Kambodscha 2017

Am 09.02.2017 erreichten wir, von Laos kommend, Kambodscha. Hier wollten wir über Stung Treng, Siem Reap und Battambang radeln und das Land Richtung Thailand über Pailin wieder verlassen. Wir hatten ein Visum für 30 Tage.

Donnerstag, 09.02.17 (Ankunft in Kambodscha)

Nach der schnellen, einfachen Grenz-Abwicklung waren wir um 11 Uhr in Kambodscha. Die Straße zur ersten größeren Stadt Stung Treng war sehr schlecht und staubig. Sie bestand auf den ersten 30 km zu 70% aus Schotter mit Waschbrett-Profil und sandigen Spurrillen.

Wenn uns auf dieser Strecke nicht gerade der Staub einnebelte, dann waren es die Rauchschwaden der Flächenbrände, die zur kontrollierten Bereinigung von Unkraut und Gestrüpp von den Farmern in den Feldern zu beiden Seiten der Straße gelegt wurden. An manchen Stellen war das nicht ungefährlich: die bis zu 2 m hohen Flammen schlugen einem bei einer Windböe schnell mal entgegen im Vorbeifahren. Jedenfalls war die Stimmung gespenstig, wenn der Rauch einen komplett verschluckte und zu beiden Fahrbahn-Seiten die Flammen loderten.

Schotterpiste in Kambodscha:   Clip

Feuer in den Feldern:    Clip1     Clip2     Clip3

Am späten Nachmittag erreichten wir Stung Treng. Hier hatten wir vor Tagen schon einen Kontakt über Couchsurfing hergestellt und die Übernachtung klar gemacht. Doch leider war unser Kontakt ausgerechnet heute nicht erreichbar, obwohl er uns eingeladen hatte für heute.

Da versuchten wir es wieder in den buddhistischen Tempeln. Im 2. Tempel hatten wir Glück: wir durften bleiben. Und wir waren dankbar, nach 70 km Strecke, dem vielen Staub und der Hitze nicht noch das Zelt aufbauen zu müssen.

Freitag, 10.02.17 – Mittwoch, 15.02.17

Wir blieben bis Mittwoch in Stung Treng. Zunächst erledigen wir die Besorgungen, die am ersten Tag in einem neuen Reiseland fällig sind: Geldautomaten suchen, Geld in Landes-Währung ziehen, SIM-Karte fürs Handy kaufen und erste Lebensmittel-Einkäufe tätigen. Neben der Landes-Währung “Riel“ (KHR) wird hier in Kambodscha auch mit dem US-$ bezahlt. Da mussten wir besonders aufpassen, wenn wir das Wechselgeld in der anderen Währung ausgezahlt bekamen.

Dann fuhren wir zur Touristen-Info und informierten uns über die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Als wir nach einem Internet-Cafe fragten, bot man uns spontan den PC der Touristen-Info an. Wir können ihn nutzen, solange wir wollten. Diese Gelegenheit konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen.

Endlich hatten wir die Möglichkeit, unsere Film-Clips auf YouTube hochzuladen und die Reiseberichte über Thailand und Laos zu erstellen. Allerdings war die Internet-Verbindung sehr langsam und fiel manchmal sogar ganz aus. Dadurch dauerte alles natürlich deutlich länger.

Übernachtet haben wir in den Tempeln der Stadt. In einem Tempel bot uns der Abt noch weitere Übernachtungen an. Darüber freuten wir uns natürlich.

Für unsere Einkäufe stöberten wir auf dem Markt im Zentrum der Stadt. Hier ging es sehr rustikal zu: Schweinsköpfe, Hühnerkrallen, lebender Fisch, der manchmal auch aus den Bottichen sprang und über die Straße robbte, … ja sogar einen Rochen bot man zum Verkauf an. Es gibt auch Bäckereien hier in Kambodscha. Und sogar einen Waffelstand haben wir gefunden.

Viele Marktfrauen hackten Fleisch klein oder zerlegen Fisch. Der Markt war sehr quirlig. Die Wege zwischen den Ständen waren viel zu eng; die vielen Moped-Fahrer mit ihrer sperrigen Ladung erzeugen ständig Staus und verbreiteten jede mehr Abgase über den angebotenen Lebensmitteln. Mmmmh, lecker!

Am Samstag hatte sich unser Couchsurfing-Kontakt dann doch noch gemeldet und uns mitgeteilt, wo er wohnt: 17 km von Stung Treng entfernt. Das war für uns zu weit und es lag auch nicht auf unserem Weg. Das war schade. So blieben wir für die Übernachtungen in den Tempeln.

