Laos 2017

Am 12.01.17 sind wir, von Thailand kommend, nach Laos eingereist. Zunächst wollten wir uns in der Hauptstadt Vientiane die Visa für Kambodscha und den zweiten Aufenthalt in Thailand besorgen. Danach war geplant, am Mekong entlang über Pakxan, Thakhek, Pakse und Khong Island Richtung Kambodscha zu fahren.

Einen Abstecher nach Luang Prabang im Norden hatten wir in Erwägung gezogen, später aber wieder verworfen wegen der mühsamen, zeitaufwändigen Anfahrt samt 30 km Aufstieg in die Berge.

Donnerstag, 12.01.17

Nach den üblen Erfahrungen an den beiden Grenz-Übergängen Pan Du Pu (hier gab es kein Visum-on-Arrival) und Huai Khon (hier war die Einreise per Fahrrad seit einigen Monaten verboten) waren wir überrascht, wie einfach und schnell die Visa-on-Arrival-Abwicklung an der laotischen Grenze von statten ging.

Und die Einreise per Fahrrad war entgegen aller Befürchtungen überhaupt kein Problem. Der laotische Grenzer in Huai Khon hatte ja von einem “landesweiten“ Einreise-Verbot für Fahrräder gesprochen. Dem war glücklicherweise nicht so.

Wir beschafften uns Geld in der Landes-Währung “KIP“ und eine SIM-Karte. Dann fuhren wir die 20 km bis zur Hauptstadt Vientiane. Die letzte Stunde Tageslicht nutzten wir noch zur Überprüfung der Botschafts-Adressen für die anstehende Visa-Beschaffung morgen. Danach fragten wir in einem Tempel nach einem Schlafplatz. Doch das lief ganz anders als in Thailand: die Mönche wiesen uns ab; im Tempel könnten wir auf keinen Fall schlafen.

Nach 4 Tempeln gaben wir auf und suchten einen Platz fürs Zelt. Und dann klappte es doch noch: in einem 5. Tempel auf dem weiteren Weg fragten wir doch noch einmal und durften tatsächlich bleiben.

Aber es gab lange Diskussionen unter den Mönchen, bevor die Erlaubnis erteilt wurde: ob wir auch wirklich nur eine Nacht bleiben, wann wir denn aufstehen würden und ob Männlein und Weiblein denn gemeinsam in einem Raum übernachten dürften, obwohl weiblichen Personen eine Übernachtung im Tempel eigentlich gar nicht erlaubt ist.

Freitag, 13.01.17

Für die Beantragung unserer Visa für Kambodscha fuhren wir frühzeitig zur Botschaft, weil wir lange Wartezeiten vermeiden wollten. Doch das hätten wir uns sparen können. Wir waren die einzigen am Visa-Schalter. Unsere Unterlagen waren vollständig und die Abwicklung dauerte keine 3 min. Heute um 16 Uhr könnten wir die Pässe samt Visa abholen. Wir waren baff. Wir hatten mit 3 Tagen Bearbeitungszeit gerechnet. So stand es nämlich auf der Website der Botschaft.

Dann fuhr ich zur thailändischen Botschaft und holte die aktuell gültigen Visa-Antrags-Vordrucke. Die Download-Version im Internet war nämlich nicht mehr aktuell. Beantragen konnten wir unser Thailand-Visum heute aber nicht mehr, denn unsere Pässe befanden sich ja bis heute Nachmittag in der kambodschanischen Botschaft. Und weil heute Freitag war, mussten wir die Abgabe der Anträge bei der thailändischen Botschaft auf kommende Woche verschieben.

Die Beschaffung der Visa für unseren zweiten Thailand-Aufenthalt wäre später auch in Phnom Penh in Kambodscha möglich, doch in Vientiane war es deutlich einfacher laut der Erfahrungsberichte im Internet.

Jetzt hatten wir Zeit für die Besichtigung der vielen Sehenswürdigkeiten in der Stadt:
Wir besuchten Vat Sisaket, That Dum Stupa, Pha That Luang und einige weitere Tempel in der Innenstadt. Den Sonnenuntergang genossen wir dann am Ufer des Mekong, nahe bei der Chao Anouvong Statue.

Samstag, 14.01.17 – Montag, 16.01.17

Um die Wartezeit über das Wochenende sinnvoll zu nutzen, machten wir einen kleinen Abstecher in den Norden von Vientiane. Weit kamen wir allerdings nicht. Das ließen die Hitze und die stellenweise steilen Anstiege nicht zu. Wir fuhren über Tha Ngon, Ban Hadikieng, Ban Keun, den Lake Nam Ngum, Thinkeo, Ponghong und wieder zurück nach Vientiane.

Fähre Ban Keun:   Clip

Auf dieser Strecke gab es zwar keine spektakulären Sehenswürdigkeiten, doch wir erlebten schon laotische Kultur in Hülle und Fülle:

Entlang der Straße zwischen Tha Ngon und Ban Hadikieng wurde Khao Larm (Klebereis im Bambusrohr) am Holzfeuer gegart und dann frisch verkauft. Es schmeckt nicht nur superlecker, sondern man erlebt hier auch gleich die Zubereitung.

Bambus ist überhaupt ein Universal-Werkstoff hier in Laos (aber nicht nur hier). Es dient als Baumaterial, Bastelwerkstoff, Werkzeug, Nahrungsmittel, usw. Immer wieder findet man neue Produkte aus Bambus in den kleinen Läden an der Straße oder in den Tempeln.

Webstuhl aus Bambus:   Clip

Die Landschaft entlang der Straße war ab der Maliny Bridge sehr hügelig und steigerte sich bis kurz vor Thinkeo zu einer sehenswerten Dschungel-Kulisse. Hinter Thinkeo führte die Straße dann für 6 km über eine rotbraune, buckelige Lehmpiste weiter. Sehr abenteuerlich, auch wenn wir bei dieser trockenen Hitze “nur“ roten Staub schlucken mussten.

