Infoblock zu Zentralasien

Wir haben in 2016 die folgenden Länder in Zentalasien mit dem Fahrrad bereist:

Insgesamt waren wir in diesen Ländern 3 Monate auf Tour. Dabei haben wir sehr detaillierte Eindrücke gesammelt, die wir als komprimierte Information in diesem Artikel wiedergeben.

Bau-Substanz in Zentralasien:

Alles ist meist sehr „basic“: Türen und Fenster lassen sich oft nicht mehr schließen, fließendes Wasser und Strom fallen manchmal aus oder werden für bestimmte Tageszeiten abgeschaltet.

Man darf sich mit vielen kleinen oder größeren Tierchen arrangieren (Ameisenstraßen durch Küche oder Schlafzimmer oder ähnliches). Warmes Wasser ist selten, Duschen kennt man nicht (man wäscht sich meist mit kaltem Wasser und nutzt Eimer und Schöpfkelle). Viele Wasserhähne sind undicht, die meisten Wasser-Armaturen völlig veraltet und nicht mehr gängig. Leitungen sind mit einfachsten Mitteln an den Wänden befestigt, usw.

Alles wirkt sehr heruntergekommen, das Geld für Sanierung und Reparatur fehlt, sowohl im öffentlichen Leben als auch privat.

Insbesondere in Kirgisistan leben viele Familien in den Sommermonaten auf dem Land in ihren Jurten. Das sind große runde Zelte mit Holzgerüst, innenseitig schmuckvoll eingerichtet mit Teppichen, Kissen, einem Ofen und selbst gefertigtem Wandschmuck. Die gesamte Holzkonstruktion ist „handmade“.

Toiletten in Zentralasien:

Toiletten bestehen oft nur aus einer bruchfälligen Bretter-Hütte hinter dem Haus mit einem Schlitz in der Bodenplatte. Man hofft, dass die Bodenplatte hält (manchmal besteht die Trittfläche nur aus ein paar dünnen zusammengenagelten Brettern), Toilettenpapier kennt man kaum und so etwas wie einen Geruchsverschluss gibt es nicht.

Zelten in Zentralasien:

Wild Zelten war oft problemlos möglich, aber selten erforderlich. Wir fragten stets beim Eigentümer oder Anwohner und erhielten dabei meist wohlwollende Einladungen zu besseren Plätzen auf Privatgrund oder gar Einladungen von einer Tasse Tee bis zur Übernachtung im Haus.

Manchmal wird man auch von Passanten oder Autofahrern auf der Straße spontan zur Übernachtung und zum Essen im eigenen Haus eingeladen. In der islamischen Welt (der Islam ist in Zentralasien die dominierende Religion) gilt ein Gast als heilig und der gläubige Moslem ist glücklich, wenn er einem Gast Gutes tun kann.

Kommunikation in Zentralasien:

Alle Menschen sind freundlich, grüßen und helfen gerne. Im Gespräch dominieren sanfte Andeutungen. Klare Ansagen und präzise Informationen sind selten und unüblich. Das erschwert oft die Suche nach dem richtigen Weg oder einer Adresse.

Mit bepackten Fahrrädern wird man sofort als Tourist/Fremder erkannt und erregt Aufsehen bzw. weckt Neugier. Man darf überall viele Fragen beantworten: woher man kommt, wohin die Reise geht, ob man Familie hat, usw.

Besonderes Interesse finden meist die Fahrräder: wie teuer? Überhaupt ist Geld sehr schnell das Hauptthema: wie teuer ist die Reise, woher nimmt man das Geld für eine Langzeitreise, was verdient man in Deutschland, usw. Deutschland geniest überall ein hohes Ansehen. Man kennt die wichtigsten Städte und Vertreter aus Politik und Sport. Und alle wollen gerne nach Deutschland: arbeiten und Geld verdienen.

Sicherheit in Zentralasien:

In allen Ländern erlebten wir friedliche, freudliche Menschen. Wir hatten nirgendwo Anass zur Sorge um unser Leben, unsere Gesundheit oder unsere Ausrüstung. Die Polizei-Präsenz auf der Straße ist enorm. Es gibt viele Kontrollen. Ausländer müssen sich registrieren lassen. An den Stadt- und Bezirksgrenzen gibt es oft Kontrollen, die der Landes-Grenzkontrolle sehr ähneln. In Städten ist Diebstahlgefahr natürlich ein Thema. Aber alle Länder empfanden wir als sichere Reiseländer.

