Peru per Fahrrad 2019 – Reisebericht

Dieser Reisebericht Peru beschreibt die Erlebnisse auf unserer Radreise durch den Andenstaat in 2019. Ursprünglich wollten wir hier im September/Oktober gemütlich durch die Bergwelt der Anden fahren und uns einige der vielen Inka Ruinen anzusehen.

Mein Verkehrsunfall in Bolivien einige Tage vor der Einreise hatte diese Reisepläne allerdings massiv durchkreuzt. So standen für mich erst einmal 2 Monate absolute Schonung und Physiotherapie für das linke Handgelenk auf dem Plan. Die linke Handwurzel war gebrochen und per Operation hatten sie mir eine Titanplatte an die Knochen geschraubt.

Nach 2 Wochen absoluter Ruhe sollte ich dann mit der Physiotherapie beginnen, um meinen Fingern wieder die altgewohnte Beweglichkeit zurückzugeben. Da wusste ich allerdings noch nicht, wie langwierig die Rehabilitation tatsächlich verlaufen würde.

Es stand jedenfalls fest, dass wir das günstigste Zeitfenster für die Reise durch die höheren Lagen von Peru verpasst haben. Ab Oktober mussten wir mit viel Regen rechnen. Wie ist es uns am Ende ergangen?

Unser Peru Reisebericht:

 

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Unsere Route auf OpenStreetMap

© OpenStreetMap-Mitwirkende

 

Dienstag, 17.09.19

Nach einer schnellen, unbürokratischen Ausreise aus Bolivien erfolgte auch die Einreise nach Peru reibungslos. Wir bekamen auf unsere Bitte hin sofort 90 Tage Aufenthaltsrecht und mussten, wider Erwarten, keine Einreisekarte ausfüllen. So waren wir am späten Nachmittag in Peru angekommen.

Ich tauschte noch unser Restgeld in peruanische Soles um, dann verließen wir den Grenzort Desaguadero in Richtung Puno. Allerdings waren unsere Bestrebungen, zu trampen, erfolglos. So radelten wir, ich mit meinem frisch operierten linken Arm im dicken Gipsverband, noch 15 km landeinwärts bis zum Städtchen Zepita, wo wir mit etwas Glück in einer einfachen Herberge kurz vor der Dunkelheit einen Schlafplatz fanden.

Etwas beschwerlich war hier lediglich das Wasser-Management: Wasser aus der Leitung gäbe es wohl täglich lediglich von 7 bis 8 Uhr morgens. In der übrigen Zeit entnahm man das Wasser aus den großen Fässern, die neben dem WC aufgebaut waren.

Mittwoch, 18.09.19

Wir waren früh um 8 Uhr schon wieder auf der Straße, denn wir wollten es heute bis nach Puno schaffen. Unsere Versuche, zu trampen, verliefen enttäuschend, also radelten wir. Es dauerte aber nicht lange, da hatte uns eine kräftezehrende Mischung aus Gegenwind, vielen Anstiegen und dem gefährlichen Verkehr im Griff.

Wir benötigten alle paar km eine Pause und ich war durch den eingegipsten Arm eingeschränkt beim Schalten. So musste ich für den Kettenblatt-Wechsel immer anhalten und mit der rechten Hand an den linken Schalthebel greifen. Das nervte auf Dauer ordentlich.

Nach der Mittagspause liefen die Dinge dann plötzlich wie geschmiert: Ich konnte einen Pickup anhalten, der uns um 17 Uhr bis Puno mitnehmen könnte. Er würde uns auf der Straße schon sehen und dann anhalten. Das war zwar nur ein Versprechen ohne Garantie, aber es war ein Hoffnungsschimmer.

Kurz darauf konnten wir einen anderen Pickup anhalten, der uns bis nach Ilave mitnahm.

600 m hinter der Stadtgrenze von Ilave stellten wir uns an eine Maut-Station und versuchten erneut, eine Mitnahme-Möglichkeit zu finden. Doch dann kam die Polizei. Sie wollten wissen, was wir hier machen und nach 5 Minuten Erklärung (unsere Reise, der Unfall in Bolivien, der Knochenbruch im Handgelenk, unser Bestreben zu Trampen) zitierte der Beamte mich zurück an den Straßenrand und organisierte für uns innerhalb von 10 min einen Pickup, der uns nicht nur bis Puno, sondern gleich noch 50 km weiter bis Juliaca fuhr und uns dort am Casa de Ciclista absetzte, wo wir uns vor Tagen ja schon angekündigt hatten.

Etwas betrübt waren wir zunächst, weil wir das schöne Städtchen Puno nun nicht so intensiv besichtigen würden, doch tatsächlich kamen wir voll auf unsere Kosten. Unser Fahrer hatte auf der Durchreise einiges in Puno zu erledigen und so wurde der Aufenthalt in dieser Stadt eine kleine Stadtrundfahrt bis in die höheren Lagen in den steilen Berghängen.

Puno lässt sich mit La Paz vergleichen. Die Bebauung ist sehr dicht verschachtelt und reicht bis hoch in die steilen Berghänge. Allerdings ist Puno deutlich kleiner als La Paz und es gibt hier auch keine Seilbahn als Verkehrsmittel.

Durch die Mitnahme im Auto ist uns auch gleich ein mühsamer Aufstieg aus der Stadt erspart geblieben, denn der Weg aus der Stadt führt über viele Höhenmeter hinauf in den Berg.

So erreichten wir bei Dunkelheit unsere Bleibe für die nächsten Wochen: das Casa de Cyclista in Juliaca.

Donnerstag, 19.09.19 – Donnerstag, 28.11.19

Wir hatten innerhalb von zwei Tagen mehr erreicht, als wir geplant hatten:

  • die 100 km Strecke von El Alto bis zur peruanischen Grenze
  • die fällige Ausreise aus Bolivien (die erlaubten 90 Tage hatten wir mit 89 Tagen fast ausgereizt)
  • die 200 km Strecke auf peruanischer Seite bis nach Juliaca
  • und die Ankunft im Casa de Cyclista, wo ich über die nächsten Wochen meinen Unfall-Arm auskurieren wollte / musste.