Bei Regenwetter verwandelt sich der Weg bestimmt in eine üble Schlammtrasse. Dann wird das Radeln hier um ein ganzes Stück schwieriger. Da war uns der Staub natürlich noch lieber.

Die Suche nach einem Schlafplatz im Tempel blieb auch weiterhin schwierig, obwohl wir nicht mehr im Einzugsgebiet der Hauptstadt unterwegs waren. Oft wurde es vom Abt abgelehnt, obwohl einzelne Mönche uns gerne als Gäste da behalten hätten.

Am Montag Abend ließen wir uns von einem Kleinlaster bis nach Vientiane mitnehmen. Dadurch konnten wir Dienstag frühzeitig unseren Gang zur thailändischen Botschaft antreten. Und wir fanden unerwartet schnell einen Schlafplatz in einem Tempel.

Mitnahme im Pickup:   Clip

Dienstag, 17.01.17

Nach dem Frühstück (die Mönche hatten uns eingeladen) fuhren wir zur Botschaft und gaben unsere Visa-Anträge ab. Das Einreichen der Unterlagen ging sehr zügig, daher entstand durch die ca. 20 Personen vor uns keine nennenswerte Wartezeit.

Der Andrang auf dieser Botschaft muss übrigens enorm sein: es gibt über 100 Stühle für die Warteschlange. Die Behandlung war sehr freundlich, es gab sogar einen Kopier-Service. Da macht die Visa-Beschaffung richtig Spaß. Morgen um 13:30 könnten wir die Visa abholen.

Für den Rest des Tages setzten wir unsere Besichtigungstour in der Stadt fort: wir besuchten Vat Hor Phakeo und Patuxai und fanden noch weitere sehenswerte Objekte, die auf keiner Karte verzeichnet sind: z. B. ein gigantisch großer Gummibaum mit Luftwurzeln. Seine Stamm-Ausmaße lagen bei 10 x 6 m, wenn man die Luftwurzeln nahe am Stamm mitzählt.

Mittwoch, 18.01.17 – Freitag, 20.01.17

Am Mittwoch hatten wir einen Warmshowers-Kontakt hier in Vientiane für die Übernachtung. Und weil wir durch ihn Zugang zu einer großen Waschmaschine (8,5 kg Trommelvolumen) hatten, blieben wir direkt drei Nächte und wuschen unter anderem die ganz großen Teile aus unserer Ausrüstung: die Daunen-Schlafsäcke und das Mückennetz.

Durch das sonnige Wetter und das regelmäßige Aufschütteln alle paar Minuten schafften wir es tatsächlich, die Schlafsäcke in nur 2 Tagen komplett zu trocknen. Nebenher wurde repariert, genäht, geklebt, gewartet, geputzt, … es sammelt sich schnell einiges an auf so einer Reise.

Wir besuchten das große Shopping-Center, probierten die laotische Küche und holten uns Infos über die vielen Sehenswürdigkeiten auf unserer Route durch Laos. Annett besuchte noch den Friseur, bekam dort jedoch nicht die Haare geschnitten, sondern einen Kopf-Massage. Es war wohl ein Missverständnis, doch sie hatte es nicht bereut; im Gegenteil.

Riesen-Gummibaum:   Clip

Kanusport auf dem Mekong:   Clip

Samstag, 21.01.17

Auf unserem Weg aus der Stadt nutzten wir noch das Werkzeug aus einem Bike-Shop zur Reparatur unserer Fahrradbeleuchtung und zur Beseitigung der Funktion „Drehsattel“ an Annetts Fahrrad, dann verließen wir die Stadt und fuhren nach Pakxan.

Wir erreichten die Stadt am Abend und gingen direkt auf die Suche nach einem Schlafplatz. Dafür fragten wir jemanden nach den Tempeln der Stadt, bekamen im Gegenzug aber direkt das Angebot, hier im Polizei-Schulungs-Zentrum zu schlafen. Der Mann führte uns zu einem leeren Raum und klärte die Erlaubnis ab. Dachten wir zumindest.

Nach drei Stunden kamen plötzlich einige Personen und forderten uns auf, wieder zu packen. Wir könnten hier nicht bleiben. Dann gab es Diskussionen mit dem, der uns die Erlaubnis erteilt hatte. Am Ende durften wir dann doch bleiben.

Sonntag, 22.01.17

Mit etwas motorisierter Unterstützung schafften wir es bis zum Mittag bis nach Vieng Kham. Ab hier verließen wir die Hauptstraße Richtung Lak Sao.

Nach der Mittagspause im Schatten (es war die ganzen Tage eigentlich viel zu heiß zum Radeln) fuhren wir dann durch schönste Berglandschaft. Die vielen Höhenmeter bremsten uns deutlich und so kamen wir nur bis Khoun Ngeun.

Zufällig gab es hier einen Tempel und wir durften dort übernachten. Wir waren überrascht, wie selbstverständlich es hier die Erlaubnis gab. Es war zwar erst 17 Uhr, aber die Weiterfahrt durch das vor uns liegende Zivilisations-arme Gebiet wollten wir uns für morgen aufheben.

Montag, 23.01.17

Nachts hatte es stark gestürmt. Alles, was nicht befestigt war, wurde irgendwann durch die starken Windböen durch die Gegend geschleudert. Und die Mönche lassen so einiges herumstehen auf ihrem Gelände. Und dann schepperte es immer so gewaltig, als wenn Wüstlinge gerade Randale veranstalten. Für einen ruhigen Schlaf war das natürlich nicht förderlich. Da brauchen wir morgens doch etwas länger, bis wir startklar waren.

Wir fuhren weiter Richtung Lak Sao und machten hinter Khoun Ngeun einen Abstecher zur Kong Lor Cave. Diese Tropfsteinhöhle ist von beiden Seiten nur über eine Stichstraße erreichbar und liegt in 40 km Entfernung von der Hauptstraße im Inland. Wir stellten in einem Privathaus am Abzweig unser Gepäck für einige Stunden unter, denn ohne den Ballast geht das Radeln schließlich deutlich schneller.