Straßen in Zentralasien:

Wir fanden oft sehr schlechte Straßen vor. Der Asphalt bröckelt, hat Risse oder tiefe, große Krater. Es gibt tiefe Querrillen über die gesamte Fahrbahnbreite oder immer wieder Passagen mit staubigem Schotter. Insbesondere in Usbekistan vergällte es uns den Spaß am Radfahren. Hier war es besonders schlimm. Die Belastung für unsere bepackten Fahräder und die Packtaschen-Halterungen waren enorm.

Pamir-Highway, Schotterpiste:   Clip

Heutransport in Kirgistan:   Clip

Tunnel in Kirgistan:   Clip

Schotterpiste in Usbekistan:   Clip

Buckelpiste in Tadschikistan:   Clip

Asphaltstrasse in Turkmenistan:   Clip

Verkehr in Zentralasien:

Ein großer Anteil der Fahrzeuge ist sehr alt und völlig abgenutzt. Dementsprechend ist das Abgas-Volumen riechbar und sichtbar hoch. Es gibt keinen TÜV oder vorbeugende Inspektionen. Es wird gefahren, bis man liegenbleibt oder bis die Reifen platzen.

Seitenabstand zu Radfahrern erlebt man eher selten, der öffentliche Busverkehr und die Taxis waren extrem gefährlich für uns Radler. Es ist viel erlaubt: man transportiert Mitfahrer auf der Ladefläche, manche Fahrzeuge sind völlig überladen und 9 Personen im Kleinwagen sind keine Seltenheit.

Im Gegenzug ist der Spielraum für uns Radler auch größer: Fahren gegen die Einbahnstraße, auf dem Gehweg, bei roter Ampel, ist alles kein Problem. Auch bei Polizei-Präsenz.

Verkehr und Staub in Tadschikistan:   Clip

Staubige Piste in Tadschikistan:   Clip

Trampen in Zentralasien:

Die heiße, trockene Wüste in Turkmenistan sowie die schlechten Straßen in Usbekistan waren für uns handfeste Gründe, uns von LKWs mitnehmen zu lassen. Offiziell ist es verboten oder streng geregelt und wird kontrolliert. Die Bereitschaft, uns dort mitzunehmen, war dementsprechend gedämpft.

Manchmal bot man uns aber auch die Mitnahme an. Die Fahrer waren dann stets sehr kreativ im Umgang mit der Polizei: vom Verstecken in der Ladung bis hin zur Bestechung der Beamten war alles dabei. Und der Erlebnis-Faktor ist noch erwähnenswert: die Fahrt auf einer offenen Pickup-Ladefläche durch eine schroffe Gebirgsschlucht mit Tempo 100 km/h hat was.

Orientierung in Zentralasien:

Nicht immer ist eine gute Ausschilderung auf der Straße vorhanden. Und die Beschilderung ist in ganz Zentralasien natürlich fast ausschließlich in kyrillischer Schrift. Das macht es nicht gerade leicht, den richtigen Weg zu finden. Da hilft oft nur die Befragung der Locals. Doch Englisch wird nur selten verstanden; russische Sprachkenntnisse sind sehr hilfteich; vor allem außerhalb der Städte. Eine gute Karte und GPS sind auch sehr nützlich.

Wetter / Klima in Zentralasien:

In der warmen Jahreshälfte fällt kein Regen in Zentralasien. Das war neu für uns und sehr angenehm. Die tägliche Hitze ist sehr trocken und damit deutlich angenehmer zu ertragen, als die mitteleuropäische schwül-feuchte Hitze. Aber es ist in den südlichen Landesteilen sehr heiß: 50 Grad sind keine Seltenheit. Die Nächte waren noch angenehm warm und trocken. Auch morgens gab es kaum Feuchtigkeit. Wir verzichteten daher oft auf den Zeltaufbau und schliefen unter freiem Himmel. Das reduzierte unseren Aufwand abends und morgens deutlich.

