Kroatien 2015

Am 4.8.15 waren wir aus Slowenien nach Kroatien eingereist und hatten vor Rijeka einen Zeltplatz gefunden.

Mittwoch, 5.8.15

Ab 6 Uhr strahlte die Sonne schon ungehindert aufs Zelt; da wollten wir zügig abbauen und dann später irgendwo im Schatten frühstücken. Doch aus dem „zügig“ wurde nichts: eine breite Ameisen-Straße ging längs durch unser gesamtes Vorzelt und unter dem Innenzelt entlang. Und nachdem ich aus Versehen auf einige Ameisen getreten war, vervielfachte sich das Ameisen-Aufkommen in Windeseile und deren Treiben wurde hektischer. Es erinnerte an diese Furcht-einflößenden Tier-Szenen aus der Filmreihe „Indiana Jones“. Irgendwie bekamen wir das Zelt dann doch relativ Ameisen-frei verpackt und dann ging es ab ins nächste Abenteuer: in den Verkehr in Rijeka. RijekaDiese Mischung aus schmaler Fahrbahn, Schlaglöchern, abgrundtief verlegten Gullideckeln, hektischem Großstadt-Verkehr, brütender Hitze (wir hatten 40°C), ständig wechselnder Berg- und Tal-Fahrt, plötzlicher Seitenwindböen und immer wieder mal das Gehupe der ganz Ungeduldigen oder der Geh-weg-jetzt-komme-ich-Kandidaten, dazu noch ab und an aufgewirbelter Staub im Auge… das ist als Belastungs-Training nur schwer noch zu übertreffen, wenn man mit Reiserad und 40 kg Gepäckgewicht unterwegs ist. Das zehrt an den Nerven. Das Thema Radwege ist ab jetzt auch endgültig durch; und die Straßen sind selten Radfahrer-tauglich. Dafür liegen beunruhigend viele abgefahrene Außenspiegel am Straßenrand und viele Grabsteine der tot gefahrenen Verkehrsteilnehmer säumen den Weg.

Hinter Rijeka ging es dann erst einmal kontinuierlich bergauf. Dann folgte eine lange Abfahrt mit fantastischem Blick aus der VogelperspektiBakarve auf Bakar, einem Küstenstädtchen mit Bauwerken aus der römischen Zeit. Am Ende der Abfahrt waren wir erstmals auf Meeresniveau und dicht genug am Strand. Da erweiterten wir die Mittagspause zum halben Badetag im Mittelmeer. Das war überfällig und wirkte effektiver als das große Eis eine Stunde zuvor. Nach einer kühlen Weinschorle ging es dann im Spätnachmittag noch bis vor Crikvenica.

Donnerstag, 6.8.15

Weil die Tage langsam, aber merklich kürzer werden, beschlossen wir, zukünftig früher aufzustehen. Heute war uns das gut gelungen: 5:30 aufgestanden. 7:30 abfahrbereit. Da war es auch noch angenehm kühl. Crikvenica verließen wir wieder fluchtartig, weil viel zu hektisch. In Novi Vinodolski fanden wir wieder alles, was wir brauchten: Eis, Pausenbank im Schatten, Badestrand. Fühlte sich wie Urlaub an. Da erträgt man auch die 40°C, die uns seit Tagen treu sind. DKüste Kroatienie Küstenstraße bietet immer wieder einen Blick auf nette Badebuchten zwischen der ansonsten sehr steinigen Küste. Hinter Stenj fanden wir einen Zeltplatz mit Zugang zum Meer. Nach dem Zeltaufbau in einbrechender Dunkelheit gingen wir dann mit der Stirnlampe im Meer baden. Bei Rotwein und Keksen genossen wir danach den nächtlichen Sternenhimmel in der lauen Sommerluft.

