Buddhistische Tempel

Im Rahmen unserer großen Radreise durch die asiatischen Länder Thailand, Laos, Kambodscha und Nepal haben wir unzählig viele buddhistische Tempel entdeckt und besichtigt. Wir kamen mit den Mönchen ins Gespräch, wurden zur Teilnahme an Zeremonien oder Feierlichkeiten der Laien eingeladen und fanden nicht selten auf dem Tempelgelände einen ruhigen und sicheren Schlafplatz.

Dabei wurde uns der Buddhismus, die Architektur der buddhistischen Tempel und der Verhaltenskodex gegenüber den Mönchen sehr vertraut. Dieses Wissen wollen wir hier weitergeben.

Buddhistische Tempel – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Buddhistische Tempel bestehen nicht nur aus einem einzigen Gebäude, sondern sind in der Regel eine Zusammenstellung verschiedener Einrichtungen und Gebäude, die jeweils unterschiedlichen Zwecken dienen.

Diese Zusammenstellung ist kein starres Konzept, sondern vielmehr als gemeinsame Grundstruktur zu verstehen. Jede Tempelanlage sieht in Zusammenstellung und Anordnung der Gebäude anders aus.

Genauso gibt es regionale Unterschiede. Daher sind Gebäude-Umfang und Gebäude-Bezeichnungen in den einzelnen buddhistischen Ländern unterschiedlich. Zum Beispiel wird der indische „Stupa“, ein unten breiter, nach oben spitz zulaufender Turm, in Thailand „Chedi“, in Myanmar „Paya“, in China „Pagode“, auf Sri Lanka „Dagoba“, in Laos “That“ und in Tibet „Chörten“ genannt.

In diesem Artikel über buddhistische Tempel orientieren wir uns hauptsächlich an der Architektur und den Bezeichnungen aus dem thailändischen Buddhismus. Dabei sind die Begriffe in den beiden verwendeten Sprachen Sanskrit und Pali leicht unterschiedlich.

Auch kann der Verwendungszweck einer Tempelanlage stark variieren: es kann Zentrum des religiösen Lebens, Versammlungsort, Altersheim, Schule, Meditationszentrum, Unterkunft oder sogar Klinik sein.

Die Namensgebung für buddhistische Tempel

In Thailand wird der buddhistische Tempel mit “Wat” (in Laos und Kambodscha “Vat”) bezeichnet: z.B. „Wat Phra Kaeo“.

Auch lässt sich am Namen der buddhistischen Tempel ablesen, ob sie von Königen, anderen Adeligen oder Gläubigen erbaut, gestiftet oder renoviert wurden.

Phutthawat und Sanghawat

Der Phutthawat

Der Phutthawat ist der geweihte Bereich in einer Tempelanlage. Er besteht meist aus mehreren Gebäuden und ist zur Abschirmung mit einer Mauer (Kampheng Kaeo) umgeben.

Der Sanghawat

Der Sanghawat ist der Wohnbereich der Mönche. Darin befinden sich unter anderem die Unterkünfte (Kutis) der Mönche. Er liegt oft südlich vom Phutthawat.

Die einzelnen Gebäude in der Tempelanlage

Die Bot (auch Ubisoft oder Usobot)

Die Bot ist das heiligste Gebäude in der Tempelanlage. Die Mönche nutzen es für ihre religiösen Zeremonien, wie z.B. Ordinationen. Laien haben keinen Zutritt. Um den Bot herum stehen 8 Grenzsteine (Bai Sema), die den geweihten Bereich markieren. Diese Grenzsteine haben eine Blatt-ähnliche Form und symbolisieren die Blätter des Bodhi-Baumes in Bodhgaya, unter dem Buddha (Siddhartha Gautama) seinerzeit die Erleuchtung zu Teil wurde.

Das Gebäude ist, wenn möglich, nach Osten ausgerichtet (Buddha blickte nach Osten, wenn er unter dem erwähnten Baum saß).

Auch interessant: vor dem Bau des Bot werden unter den späteren 8 Bai Sema und unter dem Stellplatz der Buddha-Statue in einer feierlichen Zeremonie Grundsteine in Kugelform (Lug Nimit) versenkt.

Die Bot muss nicht das größte Gebäude in der Anlage sein, aber es muss mindestens 21 Mönchen Platz bieten (so die Regel, die Buddha vorgegeben hatte).

Die Chedi (U3)

Die Chedi ist ein spitz zulaufender Turm mit meist breiter, glockenförmiger Basis. Ursprünglich war das ein Erdhügel, errichtet über den sterblichen Überresten einer wichtigen Person, z.B. eines Herrschers oder eines Heiligen. Die heutigen Chedis sind aus Stein gemauert und beherbergen Reliquien verehrter Mönche oder Bilder. Die Chedi wird in der Regel nicht betreten.