Alles war sehr glücklich gelaufen: die Schlafplatzsuche unterwegs, das mehrfache Trampen und auch meine einhändige Radelei über die Hügel und gegen den zum Teil heftigen Gegenwind.

Unglücklich war nur der Umstand, dass Annett erneut einen Zahnarzt konsultieren musste, denn die in La Paz frisch gesetzte Füllung war schon nach wenigen Wochen wieder herausgebrochen, natürlich an einem Freitag, dem 13.!

Unser Gastgeber empfahl uns gleich einen guten Zahnarzt und begleitete Annett am ersten Tag, um beim Dolmetschen zu helfen.

Die anstehende Behandlung zog sich dann hier in Juliaca ebenfalls wieder über viele Tage hin. An jedem dieser Tage saß sie jeweils drei Stunden auf dem Behandlungsstuhl, bekam Betäubungsspritzen und wurde mehrfach geröntgt. Dabei gab es auch mal Termine abends um 20 Uhr und zwischendurch eine kleine Auszeit, weil der Zahnarzt selber erkrankt war.

Doch im Gegensatz zur Praxis in La Paz gab es hier eine Zahnarzthelferin, einen Latz, Zewatücher, eine Schutzbrille für den Patienten und moderne Technik. Das Aufbaumaterial kam sogar aus Deutschland und bei der Besprechung der Röntgenbilder wurde Annett involviert. Da war das Vertrauen in gute Arbeit erst einmal sichergestellt.

Während der Behandlung traten dann auch an dem zweiten in La Paz behandelten Zahn wieder Schmerzen auf. Schockierend war dann die Feststellung, dass auf der ganzen Linie gepfuscht worden war: Nicht nur die Füllung in dem einen Zahn, sondern auch die Wurzelbehandlung an dem anderen Zahn war dilettantisch ausgeführt worden. Denn nur zwei der vier Wurzelkanäle waren abgefüllt worden und darüber hinaus noch nicht einmal tief genug. So war an dem zweiten Zahn tatsächlich eine komplett neue Wurzelbehandlung und natürlich auch eine neue Krone fällig.

Insgesamt hatte Annett somit jetzt 7 Behandlungtermine hier in Juliaca gewonnen, um all das reparieren zu lassen, was in La Paz zusammengepfuscht wurde.

Nach Abschluss der gesamten Behandlung organisierte der Zahnarzt noch ein Exklusiv-Interview für die Lokalzeitung mit Foto-Shooting.

Annett war überhaupt sehr begehrt in diesen Tagen: So gab sie für die Lokalzeitung in der Stadt einige Tage später ein weiteres Interview auf dem Markt, als sie auf dem Kakao- und Kaffeefest 1 kg geröstete Kakaobohnen gekauft hatte.

Unsere Unterkunft hier in Juliaca, das Casa de Cyclista, war derweil immer gut besucht. Die Reiseradler gaben sich die Klinke in die Hand und an manchen Tagen waren bis zu 14 Gäste untergebracht.

Es hatte zwischenzeitlich auch tatsächlich den Charakter einer medizinischen Einrichtung: Ein Reiseradler aus Frankreich hatte sich den Magen verdorben, Annett hatte die Probleme mit den Zähnen und ich musste meinen frisch operierten Arm auskurieren.

Da traf es sich gut, dass der eine oder andere Reiseradler beruflich aus dem medizinischen Bereich stammte. So zog mir ein spanischer Arzt und Reiseradler die Fäden an meiner OP-Naht, nachdem mir Annett schon sehr aufwändig und fachmännisch den Verband gewechselt hatte und ein slowenischer Arzt und Reiseradler bereicherte meine Physiotherapie um ein paar weitere Übungen.

Die WiFi-Verbindung im Casa de Ciclista war abenteuerlich und völlig unberechenbar. Immer wieder gab es Aussetzer, manchmal für ganze Tage, manchmal für Minuten oder gar Sekunden. Aber wir waren dankbar für den Zugang zum Internet.

Ebenfalls unberechenbar war die Wasserversorgung im ganzen Anwesen: An manchen Tagen gab es ab Mittag kein Wasser mehr an allen Zapfhähnen. Kochen, Duschen und der Toilettengang wurden dann immer etwas kompliziert. Vor allem bei voller Belegung der Hütte. Und es war Ironie des Schicksals, wenn es dann zufällig den ganzen Abend auch noch wie aus Eimern regnete.

Etwas gefährlich war die Gas-Therme, die zwischen Küche und WC an der Außenwand platziert war: Immer, wenn jemand aus den benachbarten Wohnungen den Warmwasser-Zapfhahn betätigte, gab es einen Knall, so laut und druckintensiv, wie der Durchbruch der Schallmauer durch ein Flugzeug. Es gab eine große Stichflamme und die Scheiben in unserem Zimmer schepperten ganz ordentlich.

Annett ließ noch per Ultraschall die Brust auf Knoten untersuchen. Seit der erstmaligen Entdeckung eines Knotens in Neuseeland vor 18 Monaten waren wir da auf regelmäßige Kontrolle bedacht. Und tatsächlich ergab die Untersuchung einen 2,7 cm großen, zwar gutartigen Knoten, doch mit der Empfehlung, das Ergebnis beim Frauenarzt abklären zu lassen. Damit stand in Lima in einigen Wochen die nächste Arzt-Konsultation auf dem Programm.

Pünktlich 2 Wochen nach meiner Operation am Handgelenk konsultierte ich hier in Juliaca die Traumatologie im Krankenhaus und unterzog mich einer Untersuchung durch die Orthopäden. Ich bekam eine Diagnose zum aktuellen Zustand im Handgelenk, einen neuen Gipsverband und Instruktionen zur anstehenden Physiotherapie. Für die kommenden 2 Wochen war jegliche Bewegung im Handgelenk streng untersagt. Lediglich die Finger dürfte ich trainieren.

Im vierten Anlauf klappte es dann auch mit dem Termin für die geplante Physio, allerdings durfte ich für die viertelstündige Audienz ganze drei Stunden vor dem Behandlungszimmer warten. Und die Ratschläge des Therapeuten verstand ich überhaupt nicht, er sprach halt nur spanisch.