Am Montag hatte ich erneut eine Ameisen-Invasion in meiner Packtasche. Und schon wieder hatten sich die kleinen Tierchen über eine Reistüte hergemacht. Somit durfte ich wieder die ganze Tasche leerräumen und akribisch von Ameisen befreien. Bei dieser Gelegenheit dichtete ich auch direkt die kleinen Löcher am Boden der Tasche mit Fahrrad-Flicken ab. Und weil ich gerade dabei war, klebte ich auch die Löcher in Lenkertasche und Faltschüssel.

Donnerstag, 16.02.17

Ein letztes Mal Frühstück auf dem Markt im Zentrum der Stadt, dann verließen wir Stung Treng. Vor uns lagen 300 km einsame Straße durch trockene, anfangs etwas trostlose Steppe. Wenig Verkehr, sehr wenig Besiedlung, selten Schatten für eine Pause, … das waren die wesentlichen Merkmale der Strecke.

Und wir erleben tiefste Armut. Nirgendwo sonst haben wir auf unserer bisherigen Reise die Armut der Landes-Bevölkerung zu eindringlich wahrgenommen wir hier auf der Straße von Stung Treng nach Siem Reap.

Die Holzhütten entlang dieser relativ neuen Straße waren meist in einfachster Art zusammengezimmert worden, Strom gab es nicht, ihr Brauchwasser holten sich die Menschen aus Tümpeln im Hinterland. Sie verkauften Süßkartoffel, Zuckerrohr-Saft oder was sonst auf ihren kleinen Feldern wächst.

Nach 58 km Strecke kam endlich ein Tempel. Doch das waren diesmal lediglich drei Holz-Baracken ohne reichhaltigen Tempel-Schmuck. Es gab kein Licht, keinen Strom, kein Wasser (auch die Mönche holten sich ihr Wasser aus einem Tümpel direkt hinter ihren Baracken), aber wir hatten einen sicheren, ruhigen Schlafplatz abseits der Straße.

Party in Kambodscha:   Clip

Traktor in Kambodscha:   Clip

Freitag, 17.02.17

Um 7 Uhr fuhren wir weiter. Die Landschaft blieb trostlos. Man sah viele kahle, abgestorbene Bäume und die Felder waren schwarz verkohlt von der Reinigung mit Feuer. Hier und da qualmte noch ein abgebrannter Baumstumpf vor sich hin.

Wir hatten vor zu trampen, um die Reisezeit für die 300 km bis Siem Reap zu verkürzen, doch das verlief erfolglos. Es gab kaum Verkehr, nur sehr selten einen Pickup, und noch seltener einen Pickup mit leerer Ladefläche, auf der wir mit unseren Rädern noch Platz gehabt hätten.

Dafür hatten wir nun mehr Gelegenheit, ungewöhnliche Ereignisse entlang unseres Weges auf uns wirken zu lassen. Zum Beispiel die vielen grüßenden Kinder, die zu regelrechten Verkaufsläden oder Imbißküchen aufgerüsteten Mopeds oder die unglaubliche Beladung vieler Mopeds. Die spektakulärste Ladung waren 2 m lange Baumstämme mit einem Durchmesser von ca. 40 cm (nicht übertrieben), die quer auf dem Moped lagen.

Kurz vor der Dämmerung klappte das Trampen dann aber doch noch. Wir wurden die letzten 20 km bis Preah Vihear mitgenommen. Das war unser Glück. Denn wir hätten sonst weit vor der Stadt in der unbewohnten Wildnis einen Zeltplatz suchen müssen und hätten ohne Wasser dagestanden.

In der Stadt fragten wir uns durch bis zum Tempel, wo wir im Flur eines Nebengebäudes unsere Schlafmatten ausbreiten durften.

Samstag, 18.02.17

Nach Besichtigung der Tempel-Anlage und einigen Einkäufen verließen wir die Stadt kurz vor der Mittagshitze. Viel zu spät. Da mussten wir uns schon nach wenigen km einen schattigen Pausenplatz suchen, denn in den Mittagsstunden war es viel zu heiß zum Radeln.

Am späten Nachmittag versuchten wir dann wieder zu trampen, um bis ins nächste Dorf zu kommen vor der Dunkelheit. Ein Pickup nahm uns mit. Und es war ein glücklicher Zufall in jeder Hinsicht. Der Fahrer war Hotelier. Und er fuhr uns nicht nur ganze 140 km bis Siem Reap, sondern organisierte für uns auch ein Zimmer in seinem Hotel für die anstehende Nacht und lud uns zum gemeinsamen Dinner in das Restaurant eines Freundes im Zentrum ein. Wir waren begeistert.

Sonntag, 19.02.17

Es gab kein Zeitlimit für die Räumung des Zimmers. Also schliefen wir uns endlich mal wieder aus und waren so erst um 11 Uhr startklar.