Der Wihan (Viharn)

Der Wihan ist eine öffentliche Versammlungshalle, in der sich eine oder mehrere Buddha-Statuen befinden. Hier werden die Lehrreden Buddhas (Sutras/Suttas) rezitiert und vorgeschriebene Zeremonien abgehalten, an denen Laien teilnehmen dürfen.

In der Gebäudegestaltung sehen Wihan und Bot ziemlich gleich aus. Sie unterscheiden sich nur durch die 8 Grenzsteine beim Bot.

Der Sala

Der Sala ist ein offener Pavillon zum Schutz vor Witterung, für Unterricht und Predigten, zum Verweilen, für Mönche, Pilger und Reisende. Dieses Gebäude findet man auch außerhalb von Tempelanlagen. Man sieht sie als Pavillon am Straßenrand (Sala Rim Thanon), als Nachtlager für Reisende auf dem Land (Sala Asai) oder als Unterstand an Bootsanlegestellen (Sala Nam).

In größeren Tempelanlagen findet man auch manchmal eine große Halle für die Teilnahme der Laien an Predigten oder an den Gebeten der Mönche (Sala Kan Prian).

Prang (Phra Prang)

In der Zeit 9. bis 12. Jh. bauten die Khmer von Angkor (dem heutigen Kambodscha) im Nordwesten des heutigen Thailands ihre Tempelanlagen. Und in ihren Tempeln war der Prang, ein oftmals quadratischer Turm aus Sandstein mit mehreren Terrassen, das heiligste Gebäude. Er symbolisierte den heiligen Berg Meru (im buddhistischen Glauben die zentrale Achse des Universums).

In Thailand findet man sie unter anderem in Tempeln der Städte Sukhothai und Ayutthaya. Darüber hinaus findet man sie in Angkor Wat (Kambodscha), Borobudur (Indonesien) und Paharpur (Indien).

Phra Rabieng (Phra Rabiang)

Bei den Tempeln der Khmer war der Phra Rabieng ein enger, überdachter Gang, der um den „Prang“, das heiligste Gebäude, angelegt war.

In den neueren Tempelanlagen Thailands ist es eine nach innen offene Galerie. Sie umgibt hierbei oft ebenfalls das Zentral-Heiligtum (Bot oder Chedi).

Über diese Galerie umschreiten die Mönche symbolisch den heiligen Berg Meru.

Der Phra Rabieng dient gleichzeitig als eine Art Abschirmung gegen die Außenwelt, ähnlich der „Kamphaeng Kaeo“.

Hor Rakhang

Der Hor Rakhang ist ein Glockenturm. Alternativ können anstelle von Glocken auch Trommeln oder ein Gong aufgehängt sein. Er dient zum Wecken der Mönche und zur Ankündigung der täglichen Zeremonien.

Die Ho Trai

Die Ho Trai ist ein Bibliotheksgebäude (nicht immer vorhanden). Hier werden die heiligen Schriftrollen (Tripitaka/Tipitaka) gelagert. Sie wurden jahrhundertelang auf Palmblättern geschrieben und mussten stets vor Ameisen und Feuchtigkeit geschützt gelagert werden. Daher steht die Ho Trai meist auf Pfählen, zum Teil sogar in Teichanlagen.

Mondop

Der Mondop Ist ein in seiner Form kubisches Gebäude, in Thailand oft um Säulenreihen ergänzt. Er dient zur Aufbewahrung besonderer oder heiliger Objekte (z.B. ein Fußabdruck Buddhas, oder ähnliches). Er kann aber auch als Bibliothek dienen.

Krematorium

Im Buddhismus wird der Leichnam eines Toten meistens verbrannt. Dazu dient das Krematorium. Man erkennt dieses Bauwerk an dem hohen Schornstein und der eisernen Tür der Brennkammer.

Die Verbrennung eines Verstorbenen leitet nach dem buddhistischen Glauben den Übergang in eine neue Phase seines Seins ein. Insofern hat die Trauer unten den Angehörigen im Buddhismus eine andere Ausprägung als wir Christen sie kennen. Anstelle von Trauer tritt die Erinnerung an schöne und positive Erlebnisse mit dem Verstorbenen.

Die Wesen aus der hinduistischen bzw. buddhistischen Mythologie

Buddhismus und Hinduismus stehen sich sehr nahe und haben viele Überschneidungen in ihrer Mythologie und der daraus entstammenden Wesen. Und einige dieser Wesen findet man in der Gestaltung der buddhistischen Tempelanlagen immer wieder:

Chofahs

Chofahs (auch Himmelsbüschel genannt) symbolisieren Garuda, dass Reittier der hinduistischen Gottheit Vishnu und der Erzfeind der Nagas. Das sind die markanten Verzierungen am Firstende auf den Dächern der Tempelgebäude in Thailand.

