Perfekte Reisefotos – ein Tutorial

Wie mache ich perfekte Reisefotos?

Reisefotos gehören zu den schönsten Erinnerungen einer jeden Reise. Und die Momente, die man im Bild festgehalten hat, waren vielleicht einmalig. Da wäre es doch schade, wenn man im Nachhinein von der Qualität der eigenen Fotos enttäuscht ist. Damit genau das nicht passiert, muss man einige Dinge beachten beim Fotografieren. Wie erhalte ich die schönsten Reisefotos? Ein kleines Tutorial.

Die Kamera

Zwischen der Spiegelreflex-Kamera und dem Smartphone gibt es einige Qualitätsebenen und mehrere Nischenprodukte auf dem Kameramarkt. Alle Kameraarten haben dabei ihre Daseinsberechtigung und sind für bestimmte Anwendungsgebiete besonders gut geeignet. Doch deren Einfluss auf die Reisefotos ist eher zweitrangig. Viel wichtiger sind hierfür Motiv und Bildgestaltung. Beachtet man einige Regeln und setzt die verfügbaren Gestaltungsmittel wirksam ein, erhält man auch mit der einfachsten Pocket-Kamera spektakuläre Reisefotos.

Die Gestaltungsmittel im Detail:

Das Licht

In den frühen Morgenstunden und am späten Nachmittag steht die Sonne flacher und erzeugt ein warmes Licht. Ideal zum Fotografieren. In den Mittagsstunden wirft die hochstehende Sonne sehr harte Schatten und die Kontraste zwischen hell und dunkel sind meist zu groß.

Besonders spannend ist die “Blaue Stunde”: in der Sonnenuntergangsphase erscheint der Himmel tief dunkelblau und viele Bauwerke sind stimmungsvoll ausgeleuchtet mit künstlichem Licht. Das sind ideale Bedingungen für wunderschöne Reisefotos.

Positioniere Dich mit der Sonne im Rücken zum Objekt und wandere dann so weit um das Objekt herum, bis Du eine gute Kombination aus Lichteinfall, Farbwiedergabe und Schattierung erkennst. Im Gegenlicht wirken viele Objekte im Foto später zu dunkel oder sind nur noch als Silhouetten erkennbar. Diesen Effekt kann man sich aber auch zu Nutze machen, wenn es das Objekt erlaubt. Genauso ist Schatten geeignet, die Geometrie von Objekten besonders wirkungsvoll ins Bild zu setzen.

Bedeckter Himmel erzeugt diffuses Licht. Da wirken viele Motive farblich sehr flach und langweilig. Komme wieder, wenn die Wolken sich verzogen haben.

Bei geringer Helligkeit, zum Beispiel für Nachtaufnahmen, sind lange Belichtungszeiten erforderlich. Ebenso, wenn man Feuerwerk oder Gewitter im Bild festhalten möchte. Da kommt man um ein Stativ nicht herum. Aktiviere dann auch den Selbstauslöser, sonst erzeugt die Auslösung schon Verwacklungen. Hast Du kein Stativ zur Hand, fotografiere mit einer Weitwinkel-Brennweite und halte die Kamera an eine feste Fläche, zum Beispiel einen Laternenmast. Das hilft meist schon.

Insbesondere im Sommer sorgt die hohe Luftfeuchtigkeit oft für einen ungewollten starken Dunst und schlechte Sicht. Doch Regen reinigt die Luft. Daher ist die Sicht auf entfernte Objekte wie zum Beispiel Berge nach der Schauer besonders klar. Ideal ist in dieser Hinsicht auch die kältere Jahreszeit. Im Winter ist die Luft halt besonders klar, weil kalte Luft nur wenig Wasser aufnehmen kann. Und im Hochgebirge herrscht immer besonders saubere und damit klare Luft. Manchmal hilft einem der Dunst in der Luft, um Weite darzustellen: Stichwort „Luftperspektive“.

Übrigens gibt es kein schlechtes Wetter beim Fotografieren, sondern lediglich andere spannende Motive:

Kunstlicht in Räumlichkeiten erzeugt unangenehme Farbstiche. Das menschliche Auge kompensiert solche Effekte, doch beim Fotografieren muss man manuell gegensteuern. Der Weißabgleich ist hier der Schlüssel zum Erfolg.

Bildgestaltung

Positioniere das Hauptmotiv nicht in der Bildmitte, sondern leicht außerhalb der Mitte. Ideal ist eine Anordnung im “Goldenen Schnitt”, sowohl horizontal als auch vertikal. Das wirkt harmonischer. Achte auf einen passenden Hintergrund und vermeide störende Objekte im Bild: Stromleitungen, Straßenmüll, andere fotografierende Kollegen oder zuviel Verkehr. Bei bekannten Sehenswürdigkeiten lohnt es sich, sehr früh da zu sein, weil die Chance auf menschenleere Bildmotive dann wesentlich höher ist.