In der Tourist-Info holten wir uns Stadt-Pläne und Infos zu den Tempel-Anlagen im Norden der Stadt. Dort befinden sich 30 teils buddhistische, teils hinduistische Khmer-Tempel aus der Zeit 11.-13. Jahrhundert. Die wollten wir uns natürlich ansehen. Allen voran Angkor Wat, die größte Tempel-Anlage der Welt.

Danach schauten wir uns die Innenstadt und den Old Market (Phsar Chas) an und besuchten noch einige kleinere Tempel in der Stadt.

Streetfood:   Clip

Montag, 20.02.17

Wir deponierten unser Gepäck in einem der kleinen Stadt-Tempel und machten einen Abstecher zum Angkor-Ticket-Center am Stadtrand. Die Preise sind gesalzen: ein Tages-Ticket kostete 37 US-$. Dafür erkauft man sich den Einlass zu allen Tempeln in diesem Park und hat am Vorabend ab 17 Uhr freien Eintritt zu Angkor Wat. Mit dem Ticket-Kauf wollten wir aber noch warten, bis wir bei unserem Warmshowers-Kontakt untergebracht waren.

Angkor Panorama Museum:   Clip

Am frühen Nachmittag fuhren wir zum Tempel zurück und wollten unser Gepäck abholen. Dann kam der Abt auf uns zu und bot uns spontan die Übernachtung in einem Raum an. Das passte uns natürlich sehr gut, weil der Tempel nah bei Angkor Wat lag. Und so zogen wir die geplante Besichtigung vor. Wir ließen unser Gepäck im Zimmer, fuhren erneut zum Ticket-Center und kauften uns die Tickets für den morgigen Tag. Dann besichtigten wir Angkor Wat noch bis es dunkel wurde (das erlaubte das Ticket uns ja).

Insekten-Schwärme in der Stadt:   Clip

Dienstag, 21.02.17

Früh um 4 Uhr standen wir auf und um 5:30 Uhr waren wir am Eingang von Angkor Wat. Pünktlich, um den Sonnenaufgang über dem Tempel erleben zu dürfen. Für die Fotos war es allerdings nicht einfach, den perfekten Standort zu finden. Und wenn die Sonne dann endlich erscheint, geht alles viel zu schnell. Aber es lohnte sich.

Folgt man den beiden Ringstraßen (17 und 27 km) in diesem Park, dann wird man an allen Tempeln entlang geführt. Beschränkt man sich auf die schönsten Objekte, dann reicht die keine Ringstraße. Und selbst hier mussten wir Prioritäten setzen bei unserem 1-Tages-Ticket. Man schafft nicht die Besichtigung aller Tempel an einem Tag.

Wir besichtigten Angkor Wat, Phnom Bakheng (der Tempel liegt auf einer Bergkuppe), Wat Bayon (ein Labyrinth-artiger Komplex mit 49 Pagoden), Wat Thommanon und Wat Chausay Tevada (zwei kleine Tempel, die relativ dicht beieinander stehen), Wat Ta Keo (dieser Tempel definiert sich durch sehr steile Treppen zum Tempel-Zentrum), Wat Ta Phrom (eine große Ruinen-Stätte, deren Verfall unter anderem auf das einnehmende Wachstum gewaltiger Bäume zurückzuführen ist. Deren Wurzeln überwuchern ganze Gebäude-Teile und geben diesem Tempel einen einmaligen Charakter).

Wat Bayon:     Clip1    Clip2

Selten machten wir an einem Tag so viele Fotos wie heute. Doch das Ablichten nahm nachmittags ein abruptes Ende, als unser Kamera-Akku plötzlich leer war (wir haben nur einen Akku, weil uns ein Zweitakku hier mit 70 US-$ viel zu teuer war). Ausgerechnet im Wat Ta Phrom, um 16 Uhr, also genau zur Zeit mit dem schönsten Sonnenlicht, war Ende mit dem Fotografieren. Und weit und breit gab es keinen Strom, um kurzfristig den Akku zu laden. Zufällig kam dann auch noch eine Gruppe buddhistischer Mönche hierher zum Foto-Shooting vor den Ruinen mit den spektakulären Wurzeln. Ein Fotomotiv, so selten wir ein Sechser im Lotto und kein Strom mehr im Foto-Akku. Ich machte vor Wut die Faust in der Tasche und begnügte mich mit der deutlich schlechteren Smartphone-Kamera.

Mittwoch, 22.02.17

Wir verabschiedeten uns im Tempel mit einem kleinen Geschenk und fuhren ins Stadt-Zentrum. In der großen Mittagspause gab es dann wieder eine tolle Überraschung: Ameisen in der Packtasche. Diesmal hatte es Annett erwischt. Die leckeren Gemüse-Frikadellen von heute morgen hatten Ihnen Duft entfaltet und das war den Ameisen natürlich nicht entgangen.