Freitag, 7.8.15

Nach dem Rotwein gestern Abend klappte es mit dem früh-aufstehen heute nicht so gut wie am Tag zuvor. Die Nächte sind zur Zeit auch viel zu heiß für einen geruhsamen Schlaf. Die Hitze steht im Innenzelt; es weht nachts kein Lüftchen. Den Schlafsack benötigten wir in den letzten Nächten gar nicht mehr. Zudem ging es heute erstmal lange bergauf in den Sjeverni Velebit Nationalpark. 320 Höhenmeter bei 38°C: hartes Frühstück! Der Trinkwasser-Verbrauch stieg heute auf ca. 5 Liter pro Person. Unser Repertoire an großvolumigen Trinkflaschen an den Rädern hatte sich in dieser Hinsicht bisher schon mehrfach ausgezahlt. Landschaftlich ist das hier eine dürre, bergige Steppe aus Karstgestein. Die erstaunlich gut asphaltierte Straße gab immer wieder den Blick auf das Meer und die vorgelagerten Inseln frei. Diesen Blick konnten wir leider nur selten voll genießen, denn der Verkehr erforderte fast permanent unsere volle Konzentration. Zu hoch war die Gefahr, bei einem unachtsamen Schlenker von LKW, Bus, Wohnmobil oder Bootsanhänger mitgerissen zu werden. Ab und zu waren da unter 10 cm Abstand. Das war schon richtig gefährlich. Aber die Alternativ-Route im Inland führt über die bis zu 1800 m hohen Berge des Velebit-Gebirges und war somit keine wirkliche Alternative. Und mit insgesamt 630 Höhenmetern waren wir für heute auch auf dieser einfacheren Route ausreichend ausgelastet. Nach dem Zeltaufbau saßen wir mit unseren Quasi-Zeltnachbarn, einem netten Paar aus Deutschland, bis tief in die sternenklare Nacht bei Radler, Bier, Antipasta und Knabberkram am Ufer und genossen die warme Sommerluft.

Samstag, 8.8.15

Mit einem unguten Gefühl setzten wir unsere Fahrt auf der gefährlichen Küstenstraße fort, doch heute war deutlich weniger Verkehr: geschätzt nur noch ein Zehntel im Vergleich zum gestrigen Tag. Zudem ging es abwärts und wir hatten Rückenwind. Das hob die Laune und wir kamen gut voran. Die Feigen sind mittlerweile reif und die vielen Bäume am Straßenrand luden zum Pflücken ein. Alles, was wir ernten, bereichert ab jetzt unser Müsli. Neben Feigen finden wir auch Mandel- Oliven- und Granatapfel-Bäume voller Früchte. Leider sind hiervon bisher nur die Mandeln reif. Hinter Tribanj suchten wir uns einen Zeltplatz.

Sonntag, 9.8.15

Unserer erster Ort heute war Starigrad. Er besteht eigentlich nur aus Touristen-Unterkünften und Touristen, die sich wie Ameisen tummeln. Die gesamte kroatische Küste ist natürlich touristisch belebt, aber hier war es besonders extrem. Wir meiden solche Orte gerne, also zogen wir schnell weiter Richtung Zadar, in der Hoffnung, dort mal wieder groß einkaufen zu können, denn wir waren ziemlich leer gelaufen und über lange Strecken gibt es hier an der Küste nur kleine Shops. Vor Zadar führt die Straße über die imposante Maslenica-Brücke. Maslenica-BrückeHier wird Bungee-Jumping angeboten. Allerdings sahen einige der Gummistränge schon recht mitgenommen aus. Wir beließen es bei einem Blick ins Tal zu beiden Seiten. Am Spar in Zadar wurden wir erstmalig von einem der wenigen beschatteten Stellplätze (den Eingangsbereich) auf die in der prallen Sonne befindlichen Radstellplätze verwiesen. Schade; und schlecht für die verderblichen Lebensmittel in unseren Taschen. Leider gibt es hier in Kroatien an den Supermärkten nur selten einen schattigen Platz, wo man mit sperrigen Reiserädern mal nicht stört und nicht in der Sonne steht. Alles ist sehr eng gebaut, Parkplätze sind oft rar und Rangieren ist dann Glückssache. Eines unserer Räder wurde auch schon Opfer eines missglückten Wendemanövers: Rumms – Rad fällt um – Entschuldigung – Bitte – Danke – Bye. So schnell geht die Unfall-Abwicklung hier. Jetzt verstehen wir auch, warum so viele Fahrzeuge mit Blechschaden unterwegs sind: das gehört hier einfach dazu.

Hinter Zadar suchten wir einen Zeltplatz und landeten bei einer netten Familie, die uns unsere Müdigkeit wohl ansah und uns prompt einlud, im Vorgarten zu bleiben. Wir wurden eingeladen zu Brot, Schinken und Tomaten aus eigenem Anbau. Was für ein Tagesabschluss.