Der Weg zur Höhle führt durch eine Ebene, die beidseitig von einer sehenswerten Bergkulisse umsäumt ist. Aber auf Dauer zieht sich die Anfahrt. Die Besichtigung der Höhle erfolgt dann per Boot und dauert ca 3 Stunden. Und am Eingang zur Höhle liegt ein schöner kleiner Badesee.

Kong Lor Cave:   Clip

Nach der Höhlenbesichtigung ließen wir uns von einem Kleinlaster mitnehmen, um rechtzeitig vor der Dunkelheit wieder bei unserem Gepäck einzutreffen. Dann suchten wir uns in tiefer Dämmerung einige km später in Nahin einen Schlafplatz. Im Tempel erhielten wir diesmal wieder eine Absage, aber privat unter einem luftigen Vordach durften wir unsere Matten hinlegen.

Dienstag, 24.01.17

Direkt hinter Nahin ging es hoch in den Berg. Sehr steil und schweißtreibend. Und hinter dem Bergkamm ging es direkt wieder steil hinunter ins Tal. Landschaftlich ist die ganze Strecke sehr reizvoll: schroffe Kalkstein-Berge zu allen Seiten und eine Dschungel-artige Vegetation begleiten einen auf dem ganzen Weg.

Wir erreichten Lak Sao, ein größeres Städtchen. Es war überraschend kalt hier: 18°C. Und es wehte ein heftiger Wind. Beim Bummel über die Marktstände musste ich tatsächlich warme Kleidung anlegen. Vor der Dämmerung suchten wir wieder in den Tempeln nach einem Schlafplatz. Und im zweiten Tempel hatten wir dann Glück: Nach mehreren Telefonaten der Mönche durch alle Instanzen kam grünes Licht: wir durften bleiben.

Eine Stunde später bekamen wir Besuch. Ein Mann schaute mit ernstem Blick auf unser Nachtlager. Er telefonierte kurz und alle Mönche kamen hinzu. Dann wurde über unsere Anwesenheit diskutiert und wieder telefoniert. Wir sahen uns schon wieder packen und nach einem anderen Schlafplatz suchen. Nach einer Viertelstunde stand dann fest: wir durften doch bleiben. Wir waren erleichtert, denn wir hatten hier unser Nachtlager schon komplett eingerichtet.

Doch der Frieden war nicht von langer Dauer. Eine halbe Stunde später kam eine weitere Person, die wohl etwas zu sagen hatte und hielt uns direkt ein Telefon ans Ohr. Am anderen Ende der Leitung war der Polizeichef. Er machte uns deutlich, dass es im Tempel viel zu gefährlich sei und wir sofort aufs Polizei-Revier kommen sollten. Dort hätte man einen sicheren Schlafplatz für uns.

Wir wollten zwar nicht mehr umziehen so spät am Abend, aber der Polizei-Chef ließ uns keine Wahl. Mit Eskorte ging es dann um 21 Uhr zum Polizei-Revier.

Dort hatten wir dann tatsächlich nach einer weiteren Stunde unsere Ruhe. Zum ersten Mal überlegten wir, ob wir von der Schlafplatzsuche in den Tempeln nicht doch besser Abstand nehmen sollten hier in Laos (obwohl uns die Einheimischen und viele Radreisende immer wieder die Tempel empfohlen hatten).

Mittwoch, 25.01.17

Wir verließen Lak Sao Richtung Süden und freuten uns über den Rückenwind. So kamen wir gut voran. Unser Weg führte bis Gnommalat über einen 2013 angelegten Stausee: “Nam Theun Dam“. Von den überfluteten Wäldern stehen heute nur noch die kahlen Stämme der abgestorbenen Bäume aus dem Wasser. Ein mystisches Bild. Und eines unserer Reise-Highlights.

Der Nam Theun Dam:   Clip1    Clip2    Clip3    Clip4

In Thalang am südlichen Ende des Sees fanden wir dann einen Schlafplatz im Tempel. Ohne große Diskussionen. Und wir hatten fest mit einer Absage gerechnet.

Donnerstag, 26.01.17

Die Straße führte noch einige km am Ufer entlang. Hinter Nakay ging es dann 300 Höhenmeter hinunter ins Tal. Eine rasante Abfahrt auf gutem Asphalt. Nur bei dem losen Schotter auf dem Randstreifen musste man aufpassen wegen der Rutschgefahr. Vor allem in den Kurven.

Hinter Gnommalat zeigt sich Laos dann von seiner schönsten Seite: eine skurrile Gebirgs-Kulisse säumt die Straße bis kurz vor Thakhek. Sieht sehr exotisch aus.

Felsen-Kulisse:   Clip

Und auch am Abzweig Richtung Mahaxay gewährte man uns am Abend im Tempel ohne große Diskussionen einen Schlafplatz. Nach und nach reichten uns die Mönche hier sogar Wasserkocher, Trinkwasser und noch weitere Zutaten für unser Dinner.

Freitag, 27.01.17

Nachts um 2 Uhr schlugen die Mönche dann die große Trommel, die dicht neben unserem Schlafplatz stand. Exakt eine halbe Stunde lang wurde ein hypnotisierender Rhythmus geschlagen. Die Frequenz der Trommel war derart tief, dass ich die Schläge im Magen spürte. Wie lang doch eine halbe Stunde dauern kann. Danach war dann wieder Ruhe. Bis um 5 Uhr. Dann wurden schon die Vorbereitungen für das morgendliche Gebet getroffen. Sie sind immer sehr früh auf den Beinen, die Mönche.

Wir nutzten heute auch den frühen Morgen und waren um 7 Uhr schon unterwegs. Denn heute standen einige Höhlen-Besichtigungen auf den Plan. Wir pickten uns die “Pha In Cave“ und die “Xieng Liap Cave“ heraus. Beides sind Tropfstein-Höhlen, die mit viel Kletterei zur Entdeckungsreise einladen. Mit der eigenen Taschenlampe und gutem Schuhwerk kein Problem; wenn es auch an manchen Stellen richtig eng ist. Sehr sehenswert.