Grenzen in Zentralasien:

Die Kontroll-Schärfe an den Grenzen ist in Zentralasien sehr ausgeprägt. Kirgistan ist visumsfrei bis 2 Monate, die anderen Staaten fordern ein Visum, das man sich vorab in einer Landesvertretung beschaffen muss. An den Grenzen durchläuft man dann einige Instanzen: Formulare ausfüllen, Angaben zu mitgeführten Geldmitteln und Wertgegenständen machen, alle Taschen röntgen lassen und dann auspacken, wenn verdächtige Dinge erkannt wurden. Das ganze Prozedere ist sehr zeitaufwändig. Die Behandlung wirkt oft auch sehr unfreundlich.

Besonders extrem ist die Grenzkontrolle nach und aus Usbekistan. Die Grenzbeamten zerlegten das gesamte Gepäck, überprüften die SD-Karten aller Kameras auf verbotene Aufnahmen und suchten an den Fahrrädern und in der Kleidung nach versteckten Objekten. Das war rekordverdächtig.

Bürokratie in Zentralasien:

Mit der Visa-Beschaffung fängt es meist an: man gerät in die Mühlen der Bürokratie eines Landes. Und an dem geforderten Umfang an Dokumenten und der Wartezeit lässt sich dann leicht ablesen, was einen im Land noch erwartet. Die Regeln und Vorgaben für die Visa-Beantragung können dabei von Botschaft zu Botschaft stark von einander abweichen.

Bei der Grenzkontrolle gibt es dann ebenfalls viel Papierkram und eine Reihe Instanzen. Im Land selbst existiert meist eine Registrierungspflicht und man gerät oft in Passkontrollen. Manches Mal wird man auch auf die Polizeistation geführt. Bei all diesen Amtshandlungen findet die Dokumentaion per Stift und Papier statt; elektronische Erfassungen sind selten. das setzt ein stabiles Stromnetz voraus. Und das fehlt halt. Besonders extrem erlebten wir die Bürokratie in Usbekistan.

Einkauf in Zentralasien:

Supermärkte und Discounter findet man in Zentralasien äusserst selten. Meist gibt es nur kleine oder kleinste Tante-Emma-Lädchen, davon aber unzählig viele. Die Krönung dieser Handels-Charakteristik sind die Bazare: dicht gedrängt auf kleinstem Raum werden die Waren angeboten; die Stände sind nach Warengruppen sortiert, der Preis entsteht durch Feilschen.

Markenware ist sehr teuer; durch die Importaufschläge. Preisschilder sind selten. Das erleichtert dem Händler natürlich, ggü. Touristen höhere Preise zu erzielen. Stellenweise wächst die Vielzahl der Straßenstände auch schon zur Bazar-Größe. Hier findet man meist Obst und Gemüse, aber auch Handwerkskunst und ortstypische Spezialitäten.

Esskultur in Zentralasien:

Tisch und Stühle finden sich selten. Meist bleiben die Schuhe vor der Wohnungstür und man sitzt oder liegt auf dem Teppichboden in großen Säalen ohne Möbel. Gegessen wird ebenfalls auf dem Boden sitzend; die Speisen stehen dabei auf einer Decke in der Mitte der Runde. Es gibt meist Besteck; aber mit den Händen zu essen ist auch üblich.

Es gibt überall in Zentralasien Sitzemporen mit Teppichboden und Sitzkissen in den edelsten Ausführungen auf den Terrassen der Restaurants und in den privaten Gärten. Hier sitzt man zur geselligen Teerunde oder den Mahlzeiten zusammen oder man nutzt sie für eine Runde Schlaf in der heißen Mittagszeit.

Brot und Reis dominieren sehr stark die Speisekarte. In ländlichen Gebieten reduzieren sich die Beilagen auf selbstgewonnene Produkte: Milch, Butter, Rahm, Kefir, vergorene Stutenmilch, Tomaten, Gurken und Melone.