Im Laufe der Zeit lernte ich Eric aus der Qualitätsabteilung kennen. Er verstand Englisch und half mir bei den weiteren Audienzen beim Übersetzen.

Ab dem ersten Physio-Termin lief dann alles wie von selbst: Ich hatte fast täglich einen Termin über ca. 2 Stunden Behandlung. Meine Therapeutin ging mir da allerdings mit einigen Anwendungen etwas zu eifrig ans Werk und ich hatte die Befürchtung, dass mir das mehr schadet als nützt. So trat ab der 4. Sitzung Taubheit in Daumen und Zeigefinger auf. An einem Tag kamen sogar Lähmungserscheinungen hinzu. Da organisierte ich dann gleich eine Abstimmung zwischen Therapeutin und behandelndem Arzt und mein Behandlungsprogramm wurde angepasst.

Nach den ersten 10 Behandlungstagen wurde weitere 10 Termine verordnet. Und das Behandlungsprogramm ging in die nächste Phase: Fingerübungen und erste Dehnübungen im Handgelenk. Das schmerzte höllisch. Aber da musste ich wohl durch. Das Handgelenk fühlte sich an, wie eingespannt in einen Schraubstock. Es war durch die Ruhigstellung fast vollständig unbeweglich geworden.

Anfang November konnte ich die Finger endlich wieder zur Faust ballen, aber von der alten Kraft war noch lange nichts zu spüren. Im Bereich der Titanplatte war das Gewebe verhärtet und jede Bewegung verursachte einen stechenden Schmerz.

Die Therapeuten wollten mir noch weitere 20 Behandlungstermine verschreiben, doch wir mussten so langsam an unsere Weiterreise denken, denn schließlich stand für Mitte Januar der Flug von Kolumbien nach Mexiko auf dem Plan und bis nach Bogotá, unserem Abflugort, waren es einige tausend Kilometer. Da war nicht mehr viel Zeit.

Ich organisierte mir einen Abschlussbericht vom Arzt und beendete die Behandlung in der Klinik. Das Handgelenk war auf dem richtigen Weg und die weitere Behandlung konnte ich selber durchführen.

Einen Tag später rutschte ich auf unserem Innenhof auf einer Pfütze Seifenwasser aus und fiel genau auf das linke Handgelenk. Ich schrie. Nicht wegen dem Schmerz im Handgelenk. Sondern wegen meiner inneren Wut über dieses Missgeschick. Mir kamen die Tränen bei der Vorstellung, dass das Handgelenk jetzt möglicherweise wieder gebrochen ist.

Auf jeden Fall hatte ich wieder einen Grund, erneut ins Hospital zu wandern, um abklären zu lassen, wie groß der Schaden war. So wurde wieder geröntgt und ich hatte eine erneute Audienz beim Orthopäden in der Traumatologie.

Zum Glück gab es Entwarnung: Die Knochen waren heile. Ich atmete auf. 7 Tage keine Physio-Übungen und eine Arznei gegen die Schwellung, das war’s.

Auf dem Heimweg versuchte ich, eine kurze Regenpause im Gewitterschauer zu nutzen. Allerdings verzögerten die Riesenpfützen den Heimweg merklich: An manchem Straßenübergang musste man zunächst so lange in die falsche Richtung gehen, bis man eine Stelle fand, an der der „Teich“ lediglich die Breite eines kräftigen Hechtsprungs hatte. Ganze Straßenzüge standen 2 – 3 Meter breit unter Wasser. Und noch einen Sturz wollte ich auf keinen Fall riskieren.

Das Wetter hatte sich über die Wochen unseres Aufenthaltes in Juliaca sehr deutlich verändert: ab Mitte Oktober fiel deutlich mehr Niederschlag und es gab fast täglich am späten Nachmittag ein Gewitter. Die Straßen in der Stadt standen großflächig unter Wasser. Manche Kreuzung glich dabei einem See.

Unser YouTube-Video: Riesenpfützen in Peru

Als wenn wir hier in Juliaca nicht schon genug Krankheitsgeschichten durchlebt hätten, zog es mich in den letzten Tagen noch zum Zahnarzt, um endlich einmal den offenen Backenzahn checken zu lassen. In den letzten 12 Monaten war ich damit 4 mal in Behandlung und immer wieder war die Füllung herausgebrochen. Das letzte Mal vor 3 Monaten.

Natürlich hatte ich jetzt massiv Karies und stand vor der Wahl: Entweder eine komplizierte Reparatur mit Wurzelbehandlung und Krone oder Zahn ziehen. Ich entschied mich für letzteres.

So hatte ich in 4,5 Jahren Radreise in Summe tatsächlich drei Zähne eingebüßt. Normaler Verschleiß. Ich bin nicht mehr der Jüngste und jetzt war ich ja ein kleines Bisschen leichter. So war es für mich in Ordnung.

Während ich mich über die Tage viel am Blog zu schaffen machte, besuchte Annett mehrmals die Sauna im Schwimmbad, genoss eine Massage, ging schwimmen und ab und zu vegetarisch essen, sehr preiswert, weniger als 80 Cent! Außerdem buk sie alle paar Tage einen köstlichen Kuchen für alle, die halt da waren: unser Gastgeber Geovanni, die anderen Radler und wir, stets zwischen 6 und 14 Personen oder eben für einen Geburtstag. Gesundes Brot wurde natürlich auch gebacken, mit Quinoamehl und Sesam. Hmmm, lecker, lecker!

An einem Tag spendierte Geovanni dann eine riesige Schoko-Sahne-Torte: 7 Jahre Casa de Ciclista in Juliaca. Das wurde natürlich fürstlich mit allen Gästen gefeiert.

Natürlich nahmen wir uns auch Zeit für eine ausgiebige Stadtbesichtigung und besuchten den großen Markt im Zentrum der Stadt. Die Bahnlinie führt genau durch diesen Markt und für jeden Zug müssen viele mobile Händler kurzzeitig die Schienen räumen, um den Zug passieren zu lassen. Neu waren für uns hier vor allem die vielen Föten von Lamas, Schweinen, Kühen und anderen Tieren, die in der Sonne getrocknet werden und in Verbindung mit Kerzen, Blumen und anderem Beiwerk als Geschenk zu verschiedenen Anlässen überreicht werden. Das soll dem Beschenkten Glück bringen. Ein seltsamer Brauch.

