Infoblock Indien

Dieser Infoblock Indien beruht auf den Erfahrungen und Erlebnissen auf unserer großen Radreise durch Asien. Wir sind in Indien im Rahmen dieser Reise 2 Monate durch den Norden des Sub-Kontinents geradelt. Von den insgesamt 29 Staaten und 7 freien Städten haben wir lediglich New Delhi, Uttar Pradesh, Bihar und Westbengal bereist. Das bedeutet, dass unser Infoblock lediglich aus unseren Erlebnissen in diesem Gebiet zusammengestellt wurde.

Die Menschen in Indien

Indien hat eine extrem hohe Bevölkerungsdichte. Das bekommt man zu spüren, sobald man mit seinem Reiserad irgendwo stehenbleibt. In wenigen Augenblicken versammelt sich eine Menschentraube um einen herum und man wird pausenlos und vor allem hemmungslos beglotzt. Es gibt keine Tabuzone. Alles wird angefasst und ausprobiert: Griffe, Klingel, Bremse, Schaltung, … alles. Daran muss man sich gewöhnen.

Und man versteht dieses Verhalten besser, wenn man sich in die Situation eines Inders versetzt: kaum ein Inder hat je in seinem Leben ein Fahrrad mit Gangschaltung und Beleuchtung gesehen. Unsere Fahrräder wirken wie Objekte von einem anderen Stern. Genau so ist einem Inder unverständlich, warum man mit einem Fahrrad fährt, wenn die Fortbewegung mit Motorroller oder Auto doch viel leichter ist. Auch der „Zweck“ unserer Reise ist für viele Inder nicht nachvollziehbar.

Einige Inder sprechen einen dann aber auch an und wollen alles über die Reise wissen. Die Begegnungen sind dabei immer sehr herzlich und oft entstehen zum Abschied Gruppenfotos von beiden Seiten (einige Inder besitzen auch ein Smartphone).

Es wird an jeder Stelle hemmungslos uriniert, die Männer packen sich ständig an die Genitalien und sie spucken ihren Kautabak auf die Straße. Einmal trafen sie sogar unsere Packtaschen. Ist schon etwas eklig.

Die Gesellschaft ist stark geprägt durch das Kasten-System. Viele Dienstleistungen des täglichen Lebens werden durch die unteren Kasten erbracht: Haushalt reinigen, spülen, waschen, Schuhe putzen, usw. Und man erzeugt schnell Aufregung, wenn man als Gast selber zum Besen greift oder das Geschirr in die Küche trägt. Man wird auch als Tourist manches Mal gefragt, welcher Kaste man selber angehört.

Auch stark gewöhnungsbedürftig: Vereinbarungen, Termine und Planungen sind nie verbindlich und werden meist mehrfach abgeändert oder ganz aufgelöst. Mit deutsch geprägter Erwartungshaltung ist das überhaupt nicht vereinbar und kann einen zum Wahnsinn treiben, wenn man dringende Dinge zu erledigen hat.

Die Toiletten in Indien

Meist sind die öffentlichen Toiletten in einem fürchterlichen Zustand. Toilettenpapier kennt man nicht. Es gibt nur einen Wasserbottich mit Schöpfkelle.

Zelten in Indien

Geschlafen haben wir nie im Zelt. Vielmehr folgten wir der Empfehlung der Einheimischen, Hindu-Tempel, Kirchen, Gurudwaras (die Gebetstempel der Sikhs) oder Schulen aufzusuchen. Die erlauben meist kostenlos oder gegen eine kleine Spende eine Übernachtung und sind sicherer als ein Zeltplatz.

An manchen Tagen wurden wir auch eingeladen, doch meist war das zu früh am Tag und wir wollten noch einige km fahren.

Enttäuscht waren wir von unserer katholischen Kirche: in einem katholischen Priester-Seminar hatten sie uns direkt abgewiesen mit der Begründung: „Übernachtungen seien nicht üblich“.

Kommunikation in Indien

Viele Inder sprechen fließend englisch, doch der indische Akzent und die hohe Sprechgeschwindigkeit machen dieses gesprochene Englisch fast zu einer neuen Fremdsprache. Sehr schwer zu verstehen. Und sie sind felsenfest davon überzeugt, dass „ihre“ Aussprache die richtige ist.

Religion in Indien

In Indien ist der Hinduismus mit 80 % die am weitesten verbreitete Religion. Man sieht viele Hindutempel, Kühe, Affen und Elefanten gehören zu den heilige Tieren im Land, es gibt viele Festivals und in der Nähe religiöser Zeremonien erlebt man immer ein Fest für die Sinne: Räucherstäbchenduft, ätherische Öle, Kerzen, Glocken, Musik, Tikas und Voll-Körper-Bemalung, … ja sogar das Zerschlagen von Kokosnüssen gehört mit dazu.

