Malaysia 2017

Am 05.05.2017 erreichten wir, von Thailand kommend, Malaysia. Hier standen uns 90 Tage visafreier Aufenthalt zur Verfügung.

Malaysia besteht aus der Malaiischen Halbinsel im Westen und im östlichen Teil aus den Staaten Sarawak und Sabah auf der Insel Borneo.

Wir wollten uns auf den Westen beschränken und dort an der Westküste entlang fahren bis Kuala Lumpur, danach an die Ostküste wechseln, von Kota Bharu bis Kuantan radeln und dann nach Melaka an die Westküste zurückfahren. Von hier würden wir nach drei Monaten Aufenthalt in Malaysia per Fähre nach Sumatra, der größten Insel Indonesiens, übersetzen.

Ein Abstecher nach Singapur ganz im Süden der Malaiischen Halbinsel hatten wir noch als Option. Doch tatsächlich kam wieder einmal alles ganz anders:

Freitag, 05.05.17

Am Vormittag erreichten wir im thailändischen Wang Prachan die Grenze. Sowohl die Ausreise aus Thailand als auch die Einreise nach Malaysia gingen einfach und schnell von statten. Nach 10 min war alles erledigt und wir waren in unserem neuen Reiseland angekommen.

Direkt hinter der Grenze ging es sofort einen sehr steilen Hügel hinauf und genau so steil auf der anderen Seite wieder hinunter. Der Aufstieg war so schweißtreibend, dass ich mein Trikot auf dem Scheitelpunkt des Hügels auswringen konnte.

Das Klima war hier in Malaysia natürlich genauso wie in den letzten Wochen in Thailand: sehr heiß und schwül. Dazu weht meistens kein Lüftchen. Es war angenehmer, durch den Fahrtwind zu radeln, als auf der Stelle zu stehen oder irgendwo Rast einzulegen.

Die abendliche Suche nach einem Schlafplatz gingen wir genauso an, wie wir es uns in Thailand, Laos und Kambodscha angewöhnt hatten: wir suchten nach einem buddhistischen Tempel. Allerdings war das nicht einfach, denn in Malaysia dominiert der Islam und wir trafen ausschließlich auf Moscheen. Und dort ist eine Übernachtung ausgeschlossen.

Ein Straßenhändler hieß uns im Land willkommen, schenkte uns eine Limonade auf Eis und konnte uns sehr präzise den Weg zum einzigen buddhistischen Tempel in dieser Gegend erklären. Das war ein glücklicher Zufall. Gerade der erste Tag in einem neuen unbekannten Land ist im Hinblick auf die Schlafplatzsuche immer sehr spannend. Zelten wollten wir aus Sicherheitsgründen nach wie vor vermeiden, wenn möglich. Zu viele Schlangen tummeln sich hier im Gelände.

Wir erreichten den Tempel bei einbrechender Dunkelheit und mussten zunächst einmal 30 min warten, bis die abendlichen Gebete im Wihan beendet waren. Doch das Warten hatte sich gelohnt, denn wir durften bleiben und erfuhren eine fast grenzenlose Gastfreundlichkeit.

Auch das Laden unserer Akkus war heute etwas Besonderes: zum ersten Mal auf unser Asien-Radreise mussten wir unseren Universal-Adapter zum Einsatz bringen. In allen bisherigen Reiseländern kamen wir mit unserem deutschen Stecker zurecht. Sogar in Indien.

Samstag, 06.05.17

Es hatte viel geregnet in der Nacht. Wie angenehm war uns da das Zimmer, das uns die Mönche überlassen hatten.

Vor dem Abschied ergänzten wir noch unseren kleinen selbstgebastelten Sprachführer. Dabei waren unsere thailändischen Sprachkenntnisse von Vorteil, denn die Mönche sprachen kein Englisch, verstanden aber Thai.

Wir fuhren nach Kangar, unsere erste Stadt in Malaysia. Hier konnten wir Geld in Landeswährung Ringgit beschaffen, eine SIM-Karte kaufen und die malaysische Straßenküche testen. Danach suchten wir uns WiFi und prüften den Versandstatus unseres Paketes aus Deutschland. Das Paket mit dem Netbook war am 05.05. in Thailand eingetroffen und wurde jetzt wohl im Zoll bearbeitet. Seit dem 24.04. war der Versandstatus im Internet nicht mehr aktualisiert worden. Jetzt wussten wir wenigstens, dass das Paket noch existiert. Beruhigend.

Wir fuhren an die Westküste nach Kuala Perlis. Ab hier wollten wir einige Tage an der Küste entlang radeln. Einige km später sahen wir wieder dicke Gewitterwolken auf uns zukommen. Da suchten wir an der nächsten Moschee nach einem Schlafplatz. Es gab einen Abstellraum neben der Moschee, das würde uns schon reichen. Wir fragten einen Anwohner, natürlich einen Moslem, und offensichtlich war es ok, wenn wir dort unser Nachtlager einrichten würden. Also blieben wir.

Um 19 Uhr kamen einige Moslems zum Gebet in die Moschee und entdeckten uns natürlich. Dann sahen wir in den Gesichtszügen von Entsetzen bis Begeisterung so ziemlich alle Stimmungslagen. Es gab Diskussionen unter den Moslems. Einer wollte, dass wir gehen. Einige andere hielten ihn zurück und wollten, dass wir bleiben. Irgendwann platzte der Knoten und wir durften bleiben.

Sie brachten uns einen Ventilator und einen Teppich als Unterlage für unsere Matten. Auch Essen wollten sie für uns besorgen. Nein, danke, haben wir selber alles, was wir brauchen. Danach kam noch dreimal einer der Truppe vorbei und fragte, ob wir auch wirklich alles hätten. Dann verabschiedeten sie sich alle bei uns und wünschten uns noch eine gute Reise. Wir waren zwar erleichtert, aber es blieb uns im Bewusstsein, dass Moscheen in Malaysia nicht wirklich als Schlafstätte in Frage kommen.

Sonntag, 07.05.17

Es hatte in der Nacht zwar geblitzt und gedonnert, aber Regen war nicht gefallen. Wir packten und fuhren weiter an der Küste entlang. Auf der rechten Seite hatten wir den Blick aufs Meer, zur Linken sahen wir endlose Reisfelder. Dicht an der Straße standen Bananenstauden und spendeten kühlen Schatten. Somit war die gesamte Strecke bis hinter Sanglang eine tolle Passage ohne Verkehr.

Radeln unter Bananenstauden:      Clip1     Clip2

Reisanbau:     Clip1    Clip2

Islamischer Friedhof:     Clip

In den kleinen Dörfern an der Straße gab es wieder Straßenrestaurants, wo man sich für 2-5 Ringgit ein Reis- oder Nudelgericht zusammenstellen konnte. So preiswert können wir nicht selber kochen. Also stand auch für Malaysia fest: der Kocher bleibt in der Packtasche.

Akkord im Straßen-Restaurant:    Clip

In Alor Setar wollten wir uns einen Platz für die Nacht suchen. Laut unserer digitalen Karte gab es 11 Tempel in der Stadt. Da würde sich bestimmt schnell etwas finden. Dachten wir! Doch es kam ganz anders.

In den chinesischen Tempeln wiesen sie uns ab und einige Tempel aus unserer digitalen Karte erwiesen sich als Kleinst-Gebetsstätten mit einem Murti und einigen Räucherstäbchen in einer rot gefärbten Nische. Sogar im Gurudwara wurden wir abgewiesen. Derweil kamen die dunklen Wolken immer näher und es sah deutlich nach viel Regen aus.

Im allerletzten Tempel, einem Hindu-Tempel, sollten wir warten, bis der Pujari kommt. Als er eintraf, war es schon dunkel und wir stellten uns schon auf eine Absage und eine nächtliche Flucht aus der Stadt bei Regen ein. Doch als der Pujari uns sah, bot er uns wie selbstverständlich einen Schlafplatz im überdachten Bereich an. Das ging ja gerade noch mal gut heute. Aber es war sehr knapp. Der Weg aus der Stadt, noch dazu bei Regen, hätte uns viel Zeit und Kraft gekostet. Zufällig waren heute auch einige unserer Akkus leer gefahren und da freute uns natürlich der Zugang zum Stromnetz an unserem Schlafplatz.

Direkt neben unserem Schlafplatz fand abends noch eine Besprechung statt: der Pujari und 5 weitere Hindus diskutierten eifrig über wichtige Themen. Zwischendurch wurde eine Portion süßer Reis serviert. Und wir wurden spontan eingeladen. Sehr lecker. Um 22 Uhr war dann Nachtruhe.

Montag, 08.05.17

Geweckt wurden wir heute durch eine für Hindu-Tempel ungewöhnliche Musik. Direkt neben dem Tempelhof fand eine Aerobic-Stunde auf offener Straße statt. Da dauerte es keine 5 min, da mischte sich Annett unter die Gruppe und machte mit. Und am Ende der Stunde durfte sie dann die vielen Fragen der Teilnehmer beantworten. Eine nette Begegnung.

Wir organisierten uns noch Karten-Material aus der Tourist-Info, dann verließen wir Alor Setar Richtung Süden und fuhren auf einer küstennahen Nebenstrecke durch die größten Reisanbaugebiete von Malaysia. Und wieder säumten Bananenstauden, Kokospalmen und Mangobäume voller Früchte unseren Weg. Immer wieder führte die Straße auch durch kleine, urige Fischerdörfer.

Zusätzlich gab es unterwegs einige nette Begegnungen: eine alte Dame lief vor uns über die Straße, sah uns, hielt uns spontan an und schenkte uns eine Hand voll kleiner Mangos aus ihrem Garten, die sie eigentlich gerade nach Hause tragen wollte. Und ein Reisbauer unterbrach seine Arbeit im Feld, als wir ihn bei der Arbeit fotografierten und holte für uns 2 Kokosnüsse aus dem Baum, schlug sie auf und gab sie uns zum Trinken. Auch das weiche frische Kokosmark durften wir kosten. Lecker.

Vor der Stadt Gurun fuhren wir wieder auf die Hauptstraße zurück und fragten im einzigen Hindu-Tempel der Stadt nach einem Schlafplatz. Kein Problem, unter dem Vordach direkt vor dem Tempel könnten wir schlafen. Das lief ja überraschend einfach heute. Die Anwohner brachten uns sofort einen Becher Kaffee und boten uns ihre Dusche an. Ein anderer Anwohner schenkte uns 2 Bike-Trikots aus seinem Bike-Shop und war sehr bemüht, uns jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Amüsant war daran vor allem, dass wir in den letzten Wochen insgesamt je 4 T-Shirts geschenkt bekommen hatten.

Vor dem Einschlafen sahen wir noch 2 Ratten über das Tempelgelände laufen. Na dann, Gute Nacht! Dann entdeckten uns die Revierhunde und sorgten mit ihrem Protest-Gebell für ordentlichen Lärm. Der Bike-Shop-Inhaber hatte uns vor den Hunden noch gewarnt und uns einen Stock zum Verjagen der Tiere an die Hand gegeben. Doch die Hunde gingen irgendwann von alleine.

Um Mitternacht setzte Regen ein. Und der entwickelte sich rasant schnell zu einem ausgewachsenen Gewitter mit Starkregen. Es schüttete wie aus Eimern und der Rückstau des Wassers um unseren Schlafplatz ließ einen See entstehen, dessen Ufer sich gefährlich schnell unseren Schlafmatten näherte. Ich stand sofort auf und bereitete die Evakuierung vor.

Doch wir hatten Glück: letztendlich blieb uns ein halber Meter trockener Boden vor unserem Schlafplatz. Wir kauerten wie auf einer Hallig bei Sturmflut, und ich hielt sehr sorgfältig den Pegelstand unter Beobachtung. Der Teich zu unseren Füßen wurde derweil von zwei Seiten stetig mit Frischwasser gespeist, so lange der Regen prasselte.

Um 1:30 Uhr kam einer der Anwohner mit einem Schirm zu uns und bot uns die Übernachtung in seinem Haus an. Er hatte wohl die Spannung in meiner Mine gesehen. Doch wir lehnten dankend ab, denn unsere Lage war ja unter Kontrolle. Aber einen Becher heißen Kaffee brachte er mir noch, bevor er wieder schlafen ging.

Um 3 Uhr war das Gewitter dann endlich durch und es regnete nur noch mäßig stark vor sich hin. Der Pegel sank etwas und ich legte mich wieder schlafen. Das war ganz schön knapp. Um Haaresbreite wären wir heute Nacht baden gegangen.

Irgendwann waren die Hunde dann wieder da und zerstörten mit ihrem Gebell jede Hoffnung auf eine letzte Stunde erholsamen Schlaf. Um 6 Uhr klingelte dann unser Wecker und beendete diese erlebnisreiche Nacht.

Dienstag, 09.05.17

Wir hatten noch nicht fertig gepackt, da brachte uns unser Nachbar Frühstück: Nasi Lemak; Reis mit Ei, Fisch, Erdnüssen und einigen anderen Zutaten. Superlecker. Wir waren begeistert und bedankten uns herzlich.

Nach diesem Frühstück verabschiedeten wir uns und fuhren weiter Richtung Gurun. Der Himmel war immer noch dunkel verhangen und schon nach einigen km regnete es erneut bis in den Mittag. Danach fuhren wir noch weiter bis Sungai Petani und besichtigten einen größeren Hindu-Tempel auf unserem Weg in die Stadt. Vor der Weiterfahrt fragten wir noch, ob eine Übernachtung möglich sei. Kein Problem, sagten sie. Doch entscheiden würde das der Pujari und der käme erst um 19 Uhr.

Wir fuhren weiter in die Stadt mit dem beruhigenden Gefühl, einen Schlafplatz in Aussicht zu haben. Am Abend fuhren wir zu einem daoistischen Tempel im Süden der Stadt, doch hier war keine Übernachtung möglich. Also mussten wir tatsächlich wieder die 9 km durch die ganze Stadt zurückfahren bis zum ersten Tempel.

Unterwegs hielt ein Motorroller mit mobiler Straßenküche neben uns, brachte seine Begeisterung über unsere Reise zum Ausdruck und schenkte uns spontan eine Tüte voller Snacks und Dosengetränke. Welcome to Malaysia!

Der Pujari im Hindu-Tempel erlaubte die Übernachtung und wies uns sogar einen Platz zwischen den vielen Göttern im Tempelgebäude zu. Da waren wir doch erleichtert. Er hätte ja auch „Nein“ sagen können. Später wünschte uns auch der Nachtwächter noch gute Nacht.

Um 4:30 Uhr weckte genau dieser Nachtwächter uns und machte deutlich, dass wir umziehen müssten. Hier im Tempel wird in wenigen Minuten gebetet. Hinter dem Tempel hatte der Nachtwächter schon einen Raum in einer Baracke für uns vorbereitet. Wir klemmten uns die Matten und unser Gepäck unter den Arm und wanderten zu dem Raum. Dort teilten wir uns die 6 m² Fläche dann mit den vielen Ameisen und hatten tatsächlich noch einige Stunden ungestörte Schlafruhe.

Mittwoch, 10.05.17

Der Tag begann mit Starkregen und Gewitter. Wir nutzten die wenigen regenfreien Minuten zwischen den Wolken und fuhren uns Stück für Stück durch die Stadt. Immer wenn neuer Regen fiel, gingen wir shoppen oder suchten uns WiFi. Für den anstehenden Aufenthalt in Butterworth fragten wir auch schon den Warmshowers-Kontakt Mohammad nach einem Nachtlager.

In Butterworth besichtigten wir als erstes den daoistischen Tempel Tow Boo Kong direkt an der Hauptstraße. Dieser Tempel sticht heraus durch die Reichhaltigkeit der Verzierungen. Ein Highlight auf unserer Reise. Wir fragten einen Mitarbeiter im Tempel bezüglich Schlafplatz und waren ganz verdutzt, als es uns erlaubt wurde. Damit hatten wir gar nicht gerechnet nach den vielen Ablehnungen in den daoistischen Tempeln.

Am späten Abend wurde es plötzlich sehr laut auf der Straße. Musik, lautes Getrommel, Feuerwerk und viele bunte Lichter zogen die Straße entlang. Es war Wesak-Day, der Geburtstag Buddhas. Und zu diesem Anlass wurde eine Prozession veranstaltet. Es erinnerte an die Karnevals-Umzüge im Rheinland. Und anstelle der Kamellen gab es hier Räucherstäbchen, Kerzen und Spendendosen.

Umzug am Wesak-Day:    Clip

Donnerstag, 11.05.17

Wir besichtigten noch weitere Tempel auf unserem Weg durch die Großstadt Butterworth und erlebten dabei auch erstmalig die Zeremonien der daoistischen Gläubigen. Ein Tempel-Mitarbeiter versuchte, mir eine dieser Zeremonien und deren Bedeutung in aller Detaillierung zu erläutern, doch mein Verständnis scheiterte an den sprachlichen Barrieren. Er sprach zwar etwas Englisch, doch sein Akzent machte daraus quasi wieder eine andere Sprache.

Laut Tracking-Info von DHL war unser Paket mit dem Netbook wohl schon an Jiranuwat in der thailändischen Stadt Trang ausgeliefert worden. Also war es an der Zeit, einen Treffpunkt abzustimmen. Er wollte uns das Paket vorbeibringen, wenn er zu einem Kurzurlaub nach Penang fährt. Und unser derzeitiger Standort lag auf seinem Weg.

Das erste Netbook, das durch ein Versäumnis von DHL seinerzeit zu spät nach Chemnitz transportiert wurde (als Express aufgegeben, kam es nach 8 Tagen erst an), war wohl auch wieder bei unserem Sohn angekommen, aber es war auf dem Rücktransport beschädigt worden. Es sah so aus, als hinge ein Fluch über dieser Sendung.

Freitag, 12.05.17

Jiranuwat hatte das Paket mit dem ersehnten Netbook im Postamt schon abgeholt und war auf dem Weg von Trang in Thailand zu uns nach Butterworth in Malaysia. Voraussichtlich würde er um 18 Uhr bei uns eintreffen. Wir machten einen Treffpunkt in der Stadt aus und die Übergabe des Paketes klappte um 19 Uhr. Es war wohl viel los an der Grenze, daher kam er später. Und ich dachte zunächst, er habe sich an der thailändischen Zeitzone orientiert (Malaysia hat eine Stunde Zeitverschiebung gegenüber Thailand).

Mit großer Erleichterung nahm ich den Karton entgegen, schließlich war seit der Entscheidung, ein Netbook zu beschaffen, mittlerweile 6 Wochen Zeit vergangen. Ich öffnete das Paket und war entsetzt über die miserable Polsterung. Dort lagen gerade einmal 3 Blatt Zeitungspapier in einer Ecke neben dem Netbook, der Rest der Kartons war leer. Also musste der thailändische Zoll das Paket geöffnet und nach der Prüfung quasi ohne Polsterung wieder eingepackt haben.