Sonntag, 10.8.15

Nach einem Kaffee mit unseren Gastgebern ging es weiter an der Küste entlang. Bis Biograd war die Straße sehr voll und alles sehr touristisch. Dann wurde die Straße ruhiger aber so langsam kamen wir schon in die Mittagshitze. Psychologisch verstärkt wird diese Hitze hier im Süden oft durch das unbeschreiblich laute Zirpen der Grillen. Also Zeit für unsere tägliche Flucht aus der Mittagssonne. Bis wir heute ein passendes Fleckchen für die Pause gefunden hatten, waren wir schon 38 km geradelt. Das war ungewöhnlich viel. Umso entspannter war die Pause. Bis klammheimlich erste Gewitterwolken aufzogen. Doch es blieb beim Grollen; kein Regen, keine Blitze. Nochmal Glück gehabt. Aber es wurde keine erholsame Nacht, denn die Orts-nahe Disco verbreitete bis morgens um 4 Uhr einen unüberhörbaren Geräuschpegel. Hätten wir uns ja gefallen lassen, wenn es unser Musikgeschmack gewesen wäre. War es aber nicht.

Dienstag, 11.8.15

Nach dieser langen Musik-Nacht schliefen wir heute etwas länger und bauten den überfälligen Waschtag mit ein. Als die Wäsche gerade auf der Leine hing, vernahmen wir das erste Donnergrollen: da zog doch tatsächlich ein Gewitter auf uns zu. Und diesmal sah es ernst aus. Dementsprechend groß war plötzlich unsere Motivation, noch vor dem großen Regen das Zelt abzubauen. Kaum waren wir auf der Straße, erreichten uns die ersten Regentropfen. Wir entschieden, zügig ohne Regenkleidung dem Gewitter davon zu fahren. Und das gelang uns halbwegs: nach 5 min waren wir aus der Regenschneise entkommen und nach weiteren 10 min waren wir wieder trocken. Nochmal gut gegangen.

In der Mittagspause war Haare schneiden angedacht. Nachdem Annett bei mir fertig war, kam ein Kroate und bat Annett ebenfalls um einen Haarschnitt (der Mann war 88 Jahre alt; da war nicht mehr viel zu schneiden und dementsprechend konnte nicht viel schiefgehen). Der Kroate war so begeistert, nachdem Annett fertig war, dass er uns im Anschluss noch auf ein Bier bzw. Eis einlud. Wenig später fuhren wir weiter. Sibenik war unser nächster Halt. Hinter Sibenik fragten wir nach Wasser für unsere Radflaschen und wir wurden auf einen Plausch auf der Terrasse eingeladen. Sehr herzliche Menschen hier in Kroatien. ZumSonnenuntergang Abend gab es einen wunderschönen Sonnenuntergang, der uns so sehr beschäftigte, dass der abendliche Zeltaufbau wieder mal komplett in der Dunkelheit stattfand. Aber das hatten wir ja oft genug geübt.

Mittwoch, 12.8.15

Der bedeckte Himmel sorgte für einen angenehm kühlen Tagesbeginn. Ab 9 Uhr setzte sich die Sonne wieder durch. Bis dahin hatten wir schon gut Strecke gemacht und freuten uns auf ein 2. Frühstück im Schatten vor dem Bäckerladen. Dann ging es nach Trogir. Die Stadt war uns leider wieder viel zu touristisch überlaufen. Also fuhren wir schnell weiter Richtung Split. Unterwegs suchten wir uns einen Pausenplatz am Meer für die Mittagszeit und blieben dort bis zum Abend hängen. Baden gehen, abhängen, Strandflair genießen, das war mal ein Urlaubstag. Unser Zeltplatz war dann auch mit Blick aufs Meer und auch wieder mit musikalischer Untermalung bis Nachts um 2 Uhr. Diesmal war es eine Life-Band in der nahe gelegenen Strandbar und mal Musik nach unserem Geschmack. Nur die Mücken störten diesen Tagesabschluss sehr empfindlich. Vor dem Zelt in der lauen Sommerluft sitzen, ging da gar nicht. Und bei geschlossenem Innenzelt schlafen, dafür war es leider viel zu heiß.

