das Bikepacking (kleines, leichtes Gepäck im Fahrradrahmen untergebracht) auf Neuseeland eher ratsam als das klassische Reiserad mit schwerem Gepäck.
  • Der Verkehr ist auf den meisten Straßen für Radfahrer extrem gefährlich. Die Fahrbahn ist meist sehr schmal, wegen der vielen Kurven oft unübersichtlich und nur selten gibt es einen brauchbaren Seitenstreifen. Der motorisierte Verkehr rast in der Regel mit Tempo 100 km/h und viel zu dicht an einem vorbei.
  • Das Wetter ist völlig unberechenbar. Erwischt man eine Regenphase mit Sturm oder Starkregen, vergeht einem nicht nur schnell die Lust am Radeln, sondern es kann auch lebensgefährlich werden. In kaum einem Land der Erde ist der Einfluss der Naturgewalten derart stark wie in Neuseeland: neben Erdbeben und vulkanischer Aktivität ziehen oft Wirbelstürme mit Starkregen über die Inseln. Überflutung und Erdrutschgefahr sind dann die Folge. Aber auch der vielerorts vorhandene, starke Gegenwind zermürbt auf Dauer.
  • Die Suche nach einem Stellplatz für ein Zelt ist etwas mühsam. Sucht man kostenlose Stellplätze, wird es ganz schwierig. Das Regelwerk des DOC ist noch sehr jung und an mancher Stelle sind die Regeln unlogisch. So ist das kostenlose Zelten in der wilden Natur laut der Locals erlaubt, wogegen man auf vielen offiziellen DOC-Campsites trotz verfügbarem WC-Häuschen nur als Campervan mit eingebauter Toilette („self-contained“) stehen darf. Zelten ist dort verboten. Wird man erwischt, kostet es 200 $ Strafe.
  • Wer die nerviges Sandflies unbedingt einmal erleben will, findet ähnliche Plagegeister auch in den schottischen Highlands und in den Feuchtgebieten Irlands. Dort heißen die kleinen Teufel Midges und sind etwas kleiner als die Sandflies. In ihrer Wirkung auf das menschliche Wohlbefinden stehen sie den Sandflies aber in keiner Weise nach.
  • Neuseeland ist teuer. Und die Anreise aus der Heimat ebenfalls.

Für uns entfielen natürlich die lange, teure Anreise aus der Heimat und der Jetlag. Wir waren quasi auf der Durchreise und kamen von Australien. Daher stand ein Abstecher nach Neuseeland von vornherein auf unserem Plan.

Insgesamt sind wir in den 3 Monaten in Neuseeland 2400 km geradelt und haben dabei 18.000 Höhenmeter erkämpft. Hätten wir nicht zwischendurch immer wieder getrampt, wären es deutlich höhere Werte geworden. Aber das absolvierte Pensum reichte uns auch so.

Die Einreise-Formalitäten waren wegen der Quarantäne-Richtlinien sehr anstrengend. Akribisch prüften die Beamten alle Gegenstände unserer Ausrüstung auf Erdreste, kleine Tierchen und potentielle Seuchengefahr. Unser Zelt haben sie im Quarantänelabor regelrecht auf links gedreht.

Die Güte der Straßen wechselt sehr stark und häufig. Der Asphalt ist meistens sehr rau und holprig und verursacht einen Höllenlärm, wenn der Verkehr an einem vorbeirauscht. Der Seitenstreifen ist nicht immer geeignet für Fahrräder, wenn es denn mal einen Seitenstreifen gibt.

Und immer wieder sahen wir Schäden aus dem letzten Erdbeben oder einem Erdrutsch nach extremen Niederschlägen. Stellenweise klebte auch der geschmolzene Asphalt an den Schuhsohlen, wenn die Sonne einmal richtig kräftig schien.

Der Verkehr war meist extrem gefährlich. Viele Fahrer halten stur ihre Spur und weichen keinen cm aus beim Überholen. Besonders gefährlich empfanden wir die vielen Bootsanhänger mit Überbreite, wenn die Fahrer sich über die Ausmaße ihres Gefährts nicht wirklich bewusst waren.

Wir haben einige wunderschöne Radwanderwege und Railtrails in unsere Route mit einbezogen, wo es eben möglich war. Allerdings waren manche Passagen abenteuerlich rustikal und eher für MTBs geeignet als für unsere Reiseräder mit Gepäck.