Ich stellte mir vor, wie heftig dieses sensible elektronische Gerät durch den Karton geflogen sein musste auf dem Weg bis nach Trang und entdeckte auch sofort eine Beschädigung an einer Ecke des Display-Deckels. Jetzt war meine Befürchtung groß, dass auch dieses zweite Netbook auf dem Versandweg geschrottet wurde.

Ich fuhr zurück in unsere Unterkunft und testete das Netbook. Es funktionierte offensichtlich fehlerfrei, da war ich erst einmal beruhigt. Allerdings wurden unsere Speicherkarten und die externe Festplatte nicht gelesen. Ich suchte mir eine Internetverbindung und durfte erst einmal 75 Windows-Updates herunterladen und installieren. Zum Glück hatte ich eine schnelle Datenverbindung gefunden, sonst hätte diese Aktion Tage gedauert. So waren es „nur“ 6 Stunden.
Danach wurden unsere SD-Karten zwar gelesen, aber vom Virenschutzprogramm sofort in Quarantäne gestellt. Seit Laos war der Wurm drin in unseren Speicherkarten. Entweder wir hatten uns Viren eingefangen oder durch veraltete Treiber auf den Rechnern in Laos waren Dateien verändert worden. Also hatte ich eine neue Baustelle: die Problembeseitigung bei unseren Speicherkarten.

Samstag, 13.05.17

Heute wollten wir mit der Fähre auf die Insel Penang übersetzen, um dort für einige Tage zu bleiben. Weil wir über denselben Weg nach einigen Tagen wieder nach Butterworth zurückkehren würden, bot sich an, einen Teil unseres Gepäcks bei Muhammad stehen zu lassen. Dabei waren wir sehr mutig: nicht nur den Kocher, die Ersatzteile und unsere gesamte Kleidung ließen wir auf dem Festland, sondern auch das Zelt und die Regenkleidung. Wir hatten all diese Dinge über die letzten Wochen nicht gebraucht, doch ohne Zelt bekam die Suche nach einem Schlafplatz auf der Insel eine besondere Schärfe. Aber das wird schon gutgehen, dachten wir.

Um 11 Uhr hatten wir fertig gepackt und waren abfahrbereit. Und auf die Sekunde genau begann es jetzt plötzlich zu regnen. Ein Gewitter zwang uns erst einmal wieder zurück in die Hütte. Nach einer Stunde hörte der gröbste Regen auf und wir fuhren zum Fährhafen. Ticket kaufen (mit 1,40 Ringgit für Hin- und Rückfahrt unerwartet preiswert), 10 min warten, auf die Fähre und los. Das erste, was man von der Insel Penang wahrnimmt, ist die Skyline von George Town: Hochhäuser in einer Dichte wie im Frankfurter Bankenviertel.

Auf der Insel angekommen, suchten wir zunächst einmal die Touristen-Info auf, weil wir dachten, hier bekommen wir eine Fülle von Tipps für unseren Kurz-Aufenthalt aus erster Hand. Doch weit gefehlt. Die Dame hinter der Theke zeigte nur ohne Worte mit dem Finger auf die 10 Klein-Prospekte in den Fächern vor mir und wartete gelangweilt, bis ich endlich wieder abzog. Direkt hinter mir verschloss sie dann sofort die Eingangstüre und verschwand. Aha, dachte ich. Da hatte ich wohl den pünktlichen Feierabend empfindlich verzögert.

Wir fuhren an die Ufer-Promenade hinter Fort Cornwallis (hier entdeckten wir sogar einen „German Heritage Trail“) und studierten das spärliche Kartenmaterial aus der Tourist-Info. Und dabei wuchs sofort unsere Befürchtung, dass wir in einem reinen Touristennest gelandet sein mussten: 80% der Karten bestanden aus Werbung für die vielen Hotels, Restaurants und anderen Stätten, in denen man gerne das Geld der Touristen entgegennimmt. Für Informationen zu den Sehenswürdigkeiten fehlte da natürlich der Platz. Und somit erhielt der Leser lediglich einen Hinweis über die ungefähre Lage der einzelnen Objekte auf der Insel. Den Rest würden dann schon die vielen Rikscha-Fahrer übernehmen, die einen „super-preiswert“ zielsicher zu den sehenswerten Plätzen führen. Die wollen ja auch leben.

Als die Sonne schon tiefer stand, schauten wir uns im Zentrum von George Town um. Die vielen Fassaden-Kunstwerke des Künstlers Ernest Zacharevic (und seiner Nachahmer) und die alten Kolonialbauten zwischen den Hochhäusern sind schon ein Erlebnis, ebenso die vielen alten Bäume auf den alten Alleen. In der Captain Keling Moschee wollten sie uns den Islam näherbringen, aber im Minarett emporsteigen durften wir nicht. Dafür sollten wir morgen um 9 Uhr wiederkommen. Dann bekämen es nicht so viele andere Touristen mit.

Das Einbahnstraßen-System in der Stadt ist sehr gewöhnungsbedürftig. Das kostete uns einige km Umweg. Überhaupt war der gesamte Verkehr sehr belastend: sehr dichter Verkehr, lange Wartezeiten an den Ampeln und waghalsige Überholmanöver der unzähligen Motorroller.

Rechtzeitig vor der Dämmerung fuhren wir zu den Tempeln auf der Suche nach einem Schlafplatz. Doch das verlief ernüchternd: viele Anlagen entpuppten sich als Kleinst-Gebetsstätten ohne Gebäude und sanitäre Anlagen und in den größeren Anlagen war eine Übernachtung nicht möglich. Kurz vor der Dunkelheit klappte es dann doch noch in einem buddhistischen Lehrzentrum. Glück gehabt. Die Hotels werden nicht gerade preiswert sein hier in George Town.

Sorgen bereitet uns nur der kurze Dach-Überstand und das Gefälle in der Bodenfläche, auf der wir unser Lager eingerichtet hatten. Bei Regen würde die Entwässerung wieder über unseren Schlafplatz stattfinden. Aber wir hatten schnell einen Notfallplan: bei Flut würden wir auf die Tische flüchten, die neben uns standen.

Sonntag, 14.05.17

Es hatte in der Nacht nicht geregnet. Und somit blieb uns die Flucht auf die Tische erspart. Wir fuhren zurück zur Moschee und fragten pünktlich um 9 Uhr um den Aufstieg ins Minarett. Das wäre völlig ausgeschlossen, denn man hatte keinen Schlüssel. Wir sollten um 11 Uhr wiederkommen, Dann öffnet die Moschee ihre Türen für das Publikum und dann wäre auch der Schlüssel verfügbar. Gerade das Publikum war gestern der Anlass, uns heute schon für 9 Uhr zu bestellen. Wir verabschiedeten uns von dem Wunsch, einmal auf einem Minarett stehen zu wollen. Und Aussichtspunkte gibt es auf der Insel bestimmt noch an anderer Stelle.

Cocktails in George Town:    Clip

Wir fuhren weiter zum Wat Dhammikarama, einem burmesischen Buddhisten-Tempel. Ein großes Gelände mit einigen reich verzierten Gebäuden und Brunnen und einer übergroßen Buddha-Statue. Er ist der älteste buddhistische Tempel in Penang.

Im Gebäude ganz im Osten der Anlage konnte man über 2 Etagen emporsteigen und hatte eine tolle Aussicht auf die nähere Umgebung. Besonders beeindruckend waren die insgesamt 21 Reliefs aus weißem Marmor, die in den beiden Etagen zu sehen waren: auf jeweils 2 x 1 Meter waren für ein jedes Land die wichtigsten buddhistischen Bauwerke des Landes dargestellt. Aus der Erinnerung erkannten wir sehr viele dieser Bauwerke aus den Ländern, die wir auf unserer Asien-Radreise schon besucht hatten. Neu war allerdings für uns, in welchen Ländern der Buddhismus sonst noch vertreten ist: Afghanistan, Pakistan, Indien, Sri Lanka, Bangladesch, Nepal, Burma, Butan, Tibet, Kambodscha, Laos, Vietnam, Thailand, Malaysia, Singapur, Indonesien, China, Hong Kong, Mongolei, Taiwan, Japan und Korea. Gerade einmal 5 dieser insgesamt 21 Länder hatten wir bislang bereist.

Auf der anderen Straßenseite direkt gegenüber liegt der deutlich kleinere Wat Chayamangkalaram, ein thailändischer Buddhisten-Tempel, erbaut 1900. Dort befindet sich ein liegender Buddha mit über 30 Metern Länge. Eine der größten Statuen dieser Art weltweit.

Die Tempel-Dichte im Westen von Pulau Tikes machte uns neugierig. Und tatsächlich lohnte es sich auch. Der Hindu-Tempel Arulmigu Balathandayuthapani Ist dort in den Berghang gebaut und bietet eine sagenhafte Aussicht über George Town und das Meer dahinter. Der Aufstieg war jedoch sehr schweißtreibend und steil.

Auf unsere Frage nach einem Schlafplatz erhielten wir hier sogar eine Zusage mit der Einschränkung, dass der Nachtwächter um 21 Uhr das letzte Wort hätte. Das war uns zu unsicher und so suchten wir weitere Tempel auf.

In einem zweiten Hindu-Tempel erlaubte uns der Pujari die Übernachtung, aber die überdachte Fläche war sehr klein. Also weiter. Im dritten Versuch, einem buddhistischen Tempel, war die Übernachtung gar kein Problem. Der Hausmeister, Tan Chin, hieß uns willkommen und freute sich über den Besuch. Das brachte Abwechslung in seinen Alltag.

Montag, 15.05.17

Heute wollten wir die Nordküste bis Batu Feringhi abfahren. Und weil das eine Sackgasse war, stellten wir im Tempel unser gesamtes Gepäck unter für den Tag. Unser Gastgeber bot uns auch noch direkt weitere Übernachtungen an, worüber wir uns sehr freuten. Nahm es doch den täglichen Druck von uns, abends immer wieder auf Schlafplatzsuche zu gehen.

Wir waren gerade abfahrbereit, da begann es zu regnen. Tolles Timing! Wir warteten ab, bis es aufhörte. Dann fuhren wir los. Wir kamen allerdings nur einige km weit, da kam der nächste Regen herunter. Wir nutzten die Pause für einen Bummel durch ein großes Einkaufscenter. Als wir nach einer Stunde wieder zu den Rädern gingen, sahen wir riesige Pfützen. Es musste wohl richtig viel Regen gefallen sein.

Auch in den nächsten Stunden fiel immer wieder etwas Regen. Doch wir setzten unsere Tour jetzt ohne Unterbrechung fort. Erster Halt war die Masjid Terapung, eine islamische Moschee, die komplett auf Stelzen gebaut wurde und im Wasser des Meeres steht. In meinen Augen nicht wirklich spektakulär.

Ab der Moschee führte eine sehr kurvenreiche Straße mit vielen Höhenmetern und viel Verkehr die Küste entlang bis Batu Feringhi, einem Badeort mit viel Tourismus. Das Freizeit-Angebot am Strand ist klar geregelt: der gesamte Stand ist in Zonen eingeteilt und es gibt 5 verschiedene Angebote mit unterschiedlichen Sportgeräten. Fürs Schwimmen blieben da gerade einmal 50 Meter. Und alles kostete Geld. Sogar ein Platz auf einer Holzbank am Strand.

Auf dem Rückweg fand sich dann doch noch ein ruhiges Fleckchen Strand für eine Badepause: die Moonlight Bay, 1 km östlich von Batu Feringhi. Man schwimmt dort um viele große Granitfelsen herum, auf denen sich die großen Krabben tummeln. Es erinnert stark an die „Côte de Granit Rose“ in der französischen Bretagne.

Allerdings nahm der Badespaß für Annett ein abruptes Ende, als sie von irgendetwas gestochen oder gebissen wurde. Der Schmerz war ungeheuer groß und der betroffene Hautbereich an der Hand wurde schnell rot. Die Anwohner tippten auf die Berührung einer Qualle als Ursache. Als die Symptome jedoch nicht schlimmer wurden, sahen wir von einem Arztbesuch ab und wollten die Entwicklung nur weiter beobachten.

Dienstag, 16.05.17

Ab heute wollten wir in den Süden der Insel fahren. Also packten wir und verabschiedeten uns von Tan Chin. Auf unserem Weg Richtung Süden besichtigten wir dann den Kek Lok Si Tempel in Air Itam.

Dabei handelt es sich um eine gewaltig große Anlage mit vielen in einander verschachtelten Gebäuden, die Terrassen-artig in den Berghang gebaut waren. An höchster Stelle befindet sich die 30 Meter hohe Kwan Yin Statue aus Bronze, über die ein gigantischer Pavillon gebaut wurde. Diese Statue ist schon von weitem zu sehen, wenn man sich dem Tempel nähert. Zur Besichtigung aus nächster Nähe fährt man mit einer kostenpflichtigen Zahnradbahn den steilen Berghang hinauf.

Des Weiteren gibt es in der Anlage eine mehrstöckige Pagode, die ebenfalls für kleines Geld besichtigt werden kann. Die gesamte Anlage ist gepflegt und sehr sehenswert. Mit Sicherheit eines der Highlights auf der Insel Penang.

Waran im Kek Lok Si Tempel:    Clip

Auf unserer weiteren Fahrt in den Südosten der Insel nutzten wir den größten Highway, weil wir dachten, es sei der schnellste und einfachste Weg durch die Insel. Doch unglücklicher Weise herrscht hier natürlich das größte Verkehrsaufkommen und es gibt viele unübersichtliche Abzweigungen und Gabelungen. Manches Mal landeten wir da auf der falschen Straße und hatten Schwierigkeiten, mit unseren bepackten Fahrrädern wieder in die korrekte Richtung zu gelangen. Man kann nie wenden wegen der Trennmauern in der Straßenmitte und Ampelanlagen haben enorm lange Wartezeiten.

Direkt beim Flughafen befindet sich neben einem Hindu-Tempel und einem Gurudwara der daoistische Schlangentempel. Es ist ein kleiner, um 1850 erbauter Tempel, neben dem eine Schlangenzucht unterhalten wird. Diese wird natürlich, wie vieles auf der Insel, sehr intensiv für den Tourismus aufbereitet. Man kann sich eine der größeren Schlangen um den Hals legen lassen und erkauft sich dann 2 ausgedruckte Fotos für satte 40 Ringgit (8,50 €).

Der Tempel wurde zu Ehren des buddhistischen Heiligen Chor Soo errichtet. Dieser hatte als Heiler und Beschützer von Schlangen gewirkt. Daher hat der Tempel seinen Namen. Abgeleitet aus dieser Historie entstand später dann wohl die Schlangenzucht auf dem Tempelgelände.

Bis auf die drei großen Exemplare befinden sich die Schlangen (es sind friedfertige, nachtaktive Lanzenottern) nicht in geschlossenen Terrarien, sondern hängen in Freiheit und meist regungslos auf ihren Klettergestellen, auch im Tempel. Das ist schon etwas besonders. Die Schlangen sind nicht angriffslustig, sondern eher besonders träge. Aber Schilder weisen schon darauf hin, dass man die Tiere nicht provozieren sollte. Na, hoffentlich ziehen die Züchter auch regelmäßig das Gift aus den Zähnen dieser Tiere.

Einen Schlafplatz fanden wir heute unerwartet schnell, als wir die Leute in der Kücheneinrichtung neben einem Tempel fragten. Erst stellten sie uns eine große Holzbaracke zur Verfügung, doch wenig später sollten wir in einen trockenen, sauberen Abstellraum mit Ventilator umziehen. Das wäre viel angenehmer und sicherer für uns, meinten sie.

Giftschlangen in MalaysiaWar es wohl auch, denn noch am Abend kreuzte plötzlich eine kleine giftige Kobra auf der Terrasse vor dem Gebäude auf. Die Küchenbetreiber schlugen das Exemplar sofort tot, aber uns war sofort klar, dass wir hier in Malaysia nicht so unbekümmert durch Rasen laufen durften. Und wir befanden uns hier in einem Wohngebiet, nicht mal in wilder Natur! Das zum Thema „Zelten“.

Mittwoch, 17.05.17

Der massive Verkehr und die Bevölkerungsdichte auf dieser Insel waren uns mittlerweile zu viel geworden und überlagerten den Wunsch, weitere Besichtigungen zu unternehmen. Von einer Befahrung der südlichen Küstenstraße sahen wir daher ab und machten uns auf den Rückweg nach George Town. Unterwegs kamen wir dabei wieder an einem frischen Motorradunfall vorbei. Der dritte Unfall in 10 Tagen auf unserem Weg durch Malaysia. Die vielen abgefahrenen Seitenspiegel kannten wir ja schon aus den Balkan-Ländern, doch die hohe Quote an Unfällen, an denen wir hier live vorbeikamen, flößte uns gehörig Respekt ein.

Mehr zufällig führte unser Weg durch eine Straße (Jalan Batu Gantung im Westen von George Town), deren Alleebäume uns mit ihrem Stammdurchmesser tatsächlich ins Staunen versetzte: über vier Meter Durchmesser, das war gewaltig.

Allee in George Town:    Clip

Zur Übernachtung fuhren wir wieder zu Tan Chin, der sich freute, dass wir ihn doch noch einmal besuchten, bevor wir Penang wieder verließen.

Donnerstag, 18.05.17

Zum Abschied packte uns Tan Chin noch Äpfel, Orangen und Birnen aus den Opfergaben der Gläubigen als Wegzehrung ins Gepäck, weil er es sonst verfaulen lassen müsste, wie er sagte. Ob das den Göttern recht war?! Wir nehmen mal an, dass sie es gewollt hätten.

Wir fuhren ins Zentrum von George Town und versuchten, so viele Fassaden-Kunstwerke wie möglich zu entdecken. Manchmal befinden sie sich sehr versteckt in den kleinsten Gassen oder Häuser-Ecken. Alleine diese Suche ist schon spannend.

Zum Abschluss schlenderten wir durch die Chew Clan Jetties, eine alte chinesische Siedlung aus Holzhütten auf Pfählen, die über den Uferbereich bis ins Meer gebaut wurde und somit gleichzeitig als Anlegestelle diente. In vorderster Linie steht sogar ein Tempel.

Die Chew Clan Jetties:    Clip

Damit schlossen wir dann auch unser Programm auf Penang ab und fuhren mit der Fähre zurück aufs Festland nach Butterworth zu unserem Gepäck. Mohammad hatten wir vorab schon über unsere Rückkehr informiert.

Fähre Penang – Festland:    Clip

Abends wollte ich dann mit Netbook und den nicht lesbaren Speicherkarten zu meiner WiFi-Quelle, einem Hotel in der Stadt, fahren und mit Unterstützung durch unseren Sohn (per Teamviewer und Telefon) die Chancen auf eine Reparatur checken. Doch daraus wurde nichts, denn ab 19 Uhr hatten wir Dauerregen bis tief in die Nacht. Auf eine Radtour durch Regen mit sensibler Elektronik im Rucksack hatte ich beim besten Willen keine Lust heute. Also verschob ich die Aktion auf morgen.

