Yokyakarta auf der Insel Java in Indonesien

Yokyakarta ist eine Großstadt im Zentrum der indonesischen Insel Java. Sie war zeitweise (1945 – 1949) auch die Hauptstadt von Indonesien.

Die Stadt liegt im Einflussbereich der beiden aktiven Vulkane Merapi und Merbabu im Norden. Erst 2010 erzeugte ein Ausbruch des Merapi einen gewaltigen Ascheregen über der Stadt. Ein größerer Ausbruch hätte mit Sicherheit dramatische Auswirkungen auf die Stadt, ihre Bewohner und die vielen kulturellen Schätze aus der Vergangenheit.

In Yokyakarta und dessen Umfeld findet man eine Vielzahl alter hinduistischer und buddhistischer Tempel hauptsächlich aus der Zeit 8. / 9. Jh.

Borobudur Tempel

Ein buddhistischer Mahayana-Tempel, 25 km nordwestlich von Yokyakarta, aus dem 8. oder 9. Jh.. Dieser Tempel ist zwar gewaltig groß, erscheint auf den ersten Blick jedoch eher einfach in seiner Gestalt. Es ist mehr eine Pyramide mit 9 Ebenen. Erst mit dem Wissen um die tiefere Bedeutung der einzelnen Teile dieses Tempels gewinnt er an Reiz:

Nach der buddhistischen Lehre besteht das Universum aus drei verschiedenen Welten:

  • Kamadhatu (die Welt der Menschen)
  • Rupadhatu (die Übergangswelt, in der der Mensch von Körper und weltlichen Angelegenheiten erlöst wird)
  • Arupadhatu (die Welt der Götter und der Erleuchtung).

In der Gestaltung des Tempels finden sich diese drei Welten wieder, wenn es für den Laien auch nur schwer zu erkennen ist: der große Sockel des Tempelbaus bildet das Kamadhatu, die 4 eckigen Ebenen bilden das Rupadhatu und die 3 kreisrunden Ebenen mit 72 Stupas und Buddha-Skulpturen bilden das Arupadhatu. Die Wände sind mit Steinreliefs ausgestattet, auf denen das Leben und Wirken Buddhas nachgestellt ist.

Doch viel spannender als der vorliegende Tempelkomplex ist die Geschichte seiner Wiederentdeckung und seiner Wiederherstellung:

Durch die Verlagerung des kulturellen Zentrums nach Ostjava wurde der Tempel schon im 10. Jh. aufgegeben und geriet in Vergessenheit. In den folgenden Jahrhunderten führten Vulkanasche, Erdbeben und Überwucherung zum Verfall der Anlage. Die Tempelruine lag irgendwann verborgen unter einer dicken Schicht aus Asche und Erde.

Erst 1814 wurde die Ruine entdeckt, 1835 erfolgte eine Teil-Freilegung durch private Initiative, 1900 regten die damaligen Kolonialherrn aus Holland die Restaurierung an und zwischen 1905 und 1911 fand eine erste Wiederherstellung statt. Um den absehbaren, erneuten Zerfall des Tempels zu verhindern, erstellte Indonesien 1955 einen Plan zur Wiederherstellung und kontaktierte die UNESCO. Doch erst 1971 erfolgte eine Besichtigung durch die UNESCO und erst 1973 begannen die zielführenden Restaurierungsarbeiten. Seit 1983 steht der Tempel nun wieder in seinem alten Glanz der Öffentlichkeit zur Verfügung.

So brauchte es tatsächlich 160 Jahre und mehrere Initiativen von der Entdeckung bis zur Wiederherstellung.

Mit einem Eintrittspreis in Höhe von 23 € (bei Sonnenaufgang sogar 33 €) ist die Besichtigung relativ teuer (2017). Es gibt neben dem Einzelticket aber auch ein Kombiticket für die Besichtigung im Paket mit dem Prambanan Tempel).

Sejarah Candi Mendut Tempel

In Mendut, 4 km östlich von Borobudur, befindet sich der Sejarah Candi Mendut, ebenfalls ein buddhistischer Mahayana-Tempel aus dem 9. Jh.

Mendut Buddhist Monastery

Gegenüber dem Mendut Tempel befindet sich die Mendut Buddhist Monastery. Hier stand im 20. Jh. ein katholisches Kloster. Eine buddhistische Stiftung kaufte das Gelände und errichtete ein buddhistisches Kloster mit großem Park und vielen Statuen. Einige dieser Statuen sind Spenden aus Japan.

Candi Pawon Tempel

Dieser buddhistische Tempel befindet sich auf einer Linie mit den Tempelanlagen Borobudur und Sejarah Candi Mendut und ist ebenfalls aus dem 8./9. Jh. Er ist dem Sejarah Candi Mendut sehr ähnlich, ist aber kleiner und besser erhalten.

