Reisterrassen – 3000 Jahre Hochkultur

In vielen asiatischen Ländern findet man sie in den Berghängen: die Reisterrassen. Sie sind eine Augenweide, denn nirgendwo sonst findet man in natürlichem Gelände eine solche Fülle fließender Linien, gleichmäßiger Höhenstufen und so einen interessanten Kontrast zwischen spiegelnden Wasserflächen und filigranen Terrassenkanten. Diese Reisterrassen schmiegen sich in die Landschaft, als wären sie natürlich gewachsen.

Was aus weiter Entfernung im Gesamtbild so anmutig aussieht, ist im Detail beim näheren Hinschauen das Resultat von langjähriger, hingebungsvoller Arbeit und 3000 Jahren Erfahrung in der Bewirtschaftung von Feldern. (seit dem 9. Jh. v. Chr.)

Wir haben diese Reisterrassen auf unserer Radreise durch Asien gesehen und bewundert. Doch was macht diese Art des Reisanbaus so effektiv? Und warum verharrt man auf einer Technik, die mehrere tausend Jahre alt ist? Ein Blick hinter die Kulissen:

Reis

Reis zählt zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln unseres Planeten und ist neben Zuckerrohr und Mais die am meisten angebaute Nutzpflanze. Da liegt es nahe, dass der Mensch sich seit jeher sehr intensiv mit einem möglichst effizienten Anbau von Reis und der Ertrags-Maximierung in der Bewirtschaftung seiner Felder beschäftigt hat.

Vor diesem Hintergrund mutet es sonderbar an, dass man in der heutigen, industrialisierten und hoch technisierten Zeit immer noch den Reis nach Methoden anbaut, die vor 3000 Jahren entwickelt wurden. Doch das hat seine Gründe.

Nassreis

Um unerwünschte Pflanzen und Kleintiere aus dem Reisanbau fernhalten, wurden die Felder mit Wasser geflutet. Ursprünglich war Reis keine Wasserpflanze, doch viele Reisarten haben sich an diese Überflutung der Felder angepasst. So etablierte sich im Laufe der Zeit der Nassreisanbau.

80 % der weltweiten Reisproduktion erfolgt heute im Nassreisanbau. Die anderen Anbauarten (z. B. die Streusaatmethode) sind aufwändiger oder werfen weniger Ertrag ab. Beim Nassreis sind je nach Art bis zu 3 Ernten pro Jahr möglich.

Dafür ist der Nassreisanbau aber sehr arbeitsintensiv: zuerst lässt man die Saat in trockenem Boden heranwachsen und dann siedelt man die Keimlinge per Handarbeit in die überfluteten Felder um, nachdem man den Boden dort ordentlich mit Wasser durchmischt hat. Fast alles geschieht in Handarbeit. Auch die Ernte und das Dreschen.

Reisterrassen

Der Nassreisanbau benötigt viel Wasser. Doch das Wasser muss fließen, sonst bilden sich Algen. Fließt das Wasser aber zu schnell, werden die Nährstoffe fortgespült. Spinnt man diesen Faden weiter, dann wird schnell klar: Die Bewässerung der Reisfelder ist eine kleine Wissenschaft.

Noch spannender wird die Bewässerung in Bergregionen. Dort nutzt man das natürliche Gefälle im Berghang und legt die Felder Terrassenartig an. Dabei nutzt man gestampfte Erde und Graswurzeln für den Bau der Terrassenwände. Durch sorgfältig konstruierte Kanäle und Gräben sowie exakt dimensionierte Öffnungen wird das Wasser dann in der richtigen Dosierung von einer Bergquelle oder einem Fluss bis zu diesen Terrassen und dort in Kaskaden von Stufe zu Stufe weitergeleitet. So entstanden die Reisterrassen.

Die Anlage dieser Reisterrassen wird über die Jahre beibehalten und muss lediglich regelmäßig feinjustiert werden, um den richtig dosierten Wasserfluss zu gewährleisten. Ein Glück also, dass Reis als Monokultur über Jahrhunderte ohne Unterbrechungen auf dem gleichen Boden angepflanzt werden kann. Das ist bei anderen Nutzpflanzen nicht möglich, weil ein Nährstoff-Defizit im Boden entstehen würde.

Manche Reisterrassen sind als Weltkulturerbe registriert (auf den Philippinen, in China, auf der indonesischen Insel Bali) und einige stehen mittlerweile auf der Roten Liste der gefährdeten Kulturerbe-Stätten. Denn die Reisbauern wandern in lukrativere Einkommensbereiche ab und so verfallen die Terrassen allmählich.

Die Schattenseiten

  • Der Nassreisanbau beansprucht enorme Wassermengen: pro kg Ernte sind 3000 – 5000 Liter fließendes Wasser nötig.
  • Der Nassreisanbau trägt massiv zum Treibhauseffekt bei: Der wassergetränkte, sauerstofffreie Boden ist idealer Nährboden für methanbildende Organismen. Der CO2-Ausstoß weltweit ist zwar deutlich höher als der Methanausstoß, doch das Schädigungspotential von Methan ist um ein Vielfaches höher als das von CO2.
  • In manchen Anbaugebieten ist das zur Bewässerung der Felder verwendete Grundwasser stark mit Arsen belastet. Und Reis reichert Arsen wesentlich stärker an als andere Getreidesorten. Die gängigen Reissorten enthalten folglich zwischen 20 und 900 Mikrogramm Arsen pro kg Reis. Zum Vergleich: Trinkwasser in der EU darf max. 10 Mikrogramm Arsen pro Liter enthalten. Arsen steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Na dann: Prost, Mahlzeit!

 

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