Mazedonien 2015

Am 6.9.15 sind wir, aus dem Kosovo kommend, nach Mazedonien eingereist.

Sonntag, 6.9.15.

Wie erwartet, ging es ab der Grenzstation auf 780 m Höhe erst einmal nur bergab bis Tetovo. Wir erreichten hier einen sagenhaften Durchschnitt von 19,5 km/h. Das gab es noch nie bei unseren Gepäcktouren. Mit zunehmender Nähe zur Stadt kam Gegenwind auf und der fegte uns dann ordentlich Straßenstaub in die Augen. Das war sehr anstrengend in Verbindung mit dem üblichen Vorstadt-Verkehr und den schlechter werdenden Straßen.

TetovoIn Tetovo beschafften wir uns zunächst Denar, die mazedonische Landeswährung, und organisierten uns in der Stadtmitte zur Pause. Und wieder wurden wir auf einen Kaffee eingeladen: ein Arzt und ein Angestellter aus der Uni Tetovo hießen uns willkommen in Mazedonien und gaben uns wertvolle Tipps zur weiteren Reiseroute. Nach der Stadt-Besichtigung ging es dann Richtung Gostivar auf eine gebührenpflichtige Autobahn. Richtig: Autobahn! Eine andere Straße gab es nicht. Für Radfahrer ist sie übrigens kostenlos. Wir kamen zügig voran aber es war gefährlich und nervenaufreibend. Dafür fanden wir schnell einen Zeltplatz vor Gostivar.

Montag, 7.9.15.

GostivarAusnahmsweise hatten wir heute Morgen einen bedeckten Himmel und kühle Luft. Ab 11 Uhr herrschte dann wieder die Sonne und die gewohnte Schwüle vor. Wir fuhren nach Gostivar und es gab die übliche Mischung aus Stadtbesichtigung, Besorgungen und Pause. Viele sprechen deutsch und wir kamen wieder oft ins Gespräch, ganz gleich, ob wir unsere kleine Deutschland-Fahne am Rad hängen hatten oder nicht. Hinter der Stadt ging es dann Richtung Mavrovo National Park in den Berg hoch. Und das war ein unerwartet harter Aufstieg mit 4 Stunden Schieben bis auf 1130 m. Kurz vor der Passhöhe schlugen wir, völlig geschafft, das Zelt auf. Die Höhe garantierte uns auch deutlich tiefere Temperaturen: bis 8°C kalt wurde es diese Nacht.

Dienstag, 8.9.15.

Frostig frisch war es heute Morgen. Erstmals Wetter für lange Kleidung. Leider fiel das Wasserkochen für Kaffee und Müsli heute aus, denn wir hatten nicht genug Wasser mitgenommen gestern Abend. Dafür hatten wir eine lange Abfahrt durch eine großartige Felsenschlucht vor uns. Und die ließ uns alles vergessen: den Schiebe-Marathon von gestern, die Kälte am Morgen und das Kaffee-lose Frühstück.

Unbeschreiblich imposant wirken die steilen Felswände, an denen man sich durch das tiefe Tal entlang schlängelte, immer mit Gefälle dem Fluss Crni Drim folgend, leider auf einer für Reiseradler fürchterlich schlechten Straße mit unzähligen Sturzfallen und breiten Rissen. Ab 10 Uhr war auch die Sonne wieder da und ließ alles im rechten Licht erscheinen. Kurzer Aufenthalt in Debar und dann ging es weiter am Stausee entlang Richtung Ohrid. Regen war gemeldet, da bauten wir vorsorglich auch das Tarp mit auf heute.

Mittwoch, 9.9.15.

Kein Regen in der Nacht. Auch kein Regen in Aussicht am Morgen. Gut so. Aber es ist seit 2 Tagen merklich kühler. Die Hitze-Tage mit 35 – 40°C sind also endlich vorbei. Heute ging es ohne nennenswerte Anstiege weiter am Fluss Crni Drim entlang durch ein tiefes, enges Tal namens Drimkolska Klisura. Und stets hatten wir die umliegenden Zweitausender zum Greifen nahe. Ab Mittag wurden die Wolken dann dichter und dunkler.

Als wir dann kurz vor der Stadt Struga die ersten Regentropfen fühlten, fragten wir sofort einen Farmer, den wir auf den Feldern sahen, nach einem Zeltplatz. Er lud uns mit Verweis auf den angekündigten Dauerregen sofort in sein Haus ein und lotste uns per Auto direkt dorthin. Wir lernten die Familie kennen (in der Regel sind das hier 3 oder gar 4 Generationen und viele Kinder), kochten und aßen gemeinsam und erzählten uns gegenseitig von unseren Erfahrungen in Mazedonien und Deutschland. Der Farmer hatte viele Jahre in Deutschland gearbeitet und freute sich, seine deutschen Sprachkenntnisse endlich wieder auffrischen zu können. Und tatsächlich regnete es die ganze Nacht hindurch.

Donnerstag, 10.9.15.

Riesige Pfützen standen auf der Straße und zwischen den Häusern. Da waren wir froh um das komfortable Zimmer für die letzte Nacht und bedankten uns mit einer Einladung zu uns nach Deutschland. Es war bewölkt, aber es regnete nicht. Bestes Radelwetter. Bis 14 Uhr. Wir hatten Struga verlassen, schoben den Pass zur albanischen Grenze hoch und hatten an einer Bank für eine Pause alles hergerichtet, da kam ein Gewitter in Windeseile auf uns zu. 2 Blitze, 2 Donner der große Regenund schon platzte der Regen los. Wir hatten jeweils 2 Packtaschen offen, der Tomatensalat war gerade angerichtet, der Kaffee eingeschüttet und das Brot lag offen. Und dann kam der Regen und es musste plötzlich alles sehr schnell gehen: das Brot verpacken, die Regenkleidung anziehen, die Packtaschen schließen, … man möchte am Liebsten alles gleichzeitig machen, um den Schaden klein zu halten. Irgendwann ist dann alles egal, weil sowieso alles nass geworden ist. Und dann sitzt man im Regen auf der Bank, isst seinen Tomatensalat und trinkt den kalten Kaffee, verdünnt mit Regenwasser. Und danach schoben wir weiter den Pass hoch in strömendem Regen. An der Grenze zu Albanien hieß es dann zweimal Pässe raus mit nassen Fingern. Und man verschleppt unvermeidlich die Nässe in die gut behütete Lenkertasche mit den Wertsachen.

Resume Mazedonien

Insgesamt sind wir 5 Tage durch Mazedonien gefahren und haben dabei auf 185 km insgesamt 1500 Höhenmeter erklommen. Besonderes Highlight war der Mavrovo National Park.

Weiter gehts im Artikel  Albanien-Süd 2015.

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