Abends erreichten wir Thakhek und trafen uns mit unserem Couchsurfing-Kontakt Michael. Übrigens erreichten wir heute die 19.000 km geradelte Strecke seit unserem Start im Juli 2015.

Lehm-Piste bei Thakhek:   Clip

Samstag, 28.01.17 – Sonntag, 29.01.17

Wir bekamen die Gelegenheit, am privaten PC von Michael einige Dinge zu erledigen, die per Smartphone deutlich aufwändiger oder unmöglich waren. Grund genug, einen Pausentag einzulegen hier in der Stadt.

Mit dem Lesen unserer Speicherkarten aus Kamera und Smartphone gab es aber an Michaels PC plötzlich Probleme. Das trübte etwas die Stimmung. Wir suchten direkt einen Copy-Shop in der Stadt auf und testeten die Speicherkarte der Kamera erneut. Die Dateien wurden zwar angezeigt, aber es gab kein Programm zum Öffnen auf deren Rechner. Es schien alles in Ordnung zu sein.

Doch da hatten wir uns getäuscht: als die Speicherkarte wieder in der Kamera steckte, waren alle bisherigen Fotos unter der Wiedergabe-Funktion nicht mehr auffindbar. Wir hatten jetzt die arge Befürchtung, dass wir die Speicherkarte gehimmelt hatten und wieder mehrere hundert Fotos verloren seien. In der nächsten Stadt wollten wir das erneut prüfen.

Am Sonntag fuhren wir weiter Richtung Savannakhet.  Unterwegs besuchten wir einen dieser kleinen Maerkte an der Straße. Nichts besonderes eigentlich. Doch diesmal schon: an den meisten Ständen wurden Ratten verkauft (wir nehmen an die „Laotische Felsenratte“). Sie lagen in Reih und Glied nebeneinander und waren für 10.000 Kip zu haben. Für den Grillspieß. Guten Appetit!

Entlang der Straße grüßten uns plötzlich alle Kinder und winkten uns zu. Es erinnerte an die Grüß-Intensität in Tadschikistan und kann uns stellenweise sehr überzogen vor. Sogar den Babys dressierten sie schon das Winken an.

Montag, 30.01.17

Wir fuhren weiter Richtung Pakse. Trampen war schwierig, die meisten bretterten einfach durch oder wollten zuviel Geld für den Shuttle-Service. Übernachtung im Tempel ca 110 km vor Pakse: kein Problem. Aber der Abt fummelte 15 min mit seinem Handy herum, bis er es schaffte, uns endlich mit der Person zu verbinden, die uns den Segen für die Übernachtung geben durfte.

Um 20 Uhr gesellte sich dann ein Laote zu uns in den Wihan und machte uns auf französisch deutlich, dass er auch hier schlafen würde diese Nacht. Es war wohl ein Obdachloser aus dem Dorf, der hier im Tempel Stammgast war. Dachten wir zumindest.

Dienstag, 31.01.17

Um 5 Uhr weckte uns das frühmorgendliche Gebet, dass per Mikrofon und Lautsprecher aus dem Wihan in die Umgebung übertragen wurde. Und der Laote von gestern abend stand hinter dem Mikro. Sieh an, wie man sich irren kann, dachten wir.

Um 6 Uhr waren wir startklar. Da war es nicht einmal hell. Rekord. An einem Straßenladen kauften wir einige Lebensmittel fürs Frühstück und nutzen die Sitzecke vor dem Laden direkt zum Frühstück. Und währenddessen wurden wir dann zufällig Zeuge der Vorbereitungen für das morgendliche Tak Bat, den Bettelgang der Mönche: aufgeregt sortierten gut 20 Frauen ihre Gaben in Körben oder Schalen, zupfen ihre Kleider zurecht, knieten sich in einer Reihe an den Straßenrand und schauten aufgeregt die Straße hinauf.

Der “Tak Bat“ leitet sich aus der gewollten “Mittellosigkeit“ der buddhistischen Mönche ab. Sie haben (offizell) kein Geld und sind demnach auf Spenden aus der Bevölkerung abgewiesen.

Nach anderthalb Stunden war es dann endlich soweit: im Konvoi wurden die Mönche vorgefahren. Sie stellten sich in einer Reihe auf und marschierten mit ihren Sammelbehältern an der Spender-Reihe vorbei. Am Ende waren alle Sammelbehälter voll mit den verschiedensten Lebensmitteln und die Körbe der Frauen waren leer.

Dann folgte der nächste Akt: 2 Männer hielten große Plastiksäcke auf und die Mönche kippten den Inhalt ihrer Behälter in die großen Säcke. Die Säcke wurden verschlossen und auf einem Kleinlaster schön ordentlich in die Reihe gestellt. Mittlerweile standen dort schon 6 volle Säcke.

Dann marschierte der Trupp zum nächsten Sammelplatz, 50 m weiter, und das Spiel begann von Neuem. Auch wenn dieser Tak Bat ein außerordentliches Erlebnis für uns war, blieb doch der Eindruck, dass der Klerus sich hier sehr professionell organisiert. Und es sind nicht nur wohlhabende Bürger, die hier spenden.

Tak Bat:   Clip

Am frühen Nachmittag erreichten wir Pakse. Wir fuhren direkt zur Touristinfo und wollten uns über die nahegelegenen Wasserfälle informieren. Doch das Büro war geschlossen. Wir sollten morgen wiederkommen. Ich fragte mich durch das Gebäude und fand nach 15 min doch noch jemanden, der mir einen Hintereingang zur Touristinfo zeigte. Und dort war dann doch jemand, der mir Auskunft geben konnte. Geht doch!, dachte ich bei mir.

Drei Wasserfälle lagen in c.a. 40 km Entfernung östlich der Stadt. Man beschrieb uns sogar den Weg dorthin. Das war unser Programm für morgen.