Garuda

Garuda ist ein Wesen aus der indischen Mythologie, in seiner Gestalt halb Mensch und halb Vogel. Einige Länder, unter anderem Thailand, verwenden Garuda auch das Hoheitszeichen.

Vishnu

Vishnu ist im hinduistischen Glauben eine der bekanntesten Gottheiten.

Nagas

Die Nagas sind Schlangen oder Drachen aus der Unterwelt. Man findet sie an den Eingängen der Tempelgebäude oder in Verbindung mit Buddha-Statuen. Sie schützen den meditierenden Buddha bzw. die Tempelgebäude als Wächter vor Unheil und Bösem. Die Darstellung der Nagas kann variieren: man findet sie als normale Schlange, als Mensch mit einem Schlangenkopf, als mehrköpfige Schlange (Mucalinda) oder als Schlange mit Kobrahaube.

Nagas sind die Feinde des Garuda. Diese Feindschaft hat ihren Ursprung in einer Legende um die Befreiung von Garudas Mutter aus der Knechtschaft der Schlangenmutter Kadru. Daher findet man in buddhistischen Tempeln häufig Abbildungen, in denen Garuda Schlangen bezwingt.

Chinthe

Die Chinthe sind mystische Wächter in der Gestalt eines Löwen, ebenfalls zu finden an den Eingängen der Tempelgebäude.

Hongsa (Hong)

Die Hongsa, der burmesischen Schwan, ist in thailändischen Buddhismus ein mystisches Tier, das die befreite Seele symbolisiert; eine Anspielung auf die angestrebte Erleuchtung, das höchste Ziel im buddhistischen Glauben. Man findet ihn oft als Verzierung auf den Mauern der Tempelanlagen oder als Zierde auf Straßenlaternen in Thailand.

Wissenswertes über den Buddhismus und die Lehre Buddhas

Der Buddhismus entstand als Religion aus den Lehren von Siddhartha Gautama (Buddha). Buddha lebte ca. 550 v. Chr. Er wurde in Lumbini, Nepal geboren und wirkte in Indien. Im heutigen Bodhgaya im indischen Staat Bihar wurde ihm die Erleuchtung zuteil.

Im Wesentlichen kennt der Buddhismus keine Gottheit, sondern erklärt die Zusammenhänge der Welt. Der Gläubige kann Zeit seines Lebens durch entsprechendes Verhalten, Denken und Handeln gutes „Karma“ anhäufen und somit die Erlösung aus einem immer fortwährenden Kreislauf aus Leben, Sterben und Wiedergeburt anstreben (das Nirwana).

Die Sammlung der heiligen Schriften des Buddhismus werden Tripitaka (Tipitaka) genannt. Das heißt übersetzt „Dreikorb“ und beinhaltet die 3 elementaren Bestandteile der Lehre Buddhas:

  • Die Lehrreden Buddhas (Sutras)
  • Die disziplinarischen Schriften (Vinaya)
  • Die philosophischen Texte (Abidhamma).

Buddhistische Mönche in Thailand

In Thailand ist es üblich, als Mann für eine gewisse Zeit als Mönch im Tempel zu dienen. Das kann frühestens im Alter von 8 Jahren mit der Übernahme einfacher Aufgaben im Tempel beginnen (Dek Wat, maximal für 4 Jahre). In der Regel werden die Jungen danach für 1-2 Jahre zum Novizen ordiniert. Frühestens mit 20 Jahren findet dann die Ordination zum Mönch (Bhikkhu) statt.

Die Kleidung der Mönche ist orange gefärbt (die Farbe Orange symbolisiert Weisheit und Reife).

Neben den Mönchen sieht man in manchen Tempelanlagen auch weibliche Laien, die dort auf Zeit unter Einhaltung bestimmter Regeln in Askese leben (die „Mae Chis“). Man erkennt sie an ihrer weißen Kleidung. Sie genießen bei weitem noch nicht das Ansehen der Mönche und ihre Ordination wird auch nicht anerkannt. Doch das ist vermutlich nur eine Frage der Zeit. Wir sind ihnen jedenfalls stets mit Respekt begegnet.

Verhaltens-Kodex für buddhistische Tempel

Um sich bei der Besichtigung buddhistischer Tempel und in Gegenwart buddhistischer Mönche regelkonform zu verhalten, reicht es bei weitem nicht, nur die Verbote auf den Infotafeln am Eingang der Tempel zu befolgen. Zumal es solche Tafeln nur an den touristisch frequentierten Tempeln gibt.

Die Mönche und auch die Einheimischen Laien nehmen Fehltritte sehr wohl wahr und werden es einem danken, wenn man die Regeln kennt.