Donnerstag, 13.8.15

Etwas zermartert durch Mückenstiche und Schlafmangel gingen wir es heute etwas ruhiger an: erst Frühstück am Strand, dann ein großes Eis am ersten Supermarkt und dann wollten wir Split weiträumig umfahren. Doch der 8-spurige Highway um Split hatte es in sich: bei 38°C und Feierabendverkehr zweimal über 2 Spuren wechseln, das ist anstrengender als Bergauf-Fahren. Zur Belohnung gab es kurz hinter Split dann wieder Badestrand und Schatten bis in den Abend. Und einen Tomaten-Salat zum Dinner unter Palmen.

Freitag, 14.8.15

An die viel zu heißen Nächte im Zelt gewöhnt man sich so langsam. Und auch an die ewig am Körper klebenden Klamotten. Der Verkehr auf der Küstenstraße nimmt zu, je weiter wir nach Süden kommen. Mittlerweile haben wir Dalmatien erreicht. Hier wird jeder Quadratmeter Küste genutzt; die Gebäude und Zufahrtswege sind ineinander verschachtelt und entlang der Küstenstraße gibt es kein unbebautes Fleckchen. Und geschätzt 80% aller Gebäude werden als Appartements für Touristen genutzt. Dazwischen liegen die vielen kleinen Campingplätze und die Restaurants. Die Strände sind klein und voll. Und sobald man zivilisiert genutzten Boden verlässt, steht man vor undurchdringlichem Urwald, bestehend aus Distel, Gestrüpp und anderen widerspenstigen Pflanzen.

Entlang dieser Küste fuhren wir heute Omis an; ein kleines Städtchen mit sagenhafter Felsenkulisse. Nette, verwinkelte Gassen, teilweise ohne große Steigungen. Das freut uns immer, wenn wir schweres Gepäck am Fahrrad mitschleppen. Nach der obligatorischen Badepause ging es dann hoch bis auf 300 m in eine grandiose Bergkulisse des Biovoko-Parks. Sehr anstrengend durch den abends stärker aufkommenden Gegenwind und den nicht enden wollenden Verkehr. Aber der Ausblick auf alpine Berge und das Meer ist einzigartig. Bis heute haben wir übrigens insgesamt 2200 km auf dem Rad zurückgelegt.

Samstag, 15.8.15

Heute ist großer Feiertag in Kroatien: Gedenken an die Unabhängigkeit. Wenn wir es nicht gewußt hätten, dann hätten wir das gar nicht bemerkt: der Verkehr, der Touristenstrom, die Geschäftigkeit in den Dörfern; alles läuft unverändert wie an anderen Tagen. VoFuß umgeknicktr Makarska hatte Annett dann einen Sturz und knickte sich dabei den Fuß um. Unser erstes Handicap seit dem Start. Also war Ruhe und Kühlung angesagt. Da bot sich der Hafen-nahe Park in Makarska an. Aus der Orts-nahen Bar besorgten wir tütenweise Eiswürfel für eine kühle Kompresse. Das Fahren abends ging natürlich nur unter Schmerzen und alle Handgriffe beim Zeltaufbau dauerten länger. Nachts gab es dann ein Gewitter mit etwas Regen.

Sonntag, 16.8.15

Bedeckter Himmel und kühle Luft nach dem nächtlichen Gewitter; das war ideales Radelwetter. Wenn da nicht der verletzte Fuß und ein zeitweise extremer Gegenwind gewesen wären. Bergauf half da nur Absteigen und Schieben. Rechtzeitig vor dem absehbaren Regen fanden wir hinter Podgora eine überdachte Bushaltestelle, die wir dann auch für die Mittagspause nutzten. Zufällig standen in nächster Nähe 2 Mandelbäume voll mit reifen Früchten. Somit bereicherten wir unseren Salat mit selbst geernteten Mandeln. Wegen dem Hinkefuß und der plötzlichen Wetter-Verschlechterung suchten wir heute frühzeitig in Gradac einen Zeltplatz. Vielleicht zu früh, denn genau in den 10 min während dem Zelt-Aufbau prasselte es plötzlich wolkenbruchartig auf uns nieder. Somit war jetzt so ziemlich alles, was wir bisher trocken durch den Tag gebracht hatten, auch nass. Nachts ging es dann richtig zur Sache: ein Gewitter nach dem anderen, Prasselregen und Blitzeinschläge in unmittelbarer Nähe (Zeit zwischen Blitz und Donner unter einer Sekunde).