Über den herunterhängenden Spanngurt hatten die Tiere ihren Weg hoch in die halboffene Packtasche organisiert. Dann fraßen sie kleine Löcher in die Tüte mit den Frikadellen und zerlegten die Leckerbissen, um sie dann stückchenweise abtransportieren zu können.

Nach einer Stunde war alles wieder Ameisen-frei verpackt und wir wollten aufbrechen. Ich schaute sicherheitshalber auch noch einmal in meiner Packtasche mit dem Proviant nach. Und tatsächlich hatten die kleinen Räuber in der Zwischenzeit auch bei mir wieder ein Schlupfloch gefunden und machten sich an den Nudelsuppen zu schaffen.

Ameisenplage:   Clip

Die Ameisen sind eine üble Plage in dieser Region. Es gibt kein Gebäude ohne Ameisen-Straßen und nicht selten brennt es plötzlich an den Füßen, wenn sie auf dem Rasen unbemerkt an einem hochklettern und zubeißen. Einen solchen Angriff wird man nur wieder los, indem man sich Eimerweise Wasser über die Beine und Füße kippt.

Als es dunkel wurde, fuhren wir zu unserem Warmshowers-Kontakt Seyha außerhalb der Stadt. Ein sehr holpriger Schotterweg führte zu dessen Haus. Schlafen konnten wir dort dann im Obergeschoss. Alles war hier noch im Rohbau: der raue Betonboden war staubig und die großen Fenster-Öffnungen waren noch rohes Mauerwerk ohne Scheiben. Durch den gesamten Raum waren Leinen gespannt, an denen die Gäste immer ihr Mückennetz aufhängen konnten. Das war schon sehr komfortabel.

Es war extrem schwül und wir waren froh um jeden Luftzug, der durch die großen Fenster-Öffnungen zu uns gelang. Durch das elektrische Licht wurden allerdings Unmengen von Insekten angelockt. Einige waren so klein, dass sie durch die Maschen unseres Mückennetzes hindurch schlüpften. Somit hatten wir nicht wirklich Ruhe, als wir dann schlafen wollten.

Neben uns waren noch zwei andere Pärchen mit Reiserädern zur gleichen Zeit hier untergebracht. Und es war noch Platz für weitere Gäste. Es war wie in einer Reise-WG.

Gottesanbeterin:   Clip

Donnerstag, 23.02.17

Heute war Wäsche waschen eingeplant. Natürlich nur in “Handwäsche“. Waschmaschinen gibt es hier nicht. Aber durch Sonne und Wind würde heute alles schnell trocknen. Leinen hatten wir im Obergeschoss ja zur Genüge.

Ich fuhr derweil in die Stadt zurück, um unser Essen zu organisieren. Auf dem Rückweg bemerkte ich, wie sehr die Bewölkung zugenommen hatte in der letzten Stunde. Tief dunkle Wolken waren das plötzlich geworden. Ich erhöhte mein Tempo, um rechtzeitig wieder in unserer Unterkunft einzutreffen, bevor der große Regen losbricht. Ich hatte schließlich keine Regenjacke mit.

Durch mein Tempo schüttelte es mein Fahrrad auf dieser holprigen Schotterpiste dann aber so stark durch, dass sich die Plastiktüte mit unserem Nachtisch von meinem Lenker verabschiedete und in großem Bogen in den sandigen Weg schleuderte. Jetzt waren die frittierten Bananen ein zweites Mal paniert: nämlich mit Sand. Lecker!

Auf den letzten 500 m kam wie aus dem Nichts heftiger Sturm auf und wirbelte den Staub der Lehmpiste in die Luft. Aber ich erreichte unser Haus noch trocken. Es donnerte: ein Wärme-Gewitter war im Anmarsch.

nach dem SandsturmAls ich im Obergeschoss eintraf, war Annett gerade bemüht, dass Schlimmste zu verhindern. Durch die drei großen Fenster-Öffnungen stürmte der Wind und wirbelte Sand und Staub ununterbrochen durch unseren Raum. Unser Mückennetz flatterte wie ein Segel im Wind, die frisch gewaschene Wäsche lag zur Hälfte im Baustaub auf dem Boden, eine Matratze wurde durch den Wind hochgewirbelt und aufrecht stehend gegen die Wand gedrückt. Alles war voller Sand und kleine Gegenstände flogen durch den Raum. Wenn Annett sich bückte, um Gegenstände aufzuheben, drücke der Wind mit einer vollen Ladung Sand unter ihr Shirt und es fühle sich an wie kleine Nadelspitzen auf der Haut. Der Sturm legte sich nach einigen Stunden. Geregnet hatte es aber nicht hier, sondern nur in der Stadt. Allerdings soll der Regen dort heftig gewesen sein. Wir durften nach dem Sturm jedenfalls einen Teil unserer Wäsche erneut waschen und unseren Schlafplatz komplett entsanden.