Mit Interesse verfolgten wir in diesen Tagen auch die aktuellen Unruhen in Bolivien, die am 10.11. tatsächlich zum Rücktritt des umstrittenen Präsidenten Morales führten. Im ganzen Land herrschte Ausnahmezustand und eine Einreise als Tourist war mit deutlich höheren Risiken verbunden als noch vor wenigen Tagen. Da waren wir froh, das Land kurz vor diesen Unruhen verlassen zu haben. Die Sicherheitslage in La Paz hatte sich jetzt ganz dramatisch verändert.

Es war nicht das erste Mal, dass sich eines unserer Reisegebiete kurze Zeit nach unserer Durchreise ganz plötzlich zu einer Gefahrenzone entwickelt hatte:

  • der Vulkanausbruch auf Bali in Indonesien,
  • die Ermordung von vier Reiseradlern auf dem Pamir-Highway in Tadschikistan,
  • die allgemeine Sicherheitslage für Touristen in der Türkei,
  • die Hanta-Virus-Pandemie im argentinischen Patagonien in 2019 und
  • die Unruhen in Chile November 2019.

Freitag, 29.11.19

Heute verabschiedeten wir uns und fuhren weiter Richtung Cusco. Die Straße verlief ohne Steigung durch ein weites Tal, umsäumt von einer reizvollen Hügellandschaft. Wir hatten zeitweise sogar Rückenwind.

Wir schafften es bis Ayaviri, wo wir gleich bei den Bomberos nach einem Übernachtungsplatz fragten. Doch sie lehnten konsequent ab. Am Ende fanden wir in einer Kirche der Adventisten einen Schlafplatz.

Samstag, 30.11.19

Ab 6 Uhr liefen, wie angekündigt, die Vorbereitungen für die 8 Uhr – Messe. Wir waren seit 5:30 auf und vor 8 Uhr schon wieder auf der Straße. Das war für uns ungewöhnlich früh. Die wunderschöne Hügellandschaft setzte sich fort und ab Agua Caliente gab es dann 30 km Abfahrt bis Sicuani.

Das Wetter war derweil sehr wechselhaft. Am Nachmittag gab es zwei Gewitter, aber bis auf ein paar Regentropfen kamen wir trocken davon.

In San Pablo 10 km hinter Sicuani fanden wir dann wieder in einer kirchlichen Einrichtung einen Schlafplatz.

Sonntag, 01.12.19

Es waren noch 120 km Strecke bis Cusco und wir wollten die Stadt heute erreichen, um Zeit zu gewinnen für die Besichtigung der Inka-Ruinen und der Stadt.

Die Landschaft war weiterhin ein Traum. Allerdings enthielt die Strecke viele Höhenmeter. So schafften wir bis zur Mittagspause gerade einmal 18 km Strecke.

Zur Mittagspause gab es heute Cuy: Meerschweinchen, gefüllt mit Kräutern auf gegrillten Kartoffeln, sehr üblich in Peru.

Das Trampen lief weiterhin zäh. Kaum ein Fahrer wollte anhalten und die, die anhielten, waren voll beladen. So auch ein Fahrer, der uns die Mitnahme nach Cusco anbot, nachdem er seine Ladung im 20 km weit entfernten Ort ausgeliefert hätte. Ein Hoffnungsschimmer.

Er gab uns seine Telefonnummer samt Namen und schätzte unsere Fahrzeit bis zum Ort auf eine Stunde.

Doch wir benötigten natürlich 2 Stunden, weil uns heftiger Gegenwind, einige Regenschauer und der stark hügelige Straßenverlauf stark ausbremsten. So erreichten wir den Ort viel zu spät und versuchten vergeblich, unseren Fahrer zu kontaktieren. Unser Fahrer war vermutlich schon auf dem Weg nach Cusco. Schade.

Wir fuhren also per Fahrrad weiter bis in den späten Nachmittag. Dann wollten wir im nächsten Dorf einen Platz für die Nacht suchen, um nicht in die Dunkelheit zu geraten.

Da hielt plötzlich ein Pickup auf unserer Höhe. Es war unser Fahrer. Er hatte auf unseren Anruf gewartet und gar nicht registriert, dass sein Handy abgeschaltet war. Wir packten unsere Fahrräder auf die Ladefläche und erreichten Cusco noch vor der Dunkelheit.

Unser Fahrer fuhr uns noch bis zum Casa de Ciclista, das sich allerdings als Zeltplatz ohne alles entpuppte, nur WC war vorhanden. Doch für die geplanten 2 Nächte würde es wohl reichen und so blieben wir. Die alternativen Kontakte auf Warmshowers wären wohl tatsächlich Bezahl-Unterkünfte laut der Erfahrungen anderer Reisender; also Hostels.

Montag, 02.12.19

Das Wetter in den Morgenstunden machte nicht gerade Lust zum frühen Aufbruch in unser geplantes Besichtigungsprogramm: Es regnete mehrere Stunden lang.

Als es am späten Vormittag dann endlich aufhörte zu regnen, brachen wir auf:

Die Inka-Ruinen im Nordwesten von Cusco wollten wir uns ansehen. Nicht Machu Picchu. Das war uns zu teuer (152 Soles, Stand 2019) und zu aufwändig in der Anfahrt. Nein. Da gibt es einige andere sehenswerte Ruinen-Stätten, die eher unbekannt, aber genauso reizvoll sind:

Saqsaywaman, Qenko, Puka Pukara und Tambo Machay. Wir haben diese Ruinenstätten in einem separaten Artikel detailliert beschrieben und geben dort auch Tipps zur Anfahrt:

Alternativen zu Machu Picchu – Ruinen-Stätten der Inka.