Freitag, 19.05.17 – Mittwoch, 24.05.17

Auch am Freitag setzte abends der Regen ein, als ich gerade losfahren wollte. Ich musste eine Stunde warten, bis es aufhörte und nutzte dann eine kurze Regenpause für die 5 km bis zum Hotel. Das sollte sich auch in den kommenden Tagen nicht großartig ändern. Täglich zogen die Gewitterschauer mit viel Regen über uns hinweg. Und es war immer ein Glücksspiel, den richtigen Zeitpunkt für die Fahrt zum Hotel zu erwischen.

Darüber hinaus war das tägliche gemeinsame Zeitfenster von unserem Sohn und mir immer sehr klein. Unser Sohn war fast täglich bis in den Nachmittag in der Hochschule und kam erst spät nach Hause an seinen Rechner. Somit war es ihm erst ab 4 Uhr nachts nach malaysischer Zeit möglich, mir zu helfen. Das war für mich eigentlich schon viel zu spät oder eben noch zu früh und darunter litt auch meine Konzentration. Da verteilten wir das Arbeitsvolumen auf mehrere Tage.

In der Zwischenzeit erledigte ich die vielen kleinen Jobs, die ich über die letzten Wochen bewusst aufgeschoben hatte, weil sie am Netbook viel effektiver von der Hand gehen als am Smartphone.

Wenn wir dann beide zeitgleich an unseren Rechnern saßen, gewährte ich ihm über das Programm Teamviewer immer die Freischaltung auf unser Netbook und so konnte er aus der Ferne auf unserem Rechner und den Speicherkarten nach den Ursachen für die Leseprobleme suchen. Dank der ungewöhnlich guten Internetverbindung klappte das sehr gut und störungsfrei.

Unterdessen suchten wir auch nach einfachen Lösungen für die zukünftigen Backups unseres Foto- und Film-Materials (immerhin waren da mittlerweile 300 GB zusammengekommen). Hochladen auf die Cloud war zu zeitaufwändig. Das würde selbst bei einer guten Upload-Rate Tage dauern. Also am besten eine Kopie auf neuen SD-Karten erstellen und diese Speicherkarten einer Person unseres Vertrauens mit auf die Heimreise geben.

Und zufällig gab es eine solche Person zurzeit in der Hauptstadt Kuala Lumpur. Der Sohn eines Freundes aus der Heimat hielt sich gerade beruflich in der Hauptstadt auf. Wir kontaktierten ihn und stimmten uns über einen Treffpunkt ab. Demnach hatten wir bis zum 21. 06. Zeit, ihn in der Hauptstadt zu treffen und ihm die Daten auf seine Festplatte zu kopieren. Das sollte für uns reichen, um den geplanten Bogen über die Ostküste und wieder zurück zur Westküste bis nach Kuala Lumpur zu fahren.

Das NetbookAls alle Geräte und Speichermedien endlich einwandfrei funktionierten, hatte die entstandene Freude über den Erfolg auch gleich wieder ein abruptes Ende, als das Netbook beim Anschließen der externen Festplatte schlagartig in einen stromlosen Zustand verfiel. Die linke USB-Buchse am Netbook hatte offensichtlich einen Kurzschluss verursacht. Ich fuhr den Rechner wieder hoch und wiederholte den Vorgang. Und auch diesmal passierte das Gleiche. Ich suchte mit der Taschenlampe an Buchse und Stecker nach Auffälligkeiten an den Kontakten, doch da war nichts Ungewöhnliches zu sehen. Ich beschloss, die linke USB-Buchse zukünftig nicht mehr zu benutzen. Aber das war auch nicht tragisch, weil das Gerät ja noch 2 weitere USB-Eingänge aufwies. Das wird schon reichen.

Wir hatten hier Ruhe, einen Ventilator und Zugang zu einigen Straßenrestaurants in unmittelbarer Nähe. Das waren ideale Bedingungen, um nach der Reparatur unserer Elektronik noch einige Artikel für die Website zu erstellen und an unserer Ausrüstung zu basteln.

Hier konnten wir auch unsere Wäsche waschen (wenn auch nur in Handwäsche), die Löcher im Boden unserer Packtaschen abdichten und einige andere Reparaturen an der Ausrüstung erledigen.

Donnerstag, 25.05.17

Heute brachen wir auf Richtung Taiping im Süden von Butterworth. Vor uns lagen ca. 60 km verkehrsreiche, langweilige Schnellstraße. Da versuchten wir erstmalig hier in Malaysia zu trampen. Aber das wollte gar nicht klappen: es gibt hier kaum Pickups und noch seltener leere LKWs. Und alle, die wir fragten, fuhren an der nächsten Kreuzung ab. Wir versuchten es an Ampelanlagen, hinter großen Kreuzungen und auch, während dem wir radelten. Doch es war zwecklos.

Also radelten wir den lieben Tag lang, bis wir nachmittags vor Bagan Serai an einem Hindu-Tempel vorbeikamen. Endlich gab es eine vernünftige Pausenstelle mit etwas Ruhe. Wir holten die versäumte Pause nach und blieben länger als geplant. Da lohnte es sich plötzlich nicht mehr, weiterzufahren, denn auf den nächsten 20 km gab es laut unserer Karte nicht mehr viel Zivilisation.

Wir fragten nach einem Schlafplatz und erhielten prompt eine Zusage. Wir sollten nur warten, bis die letzten Gläubigen um 21 Uhr den Tempel verlassen. Das fiel uns nicht schwer. Einen sicheren Platz für die Nacht zu haben, war uns wichtiger.

Zeremonie im Hindu-Tempel:    Clip

Freitag, 26.05.17

Um 5 Uhr weckte uns der Pujari. Bis 6 Uhr müssten wir aufgeräumt haben, dann kommen die ersten zum Beten. Geht klar, Chef! Am liebsten wären wir jedoch noch liegen geblieben. Die gestrige Strecke und die Hitze hatten ihre Spuren hinterlassen. Wir waren noch nicht wirklich fit für den heutigen Tag.

Und auch heute sollte es mit dem Trampen nicht klappen. Irgendwann hatten wir uns damit abgefunden und radelten unseren Weg. An einer Bushaltestelle machten wir Pause. Und dort lief uns nach wenigen Minuten David mit seinem Rennrad über den Weg. Er war das allererste Warmshowers-Mitglied hier in Malaysia, berichtete er uns mit berechtigtem Stolz. Wen man nicht alles trifft auf so einer Radreise, dachten wir bei uns.

Am späten Nachmittag erreichten wir nach 60 km Taiping. Hier fuhren wir direkt durch bis zum Lake Garden, einem wunderschön angelegten Park. Er gilt als Sehenswürdigkeit, was wir nach dem Besuch uneingeschränkt bestätigen können.

Der Park besteht aus einer Seen-Landschaft mit kleinen Inseln und Buchten. Über ein wahres Wege-Labyrinth mit einigen malerisch gestalteten Brücken lässt sich der gesamte Park erkunden. Und auf den sanften Rasenhügeln entfaltet eine exotische Botanik ihre Pracht. Fährt man auf den kleinen Wegen durch den Park, eröffnet sich einem ständig ein neuer interessanter Blick in diese einzigartige, sehr gepflegte Natur-Landschaft. Dabei spiegelt sich die Landschaft des gegenüber liegenden Ufers fast immer auf der Wasseroberfläche des Sees. Auch Fische und Nutrias bekommt man zu sehen, wenn man lange genug auf den Brücken Posten bezieht.

Um den Park herum führt eine Art Ringstraße, die größtenteils als Einbahnstraße im Urzeigersinn befahren wird. Auf größeren Strecken ist es eine Allee mit sehr alten Bäumen, deren wuchtige Äste in weitem Bogen über die Straße bis zum Wasserspiegel des angrenzenden Sees gewachsen sind.

Nach der Park-Besichtigung fuhren wir einen ersten daoistischen Tempel an und fragten nach einem Schlafplatz. Ja, natürlich, ist kein Problem, sagte der Gärtner, doch entscheiden könne das nur der Chairman. Und der käme erst um 20 Uhr. Solange sollten wir warten.

Wir machten derweil Pause und warteten geduldig. Ab 19 Uhr wurde es plötzlich voll im Tempel. Viele Gläubige versammelten sich im Tempel, denn um 20 Uhr sollte eine Feier beginnen.

Die Feier begann, doch unser Chairman war immer noch nicht da. Das Warten ohne konkrete Aussicht waren wir dann irgendwann leid. Insgeheim beurteilten wir unsere Chancen in diesem Tempel auch als schlecht. Wir packten und wollten uns verabschieden, denn uns lief die Zeit weg. Bei einer Absage würde uns nachher die Zeit fehlen, einen anderen Tempel zu finden, bevor sie alle um 21 Uhr schließen. Doch wir sollten noch 2 min warten. Die Kollegen versuchten noch einmal, den Chairman zu erreichen. Und dann kam die Erlaubnis. Sie wollten unsere Pässe zum Einscannen haben und danach zeigten sie uns die Sala, wo wir schlafen konnten. Schwere Geburt heute.

Vor der Nachtruhe versuchte ich mich noch für einige Zeilen am Netbook, doch das war unerträglich wegen der vielen Mücken, die sehr aggressiv ihre Angriffe flogen.

Samstag, 27.05.17

Um 6:30 Uhr hatten wir gepackt und verließen die Sala, wie wir es versprochen hatten. Die ersten Gläubigen störten sich aber gar nicht an uns. Im Gegenteil: wir erhielten direkt eine Handvoll Snacks von einem Besucher, als er unsere Räder mit dem Gepäck erblickte.

Für den Morgen hatten wir uns den Peta Jejak Warisan Heritage Trail vorgenommen. Das ist ein ausgeschriebener Rundweg mit 11,5 km Länge durch die Stadt Taiping. Man wird an allen sehenswerten Objekten vorbeigeführt, auch dem Lake Garden, den wir heute ein zweites Mal genossen.

Danach besuchte Annett noch das riesige Einkaufszentrum der Stadt, die Taiping Shopping Mall. Ich blieb im Erdgeschoss am Eingang und passte derweil auf unsere Räder auf. Und das war gut so. Denn während ich in einem klimatisierten Restaurant durch die Fenster unsere Räder im Auge behielt, kam doch tatsächlich jemand auf die Idee, in unseren Lenkertaschen herumzukramen. Ich rannte sofort zu ihm und machte ihm deutlich, dass er jetzt Ärger mit mir bekommt. Er zog auch sofort ab und flüchtete sich in die Dunkelheit einer Markthalle auf der anderen Straßenseite.

Also stimmt es tatsächlich: in Malaysia müssen wir mit Diebstahl rechnen. Die Einheimischen hatten uns schon zweimal gewarnt. Gut, dass wir die Tipps beherzigt haben.

Kurze Zeit später verließen wir Taiping und fuhren weiter Richtung Ipoh. Wir kauften uns noch durch die Marktstände entlang der Straße und fuhren dann nach einigen km eine Moschee an, um eine Kaffeepause einzulegen, weil es uns zum Radeln noch viel zu heiß war. Hier hatten wir Schatten und es war ruhig.

Doch das änderte sich sehr schnell. Nach und nach kamen viele Moslems zum Gebet um 16 Uhr. Und sie interessierten sich sehr für unsere Reise und unsere Herkunft. Sie luden uns sogar auf eine warme Mahlzeit aus der Küche der Moschee ein. Wobei sie selber erst um 19 Uhr Speisen zu sich nehmen durften. Denn heute war der erste Tag des Ramadan, der Fastenzeit der Muslime.

Dann wurden wir gefragt, ob wir nicht hier über Nacht bleiben wollten. Wir waren baff. Sie boten uns tatsächlich einen Schlafplatz in der Sitzecke vor dem Tempel an. Ohne, dass wir gefragt hatten. Das war unglaublich. Und wir dachten, Moscheen seien tabu für Übernachtungen. Wie man sich irren kann. Wir sagten kurz entschlossen zu und bedankten uns. Denn das war nicht selbstverständlich. Dann kam einer der Rang-höheren Moslems auf uns zu und bot uns ein Gebäude direkt neben der Moschee zum Schlafen an. Dort hätten wir mehr Ruhe, meinte er.
Und so hatten wir ab 18 Uhr eine einfache, kleine Wohnung für die anstehende Nacht.

Sonntag, 28.05.17

Heute war auf den Straßen in den Dörfern und Städten entlang der Straße so gut wie nichts los. Alle Restaurants und Läden waren geschlossen, man sah kaum Menschen auf der Straße. Es war Ramadan und Sonntag. Für uns bedeutete das eine längere Suche nach Ständen, an denen Essen verkauft wurde. Dafür klappte heute das Trampen. Ein Kleinlaster nahm uns einige km mit.

Am Nachmittag erreichten wir die alte Sultanstadt Kuala Kangsar.

Hier besichtigten wir die Ubudiah Moschee, eine der schönsten Moscheen von Malaysia. Sie wurde 1917 fertiggestellt und seitdem mehrfach erweitert bzw. restauriert. Ihre gewaltige goldene Kuppel, die vier reich verzierten Minarette und die vielen kleineren Türmchen (wir zählten 24) und Kuppeln (5) ergeben insgesamt ein beeindruckendes Erscheinungsbild. Es wurde viel weißer und schwarzer Marmor verbaut und für die Gestaltung des Himmels im Gebetsraum wurden Spezialisten aus Usbekistan beauftragt.

Ubudiah Moschee:    Clip

Zufällig erlaubte uns der Imam auch die Übernachtung in einer Hütte neben der Moschee.

Montag, 29.05.17

Wir verabschiedeten uns vom Imam und besichtigten noch die anderen sehenswerten Objekte in der Stadt:

Royal MausoleumDirekt hinter der Ubudiah Moschee befindet sich das Isana Iskandariah, ein gewaltig großes Mausoleum für den Sultan Duli Yang Maha Mulia Sultan Iskandar Shah (Marhum Kadasallah). Die Anlage war leider geschlossen und daher nur stellenweise durch die Bäume hindurch zu erkennen.

Istana KenanganUnweit davon steht das Istana Kenangan (oder auch Istana Lembah dan Istana Tepas), ein Gebäude mit sehr reich verzierter Holzfassade aus dem Jahre 1926. Es diente seinerzeit als vorübergehendes Mausoleum für den oben erwähnten Sultan, bis das große Mausoleum fertiggestellt war. Heute beherbergt das Gebäude das Perak Royal Museum.

Das Gebäude hat aus der Vogelperspektive betrachtet die Form eines Schwertes in seiner Scheide. Für die Holzfassade wurden keine Nägel und keine Schrauben verwendet. Das ist bemerkenswert.
Wir verließen die Stadt Richtung Ipoh. Die Straße führte dabei in großem Bogen um ein Bergmassiv herum und forderte mit vielen Höhenmetern und Kurven unseren ganzen Einsatz. In Verbindung mit dieser unerträglichen Hitze schlauchte das sehr. Trampen konnten wir vergessen. Kein Wagen hielt. Auch Proviant konnten wir unterwegs nicht kaufen. Alle Stände und Restaurants hatten geschlossen. Es war Ramadan!

Um 13 Uhr fand sich dann doch ein Restaurant an der Straße und es war vollbesetzt mit Indern und Chinesen. Wir waren nicht die einzigen Nicht-Moslems hier.

Nach der Pause klappte das Trampen dann plötzlich doch. Ein Pickup nahm uns mit. Ich setzte mich während der Fahrt zwischen das Gepäck auf den Boden und sorgte dafür, dass unsere Räder nicht umkippten. Viel zu spät hatte ich das stehende Wasser in den Profilrillen auf der Ladefläche als Gefahr eingestuft: beim Beschleunigen floss es von vorne nach hinten und beim Bremsen wieder zurück. Dann kam ein Anstieg und der Wagen beschleunigte gleichzeitig. Das erzeugte dann eine regelrechte Flutwelle und schon war mein Hosenboden nass.

Bis kurz vor Ipoh brachte uns der LKW. Auf dem Weg in die Stadt besichtigten wir dann den daoistischen Perak Cave Tempel. Zumindest versuchten wir das. Aber das Hunderudel auf der Tempelanlage war derart aggressiv, dass wir nur Fotos aus der Ferne machen konnten. Der größte Umfang an Gebäuden war hier in die Felswand gebaut worden. Oben auf dem Berggipfel thronten 2 kleine daoistische Pavillons.

Einen Warmshowers-Kontakt hatten wir zwar erreicht, aber er war heute nicht in der Stadt. Pech gehabt. In der Dämmerung erfragten wir uns dann in einem Hindu-Tempel (Kallumalai Temple) im Norden von Ipoh einen Schlafplatz. Zufällig war es hier plötzlich außerordentlich schwierig, uns die Erlaubnis zu erteilen. Insgesamt waren 6 Entscheidungsträger mit uns beschäftigt, wobei jeder Hinzukommende immer etwas höher im Rang stand als die bisherigen Amtsinhaber. Nach langem Hin und Her und mehreren Telefonaten mit dem Rest der Tempel-Community bekamen wir dann endlich grünes Licht und durften bleiben.

Dienstag, 30.05.17

Die Tourist-Info in Ipoh war gut organisiert und so hatten wir nun Besichtigungs-Programm für 2 Tage. Im Zentrum gab es wieder einige Fassaden-Kunstwerke von Ernest Zacharevic zu entdecken, so wie schon in George Town vor einigen Tagen. Daneben gab es in einigen Seitenstraßen auch die Werke einiger anderer Fassadenmaler zu sehen. Das Thema „Mural Art“ ist hier halt „in“. Doch an die Qualität von Ernest Zacharevic kamen sie alle nicht heran.

Auf den gleichen Straßen befinden sich unzählige Gebäude aus der britischen Kolonialzeit. Folgt man dem „Jejak Warisan Heritage Trail“, dann wird man an den schönsten Objekten aus dieser Epoche entlang geführt. Zum Beispiel dem Bahnhof und dem Birch Memorial.

Unter den religiösen Bauwerken gefiel uns die Masjid Dato Panglima Kinta und einige kleine chinesische Tempel, die regelrecht in die Felswand oder in offene Kavernen gebaut waren. Der buddhistische Mekprasit Temple beherbergt zwar einen übergroßen liegenden Buddha, doch die gesamte Anlage wirkte sehr herunter gekommen.

Zum Mittag landeten wir in einem Restaurant unter chinesischer Leitung und wurden eingeladen zu den besonderen Spezialitäten des Tages. Heute sei „Happy Dumpling´s Day“, ein Festival, das die Daoisten stets am 5. Tag des 5. Monats nach dem chinesischen Lunar Kalender feiern. Und aus diesem Anlass gab es heute Dumplings zu essen: gefüllte Nudelteigtaschen mit allerlei Zutaten, liebevoll verpackt in Bambusblättern. Und in China finden heute wohl die Drachenbootrennen statt. Zum Abschied gaben sie uns noch „Heong Pan“ mit auf den Weg, eine süße Teigspezialität aus Ipoh.