Der Sturm:     Clip1     Clip2

Freitag, 24.02.17

Seyha nahm uns heute mit auf den Dorf-Markt außerhalb der Stadt. Wir nutzten das für unsere Lebensmittel-Einkäufe und bekamen wieder einmal exotische Leckereien zu sehen: gegrillte Heuschrecken, Ameisen-Salat und Käfer wurden angeboten. Wenn man prüfen will, ob die Käfer frisch sind, schält man den Panzer ab und probiert eine. So tat es eine Kundin neben uns. In dem Ameisen-Salat krochen vereinzelt auch noch lebende Exemplare herum. Ist halt ganz frische Ware!

Kokosnuss-Verarbeitung:     Clip1     Clip2

Auf engstem Raum bewegte sich der Zweirad-Verkehr zwischen den Marktständen. Das Dach über den Ständen war nur ein Flickwerk aus Wellblech und Plastikplanen. Aber als Markt der Einheimischen waren die Preise hier niedriger als im touristischen Old Market im Zentrum.

Abends wurde dann kambodschanisch gekocht und wir waren zum Dinner eingeladen bei unserem Gastgeber.

Samstag, 25.02.17

Nachts um 1 Uhr weckte uns ein heftiger Wind, der dann in weniger als einer Minute zu dem gleichen Sturm anwuchs, wie schon am Donnerstag. Das Mückennetz flatterte wie wild von links nach rechts, der Sand auf dem Boden wurde aufgewirbelt und verteilte sich auf unserem Schlafplatz. Wir zogen uns den Schlafsack über den Kopf, um selber nicht soviel Sand ab zu bekommen, doch nach einer halben Stunde waren wir samt unserer Ausrüstung wieder komplett eingesandet. Danach war wieder Ruhe. Der Sturm verzog sich so schnell, wie er gekommen war.

Wir hatten gestern Abend entschieden, dass wir heute Siem Reap verlassen und weiterfahren Richtung Battambang. Jetzt, nach dem zweiten Sturm, waren wir sicher, dass wir richtig entschieden hatten.

Nach dem gemeinsamen Frühstück brachen wir auf. Es war in den Morgenstunden bewölkt und somit angenehm kühl. Doch ab 10 Uhr brannte die Sonne wieder unerbittlich und es wurde unerträglich heiß. Man merkt, dass der Winter jetzt hinter uns liegt. Und unser Weg führt in den nächsten Monaten immer weiter nach Süden. Da standen uns noch heiße Tage bevor.

Sonntag, 26.02.17

Annett hatte sich gestern an den Beinen einen Sonnenbrand zugezogen. Ihre Beine waren voller roter Flecken. Sah aus, wie eine Sonnenallergie. Da suchten wir uns frühzeitig einen schattigen Pausenplatz in einem Tempel in Sisophon und blieben dort bis in den späten Nachmittag. Als wir weiterfahren wollten, boten uns die Mönche dann die Übernachtung an und so blieben wir im Tempel.

Montag, 27.02.17

Auf der Suche nach Computer und Internet landeten wir in einer Schule bei einem Volunteer aus dem Niederlanden, dessen Tochter ebenfalls Radreisen in Asien unternommen hatte. Er stellte uns sein Notebook zur Verfügung, doch nach kurzer Zeit brachen wir unsere Arbeit dort vorzeitig ab. Die Internet-Verbindung lief über den Schul-Server und war extrem langsam. Alle 10 min brach die Verbindung ab und es gab eine Error-Meldung.

Dafür fanden wir abends schnell einen Tempel für unser Nachtlager. Man gab uns sogar das WiFi-Passwort. Nett.

Dienstag, 28.02.17

Wir fuhren weiter Richtung Battambang. Unterwegs stöberten wir im Angebot eines Bioladens an der Straße. Und dort fiel unser Blick zufällig auf die Poster an der Wand: das Khmer-Alphabet und dessen Umlaute waren dort anschaulich abgebildet. Das ließen wir uns natürlich im Detail erklären. Wir fanden die Aussprache aber sehr schwierig.

Das Khmer-Alphabet:    Clip

Die Umlaute:    Clip

In Battambang machten wir zunächst einmal große Pause im erstbesten Tempel und wurden von den Mönchen am Nachmittag zu einer Tempel-Führung eingeladen. Die jungen Mönche lernen Englisch und üben sich in der Präsentation und dem Vermitteln der buddhistischer Lehre. Wir sollten die 5 Probanden danach in verschiedenen Kriterien bewerten. Als Dank schenkten uns die Mönche zum Abschluss einen Schal sowie zwei Bücher über die buddhistische Lehre und sie überreichten uns ein offizielles Zertifikat. Dann kam noch der Fotograf. Alles war richtig feierlich arrangiert. Fast so wie bei einer Preis-Verleihung.