 

Auf unserem Rückweg wollten wir noch einen Stadtbummel durch Cusco einbauen und verließen den Bus sehr frühzeitig. Doch auf halber Strecke setzte wieder Regen ein, der uns dann auch bis in die tiefe Nacht fest im Griff hatte: Wir kamen ziemlich verfroren und durchnässt an unserem Zelt an und durften das gesamte Abendprogramm dann bei strömendem Regen in unserem Vorzelt abwickeln. Es gab auch keinen Strom zum Laden all unserer leeren Akkus. Unser Gastgeber war nicht anwesend und seine Halle war abgeschlossen.

Dienstag, 03.12.19

In der Hoffnung, dass die Sonne am Vormittag alles wieder trocknen würde, organisierten wir unser Frühstück. Doch es war genauso dicht verhangen wie am gestrigen Tag. Wir waren jetzt tatsächlich in der Regenzeit angekommen.

Selten haben wir eine Warmshowers-Unterkunft so schnell und gerne wieder verlassen wie diese „Unterkunft“ in Cusco. Es war definitiv kein Casa de Ciclista, wie wir es bisher in Südamerika kennengelernt hatten. Selbst als Angebot unter dem Netzwerk Warmshowers war es grenzwertig. Die Toilette stand in einer tiefen Pfütze, zur meisten Zeit auch ohne Wasser in der Spülung, es gab nirgendwo einen Stromanschluss zum Laden leerer Akkus, wenn der Gastgeber nicht zugegen war und der Gastgeber war eigentlich nie anwesend.

Selten haben wir uns so schlecht behandelt gefühlt. Das war das krasse Gegenteil vom Casa de Ciclista in Juliaca, nur 300 km entfernt. Gegen Geld gibt es ein Zimmer in der Baracke, ebenfalls ohne alles. Doch dann kann man auch gleich im Hostel übernachten.

Am Ende half uns ein älterer Nachbar: er zeigte uns einen Stromanschluss und gab uns „die“ Besichtigungstipps, die unser Gastgeber ganz groß in seinem Warmshowers-Account anbietet, uns auch am ersten Tag versprochen hatte, uns letztendlich aber doch schuldig blieb.

Wir nutzten den Tag für die Besichtigung des alten Zentrums von Cusco mit all den historischen Bauwerken und Kathedralen und vergaßen die negativen Eindrücke aus dieser enttäuschenden Unterkunft schnell.

Wir haben der Stadt Cusco samt der Sehenswürdigkeiten einen separaten Artikel gewidmet:

Cusco in Peru – die Sehenswürdigkeiten

 

Nach unserem Besichtigungsprogramm fuhren wir einen anderen Warmshowers-Kontakt an, in der Hoffnung auf einen besseren Übernachtungsplatz.

Doch auf halber Strecke brach urplötzlich ein Gewitter los. Es war zwar den ganzen Tag lang bewölkt, doch dann ging alles ganz schnell: ein Blitz, ein Donner, die ersten dicken Tropfen und nach 30 Sekunden schüttete es wie aus Eimern. In unserer Not stellten wir die Fahrräder samt dem Gepäck an den Straßenrand und flüchteten unter ein Vordach auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Es kann ja nicht allzu lange dauern, dachten wir uns.

Doch da hatten wir uns gewaltig geirrt. Bis tief in die Nacht fiel der Regen ohne Unterbrechung und derart heftig, dass wir sehr viel Überwindung benötigten, um in diesem strömenden Regen aus unseren Packtaschen die Regenkleidung herauszufischen. Schließlich flutet man damit automatisch die oben liegenden Dinge in den Packtaschen. Wir hatten uns in der Eile aber auch keinen guten Platz für die Fahrräder ausgesucht: Auf der einen Straßenseite zog sich die endlose Mauer eines Industriegebietes, auf der anderen Straßenseite lag die Wohnbebauung hinter einer drei Meter hohen Böschung, nur erreichbar über Treppen. Auch unser überdachter Mauervorsprung war schon grenzwertig klein.

Der Regen wollte nicht enden. Ich lief ohne Fahrrad zur Adresse des ausgewählten Warmshowers-Kontaktes in der Hoffnung, ihn wenigstens zu Hause anzutreffen, wenn er schon nicht per Telefon zu erreichen war. Doch die Aktion blieb ohne Erfolg, er war wohl nicht da. Dafür fluteten die fetten Sturzbäche der Seitenstraßen immer wieder meine Schuhe, so sehr ich mich auch bemühte, den trockensten Weg zu finden. Die Wasserfontänen der vorbeirauschenden Busse ergänzten dieses Wasserspiel dann noch. Da half auch meine Regenhose nicht mehr viel. In meinen Schuhen stand das Wasser. Bei diesem Wetter sind in Peru tatsächlich gut Gummistiefel zu gebrauchen.

Auf dem Rückweg zu Annett und den Rädern fragte ich auch bei den Bomberos noch nach einem Übernachtungsplatz. Doch die machten die Zusage von einer Mitgliedschaft bei der Feuerwehr abhängig. Schade! Die Kollegen in Argentinien gingen da viel lockerer mit Zusagen um.

Als ich wieder bei Annett eintraf, brachte die Verkäuferin aus dem Laden gleich neben unserem Unterstand eine Riesentasse heißen Tee für uns und Cracker. Sie beschrieb uns den Weg zu einer kommunalen Einrichtung, die uns sicher einen Schlafplatz anbieten würden.

Ich folgte dem Tipp sofort und tatsächlich: nach 10 Minuten hatten wir einen Schlafplatz. Allerdings könnten wir erst um 23 Uhr unser Schlaflager errichten, weil der Saal davor für ein Tanztraining genutzt wurde. Kein Problem, in der verbleibenden Zeit konnten wir uns schon beschäftigen. Zum Beispiel mit der Anfahrt samt Fahrräder über den engen, treppenreichen Zufahrtsweg. Hier benötigten wir tatsächlich viel Zeit für weniger als 100 Meter Strecke, denn wir mussten unsere Räder jeweils zu zweit hintereinander die steilen Treppen hinaufhieven. Selten war eine Anfahrt zu einer Schlafstätte derart anstrengend und schweißtreibend. Eine Anfahrt von oben hätte noch mehr Treppen bedeutet.