Dann suchten wir einen gut organisierten Computer-Laden, in der Hoffnung, dort mit professioneller Hilfe unser Problem mit den Speicherkarten lösen zu können. Die Foto-Dateien waren dort alle wieder sichtbar und sie ließen sich öffnen. Wir waren sehr erleichtert und vereinbarten sofort für morgen die anstehende Übertragung der Fotos auf unsere externe Festplatte am PC in diesem Shop. Wer weiß, wann wir wieder einen Rechner finden, der unsere Speicherkarten ohne Probleme lesen kann.

Es dämmerte schon, als wir den PC-Shop verließen. Unsere Bemühungen, über Couchsurfing hier in der Stadt einen Kontakt zu finden, waren gescheitert. 14 Personen hatten wir angeschrieben. Davon hatten 5 abgesagt und die anderen hatten sich nicht gemeldet. Also fragten wir wieder in den Tempeln. Und ausgerechnet in dem größten Tempel im Zentrum der Stadt erlaubte man uns die Übernachtung ohne zu zögern. Wir waren überrascht.

Mittwoch, 01.02.17

Wir wollten früh starten, um nicht zu spät bei den Wasserfällen einzutreffen. Doch das ging heute gehörig schief: Annett hatte nämlich einen Plattfuß. Durch die Reparatur verloren wir dann natürlich wertvolle Zeit, ausgerechnet in den kühlen Morgenstunden. Diese Zeit wollten wir durch Trampen dann wieder gutmachen.

Und dabei fand sich zufällig ein Pickup, der uns bis zu unserem Ziel, dem Tad Gneuang Wasserfall, fuhr. Das ersparte uns nicht nur viele km, sondern vor allem viele Höhenmeter. Es geht nämlich direkt ab Pakse kontinuierlich um 900 Meter bergauf ins Bolaven-Plateau. Der Aufstieg mit den bepackten Rädern hätte uns da einige Stunden gekostet.

Der Tad Gneuang Wasserfall hat eine imposante Höhe und man kommt sehr dicht ans Wasser heran. Wir nahmen uns viel Zeit und ließen die grandiose Landschaft auf uns wirken. Auf die Besichtigung der beiden anderen Wasserfälle (Tad Fan und Tad Pasaum) haben wir danach verzichtet. Die bisherigen Eindrücke ließen sich nicht mehr übertreffen, da waren wir sicher.

Der Tad Gneuang Wasserfall:   Clip1   Clip2   Clip3   Clip4

Der Rückweg nach Pakse war dann ein zweites Highlight für diesen Tag: es ging 32 km nur kontinuierlich mit leichtem Gefälle bergab. Man konnte das Fahrrad einfach rollen lassen bis ins Tal. So eine angenehme Abfahrt hatten wir bisher äußerst selten auf unserer Radreise.

Unseren Schlafplatz für die Nacht fanden wir dann völlig mühelos in einem der vielen Tempel vor Pakse. Für die Kinder, die auf dem Gelände Fußball spielten, waren wir dann wohl eine sehr interessante Abwechslung. Sie verfolgten unser gesamtes Abend-Programm, bis tief in die Nacht. Wir konnten das zwar verstehen, aber es war auf Dauer sehr nervig und erinnerte an unsere Zeit in Indien.

Donnerstag, 02.02.17

Die Kinder von gestern waren schon um 5 Uhr früh wieder auf den Beinen und verfolgten auch heute morgen in regelmäßigen Abständen unsere Packerei. Später halfen sie den Mönchen beim Reinigen des Tempels. Sie waren fleißig und voller Hingabe, dafür verdienten sie großen Respekt. Sie alle kamen aus armen Familien, dass war nicht zu übersehen. Und sie wollen auch als Mönche im Tempel leben.

Wir fuhren in Pakse, wie vereinbart, zum PC-Shop und überspielten unsere Fotos und Filme von den Speicherkarten auf unsere Festplatte. Alles funktioniere einwandfrei, es gab keine Fehlermeldungen. Wir waren sehr erleichtert, hatten wir doch vor 2 Tagen noch den Verlust unserer Fotos befürchtet. Allerdings war der Preis hier deutlich höher als in einem Internet-Cafe: sie wollten 4 US-$ haben.

Wir verließen Pakse und fuhren weiter Richtung Champasak. An der Straße trafen wir dann auf eine Gruppe Laoten mit ihren Kampfhähnen. Man traf sich hier wohl regelmäßig, um die eigenen Tiere für den (illegalen) Wettkampf zu trainieren. Die Kämpfe sind grausam und enden oftmals mit dem Tod des unterliegenden Hahnes. Das wollten wir uns gar nicht erst ansehen. Aber einen dieser kräftigen Vögel gaben sie uns dann trotzdem in den Arm.

Als wir weiterfuhren, begann es zu regnen. Die Schauer waren aber zum Glück nur kurz. Denn wir wollten auf keinen Fall die viel zu warme Regenkleidung überziehen. So reichte es, sich unterzustellen, bis die Schauer durch war.

Vor Champasak fanden wir kurz vor der Dämmerung und kurz vor der nächsten Regenschauer einen Schlafplatz im Tempel. Im Gegensatz zum letzten Tempel ließen uns die Mönche und die anderen Gäste hier in Ruhe. Das war sehr angenehm nach der intensiven Belagerung gestern.

Allerdings gesellten sich dafür um so mehr kleine Tierchen zu uns: die großen, roten Ameisen ließen sich von der Decke fallen und krabbelten dann auf uns und unserem Gepäck herum. Und eine Unmenge Flug-Insekten schwirrten uns um die Ohren.

Wirklich Ruhe hatten wir dann erst, als wir unter unserem Mückennetz lagen. Dachten wir zumindest. Aber eine Flug-Insekten-Spezies war kleiner als die Maschen unseres Netzes und nervte uns so lange, bis wir alle Beleuchtungs-Quellen ausgeschaltet hatten.