Einige schöne Parks gibt es in der Stadt: den japanischen Seenivasagam Park, den Sultan Abdul Aziz Park und den Gunung Lang Recreation Park. In letzterem ist ein See fast vollständig von diesen typischen Kalksteinfelsen umschlossen. Sehr malerisch. Auf unserem Weg um die Felsen genossen wir die Ruhe abseits der lauten Verkehrsadern der Stadt. … Bis plötzlich ca. 30 Meter Gefährlicher Verkehrvor uns ein Fahrzeug mit lautem Getöse eine Verkehrsinsel rammte, ein Straßenschild samt Mast aus dem Boden riss und vor sich her schob und dann mit dem Restschwung wieder von der Insel herunterrutschte, die Fahrbahn direkt vor unseren Rädern querte und auf der gegenüberliegenden Böschung zum Stillstand kam.

Dem Fahrer war wohl nichts passiert; er rangierte sofort wieder rückwärts aus der Botanik auf die Straße zurück und suchte schnell das Weite. Dabei hatte er mindestens einen ruinierten Reifen und schob die abgerissene Front-Verkleidung seines Fahrzeugs wie die Schaufel einer Schneeraupe vor sich her. Ebenfalls mit viel Getöse. Das Straßenschild ließ er einfach liegen. Wir waren erstarrt vor Entsetzten und machten uns bewusst, dass wir gerade einmal wieder knapp einer Katastrophe entkommen waren.

Als wir den Gunung Lang Park wieder verlassen wollten, bot man uns die Übernachtung in dem Gebäude am See an. Wir müssten nur warten, bis der Chef um 19 Uhr kommt, denn nur er könne das entscheiden. Es wurde natürlich viel später und in dem Gebäude könnten wir doch nicht schlafen. Es war mittlerweile dunkel und leichter Regen hatte eingesetzt. Zelten dürften wir, doch das wollten wir wegen der Schlangen vermeiden. Letztendlich boten sie uns dann doch noch einen überdachten Schlafplatz an.

Mittwoch, 31.05.17

Wir fuhren noch ein zweites Mal ins historische Stadtzentrum und entdeckten noch weitere Fassaden-Gemälde. Danach verließen wir Ipoh Richtung Süden und besichtigten auf unserem Weg die chinesischen Höhlentempel Ling Sen Tong und Sam Poh Tong.

Ling Sen Tong ist ein großes Gelände mit sehr dicht in einander verschachtelten Tempel-Gebäuden, die teilweise in offene Kavernen in der Felswand gebaut wurden. Es waren unzählig viele Räucher-Spiralen aufgehängt und diese qualmten vor sich hin. Der Duft war angenehm wie immer, doch die Rauchentwicklung nahm einem in einigen Räumen die Luft zum Atmen. Des Weiteren ist das gesamte Gelände übersäht mit Statuen und Skulpturen aus der daoistischen Mythologie.

Der Höhlentempel Sam Poh Tong befindet sich direkt neben der Ling Sen Tong. Zunächst entdeckt man einen nett angelegten Teich im japanischen Stil, in dem ein großer Schwarm Fische in Bettelhaltung direkt unter der Wasseroberfläche geduldig darauf wartet, dass die nächsten Besucher eine Handvoll Futter auswerfen. Auch hier wurden Tempelhallen in den Fels integriert. Hier ist der Tempel sogar der Eingang zu einer richtigen, wenn auch nur kurzen Höhle. Doch diese Höhle führt in einen geschlossenen Felsenkessel, in dem sich neben einem weiteren Tempel eine Schildkrötenzucht befindet.

Schildkröten im Höhlentempel:    Clip

Nach der Besichtigung der Höhlentempel fuhren wir noch bis Batu Gajah und suchten uns einen Platz für die Nacht. Diesmal war es eine katholische Kirche, deren Priester uns einen klimatisierten Raum anbot. Damit nahm eine einstündige Suche nach einem Schlafplatz mit mehreren Enttäuschungen doch noch ein glückliches Ende.

Donnerstag, 01.06.17

Heute schien nach einigen bedeckten Tagen wieder die Sonne in voller Kraft vom Himmel. Es wurde so heiß, dass wir von 11 Uhr bis 17 Uhr in die schattige Sitzecke einer Moschee flüchteten. Da kamen wir natürlich nicht besonders weit auf unserem weiteren Weg Richtung Teluk Intan. Das Einzugsgebiet von Ipoh war zudem auch sehr hügelig. Da gab es so manchen harten Anstieg zu bewältigen.

Auch die Suche nach Läden oder Restaurants war mühsam. Es war schließlich Ramadan und das Gebiet, durch das wir gerade radelten, ist hauptsächlich von Moslems bewohnt. Chinesen (Daoisten) und Inder (Hindus) sahen wir nur sehr selten. Und die Moslems beschäftigen sich im Ramadan erst ab 17 Uhr mit dem Kauf von Lebensmitteln. Solange bleibt alles geschlossen.

Dafür verlief die Suche nach einem Schlafplatz erstaunlich einfach, obwohl wir hier mit mehr Schwierigkeiten gerechnet hatten. An einer kleinen Moschee boten sie uns sofort einen Raum im Gebäude neben der Moschee an und luden uns zum gemeinsamen Essen ein.

Freitag, 02.06.17

Am Vormittag zog etwas Regen über uns hinweg. Das nutzten wir für eine längere Pause im Trockenen an einer Moschee. Wir erreichten Teluk Intan dadurch erst am späten Nachmittag. Pünktlich zum Markt der islamischen Bevölkerung.

So kauften wir unser Dinner zusammen und machten uns auf die Suche nach einem Schlafplatz. Das dürfte ja nicht so schwierig werden, dachten wir. Schließlich gab es 4 Tempel und einen Gurudwara in der Stadt.

Doch weit gefehlt: wir sammelten Absagen am laufenden Band, bis wir am letzten Hindu-Tempel in der Stadt eine Erlaubnis mit Fragezeichen erhielten. Wir sollten warten, bis der Chairman einträfe. Der entscheidet dann, ob wir bleiben dürfen. Unterdessen fand im Tempel eine Geburtstagsfeier statt. Ehe wir das realisiert hatten, waren wir auch schon eingeladen zum Buffet samt Geburtstagstorte.

Wir hielten eine Übernachtung im Hindutempel neben dieser halbprivaten Feier dann aber für keine gute Idee und so machte ich mich während unserer Wartezeit auf den Weg zur katholischen Kirche einen km weiter, um dort unsere Chancen auf einen Schlafplatz zu checken. Dort fand gerade eine Messe statt. Und auch hier sollte ich warten, bis der Priester den Gottesdienst beendet hat. Die Kirche war brechend voll. Ein Priester aus Indien war für eine Woche zu Gast und die heutige Messe war der Auftakt in diese besondere Woche.

Der Priester gab sein ok und ich holte Annett vom Hindu-Tempel ab. Dort gab es mittlerweile zwar auch eine Erlaubnis, aber neben der katholischen Kirche hatten wir mehr Ruhe.

Katholische Kirche in Teluk IntanAn der Kirche gab es jetzt ebenfalls ein Buffet für die Gläubigen und natürlich waren wir auch hier eingeladen. Doch wir hatten ja schon gespeist. Sehr viele Gläubige kamen auf uns zu, hießen uns willkommen, stellten ihre ganze Familie vor und wollten Fotos mit uns machen.

Dann kam Linda auf uns zu und lud uns für Sonntag abend zum Dinner zu sich nach Hause ein. Wir zögerten mit der Zusage, weil wir dann ja noch einen Schlafplatz für zwei weitere Nächte organisieren mussten. Doch Linda war auch hierbei sehr spontan und meinte, das bekäme sie irgendwie für uns hin. Sie würde sich morgen melden.

In den letzten drei Stunden hagelte es nur Absagen am laufenden Band. Und jetzt hatten wir für drei Nächte einen Schlafplatz in Aussicht und sogar eine Einladung zum Dinner. Unglaublich, wie extrem sich unsere Situation manchmal in kürzester Zeit änderte.

Samstag, 03.06.17 – Montag, 05.06.17

Durch die gestrige Einladung hatten wir nun 2 Tage Zeit für Besichtigungen in Teluk Intan und Umgebung. Da suchten wir zunächst nach der Touristen-Info. Doch offensichtlich gab es hier keine.

Leaning Tower in Teluk IntanEinzige Sehenswürdigkeit der Stadt sei wohl der Leaning Tower, der „schiefe Turm“. Er heißt mit vollem Namen „Menara Condong Teluk Intan“, wurde 1885 erbaut und diente ursprünglich als Wasser-Reservoir für die Stadt und auch als Leuchtfeuer für die Schiffe auf ihrem Weg zum Hafen der Stadt.

Er ist leicht geneigt, weil sich der weiche Boden unter dem Turm mit der Zeit gesenkt hat. Somit ähnelt er dem schiefen Turm von Pisa, ist jedoch mit 25 Metern Höhe deutlich kleiner als der 55 Meter hohe Turm in Pisa. Die Schieflage ist auch nicht so deutlich zu erkennen, weil der Turm leicht konisch ist: 13 Meter Durchmesser unten und 8,2 Meter Durchmesser oben.

Leaning Tower:    Clip

Die äußere Gestaltung des Turmes täuscht 8 Stockwerke vor. Tatsächlich sind es aber lediglich drei. Bis auf die zweite Etage kann man die innenliegende Wendeltreppe emporsteigen und von dort auf die umliegende Bebauung schauen. Der Ausblick ist nicht spektakulär, aber dafür ist der Rundgang auf den Etagen lohnend. Denn dabei bemerkt man sehr deutlich die Schieflage des Turmes: die eine Hälfte geht man leicht bergauf, auf der anderen Seite geht es entsprechend bergab.

Seit 1894 dient der Turm als Clock Tower. Die Turm-Uhr wurde seinerzeit übrigens aus London geliefert.

Die Stadt Teluk Intan ist nicht besonders alt, wuchs jedoch sehr rasch durch die wirtschaftliche Bedeutung der Zinn-Mine in der Nähe. Der Hafen der Stadt war lange Zeit einer der bedeutendsten Häfen in Malaysia.

Der Stadt-Name Teluk Intan (Teluk bedeutet Bucht und Intan war der Name der Gründerin der Stadt) wurde während der Kolonialzeit von den Briten in Anson geändert. Nach dem Abzug der Briten wurde die Stadt dann wieder auf Intan zurück benannt.

Nach der Besichtigung des Turmes flüchteten wir aus der Mittagshitze in eine schattige Ecke eines islamischen Restaurants. Hier hatten wir Ruhe bis zum Abend; im Ramadan ist bis zum Sonnenuntergang ja alles geschlossen.

Nach einiger Zeit sprach uns Amzari an, ein Mitarbeiter aus der Küche, der schon mit Vorbereitungen für den Abend beschäftigt war. Er wollte alles über unsere Reise wissen, denn irgendwann geht er wohl auch auf Radreise. Er bot uns Hilfe an, erzählte von seiner Stadt und gab uns seine Telefonnummer, falls wir einen Schlafplatz suchen sollten.

Und dieses Angebot nahmen wir dann abends tatsächlich in Anspruch, weil Linda sich nicht gemeldet hatte. Vielleicht war ihre Einladung ja auch gar nicht ernst gemeint, dachten wir uns.

Amzari bot uns zu Hause eine super-schnelle WiFi-Verbindung an. Das war die Gelegenheit, mal endlich wieder an der Website zu arbeiten. Doch ein extrem zögerlicher Seitenaufbau trübte die Freude auch schon direkt wieder. Irgendetwas stimmte nicht mit unserer Website. Ich kontaktierte unseren Hosting-Anbieter in der Heimat per Live-Chat und bekam eine Anleitung zur Ursachensuche. Tatsächlich war ein Plugin (also ein kleines Unterprogramm in der Blog-Software) schuld. Ich musste es deaktivieren und danach lief wieder alles normal. Die Aktion war nicht schwer, hatte aber drei Stunden in Anspruch genommen.

Das Füttern und Pflegen einer eigenen Website hatten wir (ich) auch völlig unterschätzt, als die Idee dazu geboren wurde vor 2 Jahren. Es kostet Zeit und Nerven, insbesondere aus der Ferne, mit schlechten Internet-Verbindungen, Stromausfällen oder veralteten Rechnern. Über das Netbook lief jetzt doch alles viel einfacher und effektiver als über das Smartphone. Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung, umzusteigen.

Bevor mir dann endgültig die Augen zufielen während dem Schreiben, bemerkte ich noch, wie immer wieder diese kleinen Ameisen von der Decke auf die Tastatur des Netbooks fielen und sich dann schnell unter den Tasten verkrochen. Hoffentlich verursachen die kleinen flinken Biester nicht noch einen Kurzschluss, dachte ich bei mir.

Auch in unseren Packtaschen wimmelte es wieder vor Ameisen. Wir suchten den Boden in unserem Zimmer ab und dann sahen wir die vielen schmalen Ameisenstraßen an der Teppichkante, am Fenstersims, in den Zimmerecken und auch an der Decke. Eine Reinigung der Taschen war eigentlich zwecklos. Sie würden sofort wiederkommen. Wir hatten also immer noch irgendwo kleinste Löcher in unseren Packtaschen.

Viel geschafft hatte ich in der letzten Nacht nicht am Blog. Da kam uns das Angebot einer zweiten Nacht wie gerufen. Wir waren eingeladen zum Dinner am Sonntagabend im Kreise der Familie. Es gab malaysische Spezialitäten und es begann erst nach Sonnenuntergang, halt Ramadan-konform. Nach dem Dinner trugen die Kinder plötzlich eine Torte in die Runde und sangen Happy Birthday. Die Mutter hatte heute Geburtstag. Und wir waren dabei.

Am Montag verabschiedeten wir uns nach einer gegenseitigen Geschenk-Schenkerei von dieser herzlichen Familie und fuhren Richtung Küste. Wir wollten die vor uns liegenden 300 km bis zur Hauptstadt Kuala Lumpur abseits der großen Verkehrsadern fahren. Also wählten wir die kleine Straße entlang der Küste über Simpang Empat und Kuala Selangor bis Klang. Für den Aufenthalt in Klang hatten wir uns auch schon über Warmshowers eine Bleibe gesucht.

Bei der Schlafplatzsuche landeten wir nach der Ablehnung im Hindu-Tempel in einer Moschee. Allerdings mussten wir hier erst die allabendlichen Ramadan-Gebete abwarten. Zwischendurch kopierten sie unserer Pässe und erstmalig auf unserer Radreise wollten sie auch unserer Heiratsurkunde sehen. Dass wir keine Moslems waren, obwohl wir islamisch gegrüßt hatten, sorgte dann eher noch für enttäuschte Gesichter, war aber kein KO-Kriterium mehr. Um 22 Uhr konnten wir uns dann in einer stillen Ecke neben der Moschee unter unser Mückennetz legen.

Dienstag, 06.06.17

Hinter Simpang Empat hörte die Zivilisation auf. Die Straße verlief schnurgerade schier endlos durch eher monotone Landschaft. Und der heftige Gegenwind bremste uns. Da wollten wir noch einmal versuchen, zu trampen.

Es war frustrierend. Kein Fahrzeug hielt an. Einige starrten stur an uns vorbei. Und diejenigen, die anhielten, fuhren leider einige km weiter ab. Nach ca. einer Stunde hielt dann doch ein kleiner LKW und nahm uns mit. Unsere Räder standen dabei zwischen Farbeimern, einer Couch und viel Baumaterial. Er fuhr uns 20 km weit bis nach Sungai Besar. Immerhin. Wir waren froh um jeden km. Nach einigen km per Rad versuchten wir erneut, zu trampen, denn der Gegenwind war immer noch sehr zermürbend. Und diesmal hatten wir mehr Glück: schon nach 10 min nahm uns ein Pickup mit.

Diese Fahrt wurde dann auch noch ein echtes Erlebnis: die Fahrer boten uns die Mitnahme bis nach Klang an. Das waren ca. 100 km Strecke. Dieses Angebot war uns sehr recht im Hinblick auf die monotone Strecke, den schlechten Asphalt, den gefährlichen Verkehr und den harten Gegenwind. Als wir dann von unserer Reise erzählten, war deren Begeisterung so groß, dass sie uns zum Lunch ins Restaurant einluden und uns einen Einkauf im Supermarkt finanzierten. Unser Widerstand war zwecklos. Im Gegenteil. Je öfter wir im Supermarkt „nein, danke, das brauchen wir nicht“ sagten, umso mehr landete im Einkaufskorb. Das war uns schon peinlich. Doch unsere Fahrer ließen sich nicht beirren. Das war unglaublich.

Nach einer herzlichen Verabschiedung in Klang fuhren wir sofort die nächste Moschee an, um dort im Schatten eine längere Pause einzulegen. Und auch hier war der Ablauf ähnlich. Viele Moslems kamen auf ihrem Weg zum Gebet zu uns und fragten nach unserer Reise. Sie staunten und kamen nach 10 min mit einem Snack oder einer ganzen Mahlzeit für uns wieder vorbei. So lief es 5 Mal hintereinander ab: Limonade, ein Reisgericht mit Geflügel, süße Törtchen, Datteln, … und Abdullah gab uns seine Telefonnummer und bot uns in jeglicher Hinsicht seine Hilfe an. Unglaublich.

Wir wussten mittlerweile nicht mehr, wie wir all die Dinge auf unseren Rädern transportieren sollten. Vor dem Trampen heute früh hatten wir uns Proviant für den Tag in einem indischen Restaurant besorgt. Doch wegen der Einladung ins Restaurant lag das noch in unseren Taschen. Dann kam der Einkauf und jetzt die vielen Geschenke in der Moschee. Die Packtaschen waren nicht mehr verschließbar und wir hängten uns zu beiden Seiten Plastiktüten mit Lebensmitteln an den Lenker.

Abends trafen wir uns mit unserem Warmshowers-Kontakt und fuhren zu dessen Wohnung. Erster Stock bei insgesamt 9 Etagen im Haus. Das freute uns schon, denn meist wohnten unsere bisherigen Gastgeber im obersten Stock. Die Räder sollten mit in die Wohnung. Wäre sicherer. Und sie passten gerade so in den kleinen Aufzug; einzeln versteht sich. Der andere, größere Aufzug war natürlich seit heute defekt. Aber im Vergleich zu manch anderer Anreise verlief hier alles sehr entspannt und ohne Zwischenfälle.

Neben uns bewohnten auch noch ein junges Mädel und eine indische Familie andere Zimmer in dieser Wohnung. Wir bezogen unser Lager in einer Ecke im Wohnzimmer. Viele Wohnungen in Kuala Lumpur haben diesen WG-Charakter: jede Partei hat ein Zimmer und man teilt sich Küche und Bad.