Auf dem Land gibt es auch nur selten einen Laden. Das Angebot ist dann meist sehr bescheiden. Brot ist hier nur selten käuflich, weil jede Familie selber Brot bäckt. Dann ist die Anfrage bei privat die einzige Alternative. Manchmal bekommt man das Brot dann geschenkt. Tee ist allgegenwärtig. Er stellt das Minimum der Gastfreundschaft dar und begleitet jede Mahlzeit.

Gesundheit in Zentralasien:

Die Wasserqualität ist in Zentralasien ein großer Risikofaktor für das Wohlbefinden. Nicht selten verdirbt man sich mit ungenießbarem Wasser den Magen und hat dann drei Tage mit Magenkrämpfen, Erbrechen und Durchfall zu kämpfen. Besonders schlimm erwischt es die meisten in Usbekistan und Tadschikistan. Oft sind käufliches Wasser oder der eigene Wasserfilter die einzige Alternative. Desweiteren steht das oft zur Speisenzubereitung verwendete Baumwollöl im Verdacht, dieselben Erkrankungen auszulösen. Beim Sieden entstehen giftige Substanzen, die wir nicht vertragen.

Fahrrad-Service in Zentralasien:

Gut sortierte Bikeshops findet man nur in Kirgistan. In Usbekistan und Tadschikistan sind Bikeshops sehr selten. Hier findet man auch keine hochwertigen Komponenten. Die kann sich halt keiner leisten hier. Es gibt meist nur russische Technik.

Bike-Werkstätten sind noch seltener, geschraubt wird auf der Straße mit schlechtem Werkzeug. Es empfiehlt sich, hochwertige Ersatzteile schon im Gepäck mitzuführen oder von der Heimat senden zu lassen. Dasselbe gilt fürs Fahrrad-Werkzeug. Ketten für 8-fach-Schaltungen sind überall erhältlich, ab 9-fach wird es extrem schwierig.

Internet in Zentralasien:

Internet- Nutzung und Wifi sind stark eingeschränkt. In den großen Städten findet man Wifi in Hotels und einigen Restaurants und Cafes. Hotels und Hostels bieten einen Computer mit Internet-Zugang. Privat steht selten ein PC mit Internetleitung zur Verfügung. Die meisten nutzen mobiles Internet per Smartpone mit einer Sim-Karte.

Panorama in Zentralasien:

Aus der üblichen Mischung aus verschiedensten Landschaftsformen ragen in Zentralasien zwei besondere Extreme heraus: Wüste und Gebirge.

Sandwüste findet man in Turkmenistan und Usbekistan. In diesen Gebieten gibt es in der Regel nur wenig Zivilisation. Das erschwert dann möglicherweise die Zeltplatzsuche oder die Wasserversorgung, wenn man per Fahrrad reist.

Wueste in Turkmenistan:   Clip

Landschaft in Usbekistan:   Clip

Panorama in Usbekistan:   Clip

Wueste in Usbekistan:   Clip

Gebirge findet man vor allem in Tadschikistan und Kirgistan. Im Pamir-Gebirge in Tadschikistan erheben sich die Berge bis über 7000 m.

Pamir-Highway:   Clip

Pamir-Highway:   Clip

Weitere Videos zu Zentralasien findest Du auf unserem Youtube-Kanal:   hier

Weitere Fotos zu den einzelnen Laendern in Zentralasien findest Du unter:   Turkmenistan / Usbekistan / Tadschikistan / Kirgistan

Detailliertere Infos zu den einzelnen Laendern in Zentralasien findest Du unter:  Turkmenistan / Usbekistan / Tadschikistan / Kirgistan

3 Kommentare:

  1. Wie funktioniert es, sich etwas aus der Heimat senden zu lassen? – ihr habt doch keine feste Adresse. müsst ihr dann so lange an einem Ort bleiben, bis das Paket da ist?

    • Haben wir bislang einmal versucht und ging prompt schief. Hatten uns 2 Paeckchen aus der Heimat an eine Hostel-Adresse in New Delhi senden lassen. Beides kam nie an. Normalerweise klappt so etwas (poste restante). Halt nur nach Indien nicht.

  2. Super toll von Euch für Eure Mühe Eure Erfahrungen an Interessierte weiterzugeben. Asien wird meine nächste Tour, aber das dauert noch ´n Weilchen……

    Gute Reise wünsch ich Euch

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