Montag, 17.8.15

Der Hinkefuß, die schlaflose Nacht, der Wunsch, die Ausrüstung wieder trocknen zu lassen: das roch nach Pausentag. Und so blieb das Zelt stehen für eine zweite Nacht und wir nahmen uns Zeit für viele Dinge, die sonst gerne aufgeschoben werden: Zeltrisse nähen, waschen, Packtaschen mal wieder aufräumen, Schrauben an den Rädern nachziehen, usw.

Dienstag, 18.8.15

hinter PloceBacinaWeiter ging es mit frischen Kräften durch eine Hügellandschaft mit mehreren Seen bei Bacina. Wunderschön eingebettet liegen dort mehrere Süßwasser-Seen zwischen den umliegenden Bergen. Am Supermarkt in Ploce trafen wir zwei Reiseradler aus Frankreich, die auch Richtung China unterwegs waren. Hinter Ploce verlief die Jadranska Magistrala rings um ein tiefes sumpfiges Becken am Fuß der Berge entlang. Hier herrscht das beste Klima für den Obst- und Gemüse-Anbau und die Ernte der vielen Kleinbauern kann an den unzählig vielen Straßenständen bewundert und gekauft werden.

Mittwoch, 19.8.15

Unser Ereignis des Tages war heute die Fahrt durch Bosnien/Herzegowina: für 13 km ist Kroatien hier an der Küste unterbrochen. In Bosnien gab es dann nur einen nennenswerten Ort: Neum. Wie die meisten Dörfer hier an der Küste steil in den Berg gebaut und vom Tourismus geprägt. Es gibt einen ungewöhnlich kleinen Strand und dort tummelten sich die Badegäste. Eigentlich konnte man (von der weiter oben verlaufenden Straße aus) die Badegäste gar nicht sehen, weil die Sonnenschirme viel zu dicht standen. Beim Einkauf konnten wir in kroatischen Kuna bezahlen; das ersparte uns den Devisenumtausch. Und so schnell, wie wir eingereist sind, waren wir auch schon wieder draußen. Das war also Bosnien. Dann zog plötzlich eine dunkle Wolkenfront hinter uns auf, die uns langsam aber sicher einholte. Beim ersten Donnergrollen suchten wir uns zügig einen Zeltplatz und bezogen aus der Not heraus einen Platz dicht an der Straße hinter einer Böschung. Die 2,5 m hohe Böschung war zu steil zum Hochschieben der bepackten Räder. Also alle Packtaschen ab und einzeln hochtragen. Sehr mühsam und zeitaufwändig. Aber Hauptsache, wir waren fertig mit dem Zeltaufbau, bevor der Regen losbrach. Heute kam auch wieder das Tarp zum Einsatz. Und so wurde das heutige Kochen vor dem Zelt unter dem Tarp beim mittlerweile angekommenen Gewitterregen doch noch eine angenehme Angelegenheit.

Donnerstag, 20.8.15

Die Küstenstraße führte uns heute entlang des Kolocepski-Kanals. Und auf ca 100 m über Meeresspiegel gab es stets einen herrlichen Blick auf die Inselwelt und die zerklüftete Küste. In Zaton waren wir dann wieder auf Meereshöhe; ideal für eine Badepause.

Kurz vor Dubrovnik suchten wir rechtzeitig einen Zeltplatz, denn für die geplante Besichtigung dieser Stadt war es heute schon zu spät. Wir fanden einen Platz weit oberhalb der Straße, erreichbar nur über einen sehr steilen Serpentinenweg. Annett bekam auf halber Höhe einen Krampf im Arm beim Schieben. Und bis ich ihr Rad übernehmen konnte, hatte sie schon einige Mückenstiche gesammelt. Dafür war der Platz sehr ruhig und mit sagenhafter Aussicht zu beiden Seiten der Berghöhe. Auf Schlangen sollten wir aufpassen, sagte uns der Besitzer. Das nahm uns dann etwas die Unbeschwertheit, in der wir sonst um unser Zelt herum springen.

