Klettersteig-Gefahren

Klettersteige haben natürlich einen höheren Anspruch als normale Bergwanderpfade. Und die Drahtseile und Trittstufen ermöglichen nur eine Absicherung gegen einen Absturz in die Tiefe. Und genau das ist der springende Punkt:

Der Schein der Sicherheit

Es ist ein verbreiteter Irrglaube, dass die Absicherung über ein Klettersteigset die Garantie für die Vermeidung der Klettersteig-Gefahren darstellt. Verliert man den Halt, stürzt man mehr oder weniger tief und heftig, je nachdem, wo man sich an der Drahtseilsicherung gerade befindet. Und das können im Extremfall 5 m sein. Ein modernes Klettersteigset bremst den freien Fall theoretisch zwar sehr verletzungshemmend ab, doch wenn man beim Absturz noch mit voller Wucht gegen die Felswand prallt, erleidet man trotzdem heftige Verletzungen.

Fazit im Hinblick auf Klettersteig-Gefahren

Die Sicherung über ein Klettersteigset verhindert keine Unfälle, sondern nur den möglichen Tod. Und aus dieser Erkenntnis erwächst der Anspruch an den Klettersteig-Geher: er darf nur Klettersteige begehen, deren Schwierigkeitsgrad er kontrolliert bewältigen kann. Ist er überfordert, besteht Gefahr für ihn und seine Gruppe. Doch es gibt noch viele andere Klettersteig-Gefahren:

Eine Liste der Klettersteig-Gefahren

  • Qualität der Sicherungen: manchmal sind die Sicherungen veraltet und in schlechtem Zustand
  • Brüchiger Fels: Ist der Fels brüchig und verwittert, ist mit Steinschlag zu rechnen. Kletterhelme schützen hier nur bedingt
  • Abstand zum Vorgänger: Fehlt der Sicherheitsabstand, gefährdet ein Sturz auch den Nachgänger
  • Unbedachter Tritt: kann Steinschlag auslösen
  • Überschätzung: Durch Überforderung im Klettersteig kann Erschöpfung oder gar eine Blockade entstehen
  • Verzerrtes Sicherheits-Bewußtsein: das eingehängte Klettersteigset vermittelt schnell den Eindruck „mir kann nichts passieren“. Die daraus resultierende Unkonzentriertheit ist gefährlich.
  • Fehlerhafte Bedienung der Ausrüstung: Der korrekte Umgang mit Klettergurt und Klettersteigset muss erlernt werden.
  • Fehlende Konzentration: Viel zu schnell wird man abgelenkt und ist dann nicht mehr voll bei der Sache.
  • Fehlerhafte Klettersteigsets: In 2012 gab es nach einem tödlichen Unfall umfangreiche Rückrufaktionen einiger Hersteller für eine große Anzahl der damaligen Klettersteigsets: Materialermüdung machte die Ausrüstung unbrauchbar.
  • Fehlende Eignung von Klettersteigsets für Kinder: In Tests (DAV Panorama 4/2011) wurde festgestellt, dass viele Klettersteigsets bei leichtgewichtigen Personen nicht wirkungsvoll abbremsen.
  • Verschleiß am Klettersteigset: durch häufige Nutzung und Witterungseinwirkung ermüdet das Material und die erwartete Funktion geht mit der Zeit verloren. Leider sieht man das einem Klettersteigset nicht an. Es gibt aber Richtwerte für die Lebensdauer.
  • Sitzgurt und schwerer Rucksack: Trägt man einen schweren Rucksack, liegt der Schwerpunkt weit oberhalb des Sitzgurtes und es besteht die Gefahr, im Sturz hintenüber zu kippen. Hier ist ein Kombigurt sicherer.
  • Weiterverwendung eines Klettersteigsets nach einem Sturz: Ist die Naht am Bandfalldämpfer gerissen, ist das Set nicht mehr sicher.
  • Verwendung eines verschlissenen Klettersteigsets: Ist das Material der Lastarme aufgepelzt, ist das Set ebenfalls nicht mehr sicher.
  • Blitzschlag im Gewitter: leitende Drahtseile.
  • Regen: der Fels wird rutschig und die Absturzgefahr wächst.

Es ist unmöglich, alle Klettersteig-Gefahren auszuschalten. Doch man kann durch gute Vorbereitung die Risiken reduzieren: keine Überforderung bei der Klettersteig-Auswahl riskieren, die Ausrüstung checken, das Wetter beobachten und Steinschlag vermeiden.

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