Mittwoch, 07.06.17 – Samstag, 10.06.17

Wir blieben 4 Tage in Klang. Zeit genug, um eine ausgiebige Besichtigungstour zu unternehmen, an unserem Blog zu arbeiten, Sonnencreme zu kaufen (hier gibt es sogar Sonnenschutzfaktor 130!) …

… und um sich mal wieder mit abenteuerlichen Ereignissen auseinanderzusetzen:

Ich war spätabends noch mit dem Netbook an einer Internetquelle in der Stadt zugange und Annett  hatte sich schon schlafen gelegt. Plötzlich kam der Vater der indischen Familie ins Wohnzimmer, setzte sich direkt neben Annett aufs Bett und hat sich mit ihr unterhalten. Nach einigen Minuten verschwand er wieder,

… um dann erneut bei ihr zu erscheinen. Diesmal unbekleidet. Spontan und sehr energisch machte Annett ihm dann deutlich, dass seine Anwesenheit in dieser Garderobe überhaupt nicht erwünscht sei und glücklicherweise verzog er sich dann auch schnell wieder.

Das war unglaublich. Seine Frau und das Kind schliefen schließlich direkt nebenan in derselben Wohnung. Wir waren froh, dass es nur beim Schrecken blieb. Das hätte auch unkontrollierter ablaufen können.

Auch das Schloss-System unserer Unterkunft verhalf zu einer spannenden Geschichte:
Alle Türen und Fenster waren zusätzlich mit einem Gittertür aus Stahl versehen. Diese Gittertüren wurden mit Vorhängeschlössern gesichert. Einbruchschutz. Gute Sache. Nur etwas umständlich im Handling. Es war üblich, auch abzuschließen, wenn man sich in der Wohnung aufhielt. Und jede Partei hatte einen Schlüssel, der halt auf alle Schlösser in der Wohnung passte.

An einem der Tage war ich gerade mit unserem Schlüssel per Fahrrad auf dem Weg in die Stadt, da wollte die indische Familie die Wohnung verlassen. Das hätte normal ablaufen können, wenn der Vater nicht seinen Schlüssel im Auto vergessen hätte am Vortag. Er hatte Einkäufe in die Wohnung geschleppt und war mehrmals zwischen Auto und Wohnung gependelt. Darüber hatte er die Mitnahme des Schlüssels aus dem Auto wohl irgendwie vergessen. Also war der Ausgang der Wohnung nicht zu öffnen. Ich hatte, wie üblich im Haus, von außen abgeschlossen und das junge Mädel war auf der Arbeit. Unsere indischen Nachbarn konnten unsere gemeinsame Wohnung also nicht verlassen.

Nach einer gewissen Zeit der Ratlosigkeit erwuchs aus Annett´s Kreativität und dem Bettlaken in unserem Raum dann eine Art Räuberleiter, mit deren Hilfe der Vater sich über das Geländer des Balkons abseilte und mit Schwung auf den Balkonboden im Erdgeschoss sprang. Er stürzte und blieb regungslos liegen.

Annett spielte in Gedanken schon das ganze Szenario durch: Notarzt, Krankenhaus, usw. Doch nach einer ganzen Weile bewegte sich der Vater wieder. Er stand auf und schleppte sich unter Schmerzen zu einem Moped an der Straße, wo er dann so lange sitzen blieb, bis er wieder halbwegs bei Kräften war.

Ist schon merkwürdig: in den Spielfilmen läuft sowas immer ganz anders ab. Da gibt es keine Stürze. Annett atmete jedenfalls auf. Es hatte funktioniert. Der Vater holte den Schlüssel aus dem Fahrzeug und ließ seine Familie aus der Wohnung.

Ich hatte während dieser Ereignisse allerdings auch wieder einmal ungewöhnliche Beschäftigung. Durch den Wechsel unseres heimischen Internet-Providers in 2016 war unser bisheriger E-Mail-Account auch dem Tode geweiht. Das hatte uns der alte Provider, O2, allerdings nicht mitgeteilt. So dachten wir, der Account bleibt uns weiterhin erhalten, so wie ein Zugang bei Web.de, Gmail oder anderen Providern.

Tatsächlich wurde der Account nach einigen Monaten „Auslaufzeitspanne“ aber nun stillschweigend von O2 deaktiviert. Plötzlich erhielten wir keine E-Mails mehr. Es war uns zunächst gar nicht aufgefallen. Unser Sohn machte uns darauf aufmerksam.

Doch als mir klar war, was hier gerade passiert war, stieg mein Blutdruck ziemlich schnell. An dieser E-Mail-Adresse hing fast alles, was wir Kontakte nennen: Familie, Freunde, Bekannte, Versicherungen, Banken, Internet-Zugänge, Gas, Strom, Stadtwerke, Paypal, … eben fast alles. Unseren anderen E-Mail-Account bei Gmail verwenden wir ja nur in Verbindung mit unserem Blog und den sozialen Netzwerken.

Das war jetzt fatal. Wir waren im hintersten Teil Asiens, hatten instabile Internetverbindungen und mussten uns nun eine neue E-Mail-Adresse organisieren und dann im Eilverfahren alle Kontakte informieren.

Die Suche nach einem neuen Provider begann erst einmal düster: auf der Internetseite von Web.de war das Anlegen eines Accounts gar nicht möglich, wenn man eine IP-Adresse aus Malaysia verwendet. „Diese IP-Adresse wurde gesperrt.“ war da zu lesen. Von GMX las ich Horrorgeschichten von überrumpelten Kunden, die plötzlich Rechnungen für Produkte zu bezahlen hatten, die sie gar nicht bewusst bestellt hatten. Und Freenet bot zu wenig Speicherplatz. Doch dann fand sich doch noch ein geeigneter Anbieter, bei dem die Anmeldung ohne Widerstände von statten ging. Der erste Schritt war getan.

Als nächstes folgte die Bekanntgabe der neuen E-Mail-Adresse an alle unsere Kontakte und Organisationen. Der einzige Kommunikationsweg war jetzt der E-Mail-Verkehr. Telefonate ins deutsche Festnetz waren schließlich viel zu teuer und der Postweg wäre sehr Zeit-intensiv. Aber nicht jede Institution akzeptiert eine einfache formlose Mail für Änderungen in den persönlichen Daten.

Und jetzt rächte sich auch meine Nachlässigkeit im Umgang mit der Archivierung wichtiger Kontaktdaten, wenn sich bei Anderen die Daten geändert hatten oder neue Kontakte hinzukamen. Über unsere bisherige Reise hatte sich da einiges angesammelt und der Abruf dieser Daten aus den gespeicherten Screenshots, Downloads und E-Mails war jetzt sehr umständlich. Mangels PC gab es in der Vergangenheit keine glückliche Lösung, in meinen bestehenden Listen solche Daten aktuell zu halten. Und per Smartphone war es mir immer zu fummelig. Also hatte ich das verschoben auf die Zeit nach unserer Heimkehr. Doch jetzt kam halt alles anders.

Ich musste somit zunächst unsere Listen mit allen Kontaktdaten und Zugangsdaten aktualisieren. Danach suchte ich mir einen seriösen Copy-Shop, um die Listen auszudrucken, denn für das anstehende Abarbeiten aller Kontakte war ein Stück Papier für Notizen der effizienteste Weg. Ich durfte selber am Rechner die Dateien einlesen und drucken. Das war mir wichtig, denn schließlich sollten diese sensiblen Daten nicht in fremde Hände gelangen.

Im Vergleich zum heimischen Schreibtisch ist die gesamte Prozedur ein nicht enden wollender Spießrutenlauf. Es kostet Kraft und Zeit. Man ist zwar auf Reisen in der großen, weiten Welt, doch unerwartete Baustellen schieben diese Reise dann ganz schnell in den Hintergrund. Und es nagt an der Motivation, wenn die ungeplanten Ereignisse dicht aufeinander folgen: in den letzten 8 Monaten hatten wir die Umstellung auf ein neues Smartphone in Nepal, den Kamera-Diebstahl und die geschlossenen Geldautomaten in Indien, die Umstellung unserer heimischen Gas- und Strom-Lieferanten aus der Ferne, die aufreibende Netbook-Beschaffung in Thailand, und jetzt diese E-Mail-Geschichte.

Doch mit der Zeit betrachtet man es anders: auf einer Langzeit-Reise ist diese Arbeit ein Teil der Reise. Es ist die übliche Arbeit neben dem Job, wie in der Heimat, nur viel aufwändiger.

Auch die Arbeit an unserem Blog (ich wollte endlich den Bericht zu unserem zweiten Aufenthalt in Thailand fertigstellen) begann direkt wieder mit einem Hürdenlauf. Nach einem manuellen Update der Blog-Software gab es plötzlich Fehlermeldungen zur Formatierung der Beiträge. Die Ursache war vermutlich eine veraltete Version unserer Design-Oberfläche im Blog. Es stand schon seit einigen Monaten eine neue Version dieser Software zur Installation bereit, doch mit dieser Aktualisierung würden vermutlich alle von mir manuell vorgenommenen Einstellungen im Blog verloren gehen. Und diese Befürchtung holte mir sofort wieder die Ereignisse von vor drei Monaten in Kambodscha ins Gedächtnis. Seinerzeit war plötzlich das gesamte Menu auf der Startseite durcheinander gekegelt worden. Da holte ich mir jetzt erst einmal Rat von einem Experten aus der Heimat und beschloss, geduldig abzuwarten, bis dieser mich bei der Installation begleiten konnte.

Annett suchte in diesen Tagen auch erstmalig einen Arzt wegen ihrer Schulterschmerzen auf. Seit Kambodscha hatten diese Schmerzen nun kontinuierlich zugenommen. Der Arzt verschrieb ihr Tabletten zur Muskelentspannung und eine Salbe.

Erstmalig hatten wir in Verbindung mit einer Warmshowers-Unterkunft auch einen Swimmingpool. Es hatte den Flair eines Luxus-Hotels.

Zwischen all diesen Ereignissen gingen wir natürlich auch auf Besichtigungstour in die Stadt. Es gibt eine kostenfreie Buslinie mit 23 Stationen in Klang (Bas Smart Selangor), die einen zu allen Sehenswürdigkeiten bringt (KLG 6, 19, 22, 23). Die Busse fahren im 15-min-Rhythmus täglich von 6 Uhr bis 22 Uhr. Auf diese Weise besichtigten wir:

  • Den chinesischen Tempel Persatan Penyokong Rumah Berhala Kwan Imm (KLG 19)
  • Die indische Moschee Muslim Tengku Kelana ((KLG 22)
  • Little Old India, ein indisches Stadtviertel (KLG 22)
  • Das viktorianische Feuerwehr-Gebäude aus der Kolonialzeit von 1890 (KLG 22)
  • Die Gallerie Diraja Sultan Abdul Aziz (KLG 22)
  • Den Palast, den man allerdings nur Dienstags und mit Permit betreten darf (KLG 6).

Allerdings muss man auf die Straße springen und den Bus aktiv anhalten, sonst fährt er an einem vorbei, selbst wenn man an der offiziellen Haltestelle steht.

Abends schauten wir uns die Stadt und all die Sehenswürdigkeiten noch einmal bei nächtlicher Beleuchtung an. Dabei sahen wir noch die katholische Kirche, die Kota Bridge mit ihren 2 Etagen (oben Autos, unten Zweiräder und Fußgänger), den Meilenstein für „km 0“ (den Beginn der Hauptverkehrsader Richtung Nord und Süd) und die malaysische Moschee am Fluss.

Sonntag, 11.06.17

Wir verabschiedeten uns aus Klang und fuhren weiter Richtung Kuala Lumpur. Mit Klang beginnt das Einzugsgebiet dieser Metropole. Das spürt man im Verkehr: endlose Highways, Blechlawinen und Wolkenkratzer, wohin man entlang der Straße auch schaut.

Dementsprechend hatten wir auch in weiser Voraussicht für die kommende Nacht schon wieder einen Kontakt auf Warmshowers organisiert. Denn in Großstädten würden Übernachtungen in Tempeln eher abgelehnt, so dachten wir uns.

Das Haus von unserem Gastgeber war schnell gefunden, doch er war nicht zu Hause. Über den Nachbarn wurde er dann über unsere Ankunft benachrichtigt. Und zufällig warnte uns dieser Nachbar dann vor den üblen Angewohnheiten unseres Gastgebers, die in der Vergangenheit schon bei vielen Gästen zu einem großen Loch in der Reisekasse geführt hatten. Er bietet wohl regelmäßig einen gemeinsamen Besuch im Orts-nahen Restaurant an, holt dann noch einen Freund mit hinzu, die beiden bestellen sich die teuersten Gerichte, dann erhält der Freund einen wichtigen Anruf und muss plötzlich dringend weg und im Finale spielt unser Gastgeber dann den Trick mit dem vergessenen Portmonee.

Wir waren dankbar um den Tipp und gingen somit vorgewarnt in unseren Aufenthalt dort. Und tatsächlich war unser Kontakt ein merkwürdiger Kauz. Er ließ uns keinen Augenblick aus den Augen, solange wir die Tür nicht hinter uns geschlossen hatten. Und dann kam das Angebot, gemeinsam essen zu gehen. „Vielen Dank, aber wir sind schon satt“. Er verzog sichtbar das Gesicht und uns war sofort klar, dass wir ihm gerade das geplante feudale Dinner versemmelt hatten.

Es ist glücklicher Weise eher die Ausnahme, dass man auf Warmshowers oder Couchsurfing auf derartige Charaktere stößt.

Montag, 12.06.17 – Donnerstag, 15.06.17

Das merkwürdige Verhalten unseres Gastgebers setzte sich heute Morgen fort: wir hatten gepackt und waren abfahrbereit, doch unser Gastgeber hatte alle Ausgänge verschlossen und war gar nicht anwesend. Wir waren eingesperrt. Auf dem Tisch lag ein Zettel, auf dem stand: „ruft mich an, wenn Ihr abfahrbereit seit“.

Wir hatten zwar eine malaysische Sim-Telefonkarte in unserem Handy, doch das Guthaben war soweit aufgebraucht, dass wir erst neu aufladen mussten. Ich kletterte über den 2 Meter hohen Stahlzaun und sprang auf die Straße. Dann suchte ich jemanden, der unseren Gastgeber mal anrufen konnte. Das klappte dann glücklicherweise und nach 2 min war unser Kontakt am Haus und schloss uns das Gatter auf.

Wir waren spürbar erleichtert, als wir das Wohngebiet verlassen hatten.

Auf unserem Weg nach Kuala Lumpur lag nur 20 km weiter unsere nächste Station, ebenfalls ein Warmshowers-Kontakt. Und der schenkte uns wieder das volle Vertrauen in dieses Übernachtungs-Netzwerk zurück:

Wir waren herzlich willkommen, bekamen vorab die exakte Adresse und seinen WiFi-Zugang gesendet. Wir könnten vor seiner Haustüre ja schon online unsere Ankunft mitteilen. Er wüsste dann bescheid. Wir wurden in einem klimatisierten Raum mit richtigen Betten untergebracht und unsere Fahrräder sollten wir dann aus Sicherheitsgründen ins Wohnzimmer stellen.

Unser Gastgeber lud uns auf eine Stadtrundfahrt ein, zeigte uns die wichtigen Shops. Am kommenden Tag fuhr er uns zur Apotheke. Denn Annett hatte nach wie vor Schmerzen in der Schulter und benötigte Tipps zur Behandlung und vielleicht auch eine wirkungsvollere Medikation.

Danach lud er uns samt Apothekerin (eine gute Freundin von ihm) zum Lunch ein. Das war uns schon peinlich, doch unser Vorschlag, ihn einzuladen, wurde sofort energisch abgewiesen. Dafür halfen wir beim bevorstehenden Umzug der Familie und schleppten einige Möbel.

Wir blieben ein paar Tage und kümmerten uns um die E-Mail-Adress-Umstellung. Manches klappte reibungslos, doch bei vielen Zugängen kamen nach der Umstellung Neuanmeldungen auf uns zu: neue Passwörter wurden generiert, man musste seine Identität bestätigen, in einigen Fällen wurde der Zugang dann auch zunächst gesperrt, weil unser Zugriff über eine IP-Adresse aus Malaysia natürlich sehr verdächtig nach krimineller Energie aussah. Ist ja eigentlich sehr beruhigend, dass es strenge Sicherheits-Mechanismen gibt, doch es verursachte uns jetzt ungewöhnlich viel Mehraufwand.

Auf jeden Fall waren wir dankbar um die hausinterne Internet-Verbindung. Das machte die Arbeit schon erträglicher.

Annett erlebte unterdessen eine deutliche Verschlechterung ihres Zustandes nach der Einnahme der Arznei, die sie in der Apotheke empfohlen bekommen hatte. Wir recherchierten über das verabreichte Medikament und erfuhren, dass es ein Mittel gegen Epilepsie mit starken Nebenwirkungen war. Daraufhin setzte Annett die Medikation sofort ab und wir hofften auf schnelle Besserung. Da war das Vertrauen in einen Apotheker offensichtlich ein Schuss in den Ofen. Wir beschlossen, in den nächsten Tagen ein Krankenhaus aufzusuchen.

Am Donnerstag verabschiedeten wir uns und fuhren weiter in den Süden von Kuala Lumpur. Annett war eigentlich überhaupt nicht fahrtüchtig. Sie stand immer noch unter Medikamenten-Einfluss. Und der war mehr als heftig: ihr stand permanent der Schweiß auf der Stirn, sie hatte Herzrasen und fühlte sich sehr schlecht. Auch die Straßenführung war nicht gerade einfach: es ging ständig auf und ab, das Gelände ist hier sehr hügelig. Und die vielen Autobahnkreuz-artigen Verzweigungen waren sehr verwirrend. Da half uns auch die Beschilderung nicht weiter, weil das die Kenntnis der Stadtteile voraussetzte.

Auch die Streckenplanung per digitaler Karte war nicht einfach: ganze Straßenzüge verlaufen oft auf 2 Stockwerken direkt übereinander und es ist dann aus der Karte nicht erkennbar, auf welcher der beiden Ebenen der Abzweig liegt. Das hat uns mehrfach gezwungen, umzukehren und den richtigen Abzweig auf der anderen Ebene zu suchen.

Wir machten oft Pause und waren froh, nachmittags von unserem nächsten Warmshowers-Kontakt in Empfang genommen zu werden.

Hier in der Hauptstadt wollten wir ebenfalls einige Tage bleiben. Annett benötigte eine zielführende medizinische Behandlung für ihre Schulter und wir wollten letzte Fragen zu den anstehenden Reiseländern Indonesien und Australien bei den Botschaften der Länder klären. Danach standen Visa-Beschaffung, Flugbuchung und die Suche nach Unterkünften in den größeren Städten an.