Als wir dann um 23 Uhr endlich unsere Schlafmatten ausbreiten konnten, machte uns der Nachtwächter klar, dass wir morgen um 5 Uhr abfahrbereit sein müssten, weil er dann das Gebäude abschließen müsse. Spätestens jetzt bereuten wir beide, dass wir nicht schon um 17 Uhr ein Hostel angefahren hatten, wenngleich es auch das teuerste Pflaster in Peru ist.

Mittwoch, 04.12.19

Um 4:30 weckte uns der Nachtwächter, um 5 Uhr waren wir abfahrbereit. Der Regen hatte aufgehört, aber es hingen dichte Wolken über der Stadt. Aber die frühmorgendliche Kälte und der geringe Verkehr kamen uns auf dem Weg aus Cusco entgegen: satte 330 Höhenmeter muss man erklimmen, um die Stadt Richtung Westen zu verlassen. Nach nur 5 Stunden Schlaf, ohne Frühstück und um 5 Uhr in der Frühe ist das ein harter Tagesauftakt.

Wir benötigten 1,5 Stunden für die 8 km Strecke bis zum höchsten Punkt im Westen der Stadt. Dann ging es aber in rasanter Schussfahrt für viele km talwärts. Doch nach der Abfahrt folgten dann viele Berg- und Talfahrten: Vor uns lagen jetzt 180 km serpentinenreiche Passstraßen bis Abancay, der nächsten größeren Stadt.

Im Hinblick auf unser enges Zeitfenster bis zu unserem Flug von Bogotá nach Mexiko versuchten wir es mit Trampen. Es klappte. Ein Pickup nahm uns mit. Der Fahrer fuhr auch einen heißen Reifen. Normalerweise gefällt uns das, denn so kommt man schnell voran. Doch die unzählig vielen Kurven und die extremen Höhenunterschiede forderten ihren Tribut: ich sah mein Frühstück fast ein zweites Mal und auf der letzten Talfahrt begann es in meinem ganzen Körper zu kribbeln und ich hatte plötzlich Koordinations- und Gleichgewichts-Probleme. Nach einer 5 minütigen Pause hatte sich mein Kreislauf wieder normalisiert, doch ich blieb erschrocken: So etwas hatte ich noch nie erlebt.

Am frühen Nachmittag erreichten wir jedenfalls Abancay und erhielten dort bei den Bomberos überraschend einen Schlafplatz. Es war noch früh am Tag, aber eine Weiterfahrt in die Berge erschien uns zu riskant und die dunklen Wolken am Himmel erinnerten uns sofort an unsere gestrigen Erlebnisse.

Donnerstag, 05.12.19 – Freitag, 06.12.19

Entspannt und ausgeschlafen brachen wir auf und freuten uns auf die 300 Höhenmeter Abfahrt von den Bomberos am südlichen Stadtrand zurück auf die Panamericana, der wir dann weiter Richtung Pazifikküste folgen wollten.

Doch die ausgewählte ruhige Nebenstrecke führte schon nach wenigen hundert Metern als Lehm- und Schotter-Piste durch die Wildnis und präsentierte sich auf dem letzten Drittel mit fürchterlichen Schlammpfützen. Die absolvierten Höhenmeter wollten wir da aber nicht wieder zurückschieben. Also schoben wir die Räder durch den Schlamm und erlebten nun zum dritten Mal diesen dicken, klebrigen Schlamm auf Reifen, Felgen, Bremsen und unter den Schutzblechen.

Es dauerte dann auch gleich wieder eine halbe Ewigkeit, bis wir mit viel Wasser alles wieder halbwegs sauber und gängig hatten und unsere Fahrt fortsetzen konnten.

Unsere erste Tageshälfte wurde eine Kombination aus Radeln und Trampen. So nahm uns für 100 km Strecke ein Pickup mit. Nach einem gemeinsamen Mittagessen (Forelle, frisch aus einem der 3 Becken) fuhren wir dann per Fahrrad weiter und waren etwas unschlüssig: Es war früher Nachmittag, dunkle Wolken zogen auf und der erste Donner war schon zu hören und vor uns lag ein Pass mit über 4000 Metern Höhe und eisiger Kälte, möglicherweise sogar Schneefall. So hatten uns die Einheimischen gewarnt.

Beherzt fuhren wir weiter und hofften auf eine weitere Mitfahrgelegenheit. Es kam in den Nachmittagsstunden kein Pickup mehr, sondern nur noch LKWs, die in der Regel nicht anhalten.

Doch tatsächlich klappte es bei einem dieser LKWs: Der Fahrer hielt an und bot uns die Mitnahme an. Zufällig fuhr er bis Lima und somit hatten wir nun 900 km gemeinsame Strecke vor uns: Ein Programm für die kommenden 24 Stunden, denn um 17 Uhr morgen sollte er Ware in Lima ausliefern.

Unsere Fahrräder und die Packtaschen deponierten wir auf den großen Maissäcken im Laderaum und dann ging es hoch in den Pass. Tatsächlich empfing uns dort oben eine eisige Kälte und leichter Schneefall.

Im weiteren Verlauf nahm unser Fahrer noch einen weiteren Fernfahrer bis zur nächsten Ortschaft mit, dessen LKW oben im Schneegestöber liegen geblieben war.

Landschaftlich war die gesamte Strecke ein Traum: Die Straße zog sich durch eine grandiose Bergwelt. Da war es etwas schade, dass die nächtliche Dunkelheit ab 18:30 hereinbrach. Denn damit war auch die Sicht in diese Bergwelt dahin.

Während sich unser Fahrer nachts auf seiner Pritsche im Fahrerhaus schlafen legte, breiteten wir unser Schlaflager im Laderaum neben unseren Fahrrädern auf den unbequemen Maissäcken aus. Eine angenehme Nachtruhe fanden wir dabei natürlich nicht, denn das erlaubte unsere harte Unterlage nicht. Aber es ersparte uns den Zeltaufbau neben dem LKW.

Um 6 Uhr in der Frühe ging es weiter. Im Einzugsbereich der Pazifikküste änderte die Landschaft dann schlagartig ihren Charakter: Wir verließen die Anden und erlebten eine Steinwüste ohne jegliche Vegetation.