Festivals in Indien:    Clip1    Clip2

Szene aus dem Gurudwara:    Clip

Szene im Tempel:    Clip1     Clip2

Sicherheit in Indien

Ein großes Problem ist die Absicherung gegen Diebstahl. Immer und überall waren unsere Fahrräder von großen Menschenmengen umlagert, die zu gerne alles angrabschten. Und man wird ständig in Gespräche verwickelt. Somit ist eine permanente Beobachtung der Fahrräder eigentlich unmöglich.

Obwohl immer einer von uns bei den Rädern blieb, ließen sich Verluste da nicht vermeiden: Tacho und Kamera wurden uns gestohlen. Den Tacho fand die Polizei wieder, die Kamera blieb auf ewig verschwunden. Auch der Postdienst ist ein Risiko: zwei Sendungen aus der Heimat kamen nie bei unserer Ziel-Adresse an. Verlust: 200 €.

Die Tierwelt in Indien

Ameisen und Fliegen muss man mögen, dann erträgt man den Aufenthalt im Land leichter. Die Ameisen sind zwar bis zu 2 cm groß, aber harmlos. Die Fliegen sind dagegen sehr dreist und nervig. Und von beidem gibt es Unmengen überall. Die Fliegen übertragen Krankheitserreger und man tut gut daran, sie vom Essen fernzuhalten.

Es gibt überall im Land freilaufende Affen, sogar im Regierungsviertel. Der Affe zählt ebenso wie die Kuh zu den heiligen Tieren im hinduistischen Glauben. Er verkörpert Lord Hanuman, eine Gottheit in Gestalt eines Affenmenschen.

Neben Schlangen, die immer wieder mal unseren Weg kreuzten, waren vor allem die Mücken unsere größte Gefahr. Denn die Infektion mit Dengue-Fieber oder Malaria ist nie auszuschließen, wenn sie stechen.

Die Straßen in Indien

Es gibt sowohl Asphaltstraßen als auch Lehm- und Schotterpisten. Und alle diese Straßen und Wege existieren in den unterschiedlichsten Qualitätsstufen von gut bis sau-miserabel. Im Straßengraben befinden sich oftmals regelrechte Müllhalden: Wertstoff-Depots für die unteren Kasten oder Rinder, Schweine und wilden Hunde.

Befindet sich entlang der Straße ein Gewässer, dann muss man stets den Gestank fauligen Wassers ertragen.

Der Verkehr in Indien

Der Verkehr ist richtig gefährlich: wenn LKWs oder Busse aus dem Gegenverkehr überholen, fordern sie obligatorisch per Dauerhupe, dass man als Zweiradfahrer in den Graben flüchtet. Tut man das nicht, wird man über den Haufen gefahren. Apropos Hupen: sie sind extrem laut und werden ständig betätigt; meist um sich die Vorfahrt zu sichern. Und das auch, wenn schon absehbar ist, dass es wirkungslos ist. Geisterfahrer gibt es so viele wie in Deutschland Ampeln. Es gibt zwar Verkehrsregeln, aber die werden eher als Empfehlung betrachtet.

Stadtverkehr in Indien:    Clip

Im Schwerlast-Verkehr wird die Hupe eher als Musikinstrument betrachtet: die verschiedensten Melodien oder Rhythmen zeigen die Kreativität der Ausrüster und die Liebe der Inder zur Musik. Würde uns auch sehr gefallen, wenn es nur nicht so extrem laut wäre. Ich bin ab dem dritten Tag nur noch mit Gehörschutz gefahren. Sonst hätte sich mein Tinnitus bestimmt verschlimmert (und das ist ernst gemeint!).

Manche LKWs sind fahrende Musiktruhen: Lautsprecher am Fahrerhaus übertragen die abgespielte indische Musik in Konzert-Lautstärke für die Nachbarschaft.

Fahrende Musiktruhen:    Clip

Nachts fahren viele in der Stadt mit Fernlicht. Man sieht halt mehr. Dann wird das Überqueren der Straßen zu Fuß oder per Fahrrad zum Spiel mit dem Feuer: man ist derart geblendet, dass man Entfernungen und Geschwindigkeit nicht mehr abschätzen kann.

In der ersten Reihe an der Ampel stehen, ist besonders spannend: schaltet die Ampel auf Grün, gleichen die ersten 5 Sekunden einem Formel 1 – Start. Ca. 20 bis 50 Motorradfahrer geben dann Gas bis zum Anschlag.