Setze bewusst weitere Objekte mit in den Bildausschnitt, wenn das Hauptmotiv alleine zu langweilig wirkt. Achte aber darauf, dass dadurch nicht die gewünschte Aussage deines Reisefotos verloren geht. Es kann auch wirkungsvoller sein, wenn man das Hauptobjekt nicht als Ganzes ins Bild setzt, sondern nur einen Teil davon. Das erzeugt Spannung im Foto.

Setze Unschärfe bewusst als Gestaltungsmittel ein, wenn es die Kamera hergibt. Im Telebereich werden weit im Hintergrund liegende Elemente unscharf dargestellt. Das hebt das Hauptmotiv besonders gut hervor im Foto.

Suche bewusst einen geeigneten Standort. Manchmal verändern einige Meter hier den gesamten Bildaufbau: die Proportionen verändern sich, störende Objekte verschwinden aus dem Bildausschnitt, andere Objekte schieben sich ins Bild. Arrangiere die einzelnen Elemente in Größe, Anordnung und Proportion so, dass ein harmonisches Ganzes daraus entsteht. Achtung: die Größe eines Objektes im Bildausschnitt änderst Du nicht nur über die Brennweite Deines Zoomobjektivs, sondern vor allem über Deinen Abstand zum Objekt. Interessant wirken auch Fotos aus Vogel- oder Frosch-Perspektive.

Setze die Brennweite bewusst zur Bildgestaltung ein. Im Telebereich verdichtet sich der Raum, weit entferntes rückt näher und wird größer im Bild. Im Weitwinkelbereich erzeugt man Tiefe und muss mit Verzerrungen an den Bildrändern rechnen. Diese können aber je nach Motiv als gestalterisches Mittel sehr nützlich sein. Überlege vor dem Foto, welcher Effekt Dein Motiv besser in Szene setzt.

Effekte bei der Bildgestaltung

Hiermit sind nicht die Kunsteffekte gemeint, die man im Kamera-Menü als Voreinstellung wählen kann. Sondern hier sind ausschließlich Effekte gemeint, die man manuell im Rahmen der Bildgestaltung hervorheben kann. Zum Beispiel Größenverzerrung durch Nutzung einer bestimmten Brennweite und geschicktem Abstand zum Motiv oder Spiegelungen an Wasseroberflächen. Hier ist der Kreativität keine Grenze gesetzt. Aber auch hier gilt: der in Szene gesetzte Effekt muss schon zum Bildmotiv passen und soll die Aussage des Fotos lediglich unterstreichen.

Landschaft als Motiv

Landschaft als Motiv ist sehr dankbar, weil sie sich nicht bewegt. Man hat also mehr Zeit, sich der Bildgestaltung zu widmen, als bei bewegten Motiven. Setze ein weiteres Objekt im Vordergrund ins Bild, das wirkt als Kontrast und macht die Landschaftsaufnahme interessanter. Mit spektakulären Wolken können aus uninteressanten Landschaften auch spannende Motive werden. Hier hilft der Weitwinkelbereich mit Verzerrungen in der Tiefe, ohne dass man stürzende Linien in Kauf nehmen muss, wie zum Beispiel bei Gebäuden.

Menschen als Motiv

Sind ein spannendes Motiv für Reisefotos, aber hier ist Fingerspitzengefühl erforderlich. Viele Menschen möchten zumindest gefragt werden, wenn man sie ablichten will. Am besten baut man durch kurzen Dialog eine Beziehung zu der Person auf, bevor man die Kamera herausholt. Da schmilzt die Distanz schnell dahin. Oftmals wirken die Fotos dann aber sehr gestellt, weil die Personen ja wissen, dass sie fotografiert werden.

Die schönsten Ergebnisse erhält man oft erst dann, wenn die Person gar nicht mehr wahrnimmt, dass sie gerade fotografiert wird. Hierfür ist der Telebereich am Objektiv sehr dankbar. Man kann dadurch auch unbemerkt das Gesicht einer Person heranholen und gleichzeitig den Hintergrund unscharf darstellen. Diese Unschärfe hebt das Hauptmotiv, das Gesicht, dann stärker hervor. Kinder sind in vielen Ländern ein dankbares Motiv für Reisefotos. Sie lieben es, fotografiert zu werden.