Es wurde auch merklich wärmer, fast tropisch heiß. Somit hatten wir nun auch endlich die Regenzeit in der Sierra hinter uns. Ab heute sollte unser weiterer Weg auf der Panamericana durch Peru, Ecuador und Kolumbien an der Küste entlang führen und uns mit sonnigem, trockenem und warmem Klima begleiten. Die täglichen Regengüsse und Gewitter gehörten nun also auch der Vergangenheit an.

Ab Nazca führte die Straße mit sehr viel Verkehr auf Meereshöhe über 450 km bis Lima weiter. Es gab hier zwar einen breiten Seitenstreifen, doch wir waren froh, hier nicht durch die Stein- und Sandwüste radeln zu müssen.

Um 17 Uhr erreichten wir Lima. Nach einem herzlichen Abschied von unserem Fahrer steuerten wir gleich das Casa de Ciclista im Stadtzentrum an. Allerdings mussten wir feststellen, dass es auf der Zielstraße zweimal die Hausnummer 771 gab. Weil wir auf Anhieb prompt die falsche der beiden Adressen angefahren hatten, verlängerte sich unsere Anreise um weitere 8 km durch den mittlerweile nächtlichen Großstadtverkehr.

Umso herzlicher war dann der Empfang: Unser Gastgeber fing uns schon auf der Straße ab und hieß uns herzlich willkommen. In seinem Haus gäbe es WiFi und im Casa de Ciclista, einen km weiter, könnten wir schlafen. Das roch etwas umständlich, doch damit kämen wir schon klar.

Wir organisierten gleich noch einen Arzttermin für Annetts anstehende Vorsorge-Untersuchung. Weil uns der angebotene Termin jedoch zu weit in der Zukunft lag, gab es gleich schon Diskussionen. Doch am Ende ging es plötzlich doch schon am nächsten Tag.

Danach genossen wir die erste warme Dusche seit fast 3 Monaten. Die Matratze im Casa de Ciclista war derweil zu schmal für zwei Personen, sodass ich mich mit meiner Matte in der Kochecke vor dem Herd auf den Boden legte.

Annett bekam des Öfteren Gesellschaft von Kakerlaken und zu mir gesellten sich des Nachts dann immer wieder die beiden Katzen des Hauses. Das heute Nikolaus war, hatten wir beide über die Ereignisse des Tages völlig „vergessen“.

Samstag, 07.12.19 – Mittwoch, 11.12.19

Wir pendelten 5 Tage zwischen beiden Unterkünften: in dem einen Haus kochten und schliefen wir, in dem anderen Haus arbeiteten wir an unserem Schreibkram. Mit der WiFi-Verbindung klappte es dabei allerdings eher schlecht als recht.

Die Besichtigung der Stadt organisierten wir unter Verwendung der öffentlichen Busse. Auf der Hinfahrt ins Zentrum klappte das hervorragend, doch die Rückfahrt wurde eine Odyssee: Es dauerte über eine Stunde, bis wir im Stadtzentrum eine Busstation fanden, an der eine Buslinie in die richtige Richtung fuhr. Kein Einheimischer konnte uns weiterhelfen, jeder kannte nur „seine“ Buslinien und schickte uns in eine andere Richtung. Am Ende fanden wir einen Kompromiss zwischen einer Busfahrt und einigen Kilometern zu Fuß und erreichten um 23 Uhr wieder das Casa de Ciclista.

Am Mittwoch brachen wir auf Richtung Chimbote und Trujillo. Wir hatten jetzt noch 1100 km bis zur Grenze nach Ecuador vor uns und mussten Peru spätestens am 15.12. verlassen.

So kämpften wir uns durch den dichten, chaotischen Verkehr von Lima, einer Stadt mit immerhin 9 Mio. Einwohnern.

Da war es unsere Rettung, dass ich noch mitten in der Stadt einen Pickup anhalten und eine Mitfahrgelegenheit aus der Stadt organisieren konnte. Zufällig musste der Fahrer nach Chimbote und so war nach 5 min klar, dass wir heute mindestens 400 km weit mitgenommen würden.

Unser Fahrer hatte lediglich auf halber Strecke für zwei Stunden auf einer Baustelle einen Job zu erledigen.

Annett nutzte die Wartezeit an der Baustelle dann gleich für den Gang zur Toilette. Was in aller Regel nach wenigen Minuten erledigt ist, entwickelte sich hier jetzt zu einem wahren Staatsakt:

Am Baustellen-Eingang fragte Annett nach dem stillen Örtchen. Der Wachposten kontaktierte daraufhin seinen Vorgesetzten per Handy, dieser organisierte die Erlaubnis vom Chef und rief nach 5 Minuten zurück, um die Erlaubnis weiterzugeben, Annett bekam einen Schutzhelm verpasst und durfte unter weiblicher Begleitung aus der Baustellen-Mannschaft dann endlich zum Toiletten-Häuschen.

Unterwegs wurde uns bewusst, dass die 200 km von Barranca bis Chimbote keine ideale Radelstrecke ist: Endlose Sandwüste säumt zu beiden Seiten die Straße, immer wieder mit Blick auf die Pazifikküste. Keine Stadt, kein Dorf, kein Wasser weit und breit. Interessante Landschaft, aber eine unwirtliche Gegend, durch die die Panamericana hier führt.

Seit Tagen lag eine dichte, finstere Wolkenschicht über der Küstenregion. Das Bild war trist und es sah permanent nach Regen aus. Auch die Luftfeuchtigkeit war derart hoch, dass sich alles klamm anfühlte. Nichts wollte trocknen.

Am späten Abend erreichten wir Chimbote und organisierten uns kurzfristig einen Warmshowers-Kontakt für die anstehende Übernachtung. Die schnelle Zusage überraschte uns, hatten wir doch ausschließlich mit Absagen gerechnet. Doch das Haus zu finden, wurde zum zweistündigen Suchspiel mit mehreren Anwohnern und mehreren Telefonaten. Wie kann man nur einen ganzen Häuserblock mit mehreren Straßenzügen unter einem einzigen Straßennamen laufen lassen und dann noch keine Hausnummern vergeben? Noch dazu waren die GPS-Positionsdaten unseres Gastgebers falsch. Also schadete uns der Punkt in unserer Offlinekarte mehr, als dass er nützte.