Wer kein Auto oder Motorrad hat, lässt sein Fuhrwerk von Esel, Kuh oder Kamel ziehen. Oder fährt eines dieser vielen, vielen Fahrräder „Made in India“, technisch auf dem Stand der 50er Jahre: keine Lichtanlage, keine Gangschaltung und nur eine einfache Stahlfelge.

Nervig fanden wir außerdem die endlosen Wartezeiten an Bahnübergängen. Nicht selten steht man eine halbe Stunde vor der Schranke, weil die Verantwortlichen zwischen 2 Zügen wohl ungerne die Schranke öffnen.

Indien ist staubig. Täglich legt sich eine dünne, klebrige Sandschicht auf die Packtaschen. Ist ja weiter nicht schlimm, aber jeder Griff zu den Packtaschen erzeugte sandige, klebrige Finger. Den Staub schluckt man natürlich auch auf der Straße: ständig knirscht es zwischen den Zähnen. Annett fuhr nur noch mit einem Tuch als Atemschutz.

Trampen in Indien

Trampen ist ohne Probleme möglich. Manchmal muss man lange warten, bis jemand hält. Aber es ist eine gute Alternative zu den völlig überfüllten Zügen und anderen öffentlichen Verkehrsmitteln. Bei Zugfahrten werden Fahrräder in der Regel von außen unter ein Fenster gehängt.

Orientierung in Indien

Die Beschilderung ist meist in Hindi, nur selten in Englisch. Aber mit GPS und Offline-Karte gab es in der Regel keine Probleme. Einige kleine Straßen waren in unserer Karte nicht enthalten. Da wurde es dann schwierig. Denn das war meist außerhalb der Städte, wo auch kein Mensch Englisch spricht. Also konnte uns dort auch keiner helfen.

Das Klima in Indien

Die extrem hohe Luftfeuchtigkeit und die tropischen Temperaturen haben uns im September sehr zugesetzt. September ist halt noch Monsun-Zeit. Man schwitzt pausenlos und in der feuchten Luft trocknet alles nur sehr langsam. Die Nächte sind unerträglich heiß, selbst der Deckenventilator ändert daran nicht viel. Aber der große Regen war schon durch, als wir Indien erreichten. Davor blieben wir verschont.

Bürokratie in Indien

Außer den Prozeduren bei der Ein- und Ausreise hatten wir keine Berührungspunkte mit Polizei oder Bürokratie. Und auch die Grenzgänge verliefen unkompliziert und schnell. Insbesondere zwischen Indien und Nepal gleichen die Grenzformalitäten eher einem Gang in eine Wechselstube: Pass zeigen, Geld bezahlen, einmal unterschreiben, Stempel abholen und fertig.

Es erzeugte auch keinen allzu großen Ärger, dass unser Visum beim Abflug aus Kolkata schon seit Mitternacht abgelaufen war. Man sah mit einem Augenzwinkern darüber hinweg. (Wie es zu dieser Überschreitung kam, haben wir in unserem Reisebericht Indien beschrieben; spannende Geschichte)

Einkauf in Indien

Streetfood ist in Indien ist ein echtes Erlebnis und preiswerter als Lebensmittel aus den Geschäften. Wir haben unseren Kocher daher nie benutzt. Supermärkte gibt es nicht. Lediglich kleine Lädchen.

Die Esskultur in Indien

Die reichhaltige indische Küche ist ein unglaubliches Erlebnis. Die Vielfalt an Speisen und Geschmacksrichtungen ist unerschöpflich. Dabei dominiert in der Regel scharfes Essen das Angebot.

Bei den Getränken ist die Vielfalt ähnlich: es gibt frisch gepressten Zuckerrohrsaft, Kokosmilch, Lemonensaft, süße Milchgetränke und vieles mehr.

Es wird viel Tee und wenig Kaffee getrunken. Beide Getränke schmecken eigentlich gleich, weil Milch und Zucker dominieren. Schmecken beide aber sehr gut.

Die Wasserversorgung in Indien

Gutes, gefiltertes Trinkwasser oder trinkbares Grundwasser aus einem Brunnen ist fast überall verfügbar. Die Einheimischen trinken es auch. Das traf zumindest auf unserer Strecke zu. Ist man unsicher, sollte man das Wasser filtern oder Wasser in Flaschen kaufen.

Gesundheit in Indien

Die empfohlenen Impfungen sind sehr wichtig. Ebenso die Beachtung der gängigen Regeln der Hygiene (Hände waschen, Fliegen vom Essen fernhalten, usw.).

