Reiseblogger auf Radreise – Spagat zwischen Bloggen und Reisen

Als Reiseblogger auf Radreise ist es nicht leicht, die Arbeit an der eigenen Website und das Reisen per Fahrrad unter einen Hut zu bringen. Es gleicht einem mühsamen Spagat. Warum das so ist und was du tun kannst, um die Motivation und den Spaß sowohl am Bloggen als auch am Reisen nicht zu verlieren, erläutern wir in diesem Artikel.

Unsere Tipps und Erfahrungen für Reiseblogger auf Radreise.

Die Erschöpfung

Das tägliche Fahrradfahren mit Gepäck durch jedes Gelände und bei jedem Wetter kostet Kraft und Zeit. Am Ende des Tages bist du in der Regel ziemlich geschafft und benötigst Erholung. Sich dann zu später Stunde noch an den Rechner zu setzen und die Erlebnisse des Tages niederzuschreiben, kostet an manchen Tagen viel Überwindung. Nicht selten fallen dir die Augen vor Müdigkeit zu, da hast du noch gar nicht richtig mit dem Schreiben begonnen.

Die Stromversorgung

Hinzu kommen die täglichen Bemühungen um die notwendigen Rahmenbedingungen fürs Bloggen:

Du benötigst Strom. Bei Übernachtung im Zelt abseits der Campingplätze ist selten Strom verfügbar. Der Strom aus deinem Nabendynamo oder dem Solarpanel reicht auch bestimmt nicht für alle deine Verbraucher. Mindestens dein Notebook benötigt regelmäßig den Zugang zu einer Stromquelle mit 220 Volt. Und wenn deine eigenen Stromerzeuger nicht ausreichen, bist du ständig auf der Suche nach weiteren Stromquellen: in jeder Pause und an jedem Zeltplatz.

Die Arbeitsbedingungen

Bleibt noch die Suche nach einem halbwegs ermüdungsfreien Arbeitsplatz: Das Arbeiten am Notebook im Schneidersitz auf dem kalten Boden im Vorzelt im Schummerlicht deiner Zeltlaterne ist auf Dauer keine glückliche Lösung. Wenn dann noch die nächtliche Kälte oder der permanente Windzug an deinen Gliedern emporsteigt, ist tatsächlich eiserner Wille und viel Durchhaltevermögen gefordert. Nur selten findest du an deinem Zeltplatz auch Tisch und Stuhl, geschweige denn einen wind- und kältegeschützten Arbeitsplatz mit Beleuchtung.

Der Zeitmangel

Das Reisen per Fahrrad ist zeitaufwändiger als jede andere Art des Reisens (von Wanderungen einmal abgesehen). Da bleibt am Ende eines Tages nicht mehr viel Zeit für ausgedehnte Bloggerei. Das gilt vor allem dann, wenn du per Zelt und eigener Campingküche auf Radreise bist.

Aber auch bei Inanspruchnahme von Kontakten aus den privaten Übernachtungsnetzwerken Warmshowers und Couchsurfing ist das Zeitfenster fürs Bloggen nicht immer so groß, wie du es dir wünschst: Mancher Gastgeber erwartet dich mit einem dicht gepackten „Programm“: er bindet dich mit Gesprächen und Fragen zu deiner Reise und deinem Leben, lädt dich zum Besuch irgendwelcher Sehenswürdigkeiten ein oder nimmt dich mit auf einen Besuch bei der Verwandtschaft.

So schön die Erlebnisse während deinem Aufenthalt dann auch sind: da bleibt dir kaum zeitlicher Spielraum fürs Bloggen.

Der Zugang zum Internet

Für viele Tätigkeiten beim Bloggen benötigst du einen Internet-Zugang. Doch je nachdem, wo du dein Zelt aufschlägst, wirst du mit Lücken in der Netzabdeckung konfrontiert. Im Gegenzug findest du an Plätzen mit guter Internet-Verfügbarkeit oft keinen passenden Zeltplatz. Eine Zwickmühle.

Am Ende ist es auch eine Kostenfrage: in vielen Reiseländern ist ein gekauftes Datenvolumen die schnellste, aber auch die teuerste Variante. Beschränkst du dich jedoch auf die Nutzung von frei zugänglichem WiFi, gehst du Kompromisse in der Qualität der Datenverbindung ein und bist in der Regel örtlich eingeschränkt.

Die Bereicherung

Trotz all der erwähnten Belastungen ist das Bloggen eine wertvolle Abwechslung zum täglichen Radfahren, vor allem auf Langzeitreisen. Es hält dich geistig fit und du hast hiermit einen idealen Ausgleich zum körperlich anstrengenden Reiseprogramm aus Fahrradfahren, Zeltauf- und Abbau sowie den Besichtigungen. Es intensiviert deine Reiseerlebnisse und du setzt dich sehr häufig mit Hintergründen und zusätzlichen Informationen auseinander, weil du auf deinem Blog ja schließlich hochwertigen Content anbieten willst. Es erweitert somit automatisch deinen Horizont und bildet dich stärker und intensiver, als es mancher Lehrer in deiner Jugend zu tun vermochte.