Auch ergab sich durch Zufall die Gelegenheit, einige Teile unserer Ausrüstung sowie unser gesamtes bisheriges Foto- und Film-Material als Backup dem Sohn eines Freundes aus der Heimat auf seine anstehende Heimreise mitzugeben. @Simon: herzlichen Dank dafür.

Zu diesen Gegenständen zählte seit einigen Tagen auch unser Camcorder. Der hatte wohl mittlerweile einen Schaden in der Elektronik und ließ ein fehlerfreies Filmen nicht mehr zu.

Damit hatte sich auch das letzte elektronische Gerät unserer Start-Ausstattung von uns verabschiedet. In Nepal fiel das Smartphone aus, in Verbindung mit dem neuen Smartphone war unsere Bluetooth-Tastatur nicht mehr fehlerfrei nutzbar, in Indien wurde unsere Kamera gestohlen und jetzt war halt der Camcorder fällig.

Freitag, 16.06.17

Wir hatten uns die Adressen einiger Krankenhäuser beschafft und waren um 8 Uhr auf dem Weg zur ersten Klinik. Bis wir dann an der richtigen Adresse gelandet waren, hatten wir 11 Uhr und 4 Fehlversuche hinter uns: 2 private Spezial-Kliniken (die fielen aus, weil zu teuer) und 2 Krankenhäuser (eines privat, das andere behandelte nur auf Überweisung von einem Arzt).

Das Röntgenbild zeigte keine Auffälligkeiten im Schultergelenk, also wurde ein Termin beim Orthopäden verordnet. Termin: 17.07. Das ging gar nicht. Wir machten deutlich, dass wir in einigen Tagen Kuala Lumpur wieder verlassen würden und dann gab es nach viel Palawer doch noch einen Termin für Montag Morgen.

Als wir das Hospital verließen, war es schon zu spät, um noch auf die Botschaften unserer nächsten Reiseländer (Indonesien und Australien) zu fahren. Dort wollte ich einige Fragen klären zu Visa-Beschaffung, Registrierung, zulässiger Aufenthaltsdauer, usw. Das musste ich nun auf Montag verschieben.

Abends um 19 Uhr war ich mit Simon im Zentrum verabredet. Wir wollten heute die Foto- und Film-Dateien auf seine Festplatte kopieren. Und ausgerechnet heute sah es gefährlich nach Gewitter aus seit einigen Stunden. Um 18 Uhr begann es auch tatsächlich leicht zu regnen. Also wartete ich geduldig ab. Als nach einer Stunde der Regen nachließ, fuhr ich per Fahrrad mit Rucksack los. Vor mir lagen 6 km Großstadtverkehr. Kein Problem, dachte ich.

Doch ich kam gerade einmal 500 Meter weit, dann begann es erneut zu regnen. Und diesmal wurde es ein heftiger Prasselregen, der mich 2 Stunden lang im Griff behielt. Ich hatte als Unterstand aus der Not heraus nur ein 2 Meter schmales Dach gefunden. Und dort kauerte ich nun 2 Meter von der Fahrbahn entfernt.

Asiatischer StarkregenMit dem Regen wuchs am Fahrbahnrand genau auf meiner Höhe mit der Zeit eine große, tiefe Pfütze zu Teich-Größe heran. Und nicht jeder Autofahrer machte einen großen Bogen um die Pfütze. So bekam ich regelmäßig eine Wasser-Fontäne vor die Füße gespritzt:  Film-Clip.

Zwei Stunden können ganz schön lang sein.

Um 21:30 Uhr ließ der Regen dann endlich nach und ich fuhr ins Stadtzentrum. Für das Treffen mit Simon war es ja noch nicht zu spät. Weil seine Unterkunft einen Häuserblock weit von den markanten Petronas-Türmen entfernt lag, gab es auf der Anfahrt schon einmal einen traumhaften Blick auf die beiden Türme im nächtlichen Licht. Sehr beeindruckend.

Die Übertragung unserer Foto- und Film-Dateien lief dann etwas hakelig. Auf Simons Festplatte war doch nicht genug Platz. Da überließ ich ihm unsere Festplatte und wir vereinbarten einen neuen Termin für Montag. Bis dahin hätte er alles fein sauber verteilt auf die beiden zur Verfügung stehenden Notebooks und 2 externe Festplatten von ihm und seinem Kollegen.

Samstag, 17.06.17 – Sonntag, 02.07.17

Wir blieben 2 Wochen in Kuala Lumpur. Und wir hatten dabei keine Langeweile. In unserer Wohnung hatten wir Ruhe, WiFi und unbegrenzte Bleibe-Erlaubnis. Das sorgte für Entspannung für die vielen anstehenden Jobs: Annetts Behandlung im Krankenhaus, Visa-Beschaffung, Flugbuchung, die Suche nach Kleidung mit UV-Schutz für Annett, der Kauf eines Camcorders und die Blogpflege.

Am ersten Wochenende besichtigten wir der Innenstadt. Da gab es den Merdeka Square mit der Touristeninfo und einer ganzen Reihe alter Gebäude aus der britischen Kolonialzeit. Einiges davon war ursprünglich aus Holz, ist aber dann in 1881 einem großen Brand zum Opfer gefallen. Danach wurden die Gebäude rekonstruiert und diesmal aus Ziegelstein wiederaufgebaut (im Stadtteil Brickfields, heute „Little India“ genannt, wurden die Ziegel hergestellt).

Ebenfalls in der näheren Umgebung befindet sich die Jamek Moschee. Als Annett sich dort am Eingang ein Hidschab auslieh, kam sofort Irwan auf uns zu und bot eine Führung durch das Gelände an. Er dachte zunächst, es wäre für uns eine der ersten Moscheen und so staunte er nicht schlecht, als er merkte, dass wir uns mittlerweile ziemlich gut auskannten mit dem Verhaltenskodex in einer Moschee und den Begriffen rund um die islamische Religion.

Im Anschluss fuhren wir zur alten Railway-Station, ebenfalls ein Gebäude aus der Kolonialzeit.

Die Skyline von Kuala Lumpur bei Nacht:    Clip

Das Finale bildeten natürlich die 452 Meter hohen Petronas-Twin-Towers, das Wahrzeichen der Stadt und das dominante Pendant zum ehemaligen World Trade Center in New York. Erbaut wurde er in den frühen 90ern unter Verwendung von hauptsächlich Stahl und Glas im Fassadenbereich. Dadurch schimmern die Türme sehr außergewöhnlich, ganz gleich, bei welchen Lichtverhältnissen. Besonders eindrucksvoll ist seine nächtliche Ausleuchtung. Sowohl aus der Ferne als auch aus nächster Nähe sehr beeindruckend.

Für 89 Ringgit (2017) kann man bis zur Verbindungsbrücke zwischen den beiden Türmen auf das 40. Stockwerk emporfahren und einen sagenhaften Ausblick über die Stadt genießen. Allerdings ist die tägliche Besucherzahl begrenzt.

Die Türme sind integriert in einen großen Shopping-Gebäude-Komplex über mehrere Stockwerke. Und hinter dem gesamten Bauwerk lädt ein kleiner Park mit Wasserspielen, Spielplätzen und alten Gummibäumen mit Luftwurzeln zum Verweilen ein.

Die Wasserspiele:    Clip1    Clip2

Am Montag setzte sich die Behandlung von Annetts Schulterschmerzen fort. Wir durften uns schon früh um 7 Uhr in die lange Warteschlange im Krankenhaus einreihen, um die Wartezeit beim Orthopäden möglichst kurz zu halten. Um 10 Uhr waren wir dann endlich an der Reihe. Der Arzt schien kompetent und diagnostizierte „Rotator Cuff Injuri“. Annett atmete auf. Sie hatte schon Arthrose befürchtet.

Verordnet wurden Schonung (also kein Radfahren) und gegen die Schmerzen Pflaster, Tabletten und Gel zum Einreiben. Und sie bekam einen neuen Termin für eine Nachprüfung in einem Monat. Damit stand fest, dass wir für die nächsten 4 Wochen in Kuala Lumpur bleiben würden. Die verbleibenden Tage nach dem nächsten Termin im Krankenhaus würden gerade noch reichen, um unseren Ausreise-Hafen in Melaka zu erreichen.

Nachdem Annetts Behandlung vorläufig abgeschlossen war, fuhr ich auf die Botschaften unserer nächsten Reiseländer: Indonesien und Australien.

Ich hatte frisch geplant: von Melaka (Malaysia) aus per Fähre nach Dumai (Indonesien), nach 30 Tagen Aufenthalt auf den Inseln Sumatra, Java und Bali per Flug nach Australien, von Sydney aus nach 90 Tagen per Flug nach Neuseeland, nach weiteren 90 Tagen dort per Flug wieder zurück nach Australien für einen zweiten Aufenthalt über 90 Tage.

Mit Australien und Neuseeland würde ein neues Kapitel unserer Reise beginnen, denn bislang hatten wir Indonesien als letztes Land unserer Radreise verkündet. Aber wenn man diesem Gebiet schon so nah ist, dann bietet sich der Besuch natürlich geradezu an.

In der indonesischen Botschaft erhielten wir die Bestätigung, dass wir in Dumai ohne Visum einreisen könnten (das ist nämlich nicht an allen Grenzstationen garantiert). Von der Notwendigkeit eines Rückflugtickets wusste man nichts. Auch wäre keine Registrierung nach 24 h erforderlich.

Australien unterhält keine Botschaft in Kuala Lumpur, sondern lediglich ein Hochkommissariat und 1 km davon entfernt das Australien Visa Application Center. Ich hatte Fragen zum eVisa-Verfahren, zu multiple entry und zur max. erlaubten Aufenthaltszeit. Die Dame am Schalter wusste weniger als ich nach meiner Recherche im Internet und auch der Abteilungsleiter konnte mir nicht wirklich helfen. Sie stifteten eher Verwirrung. Angeblich müssten wir beim eVisa-Verfahren 20 Austral-$ je Visa bezahlen und 20-30 Tage auf die Erteilung der Visa warten. Und ob man beliebig oft einreisen darf innerhalb der 12 Monate Visa-Gültigkeit, wurde auch nicht eindeutig mit ja oder nein beantwortet. Das war etwas ernüchternd.

Ich fuhr zurück und beantragte online unsere eVisa für Australien in der Hoffnung, dass sich unsere Fragen dann beantworten würden. Nach weniger als einer Minute kam per E-Mail die Visa-Bestätigung. Und die Antworten auf all unsere Fragen: eVisa war doch kostenlos für Deutsche, man kann innerhalb der 12 Monate Gültigkeit beliebig oft einreisen und für jede Einreise gilt max. 90 Tage erlaubter Aufenthalt. Geht doch! So schnell hatten wir übrigens noch nie unsere Visa.

Danach stand die Buchung unseres Fluges von Indonesien nach Australien an. Diesmal wollte ich im Hinblick auf unsere Gepäckkosten nichts mehr dem Zufall überlassen. Nach den üblen Erfahrungen auf dem Flughafen in Kolkata (500 US-$ Aufpreis für unser Übergepäck) kam die Buchung eines Fluges über ein Reisebüro nicht mehr in Frage. Denn dort scheint es unzumutbar, einen preiswerten Flug unter Berücksichtigung von unserem Gepäck samt der Fahrräder suchen zu lassen. Und gerade unser Gepäck-Volumen ist bei vielen Fluglinien der eigentliche Preistreiber. Aber jede Fluglinie hat eigene Regeln bei Sportgeräten und mehr als 30 kg Gepäck. Und man ist Stunden beschäftigt mit der Recherche der Preise. In Verbindung mit einer langsamen Internet-Leitung und den trägen Internet-Seiten einiger Fluglinien kein Vergnügen.

In der Erwartung, dass die Flüge von Australien nach Neuseeland und zurück in den nächsten Monaten nicht preiswerter werden, buchten wir diese beiden Flüge auch schon. Somit stand unser Reiseprogramm für die nächsten 10 Monate fest: nach Malaysia 30 Tage Indonesien (Sumatra, Java, Bali), dann 3 Monate Australien, 3 Monate Neuseeland und noch einmal 3 Monate Australien.

Auch die monatelange Suche nach Kleidung mit UV-Schutz für Annett wollten wir hier in KL endlich beenden (Annett hatte trotz langer Kleidung mittlerweile täglich Hautrötungen, wenn wir zu lange der Sonne ausgesetzt waren). Wir fanden die gewünschte UV-Schutz-Kleidung übers Internet in einem Shop, der zufällig hier in KL eine Filiale unterhielt. Annett fuhr hin und fand eine passende Hose, allerdings gab es dort wider Erwarten keine Hosen mit UV-Schutz. Im Ergebnis war es schon etwas enttäuschend, denn mit Hin- und Rückfahrt war diese Aktion schon ein Tag-füllendes Programm.

Eine Bluse bestellten wir über eine malaysischen Website in einem Shop in den USA (versandkostenfrei!) und wollten online mit unserer deutschen Kreditkarte bezahlen. Doch daraus wurde nichts. Es gab immer Fehlermeldungen. Ich hoffte, dass das nicht mit den jüngsten Hackerangriffen hier in Malaysia zu tun hatte. Tausende waren wohl betroffen. Auch einem unserer Mitbewohner war ein Tag zuvor wegen diesem Angriff der Rechner abgestürzt und die Reparatur im Fachgeschäft hatte ihn viel Geld gekostet. Vielleicht wurde aber auch nur unsere Karte nicht akzeptiert.

Ich suchte mir jemanden, der an meiner Stelle mit seiner malaysischen Kreditkarte bezahlen könnte. Die Kollegen in unserer Wohnung besaßen keine Karte und kauften nie im Internet. Also fragte ich mich bei den Nachbarn durch. Bis sich ein junges Mädel bereit erklärte. Und tatsächlich klappte es diesmal. Wir zahlten den Betrag in bar an das Mädel zurück und bedankten uns mit einer Runde Kuchen.

Jetzt hofften wir nur, dass unsere Bestellung im Shop nicht aufgehalten wird wegen dieser außergewöhnlichen Konstellation: ich war Besteller, von unserem Gastgeber kam die Lieferadresse und bezahlt wurde mit einer Karte eines wildfremden Menschen. Mal sehen. In drei Wochen hatte Annett ihren nächsten Termin im Krankenhaus hier in KL. Bis dahin müsste das Hemd eingetroffen sein laut der Angaben auf der Website.

Out of Order nach der BruchlandungAußerdem gab es noch ein ungewöhnliches Ereignis in unserer Unterkunft: ein kleiner Vogel hatte sich über ein offen stehendes Fenster in unsere Wohnung verirrt, flog mit voller Wucht gegen die Fensterscheibe und blieb, offensichtlich verletzt oder benommen, auf dem Boden liegen. Wir trugen ihn hinaus ins offene Treppenhaus und setzten ihn in eine sichere Ecke. Eine Stunde später war er nicht mehr da. Da nehmen wir mal an, er hat sich wieder erholt und ist wohlauf.

Wir luden unseren Gastgeber zwischendurch zum Dinner ein und Annett zauberte Pfannkuchen, bis nach der Hälfte unserer Teigmasse das Gas in der Küche ausging. Die Gasflasche war plötzlich leer. Ausgerechnet wenn wir kochten. Dadurch kam aber endlich mal wieder unser Spiritus-Kocher zum Einsatz.

Zum Wäsche waschen nutzte Annett zweimal den Orts-nahen Waschsalon. Das ging einfacher und schneller als die sonst übliche Handwäsche in unserer Ortlieb-Waschschüssel.

Wie man im Straßen-Restaurant die Fliegen vom Buffet fernhält:    Clip

Die tägliche Feuerwerks-Knallerei, die in unserer unmittelbaren Nachbarschaft in regelmäßigen Intervallen von abends bis tief in die Nacht (3 Uhr) abgehalten wurde, empfand ich als sehr nervig. Die Böller und Raketen waren richtig laut. Meist waren es diese 50er oder 100er Batterien, doch einige einzelne Böller wurden auch im Carpark unter unserem Gebäude gezündet, damit es noch etwas lauter schallt. Die Geräuschkulisse kam dann der Explosion einer Bombe recht nahe. Ich zuckte jedes Mal regelrecht zusammen. Man wusste ja nie, wann der nächste Böller explodierte.

Das Feuerwerk:    Clip1    Clip2

Das waren schon die Vorboten vom Hari Raya, dem Fest des Fastenbrechens, das die Muslime zum Ende des Fastenmonats Ramadan feiern. Der Höhepunkt dieser Knallerei war dann in der Nacht zum 25.06., dem ersten Tag dieses dreitägigen Festivals. Den Mitbewohnern in unserer Bleibe war es auch zu viel und zu laut. Wir waren jedenfalls froh, dass unsere Fahrräder in der Wohnung standen und nicht unten neben den Autos und dicht bei den explodierenden Böllern.

An einem der letzten Tage in KL trafen wir uns mit dem Sohn eines Paddel-Kumpels aus der Heimat. Er war für drei Monate in Asien unterwegs und verbrachte 2 Tage in Kuala Lumpur.

Montag, 03.07.17

Wir verabschiedeten uns von unserem Gastgeber, wollten aber Kuala Lumpur nicht verlassen. In drei Wochen hatte Annett ihren Termin im Krankenhaus und wir würden das bestellte Shirt für Annett hier abholen, wenn alles geklappt hat mit dem Versand von den USA nach Kuala Lumpur.

Im Südwesten der Hauptstadt besichtigten wir den chinesischen Thean Hou Temple und den Bukit Gasing Forest, eine friedliche grüne Oase in mitten der städtischen Bebauung von Petaling Jaya, einem Vorort von Kuala Lumpur im Westen. Der Park war ein einziger tropischer Regenwald mit schmalen Lehmpfaden und vielen Höhenmetern. Vom Gipfel des Hügels im Park hat man eine tolle Aussicht auf die Skyline von Kuala Lumpur und die Vororte. Allerdings musste man hier schon aufpassen, dass einem nicht eine Schlange über den Weg läuft.

Aussicht vom Bukit Gasing Forest auf Kuala Lumpur:    Clip

Eidechsen mitten in Kuala Lumpur:    Clip

Dienstag, 04.07.17 – Mittwoch, 26.07.17

Von der Besichtigung des Bukit Gasing Forest hatte ich am kommenden Tag mächtig Muskelkater in den Beinen. Ich hätte die Wanderung doch besser nicht in Flip-Flops unternommen.

Annetts Schulterschmerzen waren immer noch unverändert stark. Und das Streckenpensum am gestrigen Tag war ihr schon zu viel gewesen. Wir hatten mittlerweile auch die Sorge, dass der Orthopäde in der Klinik möglicherweise eine falsche Diagnose gestellt hat. Vielleicht war ja doch eine Operation erforderlich.

Auf jeden Fall war Schonung angesagt. Kein Fahrradfahren, keine Belastungen, nur Ruhe und leichte Gymnastik. Unser Warmshowers-Kontakt in Petaling Jaya im Westen von Kuala Lumpur war in dieser Hinsicht ein Glückstreffer. Annett hatte eine gute Matratze anstelle ihrer Themarest-Matte. Das war deutlich angenehmer unter diesen Schmerzen. Zudem verstanden wir uns auch sehr gut mit unserem Gastgeber und konnten länger bleiben als ursprünglich geplant.