Beim Betreten der Tempelgebäude ist lange, körperbedeckende Kleidung erwünscht. Mindestens bedeckte Knie, bedeckte Schultern, kein tiefer Ausschnitt. Die meisten Tempelgebäude werden ohne Schuhe betreten.

In einigen Gebäuden ist Essen und Trinken verboten. Handys und andere Gerätschaften, von denen Geräusche ausgehen können, sollte man dort auch abstellen oder auf stumm schalten. In der gesamten Tempelanlage sollte man sich ruhig und leise verhalten, um die Mönche und Laien nicht zu stören.

Manches Mal trifft man während einer Zeremonie oder einer Feierlichkeit in der Tempelanlage ein. Dann empfiehlt es sich, nicht zu stören oder (wenn es die Situation zulässt) zunächst einmal nachzufragen, um was für eine Veranstaltung es sich handelt. Die Einheimischen freuen sich über das Interesse und geben ausführlich Antwort.

Bei Veranstaltungen mit Laien ist es auch durchaus möglich, dass es sich gerade um eine Verbrennungszeremonie (Ngaan Sop) handelt. Dann ist pietätvolles Verhalten angebracht, obwohl der Tod eines Angehörigen in Thailand weniger stark mit „Trauer“ einhergeht. Es kann sogar passieren, dass man von der Familie des Verstorbenen eingeladen wird zu einer kurzen Teilnahme an den Feierlichkeiten und einer Mahlzeit. Man ist dann gut vorbereitet, wenn man der betreffenden Familie ein kleines Geschenk überreichen kann beim Abschied.

Fotografieren ist in den Tempelanlagen erlaubt, aber es gibt Einschränkungen (Schilder beachten). Betende und vor allem Mönche sollte man nicht fotografieren. Es sei denn, man hat die Erlaubnis oder die Mönche schlagen selber ein Gruppenfoto vor; was nach einer angeregten Unterhaltung durchaus passieren kann.

Generell genießen buddhistische Mönche in der Gesellschaft ein sehr hohes Ansehen, weil sie die Lehre Buddhas (Dhamma) verkörpern. Und die Laien bringen den gebührenden Respekt durch tiefe, demütige Verbeugungen vor den Mönchen zum Ausdruck. Mönche erwidern den Gruß nicht; so die Vorgabe.

Weibliche Personen dürfen buddhistische Mönche nicht berühren, auch als Mann sollte man hier zunächst abwarten, bis einem der Mönch zum Beispiel die Hand reicht.

Die gleiche Regel gilt, wenn Bäume (ganz gleich, ob in oder außerhalb einer Tempelanlage) mit einer Kesa (der orangefarbenen, buddhistischen Mönchsrobe) versehen sind. Diese Robe stellt den Baum einem buddhistischen Mönch gleich. Und es erregt mit Sicherheit Unmut, wenn man diese Bäume berührt oder wie gewöhnliche Bäume behandelt.

In Chiang Mai, einer Stadt im Norden Thailands, sind 900 gewaltig große Bäume auf einer Allee aus dem Jahre 1911 durch die Kesa von der Anwohnerschaft vor der Fällung gerettet worden. (Unseren Artikel dazu findest du > hier).

Buddha-Statuen werden nicht bestiegen, auch setzt man sich nicht auf Elemente dieser Statuen.

Die buddhistische Lehre gebietet dem Mönch, einen Reisenden bzw. Besucher in jeder Hinsicht zu unterstützen. Das betrifft Mahlzeiten, Trinkwasser, sogar Übernachtungsangebote, oder andere Dinge. Man muss ein Gespür dafür entwickeln, was man annehmen darf und was nicht. Viele Angebote werden zunächst aus der Pflicht und Höflichkeit ausgesprochen, dürfen aber durchaus dankend abgelehnt werden.

Buddhistischen Mönchen ist die Einnahme von fester Nahrung nach 12 Uhr mittags nicht erlaubt. Das sollte man wissen, wenn man sich in der Gesellschaft von Mönchen befindet und seinen Proviant anbieten möchte.

Ist man unsicher im Hinblick auf Verhaltensregeln, fragt man die Mönche. Viele, vor allem die Jüngeren Mönche, sprechen Englisch und einige sind sehr offen für wissbegierige Besucher (die anderen sind gemäß der thailändischen Mentalität halt sehr schüchtern und zurückhaltend).

Weitere Infos über den Buddhismus

Unser Bericht über den Bettelgang der buddhistischen Mönche

Unser Bericht über eine außergewöhnliche Allee in Thailand

Unsere Reiseinfos über Thailand

Unsere Reiseinfos über Laos

Unsere Reiseinfos über Kambodscha

Unsere Reiseinfos über Nepal

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