Die meisten Straßen im besagten Viertel bestanden aus Sandpisten, in denen unsere Fahrradreifen stellenweise mehrere cm tief einsanken und sogar das Schieben zur Quälerei wurde.

Um 22 Uhr erreichten wir dann unsere Bleibe und genossen noch ein entspanntes Abendprogramm. Auch die Tatsache, dass das Haus eher ein Rohbau mit beschränkter Einrichtung war, störte uns nicht großartig. Die Dusche war indisch (ein Schöpfbecher und ein großer Eimer Wasser), in der Toilette gab es keine Wasserspülung und zufällig ging der Gasvorrat für den Herd genau jetzt zur Neige, als wir kochen wollten. Um 2 Uhr nachts fielen wir jedenfalls hundemüde ins Bett und schliefen trotz der Partymusik im Nachbarraum rasant schnell ein.

Donnerstag, 12.12.19

Wir schliefen länger als geplant und kamen somit erst zur Mittagszeit auf die Straße. Am Stadtausgang versuchten wir wieder zu trampen, doch hier mussten wir uns heute drei volle Stunden gedulden, bis uns ein Fahrzeug mitnahm. So erreichten wir am späten Nachmittag gerade einmal Trujillo und hatten nicht mehr als 150 km geschafft.

Wir beschlossen aber wegen der einbrechenden Dunkelheit, in Trujillo zu bleiben und kontaktierten das Casa de Ciclista. Dort eingetroffen, waren wir dann doch etwas schockiert: 15 Soles pro Nacht und pro Person wollte der Gastgeber haben. Das war uns entschieden zu viel für eine durchgelegene Matratze, eine kalte Dusche und ein bisschen Gas zum Kochen. Wir packten unsere Fahrräder wieder und wollten uns verabschieden. Dann sank der Preis und wir einigten uns doch noch. So blieb uns die weitere Suche über die wenigen Warmshowers-Kontakte in der Stadt erspart.

Was blieb, war eine gewisse innere Anspannung, weil wir noch 600 km Strecke vor uns hatten und Peru spätestens am 15.12. verlassen mussten.

Freitag, 13.12.19

Heute waren wir schon um 9 Uhr auf der Straße und hofften, dass es ab Trujillo besser laufen würde mit dem Trampen. Tatsächlich konnte ich aus voller Fahrt auch schon nach einer halben Stunde einen Klein-LKW anhalten. Er nahm uns die 200 km bis Chiclayo mit und wir hatten im Anschluss noch den halben Tag für eine weitere Mitfahrgelegenheit. Allerdings mussten wir zunächst einmal 20 km durch dichten Großstadtverkehr radeln, bis wir das Ortsende erreichten und das Trampen wieder Sinn machte.

Dort standen wir dann in einem heftigen Wind, der uns den Sand der angrenzenden Wüste permanent in die Augen blies. Es knirschte auch zwischen den Zähnen.

Per Fahrrad weiterfahren machte keinen Sinn, denn ab hier lagen 200 km Wüste vor uns. Auch der Wind blies aus der falschen Richtung und war zu heftig. Sollte uns heute kein Fahrzeug mehr mitnehmen, müssten wir uns morgen um eine Fahrt mit dem öffentlichen Bus kümmern.

Doch nach einer halben Stunde hielt tatsächlich doch noch ein Pickup und wir wurden mitgenommen. Der Zielort unseres Fahrers, Sullana, lag auf unserer Strecke und somit hatten wir bis zum Abend weitere 240 km Strecke hinter uns gebracht.

Jetzt waren es nur noch 70 km bis zur Grenze nach Ecuador. Da dürfte nichts mehr schiefgehen. Jetzt waren wir deutlich entspannter.

Unser Fahrer half uns dann auch noch, einen Schlafplatz zu organisieren: Nach einer Absage des einzigen Warmshowers-Mitgliedes in Sullana bot er uns eine kostenlose Nacht in dem Hostel seiner Familie an. Was für ein unglaublicher Tag, unser Glückstag, Freitag, der 13!: 460 km Strecke geschafft und zum Abschluss eine Nacht im Hostel.

Samstag, 14.12.19

Nach einem peruanischen Frühstück auf Rechnung des Hauses und einer herzlichen Verabschiedung radelten wir die letzten 70 km bis zur Grenze nach Ecuador. Berg- und Talfahrt ohne Unterbrechung, tropische Hitze und eine unbarmherzig brennende Sonne machten die Fahrt sehr anstrengend.

Gleich hinter Sullana fuhren wir für 10 km durch tropische Landschaft mit Bananenplantagen und Kokospalmen. Hier werden die Bananen für den Export nach Europa verpackt. Danach verläuft die Straße durch endlose, trockene Steppe und Wüste.

An einer kleinen Papayaplantage fotografierten wir gerade die Früchte, da kam der Betreiber mit 2 reifen Papayas auf uns zu und schenkte sie uns als Wegzehrung.

In einem Dorf holte Annett sich eine Kokosnuss und wir tranken das erfrischende Kokoswasser. Bezahlen durfte sie nicht, ging aufs Haus.

Um 15 Uhr erreichten wir ziemlich gerädert durch die Anstrengungen und die Hitze die Grenze. Eine halbe Stunde später waren die Aus- und Einreise-Formalitäten erledigt und wir waren in Ecuador angekommen.

Es war alles glücklich verlaufen: Die 1200 km Strecke von Juliaca in den Anden bis hierher hatten wir tatsächlich in nur zwei Wochen durch Radeln und Trampen hinter uns gebracht.

Weiter geht es mit dem Reisebericht über Ecuador.

 

Resümee zum Peru Reisebericht

Mein Verkehrsunfall in Bolivien kurz vor der Einreise nach Peru hatte unser Reiseprogramm zwar deutlich beeinflusst, doch am Ende haben wir dennoch ausreichend Gelegenheit für Besichtigungen und Landschaftserlebnisse gehabt. Lediglich die Fahrt von Juliaca über Lima bis zur Grenze nach Ecuador verlief etwas stressig: Für die insgesamt 1200 km hatten wir nur wenige Tage Zeit.

 

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Lesetipps:

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