Freitag, 03.02.17

Die Regenwolken hatten sich verzogen. Es war nur bewölkt. Regen wäre auch unpassend gewesen für unser heutiges Highlight: die Besichtigung von Wat Phou, dem Ruinenkomplex eines 900 Jahre alten Khmer-Tempels im Südwesten der alten Stadt Champasak. “Stadt“ mag man dieses Dorf gar nicht nennen; aber es hat halt eine große Historie in Verbindung mit Wat Phou. Und die hohe Tempel-Dichte (13 weitere Tempel befinden sich auf dem Stadtgebiet) ist ebenfalls bemerkenswert.

Die gesamte Tempel-Anlage von Wat Phou ist so großräumig, dass es einen Shuttle-Bus gibt für den Weg zwischen dem Ausstellungs-Gebäude und den Ruinen. Die Khmer-Architektur, die skurrile Deformation der einzelnen Bau-Elemente durch den Verfall und die gepflegte, alt gewachsene Botanik machen die Anlage zu einem außerordentlichen Erlebnis.

Die Ruinen werden oft mit dem Khmer-Tempel “Angkor Wat“ in Kambodscha verglichen. Aber der Eintrittspreis für Wat Phou ist deutlich niedriger: Ausländer zahlen 50.000 Kip (ca 6€). Das ist nicht zu viel für diese sehenswerte Anlage.

Zum Abschluss des Tages fuhren wir zurück ans Mekong-Ufer. Für die nächsten 80 km wollten wir hier auf einem schmalen Schotter- bzw. Lehm-Pfad dicht am Ufer entlang fahren bis Khong-Island im Süden.

Samstag, 04.02.17

Wir standen wieder um 5 Uhr auf und waren schon um 6:30 Uhr mit den ersten Sonnenstrahlen auf der Straße.
Unsere Lehm-Piste wurde zunehmend holprig, stellenweise sogar zur Offroad-Piste. Jedes motorisierte Fahrzeug erzeugte enorme Staubwolken, die uns dann über mehrere 100 Meter einnebelten.

Unsere Lehm-Piste:    Clip

Immer wieder waren auch abenteuerliche, schmale Brücken zu überqueren. Für diese nahmen wir uns dann besonders viel Zeit: fehlende, lose oder angebrochene Trittbretter, hervorstehende Nägel, und unberechenbare Schwingungen forderten da erhöhte Aufmerksamkeit wegen der bepackten Fahrräder.

Die Hängebrücken:    Clip

Genauso spannend war die Fähre über einen kleinen Seiten-Zufluß: auf einem schmalen Holzkahn mussten wir stehend unsere bepackten Räder im Gleichgewicht halten, um Schlagseite möglichst zu vermeiden.

Aber auch sonst war der Weg sehr abwechslungsreich: Dorf-ähnliche Bebauung entlang der Straße, pausenlos Begrüßungen durch die Anwohner, insbesondere die vielen, vielen Kinder und viel Musik und Party in den Gärten. Heute war bestimmt ein besonderer Feiertag, aber wegen der Verständigungs-Schwierigkeiten (keiner sprach Englisch oder Französisch hier auf den Dörfern) erfuhren wir hierzu leider nichts.

Tier-Szenen am Mekong:    Clip

Handwerk am Mekong:    Clip

Kuhglocke in Laos:     Clip

Mehrmals wurde der Weg so eng und verwinkelt, dass wir befürchteten, uns verfahren zu haben. Die Anwohner kannten die Zweifel in den Gesichtern der Touristen aber schon und zeigten einem dann schon ungefragt den richtigen Weg.

Reisfelder am Mekong:     Clip

Sonntag, 05.02.17

Auch heute waren wir schon früh um 6 Uhr abfahrbereit. Und wir hatten Wolken-freien Himmel. Gerade in den kühlen Morgenstunden ist das Radfahren da noch sehr angenehm. Ab Mittag sind die Temperaturen einfach zu hoch. Also absolvierten wir unsere Tagesstrecke bis zur großen Mittagspause.

Morgen-Stimmung am Mekong:    Clip

Dennoch waren wir froh um dieses trockene Wetter seit Champasak. Bei Regenwetter verwandelt sich dieser  Lehm-Weg bis Khong-Island in eine fürchterliche Schlammpiste. Dann wäre die Befahrung für uns eine Riesen-Sauerei.

Die Lehmpiste:     Clip

Mitten auf der Strasse durften wir dann auch einmal die Ernte der Tamarinde (indische Dattel) erleben: weit oben im Baum schuettelt jemand die einzelnen Aeste so heftig, dass die reifen Fruechte aus dem Baum fallen. Gesammelt wurde diese Ernte dann auf einem riesigen Tuch, welches sie mitten auf der Strasse ausgebreitet hatten.

Ernte der Tamarinde:    Clip

Nachmittags erreichten wir die Fähre nach Khong-Island. Der Mekong fächert sich hier sehr breit in mehrere Kanäle auf und bildet angeblich 4000 Inseln (Si Phan Don). Die größte ist Don Khong, Khong-Island. Wir wollten per Fähre auf die Insel und morgen südlich von Muang Khong über die Brücke ans östliche Ufer fahren. Auf dieser Seite des Mekong befindet sich auch der Grenzübergang nach Kambodscha, unserem nächsten Reiseland.

Es gibt offenbar eine größere Fähre, die Autos mitnehmen kann und zwei kleine Fischerkähne für den Transport von Personen und Zweiräder. Die Verständigung über den Fahrpreis war relativ schwierig. Das Personal sprach nur laotisch und unser erster Fährmann konnte wohl auch nicht lesen und schreiben. Irgendwie gab es dann aber doch Klarheit über den Tarif und eines der kleinen Fischerboote brachte uns auf die Insel.

Die Mekong-Fähre:    Clip

Montag, 06.02.17

Um 6 Uhr waren wir wieder mit dem ersten Tageslicht auf der Straße. Mit 16°C war es fast schon zu frisch heute morgen.
Die Straßen hier auf Khong-Island sind ungewöhnlich schlecht: die Asphaltdecke besteht zur Hälfte aus tiefen Kratern. Dazwischen mischen sich immer wieder sandige Passagen mit unangenehmen Spurrillen. Wir fuhren im Schritttempo Slalom um die Löcher, soweit der Verkehr das zuließ. Und jedes Auto oder Moped nebelte uns mächtig mit Staub ein.