Dann wurden wir zur Übernachtung in den Schulungs-Räumen eingeladen. Das ersparte uns für heute die abendliche Sucherei. Eine nette Begegnung war das.

Mittwoch, 01.03.17 – Samstag, 04.03.17

Wir blieben noch vier Tage in Battambang. Denn unsere Suche nach einem sauberen PC samt Internet für unsere Foto- und Film-Verwaltung und unsere Website war erfolgreich. Wenn es auch erst einige Hürden zu überwinden gab:

Man bot uns zunächst in der Touristen-Info den Rechner an. Doch der PC war so veraltet, dass es wieder Probleme beim Lesen der Speicher-Karte gab. Die Ordner mit den Fotos waren wieder nicht lesbar. Geht das schon wieder los, dachte ich bei mir.

Ich verließ den PC und ging in das Büro einer kleinen Firma direkt hinter der Tourist-Info. Dort konnte ich einen Rechner benutzen, aber Internet gäbe es heute nicht. Der Provider hätte seit gestern wohl Probleme.

Hier wurde die Speicher-Karte zwar wieder ohne Probleme gelesen, doch diesmal fehlten die richtigen Treiber zum Lesen unserer externen Festplatte. Der Treiber-Booster meldete insgesamt 21! veraltete Treiber. Nach deren Aktualisierung war unsere Festplatte dann lesbar und ich konnte endlich Fotos und Filme verschieben.

Nach kurzer Zeit funktionierte auch das Internet wieder. Und so konnten wir noch unsere Reiseberichte von Thailand und Laos aufbauen und veröffentlichen. Allerdings dauerte die Arbeit sehr lange, weil die Verbindung auch hier alle 10 min zusammenbrach. That’s Asia!

Während der Mittagspause wurde das Büro natürlich abgeschlossen. Die Pause ging von 11 bis 14 Uhr. Drei Stunden! Dafür konnten wir am nächsten Tag unsere Arbeit fortsetzen. An diesem Tag gab es dann jedoch fuer 2 Stunden Stromausfall.

Zwischendurch suchten wir in der Stadt nach einem Schuster, weil eine Reparatur an meinen neuen Flip-Flops fällig war. Die Sohle löste sich schon großflächig. Miese Qualität. Der Schuster verstand aber sein Handwerk und so wurde die Reparatur ein voller Erfolg: mein linker Schlappen war jetzt zwiegenäht.

Möbeltransport:   Clip

Sonntag, 05.03.17

Heute verließen wir Battambang und fuhren zum Wat Banan, der Ruine eines alten Khmer-Tempels. Die Ruine liegt 20 km südlich von Battambang auf einem Hügel und ist nur über eine lange, lange Treppe erreichbar.

Der Tempel ist sehr überschaubar: einige, relativ kleine Pagoden sind zu besichtigten. Und auch hier wurde kein Bindemittel zwischen den Steinen verwendet. Man kann sehr gut erkennen, wie sorgfältig die Erbauer die einzelnen Steine in ihrer Form passend gemacht haben.

Wir blieben nach der Besichtigung am Fuß des Hügels und machten ausgedehnte Pause. Es war viel zu heiß zum Radeln über die Mittagsstunden. Um 15 Uhr ging es dann weiter. Wir mussten nun über einen kleinen Verbindungsweg zur Hauptstraße Richtung Pailin fahren. Und da passierte uns wieder ein Missgeschick.

Ich lotste uns per Navi irrtümlich in den falschen Weg. Nach 4 km Schotterpiste kam eine Passage mit nassem Lehm. Wir kamen keine 10 Meter weit, dann blockierten unsere Laufräder. Der Schlamm klebte an den Reifen und schob sich an den Schutzblechen und den Bremsen auf, bis sich das Rad nicht mehr bewegen ließ. Es war genau so schlimm wie vor einem Jahr in Griechenland.

Es dauerte seine Zeit, bis alles wieder gängig war. Doch der richtige Weg war auch nicht viel besser. 15 km Lehmpiste mit groben Schottersteinen war zu bewältigen. Kurz vor der Dämmerung erreichten wir dann die Hauptstraße und es ging auf Asphalt weiter. Allerdings blies uns jetzt ein ziemlich starker Wind entgehen, der das Vorankommen erschwerte. Da suchten wir uns vorzeitig im Tempel einen Schlafplatz.

Maniok-Ernte:   Clip

Staubige Piste:   Clip

Brücke in Sisophon:   Clip

Im ersten Tempel waren die Bedingungen derart schlecht, dass wir direkt weiterfuhren zum nächsten Tempel. Dort waren die Mönche allerdings ausgesprochen neugierig und verfolgten jeden Handgriff von uns. Ruhe hatten wir dort erst um 11 Uhr, als die Mönche schlafen gingen.