Tiere als Motiv

Um scheue Tiere zu fotografieren, braucht man viel Geduld und Zeit. Oft verscheucht man die Tiere schon, wenn man ihnen nur Aufmerksamkeit schenkt. Sich leise verhalten, keine hektischen Bewegungen, langsam heranpirschen und durch die Zweige eines Baumes idealerweise mit einer Telebrennweite zu fotografieren führt hier zum Erfolg.

Die etwas bewegungsträgeren Tiere sind da eher ein dankbares Motiv. Raupen, Käfer, die Gottesanbeterin oder mancher Gekko lassen sich in aller Ruhe fotografieren. Gehe nah an das Motiv heran. Eine “Makroaufnahme” stellt das Tier ungewöhnlich groß ins Bild und macht Details sichtbar, die man mit dem Auge normalerweise nicht wahrnimmt. So wird auch ein Bild von gewöhnlichen Tierarten zu einem Knaller. Achte aber auch auf einen passenden Hintergrund und wähle eine für das menschliche Auge ungewohnte Perspektive. Das erzeugt Spannung.

Bewegung als Motiv

Wenn Bewegung im Spiel ist, muss man sich entscheiden, ob das Motiv scharf oder verwischt dargestellt werden soll. Je schneller die Bewegung, desto kürzer die Belichtungszeit, wenn man das Motiv scharf ablichten will. Will man aber mit Hilfe verwischter Objekte die Bewegung im Bild darstellen, dann wählt man eine längere Belichtungszeit. Mache Serienaufnahmen mit unterschiedlichen Einstellungen bei der Belichtungszeit und suche später das perfekte Foto heraus. Hier führt Experimentieren zum Erfolg.

Architektur als Motiv

Die Verzerrungen im Weitwinkelbereich können hier schnell stürzende Linien erzeugen. Das kann stören, oder aber auch als Effekt gestalterisch wirken. Willst Du stürzende Linien vermeiden, dann vergrößere die Entfernung zum Motiv oder steige höher hinauf. Interessant sind manchmal auch Details von Bauwerken, Fassaden, Konstruktionen. Die Perspektive ist hier ein wichtiger Punkt: man muss das Motiv erst suchen, indem man das Objekt aus den verschiedensten Blickwinkeln betrachtet.

In religiösen Einrichtungen oder bei Zeremonien können die Geräusche der Kamera sehr störend wirken. Schalte die Kamera auf lautlos, dann bemerkt man kaum, dass Du fotografierst.

Nicht sichtbare Motive

Ja, richtig gelesen. Es gibt Motive, die sind nicht unmittelbar sichtbar: Wind, Sturm, Hitze, Kälte, Musik, usw. Versuche, die Auswirkungen ins Bild zu setzen. Lange Belichtungszeiten machen Bewegung sichtbar, so flattert eine Fahne im Sturm. Wellenbildung auf einer Wasseroberfläche oder sich biegende Halme der Binsen machen ebenfalls Wind sichtbar. Tanzende Menschen im Bild vermitteln dem Betrachter die Botschaft: da spielt Musik, eine rissige Erde symbolisiert Trockenheit und Hitze, ebenso die Spiegelungen auf der Asphaltstraße oder schwirrende Luft, die man mit dem Tele einfangen kann.

Fazit

Die beste Kamera-Ausrüstung nützt nichts, wenn man nicht aktiv auf die Bildgestaltung Einfluss nimmt. Wer die oben beschriebenen Gestaltungsmittel bewusst einsetzt, erhält bessere Ergebnisse und macht ganz bestimmt tolle Reisefotos.

2 Kommentare:

  1. Sie schreiben: „Fotografiere mit der Sonne im Ruecken. Das bringt Farbe ins Bild.“

    Ich denke, dass dies nicht richtig ist. Sonne von vorne UND hinten ist nicht sehr vorteilhaft für ein gutes Bildergebniss und sollte grundsätzlich vermieden werden. Farben werden am schönsten wiedergegeben wenn der Lichteinfall im rechten Winkel zur Aufnahmerichtung erfolgt.

    • Radreise Nerd

      Sie haben Recht. An dieser Stelle habe ich unpräzise formuliert im Text. Genau genommen sind es bei mir zwei Schritte. Im ersten Schritt positioniere ich mich mit der Sonne im Rücken zum Objekt. Im zweiten Schritt wandere ich aus dieser Position so weit um das objekt herum, bis ich eine gute Kombination aus Lichteinfall und Schattenbildung erkenne. Und dann entsteht ein Foto, bei dem die Sonne mit Sicherheit einen mehr oder weniger großen Winkel zur Aufnahmerichtung hat. Aber das muss nicht immer der rechte Winkel sein. Ich werde das bei nächster Gelegenheit im Artikel ergänzen.
      Danke und Lieben Gruß.

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