Candi Kalasan Tempel

Östlich von Yogyakarta, an der Straße zum Prambanan-Tempel, steht der Candi Kalasan, ein buddhistischer Tempel aus dem 8. Jh.

Candi Sari Tempel

Der Candi Sari Tempel ist ein buddhistischer Tempel aus dem 8. Jh. Er steht ca. 150 m vom Candi Kalasan Tempel entfernt auf der anderen Seite der Straße und war vermutlich eine Schlafstätte für die Mönche.

Sambisari Tempel

Der Sambisari Tempel ist ein hinduistischer Tempel aus dem 8. Jh. und liegt in einer Senke. Er war seit einem Vulkanausbruch des Merapi meterhoch von Asche bedeckt. Der Höhenunterschied zeigt, auf welchem Niveau sich der Erdboden vor dem Vulkanausbruch befand.

Candi Banyunibo Tempel

Candi Banyunibo Tempel ist ein buddhistischer Tempel aus dem 9. Jh. im Osten von Yokyakarta, umgeben von Reisfeldern. Die Ruinen des Tempels wurden in 1940 entdeckt, doch die Rekonstruktion bzw. der Wiederaufbau zogen sich bis 1978.

Candi Sojiwan Tempel

Candi Sojiwan Tempel ist ein kleiner buddhistische Tempel aus dem 9. Jh. im Osten von Yokyakarta. 1813 wurden die Ruinen entdeckt, in 1996 wurde mit dem Wiederaufbau begonnen. Doch durch das verheerende Erdbeben 2006 erlitt der Wiederaufbau einen derben Rückschlag und zog sich bis 2011.

Candi Prambanan Tempel

Prambanan ist die größte Hindu-Tempelanlage in Indonesien. Sie wurde im 9. Jh. errichtet und befindet sich 18 km östlich von Yokyakarta. Im Wesentlichen besteht der Tempel aus mehreren großen Gebäuden und über 200 kleineren Gebäuden und ähnelt auf den ersten Blick der Tempelanlage Angkor Wat in Kambodscha.

Man ist seit 1918 mit dem Wiederaufbau bzw. der Rekonstruktion beschäftigt. Doch schon in 2006 verursachte ein schweres Erdbeben weitere Schäden. In Folge dessen denkt man sogar über einen Neubau nach und nimmt 20 € Eintritt (2017) von jedem ausländischen Besucher.

Candi Sewu Tempel

Etwa einen Kilometer nordöstlich des Prambanan-Tempels steht Candi Sewu, der größte buddhistische Tempelkomplex Javas aus dem 8. Jh. mit ca. 250 Gebäuden.

Candi Plaosan Lor Tempel und Plaosan Kidul Tempel

Die beiden buddhistischen Tempel Plaosan Lor (im Norden) und Plaosan Kidul (im Süden) aus dem 9. Jh. bildeten ursprünglich einen Tempelkomplex, sind aber heute durch die Straße voneinander getrennt. Sie befinden sich im Osten von Yogyakarta.

Candi Plaosan Lor Tempel

Dabei handelt es sich um eine relativ große Tempelanlage. Im Zentrum stehen 2 rekonstruierte Tempel-Gebäude (Frauen und Männer beteten getrennt voneinander), umgeben von einer Mauer. Außerhalb der Mauer bilden 58 dicht beieinander stehende Gebäude einen Ring um die Tempelgebäude im Zentrum. Darüber hinaus gibt es eine gigantische Menge einzelner Steine, die für eine anstehende Rekonstruktion der Außenanlage schon sauber sortiert wurden.

Plaosan Kidul Tempel

Der Plaosan Kidul Tempel ist kleiner als der Candi Plaosan Lor. Er besteht aus einer Plattform im Zentrum mit mehreren Tempelgebäuden, unter anderen 3 Prasadas (Tempeltürme) für die Trimurti-Gottheiten Brahma, Shiva und Vishnu.

Candi Ijo Tempel

Candi Ijo ist ein Hindu-Tempel aus dem 11. Jh. Er wurde auf einem Berghügel namens Gumuk Ijo (daher der Name) im Osten von Yokyakarta errichtet.

Die Anlage besteht aus mehreren Terrassen. Auf der obersten Terrasse befinden sich der Haupttempel und 3 Perwara-Tempel (sie stehen auch hier wieder für die „Trimurti“, die 3 wichtigsten Gottheiten im hinduistischen Glauben: Brahma, Shiva und Vishnu).

Anhand der Ruinen geht man von deutlich mehr Tempelgebäuden aus, als bisher freigelegt wurden. Auch die ursprüngliche Ausdehnung der gesamten Tempelanlage lässt sich heute nur erahnen.