Montag, 06.03.17

Wir fuhren bis Pailin, 15 km vor der Grenze Kambodscha-Thailand. Und wir hatten jetzt noch 2 Tage Zeit bis zum Auslauf unserer Visa. Da machten wir lange Pause im Schatten an einem städtischen Verwaltungsgebäude und wurden dort zufällig von einem der Mitarbeiter angesprochen. Er war jahrelang Tour-Guide hier in Kambodscha und interessierte sich für unsere Reise. Auf unsere Frage nach Computer und Internet bot er uns spontan seinen PC daheim und sogar einen Schlafplatz im eigenen Haus an. Er freute sich, zum ersten Mal Reisende aus Deutschland beherbergen zu dürfen. Und für uns war es Glück.

Wir fuhren die 15 km bis zu seinem Dorf und wurden erst einmal dem Englisch-Kurs vorgestellt, den unser Gastgeber täglich hier unterrichtet. Das wurde dann ein netter Austausch über unsere beiden Länder.

Danach versuchte ich, am PC unseres Gastgebers am Blog zu arbeiten. Doch der Seitenaufbau dauerte hier locker 15 min! Das war schon eine Quälerei. Richtig schnell wurde die Verbindung erst ab Mitternacht. Ich beschloss, eine Nachtschicht einzulegen.

Dienstag, 07.03.17 – Mittwoch, 08.03.17

Ich war gut vorangekommen mit dem Blog. Aber um 4 Uhr fielen mir doch die Augen zu und ich ging  schlafen. Bis um 7 Uhr. Dann machte ich weiter mit Arbeiten am Rechner, die keine Internetverbindung benötigen. Denn ab 7 Uhr morgens wurde das Internet in Kambodscha zur lahmen Ente.

Unser Gastgeber bestätigte den Geschwindigkeitsunterschied zwischen Tag und Nacht im Internet und bot uns an, länger zu bleiben und so blieben wir eine zweite Nacht.

Annett hatte unterdessen Besichtigungsprogramm mit unserem Gastgeber und einigen Schülern aus der erwähnten Englischklasse. Höhlenklettern stand auch auf dem Programm. Da war ich ein bisschen neidisch. Sie alle kamen mit Pech-schwarzen Gesichtern und Füßen von ihrem Ausflug zurück. Und es soll abenteuerlich gewesen sein: der Einstieg zur Höhle war eine Bambus-Rutsche und in der Höhle schwirrten ihnen die Fledermäuse um die Ohren.

Auch in der Nacht zum 08.03. arbeitete ich weiter an unserer Website. Um 5 Uhr früh war ich dann endlich fertig. 12 neue Artikel waren veröffentlicht und ca. 25 bestehende Reiseberichte hatte ich überarbeitet. Ich änderte nur noch einen Punkt im Hauptmenü und wollte die Arbeit dann beenden. Doch durch irgendeinen äußeren Einfluss dauerte das letzte Abspeichern extrem lange. Ich ging irgendwann zurück ins Menu und da traf mich der Schlag: im Dashboard fehlte das halbe Menü. Und auf der Website war alles chaotisch verschoben. Hauptpunkte und Unterpunkte standen nebeneinander, dazwischen Menüpunkte aus dem Fußzeilenmenü. Ich war entsetzt.

Wir wollten eigentlich um 6 Uhr packen und frühzeitig Richtung Grenze starten. Doch jetzt hatte ich erst einmal neue ungeplante Arbeit. Aber was ich auch immer versuchte, es führte nicht zum Erfolg. Irgendetwas war zerstört worden in der Datenbank auf dem Web-Server. Ich kontaktierte den Support von unserem Hosting-Anbieter, doch der bot mir nur die Buchung des neuen Backup- und Wiederherstellungs-Service an. Ist natürlich kostenpflichtig. Da organisierte ich mir zunächst unseren eigenen Backup aus der Cloud.

Nutzen wollte ich den Backup aber erst, wenn es keine Alternative mehr gäbe. Denn mit einem Zurücksetzten um 1 oder 2 Tage gingen ja 2 Nächte Arbeit verloren. Das wäre schon bitter. Ich bat einen Web-Spezialisten aus der Heimat um seine Diagnose zum entstandenen Schaden, doch der war natürlich gerade sehr beschäftigt. Also nahmen wir diese Baustelle erst einmal mit in unser nächstes Reiseland: Thailand.

Wir packten am Vormittag unsere Sachen und verabschiedeten uns aus Pailin. Es ging durch sehr hügeliges Land in ständigem Auf und Ab durch die Mittagshitze Richtung Grenze. Die Grenzabwicklung war dann aber, wie erwartet, sehr unkompliziert und ging zügig über die Bühne.