Unser Gastgeber sprach fließend Englisch und fand großen Gefallen an unserem kleinen Englisch-Deutsch-Sprachführer. Das war die Gelegenheit für ihn, sich in die deutsche Sprache einzuarbeiten. Er legte sich ein kleines Deutsch-Vokabelheft an und fragte uns Löcher in den Bauch. Vor allem die Aussprache und die deutschen Umlaute ä, ö und ü waren für einen Malaien
ungewöhnlich schwer. Und so wurde unser Langzeit-Aufenthalt (wir blieben 3 Wochen) für beide Seiten fruchtbar.

Annetts Schulterschmerzen wurden über die Tage nicht besser. Daher beschlossen wir, vorzeitig nach einem früheren Termin beim Orthopäden zu fragen. Unsere Gastgeber halfen uns als Dolmetscher dabei. Und so zogen wir den Termin vom 24.07. auf den 17.07. vor.

Öffentlicher Nahverkehr in KL:    Clip1    Clip2

Wir nutzten die Auszeit auch noch für einige Besichtigungen:

Im FRIM Forest im Norden der Stadt wollten wir uns den Canopy Walk ansehen: eine begehbare Hängebrücke zwischen den Bäumen in 30 m Höhe. Doch leider war der Canopy Walk gerade jetzt seit einigen Tagen für 2 Monate geschlossen. Das Tor war verriegelt. Ich sprang trotzdem unbemerkt über den Zaun und machte mich auf den Weg, der übrigens sehr mühsam war: es geht bis zum Canopy Walk nur bergauf, teilweise über recht steile Stufen. Am Kassenhäuschen war dann aber doch Schluss. Die Türe war mit Kette und Vorhängeschloss verriegelt. Man konnte die Hängebrücke durch die Bäume schon sehen, zum Greifen nahe, doch unerreichbar. Schade. Ich war enttäuscht.

Als größte Sehenswürdigkeit hier in KL werden die Batu Caves im Norden der Stadt angepriesen: man steigt vom riesengroßen Parkplatz aus eine sehr lange Treppe empor, an den freilaufenden Affen vorbei bis zum Eingang der Haupthöhle. Auf halber Höhe führt ein Weg auf der linken Seite zur Dark Cave, einer naturbelassenen Höhle mit allerlei seltenem Getier: Fledermäuse, Spinnen und andere nachtaktive Exoten soll man hier zu Gesicht bekommen. Der Eintritt ist mit 35 Ringgit (7 €) nicht ganz preiswert, doch dafür erhält man Helm und Taschenlampe für die Begehung und wird durch einen Führer begleitet.

Am Eingang der großen Tropfsteinhöhle weiter oben passiert man zunächst Souvenirstände mit viel Kitsch und Lametta: der Petronas-Twin-Towers in allen Größen und die Nachbildungen der Murtis, die man in der Höhle zu sehen bekommt.

Die gesamte Höhle besteht aus zwei Kavernen mit Öffnungen im Höhlendach, durch die das Tageslicht fällt.

In der Höhle befinden sich mehrere Hindu-Tempel. Auch einige Götter-Szenen sind in der Höhlenwand eingearbeitet. Für eine gute Ausleuchtung der Höhle sorgen riesige Flutlicht-Strahler auf Masten, die man mittig in die Höhle gebaut hatte. Es erinnert etwas an die Flutlichtanlage eines Fußballplatzes. Da waren die Thais bei der Ausgestaltung ihrer Höhlen (Khao Poon Cave, Khao Luang Cave, Khao Chang Ngay Cave) etwas feinfühliger.

Zudem war zum Zeitpunkt unseres Besuches der größte Teil der Höhle eher eine Baustelle: man baute gerade einen neuen Hindu-Tempel und dadurch lag überall Baumaterial herum. Aber wirklich in jeder Ecke.

Die Batu Caves in Kuala Lumpur:     Clip1     Clip2

Das Pujari in den Batu Caves:    Clip

Die natürliche Schönheit der gesamten Höhle leidet unter der touristischen Vermarktung und der etwas lieblosen Gestaltung vieler Bereiche. Und es mag sein, dass die Batu Caves für Hindus eine heilige Stätte von großer Bedeutung sind; mir haben sie nicht so sehr gefallen, wie die Tropfsteinhöhlen in Thailand.

Souvenir-Buden in den Batu-Caves:    Clip1    Clip2

Neben einem Bird-Park gibt es in KL auch einen kleinen, aber sehenswerten Butterfly-Park, in dem einige Exemplare prachtvoller, asiatischer Schmetterlingsarten zu bewundern sind.

Im Butterfly-Park:    Clip1    Clip2    Clip3

Schlangenschildkröte im Butterflypark:    Clip

Die islamische Moschee Masjid Wilayah Persekutuan im Westen der Hauptstadt beeindruckt durch ihre schiere Größe. Es ist ein gewaltiger Gebäude-Komplex, umgeben von einem Wasserring.

Annett beteiligte sich an der täglichen Tai-Chi-Übungsstunde, die in der Gartenanlage vor unserem Gebäude jeden Morgen um 7 Uhr stattfand. Das tat ihr gut und war bestimmt eine sinnvolle Ergänzung zur Behandlung der kranken Schulter.

WiFi fanden wir in der näheren Umgebung unserer Wohnung an drei Lokalitäten. Die nächstgelegene Quelle lag im selben Haus, nur zwei Stockwerke tiefer. Ich konnte das Netbook dort auf einem Kasten abstellen und in Ruhe arbeiten. Solange kein Sturm aufkam oder gar eine Gewitterschauer niederging. Dann war es vorbei mit dem Arbeiten. Denn der Regen setzte auch meinen Arbeitsplatz vollständig unter Wasser. Und wir erlebten so einige Regenschauer während unserer Tage in Petaling Jaya.

Wenn es nicht regnete, waren es die Mücken, die einem in Intervallen ab dem frühen Abend stark zusetzten. Tagsüber ließen mich die Mücken in Ruhe. Doch da blendete mich das helle Tageslicht so stark, dass ich auf dem Bildschirm kaum etwas lesen konnte. Es geht doch nichts über einen Internetzugang in Mücken-freien, geschlossenen Räumen mit Klimaanlage.

Am Montag, den 17.07., hatte Annett um 9 Uhr wieder einen Termin im Krankenhaus zur Fortsetzung der Behandlung der kranken Schulter. Wir wollten uns hierzu im Krankenhaus treffen: Annett wollte zur Schonung mit Bus und Bahn fahren, während ich per Fahrrad hinfahren konnte (es waren ja nur 10 km Luftlinie). Doch unabhängig voneinander erlebten wir bei der Anreise beide eine kleine Odyssee:

Unsere Gastgeberin hatte angeboten, Annett schon um 6:30 in der Frühe zur Bahnstation zu bringen. Annett war pünktlich abfahrbereit, doch unsere Gastgeberin verschlief und so wurde es dann letztendlich 8 Uhr. Und tatsächlich setzte sie Annett nicht an der Bahnstation, sondern an einer Bushaltestelle in der Nähe ab, weil ihr nun selber die Zeit fehlte. Die weitere Fahrt per Bus und Bahn dauerte dann natürlich viel länger als geplant. Und somit entstand in Summe eine massive Verspätung für die anstehende Behandlung. Im Krankenhaus angekommen, zog Annett ihre Wartenummer:  2078. Auf der Tafel wurde gerade die 1115 angezeigt. Oh je, das sah nach einer langen Sitzung aus.

Ich suchte unterdessen seit über einer Stunde nach einem sicheren Abstellplatz für mein Fahrrad, denn ich hatte dummerweise den Schlüssel für mein Fahrrad-Schloss vergessen. Das Fahrrad unabgeschlossen am Hospital abzustellen, kam nicht in Frage, auch wenn mir das Personal versicherte, dass hier kein Bike gestohlen würde. Ich suchte das gesamte Viertel nach einem geeigneten Ort ab, doch ohne Erfolg. Schließlich zeigte mir ein Mitarbeiter im Hospital ein einsames Treppenhaus. Dort stellte ich das Rad dann ab, wenn auch mit einem unguten Gefühl.

Irgendwie trafen wir uns dann im Krankenhaus mehr zufällig auf dem Flur und um 12 Uhr war Annett dann auch an der Reihe. Das ging ja doch schneller, als die Wartenummer befürchten ließ: es waren nur 87! Personen vor Annett in der Warteschlange und die verteilten sich auf mehrere Ärzte.

Der Arzt verordnete Physiotherapie, erster Termin in 2 Wochen. Wir intervenierten sofort, denn zu diesem Zeitpunkt wäre unsere maximal erlaubte Aufenthaltsdauer von 90 Tagen für Malaysia bereits abgelaufen. Daraufhin bekam Annett zwar einen Termin für Freitag, aber der Arzt machte sofort deutlich, dass erfahrungsgemäß zwischen 6 Monaten und einem Jahr Schonung erforderlich sei, um eine Heilung zu erwirken. Und Fahrradfahren ginge gar nicht in dieser Zeit.

Wir fragten noch, ob nicht auch über eine weitere Behandlung abgeklärt werden müsse, ob die Verletzung überhaupt ohne Operation verheilt. Da verwies der Arzt direkt auf die Privat-Medizin und machte deutlich, dass aus seiner Sicht weitere Schritte nicht in Betracht kommen. Er schrieb uns eine Überweisung und die Behandlung war beendet.

Bei uns machte sich jetzt eine betretene Stimmung breit. Denn wir hatten ja erst vor einigen Tagen 3 Flüge gebucht und die nächsten 10 Monate unserer Reise fertig geplant (nach Malaysia > 30 Tage Indonesien > 3 Monate Australien > 3 Monate Neuseeland > 3 Monate Australien). Jetzt drohte unsere Planung wie eine Seifenblase zu zerplatzen. Denn wir mussten ab jetzt irgendwie „Schonung“ organisieren. Wir waren frustriert.

Neben der Option, die Reise hier in Kuala Lumpur abzubrechen und in die Heimat zu fliegen, schossen uns jetzt noch weitere Alternativen durch den Kopf: Ein erneuter dreimonatiger Aufenthalt hier in Malaysia nach 30 Tagen in Indonesien oder sogar 3 Monaten in Singapur waren denkbar.

Doch dafür müssten wir zunächst die drei gebuchten Flüge stornieren. Immerhin ging es um ca. 1000 €, die wir ja schon bezahlt hatten bei der Buchung übers Internet. Ich recherchierte auf den Seiten der Fluglinien, doch das Ergebnis war ernüchternd: den Flug von Bali nach Australien konnte man nicht stornieren und von dem Flug-Paket Australien-Neuseeland-Australien war lediglich ein Flug stornierbar (die Frist für den anderen Flug war schon abgelaufen). Also kam eine Routen-Änderung wohl doch nicht in Betracht, denn wir wollten keine 1000 € verfallen lassen.

Am Freitag hatte Annett ihren ersten Termin zur Physiotherapie. Ich hatte die Befürchtung, der Therapeut stellt nach wenigen Minuten fest, dass es aussichtslos ist, weil nur ein regelmäßiges Training im Krankenhaus eine Heilung erwirken würde.

Doch es kam ganz anders. Er prüfte Arm und Schulter und zeigte Annett einzelne Übungen an den therapeutischen Gerätschaften. Danach durfte sie fleißig trainieren. Eine Stunden lang. Und sie fühlte sich gut dabei.

Das war es! Das war der Durchbruch. Annett hatte den Eindruck, endlich in den richtigen Händen zu sein. Ab heute sollte sie all diese Übungen täglich in Eigenregie ausführen. Sie bekam noch ein Thera-Gymnastikband mit auf den Weg und es blieb bei diesem einen Termin.

Wir waren erleichtert. Unsere Befürchtung, die Reise abbrechen zu müssen, war wie weggeblasen. Wir konnten weiterfahren. Natürlich in Piano! Denn Schonung war nach wie vor notwendig, um die Heilung zu unterstützen. Aber die Übungen waren der Bringer. Es gab einen Lichtblick, eine Hoffnung.

Seit 3 Wochen hätte Annett über solche Übungen schon an ihrer Heilung arbeiten können. Zu dumm, dass erst 2 Arzt-Konsultationen und 3 Wochen sinnloses Warten vergehen müssen, bis man ihr die richtige Behandlung zukommen ließ.

Donnerstag, 27.07.17

Nach einer herzlichen Verabschiedung fuhren wir ins Stadtzentrum von Kuala Lumpur. Von dort wollten wir bis Putrajaya trampen. Das Radfahren mussten wir für die nächsten Wochen auf ein absolutes Minimum reduzieren, um den Heilungsprozess in der Schulter nicht zu gefährden.

Und wie schon gewohnt, dauerte es sehr lange, bis ein Fahrzeug hielt. Diesmal war der Fahrer ein taubstummer Speditionsfahrer. Wir verständigten uns per Papier und Kuli über Reiseziel und Preis und auf unserem Weg fuhr er insgesamt 5 seiner Stationen ab und lieferte dort seine Ware aus. So dauerte diese Tour ungewöhnlich lange. Aber es ging immer noch schneller und deutlich leichter, als per Fahrrad.

In Putrajaya besichtigten wir die gewaltige Putra Moschee (leider verwehrte man uns den Eintritt, weil wir keine Muslime waren) und ließen den außergewöhnlichen Flair dieser Stadt („City in a Garden“) auf uns wirken. Es ist keine normale Stadt, sondern hauptsächlich der Sitz der meisten Ministerien des Landes. Direkt gegenüber der Putra Moschee befindet sich auch der Amtssitz des Premierministers. Und sogar der König unterhält hier neben seinem Sitz in Kuala Lumpur (Istana Negara) eine zweite Residenz (Melawati Palace).

Zwischen den Ministerien liegen große gepflegte Parkanlagen mit künstlich angelegten Gewässern. Alles hier wurde mit sehr viel Respekt vor der Natur gestaltet, wirkt aber dennoch sehr künstlich: die Straßenführung, die riesigen Verteilerkreise und die Squares. Straßen-Restaurants und Cafes sucht man vergebens. Man trifft auch keinen Menschen und kaum Verkehr auf den allermeist mehrspurigen Straßen. Es ist halt keine natürlich gewachsene Stadt, sondern eine Zeichenbrett-Konstruktion aus den letzten Jahren.

Kanusport in Putrajaya:    Clip

Durch das Besichtigungs-Verbot in der Moschee waren wir mit der „Stadt“ schneller fertig und fuhren wieder raus bis zum Autobahn-Zubringer. Und zufällig stand direkt an der Auffahrt ein Pickup auf dem Standstreifen. So eine Gelegenheit hat man selten. Ich sprach den Fahrer an, ob er uns denn mitnehmen könnte. Klar, kein Problem. Bis Seremban würde er fahren. Das ging ja erstaunlich einfach dieses Mal.

Tatsächlich fuhr er uns dann bis kurz vor Melaka und arrangierte über unseren geplanten Warmshowers-Kontakt in Melaka noch unsere Abholung. Wir hatten vor Tagen zwar den 29.07. als Ankunftstag angekündigt, doch für unseren Gastgeber war das kein Problem, wenn wir jetzt früher eintrafen.

Auf der Heimfahrt bot er uns auch direkt den Aufenthalt in seinem Haus für die kommenden Tage bis zur Überfahrt nach Indonesien am 01.08. an, ohne dass wir ihn danach gefragt hatten. Und wieder waren wir sprachlos.

Selten klappten die einzelnen Aktionen an einem einzigen Tag alle miteinander so glatt und reibungslos wie heute. Das war schon ein besonderer Tag. Und für die Schonung der kranken Schulter war es sehr gut.

Freitag, 28.07.17 – Dienstag, 01.08.17

unsere Unterkunft in MelakaIn unserer Warmshowers-Unterkunft waren außer uns noch ein deutsches Radler-Pärchen und ein Malaie mit seinem Liegerad untergebracht. Und unser Gastgeber war stolz darauf, in diesem Bungalow noch viel mehr Reisende aufnehmen zu können. Alleine Zimmer mit richtigen Betten waren für 12 Personen vorhanden, daneben gab es auf beiden Ebenen noch Platz für viele weitere Gäste. Das ganze Anwesen hatte 390 m² Wohnfläche, die Terrasse nicht mitgerechnet. Und im Erdgeschoss hing eine Pinwand mit all den vielen Fotos der Gäste, die schon hier waren.

Dem deutschen Pärchen hatten sie vor einigen Tagen Geld und Kreditkarte gestohlen. Da kamen wir wie gerufen und konnten den beiden mit unserem Bankzugang aushelfen.

Maritime Museum in MelakaUnser Gastgeber fuhr uns per Auto die immerhin 15 km bis ins Zentrum von Melaka, wo wir den ganzen Tag verbrachten. Im Hafen kauften wir uns zunächst unsere Fähr-Tickets für die Überfahrt von Melaka nach Dumai auf der indonesische Insel Sumatra (310 RM = 66 € incl. der Fahrräder). Direkt am Hafen befindet sich auch das Maritime Museum incl. einem alten Segelschiff mit drei Masten und Takelage.

Unweit davon steigt man auf einen Hügel zu alten Ruinen: dem St. Paul´s Hill. Wem diese Anhöhe noch nicht ausreicht, um einen tollen Blick über die Stadt zu genießen, der lässt sich am Taming Sari Tower in einem drehenden Rundell hochfahren auf 80 Meter Höhe.

Der Taming Sari Tower:    Clip

Wir schlenderten auch durch die historischen Sträßchen um die Jonker Street: viele alte chinesische Wohnhäuser und einige Gebäude aus der Kolonialzeit geben diesem Viertel einen besonderen Flair. Das wissen natürlich auch alle Reiseleiter und dementsprechend wimmelte es hier nur so vor Touristen.

Streetfood in Melaka:    Clip

Und immer wieder trifft man auf einen der vielen chinesischen Tempel und erlebt die Zeremonien der Äbte. Auch einige Ruinen aus den unruhigen Zeiten des Mittelalters entdeckt man auf einem Rundgang durch die Stadt. Die Portugiesen und auch die Holländer waren hier.

Ein besonderes Merkmal von Melaka sind die aufgedonnerten Rikschas, die mit viel Plüsch und Zierde zu regelrechten Fantasie-Kutschen hergerichtet wurden. Die meisten bieten Musikbeschallung mit viel Bass, ein schillerndes Sonnendach und viel Aufsehen, während man als Tourist im Rahmen einer einstündigen Tour an den Sehenswürdigkeiten der Stadt und so mancher Souvenirbude vorbeigefahren wird.