Masjid Gede Kauman oder Große Kauman Moschee

Die Masjid Gede Kauman ist eine Moschee im Javanischen Stil, erbaut in 1772. Typisch für diesen Stil sind das dreistufige Dach, die Bauweise ohne Minarett und eine überdachte Veranda.

Die Moschee ist von außen eher schlicht gestaltet. Doch betritt man das Innere, dann staunt man unweigerlich über die mächtige Trag-Konstruktion aus uralten Teakholzstämmen. Das ist gewaltig.

Das Taman Sari Water Castle

Das Wasserschloss Taman Sari Water Castle war ursprünglich eine große Parkanlage mit mehreren künstlich angelegten Wasserflächen, Kanälen, Hängebrücken, künstlichen Inseln, Gärten, unterirdischen Gängen und einigen Gebäuden und Pavillons.

Die Anlage wurde im 18. Jh. als Entspannungsdomizil für den Sultan gebaut. Sie war Meditationsort, Ruhebereich, Badeparadies und auch Versteck für die königliche Familie.

Heute ist von den ehemaligen Anlagen nur noch ein Bruchteil übrig geblieben. Das Wasser aus den künstlichen Seen wurde abgelassen und große Flächen sind jetzt mit normalen Wohnhäusern bebaut.

Übrig geblieben sind einzelne Bruchstücke der Anlage, zum Beispiel die Gebäude auf den seinerzeit künstlichen Inseln. Somit wirkt das zu besichtigende Terrain wie ein unübersichtliches, verwinkeltes Labyrinth ohne klare Struktur. Das Kernstück bildet dabei ein Gebäudekomplex mit 2 Badebassins und vorgelagerten Gärten.

Die Gebäude auf den künstlichen Inseln im Segaran (dem künstlichen See) waren über Unterwassertunnel miteinander verbunden. Heute liegen diese unterirdischen Tunnel unter der neuzeitlichen Wohnbebauung. Sie sind aber für Besucher nicht zugänglich.

Übersetzt bedeutet Taman Sari „schöner Garten“.

Gumuling Well Moschee

Auf einer der künstlichen Inseln im ehemaligen See des Taman Sari Komplexes befand sich eine runde Gebäudestruktur, die nur über den Unterwassertunnel erreichbar war: Gumuling Well. Das Innere dieses Gebäudes wurde seinerzeit als Moschee genutzt.

Besonders markant an diesem Gebäude ist die komplexe Treppenstruktur, bei der drei Treppen aus dem Erdgeschoss über eine zentrale Plattform in eine 4. Treppe Zugang zum Obergeschoss finden.

Kraton Ratu Boko

Der Kraton Ratu Boko liegt im Osten von Yokyakarta und war ehemalig der Palast ((Kraton) des Sultans. Die Ruinen können heute für viel Geld besichtigt werden.

Der Luwak-Kaffee

Unweit des Taman Sari Water Castles befindet sich ein Cafe, in dem man den möglicherweise teuersten Kaffee der Welt probieren und kaufen kann: den exklusiven indonesischen Luwak Kaffee.

Das Besondere an diesem Kaffee ist seine außergewöhnliche Fermentierung. Diese erfolgt nämlich im Verdauungstrakt der Zibetkatzen, die im Rahmen der Nahrungsaufnahme diese Kaffeebohnen fressen und später unversehrt wieder ausscheiden. Durch diese Fermentierung entfaltet der Kaffee offensichtlich einen besonderen Geschmack, was sich die Einheimischen auch sehr feudal bezahlen lassen.

Es werden jährlich lediglich 230 kg dieses Kaffees hergestellt und mit 300 € pro Pfund (2017) ist es bestimmt der teuerste Kaffee der Welt. Über die Haltung der wenigen überlebenden Zibetkatzen erfährt der Besucher des Cafes derweil nichts. Und das zur Schau gestellte lebende Exemplar wirkt nicht wirklich gesund und glücklich. Alles in allem sehr zweifelhaft.

Achtung: besichtigt man das Taman Sari Water Castle, bieten die Betreiber dem Besucher schon am Eingang einen kostenlosen Guide an, der während der Führung schleichend auf den Besuch dieses Cafes hinarbeitet und einen letztendlich in dieses Cafe schleppt. Der dortige Besuch hat dann den Charakter einer Kaffeefahrt, denn hier findet für teures Geld eine Verköstigung mit diesem superteuren Kaffee statt, wenn man sie nicht ausdrücklich ablehnt.

Situs Warungboto

Situs Warungboto war das Gästehaus eines ehemaligen Sultans und liegt im Osten von Yokyakarta im Städtchen Warung Boto. In der baulichen Gestaltung ähnelt die gesamte Anlage dem Taman Sari Water Castle.

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