Resume Kambodscha 2017

Die Hauptstraßen in Kambodscha sind asphaltiert, Nebenstrecken sind häufig aus Schotter oder Lehm. Man wird als Radler oft mit Staub eingenebelt. In den ersten Tagen fuhren wir an vielen brennenden oder verbrannten Feldern vorbei. Die Farmer reinigen so ihr Anbauland. Auf uns wirkte die Landschaft da natürlich trostlos und gespenstig. Der Verkehr ist stellenweise gefährlich. Kaum jemand hält Seitenabstand ein beim Überholen.

Es tummelt sich viel Tourismus in den Städten nahe der Sehenswürdigkeiten. Dementsprechend sind die Preise gesalzenen: 500 gr Haferflocken kosten 5 $, auch der Eintritt zu den Sehenswürdigkeiten ist für Touristen oft ungewöhnlich hoch.

Man sollte die üblichen Preise für einzelne Lebensmittel kennen und vor dem Kauf handeln, sonst zahlt man deutlich überhöhte Preise. Es wird auch mit anderen Tricks gearbeitet im Streetfood-Bereich: Reis wird locker aufgeschlagen, um mehr Volumen vorzutäuschen, beim Reis im Bambusrohr ist der Bambusstab nur zu einem Drittel mit Reis gefüllt, usw. Besonders extrem sind die Preis-Aufschläge in größeren Supermärkten in den Touristen-Zentren wie z.B. in Siem Reap. Dort sind die Preise auch direkt in Dollar ausgezeichnet.

Trinkwasser muss man sich in Kambodscha kaufen. Das Leitungswasser (wenn es einmal Leitungen gibt) ist nicht genießbar. Grenzwertig ist da schon der Kauf von Zuckerrohrsaft auf Eis an den Straßenständen. Man weiß nie, woher das Eis kommt.

In manchen Gegenden gab es keinen Reis in den Straßenküchen. Hier dominierten dann Suppen und Nudeln. Khao Niau (Klebereis) fanden wir nur noch sehr selten.

Es wimmelt in diesem Land vor Ameisen. Sie sind nur 1 mm groß, aber verdammt schnell und aggressiv. Sie beißen, sobald man sie ihrer Meinung nach stört und sie fressen sich zu den Lebensmitteln im Gepäck durch. Wir hatten mehrmals Ameisen-Befall in unseren Packtaschen. Da muss man aufpassen, wo man sein Gepäck abstellt.

Die alten Tempel-Ruinen der Khmer um Angkor Wat waren beeindruckend. Dessen Eintrittspreise allerdings auch. Ein Tages-Ticket kostete 37 $.

Wir hatten ausschließich schwül-heißes Klima mit Temperaturen um 35 °C in Kambodscha. Von den wenigen Regentropfen bekamen wir nichts mit. Sie fielen nachts.

Die Übernachtung im Tempel war meist kein Problem, das klappte besser als in Laos. Allerdings ist die Wasserversorgung in vielen Tempeln sehr spartanisch. Wasser aus der Leitung ist selten. Meist gibt es nur stehendes Wasser aus riesigen Tongefäßen. Und die Steckdosen sind ausgeleiert. Da wurde das Laden des Handys zur Zitterpartie.

Das Internet ist eine Katastrophe. Wir haben nirgends eine stabile und halbwegs schnelle Festnetz-Verbindung zur Tageszeit gefunden. Nachts änderte sich das schlagartig. WiFi findet man häufig, aber nur in großen Städten.

Weiter geht es mit dem Artikel Thailand (2) 2017

Ein Kommentar:

  1. WAHNSINN!
    Liebe Annett und lieber Raimund,
    ich habe jetzt viele Stunden (nachgelesen, eure Tour, euer Abenteuer ist unglaublich!).
    Oft saß ich mit offenem Mund vor dem Bildschirm! Ihr seid so mutig und entdeckt die Welt per Rad! Die Fotos sind wundervoll! Ich habe Tschadikistan googlen müssen, ich wusste nicht wo es liegt.
    Beeindruckend all die Landschaften, die Natur, die Tempel.
    Welche Freude, dass ihr fast immer auf nette, offene Menschen trefft die hilfsbereit und gastfreundlich sind. Ich wünsche euch, dass das weiterhin so ist.
    Und ich wünsche euch, dass ihr von Magen/Darm Infektionen verschont bleibt. Wie das schwächt, ich finde es beeindruckend, dass ihr trotzdem eure Tagespläne meistens umsetzen konntet.
    Ich bewundere euer Vertrauen in das Leben.
    BLEIBT GESUND und weiterhin viel viel Freude!
    Und ich hoffe, dass ihr einen umfangreichen Foto/Video-Abend in Neviges veranstalten werdet, wenn ihr eines Tages zurück seid.
    Ganz liebe Grüße von
    Stefanie

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