Radreisen mit Kindern

Radreisen mit Kindern sind ohne weiteres machbar, wenn man sich auf die altersspezifischen Eigenheiten der Kinder einstellt und die gesamte Radreise darauf ausrichtet. Wir haben unseren Nachwuchs ab dem Säuglingsalter mitgenommen auf unsere Radreisen und in dieser Hinsicht Erfahrung gesammelt, die wir in diesem Artikel weitergeben möchten. Die von uns vorgenommene Einteilung in Altersklassen muss natürlich jeder individuell auf seine Kinder anpassen, weil der Bewegungsdrang und die persönlichen Vorlieben der eigenen Kinder ganz anders aussehen können.

Radreisen mit Kindern im Alter von 0 – 3 Jahre

Die Mitnahme von Kindern im Fahrrad-Anhänger ist in diesem Alter problemlos machbar. Der Nachwuchs schläft über viele Stunden am Tag und das erlaubt auch längere Fahrstrecken. Der Fahrrad-Anhänger erhöht natürlich ganz ordentlich das Gesamtgewicht der Gepäckmasse am Rad. Der Anhänger sollte gut gefedert sein, einen stabilen Überrollbügel  und ein  wasserdichtes Verdeck mit integriertem Fliegennetz besitzen und mit Sicherheitsgurten für die Kinder ausgestattet sein. Solange die Kinder noch nicht selbständig sitzen können, muss man mit Sitzschale oder Unterfütterung aus Schaumstoff improvisieren. Wir hatten seinerzeit den Ritchie der Firma Weber und waren in allen Punkten sehr zufrieden. Das Bremssystem am Zugfahrrad sollte sehr effektiv und sicher arbeiten, wenn man nicht am Anhänger eine Auflaufbremse integriert hat. Und man muss ausreichend Platz in den Packtaschen bereithalten für die Windelpakete. Bedingt durch das zusätzliche Gewicht des Anhängers empfiehlt sich  natürlich eher ein flaches Gelände und kürzere Strecken für die Radreisen mit Kindern. Uns hat Dänemark als Reiseland sehr gut gefallen: keine hohen Berge, moderate Steigungen, viel Sandstrand und Meer, Spielplätze, ruhige, kinderfreundliche Camping- und Biwakplätze mit Feuerstellen und ein gut ausgebautes Radwegenetz. Radwege an Flüssen bieten sich ebenfalls an (Rhein, Mosel, Donau, Drau, Loire, usw.). Fahrradsitze kamen für unsere Radreisen mit Kindern nicht in Frage: relativ unsicher für den Nachwuchs, kein effektiver Wetterschutz und nicht ausreichend bequem auf längeren Strecken.

Radreisen mit Kindern im Alter von 4 – 8 Jahre

In diesem Alter wird es etwas schwieriger für Radreisen mit Kindern: langes Sitzen in einem Anhänger wird sehr schnell langweilig und der Nachwuchs will Action haben. Mit dem eigenen Kinderfahrrad fahren ist auch keine Alternative: zwar lernen die Kids unter Umständen schon  sehr früh das Fahrradfahren, aber es fehlt in der Regel noch die nötige Fahrsicherheit und Aufmerksamkeit im Verkehr. Und damit würde eine Radreise mit Kindern schnell zu einem sehr gefährlichen Unterfangen. Auch fehlt der Sinn für längere Strecken oder mehrtägiges Fahren. Also kommen höchstens kurze Fahrstrecken auf sicheren Wegen und viel Programm für die Kinder in Frage: klettern in den Felsenklippen, Sandstrand, Spielplätze, Lagerfeuer, Wandertouren. Wir haben in dieser Altersphase Kanuwandertouren mit Gepäck im Kanadier unternommen oder ein Ferienhaus gemietet.

Radreisen mit Kindern im Alter von 9 – 13 Jahre

Hier wird es wieder interessant für Radreisen mit Kindern. Längere Ausfahrten mit dem Kinderfahrrad und die erforderliche Aufmerksamkeit im Straßenverkehr sind kein so großes Thema mehr. Im Gegenteil: Kinder entwickeln hier schon Ehrgeiz für das Erreichen von Streckenzielen und die eigenen Pucky-Packtaschen werden mit Stolz am 20-Zoll-Kinderfahrrad durch die Landschaft kutschiert. Unser Sohn wollte noch zusätzlich eine große Packrolle oben drauf haben, damit das eigene Fahrrad so bepackt aussah, wie bei den Eltern. Wir gaben ihm dafür immer die leichten, aber voluminösen Kopfkissen in seinen Packsack. Lange Strecken und tägliches Fahren sind in diesem Alter aber keine gute Idee. Kinder wechseln sehr spontan zwischen „können wir jetzt endlich weiter?“ und „ich will jetzt nicht mehr fahren!“. Darauf muss man stets vorbereitet sein und dann entsprechend flexibel reagieren: Pausentag, Spielplatz, Schwimmen oder wandern gehen, usw. Mit 10 Jahren hatte unser Sohn die großen Ortlieb-Backroller an seinem 24-Zoll-Fahrrad und trug den größten Teil seines Gepäcks somit selber. Fahren noch andere befreundete Familien mit, erhöht sich für die Kinder automatisch der Spassfaktor und an vielen Tagen läuft es fast wie von selbst.

Radreisen mit Kindern im Alter von 14 – 16 Jahre

Mit dem Wechsel auf ein 26-Zoll-Fahrrad kamen bei unserem Sohn dann zu den Backrollern auch ein Satz Frontroller hinzu. Und Kraft und Ausdauer für längere Tagesetappen waren kein Thema. Dafür wächst an anderen Stellen Widerstand: früh aufstehen und das Zelt packen kommt gar nicht gut an. Also muss man sich arrangieren mit dem Nachwuchs und nach tragfähigen Kompromissen suchen, wenn die gemeinsame Radreise mit Kindern für alle Beteiligten ein Vergnügen sein soll.

Radreisen mit Kindern im Alter ab 16 Jahre

Mit zunehmendem Alter sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass der Nachwuchs noch mit den eigenen Eltern auf Reisen geht. Viel stärker ist der Wunsch, mit den Freunden auf Tour zu gehen. Gut so. Das erhöht wieder den Gestaltungs-Spielraum für die eigenen Radreisen.

Fazit zu Radreisen mit Kindern

Berücksichtigt man die Bedürfnisse und Erwartungen im betreffenden Kindesalter, sind Radreisen mit Kindern spannend und bereiten allen sehr viel Spaß. Mit der nötigen Flexibilität in der Tagesgestaltung lässt sich der Unberechenbarkeit der natürlichen kindlichen Laune begegnen. Extreme Wetterlagen, lange Strecken sowie lange, steile Anstiege sollte man aber auf jeden Fall meiden.

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