Die Rikschas in Melaka:    Clip

Mit der bestellten Bluse für Annett lief es dagegen nicht so rund: es gab immer noch keine Veränderung im Lieferstatus zu sehen, obwohl wir jetzt schon drei Wochen auf die Auslieferung gewartet hatten. Am 31.07.17 erhielten wir auf Anfrage dann eine Mail: Sorry, die Bluse ist leider nicht mehr lieferbar. Der Shop bot uns die Stornierung des Auftrages bei Rückzahlung des vollen Kaufbetrages an. Es ärgerte uns zwar, dass sie das erst bemerken, wenn man sich nach drei Wochen mal mit einer Anfrage zum Liefertermin meldet, doch wir nahmen ihr Angebot an und stornierten den Auftrag. Leider rächte sich jetzt aber die Bezahlung per fremder Kreditkarte. Weil unsere Kreditkarte von der malaysischen Shop-Website nicht akzeptiert wurde, hatten wir vor drei Wochen ja per Kreditkarte eines Nachbarn bezahlt. Auf dessen Konto sollte nun auch die Rückerstattung laufen. Toll gelaufen. Also gab es jetzt kein UV-Shirt für Annett und stattdessen durften wir unserem Geld hinterherlaufen.

Wir versuchten auch noch, in Dumai, unserer ersten Stadt auf Sumatra, eine Übernachtung bei einem Warmshowers-Kollegen zu organisieren. Doch Fehlanzeige: 2 Kollegen waren nicht in der Stadt und einer meldete sich nicht.

Mittwoch, 02.08.17

Unser letzter Tag in Malaysia. Um 10 Uhr legt die Fähre ab, um 9 Uhr sollen wir mit unseren Rädern spätestens am Ausreise-Terminal eintreffen. Doch von unserer Unterkunft bis zum Fährhafen hatten wir 16 km Weg und einige Höhenmeter vor uns.

Weil wir wussten, dass das sportlich würde, hatten wir uns den Wecker auf 5 Uhr gestellt. Und pünktlich zum Wecker-Schellen zog ein Gewitter auf, das mit mehrstündigem Starkregen daher kam. Warum ausgerechnet an diesem Morgen? Die Regenschauer dauerten sonst in der Regel maximal 2 Stunden. Diesmal regnete es deutlich länger, ununterbrochen.

Es blieb uns nichts anderes übrig, als unsere Regenkleidung anzulegen, so sehr wir in dieser tropischen Hitze jetzt auch schwitzten. Um die Zeit wieder rein zu holen, versuchte ich zu trampen, aber das ging schief. Kein Wagen wollte halten. Ist ja auch unangenehm, bei Regen anzuhalten und 2 Radler mit Gepäck aufzunehmen. Also bissen wir auf die Zähne und gaben Gas. Um 9:20 erreichten wir den Fährhafen. Gut, dass wir unsere Fährtickets schon vor einigen Tagen gekauft hatten. So konnten wir jetzt direkt zum Ausreise-Schalter durchlaufen.

Gepäck von den Rädern, scannen und wieder aufsatteln, Pass abgeben, Zeigefinger scannen, Stempel in den Pass, fertig war die Ausreise. Schnell raus zur Fähre. Wir dachten an eine der üblichen Großfähren für alle Verkehrsteilnehmer. Doch tatsächlich handelte es sich lediglich um eine kleine Personenfähre. Keine Rampe, nur eine steile, rutschige Treppe aus Beton führte aufs Boot.

Das bedeutete für uns, Gepäck von den Rädern und alles einzeln aufs Schiff tragen, auch die Fahrräder. Unsere Packtaschen nahm das Schiffspersonal entgegen. Wie freundlich und hilfsbereit. Wenn wir da gewusst hätten, dass sie unsere Packtaschen im Gepäckabschnitt unter Deck in hohem Bogen über die anderen Koffer werfen würden, hätten wir doch lieber alles selber reingetragen.

Trotzdem waren wir erleichtert, dass doch noch alles reibungslos geklappt hatte. Und ich freute mich auf ca. 3 Stunden störungsfreies Arbeiten am Netbook. Solange würde die Überfahrt nach Dumai auf der indonesischen Insel Sumatra dauern. Doch da machte mir der hohe Seegang einen gehörigen Strich durch die Rechnung:

Die Fähre legte ab und gab Gas. Richtig Gas. Und kaum hatten wir den Hafen von Melaka verlassen, schaukelte das Schiff in alle Richtungen durch den hohen Wellengang. Die Gischt spritzte und der Bug tanzte in den Wellen. Wir suchten uns schnell einen dauerhaften Blickkontakt zum Horizont, um nicht seekrank zu werden. Und das Schreiben am Netbook, das konnte ich da mal ganz schnell vergessen.

Fähre Melaka – Dumai:    Clip1    Clip2

Beim Blick in die tobenden Gischtberge erinnerten wir uns auch der vielen Berichte über Fährunglücke in asiatischen Gewässern aufgrund technischer Mängel und veralteter Fähren. Und da hofften wir darauf, dass unsere Überfahrt doch bitte ohne Zwischenfälle von statten ginge.

Weiter geht es im Bericht „Indonesien 2017“.

Resume

Die drei Monate Visums-freier Aufenthalt in Malaysia gaben uns den Spielraum, neben der Erkundung des Landes per Fahrrad eine zielführende Behandlung von Annetts Schulterschmerzen in die Wege zu leiten. Auch die Umstellung unserer Büroarbeit vom Smartphone auf das neue, alte Netbook und der Nachholbedarf bzgl. Blog und heimischer Büroarbeit forderten enorm viel Zeit.

Geradelt sind wir auf dem westlichen Teil Malaysias, der Malaiischen Halbinsel, durch die Staaten Perlis, Kedah, Perak und Selangor.

Die Straßen haben meist guten Asphalt, immer wieder unterbrochen durch sehr rustikale Passagen, die für uns Radfahrer mit Gepäck stellenweise sehr unangenehm waren. Ausweichen ist meist nicht möglich, das verbietet der dichte Verkehr. In den Städten sind die kleineren Seitenstraßen manchmal neu geteert, aber auf den Hauptverkehrswegen lauern abgrundtiefe Löcher und versunkene Gullideckel.

In und um Kuala Lumpur ist es immer leicht hügelig. Da kommen schleichend ganz schön viele Höhenmeter zusammen. Aber in der Hauptstadt geht es alleine schon deshalb immer auf und ab, weil es sehr viele Autobahn-ähnliche Kreuzungen gibt, wo es entweder 20 m hoch oder 10 m runter geht.

Der Verkehr in Malaysia ist sehr gefährlich. Die Autos halten wenig Seitenabstand, die vielen, vielen Motorroller brettern mit enormen Geschwindigkeiten und extrem wenig Seitenabstand an einem vorbei und die vielen Unfälle zeigten uns, dass wir höllisch aufpassen mussten. Wir sind alleine in den ersten 10 Tagen an 3 frischen Unfällen vorbeigeradelt, wo die Motorroller gerade mit Autos kollidiert waren.

In KL gibt es auch separate Fahrbahnen für Zweiradfahrer. Die empfand ich aber stellenweise noch gefährlicher als die Straßen. Denn hier fuhren die motorisierten Zweiradfahrer noch dichter an uns vorbei. Und es waren immer hunderte unterwegs.

Trampen war sehr schwierig in Malaysia. Es gibt kaum Pickups oder leere LKWs. Da mussten wir stets ungewöhnlich lange ausharren am Straßenrand. Aber wenn dann einmal jemand hielt und uns mitnahm, dann entwickelte sich während der Fahrt eine unglaubliche Begeisterung für unsere Reise. Nicht selten wurden wir dann eingeladen zu Getränken oder sogar einem Besuch ins Restaurant oder sie fuhren unseretwegen weiter, als sie für sich geplant hatten.

Im Einzugsgebiet von KL war die Orientierung per elektronischer Karte und GPS nicht immer einfach. Denn es gibt extrem viele Autobahn-ähnliche Mammut-Kreuzungen und -Verzweigungen und oftmals eine Straßenführung in mehreren Ebenen übereinander. Der Beschilderung zu folgen, war schwierig, wenn man die Lage der einzelnen Stadtteile nicht aus der eigenen Karte erfassen konnte. Wir mussten hinter der Kreuzung dann einige Male gegen den Verkehr zurückradeln, weil wir die falsche der 3 oder 4 Abzweigungen gewählt hatten.

Überall im Land wird die Einhaltung der maximal vorgeschriebenen Geschwindigkeit durch Schikanen auf der Fahrbahn erzwungen. Auf Abfahrten und vor Kurven haben sie mit dicken Kunststoffstreifen aus der Straßendecke über lange Strecken ein regelrechtes Waschbrettprofil gemacht. Da wird man als Radfahrer ganz schön durchgeschüttelt. Ist auch bestimmt nicht gut für Fahrrad und Packtaschen-Halterungen.

Die Bevölkerung setzt sich zusammen aus 50 % Malaien, 24% Chinesen, 7% Indern und den Ureinwohnern. Und alle Einwanderer haben ihre Religion mitgebracht. Die Staatsreligion ist zwar der Islam, doch sehr oft findet man in den Städten dicht nebeneinander einen daoistischen (Buddhismus-nahe Religion aus China) Tempel, einen Hindu-Tempel und manchmal auch einen Gurudwara (die Gebetsstätte der Sikhs) oder eine christliche Kirche.

Die islamischen Moscheen sind natürlich am häufigsten anzutreffen. Architektonisch sind die allermeisten, im Gegensatz zu den Tempeln der Hindus und Buddhisten eher schlicht gehalten: eine quadratische Halle mit Flachdach, mittiger Kuppel und 4 kleinen Ecktürmchen und ein nicht besonders hohes Minarett dicht dabei. Manchmal wird auch ein ehemalig profanes Gebäude als Moschee genutzt.

Auch die Friedhöfe der verschiedenen Religionen sind sehr sehenswert: ein chinesischer Friedhof nimmt enorme Ausmaße an; die Gräber beanspruchen meist um die 10 m². Die Gräber auf muslimischen Friedhöfen stehen dagegen sehr dicht bei einander und bestehen lediglich aus einer Steinsäule mit Inschriften, die Buddhisten bewahren die Asche ihrer Verstorbenen in Urnen auf, die im Tempel meist in einer Regalwand aufgereiht stehen.

Den islamischen Fastenmonat Ramadan haben wir in Malaysia deutlich ausgeprägter wahrgenommen als in 2016 im Iran. Hier war tagsüber in Gegenden mit überwiegend islamischer Bevölkerung alles menschenleer, wie in einer Geisterstadt. Alle Läden und Restaurants waren geschlossen, es gab keine Marktstände und auch keine Straßenküchen. Doch um 17 Uhr ist dann plötzlich Rushhour. Alle Muslime tummeln sich auf den Straßenmärkten und kaufen wie wild ihre Speisen für die Phase von 19 Uhr bis 5 Uhr in der Frühe.

Wir waren zu Gast bei islamischen Familien und erlebten die Vorbereitungen zum Pflichtgebet, die Besonderheiten im Ramadan und die Esskultur der Muslime in Malaysia. Genauso erlebten wir die Puja im Hindu-Tempel und die Zeremonien in den chinesischen Tempeln. Wir waren zu Gast in christlichen Gemeinden und besuchten Gurudwaras. In keinem unserer bisherigen Reiseländer erlebten wir derart breit gefächerte kulturelle Vielfalt wie in Malaysia.

Doch die Suche nach einem Schlafplatz in einem Tempel war in Malaysia deutlich schwieriger als in Thailand oder Laos. In den Hindu-Tempeln waren die Chancen im Norden des Landes noch am größten. Weiter südlich stiegen die Chancen für einen Schlafplatz bei einer Moschee, was im Norden überhaupt nicht klappte.

Zur Zeit des Fastenmonats Ramadan wurde es abends auch immer sehr spät mit einer Erlaubnis zur Übernachtung bei einer Moschee. Die Gebete fanden dann von 19 Uhr bis um ca. 23 Uhr mit nur kurzen Unterbrechungen statt. Erst danach konnten wir in der Regel unsere Matten ausbreiten.

Allerdings ist es immer sinnvoll, darum zu bitten, dass auch das Sicherheitspersonal der Nachtschicht Infos über die Genehmigung der Übernachtung erhält, weil sonst nachts möglicherweise die gleiche Genehmigungs-Prozedur erneut abgespielt wird, sobald der Wachdienst einen entdeckt hat. Das kann sehr nervig werden.

Wegen dieser schwierigen Umstände verlagerten wir sehr schnell unsere Suche nach einer Unterkunft auf die privaten Übernachtungs-Netzwerke Warmshowers und Couchsurfing. Doch auch hier lief es zumindest im Ramadan nicht wirklich rund. Viele Gastgeber sind dann auf Reisen oder bei ihren Familien, also in anderen Städten. Nach Ende des Ramadan verlief die Suche aber wieder einfacher und die Trefferquote stieg.

Wir hatten bisher wegen der Schlangen bewusst auf das Zelten verzichtet in Südostasien. Rettungsdienst, Polizei und Schulen hatten uns die Einheimischen noch als Schlafplätze empfohlen. Doch dort zu fragen, war hier in Malaysia nur Zeitverschwendung.

Die Währung ist der Ringgit. Oft sagen sie auf dem Markt in Anlehnung an die ehemalige Währung „one Dollar“, meinen aber 1 Ringgit ( 4,7 Ringgit = 1 € (2017)).

Die Bargeld-Beschaffung am ATM kostet zwischen 10 Ringgit (CimbBank) und 0 Ringgit (MayBank und OCBC Bank).

Internet über WiFi fanden wir ohne Probleme, solange wir uns in Städten aufhielten. Allerdings mit deutlichen Unterschieden in der Verbindungs-Qualität und der Datenvolumina. In manchem Mammut-Hotel standen lediglich 3-5 Mbpt/s zur Verfügung, dagegen bot ein kleines Straßenrestaurant in der Stadt Klang 40 Mbpt/s Datenrate. Dabei ist das Netz nicht sehr stabil: immer wieder fällt die Verbindung für einige Minuten oder auch länger aus. Das erzeugte so manche Error-Meldung beim Seitenaufbau oder beim Hochladen eines Updates auf unseren Blog.

Telefonieren ist relativ teuer in Malaysia. Nicht wegen der Preise, sondern wegen der begrenzten Gültigkeit des Guthabens. Das Startguthaben ist nur 10 Tage gültig, danach ist man nur noch passiv erreichbar. Eine Aufladung um 10 Ringgit ist dann wieder nur 10 Tage gültig (und diese Konditionen gelten bei allen Providern). Somit muss man ständig neues Guthaben aufladen, um das Handy aktiv nutzen zu können, auch, wenn man mit viel weniger Guthaben auskäme.

Tipp: Neben den bekannten Providern Digi, Maxis, CelCom und UMobile gibt es einen relativ unbekannten Anbieter namens „Friendi“, bei dem 60 Tage bis zum Ablauf zur Verfügung stehen. Und für die Verlängerung um weitere 60 Tage reicht es, wenn man am letzten Tag eine SMS sendet oder ein Telefonat tätigt. Damit hebt sich dieser Anbieter deutlich von der Konkurrenz ab. Er ist nur sehr unbekannt, weil er kaum Werbung schaltet. Wir erfuhren auch erst nach 2 Monaten Aufenthalt in Malaysia von seiner Existenz.

Malaysia hat so viele Feiertage, wie kaum ein anderes Land auf unserer Erde. Und daraus ergeben sich bis zu 63 arbeitsfreie Tage im Jahr. Unter diesen Anlässen sind viele religiöser Feste. Das bringen die im Land vertretenen Religionen mit sich. Die wichtigsten Feste:

Der Geburtstag des Mohammed (ein islamischer Feiertag, der allerdings von den beiden Glaubensrichtungen (Sunniten und Schiiten) an unterschiedlichen Tagen begangen wird)
Hari Raya (Muslime feiern hiermit über drei Tage das Ende des alljährlichen Fastenmonats Ramadan)

Das Chinesische Neujahrsfest (ist für die in Malaysia lebenden Chinesen das wichtigste Fest und dauert 15 Tage)

Das Thaipusam Fest (ein dreitägiges Fest der Hindus zu Ehren der Gottheit Murugan)
Wesak Day (der höchste Feiertag der Buddhisten: Buddhas Geburtstag und seine Erleuchtung werden hier gefeiert)

Dabei werden die islamischen Feste landesweit gefeiert, wogegen Feste der anderen Religionen teilweise lediglich regional ausgetragen werden.

Schlangen trifft man nicht nur im Schlangentempel auf Penang, sondern auch mal in der freien Natur. Auch giftige Kobras tauchen schon mal auf.

Mit den Ameisen ist es ähnlich wie in Laos, Kambodscha und Thailand: kaum riechen sie Nahrungsmittel in ihrem Revier, organisieren sie Ameisenstraßen quer durch Häuser und Wohnflächen und zerlegen alles Essbare in kleine Bröckchen. Eine Plage. Wohl dem, der dichte Fahrrad-Packtaschen besitzt.

Das Klima in Mai, Juni und Juli war sehr heiß und schwül. Wir hatten dabei stets eine hohe Luftfeuchtigkeit. Das war sehr schweißtreibend. Nachmittags gab es häufig Gewitter, oft mit heftigem Starkregen.

Zur Insel Penang im Westen:

2 Brücken verbinden die Insel mit dem Festland, doch Radler müssen die Fähre nehmen. Es gibt viele Sehenswürdigkeiten, vor allem in der Stadt George Town und ihrer Umgebung: ausgefallene Moscheen, Tempel und alte Gebäude aus der Kolonialzeit, Gemälde an den Häuserfassaden und ausgefallene Architektur bei den vielen Wolkenkratzern in dem riesigen Ballungsgebiet.

Die Insel ist sehr dicht besiedelt östlich der Berge und aus Platzgründen baut man in die Höhe. Die Skyline erinnert an Manhattan. Der Verkehr auf der Insel ist fürchterlich. Ohne Unterbrechung rollt die Blechlawine über die Hauptstraßen, ständig gibt es Staus, die Ampelphasen zwingen an manchen Stellen zu Wartezeiten von mehr als 2 min und das Unfallrisiko ist für Zweiräder sehr hoch.

Es gibt sehr viele Einbahnstraßen in George Town, da fährt man als Radler so manchen Umweg, um ans Ziel zu kommen. Viele schöne Alleen mit sehr alten Bäumen bekommt man zu Gesicht. In der Straße Jalan Batu Gantung im Westen von George Town haben einige Baumstämme einen Durchmesser von mehr als 4 Metern. Das ist schon gewaltig.

Penang ist sehr touristisch. Da ist es schwierig, ein ruhiges Plätzchen zu finden. Bei den Stränden ist uns das dennoch gelungen: in der Moonlight-Bay im Norden 1 km östlich von Batu Feringhi hatten wir den Strand für uns alleine.

Länger als 5 Tage haben wir es auf der Insel wegen dem Tourismus nicht ausgehalten, aber eine Reise ist sie auf jeden Fall wert.

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