Einen Schlafplatz fanden wir im zweiten Anlauf in einem Tempel vor Muang Khong. Auch hier gab es wieder Insekten, Ameisen, Hunde und Katzen, die uns bis in die Nacht auf Trab hielten. Die Ameisen organisierten ihre Straßen und sie gingen sofort zum Beiß-Angriff über, sobald man versehentlich auf eine dieser Straßen trat. Nach einer Stunde kannten wir dann auch die Rangfolge unter den Hunden und die Sturheit der kleinen Katzen, die immer wieder mit unserem Moskitonetz “spielen“ wollten.

Dienstag, 07.02.17

Um 6:30 waren wir startklar und fuhren zum Frühstück in Muang Khong ans Flussufer. Und als ich Thermoskanne, Kaffee und Co. aus der Packtasche holen wollte, stockte mit vor Entsetzen der Atem: Ameisen! Es wimmelte nur so vor Ameisen in meiner Packtasche. Die Tüte mit dem gekochten Reis von gestern hatte Löcher und im Reis tummelten sich Tausende dieser gerade einmal 1 mm großen Tierchen.

Die Ameisen:    Clip

Ich benötigte eine Stunde, bis ich alles wieder Ameisen-frei verpackten konnte. Und ich fand die Ursache für diese Invasion: im Boden der Packtasche gab es 3 kleine Löcher, die nur im Gegenlicht zu erkennen waren. Und es war wohl ein Fehler, die Packtasche über Nacht einfach auf dem Holzboden neben unserem Schlafplatz stehen zu lassen.

Wir verließen die Insel im Laufe des Tages über die 2014 errichtete Brücke und fuhren ab da endlich wieder auf gutem Asphalt. Es war auch nicht mehr weit bis zur Grenze nach Kambodscha. Wir drosselten das Tempo und machten viel Pause in den heißen Stunden des Tages.

Verkehr auf dem Mekong:     Clip

Mittwoch, 08.02.17

In dieser Nacht hatten wir zwar kein nerviges Getier, aber dafür dröhnte die ganze Nacht hindurch Life-Musik aus mehreren Quellen in Konzertlautstärke und mieser Karaoke-Qualität zu uns. Ruhe war erst morgens um 5 Uhr, als unser Wecker klingelte.

Wir fuhren in den Ort “Nakasang Village“ und dort sahen wir dann die Überreste einer Riesen-Party. Zwei Bühnen standen auf einer großen Wiese direkt nebeneinander. Und nach dem verstreuten Müll zu urteilen, müssen einige hundert Menschen hier in den letzten Stunden gefeiert haben.  Von hier kam wohl die nächtliche Beschallung.

Wir fuhren noch zu den Mekong-Fällen “Khong Phapheng“, unserem letzten Besichtigungs-Objekt hier in Laos und danach radelten wir nach Veung Kham kurz vor der Grenze zu Kambodscha. Allerdings waren wir hier schon viel zu nah an der Grenze für die Suche nach einem Schlafplatz. Ehe wir das realisiert hatten, war es stockfinster. Und bis wir dann endlich einen Schlafplatz gefunden hatten, war es 20 Uhr.

Die Mekong-Fälle:     Clip

Donnerstag, 09.02.17

Zum Frühstück kauften wir noch ein letztes mal “Khao Niau“ (Klebreis). In Kambodscha wird es ihn nicht mehr geben laut der Infos der Einheimischen.

Dann fuhren wir zur Grenze. Auf laotische Seite wollten sie 2 US-$ “Stempelgeld“ pro Person von uns haben. Das roch stark nach persönlicher Bereicherung. Nach kurzer Diskussion gaben sie sich aber auch mit unserem laotischen Restgeld zufrieden (25.000 KIP, das waren ca 3 US-$). Das ersparte uns im Gegenzug den Gang zur Wechselstube.

Auf kambodschanischer Seite gab es das gleiche Spiel: neben viel Papier und zahlreichen Stempeln in unsere Pässe waren 2 US-$ fällig. Wir waren froh, uns schon in Vientiane vor Wochen das Kambodscha-Visum beschafft zu haben, denn beim “Visum on Arrival“ fordern sie laut anderer Reisender hier noch mehr Schmiergeld für die eigene Tasche.

Insgesamt war der Grenzgang von Laos nach Kambodscha hier relativ schnell und unproblematisch. So waren wir um 11 Uhr in Kambodscha, unserem nächsten Reiseland.

Weiter geht es mit dem Artikel Kambodscha 2017.

Resume Laos 2017

Laos war schon anstrengend, da waren wir noch gar nicht im Land. Als wir von Thailand aus per Visa on Arrival einreisen wollten, gab es nämlich böse Überraschungen:

An dem relativ jungen Grenzübergang bei “Dan Pu Du“ werden keine Visa on Arrival akzeptiert. Die Einheimischen hatten uns diesen Grenzübergang aber empfohlen. Als günstigen Weg nach Luang Prabang, einem der schönsten Orte in Laos. Die Grenzbeamten empfahlen uns dann den Grenzübergang bei “Huai Kon“ weiter im Norden. Dort war jedoch seit Juli 2016 die Einreise mit Fahrrad oder Motorrad verboten. Und laut der laotischen Grenzbeamten dort gelte diese Regelung wohl an allen Grenzübergängen in Laos.

Wir wollten das nicht so recht glauben und fuhren Richtung Nong Khai, unserem ursprünglich geplanten Grenzübergang. Auf dem Weg dorthin überlegten wir uns allerdings schon Alternativen zur geplanten Reise: Verlängerung unseres Thailand-Visums, Einreise nach Laos ohne Räder und Wiedereinreise nach Thailand mit neuem Visum nach zwei Tagen, usw.

Tatsächlich war die Einreise bei Nong Khai aber dann einfach und problemlos per Visa on Arrival und mit Rädern. Also war alle Aufregung umsonst.