Die Lösung für Reiseblogger auf Radreise

Auf den ersten Blick lassen sich Radreise und Reiseblog offensichtlich nicht kombinieren. Das deuten die obigen Ausführungen an. Doch mit geschickter Organisation und der Bereitschaft zu Kompromissen bekommst du beides unter einen Hut. Unsere Lösungsansätze:

Tipps für die Stromversorgung

Mit einem Nabendynamo am Fahrrad und einem zusätzlichen Solarpanel im Gepäck fährst du zweigleisig und beugst Versorgungs-Engpässen vor.

Suche stets gezielt nach Pausen- und Übernachtungsplätzen mit Zugang zum Stromnetz. Es reicht ja schon ein bewohntes Haus in Sichtweite zum Zelt. Frage die Bewohner. In den meisten Fällen werden sie deine Geräte in ihrem Haus gerne aufladen.

Zusätzliche Zweitakkus und eine Powerbank sind ebenfalls eine Überlegung wert, stellen aber auch ein zusätzliches Gewicht in deinen Packtaschen dar.

Tipps für den Internet-Zugang

Suche gezielt nach Pausen- und Übernachtungsplätzen mit einem Zugang zu freiem WiFi in der Nähe. Frage die Anwohner vor Ort. Sie kennen die WiFi-Spots am besten. Vielleicht findest du dort auch Tisch und Stuhl sowie eine Steckdose.

Vor allem in Zeiten oder Regionen mit beschränktem Internet-Zugang ist eine sehr bewusste Trennung zwischen Online- und Offline-Tätigkeiten sehr hilfreich:

Für viele Jobs im Rahmen deiner Blogger-Tätigkeit benötigst du kein Internet: Bearbeitung der Bilder und Videos, Schreiben der Texte, Planung neuer Artikel-Serien, … all diese Tätigkeiten nehmen viel Zeit in Anspruch, können aber offline erledigt werden.

Bereite für die kommende Internet-Sitzung so viel wie möglich offline vor. Notiere dir in einer Liste alle Jobs, für die du eine Internet-Verbindung benötigst. Bringe diese Jobs in eine sinnvolle Reihenfolge. Setzte hierbei gezielt Prioritäten, wenn die Internet-Sitzung zeitlich stark begrenzt sein wird. Vermeide während der Internetsitzung die Beschäftigung mit Tätigkeiten, für die du eigentlich keine Internetverbindung brauchst.

Die Aktualität deines Blogs

Maßgeblich für die Aktualität deiner Website ist vor allem dein persönlicher Anspruch, aber auch der Themenbereich deines Blogs. Natürlich wollen Stammleser am liebsten schon morgen von deinen heutigen Erlebnissen lesen. Doch letztendlich stirbt niemand, wenn du mit einer zeitlichen Verzögerung von mehreren Wochen deine Artikel veröffentlichst. Die Leser gewöhnen sich daran.

Es ist ja schließlich nicht nur das Schreiben an den Artikeln, sondern auch die Arbeit drum herum: Fotos bearbeiten, Informationen im Internet recherchieren, um Lücken in den eigenen Berichten zu schließen, die Formatierung der Blogbeiträge, usw.

Vermeide nach Möglichkeit, dich selber zu stark unter Druck zu setzen. Darunter leidet die Motivation und auch die Kreativität bei der Gestaltung deiner Beiträge. Arbeite ruhig zeitgleich an Artikeln für mehrere verschiedene Rubriken. Wähle je nach Tagesstimmung, an welchem Beitrag oder Thema du gerade heute schreiben „willst“. So begegnest du einer möglichen Schreibblockade und deine Zeilen bleiben authentisch.

Deine Arbeits-Organisation

Ein Reiseblog ist eine sehr komplexe Aufgabenstellung. Die Arbeit beschränkt sich nicht nur auf das Erstellen redaktioneller Beiträge, sondern beinhaltet auch die Auseinandersetzung mit Themen wie Suchmaschinenoptimierung, Ladezeitreduzierung, die Umsetzung aller rechtlichen Pflichten für eine Internetpräsenz, die Vernetzung mit Lesern und anderen Reisebloggern, die Bedienung der Social Media Kanäle oder die Suche nach Lösungen für irgendwelche Probleme mit Plugins oder fehlerhaften Funktionen im Blog.

Diese Auflistung lässt sich fast endlos fortsetzen. Wenn du selber Blogger bist, kennst du das sicher. Wenn du nicht gerade Webdesign oder Online-Marketing studiert hast, sondern dir als Quereinsteiger autodidaktisch sämtliches Wissen erarbeiten musst, dann ist jede neue Fragestellung und jedes noch so kleine Problem in deinem Blog ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang und es kostet dich mehr oder weniger viel Zeit.