Im Hinblick auf das Wetter hatten wir wohl ein sehr gutes Jahr mit vielen Sonnentagen und ungewöhnlich wenig Niederschlag erwischt. Trotzdem erlebten wir so einige Wetterkapriolen in den 3 Monaten auf Neuseeland.

Ausgesprochenes Glück hatten wir in den letzten beiden Tagen: der Zyklon „Gita“ (ein Wirbelsturm der höchsten Kategorie) war nur knapp an Auckland vorbeigezogen und hätte um ein Haar unsere Vorbereitungen und den Abflug massiv beeinträchtigt (auf der Südinsel verursachte Gita verheerende Schäden, in Wellington wurden alle Flüge gestrichen).

In Neuseeland kann man an einem Tag alle 4 Jahreszeiten erleben, was wir bestätigen können: in der Region Canterbury drehte der Wind innerhalb von 10 min um 180 ° und wir erlebten einen Temperatursturz um 9°. So etwas geschieht in Neuseeland häufiger und hat wohl schon so manchem Touristen auf den Binnenseen oder in den Bergen das Leben gekostet.

Zeitweise erlebten wir auch einen ungewöhnlich starken, extrem böigen Wind. Auch hierfür ist Neuseeland bekannt. Auf der Rimutaka Bahntrasse hob eine Windböe 1880 sogar 2 Zugwaggons aus den Schienen.

Wir erlebten vielerorts spektakuläre, hügelige Landschaft. Für Wandertouren in die Berge fehlte uns allerdings die passende Ausrüstung. Leider ist diese Landschaft gleichzeitig auch ein Fluch, wenn man viel Gepäckgewicht am Fahrrad mit sich herumschleppt. So waren sehr viele Tage in Neuseeland von mühsamen Schiebepassagen geprägt.

Beeindruckt haben uns der riesige Silberfarn, die roten Blüten des Eisenholz-Baumes (Rata) und der Gesang des Tui. Dieser Vogel besitzt vier Stimmbänder und zwei unterschiedliche Stimmen. Das erzeugt einen faszinierenden Doppelton.

Nervig waren dagegen die Sandflies, 2-3 mm kleine, schwarze Fliegen, die an vielen schönen Orten, z. B. an der Westküste auf der Südinsel in Scharen auftreten und uns durch ihre Bisse ganz schön zugesetzt haben.

Es gibt einige Apps, die einem die Suche nach einem passenden Campingplatz auf Neuseeland erleichtern („CamperMate“ und „Rankers Camping NZ“ zum Beispiel). Uns haben sie allerdings kaum genützt, denn auf den meisten offiziellen DOC-Campsites sind lediglich Campervans mit eigener Toilette (self-contained) erlaubt. Wir haben fast ausschließlich Farmer oder Grundstückseigentümer nach einem Platz fürs Zelt gefragt und haben immer einen Platz gefunden. Manches Mal folgte später sogar eine Einladung ins Haus und wir verlebten einen netten Abend mit den Einheimischen.

Wild Camping oder Zelten ohne eine Erlaubnis haben wir grundsätzlich vermieden, weil wir die unlogischen Regeln des DOC fürs Zelten nie eindeutig interpretieren konnten.

Das private Übernachtungsnetzwerk Warmshowers haben wir stets als Ergänzung genutzt. Doch es war oft sehr schwierig, einen realen, aktiven Kontakt zu finden. Gefühlte 60 % der gemeldeten Mitglieder sind selber auf Reisen oder seit Jahren inaktiv. 20 % melden sich nach vielen Tagen (also zu spät) und bringen zum Ausdruck, dass sie umgezogen sind und nur vergessen haben, ihren Account bei Warmshowers zu aktualisieren. Weitere 10 % sagen ab, weil sie zu viele Anfragen erhalten (was wir gerne glauben möchten) und die verbleibenden 10 % stehen dann wirklich zur Verfügung und sind ausgesprochen freundlich und hilfsbereit. Feiertage wie Weihnachten oder Neujahr waren natürlich besonders ungünstige Zeitfenster in unserem Aufenthalt.

Ach ja: und einige Warmshowers-Mitglieder haben Untermieter (Flatmates), deren Einfluss dann aus mancher Zusage einige Tage später eine Absage werden lässt.

Neuseeland hat Kraft gekostet. Die vielen Höhenmeter, der gefährliche Verkehr, die Wetter-Extreme, … all das zehrt an der Substanz. Doch man wird mit einer atemberaubenden Landschaft für die Strapazen belohnt.

Weitere Infos über Neuseeland

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