Die Infektionsgefahr durch Mücken ist groß: die tagaktiven Mücken übertragen Denguefieber und die nachtaktiven Mücken übertragen Malaria. Gegen beides gibt es (noch) keine Impfungen. Es hilft am besten noch lange Kleidung und ein Repellent wie z.B. Odomos Naturals Mosquito Repellent. Die Einheimischen empfahlen uns zusätzlich noch eine flüssige Tinktur aus der Pflanze Tinospora cordifolia von Patanjali: „Giloy Juice“.

Einfache Krankheiten werden oft mit einem üppigen Medikamenten-Cocktail, bestehend aus 4 oder 5 verschiedenen Arzneien, behandelt: ein Antibiotikum, ein Schmerzmittel, ein Vitamin-Präparat und 2 Mittel gegen was auch immer. Frei nach dem Motto „Viel hilft viel“. Besser ist, man wird nicht krank in Indien.

Die öffentlichen Krankenhäuser sind hoffnungslos überfüllt und man sucht stundenlang die richtigen Schalter und Abteilungen. Dann zieht man eine Nummer und sitzt wieder stundenlang in der Warteschlange.

Der Knigge für Indien

Das Kastensystem durchdringt die Gesellschaft. Frauen werden schlechter behandelt als Männer.
Begrüßung per Handschlag ist üblich, aber zu kräftigen Händedruck sollte man vermeiden. Frauen sind sehr zurückhaltend, werden auch von Männern nicht zu direkt angesprochen. Die linke Hand und die Fußsohlen gelten als unrein. Gegessen wird oft mit der rechten Hand ohne Besteck.

Wohnungen und manche Geschäfte werden meist ohne Schuhe betreten, Tempel immer ohne Schuhe. Das Essen ist auf Partys und Einladungen meist das Ende der Veranstaltung. Länger bleiben gilt als unhöflich.

Trinkgeld ist üblich. Geschenke sind wichtig und werden nicht in Anwesenheit des Schenkenden geöffnet. Man sollte immer auf saubere Schuhe achten. Sie werden als Visitenkarte betrachtet. Die Gestik für Ja und Nein ist teils umgekehrt. Klare Jas/Neins erlebt man meist nicht. Nein gilt als unhöflich. Die Interpretation ist für Ausländer immer etwas schwierig. Klimaanlagen sind oft sehr kalt eingestellt: das gilt halt als Statussymbol.

Fahrrad-Service in Indien

Es gibt nicht wirklich Bikeshops, sondern nur offene Service-Buden an der Straße. Dort wird vor einer einfachen Strohhütte und mit einfachsten, meist ungeeigneten Werkzeugen alles repariert, was anfällt. Die Fahrrad-Technik ist allerdings um 50 Jahre zurück. Dementsprechend wurden unsere Fahrräder auch immer betrachtet wie Objekte von einem anderen Stern.

Internet in Indien

WiFi findet man nur sehr selten. In großen Hotels geht im Hinblick auf WiFi ohne Zimmerbuchung gar nichts. Und bei der Nutzung von Internet im Internet-Cafe sind Up- und Downloads nur in geringem Umfang oder gar nicht erlaubt. Auch in privaten Haushalten ist das Datenvolumen begrenzt und muss nach Verbrauch nachgekauft werden. Besser ist tatsächlich die Nutzung einer indischen SIM-Karte mit Datenvolumen für das eigene Handy. Dann ist man auch gegen die täglichen Stromausfälle immun.

Das Panorama in Indien

Großartige Landschaften sucht man vergebens im Norden im Bereich Uttar Pradesh, Bihar und Westbengal. Das Land ist flach und wird für die Landwirtschaft genutzt. Man erlebt aber viel tropische Vegetation und viel Kultur.

Die Sehenswürdigkeiten in Indien

Es gibt viele Hindu-Tempel und einige Gurudwaras in den größeren Städten. Insbesondere die Städte Ajodhya, Varanasi und Bodh Gaya sind sehr sehenswerte Pilgerorte. Oft sind es nicht nur die religiösen Bauwerke, sondern vor allem das religiöse Leben in den Tempeln, das einem in Erinnerung bleibt: Musik, Tanz, Meditation bis zur Trance, die Zeremonien der Pujaris, die Düfte der Opfergaben und Räucherstäbchen, … all das verbreitet eine ganz besondere Atmosphäre.

Besondere Sehenswürdigkeiten braucht man eigentlich nicht, wenn man wie wir per Reiserad durch das Land fährt. Die Erlebnisdichte ist auch so sehr hoch. Der Verkehr, die Menschen, die Straßenküche, der Müll, die Tierwelt auf der Straße, … alles wirkt ungewohnt und krass auf einen Europäer. Man erreicht sehr schnell die Reizüberflutung.

Weitere Infos über Indien findest Du hier:

 

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