Zusätzlich wächst der Pflege-Aufwand mit zunehmender Größe deines Reiseblogs: Wie behältst du den Überblick, wenn du schon mehrere hundert Beiträge veröffentlicht hast? Wie hältst du sie aktuell?

Du merkst sehr schnell, dass diese Komplexität ohne eine gut durchdachte Arbeits-Systematik gar nicht kontrolliert zu bewältigen ist. Das gilt generell für Websitebetreiber, aber insbesondere für Reiseblogger auf Radreisen, denn die eingangs beschriebenen Belastungen einer Radreise machen es schließlich nicht leichter.

Je umfangreicher dein Blog, desto wichtiger ist deine eigene Dokumentation, damit du jederzeit nachvollziehen kannst, wo und wann du was gemacht hast:

Legte dir eine Tabelle an, in der du sämtliche Beiträge samt der Menüstruktur aufnimmst. Hier kannst du den Status eines jeden Artikels oder ganzer Menü-Rubriken verfolgen und weiter entwickeln. Hier kannst du Ideen und neue Beiträge aufnehmen, kannst die Vernetzung der Beiträge zu deinen Social Media Kanälen vermerken, usw. Es ist wie ein riesiges Nachschlagewerk und gleichzeitig die Legende für deine Blog-Inhalte. Es erleichtert dir die gesamte Arbeit an den Inhalten deines Blogs und du kannst damit jederzeit offline arbeiten.

Lege dir auf deinem Notebook ein Ordner-Verzeichnis für dein Blog an. Organisiere dir dort eine Ablagestruktur mit System für alle Themen: Hosting, Theme, Backup-Management, Plugins, Foto-Bearbeitung, usw. Nutze diese Ordner zur Ablage sämtlicher Informationen und zur Dokumentation deiner Arbeit.

Erstelle dir deine eigenen Rezepte für komplexe, wiederkehrende Bearbeitungs-Abläufe, archiviere HTML-Code-Schnipsel für bestimmte Funktionen, kurz: organisiere deine Arbeit so, dass sämtliches Wissen schnell abrufbar ist und du möglichst wenig Zeit benötigst.

Je weniger Zeit du für die Peripherie benötigst, desto mehr Zeit hast du für die Erstellung deiner Artikel als Reiseblogger auf Radreise.

Mehr Zeit zum Bloggen

Plane Zeiträume für die tägliche Arbeit an deinem Blog in den Tagesablauf mit ein. Das kann die Mittagspause sein oder auch eine nächtliche Sitzung im Zelt vor dem Schafen gehen.

Baue mehrtägige Reisepausen in deinen Reiseablauf ein. Idealerweise bietet sich hier ein Aufenthalt in einer größeren Stadt an. So kannst du Besichtigungen, Besorgungen und die Arbeit am Reiseblog miteinander verbinden. Zudem wirst du in der Stadt weniger Probleme mit der Internet-Verfügbarkeit haben.

Wir waren in mehrtägigen Reisepausen immer besonders effektiv beim Blogausbau. Für manche Dinge brauchst du tatsächlich einige Tage am Stück Ruhe und Zeit zum Abarbeiten.
Hast du in einem Reiseland weite Passagen durch eher monotone Landschaft vor dir, ziehe das Trampen in Erwägung. Uns hat das Trampen auf unserer Radreise einige tausend km öde Strecke und somit viel Zeit erspart, die wir dann sinnvoller in unser Reiseblog investiert haben.
(Unsere Tipps zum Trampen auf Radreisen).

Berücksichtige bei deiner Streckenplanung von vornherein genug Zeit für die regelmäßige Arbeit am Blog. Gehe bei der Tagesstrecke nie ans obere Limit. Plane bewusst mehrtägige Aufenthaltszeiten in bestimmten Städten ein. Halte dabei auch immer die maximal zulässige Aufenthaltsdauer im betreffenden Reiseland im Auge.

Miete dir eine Unterkunft, die dich preiswerter kommt, als ein Hotel oder Hostel. Verhandle gleich zu Beginn einen Preis mit Rabatt für einen längeren Zeitraum (z.B. 4 Wochen). Frage Warmshowers-Kontakte, ob sie eine gute Adresse kennen.

Fazit für Reiseblogger auf Radreise

Du siehst, es gibt viele Spielräume, die du auf Radreisen für das Bloggen nutzen kannst. Dabei ist es auf einer Radreise durch hochentwickelte Industrieländer natürlich deutlich leichter als in einem Entwicklungsland auf dem afrikanischen Kontinent.

Und am Ende wirst du feststellen, dass deine Kombination aus Radreise und Bloggerei eine 90/10-, 80/20- oder sogar 70/30-Lösung darstellt. Die prozentualen Anteile sind dabei relativ egal. Hauptsache, du findest dich in dieser Aufteilung wieder und bist mit der Gesamt-Kombination glücklich.

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