Die Straßen im Land sind stellenweise staubig, es gibt auch Schlamm-Wege und vor allem viel rote Erde. Nach mehreren Ländern mit Linksverkehr (Indien, Nepal, Thailand) fuhren wir hier nun wieder rechts. Der Verkehr war nicht gefährlich, alle halten Abstand. Außer den Mopedfahrern. Die brettern oft extrem dicht an einem vorbei.

In der Regel haben die Straßen guten Asphalt. Manchmal geht diese Asphaltdecke dann am Randstreifen, optisch nicht erkennbar, in losem Schotter über. Sehr tückisch, besonders in Außenkurven. Mich hatte es da einmal aus der Kurve gerissen und ich hatte meine liebe Mühe, ohne Sturz zum Stillstand zu kommen.

Trampen klappte im Norden des Landes etwas besser als im Süden. Aber der hohe Anteil Pickups und Kleinlaster erleichtert die Suche und hält die Wartezeit in Grenzen.

Viele Reiseradler trifft man hier um diese Jahreszeit. Vor allem die Strecke von Vieng Kham über Lak Sao bis nach Thakhek ist sehr stark frequentiert.

Die Suche nach einem Schlafplatz in einem buddhistischen Tempel war deutlich schwieriger als in Thailand. In vielen Tempeln wurden wir abgewiesen, oder es gab Bedenken, weil Frauen eigentlich nicht im Tempel übernachten dürfen. Doch wenn man es uns erlaubt hatte, boten uns die Mönche nicht selten alle möglichen Köstlichkeiten an.

Leider waren wir im Tempel aber nie sicher vor einer späteren Ablehnung durch Personen höheren Ranges oder gar der Polizei. In Lak Sao holte uns die Polizei abends noch aus dem Tempel zu sich aufs Polizei-Gelände, weil wir ihrer Meinung nach im Tempel nicht sicher genug untergebracht waren.

Auch muss man im Tempel immer mit nächtlichen Aktivitäten der Mönche rechnen: Trommelschläge nachts um 2 Uhr oder Gebete, die Reinigung der Gebäude oder andere Vorbereitungen auf religiöse Zeremonien ab 4 Uhr in der Frühe sind oft das abrupte Ende eines erholsamen Schlafes. Und es wird gerne gesehen, wenn man früh um 6 Uhr schon wieder abfahrbereit ist.

Man lernt schnell das „Fremdschämen“, wenn man wahrnimmt, wie sich manche “Farangs“ verhalten: die Besichtigung der Tempel in zu freizügiger Bekleidung oder das Fotografieren von Personen oder sogar Mönchen, ohne um Erlaubnis zu fragen, sieht man häufiger.

Der Tourismus soll wohl eine wichtige Einnahmequelle werden. Jeder Ereignis wird zur Sehenswürdigkeit erklärt und mit einem Eintrittspreis versehen. Die Werbetafeln suggerieren oft mehr, als man dann tatsächlich zu sehen bekommt. Auf den Hinweisschildern wird auch gerne etwas gelogen: tatsächlich sind es dann 5 km bis zum Badetümpel und nicht nur 2 km, wie es auf dem Schild steht. Bei manchen Objekten riecht der Eintrittspreis stark nach Touristen-Abzocke. Das fanden wir etwas schade.

Besonders gefallen haben uns der “Tad Gneuang“ Wasserfall, die Höhlen “Pha In Cave“ und “Xieng Liap Cave“ sowie die Fahrt über den See „Namtheun Dam“ südlich von Lak Sao. Dieser See existiert erst seit 2013 und hat natürlich auch flachere, bewaldete Mulden geflutet. Und überall ragen dort noch die Stämme der abgestorbenen Bäume aus dem Wasser. Ein mystisches Bild.

Doch auch die lebende Botanik von Laos ist sehr sehenswert. Neben den tropischen Früchten findet man oft die Plumeria (der Nationalbaum von Laos), riesige Gummibäume mit Luftwurzeln und natürlich Bambus ohne Ende.

Auch die Strecke von Champasak bis Khong Island war ein Erlebnis: abenteuerliche Brücken, zwei Fluss-Überquerungen mit kleinen, kippeligen Fischerbooten, kaum Verkehr und einfachstes Dorfleben.

Vang Vieng, Luang Prabang und die Berge im Norden des Landes mussten wir auslassen. Dafür reichte die Zeit auf unserem Visum leider nicht aus.

Viele Häuser sind auf Stelzen gebaut. Das tägliche Leben findet dann unter dem Haus im kühlen Schatten statt. Und von dort grüßten sie uns im Vorbeifahren in einer Intensität, die wir schon in Tadschikistan auf dem Pamir-Highway erleben durften.

Kulinarisch dreht sich alles um Reis in verschiedenen Variationen. Unsere Favoriten waren hierbei Khao Niau (Klebereis) und Khao Larm (Klebereis im Bambusrohr). Dazu gibt es alle möglichen Beilagen, mit Gemüse, Fleisch, Fisch, Ei oder anderen Zutaten. Oft sind diese Beilagen sehr scharf oder in anderer Form gewöhnungsbedürftig: Würmer, Maden, kleine Frösche oder Insekten werden da gerne angeboten. Sogar Ratten fanden wir auf dem Fleischmarkt.

Lebensmittel im Supermarkt (wenn man die kleinen Läden überhaupt so bezeichnen darf) sind so teuer, dass sich Kochen für uns gar nicht lohnte. Das Essen an den Straßenküchen ist nicht teurer. Aber beim Einkauf musste man wachsam sein: die Preise werden für den “Farang“ (den weißhäutigen Ausländer) gerne höher angesetzt. Handeln war obligatorisch und führte meist zu einem Nachlass.

Laos hat uns sehr gut gefallen und wir wuerden es jederzeit wieder bereisen.

2 Kommentare:

  1. sehr sehr schöne Bilder.
    Mit dem Fahrrad durch Laos, kaum zu glauben.
    Ich bewundere Euch.

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