Freitag, 21.8.15

Glücklicher Weise hatten wir keine Begegnung mit Schlangen. Lediglich Schritte und Stimmen einiger Männer mit Taschenlampen nachts um 1 Uhr direkt neben unserem Zelt; aber das war eher Neugier als Bedrohung. Und ein Hund zeigte mehrfach mit seinem Bellen und Schnüffeln, daß wir uns wohl in seinem Revier befanden. Sonst war es eine ruhige Nacht. Früh machten wir uns auf den Weg nach Dubrovnik. Eine Pause im schattigen Park, die Besichtigung der alten Stadt innerhalb der Schutzmauer, das Treiben der Gaukler und zum Abschluss ein endlos langer, steiler Aufstieg aus der Stadt bis hoch auf die Magistrala. Aber der Ausblick auf die alte Stadt belohnt einen reichlich für die Anstrengung.

Beim Einkauf trafen wir dann einen Reiseradler aus Stuttgart. Er war vor 8 Monaten in Bali gestartet und fuhr eine ähnliche Route wie wir, nur in entgehen gesetzter Richtung. Wir tauschen interessante Tipps aus und beschrieben uns gegenseitig die vor uns liegenden Strecken. Dann zog plötzlich ein Gewitter auf und wir waren froh, das wir uns am Supermarkt unterstellen konnten. So läßt sich auch der stärkste Wolkenbruch entspannt ertragen. Als wir dann in der Dämmerung das Zelt aufbauten, übersahen wir in der Eile und der Dunkelheit einige stachelige Pflanzen unter dem Zeltboden. Leider war das Innenzelt da schon komplett eingerichtet. Also durfte ich von außen unter den Zeltboden kriechen und per Messer absäbeln, was ich halbwegs zu packen bekam. Sehr mühsam. Was tut man nicht alles, um den Zeltboden und die Schlafmatten vor Löchern zu schützen.

Samstag, 22.8.15

Und wieder gab es ein Gewitter, von 5 Uhr bis 8 Uhr. Und beunruhigend viele Blitze sind in der Nähe von unserem Zelt eingeschlagen. Aber nix schlimmes passiert. Dann ging es weiter Richtung Grenze zu Montenegro, unserem nächsten Reiseland. Zeitweise nahmen wir eine ruhige Parallelstraße, um dem Verkehr zu entfliehen. Die vielen kleinen Anstiege nahmen wir in Kauf, dafür wurden wir mit den besten Feigen unserer bisherigen Reise belohnt. Die wuchsen uns förmlich entgegen an der Straße.

Die letzte Nacht in Kroatien sollte dann noch einmal ein richtiges Highlight werden: kurz vor der Grenze fanden wir privat einen Platz für die Nacht. Und weil der Hausherr uns das hohe, widerspenstige Gestrüpp seiner „Wiese“ nicht guten Gewissens zumuten wollte, bot er uns spontan die Tür-lose, leerstehende Bauruine neben seinem Wohnhaus an. Das hieß für uns: nur die Matten auf den Beton-Boden gelegt und fertig. Und dann brachte er uns eine Stiege voll Gemüse aus seinem eigenen Garten. Wir waren sprachlos, bedankten uns und genossen den Abend mit einem herrlichen Blick auf die Bergkette Snijeznica im Abendrot.

Am Sonntag, 23.8.15 erreichten wir die Grenze zu Montenegro.

Resume Kroatien:

Insgesamt waren wir 18 Tage in Kroatien unterwegs und kämpften uns auf den 800 km Strecke insgesamt 6800 Höhenmeter hinauf. Wir erlebten viele Touristen, zeitweise unschön verbaute Küste, herzliche Menschen, rustikale Sitten im Straßenverkehr, sauberstes Meerwasser und traumhafte Landschaft. Etwas nervig empfanden wir das ständige Anbieten der Ferien-Zimmer durch die Vermieter.

Weiter gehts im Artikel  Montenegro 2015.

IMG-20150905-WA0061IMG-20150905-WA0062IMG-20150905-WA0070IMG-20150905-WA0072

2 Kommentare:

  1. Tolle Erlebnis, und klasse Bericht. Ende Juno Radelte ich die Küstenstraße D8 ( Jadranska Magistrala ) von Rijeka bis Bar ( ca : 800 km. ) und genau wie Sie viel Erlebt , und gleiche Eindrücke von der Reise gewonnen.
    Viel Spaß bei der nächste Rad Tour.
    Gruß !! Ljubo

  2. Danke für diesen schönen Bericht, der bei mir diesjährige Urlaubserinnerungen weckte. In Novo Vinodolski habt ihr ja vielleicht auf derselben Bank im Schatten gesessen und aufs Meer geschaut wie wir einige Monate zuvor 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.